Die Grenze zwischen CD und TS?
Die Grenze zwischen CD und TS? - # 3

Lebensplanung, Standorte
Aria
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 31 im Thema

Beitrag von Aria »

Aus deinem Beitrag entnehme ich, dass es dir nicht um die Grenze geht, sondern eher darum, woran du merkst TS zu sein. Antworten auf deine Frage wirst du in diesem Thema finden *Ironie off! :mrgreen:

Spass beiseite....diese Frage wird dir hier niemand beantworten können - das kannst nur du! Da das alleine aber ziemlich schwer sein wird, empfehle ich dir, einen Therapeuten mit einschlägiger Erfahrung aufzusuchen. Der/die wird dir dann schon die richtigen Fragen stellen und dich zum nachdenken anregen. Dazu kann ich noch empfehlen, dich mit Betroffenen näher auszutauschen. Selbsthilfegruppen sind dazu recht gut oder auch private Treffen in Cafés - wenn wieder möglich. Persönlich hat mir diese Kombination daraus am meisten weitergeholfen und mir wurde relativ schnell klar, dass es so ist.

Ich habe mich für den Gang zum Psy entschlossen als ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe. Ich muss dazu sagen, dass ich früher CD war aber schon immer im Hinterkopf den Gedanken hatte, dass da wohl noch mehr ist. Viele Jahre war ich in einer Partnerschaft, wo ich zwar durfte wie ich wollte, ich aber Rücksicht nahm und mich zu beherrschen versuchte. In meiner wirklich freien Zeit - Frau & Kids aus dem Haus - gab ich dann Aría Raum. Das erfüllte mich aber nur zu einem Teil. Irgendwas in mir wollte mehr, ohne wirklich zu wissen was das ist. Ein wirklicher Spass war das CD fü mich nie - eher Mittel zum Zweck - wie ein Junkie der seinen Schuss brauch um einigermaßen zu funktionieren.

Nach der Trennung hatte ich dann wirklich Zeit für Aría aber das, was mir immer wichtig war - möglichst meinem Ideal von Frau nahe zu kommen - Kleider, Röcke, Blusen, Strumpfhosen, hohe Schuhe (und das haben wohl alle CD gemein, wenn man sich hier die Bilder anschaut) hat mich überhaupt nicht mehr interessiert. Da sass ich dann, fix und fertig zurecht gemacht und fühlte......NICHTS. Statt dessen trieb mich jeden Tag der Gedanke was das denn wohl ist, dass mich absolut keine Ruhe finden lässt. Morgens nach dem aufstehen, bei der Arbeit, nach der Arbeit dressen und nix fühlen, zwei Flaschen Wein pro Abend in die Birne hauen, dazu Tranquilizer, so dass ich nix mehr fühlte und am nächsten Morgen so weiter zu machen. Mara hat das auch so beschrieben, dieses verdammte Kopfkino wollte einfach nicht aufhören. Dazu das ständige beschäftigen mit dem Thema - hier und anderswo. Jede freie Minute verbrachte ich im Netz nach antworten die ich aber nicht finden konnte. Das alles hat mich so dermaßen geschlaucht, ich hatte das Gefühl jeden Tag einen Marathon zu rennen. Ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr und ich dachte nicht nur einmal daran alles hinzuschmeissen. Doch ich dachte dabei immer wieder an meine Kids und so beschloss ich mir Hilfe zu suchen.Eine meiner besten Entscheidungen im Leben.

