Betrogen und doch nicht
Betrogen und doch nicht - # 2

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Diva
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 16 im Thema

Beitrag von Diva »

Hi,
AnnaJo hat geschrieben: Mi 4. Sep 2019, 21:10 Hi,

Mein Mann hat sich in den Flitterwochen geoutet. Ich fühlte mich sofort betrogen und belogen und habe einfach nur noch geweint. Für mich war es ein Gefühl von "in der Falle sitzen". Vor ein paar Tagen hatte ich den wundervollsten Menschen hier auf Erden geheiratet und verbrachte paradiesische Flitterwochen auf einer traumhaften beinahe einsamen Insel mit einem Menschen den ich glaubte in und auswendig zu kennen und dann kam da dieser unerwartete "Schlag". Mir wurde plötzlich bewusst, ich kannte ihn doch nicht. Zumindest nicht so wie ich es dachte. Tief im Inneren unterstellte ich meinem Mann sogar, alles geplant zu haben, damit ich ihn nicht so einfach verlassen kann, was absoluter Schwachsinn war.
wenn ich richtig gelesen habe, kennt ihr euch über 20 Jahre? Und dann das Coming Out in den Flitterwochen? Geschmacklos.
Ganz ehrlich: Wäre das mir passiert, hätte nur noch eine (lebendig) die einsame Insel verlassen ... garantiert.
Ich bin 200% impulsiv und hätte es rumsen lassen, dass eine Supernova dagegen wie ein Tischfeuerwerk aussähe ... Das ist nur meine Meinung als emotionale Frau.

Ich weiß nicht, ob ich den Umstand, dass du mit diesem Mann noch immer zusammen bist, bewundern oder bedauern soll. Der Gedanke, alles so geplant zu haben, drängt sich tatsächlich auf - verbunden mit jeglichem bitterem Beigeschmack.
AnnaJo hat geschrieben: Mi 4. Sep 2019, 21:10 Jetzt, ein Jahr später, fühle ich mich noch immer betrogen und ständig habe ich das Gefühl es kommt nochmal so ein "Schlag". Ich wurde noch nie in meinem Leben betrogen und plötzlich muss ich mich mit Gefühlen herumschlagen, die ich noch nie zuvor verspürt hatte.
Lässt dieses Gefühl irgendwann nach? Ich vertraue ihm noch immer, wenn auch nicht mehr ganze 100 Prozent. Dafür brauchte es einige Jahre ... echt komisch ... wie lange man zum Aufbau von Vertrauen braucht und wie schnell davon eine gewaltige Ecke fehlen kann. Wir Menschen sind doch wirklich eine seltsame Spezies.
Glückwunsch (?) zum ungebrochenen Vertrauen. Könnte ich nicht. Ich würde jetzt alles, was für die Fortsetzung der Beziehung spricht, in die eine Waagschale schmeißen, was dagegen spricht in die andere und knallhart entscheiden.

Nachdem ich wusste, TS zu sein, hab ich mir genau vier Wochen Frist gegönnt, um meine Ehefrau davon in Kenntnis zu setzen. Nach den vier Wochen war ich noch immer TS (was für ein riesiger Bullsh**!), und outete mich bei ihr. Darum kann ich mir schwer vorstellen, wie jemand über 20 Jahre ein Versteckspiel treiben kann - auch wenn es "nur" CD ist. Meine Frau ist zusammengebrochen und hat sich nach anderthalb Jahren getrennt, dabei mit allem nach mir geworfen, was ihr in die Finger kam - obwohl ich ehrlich war, von Anfang an!

LG
-Diva
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Nicole Fritz
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 17 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

sbsr hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 14:42 Nicole, Du weißt doch genau, wie Mina es gemeint hat. ...
Hallo Svenja,

so wie ich die Sache einschätze, ist es hier schon deutlich mehr als nur die Freude am Tragen schöner Kleidung. Wenn es nur das ist, warum ist der Druck dann so groß, dass es unbedingt raus muss, sobald in den Flitterwochen endlich Ruhe einkehrt? Da hat jemand vermutlich ein echtes Problem und deshalb wegen der Heimlichkeit ein sehr schlechtes Gewissen. Die Sache einfach mit "nur CD" abzutun könnte also dazu führen, dass mit einem starken Einschränken des "Hobbys" das Problem erst richtig anfängt. Der Übergang ist nun einmal fließend.

LG Nicole
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 18 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Diva hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 16:24 Ganz ehrlich: Wäre das mir passiert, hätte nur noch eine (lebendig) die einsame Insel verlassen ... garantiert. ...
Hallo Diva,

was ist, wenn dieser Mann wie ich früher diese 20 Jahre lang überzeugt war "nur" einen heimlichen "Fetisch" zu haben und erst in der Ruhe der Flitterwochen zu der Erkenntnis gelangte, dass es doch mehr ist? Ist das dann immer noch absichtlicher Betrug? Hier einfach heftig emotional zu reagieren ist zwar mehr als nur verständlich, aber es hilft doch letztlich niemandem. 20 Jahre zu wissen, dass man TS ist, und sich erst dann zu outen wäre jedoch wirklich ein starkes Stück.

LG Nicole
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 19 im Thema

Beitrag von Diva »

Nicole Doll hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 18:34 Hallo Diva,

was ist, wenn dieser Mann wie ich früher diese 20 Jahre lang überzeugt war "nur" einen heimlichen "Fetisch" zu haben und erst in der Ruhe der Flitterwochen zu der Erkenntnis gelangte, dass es doch mehr ist? Ist das dann immer noch absichtlicher Betrug? Hier einfach heftig emotional zu reagieren ist zwar mehr als nur verständlich, aber es hilft doch letztlich niemandem. 20 Jahre zu wissen, dass man TS ist, und sich erst dann zu outen wäre jedoch wirklich ein starkes Stück.

