Ich verstehe es nicht…
Ich verstehe es nicht… - # 3

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 31 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Liebe Liliy,

Deine Beiträge lesen sich fast 1:1 wie die Sätze, die meine Frau (auch kein "Weibchen"-Typ) äußert, wenn man von den unterschiedlichen Randbedingungen absieht. Gerade gestern Abend hatten wir wieder ein emotional intensives Gespräch. Sie ist vielem gegenüber tolerant, teilweise auch akzeptierend. Ich habe einen eigenen Kleiderschrank für meine weibliche Kleidung und sie weiß auch, dass ich en femme unterwegs bin. Sie will mich aber nicht als Frau sehen. Sie sagt, es tut ihr weh. Mir tut es weh, dass ich nicht so leben kann, wie ich es gerne möchte. Wir stoßen beide an unsere Grenzen. Wir akzeptieren unterschiedliche Sicht- und Verhaltensweisen und wir müssen auch nicht alles teilen. Aber wir sind an einem Punkt, an dem sich etwas ändern muss, da wir so nicht weiter leben können. Sie spricht von "Verkleiden", ich von Identität. Hier prallen Gegensätze aufeinander. Das muss man zuerst einmal aushalten.

Die Frage ist, wie kann man das auflösen ? Wenn wir das wüssten, wären wir in unserer Ehe (die nach meiner Einschätzung sehr glücklich ist), ein ganzes Stück weiter. Ich fange mit den Positionen an:

Sie: Sie wusste von Anfang an, was mit mir los ist. Wie tief das geht, hat sie wahrscheinlich nicht erfasst. Sie akzeptiert vieles, kann es aber nicht nachvollziehen. Sie sieht keine Notwendigkeit, es nachvollziehen zu müssen. Sie versteht nicht, dass ich mich verkleide. Körperrasur und lackierte Fingenägel (transparent) findet sie befremdlich. Wieso bedeutet Kleidung Weiblichkeit ? Wieso kann ich mich nicht auf das beschränken, was mir im gegenwärtigen Rahmen möglich ist ? Wieso soll sie sich ändern und anpassen ? Sie hat keine Ambitionen mit einer Frau zu leben.

Meine Sicht: Ich bin dankbar für das, was ich habe und was ich leben kann. Aber es ist eine abgekapselte Welt. Ich kann mich nicht voll in die Beziehung einbringen, weil ein wesentlicher Teil aus der Beziehung ausgeklammert wird. Wie kann sie mich da ganz lieben ? Es schmerzt mich sehr. Ich wünsche mir Akzeptanz und mehr Normalität in meinem Leben, das auch den Aspekt Weiblichkeit umfasst. Mein Traum wäre, auch als Frau akzeptiert zu werden. Wieso kann meine Frau sich nicht ein wenig der Thematik öffnen ?

Das sieht nach einer ausweglosen Situation aus, aber ich denke, beide Seiten müssen Geduld haben. Es geht mir nicht um eine Regelung à la "ich darf Mo, Mi, Fr im Rock herum laufen, Di, Do, Sa nur ohne Makeup und So bleibt die Frau ganz im Schrank". Das bringt mMn nichts. Ich habe sogar einmal ein Paar kennen gelernt, die hatten sogar im Ehevertrag festgeschrieben, wann er seinem Hobby nachgehen durfte.

Das ist eine Ebene, auf der geschachert wird. Vielleicht ist das manchmal notwendig, aber im Kern verbessert man nicht viel, denn es wird immer eine Art Buchführung mitgenommen. "Hier komme ich Dir entgegen, wenn Du mir dort entgegen kommst." Das kann vorübergehend helfen, aber es ist aus meiner Sicht keine Lösung. An der müssen wir noch arbeiten. Es ist immer einfacher zu erkennen, an was der Andere arbeiten kann und soll. für mich selber ist das schon schwerer, denn ich weiß ja, dass ich nicht anders kann. Umgekehrt dürfte das auch so sein.

Ich bin der Ansicht, dass ein wesentlicher, vielleicht sogar der wesentlichste, Aspekt einer Beziehung die eigene Entwicklung ist. Man kommt an Grenzen und um die zu überwinden, muss man sich ändern. Deshalb liegt in der aktuellen Diskussion ein großes Potential. Aber das ist knifflig. Wie kann das gehen ? Wir lassen zunächst die Oberflächlichkeiten weg, z.B. keine Diskussion über Kleidung, Auftreten, Beschränkungen, Unverständnis etc., weil das vom Kernaspekt ablenkt. Dann könnten wir uns gegenseitig sagen, an welchen Punkten wir Entwicklungspotential für den Anderen sehen. Dann ist für eine Weile Funkstille in dem Thema, damit jeder über die vom Anderen genannten Punkte nachdenken kann. Von Zeit zu Zeit, z.B. einmal in der Woche, kommt man wieder zusammen, um über seine Erkenntnisse und Einsichten zu berichten. Ich glaube, auf dieser Basis kommt es mit der Zeit zu Veränderungen, die auch dann die Dinge an der Oberfläche betreffen. Hilfreich in diesem Kontext ist das Buch von Michael Lukas Moeller "Die Wahrheit beginnt zu zweit: Das Paar im Gespräch". Hier werden Regeln definiert, wie man zu einem besseren Austausch kommt. Auf dieser Basis wird dann quasi automatisch eine Entwicklung eingeleitet.

