Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?
Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade? - # 2

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Violetta Arden
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 16 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

Hallo Chris,
Ich habe mir aufgrund des Posts, wo Du die Lola erwähnt hast, die Griffe und den Text runtergeladen und versuche es auf meiner Akustikgitarre (ki) . Nun zu Deiner Frage ob oder wie Du Deiner Frau die Furcht nehmen kannst. Das ist schwer oder eigentlich gar nicht zu beantworten - das musst Du erst mal für Dich wissen ob es bei CD/Part-Time-Lady bleibt oder Du weiter gehen möchtest. Davon hängt wohl auch viel ab, wie Deine Frau reagieren wird. Die Angst, was könnten die anderen sagen, kenne ich, das hat meine Liebste auch mal . Sie weiss es natürlich, akzeptiert es und läßt mir meine Freiheiten. Hat sich auch mit der Zeit an ein mehr werdendes Ausleben gewöhnen müssen. Sonst bin ich nur bei meiner Schwester und meinen Nichten (zufällig, aber durchaus positive Reaktionen) ev. bei meinem jüngeren Bruder (da weiss ich nicht ob meine Schwester mit ihm darüber gesprochen hat- dürfte aber auch kein Problem sein). Meine Kinder sind schon erwachsen und ich habe auch schon Enkel im Schulalter - von denen weiss es niemand, muss auch nicht sein. Ansonsten bin ich soweit zufrieden, ich muss mich nicht offensiv bei anderen outen. Ich habe mein Refugium, wo ich wegstarten kann und wenn mich jemand erkennen sollte - was soll's -
Sollte es wieder mal richtigen Fasching geben - vielleicht mache ich mal mit meiner Band eine Show als Drummer-Girl ?
Alles Gute und viel Glück
Gerda
Mein weibliches Ich ist ein Teil von mir und lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ungenützte Zeit lässt sich nie mehr zurückholen.
Lebe Dein Leben.

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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 17 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Moin Chris,

so viele Parallelen ... den Text und die Akkorde von Lola habe ich auch gleich herunter geladen... Bei Texten bin ich oft so blind ... Danke

Zum Thema: meine Erfahrungen unterscheiden sich gar nicht so stark. Meine Frau weiß seit langem, dass ich mich für die weibliche Seite interessiere, aber es war kein Thema, da ich es für mich alleine gelebt habe. Sie wollte aber auch nicht, dass es in der Nachbarschaft bekannt würde. Bei gemeinsamen Freunden vermutlich auch nicht. Sie vermutet "Nachteile" und "Gerede". Seit wenigen Wochen habe ich das Thema vertieft und sie hat verstanden, dass es für mich elementar ist. Ob sie es befürwortet, dass ich auch offen damit lebe, bezweifle ich, aber das Thema wird bei uns noch hochkommen. Bei meinen alten Schulfreunden (es sind real zwei übrig geblieben) überlässt sie es sicherlich mir, wie weit ich gehe.

Ich denke auch, die Ängste, die mit einer Öffnung nach außen verbunden sind, können vielgestaltig sein. Ich halte Zeit zur Selbstreflexion für einen wichtigen Punkt. Aber einfach nur Zeit vergehen lassen dürfte zu wenig sein. Sie muss auch verstehen, was das Thema wirklich für Dich bedeutet. Das bedeutet für mich, ich muss meine Gefühle meiner Frau auch mitteilen. Ich halte es für einen guten Weg, es ihr aber in der Folge zu überlassen, wie sie selber mit dem Thema umgeht. Ich will nicht meine Frau überreden, sondern ihr die Freiheit geben, sich selber zu entwickeln und zu eigenen Einsichten zu kommen. Das gebietet der Respekt vor als Person.

Im übrigen glaube ich nicht an eine Lösung, sondern ich denke, es ist ein Pozess, in dem wir immer wieder uns gegenseitig beeinflussen. Die reaktionen meiner Frau beeinflussen auch meine Wahrnehmung und das führt zu weiteren Veränderungen, die wiederum bei ihr etwas auslösen. Alles beruht auf Freiwilligkeit. So können wir beide uns jeweils und den Anderen immer besser und tiefer erkennen, wenn man es will. Es ist eine endlose Geschichte.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 18 im Thema

Beitrag von Sarah_78 »

Hallo,
auch ich habe mich bei meiner Partnerin, die das Thema allerdings noch ignoriert und einer guten Freundin geoutet. Die ist allerdings sehr tolerant ist und mich auch richtig unterstützt und mir auch Hilfe angeboten hat. Dadurch hat sich die Freundschaft auch bei uns noch vertieft. Bei meiner Frau bin ich noch am Schauen, dass ich sie langsam in das Thema einführen kann.
Liebe Grüße Sarah
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 19 im Thema

Beitrag von Doreen »

Hallo Chris,

auch ich möchte zu dieser Thematik etwas beitragen,
mir geht es wie vielen hier auch nicht anders, gerne würde ich mich vor einigen Menschen in meinem Umfeld outen. Dazu gehören Geschwister, langjährige und gute Freunde oder befreundete Nachbarn.

