Geschlecht frei wählbar?
Geschlecht frei wählbar? - # 2

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Michi
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 16 im Thema

Beitrag von Michi »

Jasmine hat geschrieben: So 21. Feb 2021, 10:52 Ich habe mal ein paar Argumente herausgenommen. Wie viele "Typen mit Glatze, Vollbart, Bierbauch" würden sich den einen weiblichen Vornamen und das Geschlecht weiblich eintragen lassen? Frage zwei: Wie viele würden sich dann und damit den Zutritt zu Frauenbereichen verschaffen? Das ist schon eine tolle Schublade.
Liebe Jasmine,

ich stimme dir zu. Man kann sich nur immer wieder wundren, wie gerade selbst Betroffene die Agitation und Feindbilder der TERFs so ohne auch nur leises Hinterfragen übernehmen.


Liebe Grüße und euch einen schönen Sonntag
Michi
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Jaddy
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 17 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Zu all den Überlegungen, die Änderung des Eintrags anders zu gestalten: Da wird meiner Ansicht nach schon wieder viel zu viel an einem Buchstaben in einer Datenbank aufgehängt.

Dieser Buchstabe "macht" einen Menschen weder männlich, noch weiblich, noch sonstwas. Er hat auch in der üblichen cis Variante keinerlei Aussagekraft über körperliche und geistige Konstitution, emotionale Stabilität oder Neigung zu Gewalt. Üblicher Blödsinn mit minderschwerer Folge: Geändertes Gender auf der Gesundheitskarte = falsche Filterung bei (körperlich)geschlechtsspezifischen Maßnahmen wie Vorsorge-Untersuchungen.

Ich weiss aus eigener Erfahrung, welche Euphorie die staatliche Anerkennung, der neue Name, die neue Anrede, die richtigen Papiere auslösen können. Aber wir wissen auch, dass das nichts wirklich ändert im Alltag, bevor ein mit offiziellen Papieren wedelt, und dann ggf auch nur widerwillig.

Ich denke, wir sollten aufhören, bei ganz konkreten Problemen, die aus der Gendersegregation entstehen, auf diesen Buchstaben zu starren und uns ganz konkret auf die jeweiligen Problemindikatoren und wirksame Gegenmassnahmen konzentrieren.
NikolaAusR
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 18 im Thema

Beitrag von NikolaAusR »

Hallo Elly,
Elizabeth hat geschrieben: Sa 20. Feb 2021, 23:01 Hinreichende Bedingungen für VÄ/PÄ könnten zum Beispiel sein
Du fällst mit deinen Vorschlägen weit hinter den Handlungsrahmen, den das BVerfG in seiner laufenden Rechtsprechung zur Selbstbestimmungsrecht gesetzt hat, zurück.
Um mein Geschreibe abzukürzen, hier ein Auszug aus einem Kommentar* von Heribert Prantl, der sich zwar mit Corona / Demonstrationsrecht / Pressefreiheit beschäftigt aber, indem letztere Grundrechte sind, auch hier gültig ist.
Demokratie lebt von mündigen Bürgerinnen und Bürgern und vom permanenten Aushandeln von Kompromissen — die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, aber alle anderen Interessen, Bedürfnisse und Notwendigkeiten in den Blick nehmen. Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sind wie die geisteswissenschaftlichen meist nicht völlig eindeutig; sie unterliegen einem Wandel und unterschiedlichen Einschätzungen. Eine Politik, die schlechtes Gewissen, Panik und Angst schürt, ist da kontraproduktiv.
* https://www.derstandard.de/story/200012 ... uarantaene

So sehr es mich schmerz, das so schreiben zu müssen:
Absolute Sicherheit für einzelne Individuen kann es nicht geben.

Abgesehen davon ist aber auch keinerlei Evidenz für die geschürten Ängste vorhanden.
Dem steht zumindest die - auch hier im Forum besprochene - Studie aus den USA gegenüber, in der kein einziger Fall solcher Übergriffe gefunden wurde.

