Menschen mit Einschränkungen bekommen "nichts geschenkt"

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Anne-Mette
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Menschen mit Einschränkungen bekommen "nichts geschenkt"

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

in einem anderen Thema wurde gesagt, dass Menschen mit Einschränkungen "von allein" Erleichterungen und Verbesserungen erhalten haben.
Dieser Eindruck mag zwar entstehen, ist aber nicht richtig.
Es gibt eine Vielzahl von Menschen, die sich für die Rechte von Menschen mit Einschränkungen und Sonderbedarfen einsetzen.
Dazu zählen u.a. die teiwelse sehr großen Verbände (https://www.bih.de/integrationsaemter/m ... verbaende/).
Es wird aber auch viel durch Selbsthilfegruppen und Vernetzung vorangebracht.
Es gibt Vertreterinnen und Vertreter in Selbsthilfegruppen, die auch in übergeordneten politischen Gremien sitzen und ihre Themen einbringen.
Weiterhin wird durch die Berufsverbände der in Einrichtungen oder freiberuflich Tätigen erreicht, dass es Verbesserungen z.B. bei der Ausstattung und beim Personalschlüssel gibt.
Auch "aus der Politik" kommen immer mal wieder neue Vorschläge, Gesetze und Richtlinien, die ich oftmals hier gepostet habe, z.B. Bundestag: Änderungen bei Teilhabeleistungen | Arbeit und Soziales/Ausschuss

Insgesamt läuft eine ganze Menge, wenn es um Kampf um generelle Verbesserungen und um bessere individuelle Leistungen geht.
Besonders "Betroffene" engagieren sich regelmäßig, auch auf Veranstaltungen, in Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern und Krankenkassenvertretern.
Ein Beauftragter oder eine Beauftragte für "Menschen mit Behinderung" ist in vielen politischen Gremien vorgesehen und vertritt dort die Rechte und Anliegen der Klienten.

Ja, in vielen Beiträgen und Überschriften heißt es noch "Menschen mit Behinderung".
Deshalb sind im Forum auch noch viele Beiträge mit diesem Titel vorhanden und zu finden (teilweise genau so übernommen).

Allerdings sehen es viele Menschen so wie in dieser Arbeit:
"Ich bin nicht behindert, ich werde behindert!". Der Paradigmenwechsel in der Kategorie Behinderung und der heutige Stand physischer und psychischer Barrierefreiheit in Deutschland
Leseprobe: https://www.grin.com/document/436020

Noch eine Info: Der Sozialverband Deutschland in Nordrhein-Westfalen (SoVD NRW) hat am 1. August seine Kampagne (2016) "Ich bin nicht behindert, ich WERDE behindert" gestartet.
https://kobinet-nachrichten.org/2016/08 ... behindert/

Gruß
Anne-Mette
Blossom
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Re: Menschen mit Einschränkungen bekommen "nichts geschenkt"

Post 2 im Thema

Beitrag von Blossom »

Mahlzeit,

... nun es begann mit der Aussage: Im Gegensatz zu trans Personen hätten sie das Bundes-Teilhabe-Gesetz geschenkt bekommen, und dem habe ich vehement widersprochen, denn auch Betroffene haben sich für ihre Sache eingebracht.

Danke für das Abkoppeln einer Thematik, die mir schon aus beruflichen Gründen sehr am Herzen liegt.
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Re: Menschen mit Einschränkungen bekommen "nichts geschenkt"

Post 3 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo,

Ich bin ja da sehr dilletantisch was meine Sachkunde angeht.

Ich habe mir gedacht, dass z.b. ein geistig gehadikappter Mensch für die eigene Sache nicht einstehen kann. Und dies daher zwangsweise vom Umfeld, also betreuenden Menschen geschieht. Wahrscheinlich falsch. Da ja es auch Behinderungen gibt die nicht kognitiv einschranken. Und ich finde es auch gut das man es erläuternd diskutiert.

Jedoch war es nur ein Nebensatz und überhaupt nicht Kernpunkt der Aussage des Beitrages. Welcher auch nur dazu diente, dass nicht jemand mit einem Beweis um die Ecke kommt, dass benachteiligte Massen doch nicht eigenständig kämpfen mussten. Unglücklich formuliert und schlecht gedacht.

Also nochmals nichts gegen Behinderte und ich will auch nicht deren Leid oder Kampf kleinreden. Zumindest willentlich nicht. Ganz im Gegenteil sie haben mein Respekt und meine Sympathie. Nur damit es klar ist.

LG
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Anne-Mette
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Re: Menschen mit Einschränkungen bekommen "nichts geschenkt"

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

das Thema liegt mir auch am Herzen, weil diese Arbeit zeitweilig auch zu meinen Aufgaben im pädagogischen Bereich gehörte.