Als verheirateter Crossdresser habe ich mich nur vor 27 Jahren als solcher bei meiner damals zukünftigen Frau erklärt und offen gesagt was mit mir los ist.
Es war nicht leicht in einer gerade erst begonnen Beziehung derartige Themen als Zukunftweisende Tatsache anzugehen. Aber ich wollte von Anfang an mit offenen Karten spielen, schon allein deshalb
weil mir zuvor jedes Mal meine neuen Beziehungen einen Laufpass gegeben haben. Ich war damals nach meiner Scheidung auf der Suche nach einer neuen Freundin und hatte mich da nie zu meinem
Drang Frauenkleidung tragen zu müssen geäußert.

Als ich mein Outing dann hatte, ging es ganz vorsichtig weiter, mein erstes Kleidungsstück in dem ich
mich meiner Verlobten zeigte, war ein langes Nachtkleid mit viel Spitze am Dekolleté.
damit durfte ich dann zu Bett, wohlbemerkt wir beide trugen das gleiche.
So kam nach und nach immer mehr dazu, BH`s, Höschen, Unterkleider, Unterröcke, Strapse und Strümpfe. Ich beschränkte mich zunächst nur auf Unterwäsche welche ich tagsüber trug, immer unter den wachsamen Augen meines Schatzes. Man durfte nicht sehen, darauf wurde geachtet.

"Mach mal den oberen Knopf auch zu, man sieht Deinen BH von der Seite" hörte ich damals stets
und auch heute noch wenn ich ein neues Oberhemd anziehe. Auch die 360 Grad-Drehung
gehört heute noch dazu um zu prüfe ob man von hinten auch nichts durchscheinen sieht.
Ist dann alles OK, kann ich unbedarft mit dem tollen Gefühl in die Öffentlichkeit.
Bei mir im Haus trage ich inzwischen nur noch Kleider, Röcke und Blusen über meinen Dessous,
nur zu Arztbesuchen kleide ich mich männlich.

Aber ich bin etwas vom Thema abgekommen.

Meine Frau will auf keinem Fall das ich im MM (Mädel-Modus wie wir das crossen bezeichnen) das Haus verlasse (Ausnahme am Rosenmontag),
sie hat große Bedenken das man sich über mich lustig machen könnte, noch schlimmer, dass man sie selbst für eine Lesbe halten würde usw, usw.
Aber ganz gravierend ist ihr berufliches Tätigungsfeld mit ausschlaggebend, meine Frau ist selbstständige Unternehmerin und vielen bekannt.
Sie hat Angst ihren Kundenstamm zu verlieren wenn bekannt würde dass ihr Mann Hin und Wider als Frau das Haus verlässt.
Das Geheimnis bleibt also in unseren vier Wänden.
Später wenn auch meine Frau in den Ruhestand wechselt, könnte man sich ja damit anfreunden
ab und an mal gemeinsam zunächst in der Abenddämmerung oder bei Dunkelheit das eine oder andere Kleid auszuführen (Ich stelle mir dann ein hübsches Sommerkleid vor und Seidenstrümpfe
an Strapsen befestigt.

Tja, somit bleibe ich nur für meine Frau ein sichtbarer "Damenimitator" (eine alte Bezeichnung für Herren in Frauenbekleidung).

LG Doreen
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 20 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Hallöchen,
außer meiner Freundin weiß niemand von meiner Leidenschaft...am Rande eine alte Nachbarin.
Vor Jahrzehnten hatte ich mal einen Sportkamerad , der trug gerne Leder. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er gerne vorzugsweise Lederröcke tragen würde, aber seine Frau durfte nicht's davon wissen. So trafen wir uns ab und zu bei mir zu Hause und an meinen Satinröcken hatte er auch Gefallen.
Ansonsten habe ich mich immer zurückgehalten, ich wollte einfach kein Getuschel.
Jetzt in meinem höheren Alter ist sowieso fast alles gelaufen und genieße meine Leidenschaft unter zwei Augen!
Gruß PLISSI
Bin Mann, bleibe Mann, aber festliche Glanzkleider überziehen ist für mich berauschend!
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 21 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Doreen hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 10:09 meine Frau ist selbstständige Unternehmerin und vielen bekannt.
Sie hat Angst ihren Kundenstamm zu verlieren wenn bekannt würde dass ihr Mann Hin und Wider als Frau das Haus verlässt.
Das Geheimnis bleibt also in unseren vier Wänden.
Genau das hat meine Frau auch gesagt... Aber ich glaube, das hat viel mit Kopfkino zu tun und das ändert man nicht von heute auf morgen ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 22 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

