Melissas Memoiren
Melissas Memoiren - # 2

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Anne-Mette
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Re: Melissas Memoiren

Post 16 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

eine weitere Unterteilung in Abschnitte und etwas weniger Textbreite insgesamt würde der Lesbarkeit gut tun.

Gruß
Anne-Mette
manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 17 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Anne-Mette hat geschrieben: Mi 24. Nov 2021, 10:38 Moin,

eine weitere Unterteilung in Abschnitte und etwas weniger Textbreite insgesamt würde der Lesbarkeit gut tun.

Gruß
Anne-Mette
Hallo Anne-Mette,

was meinst du denn mit Textbreite? Kann ich die irgendwo ändern? Ich nutze das Forum nur mit dem Smartphone, von daher weiß ich nicht, wie es am PC aussieht. Hier ist alles gut lesbar. (smili)

Liebe Grüße,
Melissa
Anne-Mette
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Re: Melissas Memoiren

Post 18 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

manchmal_melissa hat geschrieben: Mi 24. Nov 2021, 14:18 Ich nutze das Forum nur mit dem Smartphone,
OK, dann vergiss, was ich geschrieben habe.
Viele Grüße
Anne-Mette
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Re: Melissas Memoiren

Post 19 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Die Mottowoche - Teil 2

Ich war voller Vorfreude und konnte es nicht erwarten, professionell zur Frau gestylt zu werden. Gleichzeitig war ich wie immer darauf bedacht, mir das nicht zu sehr anmerken zu lassen. Und je näher das Ereignis rückte, desto zäher zog sich die Zeit.

Drei Tage vor meinem großen Auftritt besuchte ich Julia, um meine Klamotten abzuholen. Ich hatte mit ihr ausgemacht, dass sie mir drei Outfits herauslegt, von denen sie denkt, dass sie mir passen könnten. Als ich in ihr Zimmer kam, war ich verwirrt. Zwei Outfits enthielten Hosen. Das dritte einen Rock und eine Bluse. Dabei hatte ich mich so auf eines ihrer Kleider gefreut. Es geht ja bei so einer Mottowoche nicht darum, möglichst alltagstauglich gekleidet zu sein. Ich merkte also beiläufig an, dass ich eigentlich erwartet hatte, eines ihrer Kleider zu tragen. Sie fragte mich tatsächlich, ob mir das nicht zu peinlich sei. Sie habe mir extra kein Kleid herausgelegt, weil das ja schon gewagt wäre. Ich musste lachen. Irgendwie war die ganze Situation lustig. Da traute ich mich einmal, in so einem dankbaren Rahmen, meine Wünsche frei auszusprechen, schon bremsten mich andere. „Ach was!“, lachte ich weiter und winkte nur ab. „Wenn, dann richtig, oder?“ Julia musste daraufhin auch lachen und stimmte mir zu. Sie holte das weiße Cocktailkleid aus dem Schrank, das ich schon einmal getragen hatte. Dazu gab sie mir dann wieder drei Strumpfhosen, um meine Beinhaare zu verdecken und einen ihrer BHs, den ich mit Socken ausstopfen sollte. Julia meinte zwar, diese Sachen auch noch anzuziehen sei für eine Anprobe nicht notwendig, doch ich bestand darauf. Das Kleid könnte ja ohne BH passen und mit nicht mehr, und unrasierte Beine in einem Kleid sähen doch schrecklich aus. Ich zog also die Unterwäsche an und schlüpfte schnell in das Kleid, um zu schauen, ob es noch passte. Es fühlte sich nach so langer Zeit wieder schön an, obwohl es nichts neues war. Natürlich passte es noch.

