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manchmal_melissa hat geschrieben: Di 29. Mär 2022, 14:37
Den BH zu schließen ist bis heute ein mentaler Startschuss für meine Verwandlung, den ich jedes Mal genieße. Klick: Stress und Scham aus, Entspannung und Weiblichkeit an.
Hallo Melissa,
vielen Dank für deinen weiteren Rückblick aus deiner Erinnerung. Ich musste gerade beim Lesen schmunzeln . Mir geht es dabei genau so . Das Gefühl dabei ist schön und beruhigend dazu.
Tina-K. hat geschrieben: Di 29. Mär 2022, 18:13
*daumendrück* dass die nächste Lieferung besser passt.
"¦dann drück mal lieber nicht zu fest, denn wir sind noch lange nicht in der Gegenwart angekommen. Das Kleid in XL habe ich im November 2019 bestellt, die beiden in M und L dann im Januar 2020. Ich weiß also schon, ob eins davon gepasst hat, verrate es aber noch nicht"¦
es war wieder super schön deinen nächsten Teil zu lesen. Ja, mit der Größenfindung ist das gerade am Anfang so eine Sache. Ich kann aber voll und ganz nachvollziehen das du es nicht übers Herz gebracht hast das Kleidchen zurück zu schicken. Umso gespannter bin ich jetzt ob dir das Kleidchen in einer kleineren Größe wirklich mehr zugesagt hat.
Als die Kleider kamen, war ich alleine zu Hause. Ruckzuck hatte ich das Paket geöffnet und die beiden Kleider herausgenommen. Sie waren beide nochmal extra in Plastiktaschen verpackt. Ich nahm zuerst die mit der Aufschrift "L", weil ich fürchtete, dass mir M zu klein sein würde. Wenn das Kleid in M dann den schönen Rockstoff hätte, das Kleid in L aber wieder den moosgummiartigen, dann hätte ich nichts gewonnen. So musste ich nur einmal zittern. Grotesk, worüber man sich in solchem Momenten manchmal Gedanken macht"¦ Ich nahm also das Kleid in L heraus, und tatsächlich: dünne, weiche Baumwolle legte sich abwärts der Taille in schöne Falten. Meine Freude war riesig. Zur Sicherheit packte ich auch das Kleid in M aus, und auch dieses hatte den gewünschten Rock. Jetzt musste nur noch eines von beiden passen.
Wieder nahm ich erst das Kleid in L und schlüpfte hinein, natürlich nicht ohne vorher wieder den ausgestopften BH anzuziehen. Es passte, aber der Rock war gefühlt immer noch etwas zu lang. Aufgrund meiner kleinen Körpergröße würde es nicht so einfach sein, ein Kleidungsstück zu finden, das an allen Stellen passt, das war mir schon beim Ausmessen aufgefallen"¦ Also probierte ich auch die Größe M noch an. Es spannte ein wenig an den Achseln, auch an der Taille war es eng, aber dafür war der Rock perfekt. Er fiel genauso leicht, wie ich es mir vorgestellt hatte und reichte bis knapp über die Knie. Die Entscheidung war trotzdem nicht so einfach, schließlich sollte das Kleid ja auch noch passen, falls ich mal ein Kilo zunehme. Ich schlief ein paar Nächte darüber, dann zog ich beide nochmal an und entschied mich letztendlich doch für das Kleid in M. Das leichte Spannen war deutlich weniger auffällig als der proportional zu lange Rock und ich fühlte mich in dem kleineren einfach wohler. Außerdem hatte ich so einen Grund mehr, auf meine Figur zu achten. Die beiden Kleider in L und XL wanderten also zurück und ich hatte endlich mein erstes Kleid gefunden. Stolz hängte ich es in meinen Schrank und berichtete meiner Freundin von dem Erfolg.