Es gibt aber noch einen Aspekt, der mir wichtig zu sein scheint. Bekannt ist der Effekt, dass man Dinge am Anderen am einfachsten erkennt, die einen selber betreffen. Man schaut ja durch die eigene Brille und die ist an den Punkten am klarsten, die einem wichtig sind. Es lohnt sich darüber nachzudenken, warum man gerade die Punkte am Anderen verändern möchte. Oftmals sind das die, die einen selber betreffen.

Was Dich betrifft, möchte ich nur drei Aspekte heraus greifen, die mir aufgefallen sind:
Lilly-Fee hat geschrieben: Do 17. Okt 2019, 15:09 sondern möchte ernsthaft, dass unsere "neue" Beziehung funktioniert.
Was bedeutet eine funktionierende Beziehung ? Eine, bei der alle glatt geht und man glücklich ist ? Was muss der Partner dafür tun oder liegt es nicht an einem selber, für eine gute Beziehung zu sorgen ? Nützt es mir vielleicht selber nicht mehr, wenn ich durch Auseinandersetzung mit mir selber zu neuen Wegen für eine gute Beziehung zu sorgen, statt vom Anderen ein Einlenken zu fordern ? Einfordern von Verhalten beschränkt den Anderen in seiner Freiheit. Und Liebe ist ein Kind der Freiheit.

Das ist nicht gleichbedeutend mit Nachgeben, es ist eine fundamentale Veränderung von sich selber. Dadurch reift man in seinem Wesen. Dadurch reift die Beziehung. Ist es wirklich von Bedeutung für Dich, wenn Dein Mann sich den Körper rasiert ? Oder steckt nicht etwas anderes dahinter ?

Für mich ist eine "funktionierende Beziehung" auf Dauer eine tote Beziehung.
Lilly-Fee hat geschrieben: Do 17. Okt 2019, 16:32 Weiblichkeit definiert sich doch nicht an Röcken, Pumps und Schminke?!
Wie definiert sich Deiner Meinung nach Weiblichkeit ? Was ist Weibichkeit ? Was ist von den Punkten nur Klischee ? Ist es wirklich nur die biologische Funktion ? Warum darf ein Mann nicht seine Weiblichkeit ausdrücken ?

Weibliche Kleidung und Accessoires sind Ausdruck für Weiblichkeit. Man zeigt, wie man gesehen werden möchte. Weibliche Männer kannten schon die Griechen vor 2500 Jahren. Sie waren gesellschaftlich benachteiligt. Aber trotz der erheblichen Nachteile haben diese Menschen an ihrem Wesen fest gehalten. Warum ? Das ist heute nicht wirklich anders. Warum trägt ein Mann Deiner Meinung nach Röcke, Pumps und Schminke und ich möchte noch "Einlagen für Brüste" ergänzen ? Ist das wirklich nur Verkleiden ? Oder steckt da nicht eine tiefe Sehnsucht nach einem Körper dahinter, der weiblich ist ? Muss darauf verzichten ? Gibt es zwischen Mann und Frau nicht viele Zwischenformen, die ein zeitweises Leben im anderen als dem körperlichen Geschlecht erlaubt ? Würde eine Einschränkung auf ein Geschlecht für einen Mensch zwischen den Geschlechtern nicht eine extreme Belastung bedeuten ?
Lilly-Fee hat geschrieben: Do 17. Okt 2019, 17:29 Bei meinem derzeitigen Weiterentwicklungsstand, würde ich tatsächlich eine Partnerin an meiner Seite nicht akzeptieren können. Eine WG mit einer Frau, warum nicht, aber für eine Beziehung, kann ich mir das nicht vorstellen.
Das sind nachvollziehbare Sätze. Sie provozieren mich aber zu Fragen. Warum kannst Du Dir das nicht vorstellen ? Du schreibst selber vom aktuellen Entwicklungsstand. Bedeutet das, Du siehst die Möglichkeit und die Notwendigkeit Dich weiter entwickeln ? Top ! Was ist wirklich so schlimm an dem Gedanken, mit einer Frau, die Dein Mann ist, eine Beziehung zu haben ? Könnte das nicht auch eine Bereicherung für Dich sein ?

