nach Monaten der "Abstinenz / des Verzichts" auf gemeinsame Unternehmungen möchte ich
heute von unserem verlängerten Mädels-Wochenende in Norderstedt bzw. Hamburg berichten.
Aufgrund Corona sowie eigener gesundheitlicher Einschränkungen (u.a. neues Kniegelenk Frau und
Folgen), diverser Verpflichtungen und schlussendlich auch wg. des bescheidenen Sommerwetters
hier oben an der Küste sind meine Frau und ich vom 17. bs 20.Juli erstmalig in diesem Jahr wieder
dem Alltagstrott entfleucht und haben in unserem Stammhotel Wilhelm Busch in Norderstedt
eingecheckt.
Das Wetter passte und mit Ankunft im Hotel fühlten wir uns nach herzlicher Begrüßung wieder mal
wie zu Hause angekommen. Aber Corona und dessen Folgen lassen sich auch hier nicht abschütteln,
so hat auch dieses Hotel immens darunter zu leiden und hofft auf bessere Zeiten.
Den Ankunftstag und 1.Abend verbrachte ich noch im männlichen Modus an der Seite meiner
lieben Frau, während die beiden nachfolgenden Tage voll und ganz dem Ausleben meiner weiblichen
Seite gehören durften. Wobei durften hört sich blöd an, da lässt mein Schatz mir vollkommen freie
Hand.
Da ich auch am Wohnort in der unmittelbaren Nachbarschaft geoutet bin, hätte ich natürlich auch in
der Zeit vor diesem Wochenende durchaus den Freiraum gehabt, mich als Mel zu zeigen oder etwas zu
unternehmen, aber dies beschränkte sich dann auf wenige Tage des stundenweisen Auslebens im Haus
bzw. auf Terrasse, durchaus im Beisein von Freunden oder bei 2-3 Restaurantbesuchen mit den
Schwiegereltern unserer Tochter.
Es muss einfach passen, Kopf und Seele im Einklang sein, wenn ich meine weibliche Seite nach außen
deutlich sichtbar mache und unters Volk gehen möchte! Und allein, also ohne meine Frau, das ist auch
nicht meins, aber zurück zum eigentlichen Thema.
Da das wirklich gute hoteleigene Restaurant bis auf Weiteres leider geschlossen bleibt - hoffentlich klappt
das mit unserer Weihnachtsfeier der Crossdresser Hamburg (?!) - mussten wir am ersten Abend auf
Empfehlung des Hoteliers auf einen neuen "Italiener" in Norderstedt ausweichen. Hierüber hängen wir
aber lieber das Mäntelchen des Schweigens.
Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen machte ich mich dann als Mel zurecht und
wir verbrachten den Tag und Abend in Norderstedt. Nach einem Einkaufsbummel durch das kleine
örtliche Geschäftsviertel von Glashütte und Herold Einkaufscenter ging es dann am Nachmittag in ein
sehr gut besuchtes Gartencafe (Reinhardt) in Poppenbüttel.
Corona-Regeln und Hygienekonzept vorbildlich, der Service zuvorkommend und die Speisen /
Kuchenbuffet nebst Kaffee / Getränke waren sehr gut.
Und nein, wir bzw. ich schien von den anderen Gästen nicht sonderlich wahrgenommen oder kritisch
beäugt zu werden. Zwei, drei Blicke vielleicht, auch mal ein (wissendes ?) Lächeln anderer Frauen,
wenn sich Blicke trafen. Kann eventuell auch daran gelegen haben, dass wir beiden old fashion ladies
die Einzigen Damen in Rock bzw. Kleid im Gartencafe waren?!
Für den Abend ließen wir uns erneut auf eine Empfehlung des Hoteliers ein und da es uns nach einem
leckeren Stück Fleisch gelüstete - hier nun bitte keine Kritik seitens der Körner- und Gemüsefraktion,
jedem das Seine, wir sind doch wohl alle tolerant - wurde uns das Porterhouse in Norderstedt nahe
gelegt, zumal dieses neben einer erstklassigen Küche über einen großzügig angelegten Terrassen- und
Gartenbereich mit vielfältigen Sitzgelegenheiten verfügt! Und was sollen wir sagen, wir wurden nicht
enttäuscht!! Wir speisten vorzüglich, genossen den Abend bei lauschigen 24-°C und schlossen den
Laden dann leider bereits um 2200Uhr mit ab.
Den Sonntagmorgen schlief mein Schatz etwas länger, während ich mich etwas eher aus dem Bett
schälte, um mich bereits zum (Langschläfer-)Frühstück als Mel präsentieren zu können. Dies bedeutet
einen Vorlauf von ca. 1,5 h inklusive Duschen, Rasieren, Körperpflege, Schminken und anziehen.