LG Nicole
Hallo Nicole,

hm, mit mir als Frau hätte der gute Mann das den Korallen oder dem weißen Sand erzählen müssen, zwischen denen ich ihn versenkt oder in dem ich ihn verbuddelt hätte. Schicksal - was soll ich dazu sagen. Es gibt bestimmte Dinge, die tut Mann eben keiner Frau an. Die Klärung der Frage nach "echtem" Betrug wäre dann an eine höhere Instanz übertragen worden.
Mit dem Coming Out bis zur Ehe zu warten, empfinde ich als perfide, wann auch immer die Erkenntnis reifte.
Meine aktuelle Beziehung ist bereits ohne göttliche Gnade eine Verbindung auf Leben und Tod (er weiß, worauf er sich einlässt). Aber einige gebbürtige Frauen scheinen die Sache sehr milde und leidensfähig zu betrachten. Das entzieht sich jedoch komplett meiner Gefühlswelt. Zum Glück bin ich ja nur abschreckende Ausnahme einer Frau mit Prinzipien, Konsequenz und Rückgrat und kein Maßstab, lach.

LG
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 20 im Thema

Beitrag von Michi »

Nicole Doll hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 18:10 so wie ich die Sache einschätze, ist es hier schon deutlich mehr als nur die Freude am Tragen schöner Kleidung. Wenn es nur das ist, warum ist der Druck dann so groß, dass es unbedingt raus muss, sobald in den Flitterwochen endlich Ruhe einkehrt? Da hat jemand vermutlich ein echtes Problem und deshalb wegen der Heimlichkeit ein sehr schlechtes Gewissen. Die Sache einfach mit "nur CD" abzutun könnte also dazu führen, dass mit einem starken Einschränken des "Hobbys" das Problem erst richtig anfängt. Der Übergang ist nun einmal fließend.
Hallo Nicole,

fest steht, dass wir nicht wissen, wie die Umstände waren was in Annas Partner die ganze Zeit vorgegangen ist, dass dazu geführt hat, dass er sich gerade zu diesem Zeitpunkt durchringen konnte, das Thema anzusprechen. Daher ist es müßig zu spekulieren. Die beiden müssen jetzt einfach mit der gegebenen Situation arbeiten. Einfach nur Verständnis zeigen, annehmen wie es nun mal ist.

Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
AnnaJo

Re: Betrogen und doch nicht

Post 21 im Thema

Beitrag von AnnaJo »

@ Mina
Mina_35 hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 13:05 Ich glaube das viele leute tolerant sind, bis zu dem Punkt, an dem sie selbst betroffen sind, dann hört die toleranz bei einigen leider ganz schnell auf.
Damit hast du sicher recht. Sicher flackert der Gedanke auf, warum jetzt das? warum bei mir? Dieser Gedanke ist bei mir aber ebenso schnell wieder weg. Er ist natürlich in unseren Denkmustern, aber soweit bin ich ein realistischer Mensch, dass ich weiß, alles kann jeden passieren. ;)

Mina_35 hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 13:05 Es ist auch immer eine Sache, was wir nun daraus machen, du schreibst, das das ganze nun ein Jahr her ist und dich das Thema immer noch schockiert und hier ist es auch so, das man selber drüber nachdenken muss, woran das nun bei einem selbst liegt, das man nicht drüber hinweg kommt. Meine Freundin sagt immer, jeder ist für seine Gedanken selbst verantwortlich und da ist was dran, du wählst (mehr oder weniger), ob du mit dem Thema voran kommen willst. Daher finde ich es sehr gut, das du dich hier angemeldet hast, weil das zeigt, das du mit dem Thema vorankommen willst und andere Dinge im letzten Jahr offenbar leider nicht (viel) geholfen haben. :)
Schockiert klingt etwas hart. Habe ich das wirklich so geschrieben? Wenn ja, dann tut mir das sehr leid. Es ist eine Tatsache und mit der kann ich auf eine gewisse Art und Weise leben, soweit er ab jetzt weiterhin ehrlich und aufrichtig zu mir ist. Mit was ich nicht leben kann, sind die Gefühle, die es zu verarbeiten gilt, nämlich dieses Gefühl des Betruges.
Mina_35 hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 13:05 Um auf den Titel noch einzugehen. Ich sage, er hat dich nicht betrogen, denn insbesondere wenn es "nur" Crossdressing ist und kein Transthema dahinter steckt, ist es ja eher so, das das gelegentlich mal ausgelebt wird und mehr so (und dafür werde ich gleich gesteinigt, ist aber keinesfalls abwertend gemeint, aber ich habe gerade keinen besseren vergleich, für jemanden der es schwer nachvollziehen kann) als "Hobby" zubetrachten ist (bitte das Wort nicht auf die Goldwaage legen).
Ob man "nur" Crossdressing sagen kann, keine Ahnung. Wenn es sein Hobby ist, auch gut, aber ich finde es ist sein Leben, es gehört zu ihm doch dazu. Ich weiß echt nicht, wie weit ich für diese Leidenschaft bin, das können wir nur gemeinsam herausfinden. Verbieten (sofern man das überhaupt kann, zustehen tut es mir jedenfalls nicht) würde ich es nie. Glaubst du, die Trauerbewältigung ist damit gleichzusetzen? - Muss ich mir nochmal durchlesen. Aber ich betrauere eigentlich auch nichts - ich bedaure eher. Bedaure, dass er bis jetzt so leben musste und sich mir nicht anvertrauen konnte, warum auch immer.

Lg
AnnaJo
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@Nicole
Nicole Doll hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 13:21 einen ungünstigerer Zeitpunkt als die Flitterwochen kann man sicherlich für ein Outing kaum wählen. Aber: Es ist bei einem Outing immer falsch - egal wann es stattfindet.
Meine Meinung. Das Bewusstsein, dass es dafür keinen "perfekten" Moment gibt, das habe ich wirklich. Blöder Vergleich, aber es ist so wie mit der Entscheidung Kinder zu bekommen, gibt es einen perfekten Zeitpunkt? - Ganz klar, Nein! (zumindest waren die Zeitpunkte eher ziemlich kleine Zeitfenster, die ich immer verpasste) :lol:
Nicole Doll hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 13:21 Das Problem ist für uns CD, TV, TS oder was auch immer, dass wir lange keine Alternative zu der Rolle sehen, in die wir uns hinein gedrängt fühlen. Bei mir gingen die Beziehungen immer auseinander, als ich nur zeigte, dass ich nicht der starke Mann und Draufgänger - erfolgreicher Ingenieur, dickes Motorrad, usw. - war und bei der Partnerschaft eher Geborgenheit und eine vertraute Person zum Ausweinen suchte als vielleicht eine Gelegenheit für hemmungslosen Sex. Schon da war immer die Enttäuschung riesengroß - obwohl die Partnerin von meinem "Frauenkleider-Fetisch" nichts wusste.
Das kann ich mir lebhaft vorstellen. Manche Frauen sind da auch sehr speziell und können mit einem sensiblen Mann nicht so schnell etwas anfangen, wobei genau diese Sorte Frau meist jammert, dass ihre Männer so unsensibel sind. (da kenne ich mich als Frau ebenso nicht aus) Ich mag es, wenn ein Mann Gefühle zeigen kann, aber so wie hier einige schrieben, die weibliche Seite zeichnet sich ja meist früh ab. Sind alle sensiblen Männer CD, TS, TV oder was auch immer? Das glaube ich nämlich auch nicht ... sonst hätte ich viele solcher Outings in meinem Freundeskreis zu erwarten.

