Arme alte weiße Männer
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Marlene K.
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Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Im Namen des Queeres Kulturhaus - Freund:innenkreis E2H verbreitet der TAZ Autor Jan Feddersen https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Feddersen einen Artikel https://taz.de/LGBTQ-Diskriminierung-im ... r/!169099/, der Transmenschen generell für die Übel der jetztigen Zeit verantwortlich macht.
....
Kurzum: Ich bin ein Feind geworden. Ein Weißer, das ist schon anstößig an und für sich. Und außerdem ein Mann, schlimm obendrein. Schwul? Nicht mehr opferig genug. Verübelt wird das, was man als erfochtene Bürgerlichkeit bezeichnen könnte. Und bekämpft wird es ohnehin. Ein weißer Mann ist der Kontrahent schlechthin, die weiße Frau, die einfach nur lesbisch sein will, ist nach dieser Moral kaum besser.
....
Was nützt es überhaupt, die Tatsache zu ignorieren, dass die allermeisten Menschen ziemlich zufrieden sind mit ihrem sexuellen Leben, sei es in Familie, mit heterosexueller Frau oder Mann, in der Ehe ohne Kinder? Wem dient es, alle geschlechtlich-biologischen Verhältnisse für entscheidbar zu halten, für ungefähr so verhandelbar wie die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Zahnpastasorten? Verspricht es nicht nur keine Mehrheit, sondern verbreitet es nicht auch Furcht vor dem "Du musst!"? Überfordert die sexuelle und identitäre Moral von Interessantheit und Originalismus ("Sei anders als alle anderen - Jetzt!") nicht jene, die das nicht wollen? Und bewirkt dies nicht Identitätsrülpser, die einem Mann wie Donald Trump zum Sieg verholfen haben?
Ich habe in einem Leserinnenbrief wie folgt darauf geantwortet:
Lieber Jan, lieber Herr Feddersen,
ich finde Ihre Zuspitzung genau so falsch wie die Positionen, die sie angreifen. Es waren schon in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und auch bei Stonewall die "schrillen", nicht unauffälligen Menschen, die in vorderster Reihe für dass recht darauf als normal wahrgenommen zu werden mit erkämpften.
Keiner nimmt einem weißen Cis-Menschen etwas weg, wenn auch das "schrill-sein", offensichtlich anders sein, nicht mehr als Manko empfunden wird.
Das Du es leider als reinen Kampf um die Fleischtöpfe siehst, wenn Menschen, die nichts anderes als ihre Transidentität von anderen Menschen egal welchen Begehrens, welcher Hautfarbe und welcher Religion oder Nichtreligion genau so selbstverständlich leben wollen wie Menschen ohne auffällige äußere Merkmale.
Kein Mensch wird entrechtet, wenn die Diskriminierung aufgrund von Aussehen, Herkunft, Überzeugung, Identität, Behinderung und deren Potenzierung durch mehrfache Betroffenheit mitgedacht wird.
Ich habe anfangs auch gedacht Deine Kollegin Hengameh Yaghoobifarah schießt über Ihr Ziel hinaus. Wenn ich Deine Jammerei über Dein nicht ernst genug genommen werden als Mensch mit nur einem Diskriminierungsgrund lese, weiß ich, dass Frau Yaghoobifarah eher zu vorsichtig formuliert.
Ich kenne Herrn Jan Feddersen persönlich und bei der letzten, sehr guten, Veranstaltung mit Frau Livia Prüll hat er mich geduzt, daher die vertrauliche Ansprache an einen Menschen, mit dem ich gerne diskutiere...
Eure Marlene
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Renée
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Re: Arme alte weiße Männer

Post 2 im Thema

Beitrag von Renée »

Danke Marlene,

für deinen Leser_innen-Brief. Ich habe den Artikel nicht wirklich verstanden, da bin ich wohl noch nicht weit genug in Gender Studies und der LBGTQ-Community vorgedrungen. Und wenn ich das so lesen, habe ich auch keinen Bedarf danach. Der Artikel hat mir nur das Gefühl vermittelt, dieser Mann hat Angst. Warum, weshalb, wovor verschließt sich mir.
Ist es das Gefühl für jetzt als schwuler Mann zu den Normalen zu gehören?
Oder ist es gerade das Sommerloch?


