Platz in der Gesellschaft?
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dunkles_sternchen
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Platz in der Gesellschaft?
Habt Ihr einen Platz in der Gesellschaft?
Ich meine, vielleicht gar nicht so extrem bezogen auf das Geschlecht, sondern so allgemein? Seid Ihr aufgehoben oder fühlt Ihr Euch als Mensch oft missverstanden? Ich habe wenige Menschen um mich, die mich irgendwie doch ganz gern mögen - aber es gibt auch so extrem viele Reaktionen, die einen traurig machen. Und ich fühle mich dann oft übergangen - die Leute kennen mich nicht, erlauben sich aber Urteile. Ist denn sowas okay? Ich fühle mich da oft wie ein Alien. Als wäre ich komisch, andere als die anderen.
LG Sternchen
Ich meine, vielleicht gar nicht so extrem bezogen auf das Geschlecht, sondern so allgemein? Seid Ihr aufgehoben oder fühlt Ihr Euch als Mensch oft missverstanden? Ich habe wenige Menschen um mich, die mich irgendwie doch ganz gern mögen - aber es gibt auch so extrem viele Reaktionen, die einen traurig machen. Und ich fühle mich dann oft übergangen - die Leute kennen mich nicht, erlauben sich aber Urteile. Ist denn sowas okay? Ich fühle mich da oft wie ein Alien. Als wäre ich komisch, andere als die anderen.
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Anja
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Hallo Sternchen,
klar, wenn man inmitten einer Gesellschaft lebt, hat man ja auch einen bestimmten Platzbedarf
Als Mensch missverstanden? Hm, naja, die, die mich kennen, verstehen mich auch. Und wenn mich Leute nicht verstehen, die mich nicht kennen, kanns mir egal sein.
Das ist auch von niemandem böse gemeint. Wie gesagt, das macht jedes Gehirn so.
Was genau meinst du denn mit Urteil? Wenn Leute über mich urteilen, die mich nicht kennen (die ich dann ja auch nicht kenne), warum sollte mich das dann kratzen?
Ansonsten habe ich einen Platz als Ehefrau, einen Platz als Väterin, einen Platz als Tochter, als Schwiegertochter, als Angestellte, als Nachbarin...
Oder habe ich dich jetzt auch missverstanden und du meinst etwas anderes?
Grüße
die Anja
klar, wenn man inmitten einer Gesellschaft lebt, hat man ja auch einen bestimmten Platzbedarf
Als Mensch missverstanden? Hm, naja, die, die mich kennen, verstehen mich auch. Und wenn mich Leute nicht verstehen, die mich nicht kennen, kanns mir egal sein.
Das ist doch was schönes. Es kommt dabei ja auch garnicht auf die Anzahl an, oder? Hauptsache man hat jemanden, mit dem man über alles reden kann und der einen versteht...dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 26. Jun 2018, 03:05 Ich habe wenige Menschen um mich, die mich irgendwie doch ganz gern mögen
Abstellen kann man sowas nicht. Das ist fest im Gehirn verankert. Jeder analysiert ständig seine Umwelt und das Gehirn sortiert die Eindrücke dann entsprechend seiner Erfahrung in Schubladen. Durch wen könnte Gefahr drohen. Oder wer wäre als potentieller Partner geeignet? Gerade hierbei spielt natürlich auch das bevorzugte Geschlecht bei der Partnerwahl eine Rolle. Das Gehirn ist ziemlich gut darin, Geschlechter auseinanderzuhalten. Deswegen ist es nicht selten, das Menschen, denen wir begegnen, mit dem Blick auf uns "backen" bleiben, da ihr Gehirn uns nicht so einfach wegsortieren kann. Ich sehe zwar eine Frau, aber irgendwas ist an der.... anders.dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 26. Jun 2018, 03:05 die Leute kennen mich nicht, erlauben sich aber Urteile. Ist denn sowas okay?
Das ist auch von niemandem böse gemeint. Wie gesagt, das macht jedes Gehirn so.
Was genau meinst du denn mit Urteil? Wenn Leute über mich urteilen, die mich nicht kennen (die ich dann ja auch nicht kenne), warum sollte mich das dann kratzen?