Sie wollte meine Errungenschaft prompt auch einmal sehen und kritisierte mich direkt für den "Oma-Style". Wie ich bereits schrieb, war es ein Vintage-Kleid, und es sah auf dem Kleiderbügel wirklich deutlich altbackener aus als an mir. Das hätte ich am liebsten sofort bewiesen, aber auf diesen Anblick musste sie noch etwas warten. Ich war einfach noch nicht soweit. Das Spiegelbild meiner behaarten Beine unter dem Kleid hatte sich nachhaltig eingebrannt, und so wollte ich mich auf gar keinen Fall präsentieren. Ich hatte zwar auch meine halterlosen Strümpfe mal zu dem Kleid anprobiert, aber die waren schlicht zu dünn, um die Haare zu verdecken. Ich brauchte also definitiv Strumpfhosen für ein angemessenes Gesamtbild, ganz zu schweigen von passenden Schuhen, Make-Up und Perücke, Dinge von denen ich mir mittlerweile auch ziemlich sicher war, dass ich sie alle wollte. Ich nutzte die Gunst der Stunde und fragte meine Freundin, ob ich mir auch Strumpfhosen kaufen könne, um meine Beinhaare zu überdecken. Sie hatte damit überhaupt kein Problem, also ging ich noch einen Schritt weiter und bekundete auch mein Interesse an passenden Schuhen.
Sogar das stieß auf offene Ohren, mehr noch: Meine Freundin erkannte offenbar, wohin die Reise gehen würde, und fragte mich erneut, ob ich mich auch schminken möchte. Ich bejahte, immer noch zögerlich, aber bestimmter als beim letzten Mal. Da setzte sie sich schon in Bewegung und begann, in ihren Altbeständen zu kramen. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Mit so viel Unterstützung hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gerechnet. Wir waren für einen Augenblick das, was wir in unserer Partnerschaft immer sind und waren: ein Team, das ausgezeichnet harmoniert und sich ergänzt. Sie kam mit einer ganzen Tasche voll mit Schminke aus dem Badezimmer, die fast alles enthielt, was ich brauchte: Foundation, Eyeliner, Lidschatten, Wimperntusche, Lippenstift"¦ und alles war für mich. Vieles davon war schon alt und würde nicht zu meinem Hauttyp passen, einiges war sicher auch schon kaputt, aber für meine Belange reichte dieser Fundus erst mal vollkommen aus. Außerdem rührte mich allein die Geste schon sehr. Wir waren auf einem guten Weg"¦
Ein paar Tage später musste meine Freundin nachmittags arbeiten, also machte ich nach Feierabend einen Umweg und steuerte auf das Strumpfhosenregal bei dm zu. Ich war wieder sehr aufgeregt, aber es war kein Vergleich zum Kauf des Nagellackentferners damals. Vor dem Regal wurde es dann kurz unangenehm, weil mich das Angebot überforderte und ich dadurch länger suchen musste, als mir recht war. Ich wusste zwar aus Erfahrung, dass drei 20den-Strumpfhosen reichen würden, um meine Beinhaare zu verdecken, aber welche Farbe sollte ich nehmen? Ich entscheid mich für zweimal teint und einmal champagner. Je nachdem, in welcher Reihenfolge ich die anzog, sollte sich so die gewünschte Hautfarbe mischen lassen, so mein Plan. Der Rest des Kaufes verlief ohne komische Blicke oder gar Fragen. Zu Hause musste ich die Strumpfhosen natürlich direkt auspacken und anziehen, und mein neues Kleid gleich mit dazu. Es fühlte sich gut an, fast fünf Jahre nach der Mottowoche die Beinhaare nochmal Schicht für Schicht verschwinden zu sehen. Spätestens mit den schwarzen Halterlosen, die zum Glück auf den Strumpfhosen auch hielten, war kein Haar mehr zu sehen. Ich zog mein Kleid darauf und war glücklich. Endlich konnte ich mein weibliches Ich zufrieden im Spiegel betrachten, zumindest halsabwärts.
Doch nun klaffte an meinen Füßen die nächste optische Lücke: Ich brauchte dringend passende Schuhe. Die Erlaubnis, welche zu bestellen, hatte ich ja, aber ich konnte es nicht lassen, für das Gefühl kurz in die eigentlich zu großen Pumps meiner Freundin zu schlüpfen. Es sah toll aus, aber meine Freude durfte ich nicht lange auskosten. Schnell zog ich die Schuhe wieder aus und stellte sie akribisch genau zurück, denn eigentlich waren ihre Sachen ja tabu für mich. Ich verbrachte den Rest des Nachmittags im Kleid auf der Couch und begann schonmal, im Internet nach Pumps Ausschau zu halten"¦
ich finde es einfach nur schön was du in diesem Teil deiner Memoiren erleben durftest. Und nicht weniger schön und prima finde ich es wie offen deine Freundin mit der Situation umgegangen ist und dich so sehr unterstützt hat.