Ich will damit nicht sagen, dass Du Dich zu ändern hast und dein Mann nicht. Ihr hattet wahrscheinlich eine funktionierende Beziehung. Jetzt hat dein Mann mit dem Ausdruck seiner Weiblichkeit Dynamik in die Beziehung gebracht. Er ist der Auslöser. Er ist voran gegangen. Du kannst die Dynamik aufgreifen und etwas für Dich/Euch tun, was Du vorher nicht tun konntest. Es ist eine Horizonterweiterung für Dich. Du kannst es als Geschenk sehen. Auch Dein Mann wird dann auf Deine Änderung reagieren (müssen).

Für mich ist das eine lebendige Beziehung, im Gegensatz zu einer funktionierenden Beziehung. Und das ist manchmal schmerzhaft. Sich von Dingen zu verabschieden, damit man Neues erleben kann, ist nicht immer einfach. Vor allem wenn man Angst vor Veränderungen hat. Wenn man Veränderungen annimmt, kann man verlieren, wenn man sie nicht annimmt, hat man verloren, denn Stagnation bedeutet Rückschritt. Oder wie Giuseppe Tomasi Di Lampedusa im "Leopard" in einem anderen Zusammenhang schreibt:
Es muss sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist
Für mich bedeutet es, wenn ich mir selber treu sein will, muss ich mich ändern. Aber die Veränderung muss aus mir selber kommen und kann nicht durch jemand vorgegeben werden. Aber der Andere ist der Anlass für Veränderungen.

Edit: Vera Birkenbihl beschreibt die Idee Moellers in einem kurzen Video:

Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Ulrike-Marisa
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 32 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin zusammen,

es sind so viele richtige Worte und Erklärungen für die anstehende Frage geschrieben worden, so dass ich alles wiederholen müsste, was ich persönlich aus meiner Sicht der Dinge als direkt Betroffene sagen wollte und in vielen Beiträgen habe ich meine Sichtweisen beschrieben und konkretisiert.
Fakt ist, dass meine Frau das ganze nicht versteht und nicht verstehen will, wie sie selbst von sich sagt. Daran hat sich auch nach Jahren grundsätzlich nichts geändert und ich habe die Ulrike-Marisa für mich in meinem Leben als Ergebnis einer langen Entwicklung angenommen. Da wir überein gekommen sind, uns nicht zu trennen, da das Leben aus mehr als der Frage des Tragen von Röcken besteht und sie mein heutiges Sein weitgehend toleriert, auch wenn sie es nicht verstehen kann, haben wir einen Status Quo vereinbart, der uns doch auch weiterhin glücklich zusammen leben lässt und weiterhin die vielen gemeinsamen Sachen genießen lässt. Das ist für beide mit gewissen Einschränkungen verbunden - ein Kompromiss eben und ich kann damit leben und sie auch. Was die Zukunft eines Tages noch bringen kann, das weiß ich jetzt noch nicht. Wenns nicht klappen täte, dann könnte ich das auch nicht hier im Forum immer wieder so beschreiben.

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 33 im Thema

Beitrag von Lilly-Fee »

Hallo Anke,

"Ich hatte das Gefühl, das meine Weiblichkeit endlich befreit ist und ich ihr möglichst viel Ausdruck geben muss. Endlich konnte ich das offen leben und zeigen, was ich jahrelang unterdrückt und versteckt habe. Es ist ein Gefühl von Befreiung und Erleichterung. Sowohl Crossdressing, als auch Transsexualität sind beide meist angstbesetzt. Es ist einfach wunderbar, zumindest Teile dieser Ängste loslassen zu können.
Dazu kommt natürlich, dass "Sich-Ausprobieren". Wie Du sicher weist, gibt es nicht die eine Version Frau. Jede geht ihren eigenen Weg, das betrifft natürlich auch Kleidung, Schmuck, Schuhe, Körperpflege, etc."

Danke für diese gute Zusammenfassung der Situation in Deinem Gefühlsleben. Deine Worte kommen einem Aha-Erlebnis für mich am besten rüber. Ich muss wohl einräumen, dass ich eine Version Frau bin, die generell ein Problem mit dem "zurecht machen" hat— sowohl bei Frauen, wie bei Männern und allem dazwischen. Für mich steckt da so viel Unehrlichkeit und Eitelkeit drin — PushUp für vorne, PushUp für hinten, Bauch-Weg-Hose — wie enttäuscht muss ein Mann eigentlich sein, wenn er eine solche Mogelpackung auszieht? Auch bei der Schminkerei bleibt für mich keine "ehrliche Haut" mehr sichtbar. Man/n schaut in eine Maske. Das ist für mich bisher keine echte Ausdrucksform, sondern eher ein verstecken — da muss ich wohl umdenken. Nur weil ich mir das Auge reiben können möchte, wenn es juckt, ohne hinterher wie ein Panda aus zu sehen, können andere das als künstlerische Variation ihrer selbst betrachten"¦.

