Äußerungen zu einzelnen politischen Parteien und deren Haltung zum trans*identen und queeren Menschen
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Marlene K.
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Äußerungen zu einzelnen politischen Parteien und deren Haltung zum trans*identen und queeren Menschen

Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Es kann nicht ausbleiben, dass die Haltung der Parteien und deren Anhänger in diesem auch gesellschaftspolitischen Forum getan werden. Grundsatzdiskussionen zu diesem Thema und der Haltung einzelner Mitstreiter*Innen, so berechtigt sie auch sein mögen, sprengen oft Diskussionen zu anderen Themen. Ich schlage vor, diese hier hin gezielt auszulagern.

So können wir den "Haltungsstreit" von den Themen trennen, die uns ja gemeinsam wichtig sind.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Marlene K.
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Re: Äußerungen zu einzelnen politischen Parteien und deren Haltung zum trans*identen und queeren Menschen

Post 2 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 09:58
Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 00:21 ...
"Demgegenüber muss aus Sicht der AfD-Fraktion an der natürlichen Geschlechterdualität festgehalten werden. Die Behauptung, es gäbe nicht nur zwei, sondern viele, mög-licherweise sogar unbegrenzt viele Geschlechter, hat mit der Lebenswirklichkeit nichts zu tun und ist auch seriös-wissenschaftlich abwegig. Sog. Abweichungen der Geschlechtsentwicklung bewegen sich zwischen den Polen der natürlich vorkommenden Geschlechter."