Dazu noch dein Talent mit Worten Bilder zu malen, einfach klasse.
Ich freue mich schon sehr darauf bald den nächsten Teil lesen zu können und wünsche dir, euch für die Zukuft alles liebe und gute.
Zusammen mit der erfolgreichen zweiten Kleidbestellung euphorisierte es mich extrem, dass das letzte Gespräch mit meiner Freundin so gut verlaufen war und ich gleich auch noch jede Menge Schminkzeug abgestaubt hatte. Ich versuchte, mir davon nicht so viel anmerken zu lassen, um sie nicht gleich wieder zu verschrecken. In den folgenden Tagen verbrachte ich sehr viel Zeit im Internet und suchte vorrangig nach klassischen, schwarzen Pumps. Aber nicht nur das"¦ Ich hatte das Gefühl, dass mir plötzlich die ganze Damenwelt offen stand. Ich war frei, ich konnte kaufen und bestellen, was ich wollte. Als hätte ich mein Leben lang vor einem verschlossenen Kaufhaus gestanden, in die schönen Schaufenster geschaut und mir nichts sehnlicher gewünscht, als mal hineinzugehen und diese Kleidung zu tragen und zu kaufen. Und jetzt, auf einmal, fiel mir der Schlüssel in die Hand. Vielleicht, wahrscheinlich lag er dort auch schon immer, aber jetzt traute ich mich, ihn zu benutzen. Jedenfalls befähigte er mich genau das zu tun, was ich mir schon lange wünschte. So schaute ich mir nahezu alles an, was die Damenabteilung zu bieten hatte. Ich musste mich bremsen, um nicht in einen grenzenlosen Kaufrausch zu verfallen. Trotz aller Disziplin bestellte ich am Ende ein sehr großes Paket voll mit Sachen für meine weibliche Seite: Da wären natürlich die Pumps, verschiedene Modelle und verschiedene Größen, aber alle klassisch schwarz und mit 7-10cm Absatz. Darüberhinaus konnte ich es nicht lassen, mir eine Kunstleder-Leggings zu bestellen, weil mir die als Jugendlicher schon sehr gut an Frauen gefallen hatten und gerade wieder in Mode gekommen waren. Wer eine Hose hat, braucht natürlich auch ein Oberteil, und so bestellte ich ein weinrotes Langarmshirt mit Schößchenrock dazu, um meine nicht vorhandene Hüfte etwas breiter wirken zu lassen und das Outfit zu komplettieren. Aber irgendetwas fehlte noch"¦ Richtig, ich brauchte nur noch eine Perücke, dann wäre meine Verwandlung endlich nochmal vollständig möglich. Also suchte ich lange nach Perücken mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Das war alles noch so frisch und mein Warenkorb war schon so gut gefüllt, da wollte ich keinen dreistelligen Betrag für eine hochwertige Perücke ausgeben. Auf der anderen Seite wusste ich, dass eine Faschingsperücke für 20€ das Bild eher zerstört, als es zu verbessern. Am Ende bestellte ich drei verschiedene Lace-Front-Perücken zur Auswahl, alle zwischen 50 und 60€. Die glänzten immerhin nicht so stark und sollten für den Anfang reichen.
