Krankenkasse und Ergänzungsausweis
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Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Carrie_C
schau
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Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 1 im Thema

Beitrag von Carrie_C »

Liebe Community,

sicherlich wurde das Thema schonmal behandelt, aber leider habe ich über die Suchfuntkion nichts passendes gefunden, darum jetzt ein neuer Thread dazu.
Ich habe vor ein paar Wochen meinen Ergänzungsausweis der dgti erhalten und damit versucht, meinen Eintrag bei der Krankenkasse (TK) ändern zu lassen - was mit einem Dreizeiler abgeschmettert wurde (..."kein amtliches Dokument"...).
Ich war etwas überrascht, hatte ich doch gedacht, dass der Ausweis mitunter genau dafür gedacht ist und auch schon von anderen mitbekommen habe, dass das grundsätzlich möglich ist, wenn auch nicht immer einfach.

Wer von euch hat damit Erfahrung und vielleicht Tipps, wie ich nun am besten auf die Ablehnung reagiere? Gibt es "offizielle Äußerungen, auf die ich verweisen könnte, Musterbriefe o.ä. dazu? Bei der dgti selbst habe ich leider nichts passendes gefunden, das mir weiterhelfen könnte. Gerade zu Beginn meiner Transition stehen mir ja noch viiieeeele Arztbesuche ins Haus und wenn ich da schon eine entsprechend "angepasste" KK-Karte hätte, wäre das ein Träumchen.

Ich freue mich auf eure Antworten!
Viele Grüße
Nora
Aria
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 2 im Thema

Beitrag von Aria »

In meinen Augen ist der Ergänzungsausweis nur gut, wenn du noch nichts offizielles hast aber schon eine Art Perso mit dem angestrebten Namen und Personenstand in den Händen halten willst. Du kannst dann auf Kulanz der Banken, Versicherungen u.ä. hoffen, dass die dir eine Karte mit diesem Namen ausstellen. Der Account der dahinter steckt, läuft trotzdem weiter auf deinen Deadname. Beispiel: die KK ändert aus Kulanz deinen Kartennamen. Damit gehst du dann zum Doc aber im PC und auch auf AU Rezept und Co steht dein Deadname.

Wenn andere davon erzählen, dass es bei denen trotzdem ging, haben die entweder unglaubliches Glück gehabt oder erzählen nur die halbe Wahrheit. Denn das das nicht so einfach zu ändern ist, hat den Grund, dass deine Rentenversicherung hinter dem ganzen steht. Die bekommt die Meldung von der KK wer da versichert ist. Und so lange noch keine VÄ/PÄ erfolgt ist, ist es der mit dem Deadname.
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Carrie_C
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 3 im Thema

Beitrag von Carrie_C »

Aria hat geschrieben: So 12. Sep 2021, 20:18 Denn das das nicht so einfach zu ändern ist, hat den Grund, dass deine Rentenversicherung hinter dem ganzen steht. Die bekommt die Meldung von der KK wer da versichert ist. Und so lange noch keine VÄ/PÄ erfolgt ist, ist es der mit dem Deadname.
Danke, Aria, für diese Erläuterung. Tatsächlich habe ich mich mal spaßeshalber in meinen KK-Account eingeloggt und konnte dort meinen Vornamen einfach so ändern, auch ein neues Bild kann ich da hochladen... Natürlich ändert das nichts am Geschlechtseintrag (wie auch), ich werde im Account jetzt mit "Guten Tag, Herr Nora [Nachname]" begrüßt. Schon irgendwie absurd... Aber irgendwie auch ein bisschen witzig. Muss man mit der Blödheit des Systems irgendwie mitgehen.
Immerhin kann ich auf den Namen eine neue Karte zugeschickt bekommen, auf der steht ja nicht das Geschlecht, und soweit ich weiß, ist das ja bei Rezepten, Überweisungen etc. auch nicht so, da steht nur Name + Anschrift. Nun ja, wahrscheinlich die aktuell beste Lösung, solange VÄ/PÄ nicht durch sind.
Claudia-67
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 4 im Thema

