An dieser Stelle möchte ich euch über meinen Ballett-Abend zum Ballettstück "Don Quichotte" berichten.
Für einige Tanzschüler*innen ansässiger Tanzschulen bietet sich an bestimmten Theater-Ballettabenden die Möglichkeit als "Begrüßungskomitee" im Foyer des Theaters die Gäste zu empfangen - neben Tanzschüler*innen aus anderen Studios, konnte auch ich und zwei weitere Mädels aus meinem Kurs dieses Privileg erfüllen...

Wir, die fürs Begrüßungskomitee ausgewählt waren, mussten 2 Std. vor Beginn im Theater erscheinen, wo wir unsere Outfits direkt von der Theater-Ausstattung zugewiesen und letzte Anweisungen bekamen. Danach ging es für uns ins Foyer wo wir unsere Plätze einnahmen, um die Gäste zu empfangen - viele ließen sich mit uns fotografieren. Als die Türen geschlossen wurden und die Aufführung begann, verfolgten wir diese aus einer ungewöhnlichen Perspektive - da wir quasi zum Stab gehörten, konnten wir nicht im Zuschauerraum sitzen, stattdessen mussten wir uns hinter der Bühne einen Platz suchen, was etwas gewöhnungsbedürftig war...
Den einzigen Vorteil daran sah ich, indem wir das ganze wuselige Treiben (während der Darbietung) hinter den Kulissen, aber auch das Ballettstück, verfolgen konnten. Das war schon interessant. Das wirklich tolle war aber, daß wir nach der Aufführung mit allen Tänzern*innen im Proberaum "abtrainieren" konnten. Abtrainieren ist quasi das Gegenteil vom Warmup, also die Anspannung und Stress von der Aufführung zu lockern, etc.
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Das Bild zeigt außer mir, Simone und Rebecca aus meinem Ballettkurs - etwas abseits standen noch Tobias und Roman, ebenfalls Ballettschüler unserer Schule, leider habe ich von diesen kein Bild...
Mein Outfit fand ich optisch nicht wirklich toll - hatte etwas von Kanarienvogel, was die grelle Farbmischung betrifft. Ich trug einen bordeauxfarben (denke ich mal...?) Nylon-Bodystocking/Einteiler, darüber eine Panty und eine Corsage, dazu Spitzenschuhe. Fast dieselben Looks trugen Simone und Becca, jedoch die Corsagen hatte niemand von uns gemocht...
Eine Kritik zum Abend gab es auch in einer lokalen Zeitschrift, wobei ich auf einige Textpassagen eingehen möchte:
Kostüme: es ist von "weitschwingenden Röcken und fluffigen Tutus bis hin zu Schlapperunterhosen" die Rede und ja, das sind bei Weitem keine gängigen Ballettkostüme. Sergei Vanaev hat nicht nur die Choreo entworfen, sondern war auch für die Kostüme verantwortlich, wobei er sich an der damaligen modischen Zeit zu orientieren schien, was die eigenwilligen Outfits erklärt. Ausgefallen mögen die Kostüme sein, aber (meiner Meinung nach) genau richtig für das Stück - wie sollten auch moderne Balllettlooks zu dieser tänzerischen Romanumsetzung passen?
Choreo des Stücks: die Autorin nimmt den Begriff "Akrobatik" in ihrem Artikel auf und fragt, ob diese nicht besser im Zirkus bleiben sollte, gleichwohl lobte sie die tänzersiche Umsetzung diesbezüglich. Mit Akrobatik bezieht sich die Autorin bsw. auf Rad schlagen, Hand- und Kopfstände und man könnte sich schon fragen, was solche Turnelemente im Ballett zu suchen haben, wenn nicht mal Modern Dance diese im Repertoire hat. Allerdings ist diese Vielfalt auch das Schöne am Tanz/Ballett - man kann verschiedene Stile mischen, jedoch müssen diese auch zur Handlung passen, was in diesem Fall etwas grenzwärtig, bzw. Geschmacksache war. Bsw. fehlte auch der übliche Spitzentanz vollkommen, was meiner Meinung nach für so eine klassische Romaumsetzung etwas schade war - so wirkte das Ganze dann doch recht modern.
Handlung - Umsetzung der Romangeschichte: zum ersten Mal habe ich Don Quichottes Geschichte tänzerisch umgesetzt gesehen, bzw. lebendig erzählt bekommen. Die tänzerische Qualität aller Beteiligten war fabelhaft, mit Leichtigkeit haben die Tänzer*innen die Choreographie von S. Vanaev aufs Parkett gebracht, sowohl das Publikum, wie auch uns Schüler*innen damit verzaubert. Kein Wunder, daß es am Ende tosenden Beifall gab. Handlungsmäßig brauchte ich einige Zeit, um mich in diese hinzuversetzen und zu verstehen, das Choreograph Vanaev mit diesen Schrittfolgen und Elementen eben einen bestimmten Handlungsabschnitt aus dem Buch tänzerisch zeigen wollte - somit empfand ich den bekannten "Kampf gegen die Windmühlen" nicht immer schlüssig. Oder war ich nur von der ungewöhnten Perspektive abgelenkt...?
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Zeitungsartikel zur Ballett-Aufführung, auf den ich mich bezog.
Fazit: es war ein tolles Erlebnis! Daß ich überhaupt die Möglichkeit hatte bereits vor der Aufführung sozusagen als "Empfangsdame" fungieren zu können, war klasse - ok, mein Outfit war es nicht sooooooooooooo

Vielleicht seht ihr das anders??? Danach konnten wir Schüler*innen gemeinsam das Stück verfolgen, wessen Handlung uns zu einigen Diskussionen verleitet hat. Gleichermaßen waren wir von der tänzerischen Darbietung gefesselt und hatten später sogar das Privileg mit eben diesen tollen Tänzer*innen (per Abtraining) den Abend ausklingen zu lassen - quasi, erst Ballett schauen, dann selber machen
Apropos selber machen - freue mich schon riesig auf unser nächstes Training und den Proben für einen kommenden Auftritt
Jennifer