Hallo ihr Lieben,
Ja der Frühling naht!
Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen weicht die Winterdepression den Frühlingsgefühlen.
Spät im Herbst hatte ich mein Motorrad salzverschliert in dem Carport abgestellt und musste den ganzen Winter zusehen, wie es vor sich hin rostet.
Mir blutete zwar das Herz, aber die Scheu mich bei dem kalten, feuchten Wetter stundenlang mit einem Lappen auseinandersetzen zu müssen war zu groß.
Die Lichtmaschine hatte zu allem Überfluss auch noch im Herbst ihren Dienst quittiert.
So hat mich am Wochenende ein unbändiger Drang überwältigt, jetzt alles wieder in Ordnung zu bringen. Auch um endlich wieder mit meinem schönen Oldtimer ganz entspannt durch die Wälder zu tuckern.
Die neue Lichtmaschine, ein Laderegler und eine neue Batterie warteten schon seit geraumer Zeit unter meinem Schreibtisch auf ihren ersten Einsatz. Ich hatte aber keine Ahnung wie man die Teile zu wechseln hat. Im Netz hatte ich aber ein Video gefunden, in dem ein Hobbymechaniker die anscheinend schwierige Operation des Austauschs der Lichtmaschine verfluchte.
Ich hatte also meiner Frau offenbart, dass ich die Garage für ein paar Tage für das komplizierte Unterfangen benötigte und sie ihr geliebtes Auto auf der Straße parken müsse. Augenrollend hat sie meinen Bitten aber schließlich nachgegeben.
Trotz des Sonnenscheines war es kalt in der Garage. Mit einem alkoholfreien Bier habe ich mir dann am Donnerstag so viel Mut antrinken können, dass ich zunächst das Motoröl abgelassen habe, um anschließend alle Bauteile, die den Eingriff behindern könnten zu entfernen. Fußrasten, Schaltgestänge, Kabelverschraubungen und schließlich den Ausrückhebel des Anlassers.
Nach zwei Stunden war also der Motordeckel, hinter dem sich das kollabierte Herz der Elektrik befand, soweit frei gelegt, dass ich dessen viele Schrauben lösen und entfernen konnte.
Nun kam der spannende Moment, an dem der Deckel zu entfernen war. Er klebte durch die Dichtung am Motorblock fest, lies sich aber durch die sanfte Gewalt zweier Schraubendreher lösen und sprang mir entgegen.
Währenddessen vernahm ich einige Male ein Plumpsen und Ploppen und konnte im Augenwinkel erkennen, dass die Oberfläche des Altöls in der Wanne, die immer noch unter dem Motor stand, blasen warf und Tropfen darin umher tanzten.
Was war da jetzt hineingefallen? Ich hatte keine Ahnung was sich außer der Lichtmaschine noch hinter diesem Deckel verbirgt. Es waren die Zahnräder der Einrückvorrichtung des Anlassers und zwei Druckscheiben der Kupplung inklusive der dazwischen befindlichen Kugeln. Gut, dass die drei Kugeln noch in einem Käfig waren.
Jetzt lag also der durchgeknallte Stator der Lichtmaschine bereit zum Eingriff vor mir. Nur drei Schrauben trennten das Motorrad noch von neuem Herzschlag. Der eigentliche Tausch der Lichtmaschine war in ein paar Minuten erledigt.
Nun beschlich mich die Frage, wie ich die ganzen heruntergefallenen Teile wieder in der richtigen Reihenfolge in den Motor eingesetzt bekomme. Nun will ich den ohnehin schon langatmigen Beitrag nicht noch weiter in die Länge ziehen: Mit etwas Logik, mechanischem Verständnis und Gefummel habe ich alles wieder im Motor untergebracht, was reingehört.
Schnell noch den Laderegler tauschen und die Elektrik sollte wieder fit sein.
Aber anschließend sprang das verfluchte Ding nicht an. Scheiß Technik, oder hatte ich den induktiven Geber der Zündung falsch eingebaut? Selbstzweifel beschlichen mich"¦
Jetzt war es aber bereits Mitternacht und so beschloss ich mal eine Nachtruhe einzulegen.
Am nächsten Morgen habe ich dann mal aus Verzweiflung den Zündkerzenschlüssel ergriffen und die kleinen, unscheinbaren, weißen Teile ausgetauscht. Eigentlich waren die alten an den Elektroden rabenschwarz und nass.
Ein neuer Startversuch endete in einem großen Jubel! Das Ding lief wieder! Die Messung der Ladespannung hat gezeigt, dass Lichtmaschine und Laderegler ihre Aufgabe ernst nehmen.
Jetzt musste ich nur noch in stundenlanger Kleinarbeit den ganzen Rost entfernen. Alle beweglichen Teile habe ich geölt.
Jetzt steht das alte Erbstück wieder in vollem Glanz und mein Gewissen ist beruhigt.
Von nun an geht"™s mit Vollgas in den Sommer.
Die passende Kleidung habe ich auch in diesem Winter in voller Vorfreude erworben: Passend zu den Farben des Motorrads, weinrote Stiefelletten mit nicht zu hohen Heels, eine knallenge, beige Lederhose und eine schön taillierte, weinrote Lederjacke.
Diesen Sommer brause ich ganz fraulich über die Pisten"¦
Ich bedanke mich bei all denjenigen, die tatsächlich bis zu Ende gelesen haben für ihre Geduld und wünsche euch einen friedlichen, unbeschwerten und sonnigen Sommer.
Ganz liebe Grüße
Eure Lakisha