Ich fragte Julia, welche Schuhe ich darauf anziehen könnte. Sie holte ein Paar Stiefeletten, die mir durchaus bekannt waren und von denen ich nicht begeistert war… Zu einem Cocktailkleid passten die nicht wirklich, außerdem waren sie ja damals schon etwas zu groß. Dennoch probierte ich sie an, aber ich musste schnell feststellen, dass ich darin nicht einen ganzen Tag herumlaufen konnte. Ich rutschte einfach zu sehr in den Schuhen herum. „Hast du noch andere?“, fragte ich sie, in der Hoffnung, doch noch etwas passendes zu finden, in jeder Hinsicht. Aber Julia schüttelte den Kopf. Ich hätte noch ihre Pumps oder Ballerinas tragen können, aber die waren beide relativ neu und noch größer. Ihre Winterstiefel hätten wirklich gar nicht mehr zum Kleid gepasst, und ansonsten hatte sie nur Sneaker.

Ich musste also irgendwo anders noch Frauenschuhe herbekommen. Natürlich wusste ich sofort, woher. Ich schrieb Anna eine Nachricht, auch wenn es sich schlecht anfühlte, weil wir schon zu dieser Zeit nur noch sehr sporadischen Kontakt hatten. Aber sie freute sich über mein Interesse an ihren Schuhen. Sie könne da bestimmt helfen, ich solle einfach vorbeikommen. Es müsse nur heute sein, weil sie übers Wochenende geplant habe, wegzufahren. Ich verabschiedete mich also zeitnah von Julia und fuhr direkt zu Anna. Sie begrüßte mich mit zwei Paar Schuhen in der Hand schon an der Wohnungstür. Es waren die grauen Stiefel, die ich ebenfalls schonmal getragen hatte, und ein Paar mintfarbene Pumps mit Keilabsatz. Anna drückte mir beide in die Hand und bestand darauf, dass ich ihr ein Bild schicke, wenn ich fertig gestylt bin. Ich versprach es ihr und verabschiedete mich. Die Schuhpaare durfte ich beide mitnehmen und mich spontan entscheiden, welche ich tragen möchte.

Ich fuhr also nach Hause und hatte alles im Kofferraum, was ich brauchte und zu Hause wartete bereits die Perücke, die ich schon zuvor besorgt hatte. Zu meiner großen Freude war bei meiner Ankunft niemand daheim. In meinem Zimmer musste ich sofort die Schuhe anprobieren und warf mich dafür natürlich gleich in das ganze Outfit. Ich wollte unbedingt alles im Zusammenspiel sehen. BH an, Socken rein, Strumpfhosen hochfriemeln, Kleid überwerfen, zum Schluss die Perücke, fertig. Schon stand eine junge Frau in meinem Zimmer (natürlich nur, wenn man vom Gesicht und der leicht behaarten Brust absah). Ich betrachtete mich im Spiegel und war durchaus zufrieden. Wenn ich die Augen etwas zusammenkniff, konnte ich keine männlichen Züge mehr erkennen. Dabei hatte ich doch glatt die Schuhe vergessen! Ich zog erst die grauen Stiefel an, weil ich wusste, dass sie nicht zu dem Kleid passen würden. Aber ich liebte wie früher das Gefühl, den Reißverschluss hochzuziehen und auf den hohen Absätzen zu laufen. Zum Kleid allerdings sahen sie wie erwartet scheußlich aus. Also schlüpfte ich in die mintfarbenen Pumps und war auf Anhieb begeistert. Meine Beine sahen augenblicklich dünner und länger aus. Der Keilabsatz war angenehm zu tragen und etwa 6cm hoch. Auch diese Schuhe waren einen Tick zu groß, aber ich hatte noch einen stabilen Stand darin. Ich war glücklich. So würde ich wirklich hübsch gekleidet sein und mich wohlfühlen. Ich behielt die Sachen noch eine Weile an und übte mit den Schuhen, bis ich wusste, dass meine Eltern bald nach Hause kommen würden.