Beitrag von Claudia-67 »

Hallo,
Aria hat geschrieben: So 12. Sep 2021, 20:18 In meinen Augen ist der Ergänzungsausweis nur gut, wenn du noch nichts offizielles hast aber schon eine Art Perso mit dem angestrebten Namen und Personenstand in den Händen halten willst. Du kannst dann auf Kulanz der Banken, Versicherungen u.ä. hoffen, dass die dir eine Karte mit diesem Namen ausstellen. Der Account der dahinter steckt, läuft trotzdem weiter auf deinen Deadname. Beispiel: die KK ändert aus Kulanz deinen Kartennamen. Damit gehst du dann zum Doc aber im PC und auch auf AU Rezept und Co steht dein Deadname.
die AOK Nordwest ändert das tatsächlich, wie ich Nora schon in einer PN gemailt hatte. Auf meiner Karte steht Claudia, auf Überweisungen, Rezepten usw. auch. Ja, man muss dann manuell beim Arzt das Geschlecht im Systeme ändern, aber auch das geht. Man muss es nur wollen.

Aria hat geschrieben: So 12. Sep 2021, 20:18 Wenn andere davon erzählen, dass es bei denen trotzdem ging, haben die entweder unglaubliches Glück gehabt oder erzählen nur die halbe Wahrheit. Denn das das nicht so einfach zu ändern ist, hat den Grund, dass deine Rentenversicherung hinter dem ganzen steht. Die bekommt die Meldung von der KK wer da versichert ist. Und so lange noch keine VÄ/PÄ erfolgt ist, ist es der mit dem Deadname.
Man muss Durchsetzungsvermögen haben, aber es geht schon. Siehe hier:
viewtopic.php?p=312128#p312128

Also nicht abwimmeln lassen...

LG
Claudia
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 5 im Thema

Beitrag von Hotte »

Ich denke, das hängt immer davon ab, an was für einen Sachbearbeiter Du gerätst. Bei mir war das damals so, dass die Damen noch nie mit trans* zu tun gehabt hatten, aber sehr freundlich waren und mir sofort eine Karte auf den neuen Namen ausgestellt haben. Ob ich den Ergänzungsausweis benutzt habe, weiß ich gar nicht mehr, aber ich schätze ja, weil ich mich damit sicherer und "berechtigter" fühlte.

Von anderen habe ich gehört, dass das frühzeitige Ändern des Namens bei der Krankenkasse auch zu Schwierigkeiten führen kann. So hat ein Transmann die Hysterektomie abgelehnt bekommen mit der Begründung, als Mann habe er keine Gebärmutter und somit könne diese nicht entfernt werden und damit würden die Kosten für diese nicht notwendige Operation auch nicht übernommen. Das war dann einfach nur ärgerlich, weil es ihn Zeit gekostet hat.

Richtig biestig waren bei mir nur die Bank "Wir dürfen kein Konto auf fiktive Personen einrichten" und ein Vorgesetzter, der mal beim Standesamt gearbeitet hatte, und vor VÄ null ändern wollte. Der wollte am liebsten meinen Kolleg:innen vorschreiben, wie sie mich anzureden haben.
post trans*
Aria
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 6 im Thema

Beitrag von Aria »