LG
Nikola
Wer trans* sagt muss auch cis sagen

Klar definier ich mich binär :-)
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 19 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Elizabeth hat geschrieben: Sa 20. Feb 2021, 23:01 Eines ist leider sicher:
Wenn ein Gesetz irgendwie mißbraucht werden kann, dann werden es zumindest EINZELNE Menschen tun!

Beispiele:
CumEx
Mißbrauch von Corona-Hilfen
Asyl beantragen und dann islamistische Attentate verüben: Breitscheidplatz, "9/11"
Als Bundeswehroffizier als Asylbewerber auftreten und so Attentate planen, um die dann "den Ausländern" in die Schuhe zu schieben
TSG: Gerichte versorgen immer dieselben Gutachter mit lukrativen Aufträgen
...
Das Lösen ALLER Bremsen erscheint mir daher verfehlt!

Dann kann tatsächlich der "Typ mit Glatze, Vollbart, Bierbauch" sich als Frau definieren - kein Aufwand, kann "Mann" ja nach nem Jahr wieder ändern!!!
... und hat dann Zutritt zu Bereichen, wo "frau" ihn garantiert nicht haben will!!!

Andererseits: z.B. Charlotte von Mahlsdorf WAR EINE FRAU, ob es da nun eine HET gab oder nicht! (ich weiß es nicht)

Hinreichende Bedingungen für VÄ/PÄ könnten zum Beispiel sein (1 Kriterium würde m.E. genügen):

12 Monate Alltagstest - auch die "nur" soziale Transition ohne Hormone ist zu akzeptieren!
1 Gutachten
HET mit deutlicher Brustentwicklung >= Cup AA -> das hätte z.B. Christiane manchen Kummer erspart!
(sie hätte den Richter wirklich fragen müssen, ob sie "blankziehen" soll - Stichwort Femen - oder ob er die VÄ/PÄ auch so absegnet oder die Sache an eine weibliche Justizbeamtin delegieren möchte)
dgti-Ausweis + z.B. 3 weibliche Bürgen

Wer weitere Ideen hat...

Cybill hat (da war es noch nicht im geschützten Bereich) geschrieben, daß sich ihre Kollegen in der Jungs-Dusche "körperlich gefreut hätten" - wunderschöne Umschreibung, weder sie noch die Kollegen können etwas dafür! - ... aber spätestens dann ist VÄ/PÄ und Wechsel der Umkleide/Dusche,... fällig!

Ich selbst werde trotz Stiefeln mit deutlichem Absatz, Strickkleid, langer (inzwischen roter) Haare, Perlenohrstecker beidseitig und Brustentwicklung noch zu häufig als "Mann" gelesen und werde (Stichwort "Das Leben des Brian") erstmal an meinem Passing arbeiten - sch... Corona - und erst danach an die VÄ/PÄ drangehen.

LG Elly
Hallo!
Zunächst mal möchte ich daran erinnern, dass es Früher einer GaOP bedurfte um überhaupt eine VÄ/PÄ beantragen zu dürfen. Der Zustand war nicht verfassungskonform.
Es war ein Exskinnhead, welcher gegen den rechtswidrigen Status des TSG geklagt hatte und welcher gerade auch von vielen Frauen mit TS- Vergangenheit angefeindet wurde, weil er/sie heute als Frau ohne GaOP lebt.
Dein Vorschlag bezüglich der HET erübrigt sich damit.
Im Übrigen, wenn für die PÄ nur ein Antrag reicht, muss dass ja noch lange nicht bedeuten dass für die HET und GaOP auf die Gutachten verzichtet werden muss.
Im Gegenteil, gerade bei diesen reversiblen Eingriffen halte ich sie immer noch für notwendig.
Aber bei einer NÄ/VÄ wird deutlich über das Ziel hinaus geschossen, mit den Gutachten und Gerichtsbeschluss, schlicht unverhältnismäßig.
Und was den Besuch von betont männlichen Papierfrauen in der Damenumkleide betrifft.
So dürften die Frauen sich wohl auch genüßlich über seine Latte lustig machen. Letzten Endes ist es eine Frage der Mentalität, welche die Frauen haben.
Aber ich bezweifle, dass betont männliche Personen überhaupt ein Anreiz haben, ihre sexuelle Identität zu ändern.
LG Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

