Meine Dämonen
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Lebensplanung, Standorte
Rabea-Marie
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Meine Dämonen

Post 1 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie »

Hallo alle!

Hallo Marie und danke!

Ich kann was du in Bezug auf deine inneren Dämonen schreibst sehr gut nachvollziehen! Dein letzter Post in deinem Thread gab mir den letzten Anstoß hierzu.

Mir geht es aktuell ähnlich wie dir.

Ich nutze daher hier mal die Gelegenheit auch meine Dämonen zu schildern und bin ebenfalls bereit mir die Augen öffnen zu lassen.
Ich werde jetzt einfach aus meinem empfinden heraus schreiben und die ein oder andere Person wird sich sicher angegriffen fühlen... Aber das ist dann halt so...
Ich habe oft versucht hier niemanden auf die Füße zu treten und mir deshalb auch öfters mal Kommentare verkniffen. Das ist mir zwar nicht immer gelunge, aber ich hab's versucht.
Das hier wird anders, denn jetzt hat sich einiges angesammelt und ich muss einfach mal meinen Gefühlen und Gedanken freien Lauf lassen.

Ich war kürzlich mit einem kleinen Team meiner Firma auf einem Diversity Kongress. Dort kamen diverse Firemenvorstände, Professoren und Coaches, verschiedener großer Unternehmen zusammen.

Sie alle arbeiten daran Toleranz und Vielfalt in deutschen Unternehmen und der Gesellschaft zu fördern.
Ich hatte einen kleinen Einblick darüber wieviele Menschen sich unheimlich viel Arbeit machen um sich für unsere Akzeptanz einzusetzen.

Und dann komme ich zurück in dieses Forum. Eventuell liegt es an meiner Wahrnehmung. Aber als ich mich hier angemeldet habe empfand ich dies hier als sehr informativ und konstruktiv. Mittlerweile aber macht es mir eher den Anschein nach Klatschpresse...

Konstruktives wird nach meinem empfinden außer acht gelassen und ausgeblendet. Gestützt wird sich auf persönliche befindlichkeiten und was den wohl größten Unterhaltungswert hat.

Anführend dabei sehe ich aktuell Jennifer und ihre Mutter, welche seit geraumer Zeit mit ihren 3 Threads das Forum dominieren. Dort fallen immer wieder Sätze wie "Fakt ist doch" ; "ihr wollt doch ALLE".
Hier tummelt sich ganz viel Meinung und nur wenig Ahnung, schlimm daran ist dass das gefährliche Halbwissen dann auch noch als Fakt dargestellt wird. Beweis liefert hier mein Thread ab der Stelle wo ich über meinen Leidensweg und dessen Wichtigkeit schreibe. Die erste Antwort von Tina fand ich echt lieb und hab gedacht "ach ist das nett, Anteilnahme und Interesse einer Außenstehenden". Dann aber erfolgen auf meine Antwort darauf nur Phrasen. Als ich dann anfange Fragen zu stellen, werden diese nicht beantwortet. An der Stelle wäre die Gelegenheit gewesen über den Tellerrand hinaus zu schauen und etwas mehr zu lernen, dazu hätte man dann aber zu seiner eigenen Unwissenheit stehen müssen.
Schlimmer ist dann noch wenn diese "Fakten" öffentlich weiter getragen werden.
Ich habe wirklich Achtung davor sich hinzustellen, in einem öffentlichen Referendum, und von sich zu erzählen. Auch finde ich es von Tina, Jenniffers Mutter ganz groß mit welchem Interesse sie sich hier unter uns tummelt.
Was mich aber total triggert ist wenn man irgendeinen Quatsch erzählt und ihn als allgemein gültig verkauft.
Allein der Titel " Crossdresser als Mann geboren, als Frau leben" als Mann geboren und als Frau leben ist definitiv nicht die Definition von Crossdresser.

Wenn man schon Aufklärungsarbeit leisten will dann aber bitte unter der Berücksichtigung der mittlerweile allgemeingültigen Definitionen.
Ich möchte den Willen dahinter und die Ambition wirklich nicht schmälern. Aber wenn ich sowas dann schon mache darf ich einfach nicht meine persönliche Einstellung als Tatsachen ausgeben.
Es nützt doch niemandem wenn der eine Bauer seine Birnen, Äpfel nennt, der nächste seine Kirschen; Orangen und der letzte seine Äpfel; Kirschen und als sie sich zum Tauschhandel auf dem Markt treffen haben alle nur Erdbeeren dabei...

Und dann sind wir schon beim nächsten Thema... Begrifflichkeiten...
Viele müssen alles für sich selbst anders auslegen, weil ihm/ihr der Begriff nicht passt. Ich empfinde sowas als kleinlich und egoistisch! Jeder brauch sein Eimerchen und Schaufelchen. Um dem ganzen dann noch die Krone aufzusetzen spricht man von einer Million Geschlechtern und Joe zweifelt an der Definition männlich und weiblich...
Ist das wirklich euer Ernst? Ist es das was wir bei der Gesellschaft vorbringen wollen? Glaubt einer allen Ernstes das führt zu Akzeptanz???
Oder Diskussionen über ein Venussymbol? Meint ihr wirklich das bringt uns weiter? Das Argument "ich bin ja nicht betroffen" mag hier stimmen. Aber was ist zb mit Aftershave Balsam, da steht "for Men" drauf. Leider muss ich mich immer noch rasieren. Soll ich dafür jetzt auch ein Fass auf machen? Nein, ganz sicher nicht, denn ich denke nicht dass das für unsere Sache förderlich ist.

WIR sind doch gerade im kommen. Sollten wir jetzt nicht erstmal der Gesellschaft Zeit geben sich an uns zu gewöhnen? Den Leuten ebenso mit Wohlwollen gegenüberstehen und ihn ihre Unwissenheit verzeihen, Aufklärung betreiben und auch Toleranz und Verständnis für ihre Ängste haben? Statt die nächste kleine nervige Gruppe zu sein welche nur fordert, fordert und nochmals fordert?