Gx
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 34 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Morgen,

es sehe bei Dir eine relativ negative Sichtweise, auch was das "Zurechtmachen" angeht.
Für viele Frauen - und auch Männer - ist es keine "Mogelpackung" und keine Maske, sondern das gewollte Unterstreichen ihres Ausdrucks.

Natürlich gibt es da auch Grenzen und es ist die Frage, aus welchem Grund so etwas gemacht wird.
Wenn es für die Person selbst ist, dann ist es doch völlig in Ordnung.
Fragwürdig finde ich es, wenn es gemacht wird, weil sich jemand gezwungen fühlt.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 35 im Thema

Beitrag von Theresa »

Hallo LillyFee,

Das mit dem Push up und Ähnlichem sehe ich als eine Art von Stil, den ich sehr schätze, keinesfalls als Mogelpackung. Als Liebhaber üppiger Rundungen ist mir durchaus klar, wie eine mollige, auch ältere Frau natura aussieht und habe keinerlei Probleme damit. Ich empfinde das durchaus als Attraktiv. Und doch bin ich der Meinung, man muss nicht jede Speckrolle oder "Unzulänglichkeit" präsentieren.
Das ist eine Einstellung, die nicht unbedingt in den Zeitgeist passt, aber es ist meine. In sofern emfinde ich es Dilemma, wenn man es sich erarbeitet, solche Attribunte abzugewöhnen. Es kann doch nur ein Kompromiss sein, bei dem einer von beiden verzichtet.
Ich habe mich auch notgedrungen damit abgefunden, dass meine Partnerinnen nach einiger Zeit zum Schlabberlook übergingen.
Allerdings fand ich bestimmte Attribute immer noch chic.
Wenn jeder alles machen kann und das vom Partner zu akzeptieren ist, fängt da nicht ganz schnell Belibigkeit an?

Ich finde, beide Teile einer Partnerschaft sollten sich in ihren Interessen, innerhalb von Grenzen, in die gleiche Richtung bewegen. Sonst wird es problematisch oder eben beliebig. Beides würde ich sehr problematisch für eine Beziehung empfinden.

Tja, und wenn ich als Teilzeitfrau in die weibliche Rolle auslebe versuche ich natürlich, mich meinen eigenen Idealen nahe zu kommen. Wie, außer durch "weibliche" Kleidung, Schminke Frisur und sonstige Maßnahmen sollte ich das zu erkennen geben?

Noch erwähnen möchte ich noch, dass das Bekleidungs oder Stilproblem nicht nur für sich alleine steht sondern durchaus ein bedeutender Stein in der Summe der Alltagsprobleme ist.

Viele Grüße

Theresa
Beachten sie folgenden Hinweis:
-Hä?-
Vielen dank für ihre Aufmerksamkeit
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 36 im Thema

Beitrag von Lilly-Fee »

Hallo Vicky,
ganz herzlichen Dank, dass Du mir solch tiefe Einblicke gewährt hast.

Du schreibst sehr deutlich, was in Dir vorging und —geht und das Du Dir eine lebendige Beziehung statt "nur" einer funktionierenden wünschst — Deine Frau da aber nicht ganz mitzieht.

Ich kann natürlich nicht wissen, warum Deine Frau nicht die Offenheit an den Tag legt, die Du gerne hättest, aber ich kann versuchen ein wenig Verständnis für Sie in Deiner Denke ein zu bringen und die ganz Situation aus meiner Sicht schildern. Ich weiß ja nicht, wie es bei Euch losgegangen ist. Ob sie Dich "erwischt" hat oder ob Du sie mit einem Gespräche darauf vorbereitet hast.
Bei mir war es das Gespräch und natürlich habe ich die Tragweite zu dem Zeitpunkt nicht erfasst und habe vieles nicht kommen sehen (können). Was sich durch das Zulassen der Freiheiten für Ihn in den ersten Monaten an Ängsten bei mir aufgebaut hat, war dazu geeignet in mir die Erkenntnis reifen zu lassen, dass ER jetzt seinen Seelenfrieden bekommt und glücklich sein weiteres Leben verbringt und ICH meine Bedürfnisse und Sehnsüchte, wenn ich sie weiter mit ihm ausleben möchte, komplett in die Tonne treten darf. Dazu gesellten sich ordentliche Bedenken hinsichtlich gemeinsamer Auftritte in die Richtung, dass er als Frau viel mehr den gesellschaftlichen Klischees entspricht als ich. Das es eher ihm peinlich sein muss, mit mir gesehen zu werden. Das ist letztlich nur eine radikale Verschiebung von Wohlbefinden hin zu einer Seite, weg vom Partner. Gestehe Deiner Frau auch ein Anrecht auf ein erfülltes Leben zu. Versuche auch ihre Wünsche an die Partnerschaft zu akzeptieren, wenn Dir an dieser Partnerschaft was liegt.