Man beachte da, bitte, den zuletzt mit gequoteten (von Marielle allerdings nicht markierten) Satz! Die AfD leugnet die Existenz von Transgendern keineswegs ab oder verurteilt uns als Spinner oder sowas; sie ordnet uns lediglich in ein Kontinuum zwischen den zwei Geschlechtern "männlich" und "weiblich" ein und leugnet die Existenz irgendwelcher, beliebiger Zusatzgeschlechter ("eselig" oder "grün" oder "weiß der Kuckuck" :-) ) ab.
Doch, die AFD leugnet die Existenz von Trans*Personen. Sie erkennt hier die nicht zu leugnende Tatsache der uneindeutigen Geschlechtszuordnung an.
Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 00:21Man sollte sich bezüglich der Geschlechter immer bewußt sein, auf welcher Ebene man gerade diskutiert. Geht es um das genetische Geschlecht als evolutionäres Grundkonzept der Fortpflanzung, dann gibt es tatsächlich nur "männlich" und "weiblich" - und sonst gar nix, auch nichts "dazwischen". Biologisch können auch TS - je nach phänotypischem Geschlecht - nur jeweils Vater ODER Mutter eines Kindes werden. Entweder/Oder - auf dieser Ebene herrscht nun mal strikte Dualität. Ein Naturgesetz - keine Erfindung der AfD :-)
Selbst diese Aussage stimmt nicht. Auch intersexuelle Menschen, also binär nicht eindeutige Menschen, können zeugen oder gebären, keine Erfindung der "systemtragenden" Parteien.
Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 00:21Betrachten wir dagegen sekundäre Geschlechtsmerkmale, .... Da gibt's Abstufungen, Zwischenstufen - ein ganzes Kontinuum zwischen den beiden Polen "männlich" und "weiblich", in dem sich dann eben auch Transgender und Intersexuelle finden. Trotzdem kann man auch hier noch jeden einzelnen Ist-Zustand als spezifische Mischung aus ZWEI Geschlechtern beschreiben. Ich wüßte jedenfalls nicht, dass bisher auch nur ein einziger TS oder TV zwingend eine von den Kategorien "männlich" und "weiblich" gänzlich unabhängige, dritte Kategorie benötigt hätte, um darzustellen, was er geschlechtlich tatsächlich ist. Auch "TS" oder "TV" sind ja im Grunde keine eigenständigen Kategorien, sondern bloß Abkürzungen von Beschreibungen, die sich letztlich auf die zwei dualen Geschlechter beziehen und zurückführen lassen.
Diese Diskussion ist streng von den Einteilungen der westlichen Welt nach der Abkehr vom mittelalterlichen Weltbild geprägt. Sie ist ein mögliches Denkmodell. Manchmal ein sinnvolles, hier eher nicht.
Vor allen Dingen ist sie etwas nicht: Die absolute und unumstößliche Wahrheit. Diese gibt es in dieser Welt nicht.
Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 00:21....Wir Transgender sind nun mal ein buntes Völkchen, da ist jeder anders; Stereotypen - oder auch "Vorbilder", neudeutsch "Ikonen" - gibt's da so gut wie nicht.
....
Daran, daß wir heute überhaupt von Geschlechtern jenseits der Dualität sprechen, habe übrigens ausgerechnet ich persönlich einen nicht unerheblichen Anteil :-)
Mit Verlaub, an Selbstüberschätzung leidest Du nicht eventuell?
Schon Johann Ludwig Caspar, Karl Heinrich Ulrichs, Magnus Hirschfeld und Johanna Elberskirchen haben schon vor Ende des Kaiserreiches im Wissenschaftlich Humanitären Komitee und im Institut für Sexualwissenschaften im Tiergarten entlang dieser Linien gedacht. Das dieses Denken im dritten Reich und den darauf folgenden Staaten nicht mehr gesehn wurde gestehe ich zu.
Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 00:21Ich habe mich nämlich in den späten 80er und frühen 90er Jahren intensiv in der Szene engagiert und dabei - gerade was unser heutiges Selbstbild angeht - einiges an Pionierarbeit geleistet. Die Dualität der Geschlechter war damals noch felsenfest in den Köpfen der Leute verankert, gerade auch bei uns TS selber, und natürlich auch bei den Gutachtern. Es gab nach damaliger Auffassung einfach nur Männer, Frauen - und sonst nichts. ...
An den armen Intersexuellen wurde routinemäßig schon im Kleinkindalter geschlechtsnormierend herumgeschnippelt, weil das ja keine Eigenschaft, sondern angeblich eine "Missbildung" des armen Wurms war. Dass ich mit dem Ansinnen zu den Gutachtern kam, mir die Brust aufbauen zu lassen, den Pimmel aber dran zu lassen und mit Brüsten UND Pimmel öffentlich weiter in der männlichen Rolle zu bleiben, das war damals UNERHÖRT und gegen alle Regeln der Kunst und Ethik! Dass ich das dann doch schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt tatsächlich durchkriegte, lag teilweise daran, dass ich selber Mediziner bin und mich deshalb mit den medizinischen Gutachtern auf einer anderen Ebene verständigen konnte als die meisten Betroffenen. Vor allem aber lag es wohl daran, dass ich damals als einer der Ersten viele Jahre lang intensiv für eine Abkehr von dem starren, geschlechtlichen Dualitätsdenken und für mehr individuelle Selbstbestimmung geworben habe. Grundgedanke: "Transgender" (den Begriff gab's damals noch gar nicht) sind eben NICHT krank oder mißgebildet, sondern gehören zur Bandbreite menschlicher NORMALITÄT zwischen den beiden Geschlechtern. Sie sind den herkömmlichen zwei Geschlechtern gleichwertig und können insofern - auf dieser Bewertungsebene (!) - sogar als eigenes, drittes Geschlecht verstanden werden.
