Alyssa hat geschrieben: Di 29. Dez 2020, 09:15
Ist denn der sexuelle Hintergrund von der Zeit als Frau zu trennen? Ist nicht beides untrennbar verknüpft? Ist Femininität nicht grundsätzlich erotisch und strahlt eine Sexualität aus?
Wird hier nicht das gesucht was man bei sich vermisst?
Das ist eine Grundsatzfrage, Alyssa!
Ich habe in meinem Prozess für mich gelernt, dass es notwendig ist, Liebe, Partnerschaft, Sexualität und Geschlecht (erst einmal) von einender getrennt zu betrachten.
Sicher kann es sein, dass weibliche Kleidung ein Ausdruck von sexuellen Bedürfnissen ist, aber in meinem Fall hat die männliche, testosterongesteuerte, Sexualität zu einer Unterdrückung meiner Weiblichkeit mit erheblichen Konfliktpotential geführt. Um zu verstehen, dass ich eine TransFrau bin und nichts anderes, musste ich die Verknüpfung erst mal lösen und Sexualität von Geschlecht trennen und damit auch einmal Abschied von dem alten Glauben um biologisches Wissen überwinden.
Heute weiß ich, dass das, was Du da formulierst, reiner männlicher Trieb ist und nichts mit Weiblichkeit zu tun hat. Weibliche Sexualität funktioniert völlig anders und für Frauen mit einem männlichen Grundgerüst nochmals anders ...
Dass es uns so schwer fällt diese Themenblöcke auseinanderzuhalten ist meiner Meinung nach eine Frage der Sozialisierung und der Kultur. Und natürlich ist nochmal ein Unterschied, ob ich transsexuell bin, Damenwäsche als Fetisch trage oder vermeintliche Devotheit in Frauensachen suche, als Kompensation zu meinem männlichen Rollenmuster im Alltag. Alles hat seinen Ursprung und alles hat seine "Berechtigung" (Die Liste ist nicht abschließend zu verstehen).
Jetzt lebe ich schon über zwei Jahre "als Frau" (eine schreckliche Formulierung) und nein, weibliche Kleidung tragen hat nichts grundsätzlich mit Erotik zu tun. Für mich ist Erotik, dem Menschen gegenüber mit Nähe begegnen zu könne und zu schauen, ob daraus Lust entstehen kann, darf, soll. Natürlich hat eine schöne Verpackung auch seinen Reiz, aber die kann auch ein Herrenanzug sein, indem ein Frau oder ein Mann oder ein TransWasAuchImmer steckt

- hier kommt auch Aura und Fantasie ins "Spiel". Letztlich kommt immer auf die Perspektive an und was ich mir selbst erlaube.
Wenn ich Liebe möchte, offne ich mein Herz.
Wenn ich Partnerschaft möchte, reiche ich meine Hand und öffne mich selbst.
Wenn ich Sexualität möchte, sende ich erotische Signale und verführe.
Und wenn ich alles drei zurückbekomme, habe ich wohl jemanden an meiner Seite mit dem ich durchs Leben gehen sollte.
Alles Liebe
Vanessa
(natürlich wieder mal nur meine eigene Perspektive auf die Dinge, jeder ist frei, seine eigene Meinung zu haben ...)