Ansonsten habe ich einen Platz als Ehefrau, einen Platz als Väterin, einen Platz als Tochter, als Schwiegertochter, als Angestellte, als Nachbarin...
Oder habe ich dich jetzt auch missverstanden und du meinst etwas anderes?
Grüße
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Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
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Nicole Fritz
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Hallo liebes Sternchen,
herzlich willkommen im Club der Aliens, die aus einer fernen Galaxie stammen und mit ihrem kaputten Raumschiff hier auf diesem besch.. Planeten gelandet sind. Sei mir bitte wegen der vom Selbsthass zerfressenen Seele nicht böse. Da habe ich einfach nur von meiner eigenen Situation auf Dich geschlossen.
Ich denke dass bei etlichen Transmenschen das Geschlecht als Ursache unseres Konfliktes überbewertet wird. Da ist dieses fest betonierte Rollenbild: der "starke" Mann, der für die Familie sorgt und sich dabei ständig gegen seine Konkurrenten behauptet, und die "schwache" Frau, die das Haus hütet. Wer da nicht hinein passt, fühlt sich nirgendwo zugehörig. Er findet seinen Platz in dieser Gesellschaft nicht, versucht sich anzupassen, und wird dabei umso unglücklicher je mehr "Erfolg" er dabei hat. Verzweiflung und Selbsthass machen sich breit.
Ich bin aus dieser Situation zur Rolle des anderen - bei mir weiblichen - Geschlechts geflüchtet, in der ich mich nun endlich frei fühlen kann. Und das kann ich, obwohl mein Passing eher saumäßig ist. Mehr Freunde als früher in der Männerrolle werde ich wohl auch kaum jemals finden. Aber irgendwie passt es jetzt. Ich sehe nicht mehr ständig dieses dumme kleine A******** im Spiegel. Und da ist jetzt auch der Wunsch nach einem weiblichen Körper und gleichzeitig eine sehr große Angst vor Risiken und Nebenwirkungen. Meine stets besorgte Mutter hat mich mit der Unterstützung der Ärzte immer krank gemacht. Und da habe ich jetzt die Angst, dass mich eine (vollständige) Transition wieder krank machen könnte.
Also gehe ich das Thema Veränderung oder Anpassung meines Körpers jetzt ganz vorsichtig und langsam an. Viel wichtiger wäre mir im Moment dagegen die VÄ/PÄ. Da erscheine ich als Frau bei der Bank oder bei einer Behörde und es heißt: Herr ... - das nervt mich immer mehr. Komme ich dagegen in einen meiner Second-Hand-Läden höre ich ein angenehmes und freundliches: hallo Nicole. Auf einen teuren und zermürbenden Psychoterror mit zwei Gutachtern habe ich aber auch keine Lust.
Liebe Grüße
Nicole
herzlich willkommen im Club der Aliens, die aus einer fernen Galaxie stammen und mit ihrem kaputten Raumschiff hier auf diesem besch.. Planeten gelandet sind. Sei mir bitte wegen der vom Selbsthass zerfressenen Seele nicht böse. Da habe ich einfach nur von meiner eigenen Situation auf Dich geschlossen.
Ich denke dass bei etlichen Transmenschen das Geschlecht als Ursache unseres Konfliktes überbewertet wird. Da ist dieses fest betonierte Rollenbild: der "starke" Mann, der für die Familie sorgt und sich dabei ständig gegen seine Konkurrenten behauptet, und die "schwache" Frau, die das Haus hütet. Wer da nicht hinein passt, fühlt sich nirgendwo zugehörig. Er findet seinen Platz in dieser Gesellschaft nicht, versucht sich anzupassen, und wird dabei umso unglücklicher je mehr "Erfolg" er dabei hat. Verzweiflung und Selbsthass machen sich breit.
Ich bin aus dieser Situation zur Rolle des anderen - bei mir weiblichen - Geschlechts geflüchtet, in der ich mich nun endlich frei fühlen kann. Und das kann ich, obwohl mein Passing eher saumäßig ist. Mehr Freunde als früher in der Männerrolle werde ich wohl auch kaum jemals finden. Aber irgendwie passt es jetzt. Ich sehe nicht mehr ständig dieses dumme kleine A******** im Spiegel. Und da ist jetzt auch der Wunsch nach einem weiblichen Körper und gleichzeitig eine sehr große Angst vor Risiken und Nebenwirkungen. Meine stets besorgte Mutter hat mich mit der Unterstützung der Ärzte immer krank gemacht. Und da habe ich jetzt die Angst, dass mich eine (vollständige) Transition wieder krank machen könnte.
