Korte in der taz: „Ich weiß nicht, was mit Transidentität gemeint sein soll“

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Anne-Mette
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Korte in der taz: „Ich weiß nicht, was mit Transidentität gemeint sein soll“

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ein ausführlicher Artikel in der taz zum Wochenende: https://taz.de/Ich-weiss-nicht-was-mit- ... /!5845336/
VanessaB
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„Ich weiß nicht, was mit Transidentität gemeint sein soll“

Post 2 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Moin aus Kiel!

"Schwule und Lesben wollen von Ärzten und Therapeuten vor allem eines: in Ruhe gelassen werden. Transsexuelle hingegen wünschen eine aufwendige und folgenreiche medizinische Behandlung – mit irreversiblen, lebenslangen Konsequenzen. Und das wäre bei einer nur vorübergehenden Geschlechtsidentitätsverwirrung eine fatale Fehlentscheidung!"

Das lass ich mal so stehen und wirken ...

... dann füge ich hinzu, dass hier Äpfel und Birnen zusammen verarbeitet werden, mit Bananen und Himbeeren.

Geschlechtliche Identität und sexuelle Identität in eine Topf zu werfen, halte ich für schwierig und Transsexuellen quasi vorzuwerfen, dass sie anders als Homosexuelle, nach dem TSG ja noch immer gezwungen sind, sich mit Therapeuten auseinanderzusetzen oder sich bei teuren Ärzten in Epilationsbehandlungen zu begeben, ist nicht schlüssig für mich. Aber vielleicht meint er das ja ganz anders.
Darüber hinaus möchte ich gar nicht wissen, wie viele homosexuelle Menschen von Medizinern und Therapeuten "zeitgeistmäßig" behandelt wurden und werden, damit sie wieder der gesellschaftlichen Norm entsprechen ... Der Textteil passt also für mich gar nicht so richtig.

Ansonsten finde ich es gut auch kritische Themen anzusprechen. Nur die Art und Weise gefällt mir persönlich nicht immer ... Jetzt weiß ich zumindest, dass ich zu einer Sub-Gruppe gehöre ... Was ein Wort ... Ich nehme an, professionelle Minigolfer bilden auch eine Sub-Gruppe, genauso wie einarmige heterosexuelle Männer ... oder?! Nun gut, da fühle ich mich mal nicht ausgegrenzt.

Alles Liebe
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Marlene K.
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Re: Korte in der taz: „Ich weiß nicht, was mit Transidentität gemeint sein soll“

Post 3 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich bin TAZ-Leserin un Genossin. Meist genieße ich es, wenn die Zeitung Themen aus verschiedenen Blickpunkten und widersprüchlich bespricht.
So weit, so gut.

Was mir bei dem Artikel auffällt ist wer hier die Fragen stellt. Es ist der schwulenpolitisch aktive Redakteur Jan Feddersen.
Um dessen Standpunkt und eingeschränkte Sichtweise zu beleuchten muss ich nur zwei Seiten weiter blättern, wo Herr Feddersen seine Sicht auf Frauen am Thema "Schwärmen" beschreit mit der Überschrift:
Aber bitte nur ohne Tränen: Frauen!
https://taz.de/Archiv-Suche/!5849604&s= ... men=Print/
Es ist der dritte Text des Artikels. Bezeichnend ist die Betonung, dass bewundernswert nur Frauen ohne * sind...
Noch zwei Seiten weiter ein Text von Herrn Feddersen zu einer Teilnehmerin im TAZ Lab:
https://taz.de/Archiv-Suche/!5851124&s= ... men=Print/
Endlich zu Gast beim taz lab: Jagoda Marinić

Eine der wichtigsten Stimmen, auch in identitätspolitischen Debatten
...
Wenn ich die Texte gegeneinanderlese, ergibt sich das Bild des Mannes, den ich kenne:
Er will nicht queer sein, weil dies seine Identität als Schwulen unsichtbar mache. Gleichzeitig steht er einer Organisation "Queernations" vor.
Vertreter der trans Menschen gefähreden in seinen Augen die Erfolge der Schwulenbewegung, in dem sie die Gesellschaft überfordern.

Beides sind Aussagen, die ich so in direkten Gesprächen und vor Zeugen gehört habe, unter anderem bei einer Vorstellung des Buches "Beißreflexe" bei einer Veranstaltung der "Queernations"...

Ich bin schon gespannt auf andere Positionen von Hengameh Yaghoobifarah oder Peter Weissenburger, die so erfrischend anders denken...
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: Korte in der taz: „Ich weiß nicht, was mit Transidentität gemeint sein soll“

Post 4 im Thema

Beitrag von Marielle »

Namd zusammen,

es gibt Sachen, die passieren, aber man könnte sie sich so nicht ausdenken. Sachen, die zu absurd sind, um sie in der Fantasie passieren zu lassen.

Feddersen und Korte in der taz über trans*. Nichtmal das verdrehteste Gehirn könnte das imaginieren. Aber es passiert wirklich. Ich versteh das alles irgendwie nicht mehr. Wie kaputt sind diese beiden Typen, wie beschädigt in ihrer 'Männlichkeit', dass sie ihre Absurditäten gegenseitig für berichtenswert halten?