:?: :?: :?:
Liebe Grüße
Renée

Wenn jemand zu Dir sagt "Das geht nicht". Denk daran, es sind seine Grenzen, nicht Deine.
Marlene K.
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Re: Arme alte weiße Männer

Post 3 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Liebe Renée,
als Antwort auf Deine Frage gebe ich hier mal den Link zur Seite des queeren Kulturhauses Elberskirchen-Hirschfeld-Haus auf Facebook, wo die Diskussion weiter geht. https://www.facebook.com/freundinnenkre ... &ref=notif
Die Diskussion kann Mensch auch ohne Facebook-Konto lesen.
Für mich werden hier viele aktuelle Diskussionen berührt, die nicht voneinander unabhängig sind, wie die feministisch Debatte über das muslimische Kopftuch, die Frage des Informationsverbots über Abtriebungsbehandlungen und nicht nur die Frage, wer in der queeren Welt mit wem solidarisch zu sein hat und wer gefälligst Respekt vor Männern, vor allen Dingen älteren, europäisch aussehenden, zu haben hat...
Meine Beobachtung ist immer wieder, dass das Machtmittel der Wahl immer wieder die Abwertung von allem ist, was als weiblich, unmänlich, weich gelesen wird. Auch in der queeren Welt, die da nur ein Spiegel der Mehrheitsgesellschaft ist... sogar oft in dem Trans-Teil der queeren Welt...
Marlene

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Re: Arme alte weiße Männer

Post 4 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Renée hat geschrieben: Di 30. Jul 2019, 19:44 Der Artikel hat mir nur das Gefühl vermittelt, dieser Mann hat Angst. Warum, weshalb, wovor verschließt sich mir.
Ist es das Gefühl für jetzt als schwuler Mann zu den Normalen zu gehören?
Moin,

der Machtverlust der Schwulen ? Vielleicht, aber ich sehe eher Geltungsbedürfnis. Wo kämen wir hin, wenn jeder einfach so leben dürfte, wie er will ? Aber wer will schon im Paradies leben, wenn man auch Randale machen kann ? Wie sagte schon Goethe:
Alles in der Welt läßt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.
Vor vier Jahrzehnten musste unsereins sich rechtfertigen für das, was er oder sie ist — nun müssen es die anderen, etwa Leute der AfD oder klerikale Kreise: Die Aversion gegen Menschen, die als Mann nicht mit einer Frau oder als Frau mit einem Mann zusammen sein wollen, ist begründungsnötig geworden,...
Zitat: Feddersen im o.g. Artikel

Da gibt es einen entscheidenden Unterschied. Eine Rechtfertigung für das was jemand ist, ist sicherlich nicht notwendig. Es ist Privatsache, die keinen anderen Menschen einschränkt. Aber wenn AfD, klerikale Kreise oder sonstwer Einfluss auf das Leben anderer nimmt, ist m.E. eine Rechtfertigung erforderlich und zwingend. Alles andere ist eine Form des Depotismus.
Aber ich darf ohnehin nicht mehr kompetent mitreden, ich bin als weißer Cis-Mann nicht mehr akzeptabel, glaubwürdig, zurechnungsfähig.
Quelle: ebenda

Wenn er das wirklich glaubt, hat er wohl ein massives Problem. Oder soll das andere Menschen aufstacheln ? Dann hat das für mich das gleiche Niveau wie die AfD-Hetze.

Für mich ist das nichts anderes als aufgeblasenes Geschwurbel. Was oder wen will er eigentlich bewegen und wozu ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Arme alte weiße Männer

Post 5 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 31. Jul 2019, 10:07
...
Wenn er das wirklich glaubt, hat er wohl ein massives Problem. Oder soll das andere Menschen aufstacheln ? Dann hat das für mich das gleiche Niveau wie die AfD-Hetze.

Für mich ist das nichts anderes als aufgeblasenes Geschwurbel. Was oder wen will er eigentlich bewegen und wozu ?
Liebe Vicky,
im persönlichen Gespräch hat er mir erklärt, dass es nur um die Verteilungskämpfe öffentlicher Mittel geht bei den Gender-Studies und dem neuen Feminismus... eine , vorsichtig gesagt, etwas eingeschränkte Weltsicht...