Dann wird über die intolerante Gesellschaft hergezogen und was nicht alles gesellschaftliche Konstrukte sind. Und im gleichen Atemzug beschwert man sich das man von eben dieser Gesellschaft nicht akzeptiert wird... Da fass ich mir an den Kopf...

Wir sind uns hier nicht mal selbst einig. Statt geschlossen da zu stehen und andere mit ins Boot zu holen, indem wir uns als LGBT*IQ Community sehen und uns als solche vertreten lassen, spalten wir uns lieber in eine Million Geschlechter... Weil uns unsere persönlichen befindlichkeiten ja sooooo wichtig sind.
Das macht mich traurig...

So ihr seid nun dazu aufgefordert das alles hier auseinander zu reißen und mich eines besseren zu belehren. Oder der ein oder andere wird zum Umdenken bewegt, auch wenn das hier alles sehr offensiv und böse klingt. In beiden Fällen geben meine Dämonen dann evtl mal Ruhe...

Traurige Grüße eure Rabea.

P.s. möglicherweise bin ich aktuell zu borniert, ängstlich oder auch intolerant. Ich hoffe wirklich dass auch ich mit eurer Sicht auf diesen sehr offensiven Thread weiterkomme, Umdenke oder etwas bewirke.
ExuserIn-2019-12-18
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Re: Meine Dämonen

Post 2 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Hallo Rabea,

wie ich bereits bei Marie geschrieben habe, sehe ich hier gar keine Dämonen.
Vielleicht liegst Du bei dem einen oder anderen Punkt nicht ganz richtig, aber ich stimme Dir in der Tendenz gerne zu.
Borniertheit, Ängstlichkeit oder auch Intoleranz kann ich hier überhaupt nicht erkennen. Nur jemand, der aus der Suppe eben mal auf den Tellerrand gestiegen ist.
Das gehört zu unserer Entwicklung einfach dazu und ich beglückwünsche Dich zu diesem Schritt ... ändern wirst Du hingegen nichts. Diese Kraft würde ich mir persönlich für andere Dinge des Lebens aufheben. Und ehrlicherweise geht es ja auch gar nicht darum, andere zu ändern, sondern sich selbst zu sehen zu erkennen und seinen eigenen Weg zu formen. Und dabei hilft diese Forum auf ganz hervorragende Weise. Gegensätze öffnen die Augen für das Eigene, Wichtige im Leben. Und, dass wir hier manchmal (scheinbar) "sinnlos streiten", liegt einfach an den unterschiedlichen Lebenssituationen und Perspektiven. Manche müssen oder wollen sich da mehr bewegen, andere eben weniger. Ce la vie! Aber bewegen müssen sich die Menschen schon selbst - sie zu schieben hat wohl weniger Sinn.

Alles Liebe
Vanessa
ExuserIn-2019-12-22

Re: Meine Dämonen

Post 3 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Guten Morgen Rabea-Marie,

für den Anfang möchte ich dir sagen, dass wir nicht alle einer Meinung sein müssen um am gleichen Strang ziehen zu müssen. Der Eine zieht stärker, die Eine zieht etwas zaghaft, und En ist mit vollem Einsatz bei der Sache.
Wir sind alles individuelle Persönlichkeiten und selbst unter trans* gibt es nicht den Einen Weg. Jede Person hier hat ihre Ängste, Sorgen, Sehnsüchte und ja Dämonen wie ich sie nennen mag. Ich bin seit Februar hier und ich bin so oft mit einigen User*innen hier aneinander geraten, dass ich schon überlegt habe mich abzumelden.
Der Thread mit dem Venus-Symbol hat mich hart getroffen nicht nur weil da eine Userin meiner Meinung nach stark unter die Gürtellinie geschossen hat, dann aber nicht mehr darauf eingeht. Wie so oft, wenn es unangenehm wird, lässt man mich im Regen stehen und ignoriert mich, nachdem man mich vorher gefühlt absichtlich falsch verstanden hat. Mich belastet diese Respektlosigkeit und zwischendurch hab ich mal nicht so schöne Tage und dann ist es ganz schlimm.
Wenn man dann auch noch meine Gene ins Spiel bringt als Begründung würde ich am liebsten in mein Kopfkissen schreien.
Ein kleines Beispiel: Ich und eine andere Userin versuchen im Chat einem CD Mut zu machen für ein Outing und zählen mögliche Optionen auf. Ein weiterer CD grätscht als rein und macht so worst case Beispiele, die echt hinderlich sind.
Genervt davon die Bitte es zu unterlassen. In der eigenen Würde gekränkt fällt dieser User über uns her und es fiel der Satz: "Weil solche Typen wie Du einfach nicht damit klar kommen wenn man eine andere Meinung hat."
Und die Person weiß sehr wohl, das es sich bei uns beiden um trans* handelt. Und das ist echt hart.
Hier sind einfach so viele Persönlichkeiten mit ganz unterschiedlichen Motivationen vertreten. Einige noch richtig engstirnig und binär gepolt.
Die intolerante Gesellschaft die uns nicht akzeptiert ist auch hier. Wir sind alle Teil dieser Gesellschaft und mit unseren eigenen Meinungen, Einstellungen und Empfindungen sind wir es die uns untereinander in Grüppchen kategorisieren. Auch ich bin davon nicht verschont. Siehe meinen Beitrag in welchem ich einfach mal unwissend und naiv alle CD über einen Kamm geschert habe ohne auch nur daran zu denken, dass auch dort jeder Hintergrund individuell ist. Einfach nur weil ich an einer Definition festhalten wollte die für mich sinnvoll erschien.
Wir können nicht alles definieren, das müssen wir auch nicht um unsere Interessen zu vertreten.
Diejenigen die Rechte für uns einfordern sind es denen wir viel zu verdanken haben. Aber es sind auch die auf welche sich der meiste Hass von außen richtet und dann auch aus eigenen Reihen, weil die Angst besteht man könnte selber zur Zielscheibe werden.

Ich bin ein sehr positiver und fröhlicher Mensch, bei meinen Freunden werde ich für meine ehrliche Art geschätzt und bin oft diejenige, die differenziert und bedacht auch mal andere Wege aufzeigt. Nur bei mir selber funktioniert das nicht.Weil meine Dämonen mein Leben teilweise bestimmen. Und das ist meine größte Baustelle. Nicht die Transition.

