Gemütslage
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Anne-Mette
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Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 11. Aug 2009, 20:44

Moin,

eigentlich habe ich es ganz gut :)
Abgesehen von dem Regen, der verhindert hat, dass ich wieder mit dem Rad zum Einkaufen fahren konnte, ist der Tag so verlaufen, wie ich es mir gedacht habe.
Ich habe viel geschafft - und es hat überwiegend alles geklappt. Dann bin ich "in die Stadt" gefahren, weil ich noch ausliefern musste. Da ich selbst auch noch etwas besorgen musste, habe ich noch einen kurzen Streifzug durch zwei Kaufhäuser gemacht.
Zwei Tops konnte ich zu sensationell günstigen Preisen erwerben - und in dem anderen Kaufhaus ein Sommerkleid.
Auf dem Weg durch die Stadt beschlich mich trotzdem ein melancholisches Gefühl. Ich sah viele in meinen Augen attraktive Frauen in ihren Sommerkleidern.
Einige boten ein sehr stimmiges Bild.
Meine Gedanken gehen dann manchmal in die Richtung: "UND DU? - wer bist du? - was bist du? - was fühlst du? - wie nehmen dich die anderen Menschen wahr?"
Dabei war ich heute "verkleidet" - also in Hosen. Ich wusste nicht, wie es bei dem Kunden zugeht und ob ich meine Auslieferung auch im Rock hätte machen können. Das kommt ja immer ein wenig auf das Umfeld an...

Was macht mich manchmal melancholisch? Dass ich keine Frau bin? Oder dass ich mich selbst vielleicht noch nicht so richtig stimmig finde?
Ich weiß nicht, was es ist.
Manchmal ertappe ich mich, dass ich denke: "so möchte ich sein; so möchte ich aussehen!"

Ich werde weiter darüber nachdenken, was mich manchmal so melancholisch macht; denn eigentlich habe ich es gut, kann ich mich doch meistens so kleiden und geben, wie ich es selbst möchte. Vielleicht fällt es mir einfach schwer, genau zu sagen, was ich möchte und wo ich hin will. Vielleicht fällt es mir leichter, etwas zu erwarten - und dann baut sich eine Unzufriedenheit auf, wenn die nicht genau definierten Erwartungen nicht erfüllt werden.

Gruß und schönen Abend
CPG

Regina
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Re: Gemütslage

Post 2 im Thema

Beitrag von Regina » Di 11. Aug 2009, 21:12

Hallo Claus Peter,

das kenne ich auch. Wenn das innere Bild, welches man von sich selbst hat nicht mit dem äußeren übereinstimmt. Aber leider ist das die Realität. Ich habe nun einmal nicht diese zierlichen Ärmchen und meine Hände sind groß wie Plattschaufeln. Da nützt dann auch der Nagellack nichts.
Aber vielen Frauen geht es sicher genau so. Die entsprechen auch nicht ihrem eigenen Schönheitsideal. Die sind zu klein, zu dick, Busen zu groß, Busen zu klein, Nase zu groß,....

Wir können dabei doch noch ganz zufrieden sein. Wir sind nicht entstellt oder behindert oder was anderes schlimmes. Aber ich weiss selbst, dass ist kein wirklicher Trost.

Viele liebe Grüße,
Regina CD
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Re: Gemütslage

Post 3 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-01-30 » Di 11. Aug 2009, 22:59

Moin cpg!
cpg hat geschrieben:Oder dass ich mich selbst vielleicht noch nicht so richtig stimmig finde?
Ich weiß nicht, was es ist.
Manchmal ertappe ich mich, dass ich denke: "so möchte ich sein; so möchte ich aussehen!"
Solange Du Dich kleiden kannst, wie Du es gerne möchtest, ist das doch stimmig. Da passen Inneres und Äußeres zusammen. Nur paßt das nicht so ganz zu Deinem Wunschbild. Und das macht Dich vermutlich traurig. Aber wie Regina schon geschrieben hat, haben wir das wohl alle mal.