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Andrea aus Sachsen
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 20 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Wie ich weiter vorn schon schrieb, würde ich in meiner derzeitigen Situation eine Vereinfachung der VÄ/PÄ sehr begrüßen. Trotzdem wäre mir die "Hingehen-und-ändern-lassen-Variante" zu simpel. Meines Erachtens gehört zumindest eine fachkundige Beratung über die rechtlichen Folgen dieses Schrittes dazu. Das ist doch hierzulande auch bei anderen Rechtsgeschäften vergleichbaren Ausmaßes üblich.
Diese oder andere Mini-"Hürden" würden aus meiner Sicht auch das Ganze nach außen seriöser erscheinen lassen. Es geht schließlich um eine Entscheidung, die reiflich überlegt sein will und nicht einer fixen Idee entspringt.
Und weil wir einmal bei den rechtlichen Folgen sind:
Ich möchte mich jetzt keinesfalls mit TERFs und anderen Selbstbestimmungsgegnern auf eine Stufe stellen, doch würde es mir Bauchschmerzen bereiten, wenn nach einer selbstbestimmten Geschlechtsänderung ehemalige Männer uneingeschränkt Zugang zu sogenannten Frauenschutzräumen bekämen. Ich glaube, cis-Frauen würde es auch nicht gefallen, wenn jemand die eigentlich nur für sie eingerichteten Räume beträte, der augenscheinlich ein Mann ist.
Mag sein, dass so ein Fall in der Praxis selten oder gar nicht vorkommt. Ich würde mich beispielsweise ohne GaOP nie in eine Damenumkleide oder Dusche getrauen, wenn die räumlichen Gegebenheiten nicht ausreichenden Sichtschutz böten. Natürlich sollen Transfrauen letztendlich aber die gleichen Rechte wie cis-Frauen bekommen. Und wie kommen wir nun aus dieser Misere heraus?
Transfrauen dürfte meines Erachtens das Betreten der genannten Räume weder untersagt, noch uneingeschränkt zugesichert werden. Im Konfliktfall käme es dann im Interesse aller Beteiligten auf viel Fingerspitzengefühl und nicht auf juristische Spitzfindigkeiten an.
So, das musste ich zu dem Thema einfach mal loswerden.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 21 im Thema

Beitrag von Michi »

Jaddy hat geschrieben: So 21. Feb 2021, 12:24 Dieser Buchstabe "macht" einen Menschen weder männlich, noch weiblich, noch sonstwas.
Ich frage mich gerade, warum man das Thema ausgerechnet von der Seite her aufzäumt, was es nicht macht?!

Menschen, die eine Änderung dieses Eintrags anstreben, dürfte es hinreichend klar sein, dass dieser nichts an den rein biologisch gegebenen Tatsachen ändert, und sprechen darum bevorzugt von Angleichen anstatt Umoperieren. Etwas anderes auch nur indirekt zu unterstellen, wiederholt und bestätigt nur die Scheinargumente derer, die das Ändern des Eintrags erschweren oder gar ganz verhindern wollen.

Sollte man also nicht genau anders herum rangehen, und darauf schauen, was dieser Buchstabe macht?!

Er macht nämlich viel mehr etwas mit den Menschen drum herum, macht ihnen Vorgaben, wie sie ihr Gegenüber zu behandeln haben. Und genau das passt so mancher Person nicht, dass sie ihre Mitmenschen nicht nach eigenem Gusto behandeln und nach Belieben ungestraft verletzen kann. Der Buchstabe gibt nämlich den Nicht-Cis-Menschen ein Mittel in die Hand, sich dagegen wehren zu können.
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 22 im Thema

Beitrag von Karla »

Hier ist die Technikerin (nicht staatlich geprüft, gebe es zu) wohl nicht von allen verstanden worden, ein paar Formulierungen stammen aus der Mathematik:
Elizabeth hat geschrieben: Sa 20. Feb 2021, 23:01 Hinreichende Bedingungen für VÄ/PÄ könnten zum Beispiel sein (1 Kriterium würde m.E. genügen):