Wenn du mich nach einer Grenze von CD zu TS fragst, würde ich sagen, dass die für mich nie da war. Ich war schon immer TS, nur habe ich jahrzehntelang versucht das mit CD zu unterdrücken. Mit den medialen Möglichkeiten und dem Wissen von heute, hätte ich mich auch schon vor 20-25 Jahren auf den Weg machen können. Doch die Zeiten waren andere und mein Ego groß genug um zu unterdrücken was einfach nicht wahr sein durfte. Im Gegensatz zu vielen anderen hier, habe ich nie diese Zufriedenheit durch das CD erfahren. Es war irgendwie Mittel zum Zweck, dass den Zweck aber nie vollständig erfüllte. Die Zeit nach dem dressen hinterließ mich immer mit eine leere und einer Sehnsucht die ich mir nie wirklich erklären konnte. Und diese Leere wurde immer intensiver. Dressen - insbesondere so wie ich meinte, dass es so sein müsste - wurde für mich bedeutungslos. Rückblickend betrachtet, kann ich diese Zeit nur belächeln, weil es nichts mit dem zu tun hat, wie ich mich heute als Frau empfinde.
¡no lamento nada!
Klaudia
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 32 im Thema

Beitrag von Klaudia »

Hallo Carrie!

Auch mich beschäftigt deine Frage und ich suche ebenso noch nach Antworten. Ich stelle mir die Frage allerdings ein klein wenig anders: Warum bin ich eigentlich ein CD? Bin ich eigentlich TS oder ist es doch eher ein Fetisch?

Wie ich in meiner Vorstellung schon geschrieben habe, habe ich bereits im Kindesalter - also vor der Pubertät - angefangen, Sachen meiner Mutter anzuprobieren (also TS?). Nach der Pubertät bis in meine 30er Jahre war das Tragen von Damenwäsche und Strümpfen mit einer starken sexuellen Stimulanz verbunden (deutet auf Fetisch hin). Zum kompletten Crossdressen habe ich erst mit ü50 gefunden. Wenn ich en femme bin, ist es für mich ein unglaubliches Wohlbefinden, quasi Wellness pur. Die sexuelle Stimulanz spielt da (meistens) keine Rolle mehr (also doch TS?)
Wenn ich mir aber vorstelle, ich müsste mich jetzt entscheiden, komplett und für immer als Frau zu leben (die gute Fee), könnte ich das nicht entscheiden. Dazu hat mich das Mann-sein jahrzehntelang zu stark geprägt. Ich sehe mich daher am ehesten als CD oder Teilzeitfrau.

Schubladen sind mir auch nicht wichtig, allerdings hätte ich schon gerne für mich selbst Antworten auf das Wieso - Weshalb - Warum. Als ich mich vor Kurzem erst vor meiner Frau geoutet habe, habe ich gemerkt, dass ich es selber gar nicht genau erklären kann - es ist halt so, wie es ist.


Liebe Grüße
Klaudia
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 33 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Anne-Mette hat geschrieben: Di 6. Apr 2021, 16:00 Guten Tag,
easygoing hat geschrieben: Di 6. Apr 2021, 15:38 Sage dir, okay ich bin trans. Geh einfach davon aus das du es bist. Bei mir ging es dann recht schnell. In den nächsten Tagen wurden meine Fragezeichen immer weniger, in Luft aufgelöst. Alles paste plötzlich zusammen und ergab endlich einen Sinn. Versuche es einfach und schau wie es dir mir dem Gedanken, ja ich bin transident, geht.
das kann in meinen Augen zu einer (zu) frühen Festlegung führen.
Moin,

wäre denkbar. Mir hat es jedenfalls geholfen, ein Stück weiter zu kommen. Ich habe es nur anders herum gemacht. Ich habe mehrmals ein paar Tage komplett in "neutraler" Umgebung (Urlaub auf dem Boot) en femme gelebt, um festzustellen, ob ich komplett als Frau leben möchte, also im klassischen Sinn eine TS bin. heute denke ich, ich könnte den kompletten Weg gehen, aber ich weiß auch, dass ich das wahrscheinlich nicht brauche, da der innere Zwang nicht so groß ist. Ich kann also meine männliche Rolle ebenfalls leben, wenn ich genügend Ausgleich auf der weiblichen Seite habe.

