Crossdressing trotz Freundin ausleben
Crossdressing trotz Freundin ausleben - # 3

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
EmmiMarie
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 31 im Thema

Beitrag von EmmiMarie »

Zita hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 10:35 Aber Formulierungen wie „ich darf jetzt …“, „sie erlaubt mir das und das“
Mary hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 11:23 Ich glaube, dass Luke sich einfach falsch ausgedrückt hat
Mhm...

oft genug ist es ja wohl auch so, das es die eigene Scham und Angst ist die von aussen
eine Art Legitimation braucht, oder?
Viele haben doch selbst nicht gelernt sich etwas zu erlauben..wenn dann ein "ja, mach das doch" kommt
ist das wie ein Segen von oben..

seit mir nicht böse, aber so nehme ich das manchmal wahr.

Wenn ich Lust habe bei einem Regenspaziergang mal so richtig in die Pfütze zu springen,
kommt das erwachsene Ich und sagt "das machen doch nur Kinder". Dabei täte es dem
inneren Kind doch so unwahrscheinlich gut, es getan zu haben-richtig?
Also werden solche Dinge oft verdrängt..

ganz im Ernst, ich habe mich noch nie traut, zu fragen "du sag mal, wollen wir zusammen
in die Pfütze springen?", dabei weiss ich ganz genau, das ein "na wenn du magst kommen" würde

dann hätte ich es getan. Die Frage wäre "hats dir jetzt was gebracht" und ich würde sagen,
"ja, das war total gut!" und würde lachen...lass uns schnell heim, ich brauche eine warme
Dusche, trockengerubbelt ist das Fazit am Abend wir beide kuscheln zufrieden auf der Couch.

Versteht ihr was ich meine?

Alles Liebe Marie (flo)
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Mary
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 32 im Thema

Beitrag von Mary »

Danke Zita,

Dann sind wir uns wohl doch einig, denke ich :)

Liebe Grüße
Mary
Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, nutze den Schwung um vorwärts zu kommen....
Luke93
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 33 im Thema

Beitrag von Luke93 »

Vielleicht habe ich mich etwas falsch ausgedrückt. Eventuell habe ich auch unterbewusst ein schlechtes gewissen meiner Freundin gegenüber, weil es jetzt doch mehr wird als ursprünglich besprochen.

Aber das Crossdressing gehört halt zu mir und ich möchte es gerne stärker ausleben. Meine Freundin hat sich super verhalten und mich sogar in die Drogerie begleitet. Ich kann ihr hier nichts vorwerfen, auch wenn ich glaube das die Situation sie trotzdem belastet.

Vielen Dank auch für vorgeschlagenen Bücher. Werden wir uns sicher mal gemeinsam anschauen
Lorelai74
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 34 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hi Luke93,

Ja, wahrscheinlich hast du ein schlechtes Gewissen. Aber vielleicht hast du einfach auch nicht gewusst was du brauchst, weil du es dir selbst nicht erlaubt hast. Also wie hättest du es formulieren und sagen sollen?

Schlechtes Gewissen denke ich, wird dich als Gedankenkonstrukt nicht weiterbringen.
Du weißt auch jetzt nicht wohin deine Reise geht. Du betonst das Crossdressing, aber was wenn du transidentitär bist? Was wenn deine Reise noch weiter geht?

Vielleicht bist du zu allererst offen zu dir? Und Versuchst offen mit ihr zu reden. Ohne Angst und Verbergen.aber lass dir Zeit.

Ich denke was vielleicht schwierig für sie sein könnte, ist deine schnelle Veränderung. Und vielleicht auch, wie sie im Außen gesehen wird, wenn sie mit einer „Frau“ zusammen wäre.