Also Trans*Person waren OK, Inter*Person mussten sich zunächst einsortieren oder sich als Trans* definieren, aber nur auf der von Dir zugestandenen Ebene?
Deinen Lebensweg und Deine Entscheidungen respektiere ich. Deine Schlussfolgerungen halte ich für widersprüchlich und für mich für vollkommen falsch.
Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 00:21Dieser Gedanke hat sich dann allmählich zuerst in der TS-Szene, bei den damit befaßten Gutachtern und in der einschlägigen Fachliteratur durchgesetzt. Erst deutlich später wurde er vom Feminismus - vor allem in der Lesbenszene - aufgegriffen und zum heutigen, breiten, gesellschaftlichen Konsens erweitert. Wir TS strebten damals aber eigentlich nur unsere Entpathologisierung und Individualisierung an - und das mit durchschlagendem Erfolg! Wenn wir damals - lange vor den Feministinnen - ein drittes Geschlecht für uns reklamierten, hatten wir weder ein Weltbild noch eine Evolutionstheorie im Hinterkopf, sondern lediglich unsere gesellschaftliche Anerkennung als von den bisher geltenden Normen abweichende, aber trotzdem gleichWERTIGE Menschen. Diese Anerkennung haben wir inzwischen auf breitester Basis erreicht, auch in allen politischen Parteien (inklusive AfD!) ist das heute unbestrittener Konsens. Gewisse Probleme gibt's damit allenfalls noch in Teilen der katholischen Kirche.
Auch hier setzt Du mit falschen Voraussetzungen an. Den queer-femistisch denkenden Menschen geht es eben nicht um ein "drittes Geschlecht". Es geht darum, dass Mensch erkennt, dass sowohl biologische Merkmale, sexuelles Begehren und sexuelle Identität keine einfachen, binär zu definierenden Tatsachen sind. Alle diese Zuordnungen oder Selbsteinschätzungen sind beweglich, veränderbar und nicht leicht zu definieren. Der Mensch ist halt ein vielfältiges und oft auch in sich widersprüchliches Lebewesen.
Auf Deine Querschüsse zu Feminismus und Lesbentum in ihrer herabsetzenden Art gehe ich bewusst nicht ein.
Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 00:21Für uns TS war damals der Gedanke eines dritten Geschlechts eigentlich nur eine Art Wortvehikel, mit dem wir einfacher gestrickten Geistern unsere Stellung im Kontinuum zwischen den beiden Geschlechtern anschaulich machen wollten. Erst der Feminismus hat das dann später mit seinen Dogmata verwoben und daraus einen unversöhnlichen, ideologischen Gegensatz zum herkömmlichen, dualen Geschlechtsbegriff konstruiert. Mit diesem ideologischen Gegensatz geht die AfD jetzt auf Kollisionskurs, wenn sie sich in auf das wissenschaftlich basierte, im Ursprung duale Geschlechterbild stützt. Uns Transgender betrifft das gar nicht, wir finden unseren Platz problemlos und höchst individuell auch im Kontinuum zwischen ZWEI Geschlechtern, und diesen Platz macht uns auch in der AfD niemand streitig. Die Zeiten, in denen wir pathologisiert oder als "pervers" moralisch verurteilt wurden, sind zum Glück schon lange vorbei.
Diese Aussagen sind falsch, spiegeln Deine Haltung und Arroganz. Ich sehe hier deutlich kein "uns TS", die den armen dummen Menschen, einfach gestrickten Geistern, eine leichte Übersetzung bieten müssen, damit sie uns höheren Intelligenzen folgen können.
Ich ziehe es vor mit Menschen auf Augenhöhe zu reden.
Hier beziehst Du Dich in Deiner Hetze auf das Kontinuum zwischen zwei Polen, deren Berechtigung Du kraft Deiner Überlegenheit festlegst. Wenn es Deiner Argumentation aber dienlicher ist, redest Du von binären Naturgesetzen im biologischen, deren Grenzen aber Du festlegst und nicht die Fortpflanzungsfähigkeit intergeschlechtlich geborener Menschen.
Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 00:21Ein Wort noch zu der in einem anderen Beitrag angesprochenen, grünen Bildungspolitik (Stichwort "Frühsexualisierung"): da wendet sich die AfD m. E. sehr zu Recht gegen gewisse, krasse Übertreibungen einer "Erziehung zur Toleranz", mit der Kinder bereits im Kindergarten- und Grundschulalter traktiert werden. Das ist nicht altersgerecht und vermittelt den Kindern ein unrealistisches, ideologisch gefärbtes Weltbild. Als LGBTQI o.ä. sind und bleiben wir nun mal die Ausnahme von der Regel. Als solche können und müssen wir Toleranz und Anerkennung für uns einfordern; aber wir sind nicht der gesellschaftlich normgebende Nabel der Welt. Im Übrigen möchte ich gerade auch als TS nicht in einer so genderpolitisch plattgewalzten Welt leben müssen, wie sie da schon in die Köpfe kleiner Kinder gehämmert werden soll. Die geschlechtlichen Unterschiede in all ihren Schattierungen und Verästelungen machen das Leben als geschlechtlicher Mensch doch überhaupt erst spannend und lebenswert. Was soll denn überhaupt das Gerede von drei, fünf oder 92 Geschlechtern, wenn der Feminismus dann gleichzeitig sämtliche Unterschiede zwischen diesen Geschlechtern für null und nichtig erklärt? Vive la difference!
Auch hier entscheidest Du wieder über die Fähigkeiten und die Absichten von anderen Menschen und verkündest mit etwas mehr als einem Wort absolute Wahrheiten.