Überspitzt ausgedrückt: Stell Dir doch einmal vor, was Du an Deiner Frau äußerlich ansprechend findest und jetzt stell Dir weiter vor, dass sie das alles verschwinden lassen würde — wie würdest Du Dich dann fühlen? Sie steht weiter auf Männer, ist weiter eine Frau, hat aber keine Attribute mehr, die eine Verlockung für (Hetero-)Männer bedeuten — wie würdest Du reagieren? Würdest Du freudestrahlend zum Trabbi greifen, wenn Du vorher einen Porsche als "Schön" empfunden hast? Wenn Du diese Fragen einmal ehrlich durchdenkst, kommst Du vielleicht dahinter, warum sich Deine Frau an einigen Stellen so sperrt.

Sprich mit Ihr und zeige Interesse auch an Ihren Problemen mit der Situation. Frag nach Ihren Wünschen — das heißt ja nicht, dass sie dann 1:1 von Dir umgesetzt werden müssen, aber es ist ein guter Weg Kompromisse zu finden, die für beide eine Lebendigkeit in der Beziehung sein können.

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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 37 im Thema

Beitrag von Lilly-Fee »

Hallo Anne-Mette,

"Fragwürdig finde ich es, wenn es gemacht wird, weil sich jemand gezwungen fühlt."

Genau das ist der Punkt, an dem ich beim Thema Styling gerade stehe.

Ziehe ich da jetzt mit und schmeiße meine Sichtweisen zu der Angelegenheit mal eben über Bord, um nicht der Peinlichkeitsfaktor an seiner Seite zu sein, oder bleibe ich mir selbst treu?
Kleidungsgrößenmäßig haben wir eine deutliche Diskrepanz, aber die Schuhgröße ist die gleiche. Gefühlt hat er inzwischen mehr Paar Schuhe, als ich in meinen Leben je besessen habe. Alle natürlich mit mehr oder weniger Absatz. Anprobiert habe ich auch einige davon, bin aber der Meinung, dass mir so was nicht wirklich steht — er sah das anders. Habe ich dann ein Problem mit der Selbstwahrnehmung? Unsicherheiten, wohin man schaut...

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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 38 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 13:12 Ziehe ich da jetzt mit und schmeiße meine Sichtweisen zu der Angelegenheit mal eben über Bord, um nicht der Peinlichkeitsfaktor an seiner Seite zu sein, oder bleibe ich mir selbst treu?
Ist das Deine Sichtweise "Peinlichkeitsfaktor", oder hat er sich so geäußert?

Es kommt bei vielen Paaren vor - auch ohne Crossdresser/Trans/Intersex-Thema, dass Geschmäcker und Prioritäten abweichen.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 39 im Thema

Beitrag von Lilly-Fee »

Nein, das ist ausschließlich meine Sichtweise, liebe Anne-Mette.
gx Lilly-Fee
Anke
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 40 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 13:12 "Fragwürdig finde ich es, wenn es gemacht wird, weil sich jemand gezwungen fühlt."

Genau das ist der Punkt, an dem ich beim Thema Styling gerade stehe.

Ziehe ich da jetzt mit und schmeiße meine Sichtweisen zu der Angelegenheit mal eben über Bord, um nicht der Peinlichkeitsfaktor an seiner Seite zu sein, oder bleibe ich mir selbst treu?

Das ist keine einfache Frage.

Ich finde es sehr wichtig, dass Du dir selbst treu bliebst. Du bist eben Du.

Aber vielleicht lässt Du dich auch ein wenig inspirieren und vielleicht gefällt dir wider erwarten das eine und das andere.

Und zum anderen, wenn Du zu bestimmten Gelegenheiten und ihm zur Freude dich ein wenig an seinen Kleidungsstil annäherst, dann schmeißt Du sicher nichts über Bord. Und am nächsten Tag trägst Du deine gewohnte Kleidung.

Es ist eben nicht nur schwarz-weiß, sondern oft auch etwas dazwischen.
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 13:12 Kleidungsgrößenmäßig haben wir eine deutliche Diskrepanz, aber die Schuhgröße ist die gleiche. Gefühlt hat er inzwischen mehr Paar Schuhe, als ich in meinen Leben je besessen habe. Alle natürlich mit mehr oder weniger Absatz. Anprobiert habe ich auch einige davon, bin aber der Meinung, dass mir so was nicht wirklich steht — er sah das anders. Habe ich dann ein Problem mit der Selbstwahrnehmung? Unsicherheiten, wohin man schaut...
Wenn Du dein Leben lang eher sportlich-praktische Schuhe getragen hast, dann fühlen sich elegante Schuhe mit Absatz natürlich erst einmal komisch an. Ich habe es natürlich nicht an dir gesehen, aber ich habe noch keine Frage gesehen, an der so ein Schuh nicht gut aussieht. Ganz im Gegenteil. Solche Schuhe machen ein schönes Bein und verschieben die Proportionen zugunsten der Trägerin.