Also gehe ich das Thema Veränderung oder Anpassung meines Körpers jetzt ganz vorsichtig und langsam an. Viel wichtiger wäre mir im Moment dagegen die VÄ/PÄ. Da erscheine ich als Frau bei der Bank oder bei einer Behörde und es heißt: Herr ... - das nervt mich immer mehr. Komme ich dagegen in einen meiner Second-Hand-Läden höre ich ein angenehmes und freundliches: hallo Nicole. Auf einen teuren und zermürbenden Psychoterror mit zwei Gutachtern habe ich aber auch keine Lust.
Liebe Grüße
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sbsr
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Nicht direkt "in", sondern irgendwo ziemlich am Rand. Meine Frau und meine Arbeitskollegen ausgenommen, würde es locker ein bis zwei Monate lange nicht auffallen, wenn ich nicht mehr da wäre.
Aus Angst davor, dadurch verletzlich zu werden, habe ich niemals zugelassen, dass mich jemand wirklich kennt. Meine Frau dieses mal eingeschlossen. Deshalb werde ich ständig missverstanden oder mit falschen Erwartungen konfrontiert, wofür meine Mitmenschen aber nichts können.dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 26. Jun 2018, 03:05 Seid Ihr aufgehoben oder fühlt Ihr Euch als Mensch oft missverstanden?
In den seltensten Fällen sollte es das. In vielen Fällen wird es aber, wenn du dir deiner selbst nicht so sicher bist, dass du unumstößlich zu dir selbst stehen kannst.Anja hat geschrieben: Di 26. Jun 2018, 10:32 Wenn Leute über mich urteilen, die mich nicht kennen (die ich dann ja auch nicht kenne), warum sollte mich das dann kratzen?
Nicht nur unser Umfeld sortiert in Schubladen, sondern wir selbst auch. Dabei gibt es die Schubladen "positive Reaktion" und "negative Reaktion". Jemand schaut uns an und kann keine passende Mann/Frau Schublade finden. Den folglich fragend kritischen Blick bewerten wir als "negativ", obwohl er vielleicht gar nicht so gemeint war. Das führt zu noch mehr Unsicherheit und einen ständig wachsenden "negativ" Schublade. Auch wenn wir uns noch so sehr selbst einreden, dass es uns egal sein kann, unser Gehirn ordnet trotzdem irgendwann jeden dieser Blicke in diese Schublade.
Aber ich bin mir nicht sicher, ob das
wirklich so gemeint war, oder ob es dunklen Sternchen nicht auch um die Leute ging, die glauben einen zu kennen. So ein Urteil kann nämlich unheimlich verletzend sein, vor allem wenn man nicht begreifen kann, welches Bild so jemand von einem haben muss, um zu solchen Schlussforlgerungen zu kommen.dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 26. Jun 2018, 03:05 die Leute kennen mich nicht, erlauben sich aber Urteile
LG, Svenja
Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
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Ulrike-Marisa
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Moin,
...Anja hat das auch für mich so geltend sehr gut beschrieben. Jede/r hat ihren/seinen Platz in der Gesellschaft. Die Wahrnehmung anderer kann sehr unterschiedlich sein ebenso die Akzeptanz oder auch Ignoranz anderer Menschen in der Familie, im Umfeld und bei der Arbeit und überall...
Eine andere Frage ist die Selbstsicht und Selbstdarstellung, wie ich mich fühle und wie ich mich geben kann unter den Bedingungen, die ich habe.
Das kann auch unterschiedlich sein. Bei mir habe ich für die Familie und das nähere Umfeld einen Kompromiss eingegangen; meine Frau mag mich zu Hause nicht als Frau mit Rock gekleidet sehen und was sie nicht sieht, das kann ich machen. Zur Arbeit und auf Dienstreisen gehe ich oftmals weiblich gekleidet, soweit das in der Arbeitswelt möglich ist. So habe ich meinen Platz in der Gesellschaft gefunden; was andere so über mich denken und meinen, das kann ich links liegen lassen, das berührt mich mittlerweile nur peripher.