Ich kann nur wenig Rat geben aber wie geschrieben ist es am Ende die Frage nach dem was bringt es dir und was kostet es dich vielleicht. Das kann man nur selbst beantworten. Im Kern ist es vielleicht die Angst vor Verlust. Verlust von Ansehen, Verlust von Freunden ....
Ich könnte meine engeren Kontakte auch nicht einschätzen. Und hinterher ist jeder schlauer. Aber da es keine Nutzen bringt und auch keine Notwendigkeit besteht ist und bleibt es ausschließlich mein Ding. Und es reicht auch und ist gut so.
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 23 im Thema

Beitrag von Geli »

Hallo Alyssa,
...Aber da es keine Nutzen bringt und auch keine Notwendigkeit besteht ist und bleibt es ausschließlich mein Ding
diesen Punkt sehe ich etwas anderes. Dass meine Frau von meiner Leidenschaft weiß und ich zuhause es frei ausleben kann, hat es mir erst ermöglicht en femme nach draußen zu gehen. Ansonsten hätte ich nur sehr wenige und nur sehr kurze Gelegenheiten en femme zu sein. Außerdem wäre das Schminken im Auto sehr umständlich gewesen. So kann ich mich zu Hause schminken und muss meine Schminksachen und Kleidung dann nur aufräumen, muss sie aber nicht mehr verstecken und kann zu Treffen gehen ohne einen Vorwand zu gebrauchen. Also für mich ist das schon eine sehr große Erleichterung.

Liebe Grüße
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Freue Dich über jeden Tag an dem Du machen kannst was Dir Freude macht.
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 24 im Thema

Beitrag von Lana »

Lana hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 23:34 Bei uns ist es aber schon so, dass sie darüber hinaus eine Art allgemeines Unwohlsein verspürt, mit dem Thema Trans* in Verbindung gebracht zu werden.
Ich möchte das hier gerne ergänzen, weil ihr Gefühl des Unwohlseins seit gestern einen Namen hat: Scham.

Sie schämt sich für mich, wenn ich in weiblicher Kleidung unterwegs bin, und das selbst dann, wenn wir nur unbekannten Menschen begegnen. Sogar wenn gemeinsame Freunde meine Kleidungswahl positiv kommentieren hilft ihr das nicht, ihre Scham abzulegen.
Das habe ich inzwischen verstanden. Wie und ob ich ihr dabei helfen kann, besser mit diesem Gefühl umzugehen, weiß ich nicht. Falls jemand eine Idee hat: ich freu mich über jeden Gedanken, der weiterhelfen könnte (smili)

LGL
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 25 im Thema

Beitrag von Eva »

Lana hat geschrieben: So 16. Jan 2022, 20:23 Sie schämt sich für mich, wenn ich in weiblicher Kleidung unterwegs bin, und das selbst dann, wenn wir nur unbekannten Menschen begegnen. Sogar wenn gemeinsame Freunde meine Kleidungswahl positiv kommentieren hilft ihr das nicht, ihre Scham abzulegen.
Das habe ich inzwischen verstanden. Wie und ob ich ihr dabei helfen kann, besser mit diesem Gefühl umzugehen, weiß ich nicht. Falls jemand eine Idee hat: ich freu mich über jeden Gedanken, der weiterhelfen könnte
Auf jeden Fall: Sei ihr nicht böse - und ich glaube, das bist du auch nicht. Dieses Schamgefühl wird leider von der Gesellschaft gnadenlos eingetrichtert, als wäre es das wichtigste der Welt.
Gehst du manchmal zu einem Stammtisch oder so in deiner Nähe, zu dem sie mitkommen kann? Ich könnte mir vorstellen, dass es ihr hilft, auf andere Leute aus dem Bereich Trans/CD/Drag/etc. zu treffen. Ein fröhlicher Haufen, mit dem sie sich unterhalten kann - wo sie andere Anekdoten und Werdegänge kennenlernt und sieht, wie "Betroffene" damit umgehen. Das könnte ihr zeigen, wie Normalität aussehen kann.
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 26 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Eva,

Danke für deinen Vorschlag!

Ich bin ihr überhaupt nicht böse, weil ich mich noch sehr gut an meinen eigenen schamhaften Umgang mit meiner Weiblichkeit erinnern kann. So lange ist das noch nicht her, und es war nicht einfach, das Schamgefühl zu überwinden.

Leider gibt's hier keine Stammtische oder andere Gruppen. Ich glaube auch, dass es sehr schwer werden würde, sie zu einem Besuch dort zu motivieren, weil sie das alles nicht sonderlich interessant findet. Sie setzt sich mit dem Thema nur dann auseinander, wenn ich es anspreche und ist dann schnell gelangweilt. Vielleicht stelle ich mich auch nur ungeschickt an.

Positive Rückmeldungen zu meinem Äußeren von gemeinsamen Freunden helfen ihr komischerweise auch nicht dabei, einen unbefangeneren Umgang zu finden. Sie sagt dann, dass sie sich trotzdem für mich schämen würde, selbst dann, wenn keiner der sonstigen Anwesenden ein Problem damit hat.

