Moinsen ihr Lieben
ich versuche mal, auf eure Fragen und Beiträge einzugehen, da ist ja einiges zusammen gekommen...
Eins vorweg, ich komme bei manchen Beiträgen auch nicht mehr hinterher. Von mir aus kann gerne alles geschlechtliche wissenschaftlich in Grund und Boden diskutiert werden. Dem muss ich ja dann aber nicht folgen...
!EmmiMarie! hat geschrieben: Fr 10. Jan 2020, 15:25
Ich habe mit meiner Mutter und meiner Schwester früher gebadet und keine von uns
kam jemals an den Rand eines Schamgefühls-warum auch, die haben mir und ich ihnen
nichts abgeschaut...und genauso hat es mir meine Mutter vermittelt.
Innerhalb der Familie fände ich das auch merkwürdig. Davon war auch nicht die Rede. In einer Familie gibt es ja auch keine sexuellen Begehrlichkeiten untereinander, und falls doch, sollte man sich schnellstens Hilfe suchen.
Ich meinte das in Bezug z.B. auf den Schulsport (das erwähnte ich auch in meinem Beitrag). Da möchten sich die Mädchen von den Jungen abgrenzen, was auch völlig natürlich ist.
Nicole Doll hat geschrieben: Fr 10. Jan 2020, 15:53
Und das kommt jetzt auch durch die bedrohlichen Szenarien des Klimawandels immer mehr in unser Bewusstsein. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Bei den einen kriselt es immer mehr in der Ehe, wenn es um den Nachwuchs geht. Da werden oft gesundheitliche Gründe vorgeschoben. Andere versuchen es gleichgeschlechtlich oder lehnen ihre biologisch zugewiesene Rolle ab.
Das ist z.B. so ein Beitrag. Plötzlich sind wir beim Klimawandel? Mich würde jetzt interessieren wo du dieses "Wissen" hernimmst?
So weit ich weiß hast du doch in dieser Hinsicht keine Erfahrungen gemacht? Oder doch? Also Beziehungen, Kinderwunsch, meine ich, nicht den Klimawandel
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Fr 10. Jan 2020, 16:04
Trotzdem denke ich, dass Jaddy völlig Recht hat: Die sogenannte "Geschlechterdichotomie" be_hindert uns alleine schon dadurch tatsächlich, dass sie ein "Introjekt" [1] ist, das unsere Wahrnehmung soweit "vernebelt", dass wir alles, was sich geschlechtlich jenseits dieser Dichotomie abspielt, nur noch als "Pathologie" und "Leiden" wahrnehmen können. Warum z.B. kann "Trans" eigentlich nicht als ein Geschenk empfunden werden, sondern immer nur als "Leiden", "Konflikt" oder gar "Krankheit"?
Öhm, ich nehme das ganz und garnicht als pathologisch oder Leiden wahr. Und meine Umwelt auch nicht. Im Gegenteil. Ich werde dann von neuen "Bekannten" eher als etwas Besonderes gesehen und mir wird viel positives Interesse entgegen gebracht.
Ich habe viel eher den Eindruck, das die "Vernebelung" auf unserer Seite zu Hause ist. Unsere Wahrnehmung in Bezug auf das Geschlecht ist eine ganz andere, als sie die meisten Menschen haben.
Irgendwie wird immer "übersehen" das wir nicht die Mehrheit der Menschen darstellen. Die Mehrheit hat sich zeitlebens nicht mit dem Geschlecht auseinandersetzen müssen. Für sie passt einfach die Einteilung in männlich und weiblich. Die finden sich im Normalfall zusammen und wenns gut klappt gibt es eventuell auch Nachwuchs. Aber das ist ja dann die biologische "Karte" die man nicht "spielen" darf.
Blöderweise allerdings die einzige mit einem finalen Endpunkt, nämlich neuem Leben. Nicht wegzudiskutieren. Männlich + Weiblich = Neues Leben. Nicht immer aber immer öfter.
Die Einteilung hat die Natur so vorgenommen. Aber wenn man gegen ein Argument nicht ankommt...
Es gibt natürlich unendlich viele Normvarianten. Das weiß und sehe ich.
Sie stellen aber eine Ausnahme dar. Wer da eine Trennung der Geschlechter als Behinderung ansieht, hat wohl selber Nebel vor den Augen...
Jaddy hat geschrieben: Fr 10. Jan 2020, 16:09
ja, es funktioniert für die meisten. So wie Religionen, Telefone oder Fussball spielen. Heisst das jetzt, dass auch Menschen gezwungen werden dürfen, Religionen zu huldigen, zu telefonieren oder Fussball zu spielen, auch wenn es ihnen nichts gibt, sie es nicht brauchen oder geradezu davon angewidert sind?
Ich habe kein Problem damit, dass andere sich binär verorten, so wenig wie ich ein Problem habe, dass sie Fussball spielen oder religiös sind. Ich verwahre mich nur dagegen, dass ich das soll.
Hört sich an, als hättest du diesbezüglich schon reichlich schlechte Erfahrungen gehabt. Das tut mir leid. Das du das sollst hat auch niemand gesagt.