Weiterhin habe ich immer, wenn sie stattgefunden haben, an den Treffen der Selbsthilfegruppenvertreterinnen und Vertreter teilgenommen.
Seit Corona wurden allerdings diese Treffen nicht mehr veranstaltet.
Das hat sicherlich auch darin einen Grund, dass viele dieser Menschen gesundheitlich "sehr eingeschränkt" sind.

Ich bin erstaunt, was es überhaupt für Krankheiten gibt und auf welche Art sich die Menschen für sich selbst und andere "Betroffene" engagieren.

Ich habe viel gelernt dabei.
Einige Nachrichten zur Thematik habe ich in der Vergangenheit gepostet, u.a. auch Veranstaltungshinweise
Tira
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Re: Menschen mit Einschränkungen bekommen "nichts geschenkt"

Post 5 im Thema

Beitrag von Tira »

Danke für den Beitrag, sind interessante Sachen dabei.
Das Hauptproblem bei sowas ist immer, ob die Hilfe bei den Betroffenen ankommt. Leider gibt es keine Zentralen Anlaufstellen und in meinen Augen ist die Sache mit dem Sozialen Sicherungsnetzt schon etwas Richtung Märchen angedriftet. Denn entweder hat es riesige Löcher, oder es sind in Wirklichkeit nur Halteseile. Kannst du dich nicht dran festhalten, oder hast niemanden der das für dich macht, hält dich auch nichts. Die Aussage: Sie haben zu wenig Geld zum Leben, deswegen sind unsere Hilfen nicht für sie zuständig sind völlig normal. Entweder bist du fit um dich durch zu boxen, oder es wird schnell fast unmöglich. Eine Krankheit zu haben, die viele haben, hilft dabei aber sehr, denn Gemeinsam ist man stark...Erfährt leichter wie es funktioniert und bekommt leichter Hilfe. Mit Corona und den Longcovid/Postcovid bekommen wir vielleicht soviel Zulauf, das meine Krankheit vielleicht auch irgendwie Gehör findet und nicht ewig jedes Jahr, ich glaub im Mai, die leeren Schuhe vor dem Reichstag in Berlin protestieren müssen. Vielleicht gibt es dann auch Mal medizinischen Hilfe, denn bisher ist es immernoch normal Patienten in die Psycho abzuschieben, obwohl es seid fast 60 Jahren eindeutig laut WHO eine neurologische Erkrankung ist, aber es ist halt eine der kompliziertesten und " wat der Bua net kennt, dat fretter net" wie meine Mutter zu sagen pflegt^^
Sorry fürs abschweifen, wollte nur sagen das die Welt nicht schwarz/weiß ist und man manches nicht sieht, solange man nicht selber drin steckt. Deswegen ist es immer gut nicht völlig unsichtbar zu sein, sonst kann auch kein Verständnis erwachsen (flo)
Veränderungen können schön sein, wenn Frau sie nur zulässt.
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Re: Menschen mit Einschränkungen bekommen "nichts geschenkt"

Post 6 im Thema

Beitrag von conny »

Anne-Mette hat geschrieben: Mi 23. Feb 2022, 08:59 Allerdings sehen es viele Menschen so wie in dieser Arbeit:
"Ich bin nicht behindert, ich werde behindert!".....
Diese Erfahrung habe ich oft genug gemacht. Dabei geht es nicht nur um die mobile Barrierefreiheit. Hier tat und tut sich inzwischen einiges. Aber noch oft genug wird einfach nicht nachgedacht. Wenn z.B. die Parkplätze für Behinderte auf einem Supermarktparkplatz nicht die sind, die dem Eingang am nächsten sind.
Behindert wird man auch von Menschen, die meinen zu wissen, was ein Mensch mit Behinderung zu leisten vermag oder was man ihnen zutrauen kann.
In der Vergangenheit mussten Betroffene sich vieles erkämpfen, aber inzwischen ist das allgemeine Verständnis für ihre Anliegen meist vorhanden.
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Re: Menschen mit Einschränkungen bekommen "nichts geschenkt"

Post 7 im Thema

Beitrag von Elvira »

Ich muß da als Betroffener (in mehrfacher Hinsicht) auch meinen Senf dazugeben: Sobald es um staatliche Gelder geht, kommen alle möglichen Institutionen sofort angelaufen und balgen sich um die Gelder. Es werden dann Menschen in Positionen gehoben, die weder dazu ausgebildet sind, noch Verständnis für den betreffenden Personenkreis aufbringen, weil sie gar keine Berührungspunkte mit der Zielgruppe hatten.
Mein Fazit: gut, daß mal drüber geredet wird. Wenn die Betroffenen aber nicht mit eingebunden werden, ist es nur wieder mal die Versorgung von bewährten Parteimitgliedern.
conny
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Re: Menschen mit Einschränkungen bekommen "nichts geschenkt"

Post 8 im Thema

Beitrag von conny »

Hast Du für Dein pauschales Urteil auch konkrete Beispiele?
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