Du verneinst die Fähigkeit der Kinder, Abweichungen von der Norm zu sehen und zu hinterfragen. Du sprichst den Erziehern und Eltern, den Lehrern und allen Trans*Person die Fähigkeit ab in kindgerechter Art zu antworten.

Ich beobachte, dass Kinder nicht zur Toleranz erzogen werden müssen. Ihre Neugier und Toleranz kann uns ein Vorbild sein. Das ist es, wo neue Erziehungsmodelle, die übrigens auch schon vor der Weimarer Republik entwickelt wurden, erhalten wollen.
Du und Deine Partei fordern die Festlegung der Erziehung im hergebrachten Drill und glücklicherweise auf dem Rückzug befindlichen Denken in schwarz-weiß, gut-böse oder anderen einfachen Denkmodellen.
Glücklicherweise sind da die meisten Menschen vielfältiger und intelligenter als es diese "einfache Denkstruktur" fordert.

Ich habe Respekt vor Deinem Lebensweg. Ich lehne Deine Arroganz und Deine einfachen Antworten auf vielfältige Zusammenhänge ab.
Marlene

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Re: Äußerungen zu einzelnen politischen Parteien und deren Haltung zum trans*identen und queeren Menschen

Post 3 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 12:15
Laila-Sarah hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 02:03
Daher, bevor man überhaupt inhaltlich auf deine Punkte eingehen möchte, tut sich davor noch die generelle Frage nach deiner Motivation auf. Was du dir von all dem versprichst, als mitdenkender, vernunftbegabter Bürger dieses Landes und als LGBTI Mensch im speziellen? Wie stellst du dir eine Zukunft mit der AfD vor und was möchtest du dort erreichen?
Liebe Laila-Sarah,

Da kommen wir eindeutig in den Bereich des Politisierens; das will ich hier erklärtermaßen nicht tun, weil das in der gegenwärtigen Atmosphäre nur Aggressionen provozieren würde, ohne zu den Themen dieses Forums hier wirklich was beizutragen. Nur so viel als Hinweis: aus unseren Leitmedien kannst Du Dir unmöglich ein realistisches Bild von der AfD machen, weil die als neue Konkurrenz von den Altparteien samt von ihnen abhängigen Medien (eine systematische Aufstellung der Kapitalbeteiligungen speziell der SPD an der Medienwelt ging ja eben erst durch die Blog-Welt) mit allen nur irgendwie verfügbaren - auch höchst unredlichen - Mitteln niedergemacht wird. Um Dich da objektiv zu informieren, mußt Du schon im Internet suchen, das Parteiprogramm im Original lesen und vielleicht auch mal vor Ort einen Stammtisch besuchen. Kritische Gäste sind da immer gerne willkommen - vorausgesetzt natürlich, sie benehmen sich zivilisiert und stänkern nicht bloß rum.

Ein bißchen Grundsätzliches noch: die AfD ist KEINE "rechte" Partei! Wir haben zwar einen rechten Flügel, was von politischen Gegnern gerne als Aufhänger benützt wird, um uns als "Nazi-Partei" zu verleumden; wir haben aber auch einen mindestens genauso starken, linken Flügel (mit Alice Weidel als bekanntester Vertreterin, die übrigens in der Partei einen deutlich stärkeren Stand hat als Höcke). Es gibt denn auch gar nicht mal so wenige Punkte, in denen wir mit Oppositionsstandpunkten der Linken konform gehen - z. B. die strikte Ablehnung des deutschen Militäreinsatzes in Afghanistan. Generell ist die AfD innerparteilich erheblich liberaler, als es sonst in der deutschen Parteienlandschaft üblich ist; wir haben deshalb - selbstverständlich innerhalb des Rahmens, den Demokratie und Grundgesetz vorgeben - ein sehr weites Spektrum. Was uns über dieses weite Spektrum hinweg verbindet, ist die Opposition gegen die real stattfindende Politik in Einzelpunkten, die uns jeweils wichtig genug erscheinen, um uns deshalb parteipolitisch zu betätigen. Bei mir persönlich ist das - beruflich bedingt - die Gesundheitspolitik, vielen geht es da um Bildungs- oder Finanzpolitik, um Umwelt- oder Verkehrspolitik, um föderalistische Prinzipien versus EU-Zentralverwaltung usw... Die Immigration ist sicher eines der Kernthemen der AfD, aber eben auch nur eines von etlichen - und vor allem wird das alles in der AfD selbstverständlich sehr viel differenzierter betrachtet und behandelt als einfach nur "Wir sind dagegen". Wir bemühen uns laufend und intensiv, politisch tragfähige Gegenkonzepte zu all dem zu erarbeiten. Die muß man im Einzelfall nicht gut finden, wir sind da genausowenig unfehlbar wie andere Parteien auch - aber ihre Existenz pauschal abzustreiten und der AfD zu unterstellen, "bloß dagegen" oder gar "Nazi" zu sein, ist einfach nur unredlich.

