Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"
Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht" - # 2

zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Andrea K
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 16 im Thema

Beitrag von Andrea K »

MichiWell hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 07:45 Andere kommentarlos auf die Schleimspur der rechten Ideologie zu lenken, halte ich für keine gute Idee! :(
Das ist Deine Sicht der Dinge, dass heißt nicht das andere Menschen automatisch das auch so sehen müssen.

Jeder kennt den Spruch "Die Intoleranz der Toleranten" oder den Begriff "Meinungsdiktatur" - durch einseitige Sichtweise liefert man den lautesten Schreiern doch erst die Munition. Lesen resp. hören, nachdenken, ruhig und sachlich argumentieren und versuchen zu überzeugen. Es gelingt in vielen Fällen nicht. Jeder verharrt auf seinem Standpunkt, schaut nicht links und schaut nicht rechts.

Einen Artikel in den Medien kommentiert weiterzugeben ist schon Beeinflussung, den/die Leser/in auf das Kommende einstimmen... lenken... manipulieren.

Ich habe etwas Erfahrung wie die Spiel läuft. Seit 4-½ Jahren betreibe ich eine Informationsseite, täglich mit allerlei Nachrichten und interessanten Themen gefüttert die zu Ort und Umland passen. Es sind Beiträge dabei, die von mehreren zehntausend Menschen aufgerufen werden. Spitzenwert war einmal über 65.000 "unique users", so wird es in der Statistikauswertung genannt. Wie sehr man Leser/innen steuern kann weiß ich aus eigener Erfahrung. Ob ein sachlicher Polizeibericht der Wort für Wort übernommen wird, der Pressemitteilung aus dem Rathaus und der Kreisverwaltung, oder aber freie Themen die aktuell von Interesse sind... man kann lenken. Das sieht man an Reaktionen ähnlich wie bei Facebook oder an den Kommentaren. Auf meiner Informationsseite muss sich niemand anmelden, jedem steht es frei zu reagieren und zu kommentieren - oder auch nicht. Damit gehe ich auch ein Risiko ein verbal angegriffen oder beleidigt zu werden. Aber alles halb so wild - bislang waren es vielleicht zehn Fälle in der Zeit. Maulhelden waren es eben, die bald verstummten und ihre Drohungen nicht wahr machten. Geholfen hat dabei fast immer der gesunde Menschenverstand anderer Leser/innen, die sich auch zu Wort meldeten.
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 09:09 Als selbst Betroffene können wie eigentlich nur mit Toleranz und Zurückhaltung reagieren; eigene Räume für Transpersonen wird es in absehbarer Zukunft wohl eher nicht geben. Da müssen sich halt alle ein wenig an die Gegebenheiten der Gesellschaft anpassen; ist meine persönliche Meinung und die gegebenen eigenen Freiräume nutzen. Ich lebe für mich als Ulrike, habe aber keine rechtliche Namensänderung mit Rücksicht auf meine Frau und auch keine GAOP, also halte ich mich zurück. Fordern kann ich vieles, ob das auch genehmigt wird, entscheiden nun mal unsere gewählten Repräsentanten in der Demokratie, in der wir leben.
Danke! Du hast es für mich auf den Punkt gebracht! Ich lebe genau in einer Situation wie Du. Nicht nur Toleranz einfordern, selbst tolerant sein. Sich anpassen, eingliedern, keine Sonderstellung fordern. Das funktioniert einfach nicht. Mit Rücksicht auf meine Frau, die mittlerweile volljährigen Kinder, Verwandschaft und Bekanntschaft halte ich es genauso wie Ulrike-Marisa - keine rechtliche Namensänderung, keine GAOP. Alles bleibt wie es ist.

Vor etlichen Jahren, es muss noch in dern 1990er-Jahren gewesen sein, hatte ich mit der Autorin eines Buches eine Zeitlang eMail-Kontakt. Sie hatte ihren Lebensweg in Worte gefasst und verlegen lassen. Ein Lebensweg, nicht unähnlich von denen die hier im Forum regelmäßig zu lesen sind. Ein Lebensweg den ich persönlich nicht bereit bin zu gehen.