Letztlich ist es auch eine Chance für euch, euch neuzuentdecken.
Viel Glück
Lori
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Luke93
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 35 im Thema

Beitrag von Luke93 »

Es war ja kein böser Wille von mir und ich wusste es auch nicht. Auf der anderen Seite wollte ich meine weibliche Seite vielleicht auch einfach unterdrücken. Jetzt ist mir bewusst das es zu mir gehört und ich es auch nicht so einfach ignorieren kann. Außerdem tut mir das dann ja auch nicht gut.
Ich möchte Mann bleiben aber auch hin und wieder Frau sein. Es macht mir auch Spaß als Mann feminine Dinge, wie z.b. Dessous unter meiner Kleidung zu tragen.
Seit gestern Abend habe ich übrigens rote Fußnägel. Das sieht so gut und feminin aus. Das gibt mir etwas und ich fühle mich richtig wohl damit
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 36 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

Luke das sind normale Fragen und Hürden die sich Dir stellen. Insbesondere in einer Beziehung. Suche die Rückfrage und gehe es Scheibchenweise an. Ersten bist du nicht der einzige der Interesse an mehr Femininität als Mann hat und zweitens tust du nichts verbotenes. Schuldgefühle dafür sind fehl am Platz, Fragen nach dem warum kommen automatisch und jeder wird sie für sich anders beantworten. Aus männlicher Perspektive sprengst du, wir ich lediglich die kulturell gesetzten Gendergrenzen. Schönheit, Zierde, Feinheit und Erotik sind fast ausschließlich weiblich besetzt , was du machst ist eine Scheibe Dir davon zu gönnen. Das hat zunächst einmal gar nichts mit Trans usw zu tun. Mir ist hin und wieder aufgefallen das da etwas schnell die Kiste Trans interpretiert wird. Gibt’s aber ich glaube eher weniger. Im Laufe der Zeit wird sich so manches von alleine klären.
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Vicky_Rose
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 37 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose »

Für mich hat es einen fundamentalen Unterschied gemacht, als ich begonnen habe, meine Bedürfnisse als gerechtfertigt und Teil meines Selbst ohne jedes Schamgefühl, der Minderwertigkeit oder Schuld zu betrachten. Ich habe das Recht so zu sein wie ich bin und es auch zu leben. Nichts, aber auch gar nichts ist an diesen Bedürfnissen falsch und ich erwarte heute von jedem, auch von meiner Frau, dass sie das auch so akzeptiert. Es ist aber mMn äußerst wichtig, dass man zwischen der Akzeptanz meiner Bedürfnisse und meines Verhaltens zu unterscheiden.

Mein Bedürfnis ist in jeder Ausprägung legitim und ist nicht verhandelbar.

Mein Umgang damit ist etwas anderes und betrifft mich und meine Frau. Hier beginnt die Arbeit an und für die Beziehung. Aber auch hier geht es für mich nicht um Kompromisse, sondern um eine persönliche Entwicklung von uns beiden, die wir gemeinsam angehen. Kernfragen sind z.B. Was machen meine Bedürfnisse und mein Verhalten mit meiner Frau und umgekehrt, wie wirken ihre Reaktionen auf mich. Kompromisse sind aus meiner Sicht nur vor dem Hintergrund einer temporären Lösung sinnvoll. Beispiel: Ich verzichte auf ein Outing in der Nachbarschaft, aber damit ist nicht gesagt, dass das als ein Versprechen auf Ewigkeit ist, sondern es dient nur dazu, sich langsam mit einer neuen Situation vertraut zu machen. Dann kann neu entschieden werden. Kompromisse, die auf Dauer angelegt sind, sind mMn "faul".

Das ist aber nur meine persönliche Sichtweise ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 38 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

Vicky zusammen gefasst bedeutet das darauf zusetzen was einem am wichtigsten ist. Wer oder was in welcher Reihenfolge kommt. Das muss dann jeder für sich entscheiden. Bin ich es oder die Beziehung zb. Will ich beides werden Abstriche ggf unumgänglich sein. Ich nenne es Kompromiss. Du faulen Kompromiss. Eine Frage der Sichtweise.
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Vicky_Rose
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 39 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose »

Es hat nichts mit Reihenfolge zu tun. Meine Bedürfnisse sind meine Bedürfnisse, sind meine Bedürfnisse. Sie gehören zu mir und nur zu mir. Deswegen sind sie nicht verhandelbar. Sie haben erst einmal nichts mit der Beziehung zu tun.