Das ganze wiederholte ich in den nächsten Tagen jedes Mal, wenn ich alleine war oder abends zum Schlafen in mein Zimmer ging. Jeden Tag trug ich die Strumpfhosen, das Kleid und die Schuhe. Ich konnte nicht genug davon bekommen nach meinem unfreiwilligen Entzug. Eine Nacht lang schlief ich sogar in den Strumpfhosen, weil sie sich so schön und meine Beine sich damit so glatt anfühlten (zumindest im Vergleich zur dort sonst anzutreffenden Haarpracht). Leider wusste ich ja auch, dass ich die Sachen schon bald wieder abgeben musste. Also genoss ich diese Tage, in denen ich plötzlich stolzer Besitzer einer minimalistischen, femininen Garderobe war, in vollen Zügen.
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Re: Melissas Memoiren

Post 20 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Die Mottowoche - Teil 3

Die finalen Vorbereitungen für das Großereignis begannen schon am Abend zuvor. Ich übernachtete bei meiner Freundin, die sich doch noch als hilfreich erwies. Sie erklärte sich bereit, mir die Nägel zu lackieren, um am nächsten Morgen Zeit zu sparen. Ich hätte am liebsten einen mintgrünen Nagellack gewählt, der besonders gut zu den Schuhen gepasst hätte. Ich war mir sicher, dass sie so einen selbst schonmal benutzt hatte. Aber er war leider partout nicht aufzufinden. Also entschied ich mich für ein zartes Rosa, um zumindest bei Pastelltönen zu bleiben. Meine Nägel hatte ich extra länger wachsen lassen als sonst, damit meine Hände ein bisschen femininer wirkten. Meine Freundin lackierte sie gekonnt und war wie schon Lara damals sehr begeistert von meinen schönen Fingern. Durch die langen Nägel sahen sie noch hübscher aus als beim letzten Mal, als sie lackiert wurden. Als Sahnehäubchen suchten wir noch passenden Modeschmuck aus, den ich am nächsten Tag tragen sollte. Es wurde eine weiße Perlenkette, zusammen mit passenden Armbändern. Danach legten wir uns schlafen und ich hatte ein Gefühl der Vorfreude, das ich nur von Urlauben oder Ausflügen kannte: Man ist aufgeregt und freut sich, gleichzeitig kommt einem die Vorstellung surreal vor, das Geplante am nächsten Tag wirklich zu erleben. Entsprechend schlecht schlief ich wieder, und jedes Mal wenn ich wach wurde, vergewisserte ich mich mithilfe des Nagellacks auf meinen Fingernägeln, dass das alles gerade wirklich passierte.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf. Wir hatten uns 1,5 Stunden vor Schulbeginn mit Julias Cousine verabredet, aber vorher musste ich natürlich noch gründlich die Brust und das Gesicht rasieren. Ich sollte bereits fertig angezogen dort ankommen, um Zeit zu sparen. Das Schminken selbst sollte dann eine knappe Stunde dauern.

Ich sagte also meiner Behaarung den Kampf an und zog danach, fast schon routinemäßig durch die Erfahrungen der letzten Tage, mein Outfit an. Zum Schluss setzte ich schonmal die Perücke auf, weil ich mich im Kleid damit wohler fühlte. Aus Sicherheitsgründen hatte ich allerdings noch meine Sneaker an, weil ich selbst zu Julias Cousine fuhr. Meine Freundin wollte bei dem Ereignis natürlich dabei sein, nahm aber lieber auf dem Beifahrersitz Platz. Vor dem Haus angekommen zog ich meine Sneaker aus und wechselte in die Pumps. „Willst du die jetzt schon anziehen? Du bist doch noch nicht mal geschminkt“, sagte meine Freundin etwas verwirrt. „Natürlich!“, grinste ich nur und öffnete die Autotür. An der Haustür wartete schon Julia, die ja nicht weit weg wohnte und sich ebenfalls unter die Schaulustigen mischte. Julias Cousine begrüßte uns herzlich und nahm dankbar eine kleine Aufmerksamkeit von mir in Empfang. Das war ich ihr wirklich schuldig, denn sie machte das alles umsonst. Ich hatte mehrfach bei Julia nachgefragt, ob ihre Cousine nicht dafür bezahlt werden wollte, wenigstens die Materialkosten. Aber diese Frau hatte so viel Spaß an der Sache, dass sie mich einfach als kostenloses Übungsmodel ansah.

