Sprachpodcast zum Thema "Ehrenmord"
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Anne-Mette
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Sprachpodcast zum Thema "Ehrenmord"

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Hinweis auf einen aktuellen Sprachpodcast mit einer Expertin von terre des femmes.
Thema: Ist „Ehrenmord“ ein adäquates Wort – und was verbirgt sich hinter den „Verbrechen im Namen der Ehre“ noch alles? Nämlich Zwangsverheiratung, Gewalt etc. https://chrismon.evangelisch.de/podcast ... agen-51842
Annette
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Re: Sprachpodcast zum Thema "Ehrenmord"

Post 2 im Thema

Beitrag von Annette »

Und täglich grüßt das Murmeltier...

Guten Tag aber,

ich finde das Wort "Ehrenmord" adäquat denn obschon einem Mord (oder etwas Ähnlichem) niemals etwas Ehrenvolles anhaften kann, finde ich diesen Ausdruck absolut zutreffend. Er zeigt auf, welch kranke und perfide Lebenseinstellung in vielen Teilen der Welt grassiert, ja selbst in Westeuropa kein unbekanntes Thema mehr ist.

Als "ehrenhaft" empfindet ja nur der Täter, sowie dessen Hintermänner (hier brauche ich meine Sprache nicht zu gendern, da es zumeist eh nur Männer sind, die solche Schandtaten begehen) einen Mord, meistens um die Ehre der Sippe zu bewahren oder wiederherzustellen. Und um zu den Beweggründen zu kommen,... ganz richtig,... Religion! Immer wieder diese Irrglaube an Chimären, ganz egal von welcher Herkunft.

Wird ein Mensch getötet, so ist das nichts weiter als einen grausamen Mord.

Wird ein Mensch aus religiösen Motiven getötet, so handelt es sich, aus der Sicht der Täter um nichts anderes als einen vor Gott gerechtfertigten ehrenvollen Mord.

Wann wird der Menschheit endlich ein Licht aufgehen und dieses kollektive Hirngespinst endgültig über Bord schmeißen. Es gibt keine Götter, demzufolge auch keine ehrenhafte Bluttaten.

Und nun habe ich mich genug echauffiert,
danke aber für diesen Beitrag.

Annette
Marlene K.
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Re: Sprachpodcast zum Thema "Ehrenmord"

Post 3 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich freue mich schon auf die verbalen Zuschreibungen und Beschimpfungen, die ich erhalten werde...

Für mich ist der Begriff "Ehrenmord" höchstens in Anmführungsstrichen zulässig und nicht geeignet für rassistische, ...oh, Verzeihung, kulturkreiskritische... Zuschreibungen.

Der Begriff Femizid umfasst besser die Morde an weiblichen Menschen. In manchen Zusammenhängen lesen wir diese als verdammenswerte Ehrenmorde, in anderen Zusammenhängen als irgendwie entschuldbare Beziehungstaten oder Familientragödien. Bei den "Ehrenmorden" denkt fast niemand an die Morde an den als unmännlich, also weiblich, gewerteten schwulen Männern...

Ich leugne nicht, dass aus falsch verstandener Religiosität Verbrechen und menschenverachtende Forderungen entstehen. Diese meist der Erhaltung der behaupteten Höherwertigkeit des Männlichen, dem Patriarchat, dienenden Dinge gibt es in allen drei abrahamitischen Religionen. Ich erinnere an Abtreibungsparagrafen, Verweigerung der Gleichstellung queerer Menschen in katholischen Organisationen und bei strenggläubigen Protestanten, jüdischen Gläubigen und Muslimen, Beschränkung der religiösen Ämtern bei katholischen Priestern, strenggläubigen jüdischen Menschen und Muslimen...

Meine Vorrednerin hat hier ja auch alle Religionen in die Verantwortung genommen. Ich sehe hier die Menschen dieser Religion differenziert und nehme hier Täter und Verfechter von falschen Standpunkten in die Verantwortung, nicht die Religion. Diese ist für mich ein zunächst unschuldiges Denkgebäude. Was der Mensch daraus macht ist verbrecherisch.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: Sprachpodcast zum Thema "Ehrenmord"

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Marlene K. hat geschrieben: Mo 20. Sep 2021, 14:36 Ich freue mich schon auf die verbalen Zuschreibungen und Beschimpfungen, die ich erhalten werde...
Ich freue mich nicht auf diese Auseinandersetzungen und Beiträge, die allein hauptsächlich dazu geeignet sind, negative Energie zu erzeugen und zu verbreiten und wieder einmal Sparringpartner für an sich sinnlose Auseinandersetzungen
anzulocken.
Leider beschreibst du mit deiner sehr persönlichen Aussage, was ich nicht nur bei dir, sondern auch bei anderen UserInnen erlebe.
So eine Diskussions"kultur" vermiest aber das Klima im Forum (wo) und raubt ihm viel von den guten Möglichkeiten, die es an sich bietet.

Sicherlich gibt es Argumente für verschiedene Begriffe; denn ein Begriff allein sorgt noch nicht für eine umfassende und aussagekräftige Erklärung.
Die kann es nur mit weiteren Beschreibungen "wie es gemeint ist" und welche Gründe es dafür oder dagegen sprechen geben.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Sprachpodcast zum Thema "Ehrenmord"

Post 5 im Thema

Beitrag von DWT.Nicole »

Um es kurz zu machen...
Dieses "Ehrenmödern" fehlen schlichtweg 200-300 Jahren Aufklärung und Zivilisation.
Da kriegst nichts geradegebogen.
Da prallen inkompatible Gesellschaftsformen heftig aufeinander.
Stelle ich mir grausam vor, als CD im "Nahen Osten" sich verstecken zu müssen.
Bei uns war es sicher im finsteresten Mittelalter auch nicht lustiger, wenn sich jemand das gottgegebene Recht rausnahm über den anderen mit dem Tod zu richten.
Marlene K.
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Re: Sprachpodcast zum Thema "Ehrenmord"

Post 6 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Anne-Mette hat geschrieben: Mo 20. Sep 2021, 16:20 Moin,
Marlene K. hat geschrieben: Mo 20. Sep 2021, 14:36 Ich freue mich schon auf die verbalen Zuschreibungen und Beschimpfungen, die ich erhalten werde...
Ich freue mich nicht auf diese Auseinandersetzungen und Beiträge, die allein hauptsächlich dazu geeignet sind, negative Energie zu erzeugen und zu verbreiten und wieder einmal Sparringpartner für an sich sinnlose Auseinandersetzungen
anzulocken.
Leider beschreibst du mit deiner sehr persönlichen Aussage, was ich nicht nur bei dir, sondern auch bei anderen UserInnen erlebe.
So eine Diskussions"kultur" vermiest aber das Klima im Forum (wo) und raubt ihm viel von den guten Möglichkeiten, die es an sich bietet.

Sicherlich gibt es Argumente für verschiedene Begriffe; denn ein Begriff allein sorgt noch nicht für eine umfassende und aussagekräftige Erklärung.
Die kann es nur mit weiteren Beschreibungen "wie es gemeint ist" und welche Gründe es dafür oder dagegen sprechen geben.

Gruß
Anne-Mette
Du hast vollkommen recht und ich habe, mal wieder, zu schnell reagiert. Ich bitte Dich und die anderen um Entschuldigung.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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