Die Beziehung besteht u.a. in der Wechselwirkung zwischen meinen Bedürfnissen und den Bedüfnissen meiner Partnerin. Ich suche aber in den Differenzen nicht den statischen Ausgleich (den Kompromiss), sondern die dynamische Entwicklung meiner Persönlichkeit. Vor diesem Hintergrund sind Kompromisse, die auf Dauer angelegt sind, für mich "faul". Sie behindern mich in meiner Entwicklung. Das heißt nicht, dass man nicht zwischenzeitlich Regelungen oder Übereinkommen treffen kann, die dazu dienen, sich erst einmal in einer neuen Situation zurecht zu finden. Fiktives Beispiel: Er outet sich ihr gegenüber als CD. Damit die Situation nicht eskaliert, vereinbart man zunächst, dass er das nur ohne sie auslebt. Mit der Zeit ordnen sich Gefühle und Gedanken und man kann den nächsten Schritt angehen. Etwas einfachdargestellt, aber das wäre für mich ein guter Kompromiss. Ein fauler Kompromiss wäre eine solche Regelung, wenn z.B. sie davon ausginge, das würde dauerhaft so bleiben. Dann könnte möglicherweise jeder Vorstoß zu einer Änderung ihrerseits als ständige Untergrabung einer Regelung betrachtet werden, was die Situation sehr viel schwieriger macht.

Es geht nicht darum, dass irgendjemand "Abstriche" macht, sondern die Situation als Chance versteht. Es ist mMn ein riesiges Missverständnis, was eine Beziehung ist und was sie zu leisten imstande ist. Für mich steht nicht im Mittelpunkt, dass meine frau etwas für mich tut oder sie für mich, sondern dass wir durch die enge Verbindung einen anderen, tieferen Zugang zu uns selber finden. Der Schlüssel dazu sind die eigenen Gefühle. Das kann Jede/r auch ohne Beziehung ausprobieren. Wenn man sich über etwas ärgert, kann man kurz inne halten und sich fragen, worüber man sich tatsächlich ärgert. Die scheinbare Ursache des Ärgers ist oftmals etwas ganz anderes als die tatsächliche. Auch hier ein, diemal reales, Beispiel: Meine Frau ärgert sich, wenn ich sie wiederholt nicht richtig höre. Ich kann nichts dafür, dass mein Gehör schlechter wird. Aber liegt in ihrem Ärger nicht vielleicht die Erkenntnis, dass sie sich mit dem eigenen Alter und den damit verbundenen Einschränkungen auseinander setzen muss ? Oder vielleicht glaubt sie, nicht richtig wahrgenommen zu werden ? Egal wie es ist, es ist für sie an der Zeit, sich mit dieser Frage auseinander zu setzen.

Ich hoffe, ich konnte etwas deutlicher machen, was ich meine.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 40 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

Ok. Aber was machst du wenn sie die dynamische Entwicklung nicht mitgehen will? Zurückstecken, Abstriche machen oder zu ihr sagen — dann geh doch? Wie wichtig sind dann dein Bedürfnisse? Alles hat Grenzen.
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Vicky_Rose
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 41 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose »

Alyssa hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 13:11 Wie wichtig sind dann dein Bedürfnisse?
Das ist eine der Kernfrragen. Aber wer sagt, dass die Beziehung Priorität hat ? Auch eine Trennung ist unter Umständen eine Option. Auch die Angst vor einer Trennung ist ein Gefühl, das man hinterfragen kann. Aber das mache ich sicherlich nicht daran fest, wie oft ich ein Kleid tragen "darf". Wichtig ist für mich, dass die Beziehung in Bewegung bleibt. Wenn sie erstarrt, z.B. wenn keine Bewegung mehr in der Frage um das Tragen weiblicher Kleider für längere Zeit besteht, wird es für mich in der Beziehung problematisch.

Ich habe eine Ehe hinter mir, die völlig verkrustet war. Trotzdem hielt ich daran bis zum Schluss fest. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass ich mich trennen könnte, bis meine Ex-Frau es tat. Wir lebten nur noch faule Kompromisse und keiner ist sie angegangen. Erst danach habe ich gelernt, wie wichtig eine lebendige Beziehung ist und der Ausdruck ehrlicher Gefühle sie belebt. Auch wenn meine Frau eben nicht begeisterte Anhängerin queerer Menschen ist. Sie akzeptiert es, bei anderen mehr als bei mir, aber ich spüre, wie sie in Bewegung ist und wie mich das auch in Bewegung bringt. Mein Entgegenkommen liegt z.B. darin, dass ich abends, wenn sie aus ihrer Praxis kommt und völlig geschlaucht ist, keine weibliche Kleidung trage. Aber auch das wird sich ändern. Das ist mein Kompromiss. Wir fordern uns, bemühen uns aber, uns damit nicht zu überfordern. Wir wissen beide, dass das letzte Wort nicht gesprochen ist.