Danke nochmal für deine offenen Worte. Über seine Gefühle reden können ist ganz wichtig!
Lg
AnnaJo

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@ Svenja

Deine Idee der Zettelkommunikation finde ich unschlagbar. ;) Er hasst es, wenn ich ihm etwas schreibe, denn dann muss er lesen *hihi*, aber du hast recht, hier wäre es eventuell angebracht. Zumal es beiden Seiten die Zeit gibt gut darüber nachzudenken. - Das eigentliche Reden darüber, erspart es doch sowieso nicht, aber es ist eine Art um eventuell ins Gespräch zu kommen.

Meine Güte, wenn ich mein Geschriebenes lese, dann müsst ihr euch denken, wir haben eine schweigende Partnerschaft. :o Das haben wir wirklich nicht, nur halt gerade über das Thema CD und Zukunft mit CD.

sbsr hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 14:42
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 12:33 Mit dem "Betrogen und doch nicht" möchte ich nur sagen, es ist 1 Gefühl das ich habe - ich hatte so eines noch nie zuvor und versuche damit adäquat umzugehen OHNE ihm einen Vorwurf zu machen.
Hast Du diesen Satz schon einmal genau so zu ihm gesagt?
Ja, das habe ich! Ich habe ihm auch gesagt, dass ich mich dafür schäme, aber eben auch nichts dafür kann. Mein Mann weiß, dass ich gewisse Gefühle schwer nachvollziehen kann, weil noch nie erlebt (Eifersucht ist auch so ein Thema) - Wir sind halt beide das erste mal mit einer Situation konfrontiert, wo ich genau so ein unbekanntes Gefühl aufarbeiten muss.

Lg
AnnaJo
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@Anja
Anja hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 15:24 Die Seifenblase ist nicht zerplatzt, es ist vielleicht eine weitere hinzugekommen?
Das ist bildlich ein wunderschöner Gedanke!
Anja hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 15:24 Die Ehe, das Leben, wie du es dir vorgestellt hast, muss von dem Crossdressing doch garnicht beeinflusst werden.
Das möchte ich aber nicht - ist es nicht eine Art der Verdrängung dann meinerseits? - sowas kann doch auf Dauer auch nicht gut sein, oder? Ich erwarte von meinem Partner doch auch, dass er mich so liebt wie ich bin, also ist es doch nur logisch, dass es auch umgekehrt so sein sollte.

Lg
AnnaJo

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@ Anne-Mette

Ich sehe es nicht als Angriff von Aubergine, jeder sollte seine Meinung kund tun können. Im Internet ist es halt einfach so eine Sache, dass man hier Emotionen, Gestik, Mimik, schwer mittransportieren kann. Man kennt auch oft nur eine Seite und davon auch nur einen Ausschnitt.
Gleichzeitig finde ich es toll, dass du darauf achtest, hier auf verbale "Übergrifflichkeiten" zu achten. Es gibt sicher Menschen, die etwas zarter veranlagt sind und diese geschrieben Worte als Angriff sehen könnten.

Danke
AnnaJo
Anabelle
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 22 im Thema

Beitrag von Anabelle »

Liebe AnnaJo,
Ich kann mir gut vorstellen, dass das Thema schon mächtig nervt, wenn man es immer und immer wieder durchkauen muss. DANKE!
Bitte laß Dir nicht das Gefühl vermitteln, daß Deine Situation nervt. Das Thema Outing läßt sich nicht allgemein abhandeln, weil Menschen und ihre Lebensgeschichten nunmal
selten ein-zu-eins vergleichbar sind. Du kannst Dich durch 1000 Threads lesen, doch ob sich dadurch Deine Probleme lösen lassen, ist fraglich.

Es sieht ja so aus, als versuchst Du immer noch die Situation zu verarbeiten.
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 12:54 JA, ich brauche für Neues generell immer etwas länger
Das ist halt einfach so, dann braucht es halt länger. Dein Mann hat auch 14 Jahre gebraucht, um sich zu outen. Laß Dich da nicht unter Druck setzen und nimm Dir alle Zeit,
die Du brauchst, um zu verstehen, was in Dir los ist. Nur dann kann es sich auflösen.
Vielleicht ist es ja hilfreich, wenn ich Dir noch einige meiner Gedanken, zu dem was Du geschrieben hast, weitergebe:
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 10:18 Das er mir keine Entscheidungsalternative gelassen hat wiegt bei mir fast am schwersten
Subjektiv empfundene Ausweglosigkeit kann traumatisierend sein, sich im Körpergedächtnis festsetzen und von dort immer wieder Turbulenzen im Deinem Gefühlsleben verursachen.
Dem ist schwer beizukommen, weil es sich überwiegend im Unbewußten abspielt. Ist nur leider bei jedem Menschen anders.
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 12:54 Ich schäme mich für das Gefühl des "Betrogenwerdens". Kann es aber auch nicht abstellen. Ich habe das versucht und auch mit ihm darüber schon gesprochen. Wir arbeiten beide daran. Meine Intension es hier zu schreiben war einfach, um Erfahrungsberichte zu lesen, die es für mich einfacher machen, dieses Gefühl zu verarbeiten. Würde ich es verdrängen, dann würde es irgendwann wieder hochkommen und der Mensch bin ich einfach nicht. Jedes Gefühl gehört verarbeitet.
Gefühle sind einfach da und so wie sie sind und sollten keiner Rechtfertigung bedürfen. Im Grunde weisen sie ja nur daruf hin, daß da irgendwas für Dich nicht paßt.
Und ich teile deine Ansicht bezüglich verdrängen/verarbeiten.
Spannend fände ich, heraus zu finden woher Deine Scham für Dein Gefühl kommt. Hat es vielleicht damit zu tun ?
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 10:18 Er sagte dann noch "ich bin doch noch immer die gleiche Person" - das tat auch sehr weh, obwohl er es zu meiner Beruhigung gesagt hatte, denn, wer war er denn? weiß ich das wirklich? Klar, war/ist er noch immer die gleiche Person, aber aus einem komplett anderen Blickwinkel.
Na klar ist er (aus seiner Sicht) noch die gleiche Person, aus Deiner Sicht jedoch nicht mehr. Aus Vertrautheit und Sicherheit wurde auf einmal Ungewißheit und viele Fragezeichen.
Das Outing wirft bestimmt Fragen auf, wie es mit Eurer Familie weitergehen mag, wie sich das evt. auf Kinder auswirkt, ob er Dir überhaupt als Mann erhalten bleibt,
ob Du als Frau mit einer Frau eine Beziehung haben könntest usw.
Also in einer solchen Situation könnte ich auch nicht souverän sagen: Stimmt, mein Schatz. Du hast recht. Weswegen mach ich mir bloß Gedanken ...

