Affirmativer oder Exolarativer Therapieansatz?
Affirmativer oder Exolarativer Therapieansatz?

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Marlene K.
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Affirmativer oder Exolarativer Therapieansatz?

Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

https://journals.sagepub.com/doi/10.117 ... 6221102325
Hier wird leider auf Englisch eine unterschiedliche Herangehensweise an Therapie für trans Menschen es gibt.
Hier die Übersetzung der Konsequenz von der DGTI/Lena Balk:
Die Autorin der Untersuchung kommt zu folgendem Schluss:

"Die Befürworter der geschlechtserforschenden Therapie räumen ein, dass einige sie als eine Form der Konversionspraxis betrachten, was sie paradoxerweise ablehnen, während sie sich gleichzeitig gegen ein Verbot von Konversionspraktiken aussprechen, da dies ihren Ansatz verbieten würde. Die Kritik an der geschlechtsspezifischen Therapie wird als Beweis für die ideologische Vereinnahmung der transsexuellen Gesundheitsversorgung angeführt. Ein genauer Vergleich von geschlechtserforschender Therapie und Konversionspraktiken zeigt jedoch viele konzeptionelle und erzählerische Ähnlichkeiten. Die Art und Weise, wie Befürworter über geschlechtserforschende Therapie sprechen, ist nahezu identisch mit der Art und Weise, wie Personen, die Konversionspraktiken anbieten, die auf die sexuelle Orientierung abzielen, ihre eigene Arbeit beschreiben. Trotz der Sprache der Erkundung hat die geschlechtserforschende Therapie mehr mit der Befragung, wenn nicht gar mit der Inquisition zu tun."
Ich habe einen weiteren interessanten Satz übersetzt:
"Until gender exploration is completed, youths are not offered transition-related medical services, and social gender affirmation is typically discouraged." Bis die Gender-Ursache-Erkundung abgeschlossen ist wird Jugendlichen keine transitionsbezogene medizinische Unterstützung gegeben und wird eine gender betärkende Unterstützung nicht empfoholen. "The mandatory nature of gender exploration is what distinguishes gender-exploratory therapy from gender-affirmative approaches, which often hold space for gender exploration and encourage individuals to explore what gender means to them while simultaneously providing transition-related medical services and social gender affirmation" Die obligatorische Natur (des Ansatzes) der Gender-Ursachen-Erkundung ist es was sie gegenüber gender-unterstützenden Ansatzes, der oft auch Ursachenerkundung und Ermutigung des Einzelnen zu hinterfragen was Gender für sie/ihn ist eben auch Transitionsbedingte Behandlung und soziale Unterstützung beinhaltet.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Lina
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Re: Affirmativer oder Exolarativer Therapieansatz?

Post 2 im Thema

Beitrag von Lina »

Die Übersetzung "Gender-Ursache-Erkundung" für "Gender Exploration" überrascht mich ein bisschen. Ist das ein fester Begriff, von dem ich die Definition irgendwo finden kann?
Marlene K.
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Re: Affirmativer oder Exolarativer Therapieansatz?

Post 3 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Lina hat geschrieben: Fr 9. Sep 2022, 10:37 Die Übersetzung "Gender-Ursache-Erkundung" für "Gender Exploration" überrascht mich ein bisschen. Ist das ein fester Begriff, von dem ich die Definition irgendwo finden kann?
Nein, ich habe sinngemäß übersetzt. Die wörtliche Übersetzung von Exploration ist Exploration.
https://de.wikipedia.org/wiki/Exploration
Marlene

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Re: Affirmativer oder Exolarativer Therapieansatz?

Post 4 im Thema

Beitrag von Lina »

Marlene K. hat geschrieben: Fr 9. Sep 2022, 18:22
Lina hat geschrieben: Fr 9. Sep 2022, 10:37 Die Übersetzung "Gender-Ursache-Erkundung" für "Gender Exploration" überrascht mich ein bisschen. Ist das ein fester Begriff, von dem ich die Definition irgendwo finden kann?
Nein, ich habe sinngemäß übersetzt. Die wörtliche Übersetzung von Exploration ist Exploration.
https://de.wikipedia.org/wiki/Exploration

Genau das fiel mir ja auf, dass du nicht hast.
Ich sehe nichts da, was mit Ursachen zu tun hat - und ich sehe auch in anderen Beschreibungen von Gender Exploration was über Suche nach Ursachen. Im Gegenteil. Das is ja eben das Geniale daran, finde ich.
Karla
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Re: Affirmativer oder Exolarativer Therapieansatz?

Post 5 im Thema

Beitrag von Karla »

Warum "oder"?
Vielleicht sollten die Ansätze kombiniert werden:
Unterstützung beim Ausprobieren der gegengeschlechtlichen Rolle, gleichzeitig:
Hinweis auf
- alternative Modelle: Butch anstelle trans-Mann (z.B. Kerstin Ott - fiele im Herren-WC kaum auf, liiert mit einer Partnerin, die sich mal als cis-hetero definierte)
- "Teilzeit-Frau" - Ventil nutzen und im Alltag dann "als Kerl" wieder funktionieren - auch in Beruf und Ehe, mit mehr oder weniger Duldung durch die Partnerin
- Enby
- ausschließlich soziale Transition - bis vor 100 Jahren gab es gar keine andere Möglichkeit, und trotzdem wurde sie genutzt, manche blieben jahrelang unentdeckt
(Entdeckung konnte hier in Deutschland teils bis 1945 Todesurteil bedeuten, in anderen Ländern leider bis heute)
- komplementäre transidente Menschen mal zu treffen (ich fand den Austausch mit trans-Männern sehr bereichernd! - z.B. beim TDOR kennengelernt)

Hier in der Stuttgarter SHG gibt es separate Treffen der trans- Männer und -Frauen, aber auch gemeinsame Termine, bei denen auch Eltern und Angehörige willkommen sind.

Beim Stammtisch treffen sich hier Teilzeitmädels, trans-Frauen mit oder ohne Beziehung, Partnerinnen,...

Wer alle Variationen kennt, kann sich für die persönlich richtige Möglichkeit entscheiden.
Ausgrenzung à la EMMA ist dabei auf keinen Fall zielführend!
z.B. Anastasia Biefang und Elke Spörkel haben neue Partnerinnen gefunden: auch lesbische trans-Frauen haben ihr persönliches Glück "verdient", wie alle anderen auch, ob cis-hetero, lesbisch, schwul, bi,... - nicht immer glückt es!
In der damals männlichen Rolle habe ich homoerotische Avancen erlebt: Legitim, genau so wie mein "Nein!" - Wieso soll es da Sonderrechte für Lesben geben?
(die probieren es ja auch bei hetero-Frauen, s. Kerstin Ott - in dem Fall ja mit Erfolg)

LG Karla
Ein Leben ohne Möps(chen) ist möglich, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
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