So langsam konnte ich die Frauen verstehen. Ich wollte eigentlich nur ein paar Schuhe kaufen, aber am Ende war auch noch ein komplett neues Outfit und ein Satz Perücken dabei. Es gab einfach zu viel Auswahl! Ganz kurzentschlossen und auf gut Glück bestellte ich sogar ein Korsett und einen Waist Trainer mit. Es hatte sich, zu meiner Verteidigung, aber auch einiges aufgestaut. Ich konnte endlich all die Tricks und Kniffe anwenden, über die ich aus Mangel an echten Alternativen schon etliche Male gelesen hatte. Und dazu brauchte es eben ganz oft das entsprechende Kleidungsstück. Ich hätte noch viel mehr bestellen können, schaffte es aber, mich halbwegs zu mäßigen. Voller Vorfreude wartete ich auf das große Paket. Als es ankam, hatte meine Freundin mal wieder Spätschicht und ich so mehrere Stunden Zeit, um nach der Arbeit in Ruhe alles anzuprobieren. Wobei von Ruhe nicht wirklich die Rede sein konnte. Ich war so aufgeregt als ich das Paket öffnete, mein Herz pochte wieder unaufhörlich, meine Hände zitterten fast, so spannend war all das nach dieser langen Zeit. Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte und schnappte mir zunächst eine Leggings. Ich hatte aus den Fehlern mit dem ersten Kleid gelernt und alle Kleidungsstücke in zwei Größen bestellt. Bei den Leggings waren es M und S, und ich versuchte zunächst die größere. Da ich nur weite Jeans gewohnt war, war es gar nicht so einfach, in die Hosen hereinzukommen. Trotzdem merkte ich recht schnell, dass sie dennoch zu weit war, vor allem an den Unterschenkeln. Also probierte ich auch die Größe S, mit der ich logischerweise noch mehr kämpfen musste. Aber es lohnte sich: Die passte wie angegossen, es war ungewohnt schön, an den Beinen mal festeren, hautengen und trotzdem glatten Stoff zu tragen. Dazu kam noch der schimmernde Glanz des Kunstleders und das tolle Gefühl, wenn man die Hose von außen mit der Hand berührte. Ja, diese Hose machte Spaß. Und das war ja erst der Anfang.
Das Langarmshirt hatte ich in M und L bestellt. Wieder nahm ich das größere und warf es über. Vom Gefühl her schien auch das zu passen. Jetzt wollte ich es wissen: Schnell nahm ich eines der vielen Paare Pumps und schlüpfte hinein. Ich stand nicht wirklich stabil, aber egal. Ich nahm noch eine Perücke aus dem Paket und während ich sie unbeholfen auf meinen Kopf zog, stöckelte ich schon los zum Spiegel. Ich wollte mich unbedingt so sehen.
Als ich mich umdrehte und mein Spiegelbild sah, war ich baff. Die Leggings fühlten sich nicht nur fantastisch an, sie machten auch spätestens im Zusammenspiel mit den Pumps schöne, dünne Beine. Der Schößchenrock erfüllte seinen Zweck und suggerierte eine Taille sowie eine breite Hüfte, und die langen Haare auf meinem Kopf machten die Illusion zumindest für einen kleinen Augenblick perfekt. Mein Gesicht war zwar durch und durch männlich, aber mein Körper sah schon ganz weiblich aus und wenn ich blinzelte und alle Problemzonen und die Bartstoppeln ein bisschen verschwammen, dann stand mir im Spiegel eine junge Frau gegenüber. Vielleicht war das schon der erste heimliche Auftritt von Melissa. Irgendwie nahm ich in diesem Moment zum ersten Mal so etwas wie eine weibliche Persönlichkeit wahr, die nicht nur in mir drin existierte, sondern auch eine optische Erscheinung hatte. Es fühlte sich sehr schön an, aber bis zur offiziellen Geburt von Melissa sollte es noch etwas dauern.
Ich probierte an dem Nachmittag noch zwei Stunden lang Klamotten und Perücken an und betrachtete mich im Spiegel. Am Ende behielt ich die Leggings in S, das Langarmshirt in L und ein Paar Pumps in Größe 36 mit 9cm Absatz, die für ihre Höhe sehr bequem waren. Außerdem entschied ich mich für eine dunkelbraune Langhaarperücke. Das Korsett und der Waist Trainer waren jeweils zum Vergessen, ersteres war viel zu eng, letzterer hatte keinen merklichen Effekt. Aber das trübte meine Laune nicht. Ich hatte jetzt alles, was ich brauchte. Schuhe, eine Perücke, sogar zwei Outfits. Einem kompletten Umstyling mit Make-up stand nichts mehr im Weg. Zum Abschluss zog ich auch mein schwarzes Kleid zusammen mit Strumpfhosen und den halterlosen Strümfen nochmal an, um es im Zusammenspiel mit Pumps und Perücke zu sehen. Alles passte, es fühlte sich einfach richtig an. Immer mehr Puzzleteile griffen ineinander und so langsam fühlte sich meine Persönlichkeit ungewohnt komplett an. Ich konnte es nicht erwarten, dem Ganzen die Krone aufzusetzen"¦
vielen lieben Dank das du uns weiterhin so detailiert an deinem Leben, deinen Erfarungen teilhaben lässt. Danke
Ich kann genach nachvollziehen wie du dich gefühlt hast. Mir ging es damals genau so.