Für Deinen Mann war es eine fortlaufende Entwicklung, in der er sich vielleicht bereits mit ähnlichen Fragen beschäftigt hat. Für Dich ein plötzlicher Schock, der Dich unvorbereitet
mit diesen Themen trifft. Das ist nichts, wofür man sich schämen müßte.

Ich finde, Du machst das doch super, Du setzt Dich geduldig mit allen verschiedenen Themen auseinander, suchst das Gespräch mit Deinem Mann und versuchst eine Lösung zu finden.
Vielleicht braucht alles nur etwas mehr Zeit. Ist ja auch schwierig, aus der ganzen Informationsflut, die da gerade auf Dich hereinprasselt, die für Dich wichtigen Sachen heraus zu filtern.

Alles Liebe und Gute und viel ))):s
Anabelle :woman:
Aus dem Herzsutra: Gate, gate, paragate, parasamgate, bodhi, svaha !
(Gegangen, gegangen, hinübergegangen, vollends hinübergegangen, sein wahres Wesen verwirklicht !
AnnaJo

Re: Betrogen und doch nicht

Post 23 im Thema

Beitrag von AnnaJo »

@ Viggy

Danke für deine eindrucksvolle Lebensgeschichte. Mein Mann hat viele Wesenszüge, die in der Tat nicht dem männlichen Rollenklischee entsprechen. Aber ist Sensibilität wirklich nur dem weiblichen Geschlecht zuzusprechen? Ich denke eben nicht, dass wir Menschen in Rollen, Klischees und Normen zu quetschen sind und genau deshalb kam mir wohl auch nie der Gedanke, dass ich etwas "übersehen" könnte. Zumal ich auch ein sehr ehrlicher Mensch bin und mir das auch von meinen Gegenübern immer erwarte.
Es freut mich ungemein, dass du jetzt so leben kannst, wie es sich dein innerstes wohl schon immer gewünscht hätte, wenn man denn früher aufgekomme/zugelassen/entdeckt worden wäre.
Viggy hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 15:58 Ich finde Du bist auf einem guten Weg, und versuchst dich objektiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Zeig Deinem Mann unauffällige Akzeptanz, ich hoffe, dass er dann auch einen Schritt tut und Gespräche sucht. Denn das Eine ist klar, es darf nicht in ein einseitiges Einlenken münden, Ihr müsst beide damit klarkommen und eine Basis finden, die euch beiden gerecht wird.
Danke dir vielmals, ich werde mir deine Worte zu Herzen nehmen.
AnnaJo

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@ Diva

Du bist die Beste (ap)
Ich habe so lachen müssen. Ich hoffe du siehst das nicht als Beleidigung an. Es war einfach so erfrischend deine Worte zu lesen. Hätte meine Freundin mir meine Geschichte erzählt, ich denke ich hätte ihr das gleiche gesagt, wie du mir geschrieben hast. Ist man aber selber in der Situation, reagiert man IMMER ganz anders.

Ja, wir kennen uns 20 Jahre, sind 14 Jahre ein Paar und seit einem Jahr verheiratet. Ich denke, genau das ist auch der Punkt, warum ich eben nicht so impulsiv reagiert habe, wie manch einer (mich selber eingeschlossen) es sich erwartet hätte. Denn der Zeitpunkt ist und bleibt der besch*issenste den Mann/Frau sich nur denken kann - außer mein Mann :wink:
Diva hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 16:24 Ich weiß nicht, ob ich den Umstand, dass du mit diesem Mann noch immer zusammen bist, bewundern oder bedauern soll. Der Gedanke, alles so geplant zu haben, drängt sich tatsächlich auf - verbunden mit jeglichem bitterem Beigeschmack.
Das kann ich dir ebenfalls nicht beantworten. Ja, der Gedanke des Geplanten tut sich auf, aber ich kenne meinen Mann schon so lange und er ist einfach ein Mensch der einfach NIE (ich meine wirklich NIE) ein Fettnäpfchen auslässt. Seine erschrockene Art danach und alles hat mir gezeigt, dass es einfach ein weiteres Fettnäpfchen war. Eines, dessen Ausmaße einfach tsunamiartig Gefühle losgetreten hat, die unter anderen Umständen (eben nicht in den Flitterwochen) eventuell vermeidbar gewesen wären.
Diva hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 16:24 Glückwunsch (?) zum ungebrochenen Vertrauen. Könnte ich nicht. Ich würde jetzt alles, was für die Fortsetzung der Beziehung spricht, in die eine Waagschale schmeißen, was dagegen spricht in die andere und knallhart entscheiden.
Ungebrochen ist es ja nicht. Das Vertrauen hat einen ziemlichen knacks und muss erstmal gekittet werden. Ganz ohne Narbe wird es wohl nicht gehen, aber eventuell kommen wir an das, was wir hatten, wieder ganz nahe ran. Das muss ich einfach versuchen. Ich bin niemand der Entscheidungen leichtfertig oder übereilt trifft und genau DAS kommt meinem Mann jetzt wohl auch zugute.
Diva hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 16:24 Nachdem ich wusste, TS zu sein, hab ich mir genau vier Wochen Frist gegönnt, um meine Ehefrau davon in Kenntnis zu setzen. Nach den vier Wochen war ich noch immer TS (was für ein riesiger Bullsh**!), und outete mich bei ihr. Darum kann ich mir schwer vorstellen, wie jemand über 20 Jahre ein Versteckspiel treiben kann - auch wenn es "nur" CD ist. Meine Frau ist zusammengebrochen und hat sich nach anderthalb Jahren getrennt, dabei mit allem nach mir geworfen, was ihr in die Finger kam - obwohl ich ehrlich war, von Anfang an!
Ja, TS oder auch alles Andere lässt sich nicht einfach überstehen wie die Phase der Pubertät. Es gehört zu dem Menschen einfach dazu. Ich habe irgendwo am Anfang mal geschrieben, dass ich ein sehr toleranter Mensch bin. Das kommt nicht von ungefähr oder weil ich es jemanden nachquatsche, wie es heutzutage "Mode" ist. Ich habe mich viel damit auseinander gesetzt und meinem Umfeld auch meine Meinung zu sämtlichen Themen kund getan. Ich dachte einfach nicht, dass man 20 Jahre jemanden kennen kann und es eben nicht richtig merken.
Es tut mir sehr leid, dass es bei dir trotz anfänglichem Outing nicht geklappt hat. Ich denke schon, dass Menschen da ganz unterschiedlich sind. Der eine würde sich mit einem späteren Outing anfreunden, manche mit einem ganz frühen und manche kommen damit überhaupt nicht klar. Niemand hat es auf der Stirn stehen und genau das macht es eben auch für euch so schwer und unberechenbar.

