Erfahrungen beim Trans*Day of Rememberance in Berlin
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Marlene K.
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Erfahrungen beim Trans*Day of Rememberance in Berlin

Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich habe mir lange überlegt, wo und ob ich von meinen Erfahrungen beim TDoR in Berlin berichten soll und will.

Ich finde, dass das, was ich an diesem Tag erlebt habe leider einen Aspekt von schwulem und Trans*leben berührt, der uns alle angeht. Er ergänzt die Erfahrungen, die ich beim CSD in diesem Jahr gesammelt habe, als ich als Trans*Mensch aus der Parade gedrängt werden sollte.

Vorab ist es mir wichtig zu sagen, dass ich finde, das viel zu wenig Menschen diesen Tag wahrnehmen und sichtbar als Trans*menschen werden. Es waren zwanzig Menschen dort, davon drei Vertreter der Politik.

Ich war recht früh da und habe mich mit der Vertreterin der BVV Mitte und SPD, dem Vertreter der LSU und einer Vertreterin einer anderen BVV über Diskriminierungserfahrung innerhalb und außerhalb der Community unterhalten. Es waren noch zwei Trans*Frauen und sechs Polizisten anwesend. Eine der Trans*Frauen hörte nur das Wort schwul und grätschte, anders kann ich es nicht sagen, in die bis dahin lockere Diskussion und sagte: "Es ist wohl klar, warum Transen die Schwulen hassen. Gestern habe ich noch von zweien einen solch frauenfeindlichen witz gehört, die sind ja alle so frauenfeindlich!"
Auf meinen Hinweis, ich selber sei auch schwul wurde mir beschieden, ich sei ja wohl falsch hier. Abgesehen davon, dass ich seit drei Jahren nur eindeutig weibliche Kleidung trage ist alleine eine soiche dumme Aussage ja wohl keines Kommentares wert.

Ich werde jetzt etwas sarkastisch und hoffe, dass es nicht nur an meinen vielen Erlebnissen mit Diskriminierung oder meiner Überempfindlichkeit liegt und ich zu sehr Erbsen zähle, wenn ich ein solches Verhalten nicht so sehr für mich persönlich sondern für alle pauschal abgeurteilten schwulen Menschen, insbesondere denen, die auch ihr soziales Geschlecht in Frage stellen also Trans*Gender leben als Ohrfeige und Diskriminierung empfinde.

Schade, dass ein solcher Tag, an dem ich an Lia, meine Transnichte, die sich dieses Jahr das Leben genommen hat und all die anderen denken wollte und Solidarität spüren wollte durch solch einen dummen Menschen einen Kratzer erhält.

Wichtiger ist aber: Mädels und Kerle, Trans *Frauen und -Männer und -Menschen: Tragt Euch den 20.November für alle folgenden Jahre in den Kalender ein und zeigt Euch!!!
Zuletzt geändert von Marlene K. am Do 22. Nov 2018, 19:29, insgesamt 1-mal geändert.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Svetlana L
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Re: Erfahrungen beim Trans*Day of Rememberance in Berlin

Post 2 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Das ist genau das, was ich auch zum IDAHOT (oder neuderdings auch IDAHOBIT) denke: Warum sind da nicht mehr Leute auf der Straße und zeigen Flagge - wenn auch nicht unbedingt als "Betroffene", dann aber zumindest als Unterstützer_innen. Vielleicht liegt es gerade hier in Berlin auch daran, dass man es nicht schafft eine zentrale Veranstaltung zu organisieren, sondern sich in viele kleine und kleinste Veranstaltungen "verzettelt". Sicherlich mag es auch für beide Formen Vor- und Nachteile geben, aber ich denke, dass über eine zentrale Veranstaltung mit entsprechenden Teilnehmendenzahlen auch eher in den Medien berichtet wird, was ja durchaus hilft Sichtbarkeit herzustellen. Aber - wie wir auch hier im Forum immer wieder sehen, wenn es um politische/aktivistische Aktivitäten geht - vielen geht das am A...llerwerstesten vorbei, sei es aus Bequemlichkeit, Angst oderoderoder
Dein persönliches negatives Erlebnis tut mir leid, zeigt aber vielleicht auch wie verbittert manche schon sind und dann auch mit unsinnigen Pauschalisierungen um sich werfen. Ich jedenfalls habe nichts gegen Schwule, aber ich bin ja auch keine "Transe" und ich hoffe auch von Jahr zu Jahr, dass "die Community" endlich mal ihren Arsch hochkriegt und geschlossen auf die Straße geht.
Hawadehre
Svetlana