Ich möchte nicht zu sehr abschweifen. Ich werde auch noch etwas in meinen Thread schreiben.
Engelchen
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Re: Meine Dämonen

Post 4 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Puuh, ein sehr schwieriges Thema.
Man will es allen Recht machen und stellt fest es wird nie funktionieren.
Fakt ist das Thema "Diversity" tritt erst langsam in Erscheinung in der Öffentlichkeit.
Wir als "Queere" Menschen sind definitiv eine Randerscheinung - so mein Empfinden - also subjektiv.
Und das Hickhack untereinander macht es nur noch schwerer anerkannt zu werden.
Wir sollten das große ganze mal wieder sehen und nicht immer mit so auf diesen kleinen Dingen rumhacken.
Wie viele Anreden wollen wir erfinden - wie viele Geschlechter - Wie viele Toiletten bauen - wie viele Symbole erfinden.
Das soll jetzt bitte nicht respektlos erscheinen - aber man kann alles übertreiben.
Man wird es nie allen recht machen können - so meine Meinung.
Irgendjemand wird sich immer auf den Schlips getreten fühlen.
Lisa
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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Meine Dämonen

Post 5 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Rabea-Marie,

ich finde Deine Anregungen in vielen Punkten ähnlich, aber womit ich gar nicht klar komme, ist das Benennen von Personen. Es ist besser mit den Menschen zu reden als über sie. Hier wäre mMn eine PN angebrachter.
Rabea-Marie hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 02:11 Was mich aber total triggert ist wenn man irgendeinen Quatsch erzählt und ihn als allgemein gültig verkauft.
Ganz richtig, es triggert Dich. Was letztlich nichts anderes bedeutet, das es Deine Emotionen sind. Warum eigentlich ? Ich hatte den Eindruck nicht. Im genannten Fall war und ist mein Eindruck, dass hier eine Sichtweise in der Thematik nur eine begrenzte Tiefe hat, aber darum bemüht ist, sich damit auseinander zu setzen. Das erkennst Du ja auch an. Ich kann Deiner Argumentation nicht folgen, dass hier jemand "Allgemeingültiges verkaufen" will.

Aber das nur am Rande. Spannend finde ich Deine Sichtweise unserer Innensicht im Vergleich zu Aktivitäten der Gesellschaft (oder Teilen davon), uns einen Platz zu geben. Ich halte die Revision für in unser Forum auch für sehr hilfreich.
Konstruktives wird nach meinem empfinden außer acht gelassen und ausgeblendet. Gestützt wird sich auf persönliche befindlichkeiten und was den wohl größten Unterhaltungswert hat.
Was meinst Du damit ? Ich sehe eine Menge Konstruktives. Meinst Du in Verbindung mit der "Außenwelt ?" Da gibt es schon einige Aktivitäten. Oder meinst Du im Umgang mit Trans im persönlichen Leben ? Hier gibt es eine Menge Erfahrungsberichte. Persönliche Betroffenheiten und Probleme werden auch geschildert. Man muss sich schon das heraussuchen, was für einen selber wichtig ist.

Aber eine gewisse Nabelschau kann ich unserem Forum nicht absprechen. Kleine und kleinste Befindlichkeiten werdenbreit diskutiert. Das ist aber auch einfachera als sich mit dem Kern zu beschäftigen. Es lenkt sogar davon ab. Ist es das, was Du meinst ? Darin kann ich Dir folgen, aber diese Beiträge überlese ich. Ich habe eher ein Problem, wenn man Menschen, die man kaum oder nur vom Forum kennt, konkrete Ratschläge gibt. "Lass das" oder "tu das" in Krisensituationen sind Statements, die ich für schlicht anmaßend und gefährlich halte. Es ist aus meiner Sich i.O., wenn man seine Situation schildert, die Schlußfolgerungen muss ich dem/r Anderen überlassen. Sie muss sich das Passende heraus suchen. Anbieten statt vorschreiben. Auch ein "Ich würde das so und so tun" ist letztlich nur eine verkappte Anweisung.

Stichwort Begrifflichkeiten: Du schreibst von anerkannten Definitionen. Das ist so nicht ganz richtig, aber für einige Begriffe gibt es einen Konsens, der aber mMn von einer Definition weit entfernt ist. Und genau hier entzünden sich Diskussionen, die schnell kleinlich wirken. Geht es wirklich um Klarstellungen oder um die Deutungshoheit ? Ich weiß es nicht. Aber in einer Kommunikatiion, die fruchtbar sein soll, halte ich es für wesentlich, dass man sich Mühe gibt, den Anderen zu verstehen. Was meint er/sie mit dem Begriff xy ? Das heißt, man legt den Fokus auf den/die Andere/n und dem, was er/sie ausdrücken will und nicht auf die eigenen Betroffenheiten. Das ist für mich die Basis des Austauschs, von dem ich profitieren will. Mir geht es nicht darum, meine Meinung durchzusetzen, sondern zu verbessern. Da ist mir ein guter Gesprächspartner eine große Hilfe. Ein kleinliches Herumreiten auf Begriffen ist kontraproduktiv. Ich gebe Dir da vollkommen Recht.
WIR sind doch gerade im kommen. Sollten wir jetzt nicht erstmal der Gesellschaft Zeit geben sich an uns zu gewöhnen? Den Leuten ebenso mit Wohlwollen gegenüberstehen und ihn ihre Unwissenheit verzeihen, Aufklärung betreiben und auch Toleranz und Verständnis für ihre Ängste haben? Statt die nächste kleine nervige Gruppe zu sein welche nur fordert, fordert und nochmals fordert?
Bingo, für mich der wichtigste Absatz in Deinem Post. Dem füge ich nichts mehr hinzu, um ihn nicht zu verwässern. (yes)
spalten wir uns lieber in eine Million Geschlechter.
Nochmals (yes) "Teile und herrsche" ist ein altes Prinzip. Wir dividieren uns leider selber auseinander. Sowas braucht man nicht draußen vor unserer Tür. Das macht uns unbedeutend.
Ich hoffe wirklich dass auch ich mit eurer Sicht auf diesen sehr offensiven Thread weiterkomme, Umdenke oder etwas bewirke.
Die Chancen stehen nicht schlecht. Die Richtung stimmt jedenfalls aus meiner Sicht.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
ExuserIn-2020-03-10
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Re: Meine Dämonen