Das sieht wie ein bischen heile Welt aus. Aber ich sage nicht, dass das einfach ist. Im Gegenteil, es bringt mich manchmal an den Rand meiner Möglichkeiten. Ich habe zu viel Zeit damit verplempert, mich nach anderen Menschen auszurichten. das ist für niemanden produktiv oder hilfreich. Ich muss manchmal dahin, wo es weh tut, um weiter zu kommen. Aber wenn es weh tut, ohne das es mich weiter bringt, dann kann ich es auch lassen.

Es ist eine sehr perönliche Entscheidung und ich werde niemanden schief ansehen, wenn er/sie sich einen andenern Weg aussucht.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 42 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Alyssa hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 13:11 Wie wichtig sind dann dein Bedürfnisse?
Hallo Alyssa,

Genau das ist die Krux! Deshalb ist es ja so wichtig, dass man sich selbst erkennt und akzeptiert, bevor man den Umgang mit Crossdressing in einer Beziehung aushandelt.

Das muss auch nicht immer gut ausgehen. Krasses Beispiel: man einigt sich, dass Crossdressing völlig in Ordnung ist, solang es nur zeitweise passiert. Nach einiger Zeit stellt sich heraus: Es steckt mehr dahinter, z.B. Transidentität. Die Partnerin findet das vermutlich nicht so toll. Und dann? Schluckt sie es, um die Beziehung zu retten? Verleugnet er seine Identität, um die Beziehung zu retten? Wenn beide aus verständlichen Gründen nicht zurückstecken wollen oder können, kann eine Trennung unausweichlich sein.

Natürlich ist es nicht immer so heftig. Aber schon Kleinigkeiten können da herausfordernd sein. Als ich mich bei meiner Freundin outete, ging es auch um die Frage: Sind es nur die Klamotten, oder das volle Programm mit Schminke und Perücke? Ich hätte damals jubelnd alles angenommen, was keiner totalen Ablehnung gleichgekommen wäre. Nur Klamotten? Kein Problem, Hauptsache ein bisschen Weiblichkeit. Aber genau so wäre ein „fauler“ Kompromiss entstanden. Warum? Wenn ich ehrlich gewesen wäre, wüsste ich, dass das Frau-sein ein Teil von mir ist, und Frauen hören nicht halsaufwärts auf. Es liegt in meiner Identität begründet, dass ich das Bedürfnis habe, mich komplett zurechtzumachen. Mit 100-prozentiger Sicheheit hätte sich das Bedürfnis nach Schminke und Perücke irgendwann durchgedrückt. Wenn das für meine Freundin ein Trennungsgrund gewesen wäre, was hätte ich tun sollen? Es lassen? Wahrscheinlich hätte ich es versucht, aber was, wenn das nicht geht, das Bedürfnis immer stärker zurückkommt?

Genau deshalb ist es so wichtig, sich über sich selbst klar zu werden. Wie Vicky geschrieben hat: Die eigenen (innersten, tiefsten) Bedürfnisse sind nicht verhandelbar, der Umgang damit schon. So schmerzhaft das manchmal sein kann.

Liebe Grüße,
Melissa
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 43 im Thema

Beitrag von Sarah_78 »

Hallo,
und wenn man selbst noch gar nicht weiß was man überhaupt will? Bei mir ist das nämlich so. Einmal reicht mir Damenwäsche, einmal möchte ich Kleid oder Rock und ein anderes Mal wünschte ich mir, ich wäre komplett eine Frau mit allem drum und dran. Von dem her, was sage ich dann meiner Frau? Ich will sie auch nicht überfordern, vor allem wenn man es halt selbst nicht weiß.
Liebe Grüße Sarah
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 44 im Thema

Beitrag von Eva »