Und dann erst der Moment wenn man sein innerstes, die feminine Seite das erste mal im Spiegel bewundern kann. Das ist ein Moment den man nie mehr vergisst, da bin ich mir sicher.
Ich bin jetzt schon gespannt zu lesen wie es für dich weiter ging.
ich freue mich total mit Dir für Deine Erfolge. Ich kann so richtig mitfühlen, das erste Mal ist immer ein ganz besonderer Moment. Ich bin schon ganz gespannt, wie es bei Dir weitergehen wird.
Meine Freundin hatte von dem neuerlichen Großeinkauf natürlich mitbekommen und mich im Anschluss berichten lassen. Die Gespräche über das Thema waren aber immer noch größtenteils oberflächlich, denn so richtig gern redeten wir beide nicht darüber. Sie wollte zwar ein paar meiner neuen Sachen sehen, doch ich bestand darauf, sie erst im Gesamtpaket zu überraschen. Uns war zu dem Zeitpunkt beiden klar, dass sich überhaupt nicht die Frage stellte, ob ich mich mal komplett verwandeln möchte, sondern nur wann es zum ersten Mal so weit sein sollte.
Ich war allerdings immer noch nicht bereit, mich ihr als Frau zu zeigen. Wenigstens einmal wollte ich vorher ausprobieren, mich zu schminken. Meine Erfahrung ging ja gegen null, nur geschminkt worden war ich ein paar Mal und natürlich hatte ich anderen Frauen schon öfter neidisch über die Schulter schauen können. Aber ob das ausreichte, um nicht wie ein Clown auszusehen? Ich schaute einige Youtube-Videos zum Thema Augen-Make-up, um eine grobe Vorstellung zu bekommen, wie ich das anstellen könnte. Besonders für Schlupflider schaute ich mir Tutorials an, denn die hatten mir bei vorherigen Schminkaktionen schon mehrere Frauen bescheinigt. Nach ein paar Tagen Theorieunterricht wagte ich mich auch schon an die Praxis: Eines Nachmittags machte ich etwas früher Feierabend, kramte meine Tasche voll geerbtem Make-up heraus und begab mich ins Bad. Die erste Welle der Pandemie war da bereits in vollem Gange, und so war meine Freundin die ganze Zeit zu Hause und arbeitete im Wohnzimmer, während ich nebenan zum ersten Mal selbst mein Gesicht bemalte. Sie hatte von Anfang an betont, mir nicht viel helfen zu können, weil sie sich selbst nicht stark schminkt und zum Beispiel nie Lidschatten benutzt. Mir war das auch ganz recht, irgendwie war mir das alles vor ihr immer noch etwas peinlich, vor allem bei einem so ungewissen Ausgang. Außerdem wollte und musste ich es ja selbst lernen.
Ich rasierte mich erstmal gründlich und trug danach etwas unbeholfen das Make-Up auf. Dazu benutzte ich ein Make-up-Ei, das ich bei einem regulären Einkauf bei DM einfach mitgenommen hatte. Der Farbton war deutlich zu dunkel, und so bedeckte nach einiger Zeit eine erste Schicht künstlicher Bräune mein Gesicht. Es war, das überraschte mich, ein komisches Gefühl, sich selbst zu schminken. Es fühlte sich auf der einen Seite total richtig an und machte Spaß, das eigene Gesicht als Leinwand zu benutzen. Auf der anderen Seite hatte ich die gesellschaftlichen Normen im Kopf und fühlte mich komisch, das als Mann gerade wirklich durchzuziehen. "Ich schminke mich", das war einfach ein komischer, absurder Gedanke. Es war ein ähnliches Gefühl, wie es mich schon manchmal beim Anziehen von Strumpfhosen oder einem Kleid und beim Lackieren meiner Nägel beschlichen hatte. Da war es immer schnell verflogen, aber das Gesicht zu schminken war nochmal eine andere Hausnummer. Es war generell anders, all diese Dinge aus Eigenmotivation zu tun und nicht, weil man dazu "gezwungen" wird. Die Zweifel blieben mir zwar im Gedächtnis, aber zum Glück konnte ich diese negativen Gefühle relativ schnell wieder abstellen und mich vielmehr an meiner neuen Freiheit erfreuen. Etwas, das so viel Spaß macht, kann gar nicht komisch sein! Ich bin ich, das hier tut mir gerade verdammt gut, und es ist mir egal ob sich Männer für gewöhnlich schminken oder nicht. Da war sie plötzlich wieder, diese positive, trotzige und euphorische "Ich mache das gerade wirklich!"-Mentalität, die so viel Kraft und Energie freisetzen kann.
