Episode 25 A: Eine Frau, die neue Kleider braucht.
Am Tag als sie aus der Klinik entlassen wurde, schaute Valerie noch kurz in Narbonne in ihrem Büro vorbei, um bei Nicole Veron, ihrer Chefin, ein paar Wochen unbezahlten Urlaub zu beantragen. Dieser wurde ihr auch ohne weiteres genehmigt, denn es war Zwischensaison und da ist in der Branche ohnehin nicht allzu viel los. Die Temperaturen draußen waren frühlingshaft, mal Sonne, mal Regen, also noch kein Wetter, das die Urlauber in Massen nach Südfrankreich zieht.
"Nimm dir so viel frei, wie du brauchst" sagte Nicole. "Es gibt aber doch hoffentlich keine Probleme mit der neuen Brust?" fragte sie dann doch noch, und machte ein etwas besorgtes Gesicht dazu, denn Valerie hatte mit keinem Wort erwähnt, warum sie diesen verlängerten Urlaub brauchte.
"Nein, nein"¦ " wehrte Valerie ab.
"Keine Probleme, keine richtigen Schmerzen"¦ das meine ich nicht"¦ Nein es ist einfach so, dass ich mich an diese neuen Dinger da "¦"
Sie schaute an sich herunter, stockte dann und nahm ihre Brüste in beide Hände, wie um sie ihrer Chefin zu präsentieren. Das Gefühl war neu für sie. Richtig schwer, die Beiden... Man hatte richtig was in der Hand, sozusagen.
"Verstehst du, ich muss mich einfach noch besser an meine beiden Hübschen gewöhnen"¦. Wir müssen uns noch besser kennenlernen, wir beiden"¦" Sie lächelte und war zufrieden mit sich.
"Klar" antwortete Nicole und grinste breit. "Sie sind ja auch nicht gerade klein"¦ nein, das kann man wirklich nicht sagen, klein sind sie nicht geworden."
"Taille 120"¦ avec un bonnet C" antwortete Valerie und nannte ihre neue französische Größe.
Ja, genau das war auch das neue Problem, ihr passten jetzt ihre alten Oberteile nicht mehr. Gut, ein paar ihrer alten Pullis und Tops gingen noch, aber ihre Blusen und Kleider konnte sie wegwerfen. Ab damit in die Kleidersammlung, falls es hier so etwas gibt. Aber sonst: Neue Oberweite bedeutet, du brauchst neue Wäsche und mindestens obenrum auch neue Klamotten, das ist doch völlig klar.
Auf ihrem Krankenzimmer hatte sie deshalb schon intensiv im neuen Bonprix-Katalog geblättert. Toll, was es dort alles gab. Neben den vielen Bonprix-Modellen mochte sie auch die Rainbow-Reihe und die hübschen Sachen von bpc. Weniger die Jeanswear Sachen von John Bahner, auch Hosen mochte sie nicht, das sagte ihr alles weniger zu. Nein, für Valerie mussten es Röcke und Kleider sein. Weiblich eben.
Baumwollkleider, Leinenkleider, Viscosekleider. Unifarben, Bunt, oder gemustert. Blusen aus Viscose bedruckt mit floralen Mustern, T-Shirt Kleider in kurz oder lang, dreiviertel Arm, Langarm, Kurzarm, tailliert, weit schwingend, Hosenröcke, V-Ausschnitte, Rückenausschnitte, Man glaubt gar nicht, wie viele Halsausschnitte es gibt bei Frauenkleidung.
Dann die Frage: Eher eine weite Tunikabluse oder doch lieber eng anliegende taillierte Blusen? Bisher hatte sie immer eng anliegende taillierte Blusen vorgezogen, aber jetzt, geht das eigentlich noch mit dem neuen größeren Busen? Sie zögerte. Wäre dann doch vielleicht zu auffällg, dachte sie dann. Soll ich eng.. oder soll ich nicht?. Obwohl"¦ ist er auffällig? Schön ist er ja, mein neuer Busen, so dachte sie, aber sie war sich irgendwie noch uneinig mit sich selbst.
Oder vielleicht ein, zwei neue Jerseykleider? Sie zögerte. Sie hatte immer Etui-Kleider gehabt, so zum reinsteigen, mit Zipper am Rücken. Die neuen Midi-Längen, der Saum bis zu den Waden hinunter, sagten ihr eher nicht zu, fand sie zu schlabberig. Sie hatte bisher bei Röcken eher die knielangender Röcke vorgezogen. Eng am Po, unten dagegen knielang oder Knie umspielend. Und eng mussten ihre Röcke früher immer sein, körperbetont, knalleng. So war sie, die Valerie.
Aber war das jetzt nicht alles anders? Sie dachte nach. Mit dem neuen Körper sollte sich vielleicht auch ihr Kleidungsstil ein wenig ändern, oder etwa nicht? Sie würde sich das alles noch einmal in Ruhe überlegen. Sie war jetzt Mitte Vierzig. Noch keine alte Schachtel, aber man muss der Wahrheit ins Auge schauen, Valerie. Ihr fiel auf, dass die meisten Models in dem Katalog, den sie durchblätterte, höchstens halb so alt waren wie sie selbst. Vielleicht Anfang Zwanzig, manchmal sogar noch jünger.
Das könnten deine Töchter sein, Valerie, sagte sie zu sich, und musste dann breit grinsen. Nein, eher nicht.
Sie würde sich das mit den neuen Klamotten alles noch einmal genau überdenken und dann mit Sicherheit auch ein paar Tage durch die Kaufhäuser in Narbonne, Béziers, und Perpignan ziehen. Schade, dass Paris so weit weg ist, dachte sie. Das sind mindestens 5 Stunden mit dem TGV. Aber Paris würde natürlich noch mehr bieten für eine Frau in ihrer Situation. Ein Frau, die neue Kleider braucht.
Soviel für heute. Fortsetzung dann nach Ostern.
Liebe Ostergrüße, Valerie