Für mich ist es wichtig, die Dinge auszuprobieren und zu leben, darüber aber nicht demagogisch und zwanghaft zu werden. Ich vermute Johanna meint es auch in dieser Richtung.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 34 im Thema

Beitrag von YvonneTV »

Carrie_C hat geschrieben: Di 6. Apr 2021, 11:21 ...
mich treibt gerade eine zentrale Frage um, die sich viele von euch sicherlich auch schon gestallt haben:
Wo liegt die Grenze zwischen Crossdressing und Transsexualität? Bis zu welchem Punkt ist es "nur" Crossdresing und wo beginnt Transsexualität? Wie findet man seine eigene Positio in diesem weiten Feld?
...
Wie habt ihr für euch eure Position herausgefunden? Was waren die Kernfragen, die ihr euch gestellt habt, entscheidenede Erlebnisse und Erkenntnisse?
Hallo Carrie (moin)

Ich hab es nicht so mit den Definitionen der Wörter selbst, doch ich meine verstanden zu haben, dass es Dir nicht um die Definition geht, sondern darum, DICH zu finden - wo Du stehst.
In meiner Entdeckungsphase wollten mich einige "Mädels" zur Transsexualität "vorantreiben".
Andere sagten, dass mir ohnenhin nur das "Verkleiden" wichtig ist.

Doch es war keins von beiden ! Weil Frau werden wollte (/will) ich nicht. Doch es ist auch kein Verkleiden.
Es ist die weibliche Seite, die ich auslebe und die immer in mir ist. Es geht darum das eher emotionale Wesen in mir zu zeigen.
(So galt ich im Freundeskreis schon oft als "Frauenversteher" :D )

Ich bezeichne mich gern als Teilzeitfrau, weil das was IMMER in mir ist, manchmal auch optisch zum Vorschein kommt (smili)

Doch zu Deiner Frage mir dem "Wie herausfinden ? Was waren die Kernfragen ?"
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich GAR NICHT weiss, was ich tief in mir möchte und wo mein Weg hinführen könnte :?
Da habe ich mir dann einfach KEINE Fragen gestellt - zumindest erstmal !
Ich habe immer mehr das gemacht, was ich spontan wollte und was mir gut tut (gepaart damals noch mit riesen Selbstzweifeln, ob das überhaupt ok ist, "all das" auszuleben).
Eine Zeit lang hab ich alles einfach mal laufen lassen :()b

Und dann kam der Punkt, wo ich mich wieder gefragt habe:
Was davon fühlt sich wirklich richtig an ? Was tut mir davon dauerhaft gut ? Was fehlt noch ? Was ist komisch ? Was möchte ich gar nicht ?

Und so kam ich nach dieser "einfach mal laufen lassen eine Zeit lang" Phase - dann zu der Erkenntnis, dass ich eine Teilzeitfrau bin:
Oft Mann, mal Frau und doch immer EIN und der selbe Mensch )))(:

Manchmal ist "zwingend herausfinden, was man möchte" zuviel Druck und etwas ZEIT muss erst die inneren Gefühle greifbar zum Vorschein bringen ....
Nur meine Gedanken dazu - hoffe es kann Dir ein paar ganz kleine Denkanstöße geben (smili)
Ganz liebe Grüsse - Yvi
Topsy
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 35 im Thema

Beitrag von Topsy »

Carrie_C hat geschrieben: Di 6. Apr 2021, 11:21Herauszufinden, ob man nun Crossdresser oder Transgender ist, ist zumindest für mich aktuell eine unglaublich große Herausforderung und ich war weiß gar nicht, wie ich diese Frage beantworten soll.
Kernfrage: Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich als Mädchen geboren wäre?

Dadurch wurde mir alles klar. Es hilft auch, alte Kinderfotos anzugucken, wenn sowas existiert. Die sagen so viel aus.
Bedenke auch die Tatsache, dass du männlich sozialisiert wurdest und dass es einfach bestimmte Eckpunkte in deinem Leben gegeben haben könnte, in denen du deine Rolle mehr und mehr geprägt hast - unter dem Druck der Gesellschaft. Sieh dein Leben als ein Puzzle, das du im Kopf komplett neu zusammensetzen kannst!