Ich kann gut verstehen dass Du die Befürchtung hast, dich selbst zu verlieren. Das ist nur allzu menschlich. Aber vielleicht gibt es an dir noch eine unbekannte Seite, die es jetzt zu entdecken gilt. Du bist die einzige, die das herausfinden kann.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 41 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:20 Hallo Vicky,
ganz herzlichen Dank, dass Du mir solch tiefe Einblicke gewährt hast.
Hallo Lilly,

gern geschehen. Aber in diesen Dingen bin ich ganz eigennützig. ;-) Meine Texte helfen mir beim Verstehen, denn ich muss mir Gedanken machen, wenn ich sie aufschreibe, statt sie diffus im Kopf zu behalten. Außerdem glaube ich, dass mehr Offenheit von mehr Menschen zu weniger Problemen zwischen den Menschen führt.

Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:20 Du schreibst sehr deutlich, was in Dir vorging und —geht und das Du Dir eine lebendige Beziehung statt "nur" einer funktionierenden wünschst — Deine Frau da aber nicht ganz mitzieht.
Was die beziehung betrifft, sehen wir es beide ähnlich, wie wir in vielen Dingen uns ähnlich sind. Ich bin mir nicht sicher, dass sie nicht mitzieht, aber es ist eine Frage der Zeit und der Entwicklung. Wobei ich Entwicklung nie als einseitigen Akt verstehe. Es gehören zwei dazu. Wie schon geschrieben, ich habe aus meiner Notwendigkeit heraus eine Entwicklung provoziert. Sie ist am Zug zu reagieren. Ich glaube ein Punkt ist, dass sie Angst vor Veränderungen hat.

Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:20 Ich kann natürlich nicht wissen, warum Deine Frau nicht die Offenheit an den Tag legt, die Du gerne hättest,
Sie ist schon offen, aber nicht mit mir auf einer Linie.
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:20 aber ich kann versuchen ein wenig Verständnis für Sie in Deiner Denke ein zu bringen ...
Nein, sie hat mich nicht "erwischt". Ich habe ihr von Anfang gesagt, wie ich ticke. Aber ich glaube, sie hat die Tragweite nicht erkannt.
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:20 Was sich durch das Zulassen der Freiheiten für Ihn in den ersten Monaten an Ängsten bei mir aufgebaut hat, war dazu geeignet in mir die Erkenntnis reifen zu lassen, dass ER jetzt seinen Seelenfrieden bekommt und glücklich sein weiteres Leben verbringt und ICH meine Bedürfnisse und Sehnsüchte, wenn ich sie weiter mit ihm ausleben möchte, komplett in die Tonne treten darf.
Verständliche Sichtweise, aber wieso gibst Du ihm frfeiheiten ? Hat der diese nicht von sich aus in der Partnerschaft ? Ich will meiner Frau keine Beschränkungen in ihrer Freiheit auferlegen und sie tut es mir gegenüber auch nicht. Hier greift die Verantwortung für den Partner. Natürlich müssen sich beide in der Beziehung wohl fühlen, aber das wird mMn nicht durch die Dinge an der Oberfläche erreicht, sondern an der Basis. Begegnen wir uns auf der menschlichen Ebene ? Fühle ich mich bei ihr/ihm zuhause ? Wenn nicht, was ist der wahre Grund ?
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:20 Dazu gesellten sich ordentliche Bedenken hinsichtlich gemeinsamer Auftritte in die Richtung, dass er als Frau viel mehr den gesellschaftlichen Klischees entspricht als ich. Das es eher ihm peinlich sein muss, mit mir gesehen zu werden.
Machst Du Dir Sorgen, was ihm peinlich sein muss oder ist es nicht eher umgekehrt, dass es Dir peinlich ist, mit ihm gesehen zu werden ? Ich wette meine schönsten Schuhe (;-)), dass es ihm nicht peinlich ist, wenn er en femme mit Dir unterwegs wäre. Im Gegenteil, er wäre wahrscheinlich stolz darauf. Wieso ist seine Klischeeerfüllung für Dich ein Thema ? Es ist seine Ausdrucksform. Wie kann er denn sonst (seine) Weiblichkeit ausdrücken. Übrigens, Du hast die Frage nach Weiblichkeit von mir oben nicht beantwortet.
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:20 Gestehe Deiner Frau auch ein Anrecht auf ein erfülltes Leben zu. Versuche auch ihre Wünsche an die Partnerschaft zu akzeptieren, wenn Dir an dieser Partnerschaft was liegt.
Ich habe es schon öfters erlebt, dass Paare sehr viel Rücksicht aufeinander genommen haben. Aber auf Dauer wurde das dann mindestens einem zu viel oder besser gesagt zu wenig, nämlich zu wenig persönlichen Austausch aus Rücksicht. Viele von uns Transmenschen sehen sich selber als Zumutung für die Partnerin. Mir geht das gelegentlich auch so, auch wenn ich im Kopf weiß, dass das falsch ist. Die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Anderen ist mMn der Kern der Beziehung. Ich muss damit leben, was mir die Partnerin von sich zeigt. Wenn sie, wie Du es als Beispiel nennst, die Attribute versteckt, die mir wichtig sind, ist das von meiner Seite aus zu akzeptieren. Das ist manchmal schmerzhaft und kann auch im Extremfall auch zur Trennung führen. Man kann dem anderen zuliebe auf Dinge verzichten oder Dinge tun, was ich nicht so gut finde. Aber wenn es zum Dauerzustand wird, muss ich etwas ändern. Ein alter Motivationsspruch lautet: love it, change it or leave it.
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:20 Sie steht weiter auf Männer, ist weiter eine Frau, hat aber keine Attribute mehr, die eine Verlockung für (Hetero-)Männer bedeuten — wie würdest Du reagieren? Würdest Du freudestrahlend zum Trabbi greifen, wenn Du vorher einen Porsche als "Schön" empfunden hast? Wenn Du diese Fragen einmal ehrlich durchdenkst, kommst Du vielleicht dahinter, warum sich Deine Frau an einigen Stellen so sperrt.
Meine Frau muss keine Verlockung für Männer darstellen. Ich brauche kein Supersexyweib zu meiner Bestätigung. Ich brauche eine Ehe, in der wir uns als Menschen offen begegnen können. Es werden immer Differenzen bleiben. Ich bin so "rücksichtslos" und rasiere meinen Körper, auch wenn er sehr schnell wieder kratzig wird (nervt mich selber). Aber dafür kann sie sich in anderen Dingen 100% auf mich verlassen. Wichtig ist, dass der persönliche Kontakt nicht abreisst. Schlimm wäre für mich, wenn sie sich wegen der Rasiererei kommentarlos von mir zurück zöge. Das wären dann typische Machtspielchen à la "bist Du nicht willig, gebe ich Dir "Liebesentzug". Es geht auch anders herum, " ich gebe Dir alles und Du ruinierst mein Leben". Selber schuld kann ich da nur sagen. Es ist wichtig, auf die eigenen Gefühle zu hören. Sie sind der Kompass, mit dem in einer Beziehung gesteuert wird. Wenn man es soweit kommen lässt, ass man das Gefühl hat, das eigene Leben wäre ruiniert, hat man zu wenig auf sich selber geachtet. Wenn man das vom Partner erwartet, überfrachtet man seine Ansprüche an ihn. Deshalb immer schön den Austausch pflegen.