LGL
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 27 im Thema

Beitrag von chrisvomsee »

Hallo zusammen,

nochmal vielen Dank an alle.
Irgendwie wirkt es beruhigend auf mich wie vielen es ähnlich geht.

Ich möchte anhand von einigen Zitaten "kurz" :lol: Feedback geben was ich so beim Lesen gedacht habe.

Generell ist mir aufgefallen dass viel Angst besteht, bei den Partner*innen, sowie bei Euch selbst.
Allerdings passt das definitiv nicht zu den Aussagen von den Menschen, welche sich weiteren Bekannten und Freunden geoutet haben. Hier wird eigentlich ausnahmslos positives berichtet. Das ist schon auffällig.
Und das war ja auch eine zentrale Frage von mir. Die nach den Erfahrungen.
Auch nachdem ich etwas im Forum geforscht habe zum Thema (wie immer war ich wieder mal nicht der/die Erste), :roll: komme ich zum Selben Schluss.
Und ich gehe nicht davon aus dass negative Erfahrungen bewusst zurückgehalten werden.

Somit ist die absolute Mehrheit der Erfahrungen "positiv"
!! Das hat mir schon zu Denken gegeben und macht mir Hoffnung.




Zu den Zitaten:
Lisa hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 10:00 Da eins meiner Lieblings Mottos lautet: Weniger ist oft mehr, kann ich bisher ganz gut damit umgehen, Lisa hat einen Platz in unserem gemeinsamen Leben, wenn auch nur einen kleinen bisher
Ich "konnte" bisher gut damit umgehen. Das hat sich geändert. Die Zeit? Das Alter? Das Wissen um die Endlichkeit dieses einen Lebens, keine Ahnung. Aber ich kann nur noch schlecht damit umgehen mich zu verstecken.
Und dabei geht es mir nicht darum mich überall öffentlich "zu zeigen", sondern darum dass meine Freunde zumindest "wissen" wie ich ticke.

manchmal_melissa hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 10:10 Auch bei mir ist es immer wieder meine Freundin, die mich davon abhält. Ihr Argument ist immer: "Was bringt es dir? Ist es das wert?" Und ich denke, da hat sie einen guten Punkt. Man weiß eben nie wie die anderen reagieren. Klar, wenn es gut läuft, wäre das klasse. Aber wenn es schlecht läuft, wäre es schlimmer als vorher. Ich bin deshalb bis jetzt immer zu dem Schluss gekommen, es sein zu lassen.
Es wäre mir selbst "einiges Wert". Sogar eine langjährige Freundschaft (die ich dann zumindest auf die Probe gestellt hätte)
Aber da es eben oft "unsere" Freund sind, geht es nur wenn meine Frau mitzieht.

Mary hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 11:54 Ich (Partnerin) habe keine Angst, aber trotzdem fühlt sich manches seltsam an. Ob es bei deiner Frau so ähnlich ist oder sie tatsächlich Angst hat, kann sie nur selbst beantworten. Für mich ist die Situation eher etwas skurril und surreal. Das bleibt vermutlich auch so.

Mag deine Frau mal herkommen, vielleicht? Eventuell in den Chat, mit Verabredung? Vielleicht hilft ein Gespräch unter Partnerinnen?
Skurril und surreal ist es sogar für mich selbst noch manchmal. Da kann ich Dich als Partnerin "mehr als gut" verstehen. (dr)
Oh wie sind wir doch alle geprägt.
Und vielen Dank für das Angebot im Chat. Ich hab meiner Frau schon mal angeboten doch im Forum etwas herumzuschauen. Wollte sie nicht. Aber mit einem so konkreten Angebot sollte ich das nochmal angehen :-)

MoreThan2m hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 12:00
Vor ein paar Wochen habe ich dann den Entschluß gefasst das ich in die Offensive gehe
Ich habe meinen engen Freunden in einem persönlichen Gespräch meine Neigungen erzählt und was soll ich sagen: nur positives Feedback.
Alle haben sich sogar noch dafür bedankt, das man man so offen gesprochen hat.
Das sind die Erfahrungen die mich gerade beglücken beim Lesen :-)
Ich habe mir auch schon gedacht dass ich es als "Geschenk" an Freunde verkaufe. Und genau so kam es bei Dir wohl an
(super)

Cecil Cross hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 13:18 Was möchte Sie ? Kennst Du alle ihre Bedürfnisse ?
Sich über die eigenen Gefühle und die des Partners klar zu werden hilft Ängste abzubauen.

Es hilft nur darüber reden. Eventuell auch mit proffesioneller Unterstützung. Die hier schon öfters von mir gelesene Haltung das ein "normaler" Psychotherapeut nicht geeignet sei, da die meisten von Ihnen kaum transexuelle Erfahrungen haben teile ich nicht. Wenn der Therapeut über Emphatie verfügt sind dies die besten Voraussetzungen.
Ja so wirklich genau beschrieben haben wir unsere eigenen Bedürfnisse tatsächlich noch nicht. Danke.
Und das obwohl wir einmal einen Kurs gemacht haben zur gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg.
"Eigene Gefühle spüren, daraus ableitende Bedürfnisse erkennen, dann eine klare Bitte stellen"
Hmm, so einfach wärs. Danke, somit hab ich mich zumindest wieder daran erinnert.