Wie andere uns sehen, ist zwar nicht völlig gleichgültig, aber wie wir uns fühlen, sollte doch vorrangig sein. Wenn beides eintritt, haben wir die doch sehr seltene Idealsituation. In diesem Zusammenhang denke ich auch an die so erfrischenden Bemerkungen zu meinen Bildern aus den 80ern. Das sah zwar schon recht überzeugend aus, aber damals wollte ich das auch nicht wahrhaben. Da passten auch Selbst- und Wunschbild nicht zusammen.

Entscheidend ist doch letztlich, ob Du Dich in den neu erstandenen Teilen wohlfühlst. Allein der Eindruck, den Du damit vermittelst, ist dann auch für andere überzeugend. Versuche einfach ein wenig zu geniessen.

Tschüß
Claudia
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Re: Gemütslage

Post 4 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-01-30 » Di 11. Aug 2009, 23:21

Moin Regina!
Regina cd hat geschrieben:Wir sind nicht entstellt oder behindert oder was anderes schlimmes. Aber ich weiss selbst, dass ist kein wirklicher Trost.
Beim ersten Lesen habe ich mich über diesen Satz sehr geärgert. Aber wie gut, daß ich Beiträge meist mehrfach lese. Dabei ist mir dann aufgefallen, daß er völlig anders - nämlich positiv - gemeint ist. Zumindest wolltest Du das damit vermitteln.

Solche Formulierungen werden allerdings etwas gefährlich, wenn sie von Leuten gelesen werden, auf die genau das genannte zutrifft. Dann stimmt das "Wir sind nicht ..." ja nicht mehr. Für mich stellt sich das so dar: Ja, ich bin behindert, schwer gehbehindert. Und doch kann ich unglaublich schöne Erlebnisse haben, wie das bei den Brautbildern zu sehen ist. Es hat sich ja bisher auch noch niemand darüber gewundert, daß ich immer am selben Platz stehe. :roll: Das ging eben nicht anders und die Stöcke haben wir weitgehend erfolgreich ersteckt. Aber dazu mache ich noch einen anderen Thread auf, weiß bloß noch nicht, wo ich den hinstecke. Ideen?

Worauf ich eigentlich hinaus will: Egal in welcher Lebenssituation wir stecken, es kommt doch immer darauf an, was wir selbst daraus machen. Herausfinden, was wichtig ist, versuchen davon möglichst viel zu erreichen, notfalls mit etwas Hilfe, und auch die eigenen Grenzen akzeptieren. Wobei ich immer versuche, diese Grenzen doch zu überschreiten. :()b

Tschüß
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Re: Gemütslage

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 12. Aug 2009, 08:32

Guten Morgen,
Herausfinden, was wichtig ist, versuchen davon möglichst viel zu erreichen, notfalls mit etwas Hilfe, und auch die eigenen Grenzen akzeptieren.
Ja, so denke ich auch. Meistens kann ich auch ganz gut damit - und mit mir - umgehen.
An manchen Tagen bin ich jedoch etwas nachdenklicher - schön, dass ich mich dann hier auch über solche Gedanken austauschen kann )))(:

Gruß
CPG

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Re: Gemütslage

Post 6 im Thema

Beitrag von Gerdi55 » Do 13. Aug 2009, 21:16

cpg hat geschrieben:Ich sah viele in meinen Augen attraktive Frauen in ihren Sommerkleidern.
Einige boten ein sehr stimmiges Bild.
Meine Gedanken gehen dann manchmal in die Richtung: "UND DU? - wer bist du? - was bist du? - was fühlst du?
Hi,