Zum Thema auf sich selber achten (=Selbstliebe), gibt es ein hervorragendes Gedicht: https://sich-leben.com/charlie-chaplins-weisheit/
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:20 Sprich mit Ihr und zeige Interesse auch an Ihren Problemen mit der Situation.
Da sind wir dran. deshalb auch die Idee mit den Zwiegesprächen. Ich habe das vor vielen Jahren in einer anderen Beziehung einmal gemacht und es war sehr spannend, wie man sich dabei annähert, aber gleichzeitig auch an die Grenzen kommt. Es gibt einem die Möglichkeit, intensiver zuzuhören und zu verstehen. Aber es ist manchmal schmerzhaft, durch den Anderen sich selber und seine eigenen Leichen im Keller zu entdecken.

Edit:
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 13:12 Ziehe ich da jetzt mit und schmeiße meine Sichtweisen zu der Angelegenheit mal eben über Bord, um nicht der Peinlichkeitsfaktor an seiner Seite zu sein, oder bleibe ich mir selbst treu? ... Habe ich dann ein Problem mit der Selbstwahrnehmung? Unsicherheiten, wohin man schaut...
Natürlich bleibst Du Dir treu. Aber es spricht nichts dagegen, mit den Dingen zu spielen. Die Welt ist eine Bühne und wir die Schauspieler.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Anke
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Registriert: Mo 2. Jun 2014, 17:14
Geschlecht: Weiblich
Pronomen: sie
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 42 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 10:22
Danke für diese gute Zusammenfassung der Situation in Deinem Gefühlsleben. Deine Worte kommen einem Aha-Erlebnis für mich am besten rüber. Ich muss wohl einräumen, dass ich eine Version Frau bin, die generell ein Problem mit dem "zurecht machen" hat— sowohl bei Frauen, wie bei Männern und allem dazwischen. Für mich steckt da so viel Unehrlichkeit und Eitelkeit drin — PushUp für vorne, PushUp für hinten, Bauch-Weg-Hose — wie enttäuscht muss ein Mann eigentlich sein, wenn er eine solche Mogelpackung auszieht? Auch bei der Schminkerei bleibt für mich keine "ehrliche Haut" mehr sichtbar. Man/n schaut in eine Maske. Das ist für mich bisher keine echte Ausdrucksform, sondern eher ein verstecken — da muss ich wohl umdenken. Nur weil ich mir das Auge reiben können möchte, wenn es juckt, ohne hinterher wie ein Panda aus zu sehen, können andere das als künstlerische Variation ihrer selbst betrachten"¦.
interessant, dass Du das so siehst. Mein Blickwinkel ist da ganz anders.