Es gibt ja nun zum Glück die Möglichkeit, sich nicht mehr binär verorten zu müssen, auch ganz offiziell. Sicher wird dein Standtpunkt diesbezüglich von vielen nicht verstanden, kann ich mir denken. Da die meisten nun mal in der binären Geschlechterwelt "zu Hause" sind. Das ist sicher mitunter frustrierend...
Jaddy hat geschrieben: Fr 10. Jan 2020, 16:09
Beim Schamgefühl im Sinne einer Geschlechtertrennung kenne ich keinen seriösen Nachweis, dass da irgendwas natürliches dran ist. Jede Kultur, die das anders handhabt wäre ein passendes Gegenargument, und das finde ich sicher eher, als mir jemand einen Beweis über genetisch/neurologisch begründete Gendertrennung liefern kann.
Seriöser Nachweis? Was erwartest du? Ich glaube nicht dran, bis ich auf Wiki davon gelesen habe?
Es ist ein normaler biologischer (oops, die Bio-Karte) Prozess der Entwicklung eines Kindes. Ich beziehe mich hierbei auf unsere Kultur. Warum sollte man mit irgendwelchen Buschvölkern argumentieren, die zu uns überhaupt keinen Bezug haben? Weiter oben sprach jemand von Affen... Mir fällt jetzt ein, das Spinnenweibchen ihre Männchen (oha, schon wieder Geschlechtertrennung) nach der Befruchtung häufig töten und fressen. Ihr fragt euch was das mit dem Thema zu tun hat? Richtig, garnix! Das sind an den Haaren herbeigezogene Argumente.
Hier in Deutschland laufen wir nicht das ganze Jahr über Nackig durch die Straßen, die meisten von uns hätten dabei nämliich so eine Art Schamgefühl?
Sahara65 hat geschrieben: Fr 10. Jan 2020, 17:14
Selbst ich wurde von meiner Psychologin angehalten mich vor meinen Kindern zu schämen. (im übertagenen Sinne)
Ich soll mich stets und ständig bedeckt halten " weil man ja mit Busen und Penis zugleich " nicht klar kommt .....
Ja seit dem schäme ich mich vor meinen Kindern wegen meiner Äußerlichkeiten :/
Also damit haben meine Kids und ich nun garkein Problem. Ich möchte innerhalb meiner Familie nicht solche Grenzen ziehen. Was würde ich meinen Kindern denn damit vermitteln? Das mein Körper irgendwas "komisches" ist? Nee, die wissen wo ich "herkomme" und die gehen auch ganz nochmal damit um.
Christiane hat geschrieben: Fr 10. Jan 2020, 20:00
Und? Was nützt es mir, wenn ich mit meinem weiblichen und männlichen Teil im Reinen bin, wenn mich das Umfeld dann ausgrenzt?
Ich bin dann innerlich zufrieden und ausgeglichen - gebe mir aber trotzdem irgendwann die Kugel, weil ich total alleine da stehe?
Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich stehe nun mit sehr viel besseren sozialen Bindungen da, als früher. Einfach nur dadurch, das ich immer mehr ich sein kann. Es ist ja auch für mich ein Lernprozess, alte Denk- und Verhaltensmuster abzulegen. Aber die (positiven) Effekte sind erstaunlich.
Wenn du dann alleine dastehst, hast du dich mit den falschen Leuten umgeben.
Marielle hat geschrieben: So 12. Jan 2020, 00:21
Was mich interessieren würde: Erklär mir doch bitte, warum die Gametengröße oder eine angenommene Gehirnverdrahtung ein hinlänglich guter Maßstab für die Eigenschaften bzw. Anforderungen der Intimsphäre eines Individuums sein sollen.
Weil diese Einteilung für die meisten Menschen nun mal so funktioniert?
Wie gesagt, ich muss nicht alles in Grund und Boden analysieren. Ich glaube, die meisten Menschen wissen garnicht, was Gameten überhaupt sind. Sie brauchten sich einfach nie mit ihrem Geschlecht auseinandersetzen.
Ich frage mich , wenn solche Diskussionen bei mir schon auf Unverständnis stoßen (wo ich mich ja noch versuche damit auseinanderzusetzen), was denken dann erst Cis-Menschen darüber?
Ich möchte nicht bestreiten, das es noch Brennpunkte im Zusammenleben gibt. Für Menschen die sich nicht zuordnen möchte wurde ein neuer Rechts(Raum) geschaffen. Ja, die Mühlen mahlen langsam, aber es bewegt sich was. Aber Einteilungen in Frage zu stellen, die für fast alle Menschen sinnvoll sind und befürwortet wird, halte ich für merkwürdig.
Cis-Menschen können dem sicher nicht folgen.
Aber dann wird halt einfach die Intoleranz-Keule geschwungen...
Übrigens, als Randbemerkung. Ich glaube nicht das (geborene) Frauen eine Geschlechtertrennung für nicht sinnvoll erachten würden, denn sie berücksichtigt nicht nur die Scham, sondern bietet unter Umständen auch Schutz. Aber da die meisten hier nun mal als Männer sozialisiert wurden, ist das vermutlich für die meisten schwer nachzuvollziehen.
Und ja, es gibt auch hier Ausnahmen, die aber eben nicht die Regel sind...
die Querflöte
Anja