Lg und vielen, vielen Dank für deine ehrlichen und amüsanten Worte
AnnaJo
AnnaJo

Re: Betrogen und doch nicht

Post 24 im Thema

Beitrag von AnnaJo »

Liebe Anabelle,

deine Worte sind so gütig. Es tut wirklich gut deine Worte zu lesen. Gleichzeitig frage ich mich, was du wohl von Beruf bist. :wink:

Anabelle hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 21:12 Es sieht ja so aus, als versuchst Du immer noch die Situation zu verarbeiten.
Das ist halt einfach so, dann braucht es halt länger. Dein Mann hat auch 14 Jahre gebraucht, um sich zu outen. Laß Dich da nicht unter Druck setzen und nimm Dir alle Zeit, die Du brauchst, um zu verstehen, was in Dir los ist. Nur dann kann es sich auflösen.
Ich glaube, jeder Mensch, der mit so einem Outing eben absolut gar nicht gerechnet hat, braucht dafür seine mehr oder weniger lange Zeit. Alle Gedanken, die mir dabei helfen sind herzlich willkommen.
Anabelle hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 21:12 Gefühle sind einfach da und so wie sie sind und sollten keiner Rechtfertigung bedürfen. Im Grunde weisen sie ja nur daruf hin, daß da irgendwas für Dich nicht paßt.
Und ich teile deine Ansicht bezüglich verdrängen/verarbeiten.
Spannend fände ich, heraus zu finden woher Deine Scham für Dein Gefühl kommt. Hat es vielleicht damit zu tun ?
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 10:18 Er sagte dann noch "ich bin doch noch immer die gleiche Person" - das tat auch sehr weh, obwohl er es zu meiner Beruhigung gesagt hatte, denn, wer war er denn? weiß ich das wirklich? Klar, war/ist er noch immer die gleiche Person, aber aus einem komplett anderen Blickwinkel.
Na klar ist er (aus seiner Sicht) noch die gleiche Person, aus Deiner Sicht jedoch nicht mehr. Aus Vertrautheit und Sicherheit wurde auf einmal Ungewißheit und viele Fragezeichen.
Das Outing wirft bestimmt Fragen auf, wie es mit Eurer Familie weitergehen mag, wie sich das evt. auf Kinder auswirkt, ob er Dir überhaupt als Mann erhalten bleibt,
ob Du als Frau mit einer Frau eine Beziehung haben könntest usw.
Also in einer solchen Situation könnte ich auch nicht souverän sagen: Stimmt, mein Schatz. Du hast recht. Weswegen mach ich mir bloß Gedanken ...
Meine Scham für mein Gefühl? Das ist einfach. Ich habe mich einfach selber anders eingeschätzt und somit wird auch mein Mann mich anders eingeschätzt haben. In dem Moment, wo mir bewusst wurde, dass ich mich betrogen fühlte (das war praktisch sofort), schämte ich mich für den Gedanken. Mein Mann hat mich nicht im eigentlichen Sinne betrogen und das weiß ich. Ich hätte einfach gerne eine andere Bezeichnung, dann müsste ich mich auch nicht dafür schämen, weil es ja kein Betrug im eigentlichen Sinne war.

Er ist für mich nicht mehr wirklich der selbe Mensch, eben weil sich einfach viel durch sein Outing geändert hat. Würde ich das behaupten, dann würde ich ihn und auch mich belügen. Umgekehrt wäre es ebenso. Die Situation einmal gespiegelt, konnte er es dann auch nachvollziehen.
Die Fragen, ob er mir als Mann erhalten bleibt, die habe ich mir auch schon gestellt, sie aber eben genauso wieder weggeschoben. Er wird es mir "noch" nicht beantworten könne und das verlange ich auch nicht. Und JA, es macht schon Angst. Ich bin, nach vielen Überlegungen, eine Heterofrau und liebe den Sex den wir haben. Ich kann mir hier im Moment absolut nicht vorstellen etwas zu ändern.