Grüße, Ulrike-Marisa
...ich bin, was ich bin und nicht das, was andere in mir zu sehen glauben...
...Anja hat das auch für mich so geltend sehr gut beschrieben. Jede/r hat ihren/seinen Platz in der Gesellschaft. Die Wahrnehmung anderer kann sehr unterschiedlich sein ebenso die Akzeptanz oder auch Ignoranz anderer Menschen in der Familie, im Umfeld und bei der Arbeit und überall...
Eine andere Frage ist die Selbstsicht und Selbstdarstellung, wie ich mich fühle und wie ich mich geben kann unter den Bedingungen, die ich habe.
Das kann auch unterschiedlich sein. Bei mir habe ich für die Familie und das nähere Umfeld einen Kompromiss eingegangen; meine Frau mag mich zu Hause nicht als Frau mit Rock gekleidet sehen und was sie nicht sieht, das kann ich machen. Zur Arbeit und auf Dienstreisen gehe ich oftmals weiblich gekleidet, soweit das in der Arbeitswelt möglich ist. So habe ich meinen Platz in der Gesellschaft gefunden; was andere so über mich denken und meinen, das kann ich links liegen lassen, das berührt mich mittlerweile nur peripher.
Grüße, Ulrike-Marisa
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dunkles_sternchen
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Natürlich muss es einen nicht kratzen, aber diese Eigenschaft fehlt mir schlichtweg. Ich nehme mir dann irgendwie alles zu Herzen und denke dann Stunden darüber nach, wieso derjenige das wohl so sehen könnte und was ich falsch mache. Ich frage mich unentwegt, was ich wo falsch mache. Das ist nicht unbedingt zwanghaft, aber ich erwische mich oft dabei - eben weil ich ein sehr selbstkritischer Mensch bin. Und dann kommen so Leute an meinen z.B. ich sei ein Narzist. Kann man sich als Narzist hassen? Keine Ahnung.Anja hat geschrieben: Di 26. Jun 2018, 10:32
Was genau meinst du denn mit Urteil? Wenn Leute über mich urteilen, die mich nicht kennen (die ich dann ja auch nicht kenne), warum sollte mich das dann kratzen?
Irgendwie ist das alles doch sehr widersprüchlich. Und eben weil die Reaktionen auf mich manchmal sehr gegensätzlich sind, stelle ich mir auch öfter die Frage, wieso das wohl so ist - ob es externe Gründe hat oder an mir liegt.
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Anja
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Moinsen,
vielleicht sind die Reaktionen widersprüchlich, weil manche von denen dich mögen und manche nicht? Ein Narzist ist doch nicht selbstkritisch, eher im Gegenteil. Er findet alles toll an sich. Zumindest so weit ich weiß. Da wäre ich nun nie drauf gekommen, das mit dir in Verbindung zu bringen.
Man kann eben nicht allen gefallen. Ist erster Linie ist es wichtig was du von dir hälst und nicht andere, schon garnicht Fremde. Ich weiß, das ist leicht gesagt...
Hierzu fällt mir ein Zitat ein, das ich im Netz aufgeschnappt (und für gut befunden) habe:
Früher kam ich in einen Raum und hab mich gefragt, ob mich die Leute mögen.
Heute komm ich in einem Raum und frag mich, ob ich die Leute mag.
Bei mir kam dieser Haltungswechsel mit dem Leben als Frau. Zu Anfang machte ich mir morgens noch Gedanken, was kannste anziehen, wie wirkt das auf andere, was denken die dann usw. Aber Monat um Monat wurde das weniger und ich frage mich nun, was ich anziehen will und denke nicht mehr darüber nach, was andere wohl darüber denken könnten... Jedenfalls, egal ob ich mir morgens Gedanken gemacht hatte über mein Outfit oder nicht, die Reaktion der Umwelt war immer die gleiche. Vollkommendes Desinteresse an meiner Person
Vielleicht kann man die Einstellung ja erlernen, keine Ahnung. Wäre das vielleicht ein guter Punkt, den du mit deinem Psychologen erörtern könntest? Ich wüsste jedenfalls keinen "Tipp" wie man zu dieser Einstellung kommen könnte.