Kurzfassung:
Irgendwann festgestellt, dass da noch etwas anderes ist, Verkleidungsspiele, sexuelle Erfüllung, Wunsch nach mehr. Der schwere Gang durch die Instanzen, der einjährige "Alltagstest", Hormonersatztherapie bis hin zur GOAP.

Das Resultat erschütternd:
Familie verloren, Freundeskreis nicht mehr vorhanden, Arbeit verloren, finanziell ruiniert, Obdachlosenunterkunft - das einzige was noch von etwas Wert war: der Stapel unverkaufter Bücher, den ihr der Verlag hatte zukommen lassen.

Jeder Mensch muss seinen Weg finden, besonders wir sollten uns jeden Schritt genau überlegen. Nicht nur das Optimieren des eigenen körperlichen Wohlbefindens darf ausschließlich im Vordergrund stehen. Familie, Freunde und Bekannte, dass gesamte soziale Umfeld, die berufliche Zukunft, finanzielle Sicherheit - alles ist für unser Leben von Bedeutung. Wir sind soziale Wesen, für ein Leben in Einsamkeit sind die wenigsten geschaffen.

Anpassen, Tolerant sein, sich andere Meinung anhören ohne gleich an die Decke zu gehen, sich arrangieren können. Das ist eine Idealvorstellung.

Sich arrangierten können, dazu habe ich eben durch Zufall ein schönes Beispiel gefunden: Unser Kater - ein Freigänger - mag es nicht, wenn der Saugroboter in der unteren Etage seine Runden dreht. Anfangs ist er sofort nach draußen gestürmt, nun liegt er auf der zweiten Treppenstufe und beobachtet das seltsame Gefährt auf seinem Weg durch die Räume. Der Kater hat erkannt, dass das lärmende Ding nicht Treppen steigen und ihm gefährlich werden kann. Er läuft nicht mehr weg, sondern beobachtet das Ding von erhöhter Warte. Katerchen hat sich mit dem für ihn unheimlichen Apparat arrangiert. Man muss nicht alle oder alles lieben, aber man kann damit leben.

Das ist meine Sicht auf Dinge - andere sehen es vielleicht anders. Und das ist auch gut so. Zuhören, akzeptieren das andere Menschen andere Meinungen haben. Man ist nicht gezwungen sie sich zu eigen zu machen, aber man sollte zumindest in der Lage sein sie zu tolerieren.

Bleibt gesund!
Jaddy
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 17 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Petra Sofie hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 08:52Leider gibt es aber auch Gruppierungen in der Frauenbewegung ( die nicht mit der rechten Szene im Sinn hat ) die uns MzF auch nicht haben wollen. Die sich durch ein Eindringen in Frauenschutzräume bedroht fühlen. Die Bedenken sind nicht von der Hand zu weisen.
Doch, sind sie. Nämlich indem immer wieder aufgezeigt wird, wo sexualisierte Gewalt her kommt: Von selbsterklärten Männern. Und dass es nicht um Sex dabei geht, sondern um Macht und Selbsterhöhung der Täter. Dass transweibliche Personen ein vielfach höheres Risiko haben, eben weil zu der alltäglichen Gefahr der Faktor - sorry, slur: - "Trap" kommt, wenn sie von Männern "enttarnt" werden.

Der Fall Karen White ist gar nicht mal so einfach zu finden. Und er ist meines Wissens ein ziemlicher Einzelfall. Weltweit! Es gibt einfach keine Fälle, in denen Gewalttäter(!) sich als Frauen verkleiden, um Frauen zu attackieren. Das brauchen sie auch nicht, weil die sonstigen Möglichkeiten quasi unbegrenzt sind.

Dagegen gibt es täglich zig Gewalttaten pro Land(!) gegen trans und andere gender non-conforming Personen.
Petra Sofie hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 08:52Vor Allem aber müssen wir Transleut uns endlich mal auf eine einheitliche Marschrichtung einigen. Die Lesben und Schwulen haben es besser hingekriegt als wir bisher.
Aber ganz und gar nicht. Weder, noch.