ich kann dich gut verstehen. Ich bin ja nun noch nicht lang unter den CD. Aber den Wunsch Kleidung tragen zu können wie es die von
mir betrachteten Frauen dürfen, kannte ich schon vorher. Auch mich befällt immer wieder eine melancholische Stimmung, in der ich mich
Frage, warum denkst du so? Was willst Du? Ich glaube die Antwort werde ich mir nicht geben können. Bei mir ist es zum Ritual geworden,
daß ich mich als erstes von der Tageskleidung befreie und in ein Kleid oder Rock schlüpfe. Meine Auswahl ist leider noch nicht groß. Auch
das Tragen von Damenwäsche unter der Herrenkleidung wird immer mehr zur Normalität. Ich stelle aber auch fest, daß diese Normalität
mich traurig stimmt, da ich mich in vielen Situationen immer noch verstecke(aus was für Gründen auch immer).
Wenn ich mich immer geben könnte , wie ich gern möchte, würde ich sagen: schaut her, so sehe ich auch mit Bauch und Falten gut
aus. Mich bedrückt, daß ich in Rock oder so rumlaufen kann, wobei aber jeder sieht, die Kleidung ist nicht für meinen Körper gemacht.
Da die Kleidung für Frauen geschneidert wurde, sieht sie an meinem Körper nicht 100% so aus wie in den Katalogen mit weiblichen Inhalt.


Gruß Eliot

Anne-Mette
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Re: Gemütslage

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 14. Aug 2009, 10:07

Moin,
Wer widerspricht?
Ich widerspreche nicht, sondern reiche nur eine Erklärung nach :)
Als Grenzgänger - so sehe ich mich - kann ich mich meistens wunderbar in meiner Grauzone bewegen. Ich definiere mich nicht (nur) über meine Kleidung; aber die unterstützt doch in einem recht hohem Maße mein Lebensgefühl.
Überwiegend fühle ich mich wohl; doch kommt es manchmal zu den im Anfangsposting geschilderten Gefühlen und Gedanken.
... aber die werden andere Leute, egal, ob Mann oder Frau - auch haben.

Guten Start ins Wochenende
Gruß
CPG

Regina
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Re: Gemütslage

Post 8 im Thema

Beitrag von Regina » Fr 14. Aug 2009, 20:38

Hallo Claudia,

ich war einige Tage beruflich unterwegs und hatte keine Gelegenheit hier zu posten.

Ja, du hast recht, es war unüberlegt von mir das so zu schreiben. Dafür bitte ich um Entschuldigung. Zu meinem Glück hast Du ja noch verstanden was ich damit ausdrücken wollte. Es ist sicher sehr wichtig, auch grad im Internet, zweimal darüber nachzudenken was man schreibt. Denn man schreibt ja nicht für eine geschlossene Benutzergruppe von denen man alle persönlich kennt. Letztendlich weiß man nie wer alles unsere Beiträge liest.

Vielen Dank für diese Erinnerung.

Liebe Grüße,
Regina CD
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Re: Gemütslage

Post 9 im Thema

Beitrag von Bianca D. » So 16. Aug 2009, 23:31

Hallöchen,
herjot hat geschrieben:Hallo zusammen,
Identifiziert sich eine Frau ausschließlich über den Rock? Sicherlich nicht.
Wiedersprechen will ich dir nicht,aber ein Rock oder Kleid,gerade jetzt im Hochsommer,ist nun mal das feminine Aushängeschild!Klar-für einen Mini reichts bei meinen Beinen auch nicht mehr,aber mit einem wadenlangen Rock,wäre auch ok.Für die Öffentlichkeit bin ich aber
monetan mit meiner Damenjeans ,T-Shrt und hübscher Wäsche ganz glücklich.
herjot hat geschrieben:Warum wollen wir es dann eigentlich tun? Und wird dies dann vielleicht ständig zur Unzufriedenheit führen - und das gilt sicherlich für Frau und Mann.
Warum der ganze Stress und quasi ein Wettbewerb untereinander einschließlich der zahlreichen Versuche einer Definition und Klassifizierung? Ich glaube, wir sind uns damit selbst im Weg! Lasst es uns so nehmen, wie es kommt oder möglich ist, und über auch kleine Erfolge freuen! Zur biologischen Frau werden wir nicht werden!
Stimmt!!Auch wenn´s manchmal schwer zu akzeptieren ist!