Herzlichen Gruß,
Wally
Ich fände es erfrischend, wenn Du, liebe Wally, weniger absolute Wahrheiten postulieren würdest, wie wir die AFD zu sehen haben.

Ich fände es auch respektvoll, wenn Du auf Gegenargumente zu den von Dir formulierten absoluten Wahrheiten antworten würdest. Oder zähle ich für Dich auch zu den
einfacher gestrickten Geistern
, die einer Antwort von Dir nicht würdig sind? Dies würde meinen Respekt für Dich zerstören.
Marlene

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Re: Äußerungen zu einzelnen politischen Parteien und deren Haltung zum trans*identen und queeren Menschen

Post 4 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 12:15
Laila-Sarah hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 02:03
Daher, bevor man überhaupt inhaltlich auf deine Punkte eingehen möchte, tut sich davor noch die generelle Frage nach deiner Motivation auf. Was du dir von all dem versprichst, als mitdenkender, vernunftbegabter Bürger dieses Landes und als LGBTI Mensch im speziellen? Wie stellst du dir eine Zukunft mit der AfD vor und was möchtest du dort erreichen?
Liebe Laila-Sarah,

Da kommen wir eindeutig in den Bereich des Politisierens; das will ich hier erklärtermaßen nicht tun, weil das in der gegenwärtigen Atmosphäre nur Aggressionen provozieren würde, ohne zu den Themen dieses Forums hier wirklich was beizutragen. Nur so viel als Hinweis: aus unseren Leitmedien kannst Du Dir unmöglich ein realistisches Bild von der AfD machen, weil die als neue Konkurrenz von den Altparteien samt von ihnen abhängigen Medien (eine systematische Aufstellung der Kapitalbeteiligungen speziell der SPD an der Medienwelt ging ja eben erst durch die Blog-Welt) mit allen nur irgendwie verfügbaren - auch höchst unredlichen - Mitteln niedergemacht wird. Um Dich da objektiv zu informieren, mußt Du schon im Internet suchen, das Parteiprogramm im Original lesen und vielleicht auch mal vor Ort einen Stammtisch besuchen. Kritische Gäste sind da immer gerne willkommen - vorausgesetzt natürlich, sie benehmen sich zivilisiert und stänkern nicht bloß rum.

Ein bißchen Grundsätzliches noch: die AfD ist KEINE "rechte" Partei! Wir haben zwar einen rechten Flügel, was von politischen Gegnern gerne als Aufhänger benützt wird, um uns als "Nazi-Partei" zu verleumden; wir haben aber auch einen mindestens genauso starken, linken Flügel (mit Alice Weidel als bekanntester Vertreterin, die übrigens in der Partei einen deutlich stärkeren Stand hat als Höcke). Es gibt denn auch gar nicht mal so wenige Punkte, in denen wir mit Oppositionsstandpunkten der Linken konform gehen - z. B. die strikte Ablehnung des deutschen Militäreinsatzes in Afghanistan. Generell ist die AfD innerparteilich erheblich liberaler, als es sonst in der deutschen Parteienlandschaft üblich ist; wir haben deshalb - selbstverständlich innerhalb des Rahmens, den Demokratie und Grundgesetz vorgeben - ein sehr weites Spektrum. Was uns über dieses weite Spektrum hinweg verbindet, ist die Opposition gegen die real stattfindende Politik in Einzelpunkten, die uns jeweils wichtig genug erscheinen, um uns deshalb parteipolitisch zu betätigen. Bei mir persönlich ist das - beruflich bedingt - die Gesundheitspolitik, vielen geht es da um Bildungs- oder Finanzpolitik, um Umwelt- oder Verkehrspolitik, um föderalistische Prinzipien versus EU-Zentralverwaltung usw... Die Immigration ist sicher eines der Kernthemen der AfD, aber eben auch nur eines von etlichen - und vor allem wird das alles in der AfD selbstverständlich sehr viel differenzierter betrachtet und behandelt als einfach nur "Wir sind dagegen". Wir bemühen uns laufend und intensiv, politisch tragfähige Gegenkonzepte zu all dem zu erarbeiten. Die muß man im Einzelfall nicht gut finden, wir sind da genausowenig unfehlbar wie andere Parteien auch - aber ihre Existenz pauschal abzustreiten und der AfD zu unterstellen, "bloß dagegen" oder gar "Nazi" zu sein, ist einfach nur unredlich.