Dass die professionelle Unterstützung keine Transgender Erfahrung braucht kann ich auch bestätigen. Wir hatten anfangs hier eine sehr tolle ältere Dame mit viel Emphatie. Damals ging es aber vorrangig um das Outing meiner Frau und den Kindern gegenüber. Nicht um weiterführende Outings.

-=Tom=- hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 15:20 Meine Frau möchte nach wie vor nicht das ich mit einem Plakat (sinnbildlich gesprochen) über dem Kopf rumlaufe und es in die Welt hinaus rufe :lol:

Einige gut ausgewählte Freunde haben in gemeinsamen Gesprächen (meine Frau war jedesmal mit dabei) von meiner "Leidenschaft" erfahren. Das Feedback war durch die Bank positiv und ich kann mich jetzt um einiges mehr meinen Freunden gegenüber entspannter verhalten.
In mir schreit es zwar danach, es in die Welt hinaus zu rufen. Aber davon bin ich weit weg. Und tatsächlich vielleicht gut so.
Doch das mit den gut ausgewählten Freunden klingt gut. Und wieder eine positive Erfahrung mehr, danke :-)

Geli hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 17:41 Ich habe meiner Frau zwar angeboten auch mit ihrer besten Freundin darüber zu reden, aber bis jetzt hat sie es nicht gemacht (zumindest weiß ich nichts davon).
Das habe ich meiner Frau auch "vor langem schon" angeboten, mit einer Freundin darüber zu reden. Lange hat sie es nicht gemacht. Was auch wieder zeigt wie schwer es ist den eigenen Mann so zu präsentieren.
Sie hat es dann tatsächlich auch gemacht vor ein paar Monaten. Da kam dann sogar der Vorschlag der Freundin dass wir uns mit unseren Partnern mal Treffen könnten. (Und ich dabei sogar in meiner weiblicheren Form) "Er" zählt jetzt aber nicht zu meinen langjährigen Freunden und es blieb bis jetzt eine offene Idee.
Hmmm, sollte ich vielleicht doch mal wiederbeleben die Idee ...

Fiona hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 19:19
Im Vorfeld waren für uns noch einige Dinge wichtig:
  • Nimm deine Frau ernst
  • Nimm sie mit bei deinen Ausflügen (ins Forum) und erzähle ihr von Dir, Deinen Gefühlen und Deinem Inneren, wie Du Dich fühlst
  • Gibt ihr Zeit und überfordere sie nicht mit Informationen
  • Nimm ihre Bedenken wahr und redet darüber
Ja, diese "Hilfen" klingen echt gut. Danke dafür.

Lana hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 22:04 Ich bin froh, dass heute nahezu alle Menschen, die mich näher kennen, über mich Bescheid wissen. Es macht das Leben wieder leichter, selbstverständlicher und unkomplizierter.

Ich möchte dich ermutigen, mit einer Person zu sprechen, der du voll vertraust, und wünsche dir schöne Gespräche, die euch dann ein Stück weiterbringen, so dass deine Frau langsam ein Gefühl dafür bekommen kann, dass beim Coming-Out nicht nur Risiken bestehen, sondern dass es die Chance bietet, seine Familienmitglieder und alten Freunde von einer ganz neuen Seite kennenzulernen, was die Beziehung sehr bereichern kann.
Noch eine positive Erfahrung. Leichter, selbstverständlicher und unkomplizierter. Whow. Hört sich toll an.
Und diese Eine Person hab ich auch schon ausgemacht. Jetzt muss ich es nur noch tun :shock:

gerda joanna hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 00:05 Ich habe mir aufgrund des Posts, wo Du die Lola erwähnt hast, die Griffe und den Text runtergeladen und versuche es auf meiner Akustikgitarre (ki) .

Da musst Du erst mal für Dich wissen ob es bei CD/Part-Time-Lady bleibt oder Du weiter gehen möchtest.
:lol: (gitli) (gitli) .. ja, die Lola. Bin ich gefühlt immer wieder bei unseren Proben.

Der zweite Satz ist ein zentrales Thema für mich, welches wohl einen eigenen Thread bräuchte.
Was genau will ich, oder noch schwieriger. Was bringt die Zukunft?
Ich will nicht komplett Frau werden. Das weiß ich. Und meine Frau müsste es auch wissen nach gefühlten 1001 maligen klaren Aussagen von mir.
Aber ich möchte "mehr" und "öfter" das "Zwischendrin" sein. Und den "Wechsel" haben.
Aber wie oft?, wie intensiv?, wo überall?, wie genau? .. Echt, ich müsste meine Frau anlügen wenn ich darauf klare Antworten bringen möchte.
ICH WEIß ES NICHT

Um hier Antworten zu finden müsste ich es "ausprobieren"! Das kann ich nicht "fühlen" oder was auch immer.
Ja, das ist ein echtes Problem noch.