Post 6 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-03-10 »

Rabea-Marie hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 02:11 Ich war kürzlich mit einem kleinen Team meiner Firma auf einem Diversity Kongress. Dort kamen diverse Firemenvorstände, Professoren und Coaches, verschiedener großer Unternehmen zusammen. Sie alle arbeiten daran Toleranz und Vielfalt in deutschen Unternehmen und der Gesellschaft zu fördern.
Ich hatte einen kleinen Einblick darüber wieviele Menschen sich unheimlich viel Arbeit machen um sich für unsere Akzeptanz einzusetzen.
Ich habe in der Firma bei der ich angestellt bin ebenfalls an einem Leitfaden für Transidentität mitgearbeitet. Daher sehe ich das ähnlich wie du: Wenn man der Gesellschaft etwas über Trans* mitteilen will sind einheitliche und gut recherchierte Begriffe und Informationen wichtig.

Nun schreiben wir hier nicht für den kommenden Transgendertag, sondern wir schreiben in einem Crossdresser-Forum. Und ich habe in einem Crossdresserforum nicht die Erwartung dass jeder sich um maximale Detailtreue bemüht. Hier ist es bunter, hier muss es bunter zugehen.
Dasselbe erlebst übrigens auch auf (beliebigen) Tagungen wenn man mal abseits des Rednerpults an der Kaffeecke die Gespräche wahrnimmt. Die eigene Meinung sticht fast immer die Faktenlage aus.

Rabea-Marie hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 02:11 WIR sind doch gerade im kommen. Sollten wir jetzt nicht erstmal der Gesellschaft Zeit geben sich an uns zu gewöhnen? Den Leuten ebenso mit Wohlwollen gegenüberstehen und ihn ihre Unwissenheit verzeihen, Aufklärung betreiben und auch Toleranz und Verständnis für ihre Ängste haben? Statt die nächste kleine nervige Gruppe zu sein welche nur fordert, fordert und nochmals fordert?
Meinen bisherigen Recherchen nach liegt die Gruppe der Trans* bei ca. 0.1% der Bevölkerung, wobei es leider keine genauen Zahlen darüber gibt, das meiste sind Schätzungen und Beobachtungen. Nun sind 0.1% der Bevölkerung nicht gerade viel. Ich würde hier Maßnahmen erwarten, die die Auftretenswahrscheinlichkeit entsprechend wiederspiegeln. Und nicht über- oder untertreiben.
Rabea-Marie hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 02:11 Oder der ein oder andere wird zum Umdenken bewegt, auch wenn das hier alles sehr offensiv und böse klingt. In beiden Fällen geben meine Dämonen dann evtl mal Ruhe...
Ich hab den Eindruck schon öfter gehabt dass wir mit unserem Trans-Hintergrund ständig die anderen missionieren müssen, wobei schon das nackte Zahlenverhältnis (0,1%..) gegen uns spricht.. was würde denn passieren wenn "WIR" mal einen Schritt zurück treten..

Ich wünsch dir noch ein schönes Wochenende!
Ute
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Re: Meine Dämonen

Post 7 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Moin Rabea,

manche Detaildiskussionen hier (und anderswo) sind sicherlich Spitzfindigkeiten und nebensächlich für jene, die ganz andere, eher grundlegende Probleme haben. Das unterscheidet "unsere" Themen und dieses Forum nicht von anderen. Während in einem Auto-Forum die einen sich über ganz spezielle Bauteile die Köpfe heiss reden, brauchen andere vielleicht erst mal überhaupt etwas fahrbares.

Ich denke aber, dass es beide/viele Ebenen gleichzeitig geben kann. Auf der einen Seite die grundlegenden Probleme, wie Selbstfindung, inneres und äusseres Coming Out, Konflikte mit Familie, Job, Umwelt; dann die ganzen dicken und weniger dicken Äste von trans Prozessen, aber auch die Feinheiten von Kosmetika oder Klamotten. Das Internet ist groß, die Serverplatten haben genug Platz für alles. Viele Diskussionen kann ich auch einfach stehen lassen.

Die Sinnhaftigkeit mancher Aufklärungsmassnahmen gegenüber unbedarften Aussenstehenden ist sicherlich diskutabel, aber auch kontextabhängig. Ich persönlich würde auch keine ausgefeilte Differenzierung von geschlechtlichen Identitäten vermitteln, wenn das grundlegende Verständnis der Geschlechter-Dimensionen Körper, Ausdruck, Identifikation und Personenstand fehlt. So war es am Dienstag bei unserem Workshop zur dritten Option sogar für Fachleute aus dem Sozialbereich... Je nach Kontext muss ich auch meine Sprache anpassen, um verstanden zu werden. Ich kann aber auch unterschiedliche Bereitschaft erwarten.

Aber genau da, wo sich Menschen sichtbar um Inklusivität bemüht hatten, was ich im Einzelfall auch immer gerne anerkenne und erwähne, war es eben häufig nur bemüht, im Sinne von gut gemeint (was ich honoriere), aber schlecht gemacht (was ich mMn auch konstruktiv anmerken kann). Ein Beispiel war gleich bei der Anmeldeliste die Spalte "m/w/d". Okay: Bemüht. Frage: Warum? Also warum wird da Geschlecht abgefragt? Welchem Zweck dient das? Steckt dahinter eine konstruktive Absicht oder ist es nur Gewohnheit?

Ich bin ja auch noch nicht so lange aktivistisch unterwegs, habe aber auch tw damit zu kämpfen, dass ich so häufig bei Null anfangen muss. Dass die gefühlt gestiegene Präsenz und Aufklärung bei manchen so überhaupt noch nicht angekommen ist. Spitzenwert bei einem Frienby war ein"¢e Therapeutx mit dem Satz "Ach, nicht-binär. Das klingt ja interessant. Erzählen Sie doch mal".