Herzlichen Gruß,
Wally
Hallo Wally,

danke erstmal für die ausführliche Antwort. Ich nehme dich durchaus ernst und, halte dich für einen überdurchschnittlich intelligenten Menschen. Deshalb verwundert es mich ein wenig, dass dich solche elementaren Paradoxen in der AfD nicht stören, wie z.B. die von dir aufgeführte Schilderung, dass die AfD als eine Partei mit einer klaren politischen Linie, zwei sich einander bekämpfende und höchst kontroverse Ideologien wie völkisches, rechte Denken ('a la NPD - die Höckes) und die linke Denke ('a la Linke Partei - die Weidels) in sich vereint und sich dann auch noch als vernünftige Alternative zum Establishment deklariert. Das ist doch wie wenn man Feuerwehrmann und Brandstifter in einer Person ist. Und das ist nur ein Punkt unter vielen. Deshalb glaube ich eher den Medien und denke, dass die AfD wie ein Geisterzug voller Leute, die die Welt brennen sehen wollen, durch Deutschlands politisches Schienennetz rast. Es macht mir ehrlich gesagt als LGBTI Mensch und Mensch mit Migrationshintergrund eine sch**ß Angst. Ich glaube: Du wirst mich nicht überzeugen können und ich dich auch nicht. Ich hoffe nur es gibt da drinnen mehr vernünftige, intelligente Menschen wie du, die für den Fall der Fälle rechtzeitig die Handbremse ziehen können.

VlG
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I have big dreams and a small world in between
Marlene K.
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Re: Äußerungen zu einzelnen politischen Parteien und deren Haltung zum trans*identen und queeren Menschen

Post 5 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Laila-Sarah hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 14:41 Deshalb verwundert es mich ein wenig, dass dich solche elementaren Paradoxen in der AfD nicht stören, wie z.B. die von dir aufgeführte Schilderung, dass die AfD als eine Partei mit einer klaren politischen Linie, zwei sich einander bekämpfende und höchst kontroverse Ideologien wie völkisches, rechte Denken ('a la NPD - die Höckes) und die linke Denke ('a la Linke Partei - die Weidels) in sich vereint und sich dann auch noch als vernünftige Alternative zum Establishment deklariert.
Ich finde es spannend, dass Du irgend etwas an der Haltung von Frau Weidel als links sehen kannst, auch wenn Wally dies als Flügel à la Otto Strasser in der NSDAP darstellt. Ich kenne keine Äußerungen von Alice Weidel, die eine soziale Ader oder gar linkes, solidarisches Denken erkennen lassen.

Gibt es Belege für linkes Gedankengut in der AFD? Dann bitte her damit. Ansonsten weise ich darauf hin, dass die Weimarer Republik nicht so sehr an den Feinden der Demokratie gescheitert ist wie an der fehlenden Unterstürzung der Demokraten selber.
Marlene

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Re: Äußerungen zu einzelnen politischen Parteien und deren Haltung zum trans*identen und queeren Menschen

Post 6 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Wally hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 14:56
Ralf-Marlene hat geschrieben: Mi 20. Feb 2019, 09:58 ...