Meine Gefühle hatte ich also im Griff, aber das erste technische Problem wartete bereits über meinem Mund: Der Oberlippenbart hatte einen dunklen Bartschatten hinterlassen, auch der Rest des Bartes war nicht wirklich gut abgedeckt. Ich hatte durchaus schon öfter über Farbkorrektoren gelesen, aber hatte natürlich keinen da, also überdeckte ich alles nach dem Motto "viel hilft viel", was auch einigermaßen funktionierte. Als nächstes waren die Augen dran. Gemäß den Videos entschied ich mich, erst einen hellen, sandfarbenen Lidschatten großflächig aufzutragen und dann mit einem dunkleren, eher erdigen Farbton das eigentliche Lid bzw. die "Banane" zu schminken, wie man bei Schlupflidern so schön sagt. Dann kam mein Angstgegner, der Lidstrich. Meine Freundin hatte mir einen flüssigen Eyeliner vermacht und ich hatte berechtigte Sorge, mit einer falschen Bewegung meine ganze bisherige Arbeit zu zerstören. Glücklicherweise hatte unser Bad eine kleine Ablage vor dem Spiegel, die ich als Stütze für meine Ellbogen nutzen konnte. So gelang mir das Unterfangen sicher nicht perfekt, aber dennoch ordentlich. Die Wimperntusche dagegen ging mir von Anfang an leicht von der Hand, irgendwie fand ich den Bewegungsablauf schon immer intuitiv, vielleicht weil ich ihn so oft schon beobachten konnte. Es ist auch bis heute einer meiner Lieblingsschritte beim Schminken, weil es so einfach ist und die Augen sofort größer und weiblicher aussehen lässt: kleiner Schritt, große Wirkung. Zum Schluss griff ich zu dem weinroten Lippenstift, dem einzigen, den ich in meinem Fundus finden konnte. Da hatte ich den Schwierigkeitsgrad deutlich unterschätzt, denn ich musste mehrfach korrigieren, weil ich über die (imaginäre) Linie gemalt hatte oder meine Lippen am Ende schrecklich asymmetrisch geschminkt waren. Aber auch diese Hürde konnte ich irgendwann nehmen. Nach fast zwei Stunden setzte ich meine Perücke auf und konnte zum ersten Mal mein selbst geschminktes Gesicht im Spiegel betrachten.
Ich war zufrieden. Das Ergebnis war sicher nicht perfekt: Man konnte meine männlichen Gesichtszüge deutlich erkennen, der Bartschatten war noch leicht sichtbar, die Augenbrauen dick und dicht und der Lidstrich noch ungeübt. Aber für das allererste Mal sah das alles trotzdem schon ganz passabel aus und zusammen mir der Perücke wirkte mein Gesicht durchaus weicher, schmaler und weiblicher. Das wichtigste aber war für mich: So würde ich mich präsentieren können. Auch wenn noch viel zu lernen war und ich sicher kein perfektes Passing erreichen würde, sähe ich immerhin nicht lächerlich aus. Denn zu meinen größten Ängsten gehörte ja, am Ende als Mann im Kleid vor meiner Freundin zu stehen, nicht ernst genommen zu werden und damit die ganzen Fortschritte der letzten Zeit wieder rückgängig zu machen.