Der Knackpunkt für mich: Transpersonen gab es schon immer. Wären die Forschungen rund um Markus Hirschfeld in den 1920ern nicht vernichtet worden und das Thema in D danach 50 Jahre totgeschwiegen, wären wir heute schon längst weiter. Das TSG gibt es seit 40 Jahren, aber es ist fast noch auf dem Stand von damals. Nur dass die ärgsten Unzumutbarkeiten gerichtlich ausser Kraft gesetzt wurden. Für manche Menschen erzeugt es ziemlichen Frust und Stress, dass unnötige Härten ohne Grund seit Jahrzehnten beibehalten werden. Sie haben einfach genug, immer wieder vertröstet zu werden, für nichts und wieder nichts. Die kleinen Fortschritte, die dann als wahnsinnige Meilensteine verkauft werden, für die "wir" dann auch noch sooo dankbar sein müssen. Es zehrt einfach. Und es macht sicherlich auch ungerecht gegenüber Menschen, die mit dem Thema nichts zu tun hatten und dann von der Vehemenz überrascht sind, wenn sie in eines der zahlreichen, immer wiederkehrenden Fettnäpfchen tappen.

"Es ist eben noch so neu" lasse ich als Argument deshalb nicht gelten, sofern es als Beschwichtigung, als Bremse, als Vertröstung und Verzögerung angeführt wird. Das Thema ist nicht neu, es gibt sinnvolle Umgangsformen, also lernt, Aussenstehende, fragt meinetwegen und haltet euch dran. Ich honoriere Bemühungen, bedanke mich für merkbare Berücksichtigung, gebe konstruktive Tipps, aber werde kiebig bei Verweigerung, Banalisierung und "whataboutism".

Und intern, also unter uns, hier im Forum zum Beispiel, ist meiner Ansicht durchaus ein Platz für Detaildiskussionen, Begriffsbestimmungen, Neufindungen, und so weiter. Allerdings, da bin ich völlig bei dir: Niemand hier hat die absolute Wahrheit - ausser zur eigenen Befindlichkeit. Gerade nicht in Definitionen. Wir können verschiedene Quellen diskutieren, aber jedes "das ist (natürlich) so (Fakt)" disqualifiziert die Person quasi automatisch.
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Re: Meine Dämonen

Post 8 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie »

Hallo ihr Lieben!

Schon mal vielen Dank für so viele konstruktive Beiträge!

Auf einiges möchte ich gerne weiter eingehen, aber aufgrund der Vielzahl werde ich dafür etwas Zeit brauchen.

Deshalb erstmal hier ein kurzes Statement!

LG Rabea
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Re: Meine Dämonen

Post 9 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Vicky_Rose hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 09:43 spalten wir uns lieber in eine Million Geschlechter.

Nochmals "Teile und herrsche" ist ein altes Prinzip. Wir dividieren uns leider selber auseinander. Sowas braucht man nicht draußen vor unserer Tür. Das macht uns unbedeutend.
Ja und nein...

ich frage jetzt mal provokant, für wen ist der einzelne Mensch tatsächlich bedeutsam ausser für sein eigenes Ego?
Richtig, für sehr wenige...
die Spaltung liegt also schon weit davor..und ist nichts ausser persönlicher Befindlichkeit.

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Meine Dämonen

Post 10 im Thema

Beitrag von heike65 »

Meint ihr nicht es wäre sinnvoller sein Leben zu leben und andere aufzuklären (die mit dem Thema bis dato nichts zu tun hatten) als hier ein : Wer hat die Meinungshoheit etc Disput aufzumachen ? Geht raus und seid einfach ihr selbst, damit ist dieser Community und allen queeren Menschen deutlich mehr geholten, ignoriert doch mal das was andere vorgeben
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Re: Meine Dämonen

Post 11 im Thema

Beitrag von Frieda »

Hallo liebe Rabea-Marie❣️

Egal ob es zukünftig noch Kritik hier für dich geben sollte oder nicht, von mir bekommst du ein klares 👍 für deinen Mut, für deine Wortwahl, für deine respektvolle Stellungnahme trotz Emotionen die in dir arbeiten.
Du hast mich definitiv solidarisch an deiner Seite. (hs)


Namaste 🙏
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Re: Meine Dämonen

Post 12 im Thema

Beitrag von Luna »

Hallo Rabea,

grundsätzlich kann auch ich Dir in Vielem tendenziell zustimmen. Dennoch möchte ich auch ein paar Gedanken beisteuern.
Rabea-Marie hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 02:11 Aber als ich mich hier angemeldet habe empfand ich dies hier als sehr informativ und konstruktiv. Mittlerweile aber macht es mir eher den Anschein nach Klatschpresse...