12 Monate Alltagstest - auch die "nur" soziale Transition ohne Hormone ist zu akzeptieren!
1 Gutachten
HET mit deutlicher Brustentwicklung >= Cup AA -> das hätte z.B. Christiane manchen Kummer erspart!
(sie hätte den Richter wirklich fragen müssen, ob sie "blankziehen" soll - Stichwort Femen - oder ob er die VÄ/PÄ auch so absegnet oder die Sache an eine weibliche Justizbeamtin delegieren möchte)
dgti-Ausweis + z.B. 3 weibliche Bürgen

Wer weitere Ideen hat...
HINREICHENDE Bedingung bedeutet: Wenn mindestens EINE der 4 oben angegebenen Bedingungen erfüllt ist, wäre der Antrag auf VÄ/PÄ ohne weitere Prüfung zu genehmigen!

je 1 Beispiel für die 4 Fälle:
a) Tessa Ganserer wurde als Frau in den bayrischen Landtag wiedergewählt - meines Wissens ohne medizinische Maßnahmen.
b) 1 Gutachten sollte reichen, aber die meisten kämen mit Variante d) schneller und billiger weg
c) Der Antrag von Christiane aus Leipzig wurde TROTZ HET vom Richter abgelehnt, eine längere HET - ob legal oder illegal - nimmt ein Spanner wohl nicht auf sich,
eine Bescheinigung z.B. des Hausarztes über ein sichtbares Ergebnis, das das Tragen eines BHs ab CUP AA rechtfertigt, sollte dann reichen.
d) der dgti-Ergänzungsausweis ist schon jetzt die "VÄ/PÄ light". Das mit den 3 Bürgen kenne ich aus einem anderen Forum :wink:

LG Elly
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 23 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Nein, nein, nein. Körperliche Merkmale für Personenstandswechsel ist aus gutem Grund abgeschafft. Selbst der BGH hat festgestellt, dass nach der Rechtsprechung des BVerfG die Personenstände allen offen stehen müssen, also z.B. "d" und "_" nicht auf inter* beschränkt sein darf. Massgeblich ist das persönliche, geäusserte Empfinden. Alles andere würde nicht nur hinter jedes aktuelle Recht zurückfallen, sondern vor allem auch hinter den Stand der Wissenschaften.

Auch diese Gutachterei ist Kappes. Das ist auch lange bekannt. Alle wissen es, aber es ist immer noch Praxis, weil C-Parteien am liebsten alles verbieten würden. Die Gutachtys wissen selber, dass sie nur mutmassen können. Aber hey, es gibt nett Kohle. Dafür gibt es aber auch etliche völlig Fehlleistende in dem Job, die nicht nach dem Empfinden und den möglichen Ursachen forschen, sondern Stereotypen-Konformität sehen wollen. Gerade letztens den Fall gehört, wo ein Therapeuty sehen wollte, wie eine Person das Shirt auszieht. Weil "Frauen machen das anders als Männer". Ja, weil da häufig die Brüste im Weg sind, Du Obertöffel!

Oder der andere, der einem trans Mann erklärte, ohne Herrenhemd gäbe es keine Indikation. Jeans und T-Shirt seien nicht genug.

Es gibt keine irgendwie objektivierbare Möglichkeit, das persönliche Zugehörigkeitsgefühl zu einem Geschlecht zu verifizieren. Es ist nicht mal wirklich möglich bei irgendwelchen begleitenden psychischen Themen heraus zu puzzeln, was Ursache, was Wirkung ist und wie das den Wunsch nach einem amtsoffiziellen Wechsel beeinflusst. Jede dieser Gatekeeping Ideen geht an der Lebenswirklichkeit vieler, vieler Menschen vorbei und wird mehr Schaden anrichten als sie angeblich verhindern will.

Und es ist auch egal! Der Buchstabe in der Datenbank ändert im praktischen Alltag fast nichts. Du hast keine besonderen Rechte dadurch. Missbrauchspotenzial quasi Null. Deshalb muss dieser Buchstabe auch nicht geschützt werden. Wer sich mit einem Personenstands-Eintrag - beweis den mal; im Perso steht er nicht - in getrennten Räumlichkeiten daneben benimmt fliegt raus und kriegt ggf Hausverbot.