Danke liebe Anabelle
AnnaJo
Jasmin_35
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 25 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 »

AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 20:38 Damit hast du sicher recht. Sicher flackert der Gedanke auf, warum jetzt das? warum bei mir? Dieser Gedanke ist bei mir aber ebenso schnell wieder weg. Er ist natürlich in unseren Denkmustern, aber soweit bin ich ein realistischer Mensch, dass ich weiß, alles kann jeden passieren.
Gut zu wissen, daher habe ich es reht provokant geschrieben. Wie schon gesagt, es spricht ja auch sehr für dich, dich damit auseinander zu setzen und nicht bei jedem gleich das Handtuch zu werfen :)
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 20:38 Schockiert klingt etwas hart. Habe ich das wirklich so geschrieben? Wenn ja, dann tut mir das sehr leid. Es ist eine Tatsache und mit der kann ich auf eine gewisse Art und Weise leben, soweit er ab jetzt weiterhin ehrlich und aufrichtig zu mir ist. Mit was ich nicht leben kann, sind die Gefühle, die es zu verarbeiten gilt, nämlich dieses Gefühl des Betruges.
Vielleicht musst du dich davon lösen, das es Betrug ist, natürlich wirkt es so, wieso direkt nach Hochzeit? Vielleicht brauchst du auf die Sache einen anderen Blickwinkel, den ich gerade aber nicht liefern kann. Was natürlich auch nicht unbedingt hilft, ist die Tatsache, das er nicht darüber reden will. Das wird aber immer wichtiger, je mehrzeit vergeht, damit du es auch im ganzen besser verstehen kannst. und insbesondere auch, damit du weißt und wir wissen, wie weit die Sache geht.
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 20:38 Ob man "nur" Crossdressing sagen kann, keine Ahnung. Wenn es sein Hobby ist, auch gut, aber ich finde es ist sein Leben, es gehört zu ihm doch dazu. Ich weiß echt nicht, wie weit ich für diese Leidenschaft bin, das können wir nur gemeinsam herausfinden. Verbieten (sofern man das überhaupt kann, zustehen tut es mir jedenfalls nicht) würde ich es nie. Glaubst du, die Trauerbewältigung ist damit gleichzusetzen? - Muss ich mir nochmal durchlesen. Aber ich betrauere eigentlich auch nichts - ich bedaure eher. Bedaure, dass er bis jetzt so leben musste und sich mir nicht anvertrauen konnte, warum auch immer.
Das ist ja genau der Punkt, daher sollte er auch wirklich aus sich herauskommen, auch wenn es im ersten Gespräch sicher schwer ist. Zumindestens würdest du es nicht verbieten, was auch schon sehr für dich spricht, vielleicht solltest du es so direkt ansprechen, um die Angst zu nehmen, darüber reden zu können. Trauerbewältigung ist nur die Beschreibung dafür, die natürlich hier nicht zutrifft, man nennt die 5 Phasen halt so und jeder Mensch macht die auf die eine oder andere Art und Weise bei jeder Veränderung durch. Also 1. Leugnen, 2. Zorn, 3. Verhandeln, 4. Depression, 5. Akzeptanz. Man überspringt da aber auch mal die eine oder andere Phase, aber grob zusammengefasst verarbeitet man so offenbar dinge.
Die Gründe, warum er sich dir bis dahin nicht anvertrauen konnte, ist für uns, auch sogar für dich aktuell nur spekulation, solange er keine Auskunft darüber gibt.

Ich hoffe jedenfalls, das er bald aus sich raus kommt und anfängt mit dir zu reden, damit du besser damit klarkommst und er mit der Sache auch besser klar kommt. Ich drück die Daumen :)
Liebe Grüße Jasmin
Frieda
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 26 im Thema

Beitrag von Frieda »

Liebe AnnaJo falls noch etwas Interesse bei dir besteht, hier ist meine Wahrnehmung zu diesem Thema.

Mein herzliches Danke an dich liebe Jasmine für die Erinnerung an diesen Thread. 🙏👍
viewtopic.php?p=231802#p231802

Namaste 🙏


PS: ich möchte mich noch trauen liebe AnnaJo, dich sehr freundlich und respektvoll an deine eigenen Worte (das Zitat) hier in deinem Kurzprofil zu erinnern❣️
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Lorelai74
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 27 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Guten Morgen AnnaJo,

mein Eindruck ist das du ein sehr reflektierter Mensch bist der über sich und seine Gefühle tief nachdenkt, der nicht leichtfertig entscheidet, der verstanden hat das man selbst für seine Gefühle verantwortlich ist, und das die Gefühle auf die Bedürfnisse zeigen - wie Sicherheit, Offenheit, Kommunikation oder auch Intimität.

Ich denke ich verstehe auch, das deine Wortwahl, für das Gefühl das du nach seiner Offenbarung empfandest -"Betrogen"- eine Annäherung an das Gefühl war das du hattest. Worte setzen unserer Möglichkeit unsere Erfahrungen mitzuteilen Grenzen- Betrogen lese ich so, dass es das Wort ist das deinem Gefühl am nächsten Kommt. Ist das so?

Du hast ja schon gesagt das du nicht "Betrogen"wurdest - im Sinne das er mit einem anderen Menschen Intimen Kontakt hatte.

Es ist eher ein Betrogen in der Verwandtschaft zu "der Schein trügt", - der Schein der in einem
Moment entfernt wurde der Dir weniger Autonomie lässt als zuvor, und der das Vertrauen das ihr durch eure Trauung gerade bekräftigt hattet quasi ausgenutzt hat.

Dankeschön dass du darüber sprechen konntest und es uns gesagt hast.

Du sagst das du ihn liebst, dass du auf ihn zugehen willst, in der Kommunikation gehen willst und bist, dass er sich aber in alte Verhaltensweisen zurückzieht.
Was sind das für Verhaltensweisen?

Du erzählst über deine klaren Grenzen im Bezug auf eure Intimität und das ist gut so das du das klar hast.
Weisst du auch ob du dir vorstellen kannst mit Ihm als Ihr auszugehen? Mit Ihm als Ihr Alltag daheim auszuleben?

Als was sieht er sich? Wo steht er mit seiner weiblichen Identität? Das ist mir leider nicht klar geworden.

Du erwähnst das Ihr Kinder habt. Du erwähnst nichts ob du "Gefahren" für sie siehst, wenn du es erfahren, aber auch dass kommt oft bei PartnerInnen die Mütter sind als Gefühl. Fühlst du auch die Kinder "Betrogen"?

Viele liebe Grüße
Lorelai

Falls Dir einige Fragen zu tief gehen lass sie unbeantwortet oder falls du magst antworte Ort PN.
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 28 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo AnnaJo,

Ratschläge sind auch nur Schläge, sagt man. Deshalb gebe ich Dir auch keinen. Ich möchte Dir beschreiben, wie ich grundsätzlich mit Problemen umgehe bzw. wie ich mich darum bemühe.

Kernthese: Ich bin verantwortlich für die Situation in der ich stecke, egal wie es sich für mich anfühlt. Ich bin dafür verantwortlich, wie ich damit umgehe und was sich daraus ergibt.