Das Crossdresser-Dasein ist für die trans Frau oft eine Übergangsphase, an deren Ende dann die Erkenntnis steht: Ups, das war ja gar kein Crossdressing, ich bin ja tatsächlich eine Frau!

Schnurrende Grüße
Topsy )..)c
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 36 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Topsy hat geschrieben: Sa 10. Apr 2021, 23:17 Ups, das war ja gar kein Crossdressing, ich bin ja tatsächlich eine Frau!
Hallo Topsy,

ist das tatsächlich so? Eigentlich dürfte ich jetzt nichts mehr schreiben, ich bin stockbesoffen, aber Du sprichst mir aus der Seele. OK. Genug davon.

LG Nicole
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 37 im Thema

Beitrag von scheue_Sarah »

YvonneTV hat geschrieben: Sa 10. Apr 2021, 22:17 Ich hab es nicht so mit den Definitionen der Wörter selbst, doch ich meine verstanden zu haben, dass es Dir nicht um die Definition geht, sondern darum, DICH zu finden - wo Du stehst.
In meiner Entdeckungsphase wollten mich einige "Mädels" zur Transsexualität "vorantreiben".
Andere sagten, dass mir ohnenhin nur das "Verkleiden" wichtig ist.

Doch es war keins von beiden ! Weil Frau werden wollte (/will) ich nicht. Doch es ist auch kein Verkleiden.
Es ist die weibliche Seite, die ich auslebe und die immer in mir ist. Es geht darum das eher emotionale Wesen in mir zu zeigen.
(So galt ich im Freundeskreis schon oft als "Frauenversteher" :D )

Ich bezeichne mich gern als Teilzeitfrau, weil das was IMMER in mir ist, manchmal auch optisch zum Vorschein kommt
...
Hallo Yvonne,

Du hast genau meine Geschichte erzählt.
Es geht zwar hier nicht um mich, ich möchte Deiner Darstellung nur mehr als einen "Daumen hoch" widmen.

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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 38 im Thema

Beitrag von AlexLyrics »

Die Frage nach der Abgrenzung ist auch meiner Meinung nach eine Frage, die eventuell unbeantwortet bleiben kann. Butler meint genau das, wird dem Geschlecht eine Bezeichnung hinzugefügt, reden wir über Kategorien, die der Mensch, dem sie zugeschrieben wird, eventuell gar nicht verfügen will. Es ist natürlich schwieirg, diese therotische Position sich zu eigen zu machen. Und es gibt dann auch noch die medizinischen, sozialpsychologischen und rechtlichen Unterscheidungen, die wir kennen. Ich komme argumentativ in schweres Fahrwasser, wenn ich jetzt über Unterschiede zwischen Frau und Mann nachdenke weil das Ergebnis unzeitgemäß sein könnte. Ich denke, dass das Weibliche nicht männlich ist und das männliche nicht weiblich. Was ist für mich als biologischer Mann das Weibliche? Was heißt der Wunsch danach als Frau wahr genommen zu werden für einen schwulen Mann? Was ist schwul? Was ist lesbisch? Das ist eine Frage der Suxualität und vor allem der Selbstbezeichnung, bzw des sexuellen Wollens. Das Weibliche in mir ist eine innere Geste, die ich erst einmal nicht darstellen muss. Es gibt m.E. in der Wirkung von Menschen Gesten, die oft geschlechtlich zuordbar sind (ist meine Meinung!). Wenn ich eine solche Geste bei einem Mann oder einer Frau sehe, die ich eher einer Gesetik einer zurechnen würde (und das hat bei mir nichts mit schwul oder heterosxuell zu tun), dann werde ich neidisch, mir diese Geste gerade nicht zu eigen gemacht zu haben. Das kann etwas ganz kleines sein: Eine schöne Hand die laszif vor dem Körper gehalten wird, oder eine Geste der Großzügikeit, die ich eher femenin finde (wieder nur meine Meinung). Bei mir geht aber dieses Verlangen nach einem Habitus weiter, manchmal denke ich in bestimmten Situationen, jetzt mit einem weiblichen Körper zu sein, das wäre eigentlich viel besser, angenehmer.... Ob das nun TS ist oder CD? Ein Psychiater würde mich vielleicht gleich in einweisen. Das CD dient also nur dazu, die "Trauer" zu minimieren, in einer bestimmten Situation eben keine Frau zu sein. Ich finde, jeder kann sich nur selbst erklären, wo er den Unterschied sieht. Die politischen und aktuellen weiterenw issenschaften Unterschiede kennen wir, ob sie Sinn machen? Ich bezweifle das weil sie die von Butler richtig erkannten sinnlosen Zuschreiungen von Geschlecht immer weiter treiben - zum Nchteil der Menschen. Vermutlich ist mein Versuch einer Antwort noch nicht so hilfreich. Ich habe mir viele viele Jahre diesbezüglichgedanken gemacht. Ein Ergebnis ist, dass ich keine medizinischen Eingriffe aus diesen Gedanken heraus für mich will. Und das nicht nur wegen meiner Behinderung. Insoweit wäre ich dann eventuell "nur" Crossdresser. Ich erwäge jetzt aber einen Weg zu finden, mit einer Verkleidung zeitweise offen zu leben. Aber für mich wäre das mehr als eine Verkleidung, es wäre Ausdruck meiner Überzeugungen über mich.
MiriamR
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 39 im Thema