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 07:29 so viele Parallelen ... den Text und die Akkorde von Lola habe ich auch gleich herunter geladen...

Sie muss auch verstehen, was das Thema wirklich für Dich bedeutet. Das bedeutet für mich, ich muss meine Gefühle meiner Frau auch mitteilen.
(gitli)
Gefühle mitteilen. Ja. Da bin ich voll der Held oder die Heldin. Leider ironisch grad :-(
Aber wieder kam ich beim Lesen auf eine Idee. Früher hatten wir "Zwiegespräche" .. also richtig geplante Gespräche. Als das öfter nicht funktionierte (Gefühle mitteilen) hab ich angefangen es aufzuschreiben (das kann ich) und ihr vorzulesen im Gespräch.
Das letzte Zwiegespräch ist fast 2 Jahre her :shock:

Doreen hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 10:09 Gerne würde ich mich vor einigen Menschen in meinem Umfeld outen.

Meine Frau will auf keinem Fall das ich im MM (Mädel-Modus wie wir das crossen bezeichnen) das Haus verlasse (Ausnahme am Rosenmontag),
sie hat große Bedenken das man sich über mich lustig machen könnte, noch schlimmer, dass man sie selbst für eine Lesbe halten würde usw, usw.
Das Geheimnis bleibt also in unseren vier Wänden.
Das klingt nach "damit abgefunden". (reine Interpretation) Und das ist völlig ok. Vielleicht komme ich auch einmal dahin. Doch derzeit kann ich das nicht. Im Gegenteil, ich komme immer mehr weg davon mich "abzufinden".
Nach "raus im MM Modus" ist mir schon, aber ich will nicht unbedingt im MM Modus zu meinen Freunden. Mein gedachtes Outing geht eher in die Richtung meinen Freunden zu Erzählen was ein Leben lang in mir vorgeht. Sollte sich dann mehr ergeben, dann ok ...

Plisseedreher70 hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 10:24 Jetzt in meinem höheren Alter ist sowieso fast alles gelaufen und genieße meine Leidenschaft unter zwei Augen!
Ups, das sehe ich anders, bzw. erhoffe es mir anders. Klar, vieles wird nicht mehr gehen, allein wegen dem Alter. Die Zeit zurückdrehen geht nicht mehr. Aber vielleicht die verbleibende Zeit noch nutzen...

Alyssa hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 11:42 Am Ende die Frage nach dem was bringt es dir und was kostet es dich vielleicht. Das kann man nur selbst beantworten.
Aber da es keine Nutzen bringt und auch keine Notwendigkeit besteht ist und bleibt es ausschließlich mein Ding. Und es reicht auch und ist gut so.
Ich erhoffe mir einen großen "Nutzen", und die "Notwendigkeit" ergibt sich bei mir aus meinen stetigen Gefühlen heraus dass es falsch ist mich zu verstecken. Aber verstehen kann ich es. Denn ist die Büchse der Pandorra mal geöffnet dann ...

Lana hat geschrieben: So 16. Jan 2022, 20:23
Lana hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 23:34 Bei uns ist es aber schon so, dass sie darüber hinaus eine Art allgemeines Unwohlsein verspürt, mit dem Thema Trans* in Verbindung gebracht zu werden.
Ich möchte das hier gerne ergänzen, weil ihr Gefühl des Unwohlseins seit gestern einen Namen hat: Scham.
Sie schämt sich für mich, wenn ich in weiblicher Kleidung unterwegs bin, und das selbst dann, wenn wir nur unbekannten Menschen begegnen. Sogar wenn gemeinsame Freunde meine Kleidungswahl positiv kommentieren hilft ihr das nicht, ihre Scham abzulegen.
Das habe ich inzwischen verstanden.
Scham. Ein gutes Wort. Ich denke das Wort bzw. Gefühl passt. Und ich kann diese Scham die meine Frau vielleicht auch verspürt gar nicht verurteilen. Denn sogar ich finde mich in diesem Gefühl ab und zu wieder. Sogar ich selbst, eigentlich unglaublich. :?

Eva hat geschrieben: So 16. Jan 2022, 20:31 Gehst du manchmal zu einem Stammtisch oder so in deiner Nähe, zu dem sie mitkommen kann? Ich könnte mir vorstellen, dass es ihr hilft, auf andere Leute aus dem Bereich Trans/CD/Drag/etc. zu treffen. Ein fröhlicher Haufen, mit dem sie sich unterhalten kann - wo sie andere Anekdoten und Werdegänge kennenlernt und sieht, wie "Betroffene" damit umgehen. Das könnte ihr zeigen, wie Normalität aussehen kann.
Jepp, das ist ein nächster Schritt. Wenn es denn wieder mal zu Treffen kommt. Ich war schon 3 Mal beim Transall Treffen in Freiburg. (Kurz vor Corona)
Meine Frau wollte nie mit. Da waren auch Diskussionen.