Der Knackpunkt in der Praxis ist nämlich ein ganz anderer. Im konkreten Fall kommt es nämlich darauf an, wie eine konkrete trans Person von den anderen eingelesen wird. D.h. es geht um das Stereotypen-Bild der anderen in diesem Raum und wie eine konkrete trans Person darauf passt, bzw als unangenehm unpassend wahrgenommen wird. Und das ist mit keiner gesetzlich regelbaren "Gender-Prüfung" abdeckbar.
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 24 im Thema

Beitrag von Karla »

@Jaddy:
Wenn Du Dir die 4 Vorschläge genauer anschaust, dann bedeuten die eine (fast) freie Wählbarkeit des Geschlechts:

Der dgti-Ergänzungsausweis hat ein paar Wochen Bearbeitungszeit und kostet ca 20,-€ (+ Paßbild und ggf. Aufwand für das Styling im Wunschgeschlecht)
Der Antragsteller - hier von m2f ausgegangen, da vor allem die Ängste der Frauen ernstgenommen werden müssen, wird dabei darauf hingewiesen, daß der Ausweis nicht zu Straftaten verwendet werden darf - also auch nicht zur sexuellen Belästigung von Frauen - ein bißchen Beratung und eine kleine Wartezeit ist damit gegeben. Den befürchteten Spontantaten von Spannern mit der Ausrede, diese fühlten sich plötzlich als Frau, würde damit eine Barriere entgegengesetzt.

Soziale und körperliche Transition sind hinreichende, aber keine notwendigen Bedingungen, d.h. keine Wartezeit mehr nötig.

Wenn mensch glaubt es zur Bestätigung zu benötigen, dann sollte auch EIN Gutachten als ausreichende Begründung für VÄ/PÄ vorgelegt werden DÜRFEN.

Die VÖLLIGE Freigabe halte ich aufgrund der Ängste von Frauen für politisch nicht durchsetzbar, die TERFs bekämen unnötigen Zulauf!
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 25 im Thema

Beitrag von Martina-NB »

Jaddy hat geschrieben: Mi 10. Mär 2021, 17:01 Und es ist auch egal! Der Buchstabe in der Datenbank ändert im praktischen Alltag fast nichts. Du hast keine besonderen Rechte dadurch.
So ähnlich wollte ich auch grad schreiben.
Wenn ein "Mann" (also äußerlich eindeutig als solcher identifizierbar) in eine Damen-Toilette oder Dusche gehen will, dann wird er die selben Probleme bekommen (oder ggf. auch nicht), völlig egal, was in einer Datenbank oder auf dem PA Ausweis steht.
Interessanter aus praktischen Gesichtspunkten wäre da schon vielleicht der Aspekt, dass man damit in einem Krankenhaus wahrscheinlich automatisch ein Einzelzimmer bekommt....
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 26 im Thema

Beitrag von Karla »

Der Fall des "eindeutig identifizierbaren Mannes" erscheint mir ein bißchen konstruiert.
Ich habe hier die Menschen im Blick, die sich irgendwo im Transitionsprozeß befinden (gehöre da auch gerade dazu):
In die Herren-Toilette passen sie nicht MEHR richtig rein - Gefahr homo-/transphober Übergriffe - ,in die Damen-Toilette NOCH nicht richtig - wohin mit denen?
Martina-NB hat geschrieben: Mo 15. Mär 2021, 08:57 Wenn ein "Mann" (also äußerlich eindeutig als solcher identifizierbar) in eine Damen-Toilette oder Dusche gehen will, dann wird er die selben Probleme bekommen (oder ggf. auch nicht), völlig egal, was in einer Datenbank oder auf dem PA Ausweis steht.
Interessanter aus praktischen Gesichtspunkten wäre da schon vielleicht der Aspekt, dass man damit in einem Krankenhaus wahrscheinlich automatisch ein Einzelzimmer bekommt....
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 27 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Elizabeth hat geschrieben: Mo 15. Mär 2021, 12:11 Der Fall des "eindeutig identifizierbaren Mannes" erscheint mir ein bißchen konstruiert.
Ich habe hier die Menschen im Blick, die sich irgendwo im Transitionsprozeß befinden (gehöre da auch gerade dazu):
In die Herren-Toilette passen sie nicht MEHR richtig rein - Gefahr homo-/transphober Übergriffe - ,in die Damen-Toilette NOCH nicht richtig - wohin mit denen?
Aus binär-gendernder Sicht werde ich da immer zugehören. Und zahlreiche inter Personen. Und AFAB butches. Und alle möglichen queeren Menschen.