"Die Lesben und Schwulen" ist meiner Beobachtung nach schon falsch. Sichtbar, hörbar und mit Einfluss waren seit der GLF in den USA immer nur ein paar Schwulengruppen - die alle anderen übertönt und unsichtbar gemacht haben. Auch und vor allem trans Personen. Der ganze CSD Rummel wird als "Schwulenparade" wahrgenommen und als weisse dazu, dabei waren die Initiator"¢innen hauptsächlich trans bzw gnc Personen und nicht weiss. Siehe "Screaming Queens", die Doku über die Riots in San Francisco 1966 und die wirklichen Dokus über die Stonewall Inn Riots 1969. Selbst in Spielfilmen über Stonewall wird die Geschichte falsch dargestellt. Marsha P. Johnson und Sylvia Riviera waren keine schwulen Männer und wurden sehr dafür angegriffen, für trans Personen die gleichen Rechte einzufordern und das Rausdrängen von trans Personen aus den aktivistischen Gruppen sowohl durch (schwule) Männer als auch durch Feminist"¢innen anzuprangern.

Auch hier in D wurden beim Stichwort "LGBT" (auch noch ohne QIA*) Jahrzehnte lang quasi nur schwule Männer thematisiert, gehört bzw sind überhaupt in die Öffentlichkeit gelangt.

Aber einheitlich war das auch nie. Es gab und gibt heftigsten Streit auch innerhalb schwuler (und lesbischer) Gruppen, wie angepasst oder schrill, wie bürgerlich oder wie extravagant Aktivismus sein darf. Bei jedem CSD wieder. Wer darf mit, wer wird noch so gerade akzeptiert.

Ich bin seit 1997 bei vielen CSD Demos dabei gewesen und habe mich immer mehr geduldet gefühlt. Auch seitdem ich die Historie besser kenne. Möglicherweise besser als einige der immer noch sehr dominierenden Schwulengruppen.

Nach 2001 sollten "die schrillen" leiser sein, denn jetzt habe man ja die eingetragene Partnerschaft. Nach 2017 nochmal stärker, denn nun habe man ja die Ehe. Bloss nicht auffallen. Da wird von vielen zufrieden nur bis zum eigenen Gartenzaun geguckt und ignoriert, dass dahinter noch jede Menge Menschen Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt sind, weil sie trans sind oder sonstwie nicht ins Bild kleinbürgerlicher Schwulenidentität passen.

Siehe auch die Outing-Aktion von Rosa von Praunheim. Sehr problematisch, aber bedenkenswert und zweifellos mit ziemlich positivem Einfluss auf die Akzeptanz.

tl;dr
1. es gab nie eine einheitliche Bewegung von Schwulen und Lesben, sondern maximal einen medial besonders dominanten schwulen Kern, der alles rausdrängte, ignorierte, unsichtbar machte und unter den Bus warf, was nicht ins saubere Bild passte.

2. Es gibt keine reale Bedrohung durch "verkleidete Männer" in Frauenschutzräumen, sondern im Gegenteil werden trans Personen durch ihr höheres Gewaltrisiko plus Ausgrenzung aus Schutzräumen mehrfach benachteiligt. Mit entsprechenden Folgen.

3. Rechts ist, wer rechtes denkt/tut. Und essentialistische Vorurteile sind zum einen faktischer Blödsinn, zweitens feindlich gegenüber allen gnc Vorstellungen inkl trans und drittens stets Kern jeder rechten Ideologie.
Ulrike-Marisa
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 18 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Hallo,
@ Christine

...mein Erlebnis auf der Damentoilette bei dem Gewerkschaftskurs zeigt aber doch ganz deutlich, wie die Bedrohungslage vielleicht nur einzelner?? Biofrauen gegenüber Transfrauen eingeschätzt wird. In diesem Fall war ich ganz normal gekleidet, wie auf meinen Fotos im Forum im Alltag ersichtlich ist. Und trotzdem...
Verstanden habe ich die Reaktion damals nicht und habe das auch im Kurs mit anderen Teilnehmerinnen angesprochen. Diese zeigten Verständnis für mein Handeln, aber äußerten sich doch auch verstehend zu der möglichen Einschätzung der Gefahr durch die andere Kursleiterin. Sie sagten, dass es eben schon eine besondere Situation wäre, wenn ich als Transfrau auf die Damentoilette gehe und das halt nicht von allen Frauen so einfach akzeptiert würde.

