Hallo Lana,
Lana hat geschrieben: Mi 16. Mär 2022, 00:43
Lassen wir also mal die persönliche Ebene für einen Moment außen vor. Bitte, lass es uns wenigstens versuchen
gut. Damit stehst du schon mal besser da als jene, die hier freimütig zugeben, bewusst zu provozieren.
Lana hat geschrieben: Mi 16. Mär 2022, 00:43
Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen. Daraus ziehen sie ihre Schlüsse. Die fallen unterschiedlich aus. Alles nicht neu.
Erfahrungen und insbesondere die daraus gezogenen Schlüsse sind aber nicht automatisch gleichwertig, auch wenn bestimmte Gruppen dies immer wieder behaupten.
Ein Kind läuft mit dem Kopf gegen die Wand, das andere sieht im Fernsehen, wie andauernd irgendwelche Superhelden Wände einreißen. Zwei unterschiedliche Erfahrungen, und damit verbunden wahrscheinlich sehr unterschiedliche Schlüsse.
Lana hat geschrieben: Mi 16. Mär 2022, 00:43
Wie eigentlich immer im Leben, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, einen Sachverhalt zu beurteilen. Eine Version, die absolut wahr ist, gibt es nur in sehr seltenen Fällen, oder durch strikte Einschränkungen des Möglichkeitsraums.
Vorsicht! Solche Ansätze verleiten nur all zu leicht dazu, allerlei Ideen, Vermutungen und laienhafte Beobachtungen als gleichwertige Möglichkeiten zu betrachten.
Ein anschauliches Beispiel (Zumindest wenn du nicht selbst daran glaubst.

) ist die Idee, dass die Erde eine flache Scheibe sei. Die Anhänger dieser Idee "basteln" sich allerlei vorgebliche Beweise und vertreten sie sehr lautstark, auch wenn sie bei Lichte betrachtet völlig haltlos sind. Die Idee ist keine auch nur annähernd gleichwertige Möglichkeit zu der Ansicht, dass die Erde eine eher kugelförmige Gestalt hat.
Lana hat geschrieben: Mi 16. Mär 2022, 00:43
Traut man sich ohne innere Barrieren zu denken, erscheint Vieles nicht mehr so zwingend, wie es dargestellt wird. Das geht natürlich nur, wenn man sich dieser selbstauferlegten bzw. von der Gesellschaft übernommenen Denkschablonen bewusst ist und sie überwindet.
Grundsätzlich kennen die Menschen hier im Forum dieses Problem, wie sich persönliche Einschränkungen aufgrund von unhinterfragten übernommenen Denkmustern manifestieren und die eigene Handlungsfreiheit beeinflussen. Ein Beispiel wäre die Angst, en femme rauszugehen.
Die Gedanken sind bekanntlich frei. Doch nicht alles Denkbare hält der Realität stand, und es gilt das bereits Geschriebene, dass nicht alles Gedachte als gleichwertige Möglichkeiten anzusehen sind.
Ich habe mir als Kind z.B. eine Apparatur vorgestellt, durch die ich hindurchgehen und körperlich reversibel zwischen den Geschlechtern hin und her wechseln kann. Würde ich ich die bauen, könnte ich damit sicherlich der reichste Mensch der Welt werden ... wenn es denn praktisch möglich wäre.
Dein gewähltes Beispiel finde ich nicht so passend. Man könnte es zwar so sehen, dass wir Angst haben, en femme raus zugehen, weil auch andere Männer nicht in Frauenkleidern auf die Straße gehen .. also Angst vor der weiblichen Kleidung. Praktisch ist es aber wohl eher so, dass wir über Jahre verächtliche Äußerungen ("Das ist pervers, ekelhaft, widerlich, ...") und Ablehnung ("Du Dre**s-Schwu**tel /Perversling / ...") gegenüber "Männern in Frauenkleidern" zu hören bekamen, und Angst vor genau dieser geäußerten Ablehnung haben, weil wir nun mal Herdentiere sind, und dieser (wenn auch nur verbale) Ausschluss aus der Gemeinschaft eine Gefahr für und bedeutet.
Lana hat geschrieben: Mi 16. Mär 2022, 00:43
Mit diesen ganzen Impfdebatten und Öffnungsdiskusionen verhält es sich ähnlich, es ist ebenfalls angstgesteuert:
Die einen haben Angst vor Ansteckung durch Andere, die Anderen haben Angst vor Impfnebenwirkungen, wieder andere vor einer Gesellschaft, die immer mehr Freiheiten gegen Kontrollmechanismen einzutauschen bereit ist, und die nächsten fürchten einen zu laxen Umgang mit der Situation etc.
Ängste verhindern klares Denken, und stehen einem sachliche Austausch entgegen. So lange wir unsere Ängsten nicht akzeptieren, ist jede Diskussion zum scheitern verurteilt, weil man Ängste nicht mit rationalen Fakten auflösen kann.