Weil die Zeit knapp war, redeten wir nicht lange um den heißen Brei herum, sondern ich setzte mich schnell auf den bereitgestellten Stuhl. Auf dem Schminktisch vor mir war alles ausgebreitet, was das Herz begehrt. Im Gegensatz zum Ergebnis hatte ich den Prozess ja schon immer gemocht, aber dieses Mal war es Wellness pur. Die tollen Produkte auf meiner Haut, die professionellen Schwämme und Pinsel, die geübte Hand von Julias Cousine - es fühlte sich an wie eine Stunde Haarewaschen beim Frisör. Die Visagistin gab sich richtig viel Mühe. Nachdem mein Augen-Make-up fast fertig war, fragte sie in die Runde nach der Uhrzeit. Es war erst eine gute halbe Stunde vergangen. „Perfekt!“, sagte Julias Cousine, „dann können wir sogar noch künstliche Wimpern kleben!“ Diese Frau nahm ihren Job wirklich ernst. Ich bekam also noch ein Paar künstliche Wimpern verpasst, und als ich schon dachte, ich würde gar keine Farbe auf die Lippen bekommen, schminkte sie die auch noch gekonnt. Zum Schluss kontourierte sie noch mein Dekolleté, setzte meine Perücke auf, nickte zufrieden und holte einen Spiegel. Es war wirklich nervenaufreibend. Ich freute mich so darauf, mich endlich mal als Frau zu sehen, gleichzeitig hatte ich auch ein bisschen Angst davor, wer mich da gleich im Spiegel anschaut. Immerhin sollte ich so heute noch in die Schule. Julias Cousine stellte den Spiegel auf den Tisch und drehte ihn langsam zu mir.

Im ersten Moment erkannte ich mich nicht wieder. Klar, auf den zweiten Blick konnte man meine Gesichtszüge gut erkennen, aber ich war schon erstaunt über den Grad der Verwandlung. Meine Haut sah sehr ebenmäßig aus, glatt und strahlend. Bartschatten war natürlich überhaupt keiner mehr zu sehen, doch damals wusste ich nicht, was für eine Herausforderung das war. Meine Lippen hatten einen matten, dunkelroten Anstrich bekommen und sahen sehr voluminös aus, dazu merkte ich die Farbe jedes mal, wenn ich den Mund auf und zumachte - ein herrliches Gefühl, weil es mich jedes Mal daran erinnerte, wie toll meine Lippen geschminkt waren. Bei den Augen hatte sich Julias Cousine aber die meiste Mühe gegeben. Der Lidschatten war kräftig, aber nicht zu auffällig geraten, und in die Farbe, ein dunkles rotbraun, hatte sie tatsächlich die Pastelltöne gemischt, die sich an meinen Schuhen und auf meinen Fingernägeln wiederfanden. Trotzdem sah ich nicht wie ein Paradiesvogel aus, denn es war alles nur ganz leicht angedeutet. So passte am Ende farblich alles zueinander. Das Highlight waren aber die künstlichen Wimpern. Eigentlich wären die nicht wirklich nötig gewesen, weil ich von Natur raus recht lange und kräftige Wimpern habe. Trotzdem waren die künstlichen nochmal was ganz anderes. Meine Augen wirkten riesig, die Wimpern waren sehr lang und dicht, aber so gut geklebt, dass sie nicht unnatürlich aussahen. Und auch hier war das schönste eigentlich das Gefühl; die schweren Lider, die mich bei jedem Zwinkern daran erinnerten, dass ich optisch gerade eine Frau war.