Gruß, Ulrike-Marisa :wink:
Anne-Mette
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 19 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin aus dem hohen Norden (888)
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 12:25 aber äußerten sich doch auch verstehend zu der möglichen Einschätzung der Gefahr durch die andere Kursleiterin. Sie sagten, dass es eben schon eine besondere Situation wäre, wenn ich als Transfrau auf die Damentoilette gehe und das halt nicht von allen Frauen so einfach akzeptiert würde.
Ich denke: Als Kursleiterin habe ich eine gewisse Verantwortung und es sollte von mir erwartet werden können, dass ich mich auch auf Menschen einstellen kann, die nicht genau so wie ich sind oder ticken. Sie reagiert nicht nur verletztend, sondern fast hysterisch.

Gruß
Anne-Mette
Marlene K.
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 20 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Jaddy hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 10:50 ...
Marsha P. Johnson und Sylvia Riviera waren keine schwulen Männer und wurden sehr dafür angegriffen, für trans Personen die gleichen Rechte einzufordern und das Rausdrängen von trans Personen aus den aktivistischen Gruppen sowohl durch (schwule) Männer als auch durch Feminist"¢innen anzuprangern.
...
Liebe*r Jaddy,
ich folge Deiner Analyse weitgehend. Mit diesem Satz begibst Du Dich aber auf dünnes Eis. Ich denke, dass es in wenigen Ländern diesen angenommenen absoluten Gegensatz von schwulen Männern und heterosexuellen TransFrauen gibt. Ich denke, Marsha P. Johnson und Sylvia Riviera haben sich als Männer begehrende Menschen nicht in die Schubladen Drag Queen, Transfrau oder Tunte sperren lassen.

Sie waren schwule Männer, heterosexuelle Frauen und alles das auf einmal...

Dein Kommentar ist sehr von der westdeutschen Sicht her gedacht ...und trotzdem sehr gewinnbringend.
Danke dafür
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Ulrike-Marisa
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 21 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin @ Anne-Mette,

...damals habe ich auch so gedacht, wie du geschrieben hast, wie meine Erwartungen der anderen Frau gegenüber meinerseits waren, zumal das eine Gewerkschaftsschulung war. Da war ich schon ganz schön entsetzt und bringe immer wieder in unseren Gruppentreffen dieses Erlebnis zur Sprache, wenn es passt; du kennst es ja. Gott sei Dank war das bisher ein Einzelfall und ich habe so etwas in der form nicht wieder erlebt; mal ein neugieriger Blick, mehr nicht ist sonst so meine Erfahrung auf Damentoiletten heute. Ich denke, dass es ganz natürliches menschliches Verhalten ist, andere unbekannte Menschen, die sich in unmittelbarer Nähe zu mir befinden aus innerem Schutzbedürfnis zumindest im Auge zu behalten. Da kommt eben doch der Steinzeitliche Mensch in uns zum tragen. (nun ist es aber gut zu diesem Vorfall)

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:
Jaddy
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 22 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 13:10Ich denke, Marsha P. Johnson und Sylvia Riviera haben sich als Männer begehrende Menschen nicht in die Schubladen Drag Queen, Transfrau oder Tunte sperren lassen.
Da hast du recht. Keine Ahnung wie sie sich heute, 50 Jahre später mit ganz neuen Begriffen, neuen und veränderten Konzepten verorten würden.
ExuserIn-2020-10-20
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 23 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Jaddy deine Geschichtlektion ist nicht schlecht, aber betrachte doch die heutige Situation von außen.

Wir sind die Ausnahme die bekanntlich die Regel bestätigt. Prozentual gesehen sind wir eine recht kleine Gruppe, gegenüber der Masse.

Die Schwulen und Lesben haben es wahrscheinlich nur deshalb besser im Griff, weil sich niemand das Gehirn verrenken muß.
Mann bleibt Mann und Frau bleibt Frau, das ist auch deren Zielsetzung. Selbst dann wenn so mancher Mann wie ganz lapidar ausgedrückt rumläuft wie eine Tunte, was auch immer man sich darunter vorstellen mag. Bei den Lesben ist es ähnlich, rennen rum wie die Holzfäller. Alles Klischee. Trotzdem, Mann bleibt Mann und Frau bleibt Frau. Die dürfen auch heiraten, Mann heiratet Mann, Frau heiratet Frau. Ganz einfach und für jeden mehr oder weniger nachvollziehbar.