Das gelingt nichtmal bei eindeutiger Faktenlage, und die haben wir hier nicht. Die Wissenschaft ist sich uneins, auch wenn gerne so getan wird, als sei dies nicht so.
Das ist nicht fremd für mich. Tatsächlich erlebe ich das schon seit 10-15 Jahren in meiner Familie am praktischen Beispiel, und habe mich auch schon vor Corona damit auseinandergesetzt. Die betreffende Person hat sich über Impfskepsis ("Die Pharmalobby will meine Kinder und uns alle vergiften."), Globuli und Esoterik zur Heilpraktikerin "entwickelt", und sich ohne vernünftige Gründe, von ihren Ängsten getrieben, immer mehr in diese Irrationalität hinein gesteigert. Das ging so weit, dass sie (Ich durfte das persönlich miterleben!) nach der Verordnung der "falschen" Sorte Globuli zuerst in Panik geriet, dann aber begann, heftigst herumzuschwurbeln und sich ihren Fehler so lange zurecht zu reden, bis sie sich eine Erklärung aus den Fingern gesogen hatte, warum diese "falschen" Globuli trotzdem eine heilende Wirkung gehabt hätten. <-- Und nein, dabei kam sie nicht auf den Pacebo-Effekt!
Betreffend Corona hat mich/uns diese Person von Anfang an mit Ängsten überhäuft. Sie hat ihre Ängste mitgeteilt ("Passt auf euch auf! Bill Gates will die Menschheit ausrotten." und und und), Sie hat dabei vehement bestritten, Ängste zu haben, und zugleich jedem Ängste unterstellt, der darüber nachdachte, erst mal vorsichtig zu sein, bis man weiß, was los ist. Dabei hat das Vermeiden von Risiken nicht automatisch mit Angst im Sinne von irrationalem Handeln zu tun, auch wenn es gerne so dargestellt wird. Wir vermeiden tagtäglich zahllose Risiken, rein aus dem Wissen, was potentiell gefährlich ist. Wir schauen, ob die Straße frei ist, gurten uns an, fahren auf der richtigen Straßenseite ... wissen auch, dass wir uns bei anderen Menschen durch zu engen Kontakt mit bestimmten Krankheiten anstecken können. Also ganz normales Handeln.
Lana hat geschrieben: Mi 16. Mär 2022, 00:43
Nein, es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens. Das zeigt sich u.a. daran, dass andere europäische Länder ganz anders mit der Situation umgehen. Und die begründen das mit den selben Fakten, mit denen man in DE zum gegenteiligen Ergebnis kommt.
Hierbei unterliegst du einem gefährlichen Trugschluss!
Aus den unterschiedlichen Handlungen der Entscheider ableiten zu wollen, dass es keinen wissenschaftlichen Konsens geben würde ist .. sorry für für meine harten Worte .. grober Unfug.
Wissenschaftlicher Konsens bedeutet, dass es einen bestimmten aktuellen Erkenntnisstand gibt, der von einer großen Mehrheit der Wissenschaftler getragen wird.
Nein, die Entscheidungen in den einzelnen Ländern werden von den jeweils zuständigen unterschiedlichsten Entscheidungsträgern getroffen, die von größeren oder kleineren Gruppen von Wissenschaftlern oder gar Einzelpersonen beraten werden, die in diesen Beratungen aus unterschiedlichsten Beweggründen eine mehr oder weniger stark persönlich gefärbte Sichtweise einbringen. Zudem sind die Entscheidungsträger von gefühlten und tatsächlichen, regional höchst unterschiedlichen Zwängen beeinflusst, und handeln auch nicht unbeeinflusst von persönlichen Ansichten und Befindlichkeiten.
Lana hat geschrieben: Mi 16. Mär 2022, 00:43
Wer hat also recht?
Nein. Es geht genau nicht um Rechthaberei, nicht darum, sich zu wünschen, dass man Recht hat und das Gegenüber Unrecht.
Es geht bzw. sollte darum gehen, für sich abzuwägen, ob man überhaupt in der Lage ist, ein eigenes Urteil abgeben zu können. Wie gründlich das schief geht, kann man regelmäßig in Stadien und vor TV-Bildschirmen erleben, wenn Millionen Menschen besser als die Trainer und Schiedsrichter wissen, was zu tun und wie zu entscheiden ist.
Um ein eigenes Urteil abgeben zu können, bedarf es bereits bei Sachverhalten, die das .. im wörtlichen Sinne .. unmittelbar Begreifbare (also das Anfassbare) übersteigen, sehr schnell der Fähigkeit, analytisch denken und wissenschaftlich zu arbeiten zu können. Diese Fähigkeit saugt man leider nicht mit der Muttermilch auf, sonst wäre wir alle Einsteins. Und man lernt sie leider auch nicht (oder nur seeehr eingeschränkt) in der Schule. Daraus resultiert die verbreitete Unfähigkeit, seine Grenzen erkennen zu können. Aber das möchte ich nicht mehr vertiefen. Das ist Stoff für ein eigenständiges Thema.
Beste Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.