Ich bin auch nicht bei Frau Butler https://de.wikipedia.org/wiki/Judith_Butler und anderen, wenn sie sagen, als nicht-Muslim darf ich das Kopftuch nicht hinterfragen. Ich bin aber auch nicht bei Frau Schwarzer https://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Schwarzer, die dea Kopftuch für Teufelszeug hält.
Marlene

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Re: Arme alte weiße Männer

Post 6 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-11-01 »

Sommerloch, ick hör Dir tapsen...
Meli Kathrin
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Re: Arme alte weiße Männer

Post 7 im Thema

Beitrag von Meli Kathrin »

Bemerkenswerter Artikel.

Ich finde jedoch doch, dass sich unsere Gesellschaft sich mit ihrer Doppelmoral niemals ändern wird.
Gewisse TV/TS Promis werden zumeist im TV gefeiert , aber werden diese eigentlich Promis nicht wie mir einem Ring in der Nase in der Manege herümgeführt.
Nach dem Motto: Schaut doch, wie Tolerant und offen die Gesellschaft in unserem Lande ist.
In Wahrheit ist es jedoch zumeist nicht so.
Ich will z.B. bei diesem heißen Wetter einen Jeansrock anstatt meiner doch auch sehr schönen Männershorts von Esprit.
Das ganze kombiniert mit einem schönen weiten dünnen Shirt(welches ich anziehe) und Flipflops.
Also einfach als Mann mit einem Jeansrock welcher fast bis zum Knie reicht.

Geht nicht. Meine Frau ist auf diesem Ohr taub. Die Leute in meiner Nachbarschaft sind auch sehr konservativ.
Also Homo, TV,TS, CD usw. lehnt mein Umfeld größtenteils ab, sollte es in deren direktem persönlichem Umfeld passieren.

An diesen Dingen müssen wir arbeiten, dann brauchen auch solche Artikel nicht geschrieben werden.
Habt eine schöne Zeit. Liebe Grüße
Meli
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Re: Arme alte weiße Männer

Post 8 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Meli Kathrin hat geschrieben: Mi 31. Jul 2019, 16:58 Bemerkenswerter Artikel.

...

Also Homo, TV,TS, CD usw. lehnt mein Umfeld größtenteils ab, sollte es in deren direktem persönlichem Umfeld passieren.

An diesen Dingen müssen wir arbeiten, dann brauchen auch solche Artikel nicht geschrieben werden.
Habt eine schöne Zeit. Liebe Grüße
Meli
Liebe Meli,
unser aller Realitäten sind sehr unterschiedlich. Als heteronormativ wirkender schwuler Mann ist es in den meisten Städten kein Problem, mit seinem Mann offen umzugehen.

Hier geht es ja eben um das Wahr- und Ernst-Nehmen von Diskriminierung innerhalb von queeren Zusammenhängen auf Grund von anderen Diskriminierungsgründen.
Wirkliche Freiheit gibt es erst, wenn Hautfarbe, Behinderung, Kleidung, Identität, selbstbestimmte kulturelle Äüßerung, Glauben, politische Überzeugung und anderes nur noch daraufhin überprüft werden, ob durch sie die Freiheit anderer bedroht ist.

Es geht ja eben darum, dass Trans*Personen nicht die schwule und lesbische Community durch vermeintliche Stereotyperfüllung bloßstellen. es ist auch ein Vorurteil mancher Trans*Person, dass zum Beispiel Männer begehrende Transfrauen nur ihr Transsein leben um arme Cismänner zu betrügen. Beides Beispiele sind für mich Diskriminierungen innerhalb der queeren Welt, und hier schreibe ich bewusst nicht Gemeinschaft.

Eins Gemeinschaft müssen wir leben, die entsteht nicht durch äußeren Druck.
Liebe Grüße

Marlene
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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Arme alte weiße Männer

Post 9 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Man muss sein Leben
aus dem Holz schnitzen,
das man hat,
und wenn es
krumm und knorrig wäre.
Theodor Storm

Freiheit beginnt mMn bei sich selber. Zuerst kommt also die Frage, ob ich mich vielleicht selber diskriminiere ? Wenn ich glaube, dass ich diskriminiert werde, kann ich mir auch die Frage stellen, woher dieses Gefühl kommt. Denke ich im Kern vielleicht selber, dass ich etwas "falsch" mache ? Habe ich Schamgefühle, ob meines Tuns ?