Grüße
die Anja
vielleicht sind die Reaktionen widersprüchlich, weil manche von denen dich mögen und manche nicht? Ein Narzist ist doch nicht selbstkritisch, eher im Gegenteil. Er findet alles toll an sich. Zumindest so weit ich weiß. Da wäre ich nun nie drauf gekommen, das mit dir in Verbindung zu bringen.
Man kann eben nicht allen gefallen. Ist erster Linie ist es wichtig was du von dir hälst und nicht andere, schon garnicht Fremde. Ich weiß, das ist leicht gesagt...
Hierzu fällt mir ein Zitat ein, das ich im Netz aufgeschnappt (und für gut befunden) habe:
Früher kam ich in einen Raum und hab mich gefragt, ob mich die Leute mögen.
Heute komm ich in einem Raum und frag mich, ob ich die Leute mag.
Bei mir kam dieser Haltungswechsel mit dem Leben als Frau. Zu Anfang machte ich mir morgens noch Gedanken, was kannste anziehen, wie wirkt das auf andere, was denken die dann usw. Aber Monat um Monat wurde das weniger und ich frage mich nun, was ich anziehen will und denke nicht mehr darüber nach, was andere wohl darüber denken könnten... Jedenfalls, egal ob ich mir morgens Gedanken gemacht hatte über mein Outfit oder nicht, die Reaktion der Umwelt war immer die gleiche. Vollkommendes Desinteresse an meiner Person
Vielleicht kann man die Einstellung ja erlernen, keine Ahnung. Wäre das vielleicht ein guter Punkt, den du mit deinem Psychologen erörtern könntest? Ich wüsste jedenfalls keinen "Tipp" wie man zu dieser Einstellung kommen könnte.
Grüße
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Kleine Ketzerin
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Und auf den Gedanken, dass nicht Du diejenige bist, die etwas falsch macht, sondern die Person, die Dir ihre "Ansichten" über Dich unter die Nase reibt, kommst Du nicht? Ich finde es völlig respektlos, anderen Menschen irgendwelche "Ansichten" über deren Persönlichkeit an die Rübe zu klatschen und würde sowohl die Person, die so etwas tut, als auch deren "Ansichten" über mich komplett ignorieren. Such die Fehler nicht immer nur bei Dir, denn andere sind auch verdammt gut darin, Fehler zu machen.dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 26. Jun 2018, 14:49 Ich nehme mir dann irgendwie alles zu Herzen und denke dann Stunden darüber nach, wieso derjenige das wohl so sehen könnte und was ich falsch mache. Ich frage mich unentwegt, was ich wo falsch mache.
Du wirst davon ausgehen können, dass das externe Gründe hat und nicht an Dir liegt. Andere Menschen kennen Dich schlicht und einfach nicht gut genug, weshalb deren Reaktionen wahrscheinlich oft ganz einfach nur falsch sind. Zumal all diese Menschen auch wieder ihre eigenen "Baustellen" haben, die ihre Wahrnehmung und ihre Reaktionen auf andere beeinflussen... Das alles auseinander zu dröseln wäre eine echte Sisyphusarbeit, mit der Du vermutlich den Rest Deines Lebens beschäftigt wärst. Hast Du da Lust zu?dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 26. Jun 2018, 14:49 Irgendwie ist das alles doch sehr widersprüchlich. Und eben weil die Reaktionen auf mich manchmal sehr gegensätzlich sind, stelle ich mir auch öfter die Frage, wieso das wohl so ist - ob es externe Gründe hat oder an mir liegt.
Es ist doch eigentlich auch völlig normal, dass man widersprüchliche Reaktionen bekommt, denn man verhält sich ja auch nicht allen Menschen gegenüber gleich, weil man selber ja auch gewisse Sympathien oder Antipathien hegt, die das eigene Verhalten beeinflussen. Würde man sich da dann das Ziel setzen, immer möglichst übereinstimmende Reaktionen von anderen zu bekommen, dann müsste man sich ja ständig total verbiegen und würde sich dann am Ende irgendwann so sehr von sich selbst entfremden, dass man dann nur noch das wäre, was andere in einem sehen wollen, aber nicht mehr man selbst.
