Anne-Mette hat geschrieben: Di 10. Sep 2019, 16:54immer wieder stolpfere ich über geschlechtsspektrumorientierte "Sprachbasteleien". Aufgefallen sind mir in den letzten Tagen Worte mit "x" am Ende.
Das kann wohl in einigen Fällen eine Verbindung zu dem Wort "nix" als Ersatz für "nichts" schaffen(?), so z.B. bei dem Wort "Schülix": "weiß nix (nichts), kann nix (nichts).
Eine kurze Frage zur Aussprache: wenn das "x" auf einen Konsonanten folgt, wie sprechen wir es aus?
Turnx?
Ah *aufmerk* ich denke, das war dann wohl vor allem in meinen Beiträgen
Die Idee der x-Form stammt von
Lann Hornscheidt, bekannt geworden auch in den Medien als "Professx", leider in der Regel ohne auf die Gedanken dahinter einzugehen und häufig die ganze Idee einer inklusiveren, weniger stark gegenderten Sprache verächtlich machend.
Wiki schreibt:
Ausgehend von der feministischen Linguistik befürwortet Hornscheidt eine geschlechtsneutrale Sprache, mit der sich auch diejenigen identifizieren können, die sich nicht als Mann oder Frau betrachten, und schlägt die Verwendung einer "x"-Form vor, die geschlechtsspezifische Wortendungen aufhebt [...] Dieser Vorschlag ist nicht als Forderung zur allgemeinen Einführung einer "x"-Form als Ersatz für männliche oder weibliche Formen gedacht, sondern eine neutrale Ergänzungsform. Hornscheidt betont, dass es sich um Vorschläge handelt, nicht um Forderungen, und dass bei der Verwendung der Sprachform immer auch Kontext und Adressat betrachtet werden sollten.
Ausgesprochen wird das "x" als "iks". Professiks, Turniks, Schüliks, Lehriks - Asteriks

Phonetisch sehr einfach und für mich mindestens genau einfach oder sogar besser lesbar als "Ministerialbürokratie" oder ähnliche Wortmonster.
Im Original, manchmal etwas sperrig formuliert auf
Lanns Homepage. Nicht wundern, wenn der Unterstrich in einigen Wörtern an unterschiedlichen Stellen steht, auch dabei gibt es einen Hintergedanken
Zur Verwendung des x und mit einer kritischen Bemerkung zum "X" generell hat
nibi.space etwas. Überhaupt eine interessante Seite, mit vielen Neopronomen.
Lann wurde massiv angefeindet von selbsternannten Sprachpuristxn, Antifeminstxn und anderen, die ihre bekannte, bequeme Welt wohl nicht hinterfragen wollten oder gewohnte Privilegien in Gefahr sahen.
Ich verwende inzwischen die x-Form, Sternchen, Unterstriche, Doppelpunkte und einige andere Ideen je nach Lust und Laune, wenn von geschlechtlich unbestimmten Individuen oder gemischten Gruppen die Rede ist. Schön, wenn es auffällt, dann erfüllt es seinen Zweck. Sprache ist eine so tolle Sache. Flexibel, gestaltbar, innovativ, künstlerisch nutzbar, um Kontext und Konnotation zur reinen Sachaussage hinzuzufügen. Es ist doch spassig, an Wörtern und Formulierungen zu feilen.
So ein bisschen ist es auch meine Selbstverteidigung gegen die allgegenwärtige binäre Sprache auch hier, auch im Chat. Ich fühle mich bei "Hallo Mädels" eben nicht angesprochen. Und trans*männliche Menschen auch nicht.
Irgendwann wird sich wohl auch im Deutschen eine neutrale Form durchsetzen, aber erst wenn es selbstverständlich ist, inklusiv zu denken.
Es ist inzwischen bekannt - und das habe ich in einem Vortrag von Lann Hornscheidt auf der Trans*Tagung in Oldenburg gelernt - dass allzu glatte Formen keinen wirklichen Fortschritt bewirken. Das Binnen-I wird inzwischen einfach geschrieben, aber in den Hirnen werden beim Wort "BaggerfahrerInnen" immer noch männliche Personen aufgerufen.
D.h. Leisetreten ist nicht zielführend. Schönen Gruß an den CSD-Thread. Also viel Spass mit kreativen Sprachbasteleien
