Elizabeth hat geschrieben: Mo 15. Mär 2021, 14:05Wenn wir die Forderungen NICHT auf die Spitze treiben, sondern irgendeine "halbwegs überprüfbare" oder wenigstens u.U. glaubhafte Minimal-Legitimation bieten können, erreichen wir vielleicht eine gewisse Akzeptanz bei den Frauen:
Wenn ein "Mann" im Damen-WC nach dgti-Ausweis oder seinen Schminksachen gefragt wird, bevor Panik ausbricht, dann wär die Kuh vom Eis.
Ich prognostiziere, dass das nicht klappen _kann_. Ganz prinzipiell nicht. Denken wir das mal durch. Wir ziehen eine irgendwie geartete Schwelle ein, die einerseits für "Frauen" (wer immer damit genau gemeint sein mag) "akzeptabel hoch" ist, so dass sie sich geschützt fühlen, auch wenn die konkrete Person ihr gegenüber optisch all ihren Schemata potenzieller Bedroher entspricht.
Auf der anderen Seite soll diese Schwelle so niedrig sein, dass nicht-bedrohende Menschen sie möglichst einfach und leidensfrei nehmen können. Es müssten fehlerfrei nur die wirklich bedrohlichen Menschen im Voraus ausgeschlossen werden. Gemäss des Wahrnehmungsfilters der Schutzgruppe "Frauen" also genderistisch aggressive (cis-)männliche Menschen rausgeprüft werden - egal wie sie aussehen.
Du willst im Endeffekt einen -hm- objektiven, unbetrügbaren, fälschungssicheren, aber belastungsfreien "ich bin, wie leicht zu ertesten, kein (sexueller) Gewalttäter"-Nachweis, unabhängig von Körper, Erscheinung und Gender der Person.
Diese Anforderungen widersprechen sich einfach prinzipiell.
Egal ob dgti-Ausweis oder Schminksachen oder Silikonboobies: All das _könnten_ ambitionierte Gewalttäter genauso easy überwinden wie zweifellos berechtigte queere Menschen. Nicht mal die Psychogutachten nach TSG sind zuverlässig. Wie soll sicher vorausgesagt werden, dass ein Mensch ganz bestimmt nicht übergriffig werden wird - oder von anderen so empfunden wird?
Gleichzeitig würden genau bei den Beispielen zum Beispiel (
AFAB)
butches rausfallen: Mit dem Ausweis könnten sie nichts anfangen, viele benutzen prinzipiell keine Schminke, einige benutzen Binder, einige machen trotz Gender "weiblich" eine Mastektomie. Sollen die jetzt auf Aufforderung Shirt und Binder ausziehen? OP-Narben zeigen? Das ist nicht aus der Luft gegriffen. Einige meiner butch Freundys wurden schon "Damen-Klos" geworfen. Ausgerechnet die queer-feministisch aktivsten.
Was ist mit cis-Frauen nach Brustamputationen? Nur echt mit Lippenstift? Kann eine transfeminine, unoperierte Person "einfach so" auf die Strasse, oder braucht es Vollverkleidung samt Tucking? Ich könnte zig Beispiele aufzählen und das zu jeder beliebigen Art von Vorprüfung.
Ob sich eine potenziell vulnerable Person bedroht fühlt, bleibt einfach subjektiv und wird in der Regel am Aussehen der potenziell bedrohlichen Person festgemacht. Kein Ausweis und keine Armbinde - oder Schminktasche - oder irgendeine Prüfung oder "Legitimation" wird daran was ändern.
Wenn ein auf prinzipiell trans- bzw non-cis feindliche Menschen trifft, hat sich das sowieso erledigt. Ob ein nun ne amtliche Erlaubnis für Frauen-Klo hat oder nicht.
Ausserdem: Wer es auf Gewalttat anlegt und vermutlich auch nicht erwischt / identifiziert werden mag, wird sich ggf weder Ausweis, noch Aufmachung zulegen, sondern einfach eine passende Gelegenheit nutzen.
Bleibt der Kollateralschaden für nicht cis-konforme Personen, bei denen aus welchen Gründen auch immer Aussehen, Gender und Körper für irgendwelche Zufallsbegegnungen nicht ins dreifaltig binäre Schema passen.
Fazit: Amtliche Legitimationen werden nicht funktionieren, weil sie a) nicht zuverlässig Sicherheit attestieren können und b) die Gruppe, die darauf wert legt, "Frauen" in Deinem Beispiel, einem solchen Legitimitätsnachweis zurecht nicht trauen werden.