Es fängt damit an, dass ich, von Ausnahmen mal abgesehen, mich für mich selbst kleide und schminke. Ich muss für mich am Ende des Prozesses (Kleidung und Schuhe auswählen, Schminken, Haare zurecht machen, etc.) damit zufrieden in den Spiegel schauen und mir sagen, ja, das gefällt mir, das bin ich. Wenn das anderen gefällt, schön, freut mich. Falls nicht, auch in Ordnung. Die meisten Frauen (die meisten davon Cis), mit denen ich befreundet bin, sehen und tun das genau so.

Ausnahme davon ist für mich beispielsweise, wenn ich auf die Bühne gehe (ich bin im Nebenberuf Burlesque-Künstlerin). Dabei geht es ja darum auf der Bühne eine gewisse Wirkung zu erzielen. Da steht dann auch nicht Anke auf der Bühne, sondern die Figur, die ich gerade verkörpere. Dann ist das Make Up auch eine Art Maske. Aber eben nur dann. Dementsprechend wird dann auch beim Make Up geklotzt und nicht gekleckert, mehr ist dann auch mehr. Das hat dagegen im Alltag nix verloren.

Abgesehen davon finde ich dass das wichtigste, was ich nach außen trage, meine eigene Ausstrahlung ist. Durch die Wahl meines Outfits wird diese lediglich verstärkt. Ohne Ausstrahlung sieht das tollste Kleid, die tollsten Haare und das gelungenste Make Up einfach nur künstlich aus. Wenn aber Ausstrahlung und Outfit zusammen passen, dann ist es aus meiner Sicht natürlich und echt. Ach deshalb entscheide ich erst kurz bevor ich weggehe, was ich anziehe. Wenn meine Kleidung nicht zu meiner Stimmung passt, dann fühle ich mich auch nicht stimmig.

Liebe Grüße

Anke
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 43 im Thema

Beitrag von Lilly-Fee »

Hallo Vicky,

will jetzt nicht noch mal alles aufdröseln — hab Dank für Deine Anregungen, aber auf den Punkt gehe ich gerne noch mal ein:

"Wie definiert sich Deiner Meinung nach Weiblichkeit ? Was ist Weibichkeit ? Was ist von den Punkten nur Klischee ? Ist es wirklich nur die biologische Funktion ? Warum darf ein Mann nicht seine Weiblichkeit ausdrücken ? "
"Übrigens, Du hast die Frage nach Weiblichkeit von mir oben nicht beantwortet"

Eben nicht über Äußerlichkeiten, sondern Ausstrahlung und Charaktereigenschaften.
Es kommt doch nicht vom Himmel gefallen, dass Männer untereinander das "Weichei" oder den "Softie" ausmachen können. Genauso wie Frauen untereinander das Mannweib erkennen. Es sind doch Eigenschaften, die einen entweder weicher, sensibler, empathischer erscheinen lassen oder eben nicht. Überspitz: Ein Holzklotz kommt auch mit Perücke nicht weicher rüber.
Selbstverständlich darf ein Mann seine Weiblichkeit ausdrücken, aber warum braucht er dafür eine neue Fassade? Er ist doch schon dieser liebenswerte Mensch.

Gx
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 44 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Abend,
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 17:16 aber warum braucht er dafür eine neue Fassade?
Eine Fassade kann so etwas wie ein Aushängeschild sein, kann ausdrücken: "ICH bin so - und nicht anders!"
Manchmal ist da eine Erneuerung wichtig und richtig.

Eine "schöne Fassade" nimmt einem Menschen allerdings nichts von seinem Charakter und von seinen positiven Eigenschaften, auch nichts von der Ernshaftigkeit seines Anliegens.
Das wurde in dem schönen dänischen Buch "Ludermainfesten" wunderbar herausgearbeitet.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Ich verstehe es nicht…

Post 45 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 17:16 .... , aber warum braucht er dafür eine neue Fassade? Er ist doch schon dieser liebenswerte Mensch.
Weil er es eben braucht. Lass doch einfach mal los und höre auf in Deinen Kategorien zu denken .,.
Und noch einmal ... es ist nicht eine Fassade ... ist ist ein Teil seiner Identität...

Liebe Grüße
Vanessa
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