Wenn ich die Bilder heute sehe, war das Make-up schon ein bisschen übertrieben. Ich sah nicht aus wie eine Drag-Queen, aber ein unauffälliges Tages-Make-up sieht anders aus. Natürlich war das nicht das Ziel gewesen, und so freute ich mich damals über den dramatischen Look und auf den sicher unvergesslichen Auftritt. Heute schminke ich mich anders, auch wenn es mir immer noch schwerfällt, es nicht zu übertreiben und eine gute Balance zu finden zwischen dem kaschieren der maskulinen Gesichtszüge und einem natürlichen Look. Aber zurück zu meinem Festtag: meine Freundin und Julia waren von meinem Anblick begeistert, und auch ich war durchaus angetan. Ich freute mich richtig darauf, mich so zu präsentieren und zu zeigen, wie toll ich als Frau aussehen kann. Und weil es mittlerweile auch schon spät war, machten wir uns schnell auf in die Schule…
-=Tom=-
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Re: Melissas Memoiren

Post 21 im Thema

Beitrag von -=Tom=- »

Ok,
es bleibt spannend :wink:. Ich freue mich schon auf Teil 4 :D.
Liebe Grüße

Tom
kathrin84
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Re: Melissas Memoiren

Post 22 im Thema

Beitrag von kathrin84 »

Hallo Melissa,

vielen lieben Dank das du uns so detailiert an deiner Lebensgeschichte teilhaben lässt.
Für deine Zukunft wünsche ich dir das beste.

Viele Grüße
Kathrin
manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 23 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Die Mottowoche - Teil 4

Wir fuhren auf direktem Weg in die Schule, natürlich wieder mit mir am Steuer und in Sneakers statt Pumps. Die erste Anekdote passierte noch auf dem Hinweg. Uns kam ein Verwandter von mir entgegen. Ich winkte, meine Freundin winkte, doch auf der Gegenspur waren nur verwirrte Blicke zu sehen. Eine Nachfrage am nächsten Tag ergab: Er hatte mich tatsächlich nicht erkannt.

An der Schule angekommen wechselte ich noch im Auto in die Pumps und stieg möglichst elegant aus. Ich hatte sofort die Aufmerksamkeit einer vorbeilaufenden Mitschülerin, die zwar amüsiert, aber anerkennend lachte und meine Aufmachung mit einem „Wow!“ quittierte. Generell bekam ich viel Lob an diesem Tag, für mein Make-up (zu dem ich ja nun wirklich nichts beigetragen hatte), meinen schönen Beinen, meinem sicheren Gang in den Pumps und meiner femininen Körperhaltung. Letzteres war vor allem darauf zurückzuführen, dass nicht wenige meiner Mitschüler zwar einen Rock trugen, aber an ihrer sehr raumnehmenden Sitzhaltung nichts änderten. Das Niveau lag also nicht sonderlich hoch.

Dass auch bei mir noch ganz viel Luft nach oben war, merkte ich vor allem im Nachgang, als ich ein Video von mir sah. In der großen Pause war nämlich ein Catwalk vorbereitet worden, auf dem sich alle Kurzzeitfrauen präsentieren sollten. Es machte mir großen Spaß, auch weil ich mit Kleid und professioneller Schminke zu den optischen Highlights gehörte. So im Mittelpunkt zu stehen, Szenenapplaus zu bekommen, das war schon ungewohnt und gleichzeitig schön. Das ganze Event wurde natürlich gefilmt und am nächsten Tag an die gesamte Stufe verteilt. Auf besagtem Video sah ich mich dann auch zum ersten Mal in Bewegung und war etwas erschrocken: Der Gang war gewohnt sicher, die Schritte waren behutsam und sanft gesetzt, die Knie durchgestreckt aber trotzdem beweglich. Spätestens ab der Hüfte war es aber eine Katastrophe. Ich war so bedacht darauf, alles richtig zu machen, dass ich viel zu steif war. Mein Oberkörper wirkte wie einbetoniert, die Hüfte bewegte sich kein bisschen, ebenso wie die Schultern, lediglich die Arme schwangen halbherzig mit. Durch dieses Video lernte ich zwei Dinge. Erstens: Es gehörte mehr als gute Technik in hohen Schuhen zum weiblichen Gang. Und zweitens: Ich hatte noch sehr viel zu lernen.

