Episode 29: Überraschende Einladung zu einer Party in Gruissan
Ein derartiges Geschäft muss natürlich begossen werden. Nun gehörte der Monsieur Angelotti aber nicht mehr zur älteren Sorte der Immobilienhändler, die hier im Mittelmeerraum, der ja seit der Römerzeit traditionell ein Weinbaugebiet ist, ihre Geschäfte mit einem Glas Rotwein abschließen.
Was aber geschah, überraschte Valerie dann doch. Als der Kaufvertrag unterschrieben war und der Termin der notariellen Beurkundung vereinbart war, nahm er sie in seinem Büro kurz zur Seite.
Er bedankte sich für das Privileg, mit ihr Geschäfte machen zu dürfen. Sie wehrte ab, tat ganz bescheiden. Dann kam er mit der Überraschung heraus:
"J"™aimerais de vous inviter pour la fete de mon anniversaire, et ca s"˜enroulera le samedi en quinze au port de Gruissan" (Ich würde Sie gerne für übernächsten Samstag zu meiner Geburtstagsfeier in den Hafen von Gruissan einladen) sagte er und lächelte erwartungsvoll, als rechne er keinesfalls mit einer Absage ihrerseits.
Darauf war sie unvorbereitet, aber aus irgendeinem Grund sagte dann doch spontan zu. Obwohl ihr völlig unklar war, was das wohl für eine Geburtstagsfeier im Hafen von Gruissan sein würde. Und was sie da wohl anziehen sollte? Wo die Feier wohl abging? Restaurant? Hafenkneipe? Stehparty im Freien? Für eine attraktive Frau wie Valerie tun sich da ein paar Fragen auf, das wird jeder sofort verstehen.
"Dans le port de plaisance, sur mon yacht, justement à coté du Gruissan Yachting-club" erklärte er ihr dann. (Im Yachthafen, auf meiner Yacht, gleich neben dem Yachtclub von Gruissan).
Valerie war völlig baff, ließ sich aber nichts anmerken. Eine derartige Einladung auf eine Millionärs-Yacht kriegt man nicht jeden Tag. Monsieur Angelotti war prominent, ein großer regionaler Unternehmer, und sie würde dort bestimmt ein paar wichtige Leute treffen, man nennt sie "lokale Promis" eben. Aber jetzt hatte sie nun mal zugesagt. Die Anzieh-Frage blieb vorerst noch offen.
Auf einer Yacht zieht man natürlich Tennisschuhe an. Aber im Club würde nach dem Essen bestimmt getanzt. Und dazu bräuchte es wieder anderes Schuhwerk. Sie beschloss, später in Angelottis Sekretariat anzurufen, um dort nähere Erkundigungen einzuziehen, so von Frau zu Frau gewissermaßen.
Ihre Nachforschungen bestätigten, was sie sich schon gedacht hatte, es würde dort am Yachtclub ein Barbecue im Freien geben, dazu natürlich drinks und jede Menge Tanzmusik, und später würde Angelottis Yacht wohl noch ablegen, um mit wenigen besonderen Gästen vor ein wenig in der Bucht vor dem Hafen zu kreuzen. Gutes Wetter natürlich vorausgesetzt. So sei der Plan, sagte die Sekretärin. Valerie rätselte, ob sie wohl zu diesen "besonderen Gästen" gehören würde. Sie zögerte, entschied sich dann aber doch, nicht zu fragen. Aber insgeheim hoffte sie, sie wäre auf der Gästeliste für diese Hafenkreuzfahrt.
Damit ergab sich eine neue Frage: Was soll ich bloß anziehen?
Valerie besprach sich später mit Freundinnen, und aus den diversen Ratschlägen ergab sich schließlich ihre Entscheidung für die Abendgarderobe, die saisonbedingt aus einem leichten Sommerkleid bestehen würde, aus weißem Leinen oder Synthetik, aber als Schuhe würde sie Louboutins tragen, und zwar rote Louboutins mit 10cm Absätzen, Louboutins, das musste schon mal sein. Wie oft wird man schon mal auf eine Millionärsyacht eingeladen?
Der Kaufpreis für die Schuhe von 595 Euro haute sie erst mal um, aber dann beruhigte sie sich wieder, denn, so fiel es ihr plötzlich eine, sie war ja jetzt reich. Sie hatte etwas geschwankt zwischen zwei Schuhmodellen, es gab diese Louboutins in 10 cm und auch etwas abgemildert in 8,5 cm Absatzhöhe, aber dann entschied sie sich doch für die höheren.
Wenn schon, denn schon.
Die absolute Überraschung kam dann später. Denn als schon die ganze Fest-Garderobe bestellt und auch schon einmal zuhause zur Probe getragen worden war, schaffte sie es nicht mehr, die Neuigkeiten bei sich zu behalten. Sie rief in Stuttgart bei ihrer alten Busenfreundin Erica an und erzählte ihr alles. Von A bis Z.
Dass sie ein paar Grundstücke verkauft habe und außerdem einen tollen reichen Immobilienhändler kennengelernt habe. Auch die überraschende Geburtstagseinladung musste sie der Erica brühwarm weitererzählen. Solche Sachen werden erst richtig schön, wenn man Freundinnen damit neidisch machen kann.
"Den Angelotti kennen wir" sagte Erica ganz cool am Telefon.
Das sei ein ganz, ganz alter Geschäftskontakt von Michael, ihrem Partner. Und das mit der Geburtstagsparty in vierzehn Tagen in Gruissan sei ihr auch schon bekannt.
"Und du glaubst es nicht, Valerie, wir sind da auch dazu eingeladen worden zu dieser Geburtstagsfeier, der Michael und ich", sagte Erica dann. Valerie war zum zweiten mal an diesem Abend richtig überrascht.
Und danach, nach einer kleinen Pause, sagte Erica noch:
"Wir bringen übrigens noch einen Überraschungsgast aus Stuttgart mit"
Als Valerie nichts antwortete, setzt sie noch ganz cool dazu:
"Du wirst dich bestimmt freuen"¦ aber mehr sage ich jetzt nicht"¦"
Soviel für heute. Fortsetzung und Auflösung der Überraschung demnächst, am kommenden WE
Lieben Gruß, Valerie