LG Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial

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Re: Gemütslage

Post 10 im Thema

Beitrag von Bianca D. » Mo 17. Aug 2009, 00:05

Hallöchen ,
Zum Thema fällt mir noch folgende Anekdote vom letzten WE ein.War mal wieder in Sachen meiner automobilen Leidenschaft unterwegs und
habe ohne viel darüber nachzudenken,meine Reisetasche gepackt,außer Vereinsshirt und Schuhe quasi nur Frauensachen(Wäsche,Jeans usw.)
Am anderen Morgen im Gemeinschaftswaschraum,konnte ich es gerade so verhindern,daß mir einer drauf kommt..Will damit sagen,daß der
Umgang bzw. das Anziehen von Damenkleidung schon so normal geworden ist,daß ich an solche Situationen gar nicht mehr denke.Dieser Um-
stand gab mir ein Gefühl -ja-wie beschreibe ich das?Als wenn so Schraubzwingen dich am luftholen hindern und du wieder frei durchatmen
kannst.Das hat aber nun,durch die Normalität,sehr nachgelassen.Man(n) bewegt sich ungezwungen,läuft natürlich Gefahr bei unbedachten
Manövern ertappt zu werden,weil du einfach keinen Gedanken dran verschwendest.Beispiel:S.o. oder auch solche banale Tätigkeit :Setz dich mal in lustiger,bierseliger Laune mit Kameraden/innen auf den Tisch und die,die hinter dir sitzen,gucken dir in den Spalt zwischen Hose
und verl. Rücken.Gesagt hat zwar keiner was,aber die werden sich schon Ihr Teil gedacht haben.Auf dem Heimweg sind mir die vielen Situationen alle durch den Kopf gegeistert und dann fragst du dich:Hab ich´s übertrieben?Sollte ich in Zukunft besser aufpassen?Ne Rückmeldung bekomm ich von dort natürlich nicht und aufpassen müssen will ich eigentlich auch nicht,weil ich mich so wohl fühle.

LG Bianca
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Re: Gemütslage

Post 11 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 18. Aug 2009, 13:58

Moin,
Sie sagte mir, dass ihr hauptproblem darin besteht, dass da eine Seite an mir zum Vorschein gekommen ist, die sie anfangs nicht "mitgebucht" hat und sie bekommt Crossdressing in keine passende Schublade eingeordnet.
Es stellt sich ja in vielen Beziehungen erst nach Jahren heraus, was man "mitgebucht" hat und was nicht. Sehr viele Beziehungen werden nach einigen Jahren unrund; sicherlich, weil sich viele Kräfte verbrauchen, z.B. im Berufsleben oder beim "Eltern sein".
Sicherlich kann Crossdressing + mehr auch ein Auslöser für Beziehungskrisen sein oder diese verstärken. Bei uns wurde das noch nicht in dieser Richtung thematisiert.
Wenn ich mal gefragt habe, dann lagen die Problematiken nicht daran, dass ich Crossdresser + mehr bin.
Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden würde, wenn man mich vor die Alternative stellen würde: "Crossdressing oder ich".
Da würde ich sicherlich sehr lange überlegen.

Gruß
CPG

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Re: Gemütslage

Post 12 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mo 31. Aug 2009, 22:50

Moin,

... ich habe mich in diversen Beiträgen schon zu den meisten Punkten geäußert.
So werde ich dieses Mal nicht "vorpreschen", sondern überlasse den anderen mal den Vortritt )))(:

Ich finde Dein Posting sehr gefühlvoll und gut geschrieben; danke für die Offenheit!

Gruß und gute Nacht
Claus-Peter

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Re: Gemütslage

Post 13 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-01-30 » Mo 31. Aug 2009, 23:51

Moin!

Dann presche ich doch mal vor.

So wie Du Dein Outing beschrieben hast, wurde ich doch sehr stark an meines erinnert. "Gestammel" trifft es eigentlich sehr gut, so ein langsames Vortasten. Was kann ich sagen? Wie kann ich es sagen? Von diesen Vorüberlegungen gab es viele und doch war es dann eher spontan, wenn auch in sehr kleinen Häppchen. Ich habe damals mehrere Wochen gebraucht, um wirklich auf den Punkt zu kommen.