Jetzt beginnt das Drama. Da kommt ein Mann daher und behauptet eine Frau zu sein. Schwierig. Nichts paßt in das "normal" geschaltet Gehirn.

Alles erlernte wird über den Haufen geworfen, da stehe ich doch auf verlorenen Posten, da kann ich doch nicht verlangen, daß er mich sofort als Frau zu behandeln hat.

Darum: " Fordere ich lediglich die gleiche Hochachtung ein, die mein Gegenüber allen anderen Menschen sonst auch entgegenbringt." Das ist das Grundrecht um das es geht, das ein Zusammenleben ermöglicht " Alle herabwürdigungen haben zu unterbleiben. Auwei das allein ist für große Teile der Allgemeinheit ein harter Brocken.

Plötzlich liegt nach langen Jahren der Ehe, ein im Krankenhaus zur Frau gewordener ehemaliger Ehemann neben ihr im Bett.
Wenn das kein Gefühlschaos ist dann weiß ich nicht was Chaos ist. Das zu verstehen, und wirklich als Normalfall anzusehen, das braucht noch einige Generationen, bis das wieder gängiges Kulturverständnis geworden ist. ( Zwangschristianisierung hat es abgeschafft )

LG
Petra Sofie
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 24 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...Petra-Sofie, du hast es auf den Punkt gebracht, was das Dilemma in unserer Situation als de Betroffene ist. Wir passen einfach nicht ins Steinzeitschema.
Die Welt ändert sich aber schnell, das Gehirn des Menschen aber nur in Zeitlupe, so wird es noch lange dauern, bis so ein Zustand normal sein wird. Bei aller Toleranz, wenn ich ein gleichgeschlechtliches Paar sehe, schaltet mein Gehirn zunächst auf Steinzeit und dann erst auf einen gedankenorientierten modernen und verstehenden Modus. Ich glaube, das ist normal.

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:
Jaddy
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 25 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Petra Sofie hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 14:01Die Schwulen und Lesben haben es wahrscheinlich nur deshalb besser im Griff, weil sich niemand das Gehirn verrenken muß.
Mann bleibt Mann und Frau bleibt Frau, das ist auch deren Zielsetzung.
Ich verstehe den Gedanken und das mag bei vielen so funktionieren. Das ist allerdings noch vergleichsweise neu. Wowereits Spruch war 2001. Vor 20 Jahren war das noch ein Ding. Dass wir seit 2009 durchgehend immer mindestens ein"¢e homosexuelle Minister"¢in im Bundeskabinett haben, ist heute kaum noch einen Gedanken wert. Aktuell mindestens zwei. Vor 20 Jahren war das noch undenkbar, aber 17 Jahre später waren 75% der Leute hier für die "Ehe für alle".

Auf der anderen Seite könnte ich genauso vereinfachend darstellen, dass trans viel "natürlicher" ist, also natürlich nur mit OP und allem, so dass Männer eben wie Männer aussehen und Frauen wie Frauen und dann auch wieder Männer Frauen heiraten, wie sich das laut <insert beliebiges religiöses Konzept> gehört. Sozusagen die "iranische Sicht", die gleichgeschlechtlichen Paaren nur den Ausweg lässt, dass eine Person zwangstransitioniert.

Egal wie: Es gibt so Menschen mit strikten Vorstellungen, wie die Welt und andere Menschen zu sein haben. Das wird sich nicht komplett ändern. Verbessert hat sich allerdings trotz aller Rückschläge und anhaltenden Diskriminierungen, ob und wie stark sie damit durchkommen. Und zwar nicht durch still halten, unscheinbar sein, bloss nicht anecken. Und auch nicht, indem andere unter den Bus geworfen werden in so einer Art gesellschaftlichem trolley problem.