Konstruktives wird nach meinem empfinden außer acht gelassen und ausgeblendet. Gestützt wird sich auf persönliche befindlichkeiten und was den wohl größten Unterhaltungswert hat.
Ich empfinde das Forum nach wie vor sehr informativ. Seit ich hier angemeldet bin, also etwa seit 2018, gab es immer wieder Phasen, in denen Beiträge oder Themen dominierten, die mich persönlich wenig(er) interessier(t)en. Das liegt in der Natur der Sache bzw. sowohl an der Unterschiedlichkeit der Mitglieder als auch an meinen eigenen Interessenlagen; ist wie beim Fernsehprogramm: Mal laufen mehrere interessante Sendungen gleichzeitig, mal kommt auf zig Sendern nichts Sehenswertes. Das Geheimnis ist Selektion. Wenn mich das Thema eines Threads nicht interessiert, bin ich raus. Ich hab weder die Zeit und Lust noch den Anspruch, alles was hier geschrieben wird, zu lesen.
Wie in anderen Foren kommt es auch mitunter dazu, dass neue Mitglieder in "Übereifer und Euphorie" viele Themen setzen und quasi in jeden Thread posten, auch wenn sie vom diskutierten Thema keine Ahnung haben. Da kann schon mal der Eindruck entstehen, das Forum würde von einigen wenigen "übernommen". Das legt sich aber meist relativ schnell, also wenn der Reiz des Neuen vorbei ist, wieder.
Rabea-Marie hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 02:11 Dort fallen immer wieder Sätze wie "Fakt ist doch" ; "ihr wollt doch ALLE".
Hier tummelt sich ganz viel Meinung und nur wenig Ahnung, schlimm daran ist dass das gefährliche Halbwissen dann auch noch als Fakt dargestellt wird.
Solche "Argumente" kommen in jeder Diskussion, gleich ob am Stammtisch, in Kommentaren zu Medienberichten und halt auch hier. Ist also kein Spezifikum dieses Forums. Für mich sind Phrasen, wie die von Dir zitierten, immer ein Zeichen von Ahnungslosigkeit bzw. argumentativem Notstand. Je mehr versucht wird, etwas als (unumstößliches) Faktum darzustellen, umso geringer ist der argumentative Unterbau; umso schwieriger ist es aber meist auch die betreffende Person von der Unrichtigkeit ihrer Behauptung zu überzeugen. Die wenigen hier, die ich in diese Kategorie von "Diskutanten" einordne, lasse ich einfach außen vor.
Rabea-Marie hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 02:11 Viele müssen alles für sich selbst anders auslegen, weil ihm/ihr der Begriff nicht passt. Ich empfinde sowas als kleinlich und egoistisch! Jeder brauch sein Eimerchen und Schaufelchen. Um dem ganzen dann noch die Krone aufzusetzen spricht man von einer Million Geschlechtern und Joe zweifelt an der Definition männlich und weiblich...
Ist das wirklich euer Ernst? Ist es das was wir bei der Gesellschaft vorbringen wollen? Glaubt einer allen Ernstes das führt zu Akzeptanz???
Oder Diskussionen über ein Venussymbol? Meint ihr wirklich das bringt uns weiter? Das Argument "ich bin ja nicht betroffen" mag hier stimmen. Aber was ist zb mit Aftershave Balsam, da steht "for Men" drauf. Leider muss ich mich immer noch rasieren. Soll ich dafür jetzt auch ein Fass auf machen? Nein, ganz sicher nicht, denn ich denke nicht dass das für unsere Sache förderlich ist.

WIR sind doch gerade im kommen. Sollten wir jetzt nicht erstmal der Gesellschaft Zeit geben sich an uns zu gewöhnen? Den Leuten ebenso mit Wohlwollen gegenüberstehen und ihn ihre Unwissenheit verzeihen, Aufklärung betreiben und auch Toleranz und Verständnis für ihre Ängste haben? Statt die nächste kleine nervige Gruppe zu sein welche nur fordert, fordert und nochmals fordert?

Dann wird über die intolerante Gesellschaft hergezogen und was nicht alles gesellschaftliche Konstrukte sind. Und im gleichen Atemzug beschwert man sich das man von eben dieser Gesellschaft nicht akzeptiert wird... Da fass ich mir an den Kopf...

Wir sind uns hier nicht mal selbst einig. Statt geschlossen da zu stehen und andere mit ins Boot zu holen, indem wir uns als LGBT*IQ Community sehen und uns als solche vertreten lassen, spalten wir uns lieber in eine Million Geschlechter... Weil uns unsere persönlichen befindlichkeiten ja sooooo wichtig sind.
Das macht mich traurig...
Die Dinge, die Du in diesem Absatz angesprochen hast, sehe ich (großteils) etwas anders. Es geht weniger um die Spaltung in eine Million (körperlicher) Gecchlechter, sondern um Identitäten. Natürlich würde es die Diskussion mit der Außenwelt vereinfachen, wenn es nur männlich/weiblich, inter und trans (im Sinne von transsexuell) gäbe. Aber was ist dann mit all jenen, deren Identität nicht in dieses Schema passt? Sollen diese Menschen totgeschwiegen werden, nur damit die "normale" Gesellschaft nicht überfordert wird? Und wie lange soll die Gesellschaft Zeit haben sich an uns (was eigentlich?) zu gewöhnen? Man hat nur dieses eine Leben und sollte das Recht haben dieses so zu gestalten, wie es der eigenen Identität entspricht.
Und natürlich ist "Geschlecht" nicht nur Biologie, sondern auch ein soziales Konstrukt. Wieviele geschlechtstypische Verhaltensweisen sind nur deshalb "typisch", weil sie bereits den Kindern anerzogen werden?

Auch mir erscheinen manche Forderungen von Transaktivisten mitunter überzogen und letztlich zum Teil sogar kontraproduktiv. Wenn ich mir die Kommentare zu Zeitungsberichten durchlese, die irgendeinen Aspekt des Thema Trans* behandeln, will ich mir gar nicht vorstellen, wie ein Großteil der Gesellschaft zu der in einem anderen Thread diskutierten "Bindenverpackungsfrage" steht. Allerdings kennt man die Beharrungstendenz der Gesellschaft schon aus anderen Bereichen, wie etwa dem Kampf für Frauenrechte. Auch da waren die Forderungen der Aktivistinnen vielen Männern zu weit gehend und zu schnell. Ich sah mal ein Interview einer (Frauen-)Politikerin, die (sinngemäß) meinte, man müsse im politischen Diskurs (mit Männern) die ganze Hand fordern, um zumindest den sprichwörtlichen kleinen Finger zu bekommen, was ich sehr gut nachvollziehen kann. Andererseits zeigen aber etwa auch Diskussionen wie zB jene um das Sichtbarmachen der Frauen in der Sprache (egal in welcher Form)), dass es auch kippen kann. Als Trump in den USA Präsident wurde, meinten Viele: Endlich mal einer, der auf die ganze PC sch.. und als in Österreich die Grünen 2017 aus dem Parlament flogen, konnte man vielfach lesen: Die setzten sich ja nurmehr für BoBo-Themen (gemeint: Binnen-I und Genderfragen) ein. Es gibt also offenbar einen Punkt, an dem die Stimmung ins Negative dreht. Nicht zuletzt nützen Rechte dies gleichermaßen aus, wie sie einen negativen Spin befeuern.
Der Grad der Akzeptanz unserer Probleme in der Gesellschaft ist aber nicht zuletzt auch eine Frage der persönlichen Prioritäten. Wenn ich nicht weiß wie ich mit 800,-- Euro um die Runden kommen soll und nicht mehr das Geld habe, um im Winter meine Wohnung zu heizen oder die Miete zu bezahlen, hab ich wahrscheinlich wenig Verständnis dafür, wenn gefordert wird, die öffentliche Hand soll Geld für dritte Toiletten ausgeben oder, dass jemand eine Krise bekommt, weil eine Verpackung nicht inklusiv gestaltet ist. Ich denke auch wie Du, dass man die Gesellschaft wohlwollend aufklären und nicht gleich beleidigt sein soll, wenn falsche Begriffe verwendet und Äpfel mit Birnen vermischt werden. Aber ich denke, man muss der Gesellschaft auch zeigen, dass unsere Probleme eben keine BoBo-Themen und für Manche oder Viele im wahrsten Sinne des Wortes existenzielle Fragen sind.