Ich versuchte, die kurze Zeit mit meiner weiblichen Seite zu genießen, die dieses Mal ironischerweise ausschließlich halsaufwärts statt halsabwärts in Erscheinung getreten war. Ich machte ein paar Selfies, überprüfte meine Mimik im Spiegel und versuchte, mich an mein neues Ich zu gewöhnen. Schweren Herzens machte ich dann zwei Stunden Arbeit innerhalb von zehn Minuten wieder zunichte und schminkte mich ab. Leider nicht wirklich gründlich, wie mir meine Freundin später mitteilte. Es dauerte ganz schön lange, bis die ganze Schminke wieder sauber aufgeräumt, die Flecken am Waschbecken weggewischt und alles wieder in meiner Tasche verstaut war. Ich sagte meiner Freundin noch am selben Tag, dass ich jetzt bereit sei. Wir peilten den übernächsten Samstag an, weil wir da beide noch nichts vorhatten. Der Tag, an dem sie meine weibliche Seite kennenlernen sollte und ich nach langer Zeit nochmal Frau sein konnte, er war endlich in greifbarer Nähe"¦
Hallo Melissa,
vielen lieben Dank für diesen nächsten Teil deiner Memorien. Es ist jedes mal wieder so schön und spannend deine Beiträge zu lesen. Denn mit deinen Worten kannst du wirklich sehr gute Bilder malen, uns mitnehmen, sodass ich jedes mal fast das Gefühl habe dabei zu sein.
Wie jedes mal bin ich super gespannt wie es weiter geht. Ich wünsche dir alles Gute für deinen weiteren Weg.
Natürlich kam an dem ursprünglich geplanten Tag etwas dazwischen. Ich hatte extra meine Nägel wachsen lassen und war vor Vorfreude schier geplatzt, doch dann mussten wir meine Vorstellung kurzfristig verschieben. Ich weiß nicht mal mehr, warum. Zum Glück vertagten wir meinen großen Tag nicht auf unbestimmte Zeit: Ich hatte viele Überstunden und war durch das Home Office so flexibel, dass wir sogar einen Wochentag einplanen konnten. Schon am nächsten Montag, also nur zwei Tage später als geplant, sollte es soweit sein. Meine Nägel konnte ich also schön lang lassen. Die zwei Tage und Nächte bis dahin zogen sich wie Kaugummi, doch irgendwann war er da: Montag, der 25. Mai 2020.
Wir hatten in der Zwischenzeit nicht mehr über unser Vorhaben geredet, und so war meine Freundin kurzzeitig verwirrt, als ich gegen halb eins meinen Laptop zuklappte und mich ins Bad verabschiedete. Sie erinnerte sich aber schnell und stimmte mit einem unsicheren, wackligen "OK" zu. Im Bad hatte ich mir schon meine Schminktasche sowie einen Nagellack zurechtgestellt. Meine Freundin hatte mir im Vorfeld ein paar ihrer Farben zu Auswahl gegeben. Ich zog mein T-Shirt aus und begann wieder damit, meine Brust und mein Gesicht zu rasieren. Danach wechselte ich in meine weibliche Unterwäsche, denn zum Schminken gehörte ja auch, das Dekolleté zu konturieren. Doch bevor ich damit loslegte, lackierte ich erst sorgfältig meine Zehennägel, denn die konnten ja während dem Schminken schön trocknen. Dann erst startete ich, wie schon beim letzten Mal, mit meinem Gesicht. Ich war heilfroh, dass ich es vorher geübt hatte. Das gab mir in diesem furchtbar aufregenden Moment die nötige Sicherheit und Routine, auch wenn es erst das zweite Mal war. Und ich wusste, wie ich gewisse Fehler korrigieren konnte, ohne von vorne anfangen zu müssen. Ich machte alles exakt so wie bei meiner Generalprobe, um ja kein Risiko einzugehen. Foundation, Lidschatten, Eyeliner, Mascara, Lippenstift. Trotz der Übung dauerte das alles wieder ewig, locker zwei Stunden. Ich hatte zittrige Hände, machte einige Fehler, verlor viel Zeit durch die Korrekturen und wollte generell alles perfekt machen. Immerhin hatte ich mich verbessert und war am Ende noch zufriedener als beim letzten Mal. Mit heutigen Maßstäben war das alles natürlich noch recht stümperhaft ausgeführt, aber gerade für die damals noch begrenzten Mittel war das Ergebnis ganz ordentlich.