Dabei muß ich allerdings auch erwähnen, daß dieses Outing jetzt 30 Jahre zurückliegt und es noch vor der Hochzeit stattfand. Anlaß war für mich der innere Druck, das nicht als Geheimnis mit in die Ehe zu bringen. Gleichzeitig gab es aber auch massive Ängste, denn zu dme Zeitpunkt wäre es ja doch um einiges leichter gewesen, die Beziehung platzen zu lassen. Das ist glücklicherweise nicht passiert.

Um das Crossdressing kämpfen mußte ich die erste Zeit garnicht, weil es sowieso nur im Geheimen stattfand und dort auch bleiben mußte. Es war sozusagen ein Outing der theoretischen Art, ich konnte nur über meine Wünsche und Träume sprechen. An Ausleben war damals nicht zu denken, weil wir noch in einem Studentenwohnheim lebten. Da gab es Ausleben nur für mich für mal eine Stunde, wenn ich allein war.

Das änderte sich erst mit der ersten gemeinsamen Wohnung. Aber auch da haben wir viele Monate gebraucht, bis wir einen gemeinsamen Weg gefunden hatten. Ihr fiel es schon sehr schwer, mich so zu sehen. Und mir fiel es ebenso schwer, mich vor jemand anderem so zu zeigen, selbst wenn es die so vertraute Partnerin war. Das war eine Zeit des genauen Beobachten des anderen. Sie spürte, wie sehr es mir gefällt, wie wichitg es mir war, und wollte mich deshalb nicht zu sehr einschränken. Und ich habe immer deutlich gespürt, wenn es drohte zuviel zu werden. Dann war es höchste Zeit für einen Abbruch und eine längere Pause.

Aber diese Zeit der gegenseitigen Beobachtung und auch Rücksichtnahme hat uns und der Beziehung gut getan. Wir wußten meist, was im anderen vorging und konnten uns darauf einstellen. Und das ist bis heute so gelieben.

Was nicht heißen soll, daß es nicht auch mal vorübergehende Krisen gab. Zeiten, in denen ihr das alles zuviel wurde, ebnso wie Zeiten, in denen ich mich sehr eingeschränkt fühlte. Die größte Krise gab es wohl, als meine Aktivitäten nach einigen Monaten doch etwas sehr hochkochten. Durch die eigenen Wohnung war die Angst vor Entdeckung doch sehr zurückgegangen und ich konnte das Crossdressing doch sehr intensiv ausleben. Diese Steigerung brachte meine Frau jetzt zu der Befürchtung, das könnte sich bei mir in eine ganz andere Richtung entwickeln. Nicht das Crossdressing machte ihr Angst, sondern der mögliche Weg Richtung Transsexualität. Ich habe lange gebraucht sie davon zu überzeugen, daß das niemals mein Weg sein wird.

In den vielen Jahren gab es eine sehr lange Zeit, in der ich diese Wünsche sehr intensiv ausleben konnte, ohne daß es sie gestört hätte. Da gab es sogar eher Unterstützung und Beratung als ein deutliches Bremsen oder Kritik. Ein bißchen schwieriger geworden ist es in der letzten Zeit, was aber auch- das muß ich zugeben - an mir liegt. So alltäglich war meine Kleidung ja nie, immer die etwas gehobere Klasse. Nur bin ich in der letzten Zeit etwas in die Fetischecke abgedriftet und da muß ich mir dann doch deutliche Kritk gefallenlassen. Das tut erstmal weh, zeigt mir aber auch ganz klar die Grenzen, die ich nicht überschreiten sollte. Und des ist Anlaß für mich darüber nachzudenken, woher diese Veränderung bei mir kommt.

Soweit fürs erste, da gibt es sicher noch Gesprächsbedarf.