Kurz: Alle, die nicht eindeutig binär genderstereotypisch aussehen KÖNNEN oder WOLLEN. Das Problem bleibt a) die Ursache: Gewalttätige Übergriffe kommen zu >80% von (einigen) cis-männlichen Menschen, weshalb b) potenzielle Opfer verständlicherweise bei männlich AUSSEHENDEN Menschen erst mal vorsichtig sind und c) verkompliziert die althergebrachte binäre Gendersegregation diese Situation, weil Menschen heute vielfältiger sein und aussehen können, als anno dunnemals.

Relativ wenige cis Männchen ruinieren also die Welt für alle anderen. Für ihre potenziellen Opfer aller Couleur, aber auch für alle nicht gewalttätigen Männer.

Ich finde auch, dass die Idee amtlich legitimierter, gewalttätiger Eindringlinge sehr konstruiert ist. Am Personenstandseintrag wird es nicht liegen. Die reale Gefahr lässt sich weder am Ausweis einer Person festmachen, noch am scheinbaren Geschlecht (oder Gender).

Die technisch-pragmatische Abhilfe wäre, Räume sicher für alle zu gestalten, statt zu gendern. Also so, dass z.B. auch bullying im Jungsklo nicht unbemerkt bleiben würde. Dass queere Menschen sie sicher nutzen können, ohne sich dafür binär gendernd einordnen zu müssen. Sanitärräume, Umkleiden, Schutzräume für Gewaltopfer.

Da technische Mittel nie soziale Probleme lösen - alte Usenet-Weisheit - muss die antisoziale Gewalt geächtet werden, die eben hauptsächlich Männern als Verhaltensmuster angeboten wird. Das wird allerdings noch sehr lange dauern.
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 28 im Thema

Beitrag von Karla »

Jaddy hat geschrieben: Mo 15. Mär 2021, 13:11
Elizabeth hat geschrieben: Mo 15. Mär 2021, 12:11 Der Fall des "eindeutig identifizierbaren Mannes" erscheint mir ein bißchen konstruiert.
Ich habe hier die Menschen im Blick, die sich irgendwo im Transitionsprozeß befinden (gehöre da auch gerade dazu):
In die Herren-Toilette passen sie nicht MEHR richtig rein - Gefahr homo-/transphober Übergriffe - ,in die Damen-Toilette NOCH nicht richtig - wohin mit denen?
Aus binär-gendernder Sicht werde ich da immer zugehören. Und zahlreiche inter Personen. Und AFAB butches. Und alle möglichen queeren Menschen.

Kurz: Alle, die nicht eindeutig binär genderstereotypisch aussehen KÖNNEN oder WOLLEN. Das Problem bleibt a) die Ursache: Gewalttätige Übergriffe kommen zu >80% von (einigen) cis-männlichen Menschen, weshalb b) potenzielle Opfer verständlicherweise bei männlich AUSSEHENDEN Menschen erst mal vorsichtig sind und c) verkompliziert die althergebrachte binäre Gendersegregation diese Situation, weil Menschen heute vielfältiger sein und aussehen können, als anno dunnemals.

Relativ wenige cis Männchen ruinieren also die Welt für alle anderen. Für ihre potenziellen Opfer aller Couleur, aber auch für alle nicht gewalttätigen Männer.

Ich finde auch, dass die Idee amtlich legitimierter, gewalttätiger Eindringlinge sehr konstruiert ist. Am Personenstandseintrag wird es nicht liegen. Die reale Gefahr lässt sich weder am Ausweis einer Person festmachen, noch am scheinbaren Geschlecht (oder Gender).