Bevor ich meine Perücke und die Klamotten anziehen konnte, musste ich mir noch die Fingernägel lackieren. Ich wollte auf keinen Fall, dass ich mir beim Anziehen eine Macke in den Lack drückte oder die Haare der Perücke mich beim Lackieren störten. Trotzdem stellte sich das schnell als Fehlplanung heraus, denn nach dem Lackieren musste ich erst mal warten, bis alles getrocknet war. Aber ich wollte es ja so. Meine Freundin kam zwischendurch sogar mal an die Badtür, um zu hören, ob alles in Ordnung sei. Insgesamt dauerte das Umstyling ewig lange drei Stunden. Es sollte alles perfekt sein, wenn ich mich zum ersten mal jemandem zeige. Also knipste und feilte ich meine Fingernägel in eine schmalere, länglichere Mandelform und lackierte sie wie schon die Zehennägel in einem kräftigen weinrot, das sowohl zu meinem neuen Langarmshirt (Teil von Outfit Nummer zwei, wenn alles gut laufen sollte) als auch zum Lippenstift passte - Perfektionistin durch und durch.
Sobald alles trocken war, konnte ich mich anziehen. Ich kämpfte mich durch die drei Lagen Strumpfhose, die durch meine schwarzen Halterlosen ergänzt wurden. Streifte mein Kleid über, das schon bereit lag. Zog meine Perücke auf den Kopf und schlüpfte in meine Pumps. Fertig. Ich trat vor den Spiegel. Da stand ich also. Eine Frau. Ich. Kurz fühlte ich mich wie im falschen Film. Manchmal habe ich heute noch Schwierigkeiten, diese Wahrnehmung rational zu verarbeiten. Eigentlich will ich ja genau dieses Ziel erreichen: die Person im Spiegel als Frau lesen, mich selbst als Frau fühlen. Wenn es dann gelingt, fühlt sich das Gegenüber manchmal fremd an, wie eine Illusion, und es dauert eine Weile, bis man sich mit seinem neuen Spiegelbild identifizieren kann. Dennoch: das Gesamtpaket fühlte sich einfach fantastisch an. Nicht bis zur Hüfte, nicht bis zu den Schultern: Dieses Mal war ich endlich wieder rundum Frau. Es war das erste Mal seit der Mottowoche fünf Jahre zuvor, dass ich komplett und ernsthaftig zurechtgemacht war. Es war das unglaubliche Gefühl, die Gestalt gewechselt zu haben, das ich seitdem immer wieder jage. Klar, ich musste mich erst mal mit dieser neuen, unbekannten Person im Spiegel zurechtfinden. Nichtsdestotrotz erkannte ich eine weibliche Identität, einen Stil, eine Richtung, in die die Reise gehen konnte. Mein weibliches Ich war endlich Realität. Nur einen Namen hatte ich noch nicht.
Der schwierigste Teil des Tages stand mir allerdings noch bevor: der Gang nach drüben ins Wohnzimmer, zu meiner Freundin. Ich schaffte es nicht ihn zu gehen, war viel zu nervös. Zu groß schien mir die Gefahr, mit solch wackeligen Beinen in Kombination mit den Absätzen eine Bruchlandung hinzulegen. Aber auch in flachen Schuhen hätte ich die Überwindung nicht aufgebracht. Also machte ich es mir einfach und rief schüchtern ins Wohnzimmer, dass ich fertig sei. Dann wartete ich, mit schwitzigen Händen und klopfendem Herz, im dunklen Flur. Ich stand da irgendwie deplatziert, wie bestellt und nicht abgeholt, aber war ganz froh, dass man in dem Licht nicht jedes Detail sofort sehen konnte. Ich hörte, wie im Wohnzimmer zögerlich ein Stuhl zurückgeschoben wurde. Es war soweit"¦
Boahhhh, jetzt bin ich aber angefixt....und freue mich schon auf den nächsten Teil.
Da muß ich mir deinen Faden hier doch glatt noch von Anfang an durchlesen. Du schreibst von deinen Erinnerungen und ich bin gleich gefühlsmäßig voll dabei - wie sehr sich doch das Erlebte gleicht!
Gruß
Malvine
Nicht das schwarze Schaf ist anders, die Weißen sind alle gleich
Liebe Melissa,
das war wieder mal ein schöner Teil. Du kannst eben wirklich mit Worten Bilder malen. Jetzt bin ich selbst bestimmt fast so aufgeregt wie du damals wie es weiter geht.
Danke dass du uns so nah an deine Lebensgeschichte heran lässt.