Will ich mich diskriminiert fühlen ? Was juckt die Eiche, wenn das Wildschwein sich an ihr reibt ?

Es gibt einen Unterschied, sich diskriminiert fühlen oder diskriminiert werden. Ich mag einige Nachbarn von mir auch nicht und vermeide den Kontakt. Diskriminiere ich sie ? Und was ist, wenn sie sich dadurch diskriminiert fühlen ?

Es gibt definitiv Diskriminierungen. Aber für meinen Geschmack wird viel zu oft und zu undifferenziert über Diskriminierung geklagt. Wenn ich en femme manchen Menschen nicht gefalle, ist das keine Diskriminierung. Wenn Menschen eine Meinung haben, die mit meiner nicht übereinstimmt, ist das keine Diskriminierung. Wenn also Menschen glauben, dass Transfrauen Cis-Männer betrügen wollen, ist das zunächst eine Meinung. Ich muss ihnen zumindest die Chance geben, diese Meinung durch bewusste Erfahrungen zu revidieren. Sie an dieser Stelle der Diskriminierung zu bezichtigen, ist möglicherweise auch eine Diskriminierung.

Mir geht es jetzt nicht um Einzelfälle. Gegen Diskriminierungen hilft nur eins, nämlich sich gegenseitig kennen lernen, um zu erkennen, dass der Andere nicht so ist, wie ich vermute. Die Diskriminierung fängt erst an, wenn man sich davor drückt und trotzdem auf seiner Meinung beharrt.

Gebt dem Irrtum eine Chance, ein Irrtum zu sein. Es ist menschlich, zu irren.
Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
Matthäus 7,3

Ist uraltes Wissen und steht schon in der Bibel. Aber irgendwie schaffen wir Menschen es nicht, diese Lektion zu lernen. Mit dem Finger auf andere zu zeigen, ist immer trennend. Daher auch die "Ich"-Botschaften. Es ist ein Unterschied, ob ich sage, "Du diskriminierst mich" oder " ich fühle mich diskriminiert". Im ersten Fall greife ich an, im zweiten gebe ich die Chance, dass der Andere sein handeln einsieht oder dass ich selber der Ursache meines Gefühls auf den Grund gehe.

Ich finde, das sind wichtige Unterschiede.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Arme alte weiße Männer

Post 10 im Thema

Beitrag von Meli Kathrin »

Hallo Marlene, hallo Vicky.

Danke für die Antworten.
Sie haben mir einen anderen Blickwinkel eröffnet, und ich denke zu aller erst geht alles in unserem Kopf los.
Es ist halt nicht immer leicht alles neutral zu sehen und zu behandeln. Die Ratio kommt halt manchmal zu spät.

Liebe Grüße
Meli
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Re: Arme alte weiße Männer

Post 11 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 1. Aug 2019, 09:06 ...
Wenn also Menschen glauben, dass Transfrauen Cis-Männer betrügen wollen, ist das zunächst eine Meinung. Ich muss ihnen zumindest die Chance geben, diese Meinung durch bewusste Erfahrungen zu revidieren. Sie an dieser Stelle der Diskriminierung zu bezichtigen, ist möglicherweise auch eine Diskriminierung.

...Gegen Diskriminierungen hilft nur eins, nämlich sich gegenseitig kennen lernen, um zu erkennen, dass der Andere nicht so ist, wie ich vermute. Die Diskriminierung fängt erst an, wenn man sich davor drückt und trotzdem auf seiner Meinung beharrt.
...
Ich finde, das sind wichtige Unterschiede.
Liebe Vicky,
ich kann Dir ein Stück weit folgen. Aber wenn Du mit Bibelzitaten anfängst, erinnere ich dich an die Tatsache, dass die Bibel auch davon spricht, dass wir in Gedanken sündigen können.

Du regst den Gedanken an, dass auch ich und andere uns Gedanken machen sollen, ob wir selber diskriminieren. Darauf antworte ich Dir für mich: Ja, auch ich diskriminiere, auch ich habe Vorurteile.
Ich bin ein Mensch und als solcher irre ich. Der Unterschied ist, ob ich bereit bin darüber nachzudenken oder nicht. Ich denke darüber nach und auch oft öffentlich.