Ich folge auch nicht dem Appeasement oder der Apologetik a'la AKK, man müsse das langsam und behutsam machen und die Leute mitnehmen. Wir sind zwei ganze Generationen _nach_ Stonewall und 100 Jahre nach Magnus Hirschfeld und den ersten offiziell anerkannten trans Personen in D (Berlin in den 20ern). Dieses langsam und behutsam läuft am Ende auf nirgendwann hinaus, wie beim TSG zu sehen. Da passiert wie bei vielen anderen Themen viel zu wenig und zu langsam. Und auch das nur, weil "wir" uns selbst kümmern. Life ist what happens, while you're waiting for better people?

Die Leute haben sich innerhalb von 20 Jahren nicht nur an gleichgeschlechtliche Lebenpartnerschaften und sogar die Ehe gewöhnt, sondern auch an Google und gelbe Säcke, an Smartphones und Dosenpfand, zig neue Anglizismen und nun an Pandemieschutz und Homeoffice. Das bisschen Respekt und einfach normalen Umgang, damit trans Personen einfach wie alle anderen leben können, ist ja im Vergleich dazu wirklich nicht zu viel verlangt.
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 26 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-07-25 »

Ulrike-Marisa hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 12:25 Hallo,
@ Christine

...mein Erlebnis auf der Damentoilette bei dem Gewerkschaftskurs zeigt aber doch ganz deutlich, wie die Bedrohungslage vielleicht nur einzelner?? Biofrauen gegenüber Transfrauen eingeschätzt wird. In diesem Fall war ich ganz normal gekleidet, wie auf meinen Fotos im Forum im Alltag ersichtlich ist. Und trotzdem...
Verstanden habe ich die Reaktion damals nicht und habe das auch im Kurs mit anderen Teilnehmerinnen angesprochen. Diese zeigten Verständnis für mein Handeln, aber äußerten sich doch auch verstehend zu der möglichen Einschätzung der Gefahr durch die andere Kursleiterin. Sie sagten, dass es eben schon eine besondere Situation wäre, wenn ich als Transfrau auf die Damentoilette gehe und das halt nicht von allen Frauen so einfach akzeptiert würde.

Gruß, Ulrike-Marisa :wink:
Ich muss zugeben ich hätte warscheinlich ähnlich reagiert, bzw nicht direkt geschrien aber doch eher mit einer Abneigung. Ich habe ja nix gegen andere Trans Menschen, aber wenn da ein offensichtlicher "Kerl" in meinen "Schutzraum" rennt würde ich mich auch Unwohl fühlen. Wenn ich auf der Toilette bin oder so will ich keine fremden Männer sehen, dass sie mich sehen oder etwas was männlich aussieht. Da würd ich mir schon vorkommen als wär ich im falschen Film.

Da liegt aber der Knackpunkt.. viele können nichts für Ihr Aussehen/Passing. Gibt TS die gehen ganz normal auf Klo und werden für cis gehalten und alles is gut. Und dann gibts so TS die einen eher in Unbehagen versetzen. Ich habe keine Lösung für das Problem, mich betrifft es auch nicht wirklich. Wollte nur meine Meinung schreiben wie ich mich fühlen würde.. also Verständis für die Kursleiterin, aber auch Verständnis für dich dass du es nicht einfach hast und als Transfrau auch auf die richtige Toilette gehen willst, am besten ohne solche Vorfälle.
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 27 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Delfinium hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 15:37 Und dann gibts so TS die einen eher in Unbehagen versetzen.
OHA - das versetzt mich in Unbehagen - und nicht nur "eher". Die Äußerung möchte ich ausdrücklich missbilligen. Es ist ja schön, wenn Du Dir auf Dein Aussehen und Passing etwas einbilden kannst, aber äußere es bitte nicht in dieser Form.
Es mag auch daran liegen, dass ich Ulrike und ihr Auftreten näher kenne, aber "Unbehagen-Auslösendes" habe ich bei sämtlichen Begegnungen, bei denen ich sie getroffen habe, nicht erlebt - auch nicht bei Menschen, die mit transsexuellen und intersexuellen Menschen sonst nichts zu tun haben.
Im Gegenteil: wenn ich später Leute getroffen habe, so haben sie (ohne dass ich gefragt habe) sich immer sehr lobend und anerkennend über sie geäußert.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 28 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin Delfinium,
Delfinium hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 15:37 Ich muss zugeben ich hätte warscheinlich ähnlich reagiert, bzw nicht direkt geschrien aber doch eher mit einer Abneigung. Ich habe ja nix gegen andere Trans Menschen, aber wenn da ein offensichtlicher "Kerl" in meinen "Schutzraum" rennt würde ich mich auch Unwohl fühlen. Wenn ich auf der Toilette bin oder so will ich keine fremden Männer sehen, dass sie mich sehen oder etwas was männlich aussieht. Da würd ich mir schon vorkommen als wär ich im falschen Film.
...da haben wir es wieder, das steinzeitliche Schubladendenken, so eine Bemerkung trifft mich schon, wenn du davon sprichst, so ein Kerl in meinem Schutzraum. Dann schau dir mal die Bilder und mein Passing im Forum an im Thema: was tragt ihr heute... Toleranz sieht anders aus... :(
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 29 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-07-25 »