Beitrag von MiriamR »

Hallo Alex....
AlexLyrics hat geschrieben: Mo 12. Apr 2021, 19:05 Aber für mich wäre das mehr als eine Verkleidung, es wäre Ausdruck meiner Überzeugungen über mich.
Diese Erkenntnis bringt Dich schon weiter als wie manche Person hier.
Wir sind alle auf einem Weg. Wie weit ein jeder diesen Weg gehen möchte, bzw. welche Absicht hinter dem Aufbruch steckt, bleibt jedem selbst überlassen.
Wir sollten nur nicht den Fehler begehen, niemand von uns, in ein nicht vorhandenes "Wertigkeitssystem" zu verfallen. Denn, und das ist das Entscheidende, wir sind alle zu aller erst Mensch.

weiblich Grüße

Miriam
Have fun.....always.
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 40 im Thema

Beitrag von Carrie_C »

Liebe Community,
ein paar turbulente Tage liegen hinter mir und ich war so sehr mit mir und meinen Fragen beschäftigt, dass ich mich noch nicht auf eine Antwort einlassen konnte.
Erst einmal vielen, vielen Dank für die unglaublich wertvollen Denkanstöße. Es hilft ungemein, von euch neue Fragen aufgeworfen zu bekommen, die mir dabei helfen, mir selbst die Fragen nach der "Grenze" zu beantworten.
Es ist wohl richtig, was du, Aría schreibst — meine Frage hätte von Anfang anders formuliert sein sollen. In deinem Beitrag kann ich mich in weiten Teilen wiederfinden.
Aria hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 12:14 Aus deinem Beitrag entnehme ich, dass es dir nicht um die Grenze geht, sondern eher darum, woran du merkst TS zu sein.
["¦]
Ich habe mich für den Gang zum Psy entschlossen als ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe. Ich muss dazu sagen, dass ich früher CD war aber schon immer im Hinterkopf den Gedanken hatte, dass da wohl noch mehr ist. Viele Jahre war ich in einer Partnerschaft, wo ich zwar durfte wie ich wollte, ich aber Rücksicht nahm und mich zu beherrschen versuchte. In meiner wirklich freien Zeit - Frau & Kids aus dem Haus - gab ich dann Aría Raum. Das erfüllte mich aber nur zu einem Teil. Irgendwas in mir wollte mehr, ohne wirklich zu wissen was das ist. Ein wirklicher Spass war das CD fü mich nie - eher Mittel zum Zweck - wie ein Junkie der seinen Schuss brauch um einigermaßen zu funktionieren.
["¦]
Wenn du mich nach einer Grenze von CD zu TS fragst, würde ich sagen, dass die für mich nie da war. Ich war schon immer TS, nur habe ich jahrzehntelang versucht das mit CD zu unterdrücken.
Dieses Gefühl, wie ein Junkie jede noch so kleine Möglichkeit zum "Frau-Sein" zu nutzen, kenne ich nur zu gut. Und meistens fühlt man sich danach eigentlich schlechter als vorher, weil es mit jedem "Fix" schwerer wird, wieder zurück in die alte Rolle zu kehren und mit der Frauenkleidung sein Selbst auszuziehen. Mittlerweile sehne ich solche Momente ebenso herbei wie ich sie fürchte — weil sie mir jedes Mal zeigen, was ich so gerne haben möchte"¦
Wie oben angedeutet, waren die letzten Tage emotional unglaublich hart. Es gab wohl einen Schlüsselmoment, der mir ziemlich deutlich gemacht habe, auf welcher Seite der nicht so richtig klaren Grenze ich wohl stehe. In irgendeinem Beitrag hier war die Rede von "der männlichen Rolle, die sich toxisch anfühlt". Diese Formulierung hat lange in mir gearbeitet, weil ich gemerkt habe: Ja, irgendwie ist es toxisch.