Wenn ein Vorurteil nur bei der eigenen Meinung bliebe und nicht aggresiv geäußert würde, so zu Taten auffordern würde, könnte ich Dir bedingungslos folgen.
Aber Worte und Gedanken rufen meist Taten ervor.
Ich wähle mal ein drastisches Beispiel aus dem realen Leben: Hat der AFDler der gegen die Migrationspolitik auch mit falschen Fakten gegen Menschen mit anderer Herkunft polemisiert diskriminiert? Trägt er zu dem Klima bei, in dem Axtschläge die Tür eines anerkannten Flüchtlings zerstören? Haben die Nachbarn, die für solche Taten Verständnis zeigen, diskriminiert? Ich finde hier und bei der aktiven Äußerung von Vorurteilen gegenüber Menschengruppen und nicht Indiviuen liegt keine Meinung sondern eine Diskriminierung vor.

Das heißt in dem von mir gewählten Beispiel kann ich, wenn Du mir sagen würdest, ich zöge ja nur weiblich konotierte Kleidung an, weil ich Frauen begehrende Cismänner zum Sex mit mir verfüphren wolle, also nur ein Urteil über mich abgibst, antworte ich Dir: Ich habe noch nie einen frauenliebenden Mann verführt und wenn sich einer in mich verlieben würde, würde ich in fragen, ob er weiß, wer ich bin. ...oder spöttischer: Schön, wenn das funktionieren würde. Aber ich würde den Herrn im Vorfeld aufklären...

Sagst Du mir aber, Männer begehrende Trans*Frauen leben ihr Transsein nur, um Frauen begehrende Cismänner zu hintergehen antworte ich Dir: Jede Beuerteilung einer Menschengruppe aufgrund einer einzelnenTatsache, die sie verbindet, ist diskriminierend und im negativen Fall menschenfeindlich. Außerdem ist sie falsch, da kein Mensch in dieser Gruppe genau so tickt wie der andere, außer in der Zugrunde gelegten Eigenschaft. Eine solche Aussage ist, obwohl wir alle sie immer wieder auf die eine oder andere Tatsache bezogen, treffen also Diskriminierung.

Wenn Du eine solche Äußerung laut und bloßstellend in aller Öffentlichkeit tust, drohe ich Dir mit Anzeige. Wenn Du sie durch anspucken und sonstige körperliche Übergriffe unterstreichst, suche ich Zeugen und zeige Dich an.

Liebe, solidarische Grüße
Marlene

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Re: Arme alte weiße Männer

Post 12 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Marlene,

ich kann Dir in Diener Argumentation gut folgen. Ich sehe es im wesentlichen auch so.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Do 1. Aug 2019, 10:32 Aber wenn Du mit Bibelzitaten anfängst, erinnere ich dich an die Tatsache, dass die Bibel auch davon spricht, dass wir in Gedanken sündigen können.
Ich habe geahnt, dass ich mit der Bibel einen Nerv treffe ... ;-) Im Ernst, in diesem Buch stehen jede Menge Dinge, die vor Weisheit strotzen und die unsere heutige Psychologie wieder entdeckt. Und genau so verstehe ich dieses Buch, als eine Sammlung von Lebensweisheiten, die man manchmal leider erst auf den zweiten Blick erkennt. Aber ich sehe sie nicht als dogmatisch an. Ich bin auch kein gläubiger Mensch.

Beispiel: "in Gedanken sündigen". Du schreibst selbst, dass aus Gedanken Taten werden. Wie heißt es im Talmud:
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.
Aus meiner Sicht ist da vieles dran. Wenn ich schlechtes über meinen Nachbarn denke, wird das immer in meinen Handlungen versteckt zu finden sein. Und sei es nur, dass ich ihm aus dem Weg gehe. Das sind ganz kleine Verfehlungen mit kleinen Folgen. Aber das Prinzip ist das gleiche. Ich bin nicht wirklich offen. Watzlawick sagt: Man kann nicht nicht-kommunizieren. Ich kommuniziere immer meine Gedanken in irgend einer Form.
ob wir selber diskriminieren.
Nein, das habe ich nicht gesagt, auch wenn es eine eigene Betrachtung wert ist. Ich schrieb:

ob ich mich vielleicht selber diskriminiere

Zugegeben, wieder eine etwas provokative Frage, aber ich würde sie nicht ohne weiteres von der Hand weisen. Haben wir uns alle nicht schon einmal dafür selber beschimpft, für das was wir tun ? Warum empfinden so viel von uns Scham ? Können wir nicht vor uns selber einfach das leben, was wir sind ? Ich gestehe: Trotz vieler Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte (!), nein, ich kann i.d.R. nicht unbefangen en femme sein. Aber ist das nicht schon eine form der Diskriminierung ? Warum kann ich mich nicht so dafür schätzen, wie es mir gebühren würde ?