As gitt halt nix Bessers wäi wos Guads!
Däi owapfölzer Bärlinerin
Sonnenuhr
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Re: Erfahrungen beim Trans*Day of Rememberance in Berlin

Post 3 im Thema

Beitrag von Sonnenuhr »

Ich hab einen TDoR in Berlin organisiert vor Jahren und weiß, dass das allgemein auf wenig Resonanz stößt.
Es gibt nachgewiesener Maßen (Statistiken v Umfragen, glaube Emnid etc.) kaum Öffentliches Interesse, eher Ablehnung bezüglich einer
besseren Integration von sog, "Transgendern" in Deutschland. Dazu kommt die gespaltene aktivistische Bewegung, die sich in Haarspaltereien
verliert und durch ihr oftmals unschlüssiges, impulsives und wenig diplomatisches Auftreten kaum schafft, Gehör zu finden oder Menschen zur
Mitarbeit zu bewegen.

Dazu passen deine aktuell gemachten Erfahrungen.

Leider sind die Streitigkeiten der verschiedenen Fraktionen "echt" und basieren auf konträren Konzepten, Ansprüchen und Auffassungen von Geschlecht
und Zugehörigkeiten. Dabei sind mehr Gruppierungen als es scheint, deutlich radikal.

Viele unter den Frauen, die als "trans" subsumiert werden (oft unfreiwillig) bangen um ihre Akzeptanz und distanzieren sich von daher so gut sie können von der
Schwulen (und oftmals auch der Lesben) Bewegung, die zudem noch oft als (auch politisch) unsolidarisch, egoistisch und ignorant empfunden wird.
Das ist ein internationales Problem, nicht erst seit die Errungenschaften von Drags und Transfrauen in Bezug auf die Stonewall Riots oftmals unter den Teppich gekehrt
und die Sichtbarkeit und die Stimmen von u.a. Frauen mit Penissen in Bezug auf die eigenen Rechte und Ansprüche verhindert wurden.

Das Problem ist, daß viele im Alltag gleichzeitig mehrfach diskriminiert und z.B. in die Schwulenecke gesteckt werden (was z.T. suggeriert, frau würde nicht ausgegrenzt, würden
due Ausgrenzenden sie nicht als "schwul" sondern "nur" als "trans" oder Frau mit Penis wahrnehmen), dabei aber auch noch Diskriminierungserfahrungen in der sog. "LGBT" oder
Homoszene machen, was nicht gerade zu einer positiven Einstellung gegenüber der von außen herangetragenen Verbindung trans/genitalismuserfahrener/ts/frauen mit schwanz
Aktivistinnen mit der Schwulenszene beiträgt, Vorurteile verstärkt und diese Frauen oftmals zu einem allgemein aggressiven Auftreten gegenüber insbesondere femininen Schwulen
bewegt, die insgeheim z.B. als "Nestbeschmutzer" oder "Konkurrenten" wahrgenommen werden, da sie sich mitunter ähnlich kleiden und geben wie Frauen mit Penissen, ohne dafür
zu kämpfen, auch als Frau wahrgenommen und akzeptiert zu werden.

Ich möchte dieses Verhalten dadurch natürlich weder entschuldigen noch rechtfertigen, wollte nur sagen, es sind oft sehr einfache und auf der Hand liegende Motivationen für die
Ausgrenzungen innerhalb der Szene vorhanden, mögen sie nach außen hin auch sehr unschlüssig und selbstzerstörerisch wirken-
Neue Aktionsgruppe gegen das Transsexuellengesetz - https://t.me/NoTSG030
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