Und dann habe ich mir innerlich erlaubt, nicht länger dieser Mann sein zu müssen, der ich seit Jahren versuche zu sein. Dass ich die Frau sein darf, nach der ich mich schon so lange sehne.
Was soll ich sagen"¦ Sisyphus"˜ Stein ist von meinen Schultern gefallen. Dieses Zugeständnis an mich selbst war so unglaublich befreiend. Ich habe in dem Moment äußerlich rein gar nichts gemacht — ich habe mich zu mir selbst bekannt. Es ist das Gefühl, als hätte ich eine Tür in mir zugemacht und dafür eine andere geöffnet.
Céline hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 10:29 Und ich war eigentlich richtig gut im Mann spielen. Aber was ich tat...ich verdrängte meine wahre Identität durch zuschütten mit Arbeit und täglicher Beschäftigung bis zum umfallen.
Ich war eine sehr in sich gezogene Person die oft darauf angesprochen wurde warum ich immer so traurig oder grimmig schaue. Mir war das nie bewusst und doch merkten viele Menschen das da etwas nicht stimmte aber ich nicht. Ich war in meiner eigenen Welt aus Nachdenken und Hobbys gefangen. Und doch glücklich mit meiner Ehe und allem anderen.
Ich war ehrlich gesagt sehr oft nicht gut im Mann spielen, umso besser aber darin, in Hobbies und Fantasiewelten zu fliehen.
Dieses Alpha-Gehabe, dieses Demonstrieren von Stärke und "¦ ja, Männlichkeit — irgendwie ist das bei mir immer in unausgeglichene Aggression ausgeartet, wenn ich probiert habe, so zu sein. Meine Version eines Mannes ist seltsam destruktiv.
Ich kann das nicht. Ich bin so nicht.
Aber seit ich mir in diesem "Schlüsselmoment" selbst den Druck genommen habe, so sein zu müssen"¦ ich bin so viel ausgeglichener. Liebevoller, zugewandter, lebensfroher. Immer wieder sage ich mir innerlich den Satz vor: "Ja, ich bin eine Frau. Ja, ich bin trans" (das war auch so eine Anregung hier). Und es fühlt sich kein bisschen falsch an.
Stundenlang habe ich schon mit meiner Frau darüber gesprochen. Selbstverständlich ist es nicht leicht für sie — immerhin ist unsere Ehe vor acht Jahren schonmal fast an genau diesem Punkt , an dieser Erkenntnis zerbrochen — aber sie ist bereit, mich auf meinem Weg zu begleiten und alles zu geben, um bei mir zu bleiben. Dass wir drei gemeinsame Kinder haben, macht diesen Weg natürlich nicht viel leichter.
Ich weiß noch nicht genau, wie mein Weg weitergehen wird. Meinen Bart habe ich mir vor ein paar Tagen wegrasiert (und mich insgeheim gefreut, wie weich meine Gesichtszüge dadurch wirken) und es ist gut so. Ich werde wieder Ohrstecker tragen, meine Haare wachsen lassen. Werde langsam und subtil ein wenig die Grenzen verschwimmen lassen.
Ich habe einen Termin bei einem Psychologen gemacht, der Fachmann auf diesem Gebiet ist (leider leider leider erst in vier Monaten).
Ich will endlich herausfinden, was richtig für mich ist, und genau auf diesen Weg habe ich mich jetzt gemacht.
Vielen, vielen Dank, dass ihr mir die richtigen Anstöße gegeben habt.
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 41 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Wow, das ging jetzt richtig fix. (cow)