Tschüß
Claudia
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Re: Gemütslage

Post 14 im Thema

Beitrag von martina » Di 1. Sep 2009, 22:15

hallo jessica,
ich will dir mal ein paar kurze antworten auf deine fragen geben.
Jessica01 hat geschrieben:Wie war eure Gefühlswelt unmittelbar vor und die ersten Wochen nach dem Outing?
unmittelbar vorher war es bei mir ein bisschen aufgeregtheit und unsicherheit. vor ein paar jahren habe ich gern nylonstrümpfe und dessous getragen und mich damit geoutet. die unsicherheit wurde mir von der partnerin genommen, durch die offenheit entstand noch mehr nähe zueinander.
Jessica01 hat geschrieben:Wie lief es in der Partnerschaft?
wie gesagt, es entwickelte sich eine grösser werdende nähe durch die offenheit. ich träumte in den sommermonaten von einem rock. meine partnerin brachte mir einen mit, meinen ersten rock. wir waren dann öfter auch zusammen einkaufen, dessous, röcke, blusen.
Jessica01 hat geschrieben:Wie war die Gefühlswelt der Partnerin?
es ging ihr mal in einer phase etwas schnell. aber bei mir ist es so, dass ich manchmal wochen- und monatelang gern damenkleidung trage, interessiert danach schaue, dann gibt es wieder phasen, die wochen- und monatelang dauern, da interesiert mich das thema nicht. insofern hat sich die geschwindigkeit in der beziehung eingependelt.
Jessica01 hat geschrieben:Wie sehr habt ihr um eure Leidenschaft Crossdressing auf der einen Seite und für eure Partnerschaft/Ehe auf der anderen Seite gekämpft?
es gibt für mich kein entweder ... oder ... manchmal kommt es auch vor, dass ich in der phase bin, dass ich an damenbekleidung kein interesse habe, von meiner partnerin aber gefragt werde, ob ich nicht gern diesen rock oder jenes kleid hätte, was mich dann doch wieder antreibt.
Jessica01 hat geschrieben:Welche Kompromisse seid ihr bereit gewesen einzugehen?
in der partnerschaft muss ich keine kompromisse eingehen.

ich frage mich nur manchmal, ob ich auch als frau nach draussen gehen würde. bisher war ich noch nie als frau draussen. aber ich habe da einen perfektionismusdrang. wenn ich als frau raus gehe, möchte ich auch zu 100% als frau wahrgenommen werden. und soweit fühle ich mich noch nicht. zwar komme ich dem langsam näher, aber noch fehlt dies und das, z.b. camouflage, um den bartschatten zu überdecken, eine gewisse haltung, es mit der kleidung und dem makeup nicht zu übertreiben, sondern dezent aufzutreten und andere mehr oder weniger kleinigkeiten. ich denke, ich werde auf jeden fall mal irgendwann als frau rausgehen, aber ich selbst mach mir da keinen druck. alles in allem strebe ich eine 100%ige identifikation mit mir selbst als frau an. und in dieser hinsicht möchte ich keine kompromisse machen.

liebe grüsse
martina
Wenn es uns gelingt, uns aus unseren eingebildeten Beschränkungen zu befreien und unser inneres Feuer anzuzapfen, dann sind die Möglichkeiten unbegrenzt. (Dean Karnazes)

Anni
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Re: Gemütslage

Post 15 im Thema

Beitrag von Anni » Mi 2. Sep 2009, 07:12

Hallo Jessica !