Analog dazu passt grade ein Interview, in dem Frau Schwarzer versucht, der WELT ihre absurde Wahrnehmung zum Angriff gegen die Ukraine zu erklären. Gestammel und Gestotter, von einer, die ihre Verdrehtheit auch für die Realität hält. Wie in anderen Bereichen auch.

Hoffentlich haben wir es gut

Marielle
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Re: Korte in der taz: „Ich weiß nicht, was mit Transidentität gemeint sein soll“

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Also nur um das einzuordnen: Jan Feddersen ist schon lange auf der anti-trans Schiene. Immer mal wieder auch zusammen mit Till Randolph Amelung, der ja auch ganz genau zu wissen meint, wer trans ist und vor allem wer nicht *hüstel* Feddersen macht hier den Stichwortgeber und hinterfragt kein Stück, obwohl jeder einzelne Absatz durch den Faktencheck rasselt.

Korte wiederholt alle längst widerlegten Behauptungen. Die "rapid onset gender dysphoria" (ROGD) von Lisa Littmann zum Beispiel, die rein auf der Befragung von Eltern beruhten, die sich in (3 oder 4) Online-Foren austauschten, weil sie mit der Transidentität ihrer Kinder nicht klar kamen und "völlig überrascht wurden". Hint: Sie hatten vorher nichts wahrnehmen wollen und wollten es dann auch nicht wahrhaben. Überraschend, dass sie überrascht waren oder? Dass Korte selbst weiter hinten das Wort "Stichprobenverzerrung" benutzt ist da schon dreist.

Die angeblich tausende Prozent Steigerungen bei trans Jungs sind nur so viel im Vergleich zu vorher, wo transmännliche Identität quasi unsichtbar war (und häfig sehr spät nach einer Tour durch die Butchwelt entdeckt wurde). Tatsächlich gleichen sich die Zahlen insgesamt nur an die transweiblichen an, wobei trans Männer offenbar vergleichsweise früher körrperlich transitionieren wollen, weil ihr Körper sie auch viel deutlicher darauf aufmerksam macht, jeden Monat. Im Alter ab 25 sind die Zahlen dann irgendwann ausgeglichen.

Es gibt da eine wunderbare Grafik als Analogie:
Bildschirmfoto 2022-05-01 um 01.06.13.png
Zu Beginn des 20sten Jahrhunderts wurde schrittweise die Bestrafung und das "Umtrainieren" (=Konversionstherapie...) bei Linkshändigkeit abgeschafft. "Enorme prozentuale Steigerung" - bis zu dem Plateau bei ca 12%, offenbar der Rate an natürlicher Varianz.

Die Kostenübernahme und die Klassifikation als Störung. Auch Unfug so wie er das darstellt, meines Erachtens bewusst falsch. Transidentität selbst ist keine Störung, sondern eine Varianz. Der Leidensdruck durch die Kollision mit dem eigenen Körper und vor allem der Umwelt erzeugt Leidensdruck und der kann eben "krankheitswertig" sein und da übernehmen die Kassen dann auch, so wie es im SGB steht. Korte vereinfacht unzulässig, so wie es ihm in den Kram passt.

Die armen unglücklichen Transmenschen nach der OP... sind auch so ein Unfug. Nicht die Transition macht unglücklich, sondern Nicht-Akzeptanz durch die Umgebung. Hatten wir schon. Der Knackpunkt ist aber, dass sie ohne Transition auch nicht besser dran sind. Nur äusserlich unauffällig. Also bis zum seelischen Zusammenbruch.

Die bösen Pubertätsblocker, diese neumodische Erfindung... werden seit 40 Jahren cis Jugendlichen gegeben, wenn deren Pubertät zu früh einsetzt. Und zwar weit vor dem Alter wie bei trans Jugendlichen. Diese Medikamente sind vergleichseweise (zu HET) ziemlich gut erforscht und dokumentiert und erzeugen keine irreversiblen Veränderungen. Da lügt Korte also, denn das muss er wissen.

DIe Pubertätsblocker sind genau dafür da, die Entscheidung so lange zu vertagen, bis klar ist, ob sich Kind / Jugendliche*r "mit seinem Geburtsgeschlecht" (falsch: Der gesellschaftlichen Zuordnung von Gender zu seinem Körper) "aussöhnt". Und zwar ohne dass der Leidensdruck währenddessen durch die Pubertät unerträglich wird. Das zu verweigern ist Folter.

Es gäbe noch mehr Stellen, wo er wirklich Unfug erzählt oder auf ebenso zweifelhafte Studien verweist wie bei Littmann, deren Paper ja von ihrer Uni zurückgezogen wurde, weil unwissenschaftlich.

Es gibt nur wenige Stellen, wo er mal was richtiges sagt: 1. Er weiss sicher nicht, was mit Transidentität gemeint ist, weil er seine cis Weltsicht als Norm nimmt. 2. Es ist quasi unmöglich, Transidentität objektiv zu ertesten, weil sie im Kopf und Gefühlsleben der Person stattfindet. Nur sie kann entscheiden, was ist und womit sie sich besser fühlt.
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