Aaaaber, (smili) .. an Weihnachten bekam ich u.a. eine Karte von meiner Frau, auf der Stand: "Ich geh mit Dir wohin du willst, such Dir etwas aus"
Diesen "Gutschein" möchte ich für einen Besuch bei einem Treffen nutzen...

Ich weiß, das war lang.

Danke an alle

Chris
Ich will so sein, so wie ich bin, mal Mann, mal Frau, gern zwischendrin.
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 28 im Thema

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Hi Chris,
chrisvomsee hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 01:45 Gefühle mitteilen. Ja. Da bin ich voll der Held oder die Heldin. Leider ironisch grad :-(
Aber wieder kam ich beim Lesen auf eine Idee. Früher hatten wir "Zwiegespräche" .. also richtig geplante Gespräche. Als das öfter nicht funktionierte (Gefühle mitteilen) hab ich angefangen es aufzuschreiben (das kann ich) und ihr vorzulesen im Gespräch.
Das letzte Zwiegespräch ist fast 2 Jahre her
Das ist eine gute Idee. Ich habe damit auch Erfahrungen gemacht. Der Schlüssel für mich war aber eine andere Einstellung zu mir und meinem Ich. Ich habe begonnen, mich selber ernst und wichtig zu nehmen. Ich sehe das als Zweiteilung: zum einen bin ich und meine Bedürfnisse. Das ist nicht verhandelbar. Das mag sich zwar mit der Zeit verändern, aber Ich bleibe Ich. Ich habe eine männliche und eine weibliche Seite. Punkt. Ich habe gelernt, das auch zu kommunizieren. Hier spielt die Überwindung der Scham sicher eine entscheidende Rolle. Der Vorteil dieser Sichtweise ist die Begrenzung auf mich als Person. Hier haben gesellschaftliche Regeln und Wertungen meiner Nichtbinarität keine Bedeutung. Und wenn das so ist, fällt es mir leichter, auch dazu zu stehen.

Das andere ist der Umgang damit. Hier erst kommt meine Frau ins Spiel. Hier werden die Gefühle und Wünsche meiner Frau und die weiteren Wege besprochen. Wenn der erste Teil geschafft ist, ist es auch für meine Frau leichter, mich und meine Bedürfnisse ernst zu nehmen. Die Diskussion wird leichter und entspannter, bei uns zumindest. Das gibt dem Gespräch eine klarere Struktur.
chrisvomsee hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 01:45 an Weihnachten bekam ich u.a. eine Karte von meiner Frau, auf der Stand: "Ich geh mit Dir wohin du willst, such Dir etwas aus"
Wie wäre es mit: "Geh mit mir unseren gemeinsamen Weg " ... ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 29 im Thema

Beitrag von chrisvomsee »

Hallo zusammen,

Aus aktuellem Anlass möchte ich diesen Thread von mir aus dem Januar weiter ergänzen.
Es ging ja darum:
- Ich möchte, dass meine Freunde mich besser kennen. Habe aber Angst was passiert. Meine Frau noch mehr.

Nun kam es so, dass meine Frau wohl gesehen hat wie wichtig mir das wäre. Und als wir letztes Pfingsten in Italien waren auf einem Camping, und 2 Freundinnen meiner Frau dabei waren, hat meine Frau die Initiative ergriffen, und den zwei Freundinnen Bilder von mir gezeigt. Ich war dann auch 2 Abende mit Rock an der Strandbar, und wir hatten trotzdem einen schönen Urlaub.
Alles in allem, ... eher unspektakulär.
Auch ein etwas entfernterer Freund und seine Frau wissen nun davon. Wir haben nicht so engen Kontakt, aber interessant war, dass seine Frau meinte ich soll doch mal als Frau zu Besuch kommen zum Essen. :-) Alles in allen aber auch, ... eher unspektakulär. (Zum Essen kam es nicht, ich wollte es nicht, aber ich fand es toll, dass sie mich gefragt hat)

Die wissen jetzt alle was ich gerne mache. Aber am Umgang oder am Kontakt hat sich nichts geändert. Finde ich absolut super. Es geht mir gut damit.

Aber was, wenn ich es einem meiner besten Freunde erzähle? Was würde passieren?

Nun, diese Antwort habe ich jetzt:
Es ging ja nun doch lange bis ich mich dazu getraut habe. Ich habe ihn letzte Woche zum Essen eingeladen und ihm gesagt, dass ich etwas loswerden will über mich. Etwas das mich mein Leben lang schon begleitet, mir wichtig ist, aber mir nicht leicht über die Lippen kommt.
Nachdem wir dann zuerst über alles Andere geredet haben, über unsere Band (er ist unser Lead-Sänger), usw ...., zog ich mein Handy raus, und zeigte ihm jede Menge Bilder von mir. So wie er mich noch nie gesehen hat. Ich erzählte ihm mein halbes Leben, und von all dem was darin schon passiert ist, und wie stark diese weibliche Seite in mir ist. Schon immer.