Alles Liebe
Luna
Rabea-Marie
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Re: Meine Dämonen

Post 13 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie »

So mal sehen was ich so alles zusammen bekomme...
- Wie viele Toiletten bauen
Toller Ansatz! Die Toliettenfrage ist wohl eine der kompliziertesten überhaupt!
Mein persönlicher Ansatz wäre auch hier eher sich für Aufklärung und Toleranz in der Gesellschaft einzusetzen so dass jeder von uns die Toilette besuchen kann auf der er sich wohl fühlt, statt die Allgemeinheit mit dem Bau von zusätzlichen Toiletten zu triggern. Wobei hier es hier nonbinäre Menschen noch viel schwieriger haben als Transpersonen. Ob diese Menschen mit der freien Wahl einer "binären Toilette" zufrieden wären, kann ich nicht beurteilen, gilt es aber zu berücksichtigen.
Wer die Frage schwierig findet auf welche Toilette er an seinem Frauentag im Shopping Center gehen soll, kann ja mal versuchen sich in einer Transperson zu versetzen welche sich am Arbeitsplatz outet...
Je nach Größe des Betriebs wird man hier vor einige Probleme gestellt. Als Beispiel nehme ich mich. Ich arbeite in einer Industriehalle mit ca 300 Mitarbeitern und sehr hohen Frauenanteil. Vor PÄ gelte ich gesetzlich als Mann. Zumindest kann mir der Zugang zur Damentoilette rechtlich verwehrt werden. Ich bin also auf das Wohlwollen der Mitarbeiterinnen angewiesen. Sagt davon nur eine "ieeh Nein das ist doch ein verkleideter Mann" muss man für mich eine Sonderlösung finden. Dann geht's los mit Beteiebsstättenverordnung und etlichen Reglements zu Toiletten am Arbeitsplatz. Möglich wäre zb der Zugang zur Behindertentoilette. Aber wäre das für jede Transperson in Ordnung? Oder fühlt sich dadurch evtl diskriminiert?

Hier ist jetzt der Übergang zur Verbreitung von gefährlichen Halbwissen, fließend. Falsche verbreitete Information können für eine trans oder nonbinäre Person in einem solchen Szenario fatal sein. Man muss sich immer vor Augen führen dass diese Personengruppen nicht in ihre Geburtsform zurück können und wollen um schwierigen Situationen aus dem Weg zu gehen.
Was meinst Du damit ? Ich sehe eine Menge Konstruktives. Meinst Du in Verbindung mit der "Außenwelt ?" Da gibt es schon einige Aktivitäten. Oder meinst Du im Umgang mit Trans im persönlichen Leben ? Hier gibt es eine Menge Erfahrungsberichte.
Als Beispiel nenne ich mal die Verwunderung von Tina woher "plötzlich" so viele Männer kommen die Frauen sein wollen. Zu dieser Frage gab es einige gute konstruktive Erklärungen. Diese wurden aber außer acht gelassen. Gestürtzt wurde sich auf die Antworten mit größten Klatsch und Tratsch wert. Somit widerspricht das auch meiner Meinung nach deiner Aussage sie wären bemüht sich weiterzuentwickeln. Und diese drei Threads sind voll mit solchen Beispielen.
Die Namen habe ich absichtlich genannt. Wer als Gastreferentin öffentlich Auftritt, darf sich auch öffentlicher Kritik aussetzen. Meine Meinung.

Außerdem darf ich hier ja auch direkt angesprochen werden. Und ich werde auch niemanden böse sein wenn betroffene Personen ebenso einen harschen Ton anschlagen. Ganz im Gegenteil werde ich mich damit konstruktiv auseinandersetzen. Der erste Dampf ist ja auch erstmal raus. :lol:
Was meint er/sie mit dem Begriff xy ? Das heißt, man legt den Fokus auf den/die Andere/n und dem, was er/sie ausdrücken will und nicht auf die eigenen Betroffenheiten
Genau das und eine einheitliche Sprache zu verwenden, um auch von der Allgemeinheit verstanden zu werden, um in einen gemeinsamen Konsens treten zu können.
Hier ist es bunter, hier muss es bunter zugehen.
Was völlig in Ordnung ist wenn die fachsimpelei hier bleibt und nicht der Öffentlichkeit als Fakt verkauft wird...