Wenn ich bereit bin, aktiv meine Situation zu gestalten, erfahre ich Kräfte, die ich nicht verspüre, wenn ich nur versuche, die Situation zu verstehen bzw. Ursachen bei jemanden oder etwas anderem zu suchen. Das mag zwar wichtig sein, aber es hilft mir nur sehr begrenzt.

Am Anfang steht also die Frage: Was will ich ? Was fühlt sich für mich richtig an und was nicht ? Was kann ich dafür tun ? Mache ich auch alles was nötig ist, um das zu erreichen, was ich will ?

Du kannst Deiner Beziehung/Ehe einen Sinn geben. Du bist nicht Opfer Deiner Situation, sondern kannst sie aktiv gestalten. Die Kraft, die in Dir steckt, kannst Du aus Deinen Entscheidungen finden. Sich betrogen zu fühlen, ist legitim, aber für mich steckt der Sinn darin, dass es notwendig ist, dass Du Dich von Deinen Täuschungen lösen kannst. Dein Mann hat Dich ent-täuscht. Darin liegt ein Gewinn für Dich.

Die Welt ist anders als Du denkst. Dein Mann ist anders als Du denkst. Schlimm ist das nur, wenn Du auf der Meinung beharrst, dass Deine bisherige Sicht die richtige ist. Du bist gezwungen, Dich zu entscheiden. Bleibst Du in Deinem Kokon oder bist Du bereit, die Welt mit anderen Augen zu sehen ? Beide Haltungen sind i.O. Du musst Dich nur entscheiden. Was willst Du ?

Aber zu einer Entscheidung gehören auch Konsequenzen. Das macht vielen Menschen Angst. Ich habe auch Angst vor Entscheidungen, weil es dann keinen Weg mehr zurück gibt. Aber habe ich erst einmal erkannt, dass ich durch die Situation, in der ich stecke, bereits Rückwege verbaut sind, kann ich nach vorne schauen. Ent-Scheiden bedeutet auch, sich von Vorstellungen und Möglichkeiten zu trennen. Dafür gewinne ich aber etwas sehr wertvolles: Initiative. Und diese Initiative erlaubt es mir, Schritte vorwärts zu machen. Wenn ich ständig versuche, mir Türchen offen zu halten, kann ich nicht durch eine Tür gehen und erfahre auch nicht, was sich hinter dieser Tür verbirgt. Deshalb ist es so wichtig, dass ich mir klar werde, was sich für mich selber richtig anfühlt und dann die Schritte gehe.

In dieser Haltung liegt für mich Optimismus. Ich brauche den Optimismus, um mein Leben leben zu können. Ich werde nie erfahren, ob die Entscheidung richtig ist, aber ich weiß, dass die Entscheidung gut ist, da ich gar keine andere treffen konnte, weil ich sie aktiv auf der Basis meines Wollens getroffen habe.

Das ist meine Haltung. Es ist kein Ratschlag für Dich. Wenn Du etwas davon gebrauchen kannst, nutze es. Alles Gute.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
AnnaJo

Re: Betrogen und doch nicht

Post 29 im Thema

Beitrag von AnnaJo »

@Frieda

Danke, für deinen Input und auch das erinnern an Viktor Frankl. Habe es gleich zu meiner täglichen Erinnerung in die Signatur gestellt. ;)

LG
AnnaJo

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@ Lorelai

Lorelai74 hat geschrieben: Fr 6. Sep 2019, 07:43 mein Eindruck ist das du ein sehr reflektierter Mensch bist der über sich und seine Gefühle tief nachdenkt, der nicht leichtfertig entscheidet, der verstanden hat das man selbst für seine Gefühle verantwortlich ist, und das die Gefühle auf die Bedürfnisse zeigen - wie Sicherheit, Offenheit, Kommunikation oder auch Intimität.
Wenn du das alles in mir siehst, dann habe ich mich wohl doch nicht immer so wirr ausgedrückt, wie ich dachte. Es beschreibt meine Person sehr gut und es ist auch genau das was ich lebe und leben möchte.
Lorelai74 hat geschrieben: Fr 6. Sep 2019, 07:43 Ich denke ich verstehe auch, das deine Wortwahl, für das Gefühl das du nach seiner Offenbarung empfandest -"Betrogen"- eine Annäherung an das Gefühl war das du hattest. Worte setzen unserer Möglichkeit unsere Erfahrungen mitzuteilen Grenzen- Betrogen lese ich so, dass es das Wort ist das deinem Gefühl am nächsten Kommt. Ist das so?
Ja, das ist in der Tat so. so wie ich schon schrieb - ich hätte gerne ein anderes Wort, aber das Wort "Betrogen" kommt halt schon sehr gut ran an das Gefühl, das ich verspüre/te. Auch hast du super beschrieben wie ich es fühle - mit dem bewusst sein, dass es eben kein Betrug im eigentlichen Sinne war.
Lorelai74 hat geschrieben: Fr 6. Sep 2019, 07:43 Du sagst das du ihn liebst, dass du auf ihn zugehen willst, in der Kommunikation gehen willst und bist, dass er sich aber in alte Verhaltensweisen zurückzieht.
Was sind das für Verhaltensweisen?
Es ist absolut schwer zu beschreiben und ich müsste wirklich lange nachdenken bis ich die richtigen Worte dafür gefunden habe. Es ist seine konzentrierte Flucht in den Alltag. ALLES hat mehr Priorität, als sich mit sich selber auseinander zu setzen. Diese jahrelange Flucht/Verdrängung hat ihn dazu genötigt, das abzulegen ist sicher schwer. Eventuell kennst du das ja?
Lorelai74 hat geschrieben: Fr 6. Sep 2019, 07:43 Du erzählst über deine klaren Grenzen im Bezug auf eure Intimität und das ist gut so das du das klar hast.
Weisst du auch ob du dir vorstellen kannst mit Ihm als Ihr auszugehen? Mit Ihm als Ihr Alltag daheim auszuleben?