Ulrike-Marisa hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 16:00 Moin Delfinium,
Delfinium hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 15:37 Ich muss zugeben ich hätte warscheinlich ähnlich reagiert, bzw nicht direkt geschrien aber doch eher mit einer Abneigung. Ich habe ja nix gegen andere Trans Menschen, aber wenn da ein offensichtlicher "Kerl" in meinen "Schutzraum" rennt würde ich mich auch Unwohl fühlen. Wenn ich auf der Toilette bin oder so will ich keine fremden Männer sehen, dass sie mich sehen oder etwas was männlich aussieht. Da würd ich mir schon vorkommen als wär ich im falschen Film.
...da haben wir es wieder, das steinzeitliche Schubladendenken, so eine Bemerkung trifft mich schon, wenn du davon sprichst, so ein Kerl in meinem Schutzraum. Dann schau dir mal die Bilder und mein Passing im Forum an im Thema: was tragt ihr heute... Toleranz sieht anders aus... :(
Mit der Aussage warst du nicht direkt gemeint also falls du dich verletzt fühlst tut es mir leid... anders gesagt, für außenstehende wirken manche TS wie "irgendein Kerl in Frauenkleidern", nicht du, aber viele. Das ist doch nicht von der Hand zu weisen dass manche TS Reaktionen auslösen, und manche nicht. Abhängig davon wie "Kerlig" sie wirken. Das ist die Realität, und die Reaktion der Kursleiterin zeigt doch dass ein Unbehagen vorhanden ist bei manchen Menschen, nicht jeder sagt etwas, aber viele denken es sich.

Meine eigene Mutter hat selbst nachdem sie Jahre lang wusste dass ich TS bin gesagt ich würde mich ja "nur verkleiden" ich wäre ein "Kerl in Frauenkleidern". Mein bester Freund hat sich abgewendet, war im wohl peinlich mit mir gesehen zu werden. Das ist Realität die auch ich durchgemacht habe. Und jetzt wo ich nichtmehr "erkannt" werde und wie jede andere Frau aufs Klo gehe, mich unterhalte, was unternehme, mein Leben lebe, kann ich verstehen wie sich außenstehende fühlen wenn sie aufeinmal damit konfrontiert werden. Ich habe kein Kontakt zu anderen TS im echten leben, ich werde damit halt auch nicht konfrontiert und bin es nicht gewohnt mit anderen TS zusammen zu sein. Für viele hier ist das bestimmt das normallste der Welt, aber es gibt auch Menschen da draußen die dazu keinen Kontakt haben und ja da kann ich das Unbehagen nachvollziehen.

Falls ihr mich lynchen wollt ich bin bereit, rammt mir ein Messer ins Herz für meine ketzerischen Aussagen (ich bins ja schon von der vergangenheit gewohnt)
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Re: Transgender: Besonders betroffen ist das „schwache Geschlecht"

Post 30 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Delfinium hat geschrieben: Mi 22. Jul 2020, 16:25 Falls ihr mich lynchen wollt ich bin bereit, rammt mir ein Messer ins Herz für meine ketzerischen Aussagen (ich bins ja schon von der vergangenheit gewohnt)
Wenn Du kritische Antworten gleich so interpretierst, frage ich mich, was Du hier willst.
So ganz nebenbei: wir sind in der "Zeit ohne Delfin" eigentlich auch ganz gut zurechtgekommen.
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