Der Tag bot aber auch weiterhin positive Erlebnisse. In einer Freistunde und der anschließenden Mittagspause gingen wir mit ein paar Leuten zum Italiener, um den Tag gebührend zu feiern. Es muss ein wirklich merkwürdiger Anblick gewesen sein, denn es hatten sich nicht alle viel Mühe mit ihrem Outfit gegeben. Wir hatten dennoch großen Spaß und spielten ein wenig mit den Geschlechterklischees. Das Mittagessen war auch der erste längere Zeitabschnitt, bei dem meine Freundin dabei war, weil wir in der Schule nicht einen Kurs gemeinsam belegten. Ihr schien meine Verkleidung auch Spaß zu machen. Sie schaute immer wieder zu mir rüber, schüttelte ungläubig den Kopf und lächelte mich an. Als ein paar Jahre später alles rauskam, sagte sie, in diesem Moment, in der Mottowoche beim Italiener, habe sie zum ersten Mal etwas geahnt.
Auf dem Weg zurück zur Schule waren wir dann zu zweit unterwegs, weil die meisten schon frei hatten. Ich dagegen freute mich, an dem Tag über die volle Distanz gehen zu müssen, oder besser zu dürfen. Meine Freundin war immer noch belustigt und fragte mich, ob wir das nicht öfter machen wollten, weil es so cool war. „Wenn du das möchtest - na klar!“, war meine etwas unbeholfene Antwort. Eigentlich war das eine klasse Vorlage gewesen, aber sie hatte mich damit überrascht und ich habe instinktiv davon ablenken wollen, dass es auch mir sehr gefällt. Leider war ihr Vorschlag nicht ganz ernst gemeint, wie sich in Zukunft noch zeigen sollte. Es gab dann doch einen beträchtlichen Unterschied zwischen „aus Spaß als Frau verkleiden“ und dem (für mich) Grundbedürfnis Crossdressing.

Während viele meiner Mitschüler:innen also schon auf dem Heimweg waren, stand für mich die Verlängerung an. Nach der Mittagspause hatte ich noch Unterricht im Rechnerraum. Ich hatte meinen Ranzen schon vor dem Mittagessen neben dem Raum abgestellt, damit ich ihn nicht die ganze Zeit herumschleppen musste. Ich war als Erste meines Kurses da und kramte mit dem Rücken zur Treppe in meinem Ranzen herum, um Handy und Geldbeutel zu verstauen. Dazu bückte ich mich - ganz ladylike - mit geraden, eng zusammenstehenden Beinen. Ich hörte zwar jemanden die Treppe heraufkommen, dachte mir aber nichts dabei. Jemand blieb hinter mir stehen, räusperte sich und sagte: „Entschuldigung, aber den Computerraum habe ich heute für meinen Kurs gemietet.“ Ich erkannte die Stimme sofort, denn es war meine Lehrerin. Als ich mich umdrehte, fixierte sie schon meinen Ranzen, der mein einziges männliches Accessoire an diesem Tag war. Ihr schien es zu dämmern, noch bevor ihr Blick in mein Gesicht wanderte. „Ach ne, du bist das? Das glaub ich jetzt nicht!“ Wir mussten beide herzhaft lachen, bevor sie den Raum aufsperrte. Und weil wir bei dieser Lehrerin nicht etwa Informatik hatten und das Schuljahr so gut wie beendet war, hieß Computerraum, dass wir einen Film schauten. Einen Film, währenddessen ich mich voll und ganz an meiner neu gewonnenen, aber leider auch flüchtigen Weiblichkeit erfreuen konnte. Ich genoss es einfach, da zu sitzen, von Zeit zu Zeit die bestrumpften Beine übereinander zu schlagen, ihr feminines Aussehen in den Pumps zu bewundern und die Hände mit den lackierten Fingernägeln sanft in den Schoß zu legen. Hier lohnte sich dann auch nochmal das tolle Make-up, das ich immer noch im Gesicht spüren konnte. Ich fühlte mich weiblich, entspannt und schön und genoss einfach jeden kleinen Aspekt meiner Verwandlung. Zum ersten Mal badete ich so richtig in meiner eigenen Weiblichkeit und fühlte mich auch innerlich als Frau. Es war einer der schönsten Momente des Tages, entsprechend wenig interessierte mich der Film.