Sarah_78 hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 17:16 Hallo,
und wenn man selbst noch gar nicht weiß was man überhaupt will? Bei mir ist das nämlich so. Einmal reicht mir Damenwäsche, einmal möchte ich Kleid oder Rock und ein anderes Mal wünschte ich mir, ich wäre komplett eine Frau mit allem drum und dran. Von dem her, was sage ich dann meiner Frau? Ich will sie auch nicht überfordern, vor allem wenn man es halt selbst nicht weiß.
Du findest es nur heraus, indem du's tust. Trage ein Kleid, sei Frau. Finde heraus, wie sich das anfühlt und ob dieses Gefühl so erfüllend ist, wie du es dir vorgestellt hast.
Für die ersten Versuche der Selbstfindung muss die Partnerin noch nicht verunsichert werden, wenn das Ergebnis sein könnte, dass dich das Thema anschließend nicht weiter beschäftigt. Da findet sich sicher eine Gelegenheit, in der du dich ausprobieren kannst. Wenn eine gewisse Offenheit da ist, kann es aufregend sein, die Antworten gemeinsam zu finden. Aber ich glaube, das war bei dir nicht der Fall. Also leg los und finde erstmal heraus, was du deiner Frau überhaupt mitteilen willst.

PS:
Ich habe jetzt nur mal überflogen, dass hier (und auch in anderen Themen) recht radikal auf Trennungen gepocht wird, wenn irgendwelche Bedürfnisse nur unter Kompromissen gelebt werden können.

Ist es nicht auch ein absolutes Grundbedürfnis, mit dem Menschen, den man liebt, ein gemeinsames Leben zu führen? Das ist doch keine Zweckgemeinschaft, die man auflöst, wenn es unbequem wird. Es gibt keinen Grund, auch nur an Trennung zu denken, sofern sich das Miteinander nicht um 180° dreht. Und bei aller Wichtigkeit der inneren Wünsche, so sollte auch ein wenig Verständnis da sein, dass man als Partner*in, von einer solchen Botschaft überfallen, etwas Zeit braucht, sich gedanklich mit allem zu befassen, was daraus resultiert. Wenn eine Schritt-für-Schritt-Annäherung, die man lapidar als "Kompromiss" bezeichnet, dabei hilft, ist das eine gute Sache. Und wenn "wir" selbst nicht wissen, wie die Zukunft aussehen wird und wir keine Fragen beantworten können, machen wir es den Partner*innen nicht gerade leichter.
Wenn man sich liebt, sollte Geduld in beide Richtungen das Mindeste und Selbstverständlichste sein, was man aufbringen kann. Ich finde es merkwürdig, dass hier "Kompromisse für die Ewigkeit" diskutiert werden. Das klingt nach Vertragspartnern, und nicht nach Liebe. Ist nicht völlig klar, dass man noch mal drüber spricht, wenn man etwas neues ausprobieren möchte? Wenn sich etwas verändert? "Reden" finde ich einen viel besseren Ratschlag als "und wenn das nicht klappt, bleibt leider nur die Trennung."
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Re: Crossdressing trotz Freundin ausleben

Post 45 im Thema

Beitrag von Dali »

Hi.
Eva hat geschrieben: Sa 15. Jan 2022, 01:04 Wenn man sich liebt, sollte Geduld in beide Richtungen das Mindeste und Selbstverständlichste sein, was man aufbringen kann. Ich finde es merkwürdig, dass hier "Kompromisse für die Ewigkeit" diskutiert werden. Das klingt nach Vertragspartnern, und nicht nach Liebe. Ist nicht völlig klar, dass man noch mal drüber spricht, wenn man etwas neues ausprobieren möchte? Wenn sich etwas verändert? "Reden" finde ich einen viel besseren Ratschlag als "und wenn das nicht klappt, bleibt leider nur die Trennung."
Was gibt es mehr dazu zu sagen. 100% meine Meinung. (ap)

Eva hat geschrieben: Sa 15. Jan 2022, 01:04 Du findest es nur heraus, indem du's tust. Trage ein Kleid, sei Frau. Finde heraus, wie sich das anfühlt und ob dieses Gefühl so erfüllend ist, wie du es dir vorgestellt hast.
Jein. Bei mir ist es auch so, dass die "Phasen" mehr oder weniger ausgeprägt sind. Mal möchte ich das volle Programm (als CD) mal nur Unterwäsche, mal gar nicht. Und das ist bei mir schon immer so gewesen. Ich passe mich da sozusagen den Bedürfnissen an. Will ich mehr, gibt es mehr und umgekehrt. Meine Frau spielt da zum Glück mit. (ki) (he)

LG

Dali
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