Claudia-67 hat geschrieben: Mo 13. Sep 2021, 13:54 die AOK Nordwest ändert das tatsächlich, wie ich Nora schon in einer PN gemailt hatte. Auf meiner Karte steht Claudia, auf Überweisungen, Rezepten usw. auch. Ja, man muss dann manuell beim Arzt das Geschlecht im Systeme ändern, aber auch das geht. Man muss es nur wollen.
Wie ich schon sagte, mag es Fälle geben wo das gegangen ist. Das war Glück, denn Rechtsanspruch besteht nicht und es kann zu weiteren Problemen führen, wie Hotte auch schon sagte.
Meine Hausärztin wollte es auch manuell bei sich im System ändern, da aber auf der Karte immer noch männlich hinterlegt ist, ist es jedes mal wieder darauf zurück gesprungen. Mir ist das aber auch nicht sooo wichtig. Ich erkläre es kurz und dann ist es auch gut. Es kommen sowieso irgendwann nachfragen. Wie letztens beim Gyn zB.: Wer war denn vorher ihr Gyn? Ähem, ja....niemand. Ich hatte noch keinen. Wie, sie waren noch nie bei einem Gyn???? Tja und dann muss man halt erzählen was Sache ist.....
Claudia-67 hat geschrieben: Mo 13. Sep 2021, 13:54 Man muss Durchsetzungsvermögen haben, aber es geht schon. Also nicht abwimmeln lassen...
Also, ich kann mich schon durchsetzen - so ist das nicht. Ich bin aber auch keine Karen :mrgreen: Ich entscheide dann wie wichtig mir das ist und ob ich dafür mit dem Kopf durch die Wand muss. Und da ich wusste, dass es u.U. auch Probleme nach sich ziehen kann, habe ich mir den Aufwand gespart und bin den diplomatischen Weg gegangen.
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Claudia-67
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 7 im Thema

Beitrag von Claudia-67 »

Hallo Aria,
Aria hat geschrieben: Mo 13. Sep 2021, 19:16 Wie ich schon sagte, mag es Fälle geben wo das gegangen ist. Das war Glück, denn Rechtsanspruch besteht nicht und es kann zu weiteren Problemen führen, wie Hotte auch schon sagte.
Meine Hausärztin wollte es auch manuell bei sich im System ändern, da aber auf der Karte immer noch männlich hinterlegt ist, ist es jedes mal wieder darauf zurück gesprungen.
bei meinem Arzt konnte das problemlos dauerhaft geändert werden. Aber es gibt sicher mehr als eine Praxissoftware...

Aria hat geschrieben: Mo 13. Sep 2021, 19:16 Also, ich kann mich schon durchsetzen - so ist das nicht. Ich bin aber auch keine Karen :mrgreen: Ich entscheide dann wie wichtig mir das ist und ob ich dafür mit dem Kopf durch die Wand muss. Und da ich wusste, dass es u.U. auch Probleme nach sich ziehen kann, habe ich mir den Aufwand gespart und bin den diplomatischen Weg gegangen.
Die korrekte Anrede bei Ärzten, wenn der Name ins Wartezimmer gebrüllt wird, ist mir schon wichtig. Die AOK Nordwest macht es jedenfalls und auch nicht zum ersten Mal, wie man mir sagte. Man muss nur die Abfangjäger im Callcenter überstehen und notfalls ein "Einschreiben eigenhändig" an die Geschäftsführung mit der Bitte die Ablehnung schriftlich rechtssicher zu erklären, da das die Typen weit unten nicht wollten.

Bei der Bankkarte stört es mich dagegen weniger. Der Geldautomat spricht mich nicht an. (moin)

LG
Claudia
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 8 im Thema

Beitrag von Christel_Inter »

Im Dezember 2020 habe ich einen Versuch bei der DAK gestatet, dass der Eintrag in der Gesundheitskarte für mich auf INTER* /reps. Divers geändert wird...
nach 3x Erinnern erhielt ich endlich eine sagehafte Auskunft...
Bild
Schon die Adresse und dann die Anrede zeigen an, der Betrieb DAK hat das Thema noch gart nicht in den Blick genommen.

Aber es kommt nocht besser: als ich vor geraumer Zeit um eine neue Verischerungskarte bat, auf der mein zweiter (Pflicht-) Vorname nicht genannt wird, gab es keinerlei Anforderung einer Geburtsurkunde... - Chaos - pur.
Seitdem habe ich bei den Ärzten und in den Kliniken keinerlei Probleme: Ich werde gefragt, wie ich angesprochen werden möchte. Und ich bin überrascht, wie tief dann zum Beispiel eine einzige Entscheidung in einer Klinik reicht...
Nun würde es mir nur noch wichtig sein, dass DIVERS auch im Blick auf meiner medizinisch messbaren Werte in den meisten wesentlichen Adressen ziemlich genau zwischen "Frau & Mann" liegen - - das hat bei der Pharmazie durchaus schon Auswirkungen.
Christel grüßt
Mein Kleidungsstil verfolgt nicht das Ziel "FRAU", sondern das tägliche Wohlgefühl in der eigenen und in der textilen Haut! ÜBRIGENS: Mein Name ist amtlich "Christel"
http://www.christel-pruessner.de/_Seite_Androgyn_01.htm
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 9 im Thema