Die technisch-pragmatische Abhilfe wäre, Räume sicher für alle zu gestalten, statt zu gendern. Also so, dass z.B. auch bullying im Jungsklo nicht unbemerkt bleiben würde. Dass queere Menschen sie sicher nutzen können, ohne sich dafür binär gendernd einordnen zu müssen. Sanitärräume, Umkleiden, Schutzräume für Gewaltopfer.

Da technische Mittel nie soziale Probleme lösen - alte Usenet-Weisheit - muss die antisoziale Gewalt geächtet werden, die eben hauptsächlich Männern als Verhaltensmuster angeboten wird. Das wird allerdings noch sehr lange dauern.
Wenn wir die Forderungen NICHT auf die Spitze treiben, sondern irgendeine "halbwegs überprüfbare" oder wenigstens u.U. glaubhafte Minimal-Legitimation bieten können, erreichen wir vielleicht eine gewisse Akzeptanz bei den Frauen:
Wenn ein "Mann" im Damen-WC nach dgti-Ausweis oder seinen Schminksachen gefragt wird, bevor Panik ausbricht, dann wär die Kuh vom Eis.
Aus der Umkleide in der Dessous-Abteilung des inzwischen geschlossenen Cannstatter Kaufhofs wäre ich einmal fast rausgeflogen. Damals haben mich die in der Tasche mitgeführten Sillies mit 2 x 550g gerettet: Vom Spanner war ich damit auf "Kundin" umgelabelt, ab da hat mich die Verkäuferin zuvorkommend bedient. (inzwischen hatte ich die Teile, die ich mal hier übers Forum gebraucht erstanden habe, auch länger nicht im Einsatz: vielleicht verkaufe ich sie auch weiter, aber damals haben sie mir geholfen)

LG Elly
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Re: Geschlecht frei wählbar?

Post 29 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Elizabeth hat geschrieben: Mo 15. Mär 2021, 14:05Wenn wir die Forderungen NICHT auf die Spitze treiben, sondern irgendeine "halbwegs überprüfbare" oder wenigstens u.U. glaubhafte Minimal-Legitimation bieten können, erreichen wir vielleicht eine gewisse Akzeptanz bei den Frauen:
Wenn ein "Mann" im Damen-WC nach dgti-Ausweis oder seinen Schminksachen gefragt wird, bevor Panik ausbricht, dann wär die Kuh vom Eis.
Ich prognostiziere, dass das nicht klappen _kann_. Ganz prinzipiell nicht. Denken wir das mal durch. Wir ziehen eine irgendwie geartete Schwelle ein, die einerseits für "Frauen" (wer immer damit genau gemeint sein mag) "akzeptabel hoch" ist, so dass sie sich geschützt fühlen, auch wenn die konkrete Person ihr gegenüber optisch all ihren Schemata potenzieller Bedroher entspricht.

Auf der anderen Seite soll diese Schwelle so niedrig sein, dass nicht-bedrohende Menschen sie möglichst einfach und leidensfrei nehmen können. Es müssten fehlerfrei nur die wirklich bedrohlichen Menschen im Voraus ausgeschlossen werden. Gemäss des Wahrnehmungsfilters der Schutzgruppe "Frauen" also genderistisch aggressive (cis-)männliche Menschen rausgeprüft werden - egal wie sie aussehen.

Du willst im Endeffekt einen -hm- objektiven, unbetrügbaren, fälschungssicheren, aber belastungsfreien "ich bin, wie leicht zu ertesten, kein (sexueller) Gewalttäter"-Nachweis, unabhängig von Körper, Erscheinung und Gender der Person.

Diese Anforderungen widersprechen sich einfach prinzipiell.

Egal ob dgti-Ausweis oder Schminksachen oder Silikonboobies: All das _könnten_ ambitionierte Gewalttäter genauso easy überwinden wie zweifellos berechtigte queere Menschen. Nicht mal die Psychogutachten nach TSG sind zuverlässig. Wie soll sicher vorausgesagt werden, dass ein Mensch ganz bestimmt nicht übergriffig werden wird - oder von anderen so empfunden wird?