Und bitte - immer daran denken:

Dein Weg - Dein Tempo - Deine Kreuzungen. (poli)

Ich hoffe so sehr für dich das du diesen Weg mit deinen Lieben gehen kannst. (pea)

Liebe Grüße

Lisa
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 42 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Carrie,

Glückwunsch, manchmal kommt so ein Erkenntnisschub wie eine Lawine über eine/n. Auch wenn der Pendel mal wieder in die andere Richtung ausschlägt (so was kann passieren), wichtig für mich ist, dass ich versuche so nahe an meinen Gefühlen zu sein, wie möglich. Ich frage mich dann immer, fühlt es sich gut an oder nicht ? Alles was sich gut anfühlt ist dann richtig. Egal was es ist. Will ich mich als Mann fühlen oder Frau ist dann egal. Für mich ist es kritisch, auf Teufel komm raus, Frau sein zu wollen. Ich überlasse die Entscheidung meinen Gefühlen und es fühlt sich gut an.

Noch ein Gedanke, der vielleicht hilft, auch wenn er nicht direkt zu Deiner Frage zu gehören scheint. Ich habe mich gerade in einem privaten Austausch über Feminismus unterhalten und wie viel Schwierigkeiten der für Frauen bedeutet, wenn sie Erfolg haben wollen. Denn dann treten sie in die Männerwelt ein und lassen ihre Weiblichkeit ein Stück weit hinter sich. Als geborener Mann mache ich genau das gleiche. Ich verdränge meine Weiblichkeit zugunsten einer Männlichkeit, die ich so eigentlich gar nicht will. Ich verstehe Feminismus als die Bestrebung, Weiblichkeit die gleiche Wertschätzung zu geben, wie der Männlichkeit. Dabei ist es ohne Bedeutung, ob Weiblichkeit von einer Bio-Frau oder Bio-Mann gelebt wird. Man kann Weiblichkeit als Eigenschaft losgelöst vom biologischen Geschlecht eines Menschen sehen. Dieser Ansatz erfordert ein Umdenken im Kopf, der evtl. auch Deiner Frau weiter hilft. Dann wird für mich auf einmal alles viel klarer. Sowohl frauen als auch Männer haben Anspruch auf Weiblichkeit und Männlichkeit und beides ist gleichwertig.

Wie Lisa schreibt:
Engelchen hat geschrieben: Di 13. Apr 2021, 18:01 Dein Weg - Dein Tempo - Deine Kreuzungen.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 43 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hi Carrie,

Weiblichkeit als Eigenschaft losgelöst vom biologischen Geschlecht... Vicky findet da einen Punkt den ich unterstütze.