Beitrag von Aria »

Claudia-67 hat geschrieben: Mo 13. Sep 2021, 21:39 Die korrekte Anrede bei Ärzten, wenn der Name ins Wartezimmer gebrüllt wird, ist mir schon wichtig.
Das war - bis auf einmal - nie das Problem. Bis auf dieses eine mal wurde das immer separat erfasst dass ich mit Frau V..... anzusprechen bin. Bei der einen Ärztin wo das nicht geklappt hat, bin ich deshalb auch nicht mehr 😃
Umständlicher ist es für mich, denen jedes mal die korrekte Aussprache meines Nachnamen zu erklären 😅
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 10 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Aria hat geschrieben: Di 14. Sep 2021, 15:12
Claudia-67 hat geschrieben: Mo 13. Sep 2021, 21:39 Die korrekte Anrede bei Ärzten, wenn der Name ins Wartezimmer gebrüllt wird, ist mir schon wichtig.
Das war - bis auf einmal - nie das Problem. Bis auf dieses eine mal wurde das immer separat erfasst dass ich mit Frau V..... anzusprechen bin. Bei der einen Ärztin wo das nicht geklappt hat, bin ich deshalb auch nicht mehr 😃
Mir ist das vor ein paar Wochen in meiner Hausärztinnenpraxis passiert. Dort ist auch ein angestellter Arzt, bei dem ich normalerweise nicht bin, der aber wohl die Corona-Impfungen macht. Beim ersten mal hatte er mich mit dem richtigen Namen aufgerufen, beim zweiten mal dann mit dem falschen. Er hat sich danach zwar ein paarmal bei mir entschuldigt, trotzdem war es nicht schön (sad) Mein richtiger Name ist zwar schon irgendwo im Computersystem in der Praxis gespeichert, aber wenn man(n) da eben nicht hinguckt ... :?

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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 11 im Thema

Beitrag von Patricia_cgn »

Meine Hausärztin misgendert mich gerne und fast jedes Mal wenn ich bei ihr bin. Und hier bin ich ganz stark in der Zwickmühle, denn ich bin chronisch krank und werde von ihr gut betreut. Sie ist auch eine die den Patienten zuhört und gemeinsam mit den Patienten immer nach Lösungen für Probleme sucht. Aber sie schafft es nicht mich mit Frau anzusprechen und wenn ich sie korrigiere entschuldigt sie sich immer tausend Mal.
Ja, klar ich könnte mir einen anderen Hausarzt suchen aber wäre ich da in besseren Händen?

Naja ich habe die TK angeschrieben mit der Bitte um eine neue GK mit der Begründung, dass mein bisheriger Name meinem Leidensdruck stark erhöht. Eine VäPä kommt aufgrund meiner Nationalität derzeit für mich nicht in Frage, also mal schauen was passiert...

LG
Patricia
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Re: Krankenkasse und Ergänzungsausweis

Post 12 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Ja, das ist alles ein leidiges Thema.. Als diejenige, die den aktuellen dgti Ergänzungsausweis gestaltet hat (und dafür auch einige Diskussionen innerhalb der dgti habe ausfechten müssen), kann ich vielleicht kurz ein paar Sätze dazu sagen.