Meinen bisherigen Recherchen nach liegt die Gruppe der Trans* bei ca. 0.1% der Bevölkerung, wobei es leider keine genauen Zahlen darüber gibt, das meiste sind Schätzungen und Beobachtungen. Nun sind 0.1% der Bevölkerung nicht gerade viel.
Was genau der Grund für mich ist diese Uneinigkeit zu bemängeln. Und diese Uneinigkeit weiter voran zu treiben indem man es nicht schafft sich in eine Community einzuordnen und ständig auf sein eigenes Eimerchen und Schaufelchen pocht.
Als LGBT*IQ Community sind wir weitaus mehr als 0,1%.
manche Detaildiskussionen hier (und anderswo) sind sicherlich Spitzfindigkeiten und nebensächlich für jene, die ganz andere, eher grundlegende Probleme haben. Das unterscheidet "unsere" Themen und dieses Forum nicht von anderen. Während in einem Auto-Forum die einen sich über ganz spezielle Bauteile die Köpfe heiss reden, brauchen andere vielleicht erst mal überhaupt etwas fahrbares.
Hier auch nochmal. Find ich völlig in Ordnung solange das auch hier bleibt und draußen als Tatsache verkauft wird.
Anders als im Autoforum wo es evtl ärgerlich ist wenn sich einer aufgrund eines Threads einen nicht passenden Spiegel kauft, hängen hier Schicksale von echten Menschen an öffentlichen Aussagen.
Auch wenn mich das persönlich triggert, muss man doch darüber mal nachdenken! Das beeinflusst Menschen welche ein ohnehin schon schweres Schicksal haben und mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen haben.
Da darf man einfach nicht irgendwelchen Müll erzählen!
Ich möchte nochmal betonen! Das Engagement in allen Ehren! Aber eine Leistung kann auch eine schlechte Leistung sein und muss dann auch als solche behandelt werden. Ich sehe es nicht ein aus falscher Rücksicht dort dann auch noch das Ego zu tätscheln. Eine solche Aufgabe ist wichtig und schwierig und ich darf dann einfach nicht gefühlte Wahrheiten verbreiten!
"Es ist eben noch so neu" lasse ich als Argument deshalb nicht gelten, sofern es als Beschwichtigung, als Bremse, als Vertröstung und Verzögerung angeführt wird.
Ist sicher richtig und das möchte ich auch nicht absprechen. Ich sehe es aber trotzdem als neu an. Denn es ist medial neu. Aufklärung und Sichtbarkeit sind neu, denke ich. Ungeduld und die Holzhammermethode Schaden uns am meisten, denke ich. Ich mach mir keine Illusion dass einige von uns davon noch groß profitieren. Ich denke eher das wir jetzt den Weg der nächsten Generation bereiten können.
Geht raus und seid einfach ihr selbst, damit ist dieser Community und allen queeren Menschen deutlich mehr geholten, ignoriert doch mal das was andere vorgeben
Und die Leute mit ihrer Fantasie allein lassen?
Sichtbar sein ist natürlich wichtig. Aber die Passanten welche mich beim Wocheneinkauf schief angucken stellen meiner Meinung nach nicht das Problem da. Problematisch sind die "teilfremden" die Arbeitskollegen die man von "Hallo und tschüss" kennt man aber immer wieder sieht. Hier ist Aufklärung immens wichtig.

LG Rabea
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Re: Meine Dämonen

Post 14 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie »

Hallo Luna!
Aber was ist dann mit all jenen, deren- Identität- nicht in dieses Schema passt? Sollen diese Menschen totgeschwiegen werden, nur damit die "normale" Gesellschaft nicht überfordert wird? Und wie lange soll die Gesellschaft Zeit haben sich an uns (was eigentlich?) zu gewöhnen?- 
Meiner Meinung nach ganz hart und ungeschönt, ja genau das sollen sie.
Wenn du das Thema Frauenrechte als Beispiel anführst greif ich das dann hierfür auch auf. Vom Frauenwahlrecht bis zur Frauenquote waren wieiviel Jahre?
Ich wiederhole das hier mal "man muss erstmal ein Fundament setzen wenn man einen Wolkenkratzer erichten will und kann nicht mit der Spitze anfangen."

Wie lange das so gehen soll? Meiner Meinung nach bis wir wenigstens so weit sind dass wir als LGBT*IQ Community unsere Grundbedürfnisse öffentlich und ohne Angst vor Konsequenzen befriedigen können, wie den Gang zur Toilette.
Wenn wir diesen Grundstein erreicht haben, können wir meiner Meinung nach facettenreichere Bedürfnisse erstreiten.

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Sahara65
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Re: Meine Dämonen

Post 15 im Thema

Beitrag von Sahara65 »

In unserem Betriebsrat Gebäude hat man Uni Toiletten die mir rund um die Uhr zu Verfügung stehen, ich sehe das bei Euch ähnlich Rabea-Marie.
ich muss für mich auch nicht klären welche Toiletten ich in der Öffentlichkeit aufsuche, wer als Schanzträger der ohne Kleid oder Rock unterwegs ist, da hat man nicht viele Möglichkeiten und wer bei Sinnen ist überlegt da auch nicht.
Macht Euch mal die Mühe sich in die Anderen denen die uns gegenüber sind zu versetzen.
Der Planet dreht sich nicht um uns, nicht um Minderheiten und ich möchte als "Transperson" auch nicht im Vordergrund stehen, nur weil ich darauf poche mich als weibchen zu fühlen und dies auszuleben.
Als solche zu handeln und dadurch mich und andere in Verlegenheit zu bringen.
Ich will nur meien Ruhe haben und versuchen mit mir und dem Umfeld im Einklang zu sein.

Rabea-Marie hat geschrieben: So 27. Okt 2019, 09:20 Und die Leute mit ihrer Fantasie allein lassen?
Sichtbar sein ist natürlich wichtig. Aber die Passanten welche mich beim Wocheneinkauf schief angucken stellen meiner Meinung nach nicht das Problem da. Problematisch sind die "teilfremden" die Arbeitskollegen die man von "Hallo und tschüss" kennt man aber immer wieder sieht. Hier ist Aufklärung immens wichtig.
Genau so ist es, so und nicht anders.
Supermarkt, Gastätten oder oder oder, da interssiert es keinen Menschen wer "Du-Wir" bist oder sind.
Kurzer fragwürder, teilweise auch herab lassender Blick und das war's.
Und man glaubt es kaum, man erntet auch liebe und nette Blicke egal von welchem Geschlecht.

Noch bin ich Anlagenbetreuer mit Brüsten (cupA) und Schulter langen Haaren. Stehe vor den MA als Mann da.
Bringe das mal jemand den Boys bei wer da wirklich vor ihnen steht.
Und danach besucht mal die Männer oder Frauentoilette :D

Ich stehe in allen Punken ganz auf deiner Seite von A-Z liebe Rabe-Marie.
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