Gleichzeitig würden genau bei den Beispielen zum Beispiel (AFAB) butches rausfallen: Mit dem Ausweis könnten sie nichts anfangen, viele benutzen prinzipiell keine Schminke, einige benutzen Binder, einige machen trotz Gender "weiblich" eine Mastektomie. Sollen die jetzt auf Aufforderung Shirt und Binder ausziehen? OP-Narben zeigen? Das ist nicht aus der Luft gegriffen. Einige meiner butch Freundys wurden schon "Damen-Klos" geworfen. Ausgerechnet die queer-feministisch aktivsten.

Was ist mit cis-Frauen nach Brustamputationen? Nur echt mit Lippenstift? Kann eine transfeminine, unoperierte Person "einfach so" auf die Strasse, oder braucht es Vollverkleidung samt Tucking? Ich könnte zig Beispiele aufzählen und das zu jeder beliebigen Art von Vorprüfung.

Ob sich eine potenziell vulnerable Person bedroht fühlt, bleibt einfach subjektiv und wird in der Regel am Aussehen der potenziell bedrohlichen Person festgemacht. Kein Ausweis und keine Armbinde - oder Schminktasche - oder irgendeine Prüfung oder "Legitimation" wird daran was ändern.

Wenn ein auf prinzipiell trans- bzw non-cis feindliche Menschen trifft, hat sich das sowieso erledigt. Ob ein nun ne amtliche Erlaubnis für Frauen-Klo hat oder nicht.

Ausserdem: Wer es auf Gewalttat anlegt und vermutlich auch nicht erwischt / identifiziert werden mag, wird sich ggf weder Ausweis, noch Aufmachung zulegen, sondern einfach eine passende Gelegenheit nutzen.

Bleibt der Kollateralschaden für nicht cis-konforme Personen, bei denen aus welchen Gründen auch immer Aussehen, Gender und Körper für irgendwelche Zufallsbegegnungen nicht ins dreifaltig binäre Schema passen.

Fazit: Amtliche Legitimationen werden nicht funktionieren, weil sie a) nicht zuverlässig Sicherheit attestieren können und b) die Gruppe, die darauf wert legt, "Frauen" in Deinem Beispiel, einem solchen Legitimitätsnachweis zurecht nicht trauen werden.
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Re: Geschlecht frei wählbar?

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Beitrag von Karla »

Dear Jaddy,
(ist dies n/b genug?) ich versuche hier Wege zu einem hoffentlich in endlicher Zukunft politisch durchsetzbaren Kompromiß zu suchen.
Butch: Hat wahrscheinlich sowieso Perso mit weiblichem Vornamen.
Krebs: meine Mutter (wäre am 1.3. 90 Jahre alt geworden, vor 46 Jahren verstorben) hatte keinen Uterus mehr und nur noch 1 Brust, aber selbst "ohne 2" wäre sie als weiblich gelesen worden.
Absolute Sicherheit gibt es nicht, mir ist vor gut 35 Jahren Mißbrauch durch einen homosexuellen Mann, gut 10 Jahre älter und 10 kg schwerer als ich, in dessen Wohnung in einem Hochhaus passiert, ich war blauäugig, s. "Antatschen,..."
inter, n/b: kenn ich mich nicht gut genug mit aus, hoffe dennoch auch beim Thema trans auf Deine Solidarität.
Eva Engelke und Rona Duwe malen das Schreckgespenst von "bis zu 30% autogynephilen Männern" an die Wand: TERFs und den anderen cis-Frauen muß jetzt nur noch klargemacht werden, daß sie "bis zu 30% ihrer Söhne" an den wirklichen Feind verraten: Peer-Groups mit u.U. "kleinen Trumps" als Anführern!
(Die 30% halte ich für deutlich zu hoch gegriffen)
Ich plädiere daher erst mal für den kleineren Schritt: Anpassung statt Abschaffung des TSG.
Der -§175 ist auch nicht auf einen Schlag gefallen, Ehe für alle hat nicht zum Untergang Deutschlands geführt,...

LG Elly
Ein Leben ohne Möps(chen) ist möglich, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
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