Schon Johann Ludwig Caspar, Karl Heinrich Ulrichs, Magnus Hirschfeld und Johanna Elberskirchen haben schon vor Ende des Kaiserreiches im Wissenschaftlich Humanitären Komitee und im Institut für Sexualwissenschaften im Tiergarten entlang dieser Linien gedacht. Das dieses Denken im dritten Reich und den darauf folgenden Staaten nicht mehr gesehn wurde gestehe ich zu.
Ich habe mit keinem Wort behauptet, dass ich das "dritte Geschlecht" erfunden hätte. Auch Hirschfeld et al. haben das übrigens nicht erfunden: drei bis fünf Geschlechter gab's schon seit Urzeiten in einer ganzen Reihe von Naturvölkern, z. B. bei den Eskimos. Ich habe diesen Gedanken nur zu einer Zeit wieder ins Spiel gebracht und beharrlich propagiert, als er sowohl gesamtgesellschaftlich als auch speziell unter Transsexuellen nahezu vergessen war - und das unbestreitbar sehr erfolgreich. Wenn Du mal nach den einschlägigen Texten aus dieser Zeit (so 1990-1994) im Internet recherchierst, wirst Du unweigerlich über meinen Namen stolpern; es gab damals im deutschen Sprachraum nicht viele außer mir, die das überhaupt öffentlich vertreten haben (die Amis waren uns da allerdings noch ein paar Jahre voraus).
Ich habe Respekt vor Deinem Lebensweg. Ich lehne Deine Arroganz und Deine einfachen Antworten auf vielfältige Zusammenhänge ab.
Wenn ich mir ansonsten Deine Antworten im Einzelnen angucke, finde ich darin leider nur wenig Substanz, dafür um so mehr Pauschalisierungen und persönliche Unterstellungen. Mich da jetzt auf ein Pingpongspiel einzulassen, bringt nix. Deshalb verzichte ich darauf, Dir solche Zuschreibungen wie "Arroganz" oder "einfache Denkstruktur" zu spiegeln, und verweise nur auf das Offensichtliche: da fehlen (bisher jedenfalls - ich habe dafür auch weiterhin gerne ein Ohr) Argumente.

Nach wie vor herzlich (weil wir's bisher immerhin geschafft haben, einander trotz unterschiedlicher Weltbilder nicht an den Kragen zu gehen :-) )
Wally
Liebe Wally,
auch wenn Du darauf bestehst, einen Thread durch Deine langen Äußerungen zu sprengen, habe ich Respekt vor den anderen Nutzern.
Ich bin mit Argumenten auf Deine Behauptungen eingegangen und habe selbst die Provokation der behaupteten Arroganz mit Aussagen von Dir hinterlegt.

Ich bin auf das, was Du für Fakten und die absolute Wahrheit hälst mit darauf bezogenen Gegendarstellungen eingegangen. Dem Gegenüber einfach den Sinngehalt seiner Argumente abzusprechen ist billig.

Also schließem ich daraus, dass Du auf mich herab zu schauen meinst. Dies zeigt Deine Haltung in aller Deutlichkeit und Agressivität.

Eine Diskussion zeigt sich auch im ernst nehmen des Gegenübers. Das Du dies für überflüpssig hälst sagt nur etwas über Dich und nichts über mich.
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Re: Äußerungen zu einzelnen politischen Parteien und deren Haltung zum trans*identen und queeren Menschen

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

wer erleben möchte, wie PolitikerInnen "unsere" Belange diskutieren, kann sich z.B. eine Sitzung des Innenausschusses ansehen/anhören, in der es um die "3. Option" ging:

https://www.bundestag.de/ausschuesse/a0 ... -00/579354

Gruß
Anne-Mette
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Re: Äußerungen zu einzelnen politischen Parteien und deren Haltung zum trans*identen und queeren Menschen

Post 8 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 21. Feb 2019, 16:27 Moin,

wer erleben möchte, wie PolitikerInnen "unsere" Belange diskutieren, kann sich z.B. eine Sitzung des Innenausschusses ansehen/anhören, in der es um die "3. Option" ging:

https://www.bundestag.de/ausschuesse/a0 ... -00/579354

Gruß
Anne-Mette
Nicht nur wegen der Aussagen, auch wegen des Verfahrens finde ich den Beitrag hoch spannend.
Marlene

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