Und? nein, er fiel nicht vom Stuhl, er rannte nicht weg, er schüttelte nicht ungläubig den Kopf.

Er sagt mir wie toll er es findet mich endlich wirklich zu kennen. Wie froh er ist, dass ich mich ihm gegenüber geöffnet habe. Dass er es als großes Vertrauenszeichen sieht, und dass ihm Authentizität eh viel wichtiger ist als alles andere. Ich spürte wie unser Gespräch immer mehr Tiefe bekam, und er sogar auch mehr von sich preisgab.
Er sagt auch, dass er viel lieber mit Menschen zusammen ist die offen reden über ihre Gefühle, und dass er die typischen oberflächlichen Männerkontakte ja gar nicht mag.
Ok, ich wusste dass er ein sehr offener Mensch ist. Und ja, es war mir klar, dass er nicht vom Stuhl fällt.
Aber das was passiert ist, hat mich doch überrascht.

Alles in allem:
Ich bin total happy wie das gelaufen ist. (smili) (fwe3) Ich habe nicht einen Freund verloren, sondern einen gewonnen. So darf ich es denke ich sagen.

So,
das wollte ich loswerden.
Ich bin mir zwar recht sicher, dass ich mich jetzt nicht der ganzen Welt zeigen werde (obwohl?) .. nein, aber es wird noch der ein oder andere Freund dazukommen. Da bin ich mir sicher. Als nächstes auf jeden Fall unsere komplette Band. (gitli)

Meine Einstellung gerade:
- Freunde, wirkliche Freunde, dürfen das wissen! Und sollte tatsächlich einer ein Problem damit haben (kann ich mir kaum vorstellen), war es dann je ein wirklicher Freund?
- Kollegen bei der Arbeit, mit denen ich mein Geld verdiene, die müssen das nicht wissen. Aber dort ist es mir auch nicht wichtig....

So, diese Rückmeldung wollte ich hier geben. Es ging jetzt fast ein Jahr ins Land, nachdem ich diesen Beitrag im Januar begonnen habe.

Aber ich war schon immer etwas langsam ... Doch zu Ende bringe ich die Dinge meist doch irgendwann (flo)

LG Chris
Ich will so sein, so wie ich bin, mal Mann, mal Frau, gern zwischendrin.
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 30 im Thema

Beitrag von Lana »

Hallo Chris,

freu mich für dich (888)
chrisvomsee hat geschrieben: So 6. Nov 2022, 00:07 Aber was, wenn ich es einem meiner besten Freunde erzähle? Was würde passieren?

Nun, diese Antwort habe ich jetzt:
[...]
Ich spürte wie unser Gespräch immer mehr Tiefe bekam, und er sogar auch mehr von sich preisgab.
Ich hatte im Zusammenhang mit meinem Coming Out auch sehr viele intensive und intime Gespräche. Erstaunlicherweise auch mit eher losen Freunden, von denen ich das nie erwartet hätte (und die wohl umgekehrt nie auf die Idee gekommen wären, dass ich trans sein könnte).

Früher, also in dem Leben vor dem Coming Out, hatte ich ähnliche Gespräche höchstens alle Jubeljahre mal, dann nur mit Frauen und oft in angetrunkem Zustand.

Inzwischen geht das recht einfach, wenn ich spüre, dass die andere Person sich darauf einlassen kann. Ich meine sogar manchmal eine Erleichterung bei meinen Gesprächspartnern zu bemerken, dass sie endlich mal die Gelegenheit haben, selbst mehr in die Tiefe gehen zu können. Oft habe ich in solchen Gesprächen von Dingen erfahren, die in dem alten Rahmen nicht ausgesprochen werden konnten, weil man damit zu verletzlich geworden wäre und Angst davor hatte, wirklich verletzt zu werden. Das gilt für beide Seiten.
Der "Preis" dafür ist, dass ich in "Vorleistung" gehen muss und mich meinem Gesprächspartner öffne. Das Risiko, dass das nicht erwidert wird, bleibt zwar immer bestehen, ist aber nach meinen Erfahrungen viel geringer, als die Chance darauf die Freundschaft auf eine vertraulichere Ebene zu heben, oder gar, wie du es nennst, einen Freund zu gewinnen. Auf eine ganz andere, neue Art, die vorher nicht möglich erschien.

Nachdem du nun erste Erfahrungen gemacht hast, brauche ich dich wohl kaum noch ermutigen, das weiter zu verfolgen. In dem Rahmen und in dem Tempo, das dir und deiner Partnerin entspricht.

Wünsche euch dabei alles Gute (flo)

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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