Als was sieht er sich? Wo steht er mit seiner weiblichen Identität? Das ist mir leider nicht klar geworden.
Diese Dinge gibt es eben noch zu klären. Dafür benötigt es eben die Kommunikation. Er ist momentan in dem denken, ich würde einfach blind mit ihm mit gehen, das kann ich aber nicht (und habe ich auch genau so kommuniziert). Ich hatte ihn schon gebten, sich herzurichten. Es beschränkte sich auf Damenwäsche und ich bin dann auch über meinen Schatten gesprungen und habe mich auf weiteres eingelassen. Mein Mann tut sich da noch sehr schwer. Er hat für sich einen Frauennamen gefunden und das würde ich deuten, dass er es genießt in der Frauenrolle zu sein und es eben nicht nur ein Fetisch ist. Sagen kann er mir das aber nicht bzw. noch nicht. Ich kann denken was ich will, wissen tue ich es halt leider deshalb nicht.

Lorelai74 hat geschrieben: Fr 6. Sep 2019, 07:43 Du erwähnst das Ihr Kinder habt. Du erwähnst nichts ob du "Gefahren" für sie siehst, wenn du es erfahren, aber auch dass kommt oft bei PartnerInnen die Mütter sind als Gefühl. Fühlst du auch die Kinder "Betrogen"?
Welche Gefahren sollte es für unsere Kinder geben? Er ist kein Monster und auch ist er nicht ansteckend. Wie ich schon schrieb, bin ich ein zutiefst toleranter Mensch und lebe das auch mit meinen Kindern. In unserer Familie wird jeder auf der Welt als Mensch gesehen und eben nicht in Rasse, Normen, etc. unterteilt. (Das hat witziger Weise eher mein Mann immer getan) Und nein, er ist Papa, welche Vorlieben oder Neigungen er hat, das hat mit dem Papasein doch gar nichts zu tun. Er ist gerne Papa und fühlt sich in dieser Rolle auch pudelwohl. Falls er es doch einmal vor den Kindern outen möchte, wäre es schön, wenn wir das gemeinsam täten. Im Moment trägt er keine Damenkleidung und er möchte das auch nicht vor den Kindern tun (ja, ich sehe den Wiederspruch in seiner aber auch in meiner Aussage ;) )

Liebe Grüße
AnnaJo
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@ Vicky_Rose


Deine Ansätze gefallen mir und sind eben auch genau meine Richtschnur. Es selbst anzupacken, heißt aber eben auch den Partner mit einzubeziehen. Wenn er aber gerade abblockt, so muss ich es anders in die Hand nehmen - und genau deshalb bin ich jetzt hier in diesem Forum. ;)
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 6. Sep 2019, 07:45 Du kannst Deiner Beziehung/Ehe einen Sinn geben. Du bist nicht Opfer Deiner Situation, sondern kannst sie aktiv gestalten. Die Kraft, die in Dir steckt, kannst Du aus Deinen Entscheidungen finden. Sich betrogen zu fühlen, ist legitim, aber für mich steckt der Sinn darin, dass es notwendig ist, dass Du Dich von Deinen Täuschungen lösen kannst. Dein Mann hat Dich ent-täuscht. Darin liegt ein Gewinn für Dich.
Dieser Absatz gefällt mir besonders gut. Danke dafür!
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 6. Sep 2019, 07:45 Die Welt ist anders als Du denkst. Dein Mann ist anders als Du denkst. Schlimm ist das nur, wenn Du auf der Meinung beharrst, dass Deine bisherige Sicht die richtige ist. Du bist gezwungen, Dich zu entscheiden. Bleibst Du in Deinem Kokon oder bist Du bereit, die Welt mit anderen Augen zu sehen ? Beide Haltungen sind i.O. Du musst Dich nur entscheiden. Was willst Du ?
Wenn man meint, seine bisherige Sicht ist die einzig richtige, dann lebt man doch sehr engstirnig. Das würde mit meiner toleranten Art kollidieren und somit kann ich dir versichern, ich bin ein Mensch der furchtbar gerne das letzte Wort hat (mein Mann hasst das) aber ich würde nie behaupten, dass nur meine Sicht die richtige wäre bzw. habe gerne mehrere verschiedene Blicke auf ein und die selbe Sache.

Lg
AnnaJo
Anja
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Re: Betrogen und doch nicht

Post 30 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 20:38 Das möchte ich aber nicht - ist es nicht eine Art der Verdrängung dann meinerseits? - sowas kann doch auf Dauer auch nicht gut sein, oder? Ich erwarte von meinem Partner doch auch, dass er mich so liebt wie ich bin, also ist es doch nur logisch, dass es auch umgekehrt so sein sollte.
Das sehe ich nicht so. Natürlich liebe ich meine Frau so wie sie ist. Aber muss ich alles an ihr toll finden?
Sie findet kurze Haare voll praktisch, ich finde sie viel hübscher mit langen Haaren. Sie hat kurze Haare :wink:
Oder wenn sie zum Beispiel ein Raucher wäre (ich bin Nichtraucher), kann ich sie doch auffordern, das nicht im Haus zu tun? Ich verbiete es ihr nicht, aber ich muss es doch nicht auch mögen?
Oder wenn er jetzt ein Hobby hat, was dich überhaupt nicht interessiert...?
Er will jeden Morgen joggen gehen, du findest aber laufen voll langweilig...?
Natürlich ist eine Partnerin, die unsereins (in welcher Ausprägung auch immer) voll akzeptiert, der Hauptgewinn. Ich kann das aber nicht vom Partner verlangen, finde ich.
Und das die damalige Partnerin "es" nicht sehen wollte, empfand ich persönlich auch nicht schlimm. Ich selbst fand mich jetzt auch nicht sonderlich vorzeigbar :lol:
Aber sie wusste davon, ich verheimlichte ihr nichts. Und wenn sie zufällig mal ein weibliches Kleidungsstück fand, was nicht ihres war, brauchte ich mir keine Sorgen machen, das dann der Haussegen schief hängt. Ich hatte ein reines Gewissen. Das war mir immer wichtig.
AnnaJo hat geschrieben: Do 5. Sep 2019, 20:38 Mein Mann weiß, dass ich gewisse Gefühle schwer nachvollziehen kann, weil noch nie erlebt (Eifersucht ist auch so ein Thema) - Wir sind halt beide das erste mal mit einer Situation konfrontiert, wo ich genau so ein unbekanntes Gefühl aufarbeiten muss.
Ich schlage mich auch gerade mit so einem (aber anderen) Gefühl herum, deswegen kann ich das vielleicht ein wenig nachempfinden....

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
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