Zum Abschluss des Schultages bat mich eine Freundin noch um ein persönliches Erinnerungsfoto. Das müsse sie einfach festhalten, sagte sie. Ich tat ihr gerne den gefallen und posierte ein wenig mit ihr. Danach fuhr ich etwas wehmütig nach Hause, weil mein großer Auftritt schon vorbei war. Dort angekommen stattete ich en femme noch meinen Großeltern einen Besuch ab, weil auch sie unbedingt noch wissen wollten, wie ich „als Frau aussehe“. Auch diesem Wunsch kam ich gern nach, wobei mir die Verkleidung bei ihnen schon unangenehmer war als zuvor. In der Schule war es an diesem Tag normal gewesen, als Frau verkleidet zu sein und es gab durchaus auch Anerkennung, gerade von den Frauen. Bei meinen Großeltern dagegen war ich schon wieder so etwas wie eine Zirkusnummer, über die man lachte. Klar, auch in der Schule trugen wir zur Belustigung des Publikums bei und die Übergänge sind da auch fließend, aber ich fühlte mich plötzlich nicht mehr so wohl und Gefühle wie Scham überwogen wieder. Ich merkte, wie mir der geschützte Rahmen fehlte, weil ich so offen als Frau vor ihnen stand und plötzlich das Gefühl hatte: Dieser intime Teil von mir geht euch nichts an. Letztendlich fühlte ich mich aber vor allem schlecht, weil ich eines realisierte: Der Tag, die Verkleidung, das alles hatte mir viel zu gut gefallen.

Und genau da lag auch der Knackpunkt. Schon als ich mich zu Hause abschminkte, wusste ich, dass das nicht das letzte Mal gewesen sein konnte. Ich hatte zuvor so viele, verzweifelte Hoffnungen in diesen Tag gesetzt, weil ich dachte, er könnte mich befrieden. Einmal Frau sein, dann würde ich wissen wie das ist, und könnte mir den Gedanken aus dem Kopf schlagen. Das Gegenteil war der Fall. Ich hatte mich so fantastisch gefühlt. Ein Teil von mir, der die ganze Zeit über in mir geschlummert hatte, war plötzlich aufgeblüht. Ich fühlte mich so ausgeglichen wie selten zuvor und entfernte nur widerwillig das Make-up aus meinem Gesicht und legte mein Outfit ab. An diesem Abend stand fest: ich will das wieder. Und wieder. Und wieder. Ich bin Crossdresser. Meine weibliche Seite ist ein Teil von mir und sie wird nie wieder weggehen. So wurde der Tag doch noch zu einem großen Wendepunkt meiner Geschichte, aber in eine ganz andere Richtung, als ich vermutet und gehofft hatte. Er war ein Meilenstein auf meinem weg zu einem Teil von mir selbst, zu meiner weiblichen Seite, zu Melissa. Was im Nachhinein schön klingt und im Rückblick auch enorm wichtig war, stellte mich leider vor ein riesiges Problem, was meine Beziehung betraf.

Um ein Outing machte ich mir an diesem Tag und auch noch weit später aber keine Gedanken. Das lag zum einen daran, dass ich mich unvermindert dafür schämte, dass ich gerne eine Frau war, weniger vor mir selbst als vor anderen, gerade vor meiner Freundin. Zum anderen hätte ich schlicht nicht gewusst, wie ich das anstellen soll und sah außerdem noch keine Notwendigkeit. Mein Bedürfnis, von Zeit zu Zeit eine Frau zu sein, war erst einmal sehr sättigend gestillt und ich wollte abwarten, wie sich das entwickelt und wann das Bedürfnis wieder größer wurde. Außerdem stand in wenigen Monaten schon wieder meine Ferienfreizeit an und wenn ich mich nicht täuschte, sollte ich dort schon meinen nächsten Abend als Frau erleben…
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