Wir schlugen dann doch bereits gegen 1015Uhr im Frühstücksraum auf (Frühstück ist Sonntags von
0730 Uhr bis 1300Uhr möglich) und genossen ein ausgiebiges Frühstück inklusive Prosecco.
Auch wenn Corona bedingt kein großes Buffet dargeboten werden darf, tat dies dem Angebot keinen
Abbruch, es wird am Tisch serviert und Wünsche können jederzeit geäußert werden, lediglich die
Aufback-Brötchen sind u.E. dem Hause nicht würdig.
Nach dem Frühstück genossen wir noch etwas die Sonne auf der Hotelterrasse, Steffi verabreichte
den Kois im Teich noch einige Streicheleinheiten und narzisstisch wie Mel nun mal ist, forderte ich
meinen Schatz auf, doch einige Fotos von mir zu schießen. Okay, das Posing ist nun mal nicht meine
Stärke, aber ich arbeite dran.
Danach machten wir uns via S-Bahn von Ochsenzoll auf nach Hamburg, erstes Ziel waren hier die
St. Pauli Landungsbrücken. Ich hatte zuvor online das Sommerticket des HVV gebucht, dies gilt
24 Std für alle öffentlichen Verkehrsmittel (S-/U-Bahn, Bus) innerhalb Region1-2 und ist für 4,90€
je Erwachsenen eine absolute Empfehlung, gerade in Anbetracht von Parkplatznot und P-Gebühren.
Die knapp 45-minütige Fahrt mit der U-Bahn verlief unspektakulär, wenngleich eine ziemlich
schweißtreibende Angelegenheit in Anbetracht der Temperaturen und dem aufgesetzten Schnutenpulli.
Die anderen Fahrgäste nahmen keine Notiz von uns.
Bei den an diesem Sonntag sehr gut besuchten Landungsbrücken enterten wir dann gleich eine der
Barkassen und machten - auch hier mit Mund-/Nasenschutz versehen - eine kurzweilige, gut
einstündige Hafenrundfahrt nebst Speicherstadt.
Im Anschluss flanierten wir noch ein kleines Stück auf den Landungsbrücken, um uns dann
wieder zum S-/U-Bahnhof zu begeben, nun mit dem Ziel, uns endlich mal die grüne Lunge
der Hansestädter anzusehen, Planten un Blomen!
Ein absolut empfehlenswertes und lohnendes Ziel, wir haben den Park von Nord nach Süd wie
auch Ost nach West durchlaufen. Er war an diesem schwül-warmen Sonntag gut besucht, aber
die Abstandsregeln wurden auch auf den Liegewiesen / Ruhezonen weitestgehend eingehalten.
Der Nachmittag im Park ging mit einem Besuch des Cafe Schöne Aussicht (?) mit einem
erfrischenden Kaltgetränk zu Ende.
Gegen 1800Uhr fuhren wir mit der Bahn zurück ins Hotel nach Norderstedt, um nach diesen - gerade
für meine noch sehr angeschlagene Frau - wirklich fordernden Strecken noch etwas die Beine hochzulegen.
Nachdem wir uns etwas erholt und aufgehübscht hatten, begaben wir uns zum Abendessen in ein
uns schon bekanntes Steakhaus (Elrado) und ließen den Abend im dortigen Wintergarten ausklingen.
Am nächsten Morgen traten wir nach dem Frühstück gegen 1100Uhr die Heimreise an.
Meine Frau wie auch ich waren uns einig, dass uns dieses Wochenende - trotzt Corona und all
der damit einhergehenden Einschränkungen und Schutzmaßnahmen (Masken) - unwahrscheinlich
gut getan hat und Balsam für die Seele war.
Wir hoffen, das bald wiederholen zu können, haben aber auch Tagesausflüge für die nächste Zeit ins
Auge gefasst.
Gegebenenfalls werde ich dann auch davon berichten... denn damit wollen wir den noch Ängstlichen
und Zögernden hier Mut machen und zeigen, wie einfach es sein kann und tolerant unsere Gesellschaft ist!
Wir dürfen uns auf dem Erreichten aber nicht ausruhen, gerade auch, weil es wieder Tendenzen durch
rückwärtsgewandte Gruppierungen und Interessenverbände gibt, die uns den Stempel einer nicht akzeptablen
Spezies aufdrücken wollen.
Habt einen erholsamen Sonntag und liebe Grüße
Mel