Andere zu diskriminieren bedeutet für mich, von mir abzulenken. Aber mein Problem sitzt in mir selber. Und ich denke, es geht vielen anderen ähnlich. Muss ich andere herabsetzen, wenn ich mit mir selber im Reinen bin ?

Oder anders herum postuliert: Ich diskriminiere, weil ich nicht mit mir im Reinen bin. Und das fängt bei den Gedanken an ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Arme alte weiße Männer

Post 13 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 1. Aug 2019, 12:15 Hallo Marlene,

...
ob wir selber diskriminieren.
Nein, das habe ich nicht gesagt, auch wenn es eine eigene Betrachtung wert ist. Ich schrieb:

ob ich mich vielleicht selber diskriminiere

Zugegeben, wieder eine etwas provokative Frage, aber ich würde sie nicht ohne weiteres von der Hand weisen. Haben wir uns alle nicht schon einmal dafür selber beschimpft, für das was wir tun ? Warum empfinden so viel von uns Scham ? Können wir nicht vor uns selber einfach das leben, was wir sind ? Ich gestehe: Trotz vieler Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte (!), nein, ich kann i.d.R. nicht unbefangen en femme sein. Aber ist das nicht schon eine form der Diskriminierung ? Warum kann ich mich nicht so dafür schätzen, wie es mir gebühren würde ?

Andere zu diskriminieren bedeutet für mich, von mir abzulenken. Aber mein Problem sitzt in mir selber. Und ich denke, es geht vielen anderen ähnlich. Muss ich andere herabsetzen, wenn ich mit mir selber im Reinen bin ?

Oder anders herum postuliert: Ich diskriminiere, weil ich nicht mit mir im Reinen bin. Und das fängt bei den Gedanken an ...
Liebe Vicky,
danke für die Klarstellung. Da habe ich wirklich das "mich" überlesen. Dabei bin ich wegen dieses Wörtchens, zwar nicht auf Männer begehren und Trans*Identität, in Therapie...

Ich selber sehe die Bibel durchaus als Buch der Weisheit an, nahm nur die Argumentation auf, ohne zu werten.

Danke noch mal und liebe, solidarische Grüße
Marlene

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Re: Arme alte weiße Männer

Post 14 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Hier noch ein Artikel aus dem Tagesspiegel online dazu...
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaf ... 05794.html

Ich denke, vor 1933 waren unsere Vorkämpfer*Innen klüger als wir...
Marlene

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Re: Arme alte weiße Männer

Post 15 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

So, jetzt bin ich im Artikel unten angekommen und stelle mal das Fazit, dem ich nichts hinzufügen kann, hier ein:
Mag sein, dass manche Kritik aus Unkenntnis schwuler Diskriminierungsgeschichte übers Ziel hinausschießt. Die Angst schwuler Männer vor der Auslöschung der eigenen Identität ist aufgrund ihrer Geschichte verständlich, aber unsinnig. Als sexuelle Orientierung, als Identität wird "schwul" natürlich weiterexistieren. Doch die Schwulenbewegung als gesellschaftliche Kraft ist deutlich spürbar an ihr Ende gelangt. Sie wird und sie muss in einer größeren, queereren Emanzipationsbewegung aufgehen, die gleichzeitig auch antirassistisch, feministisch und non-binär ist.Dennoch oder genau deshalb haben die alten schwulen weißen Männer ihren letzten Kampf noch vor sich. Den Kampf um ihr Vermächtnis, um die Frage, wie eine zukünftige queere Bewegung sie sehen wird. Es bleibt zu hoffen, dass es ihnen gelingt, die eigene Geschichte kritisch zu reflektieren und sich gleichzeitig in die größere, queere Erzählung mit hineinzuschreiben. Die Alternative dazu, sich aus ihr herauszuschreiben, stünde gegen den emanzipatorischen Gedanken, für den sie selbst einmal angetreten sind.
Marlene

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