Sehr schön ist der hier Ausgearbeitet- mit Worten die neuer und weniger verbraucht und vorbelastet und vielleicht gerade deswegen gut sind um sich dem Thema zu nähern.


https://liebe-auf-augenhoehe.de/der-tan ... g-und-yin/

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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 44 im Thema

Beitrag von Carrie_C »

Engelchen hat geschrieben: Di 13. Apr 2021, 18:01 Wow, das ging jetzt richtig fix. (cow)

Und bitte - immer daran denken:

Dein Weg - Dein Tempo - Deine Kreuzungen. (poli)

Ich hoffe so sehr für dich das du diesen Weg mit deinen Lieben gehen kannst. (pea)

Liebe Grüße

Lisa
Ja, wahrscheinlich kommt es hier so rüber, als wäre es fix gegangen. Vor zwei Wochen melde ich mich hier an, stelle mich vor und Frage dann blauäugig nach der Grenze zwischen CD und TS und sage nun: Ich fühle mich als Frau.

Aber um der Wahrheit an der Stelle Genüge zu tun: Dieses Paket trage ich seit meiner frühen Pubertät mit mir herum, war vor gut 8 Jahren schonmal kurz davor, diesen Weg komplett einzuschlagen (ich war schon mit einem Bein im Alltagstest) und habe mich dann doch dagegen entschieden - wohl vor allem aus Angst. Und seit einem Jahr brodelt es wieder in mir, und wenn ich ehrlich bin: Auch da habe ich schon gemerkt, dass da so unglaublich viel hinter steckt.

Vielleicht war die Anmeldung in diesem Forum für mich der Versuch, von Gleichfühlenden die Bestätigung zu bekommen - und genau das habe ich mit meiner Frage erhalten.

Ich weiß aus meiner Erfahrung von damals, wie schwierig dieser Weg ist. Wie groß die Herausforderung an die Beziehung. Aber vielleicht ist auch gerade das jetzt mein Vorteil: Dass ich daraus gelernt habe und seitdem innerlich wachsen konnte (was übrigens meine Frau ebenso von sich sagt ;). )

Jetzt gerade genieße ich einfach nur das Gefühl, aufzuatmen und langsam, ganz langsam in mir selbst anzukommen.

Danke für all eure Worte, die mir dabei geholfen haben.
Aria
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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 45 im Thema

Beitrag von Aria »

Carrie_C hat geschrieben: Di 13. Apr 2021, 17:11 Was soll ich sagen"¦ Sisyphus"˜ Stein ist von meinen Schultern gefallen. Dieses Zugeständnis an mich selbst war so unglaublich befreiend. Ich habe in dem Moment äußerlich rein gar nichts gemacht — ich habe mich zu mir selbst bekannt. Es ist das Gefühl, als hätte ich eine Tür in mir zugemacht und dafür eine andere geöffnet.
Mhmm, daran kann ich mich auch noch erinnern. Es ist wie eine Offenbarung. Und als ich dann meine engsten Freunde und Familie darin einweihte, war ich so erleichtert es ihnen sagen zu können, dass ich dabei über beide Ohren gegrinst habe. Konnten manche nicht so wirklich verstehen - war mir aber egal :D
Carrie_C hat geschrieben: Di 13. Apr 2021, 17:11 Ich weiß noch nicht genau, wie mein Weg weitergehen wird.
...
Werde langsam und subtil ein wenig die Grenzen verschwimmen lassen.
Ich habe einen Termin bei einem Psychologen gemacht, der Fachmann auf diesem Gebiet ist (leider leider leider erst in vier Monaten).
Ich will endlich herausfinden, was richtig für mich ist, und genau auf diesen Weg habe ich mich jetzt gemacht.
Guter Plan. Lass es auf dich zukommen. Die Zeichen der Zeit werden dir zeigen wann es richtig ist weiter zu gehen. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass der Termin erst in 4 Monaten ist. Du wirst bis dahin schon wieder viele neue Erkenntnisse gewonnen haben, die es Wert sind mit dem Psy drüber zu reden.
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