Habe Deine Postings aufmerksam verfolgt und hoffe Du bekommst das auf die Reihe !
Deine Fragen sind ja recht konkret - aber auch nicht so leicht zu beantworten - denn wie Du ja schon gelesen hast , ist es bei jedem etwas anders . Aber zu Deinen Fragen aus meiner Erfahrung :
Also meine Gefühlswelt vorher - immer stärker werdender Druck wegen der Heimlichkeiten , oft wirklich unerträglich . Die meiner Frau - naja - sie merkte recht deutlich , das mit mir irgend etwas nicht mehr stimmt . Ihr Argwohn hat dann dazu geführt , das sie einen Teil meiner Kleider gefunden hat und mich zur Rede stellte - damit kam ich um das Outing nicht mehr herum - was im nach hinein auch gut war - für uns beide !
Danach erst mal eine Woche die 4.Eiszeit ! Besonders heikel - die Frage nach dem wieso und warum und ganz besonders , wieso gerade ihr Mann . Viele längere Gespräche folgten - habe ihr dann auch vieles aus dem I-Net über Crossdressing ausgedruckt und ihr damit die Möglichkeit gegeben , sich selbst alleine und in Ruhe erst mal zu belesen , welche " Krankheit " ihr Mann denn nun hat , bis ich ihr klar machen konnte , das es keine Krankheit ist . Weiterhin folgten viele Gespräche darüber " was ist normal " und über Toleranz , über Mode bei Frauen und Männern , darüber ob ich noch "richtig Mann bin " , ob ich mich umoperieren lassen will - na eben das volle Programm .
Dabei muß ich ausdrücklich bemerken , das es mir wahnsinnig leid getan hat , ihr so weh zu tun , denn ich habe sie ja geheiratet , weil ich sie liebe und wen man liebt , dem sollte man ja nicht absichtlich weh tun .
Wobei ihr eigentlicher Vorwurf ( sicherlich mit Fug und Recht ) darin lag , das ich es ihr verheimlicht habe !
Interessant wurde es dann noch mal bei den Fragen - seit wann ?! Vor der Ehe schon ?! Bin ich dir nicht mehr genug Frau , das du jetzt selber eine sein willst ?! Ob ich denn nun schwul wäre ?! na und so weiter .
Es hat fast ein 2 Jahre gedauert , bis das Thema nicht mehr das Thema war . Habe es geschafft , ihr klar zu machen , das ihre größten Ängste unbegründet sind : bin nicht schwul - als Mann im Frauen-Outfit eher lesbisch , werde unsere wirtschaftliche Existenz nicht ruinieren und das Geld nur noch für Frauenklamotten aus dem Fenster werfen , liebe sie immer noch - jetzt eher noch mehr - so ich nun endlich so sein kann , wie ich nun mal bin . Gekämpft habe wir beide sehr - jeder für sich , mit der neuen Situation fertig zu werden , aber auch gemeinsam um unsere Liebe und Ehe zu erhalten . Wobei es für unsere Frauen sowohl schwerer als auch leichter ist . Zum einen sind sie ja Frau und wollen sich nicht verändern ( tun es aber dennoch im laufe der Zeit - wie wir alle ! ) , zum anderen ist nicht jede Frau so veranlagt , das sie ihren Mann in Frauensachen chic und attraktiv findet .
Die Frage nach Kompromissen ist wohl die schwierigste . Eigentlich ist fast jeder Tag ein einziger Kompromiss . Ich finde es auch nicht gut nach Kompromissen zu suchen !
Viel besser ist es , dem Ganzen was Positives abzuringen ! Wieso wird immer nur auf das vermeintlich Negative geschaut ?! Meine Frau sagt ( O-Ton ) : als Anni bist du viel lieber geworden ! Ausgeglichener , sensibler , aufmerksamer und zärtlicher ! - Na klar - ist für mich ja auch leichter - muß nicht immer mehr der " harte Kerl " sein , der alles weiss und alles kann ! Außerdem verflucht sie es , wenn Anni nicht da ist und ihr bei der Hausarbeit hilft ! Ne im Ernst - habe zum Anfang mal am Sonnabend früh mich als Zimmermädchen zurecht gemacht ( bin eh immer der erste am Morgen ) , toll Frühstück vorbereitet - so mit allem drum und dran - und dann meine Frau zum Frühstück gerufen - Kaffe eingeschenkt usw. - na eben mal richtig verwöhnt - verflucht - seid dem " darf " ich das fast immer tun ! O-Ton meiner Frau : Hätte gar nicht gedacht , das du so lieb sein kannst - warum hast du mich nicht früher schon mal so geweckt ?! Das behalten " wir" so bei !
Es gibt sicherlich noch sehr viel mehr , worüber an anderer Stelle noch gerne gesprochen werden kann - aber als Fazit haben meine Frau und ich uns dazu durch gerungen , das Positive in Anni ( so von meiner Frau den Namen bekommen bei dem besagten Frühstück ) zu sehen und für alles andere bin ich ja noch der , der ich immer schon war !

LG Anni
Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch. George Bernard Shaw

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