Richtig ist auf jeden Fall, dass der dgti Ergänzungsausweis kein amtliches Dokument ist. Er ist ein Hilfsmittel, nicht viel mehr. Allerdings hat er schon einen kleinen amtlichen Anstrich, denn wir haben auch den neuen Ergänzungsausweis dem Bundesinnenministerium (BMI) vorgeführt und nach einiger Diskussion ein paar Änderungswünsche des BMI umgesetzt, damit die den "begrüßen". Das bedeutet jetzt nicht, dass der Ergänzungsausweis irgendeine amtliche Bedeutung hat, aber zumindest hat das BMI keine Einwände mehr dagegen (mein erster Entwurf war denen dem Personalausweis zu ähnlich :-)

In der Folge wurde auch der neue Ergänzungsausweis diversen Behörden zur Verfügung und vorgestellt, darunter auch Landespolizeien und Bundespolizei. Auch in der bundesweiten Zeitschrift der Polizeibeamt*innen der VolsPol (Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter in Deutschland) wurde der EA explizit vorgestellt, sowie bei Schulungen etc. Also durchaus einige Polzist*innen sollten den kennen. Aber, des verleiht weder dem EA noch den Besitzer*innen irgendwelche Rechte. Der EA ist nur ein Hilfsmittel, um ggf. etwas besser durch eine Kontrollsituation zu kommen.

Bei Krankenversicherungen (KV) oder Banken oder anderen Institutionen sieht es ähnlich aus. Ohne amtliche Vornamens- und/oder Personenstandsänderung (VäPä) gibt es keine verbindlichen Rechte zu irgendetwas, alles ist, mit oder ohne EA, vom guten Willen des Gegenüber abhängig.

In der Trans* Beratung in Siegen haben wir letztes Jahr eine kleine Broschüre herausgegeben, siehe Link unten [1] (das PDF war zu groß für direkten Upload). Darin sind auch ein paar Hinweise, was ohne amtliche VäPä geht - mit etwas Fingerspitzengefühl eine Menge!

Die KVen können ohne Probleme den Vornamen ändern, das ist völlig legal. Was sie aber wirklich nicht können, ist das erfasste Geschlecht zu ändern. Die leitet sich aus der Sozialversicherungsnummer ab und die wird erst nach amtlicher VäPä geändert. Manche Kassen schaffen es, zumindest in Anschreiben die korrekte Anrede zu verwenden, andere haben wohl so blöde Systeme, dass das beim alten bleibt. Nuja. Auf der Versichertenkarte steht ja nur der Name und keine Anrede, das sollte schon helfen. Nur nochmal, die können, müssen aber gar nichts, ohne die amtliche VäPä. Bei meiner Versicherung war das dann damals auch so, dass Versicherungsnehmer (Vertragspartner) "mein Mann" war und die versicherte Person war ich. Das war für mich OK.

Banken sind nochmal ein anderer Fall. Die argumentieren oft mit Verbot wegen Geldwäschegesetz etc. Das ist aber Unsinn. Ich habe vor Jahren dazu bei der BaFin eine Anfrage gemacht und die BaFin hat mir bestätigt, dass zumindest Plastikgeld auf einen neuen noch nicht amtlichen Namen ausgestellt werden kann. Die Kontoführung allerdings kann nur auf den amtlichen Namen erfolgen. Aber das spielt im Alltag ja auch kaum eine Rolle. (die Auskunft der BaFin war GZ: Q 23-QB 4301-2014/3622, siehe auch [2]).

Andere Stellen wie Schulen, Versicherungen, Arbeitgeber*innen etc. können alle ohne Probleme den neuen Namen, mit oder ohne EA, verwenden, die Rechtsexpertise von Sabine Maria Augstein [3] arbeitet das recht klar heraus.

Nur, ich muss es immer wieder betonen, ein Recht auf diese Änderung gibt es erst nach der amtlichen VäPä, entweder nach TSG oder $45b PStG.

Liebe Grüße
nicole

[1] Broschüre zur Vornamens- und/oder Personenstandsänderung
https://andersroom.de/wp-content/upload ... vaepae.pdf

[2]
https://www.dpin.de/nf/trans/tipps-hinw ... r-vorname/

[3]
https://trans-kinder-netz.de/files/pdf/ ... 202013.pdf
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
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