Mein Endokrinologentermin habe ich nun hinter mir und es war gar nicht so schlimm, wie befürchtet
Natürlich war es schon ein mulmiges Gefühl, das erste Mal in der Praxis als Michaela aufzutauchen.
Stadionbeleuchtung, dutzende Patienten, musternde Blicke = gruselig

Das Praxisteam war sehr nett und äußerst zuvorkommend.
Es wurde vorab am Telefon und auch vor Ort noch einmal gefragt, wie ich angesprochen werden möchte, ob es einen Namen gibt, den sie schon einmal eintragen sollen etc.
Aufgerufen wurde ich als "Frau ..." und als die Praktikantin den "Herrn ..." aufgerufen hat, weil sie nicht wusste, dass sie auf den Vermerk auf der Patientenkarte achten sollte, kamen zwei Helferinnen zu mir um sich zu entschuldigen.
"Alles gut, alles kein Problem." sagte ich, man bedankte sich für meine Gelassenheit und würde sich freuen, wenn jede/r das so entspannt sehen würde. (Kleiner Appell an die Mitlesenden

).
Das Arztgespräch verlief ebenfalls angenehm. Es wurde zur Kenntnis genommen, dass ich gut vorbereitet war, die Aus- und Nebenwirkungen schon sehr gut einschätzen kann und das ich einen gefestigten und reflektierten Eindruck mache. Sehr gut

Nachdem wir über Erwartungen, Wünsche, Risiken, Variationen und groben Ablauf der Hormontherapie sprachen, gingen wir noch kurz auf Genitalien, GaOP und Orchiektomie ein.
Alles ganz unverbindlich, wohl wissend, dass besonders in diesem frühen Stadium nichts in Stein gemeißelt ist.
Mit einem guten Gefühl, dass hier offensichtlich nach Bedürfnissen der Patienten behandelt wird und man sich keinen Gedanken verschließt, ging es zur Blutabnahme.
Blutwerte, Chromosomanalyse und Gerinnungswerte sollten bestimmt werden.
Hier habe ich das erste Mal überhaupt eine negative Reaktion auf "mich" bekommen.
Ich schaute mich im Wartezimmer um und bekam von einer anwesenden Frau in den 30ern einen abfälligen Blick.
Natürlich war genau neben ihr auf der Bank der einzige freie Platz im Raum

Als ich mich setzte rutschte sie demonstrativ von mir weg und presste sich an die Wand neben ihr.
Ich ließ mir nichts anmerken, war aber dennoch etwas geknickt und verunsichert.
Ja, das wird nicht das einzige und letzte Mal gewesen sein, aber mein erstes und das war nicht so schön.
Die Blutabnahme war super. Ich habe nicht einmal den Stich gemerkt und auch der obligatorische blaue Fleck in der Armbeuge blieb aus. Top! Habe ich auch gleich als Lob dort gelassen

Nun warte ich auf die Ergebnisse, aber im Gespräch zuvor klang es schon so, dass wenn nicht etwas Unvorhergesehenes bei der Blutuntersuchung herauskommt, steht nur noch das Indikationsschreiben meiner Therapeutin aus
Was das angeht, gehe ich von einem halben Jahr therapeutischer Begleitung aus, die meine Ärztin abwarten möchte.
Auch wenn ich natürlich gern schon vor zwei Jahren mit der HET begonnen hätte, ist das für mich OK (weil absehbar).
Um nichts zu überstürzen, der Krankenkasse keinen Anlass zu geben sich zu beschweren, Sicherheit für mich und meine Therapeutin ...
Wenn das so klappt, dann wäre das auch schon im Oktober

Ich bin soooooo gespannt!
Liebe Grüße, Michaela