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Ich weiss, dass ich nicht wie die Mehrheit bin. Aber das macht nichts. Ich kenne andere, die auch nicht wie alle anderen sind, die ich mag und die mich mögen. Das ist eine sehr schöne Erfahrung, die uns gegenseitig Kraft und Stabilität gibt. Und ich denke, dass Menschen wie wir einen positiven Beitrag leisten können. Das alles gibt mir einen speziellen Platz in der Gesellschaft - neben dem Alltag, der mit mehr oder weniger Anteil dieser Nicht-Normalität einfach vor sich hin funktioniert
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Ja, ich habe einen Platz in der Gesellschaft. Manche mögen mich, manche schätzen mich, manche mögen mich nicht und manche haben eine Meinung über mich, die sich nicht mit meiner deckt.dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 26. Jun 2018, 03:05 Habt Ihr einen Platz in der Gesellschaft?
Ich meine, vielleicht gar nicht so extrem bezogen auf das Geschlecht, sondern so allgemein? Seid Ihr aufgehoben oder fühlt Ihr Euch als Mensch oft missverstanden? Ich habe wenige Menschen um mich, die mich irgendwie doch ganz gern mögen - aber es gibt auch so extrem viele Reaktionen, die einen traurig machen. Und ich fühle mich dann oft übergangen - die Leute kennen mich nicht, erlauben sich aber Urteile. Ist denn sowas okay? Ich fühle mich da oft wie ein Alien. Als wäre ich komisch, andere als die anderen.
Was meinst Du mit "Alien" ? Ob Du einen Platz findest hat nicht wenig mit Dir selber zu tun. Willst Du dazu gehören ? Wenn Du glaubst, dass andere sich ein Urteil über Dich erlauben, machst Du dann nicht im gleichen Augenblick das gleiche ?
Ich denke, meine emotionalen Reaktionen haben i.d.R. eine Ursache in mir selber. Und es lohnt sich für mich immer, danach zu suchen. Beispiel: Neulich hat jemand widerrechtlich auf dem Parkplatz geparkt, der zur Praxis meiner Frau gehört und ihn damit anderen Patienten weg nimmt. Ich habe mich ziemlich aufgeregt und den Fahrer angemacht. Seine Reaktion war: "Hast Du ein schlechtes Leben ?" Ich war völlig baff. Er hatte natürlich Recht, für meine Aufregung war er nicht verantwortlich. Er hat zwar falsch geparkt, aber das war nicht der Grund für meine emotionalen Ausraster. Ich habe weit im Vorfeld Erwartungen in mir getragen, die nicht befriedigt wurden. Der Parksünder war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ich musste also meine Erwartungen überprüfen. Weder der Parksünder noch andere Menschen, die ja nicht für die Befriedigung meiner Wünsche verantwortlich sind, waren "Schuld" an meinen Emotionen. Die Emotionen waren aber sehr hilfreich beim Entdecken meiner eigentlichen Probleme.
In mir zu bohren und nicht Ursachen und Verantwortungen auf andere zu delegieren, können mir helfen, meine eigenen Problem zu entlarven und damit umzugehen. Es geht nicht darum, sich für alles selber die "Schuld" zu geben, sondern die Verantwortung für das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu übernehmen. Mich hat das viel weiter gebracht. Mein Leben wird dadurch friedlicher und freudvoller. Vielleicht sogar nur dadurch.
Viele Grüße
Vicky
Respekt ist nicht teilbar.
Vicky
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dunkles_sternchen
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Das ist schon ein sehr wichtiger Punkt(e), der offensichtlich meine Sichtweise von denen unterscheidet, die andere so pflegen. Wir haben den Materialismus und Konsum so verinnerlicht, dass wir selten fähig sind das alles auch mal in Frage zustellen. Montag früh zur Arbeit zu müssen ist nicht normal. Es ist "normal", weil wir es so definiert haben im Rahmen unseres Zusammenlebens. Es gibt ja auch eigentlich keinen Montag und kein Wochenende.Delfinium hat geschrieben: Fr 29. Jun 2018, 10:23 Meiner Meinung nach ist die Gesellschaft krank und verdorben, hören nichtmehr auf Ihre innersten Gefühle, lästern über andere, brauchen Statussymbole, denken sie müssen unbedingt Leistung erzielen und hinterfragen wenig. Sie sind egoistisch und machen sich um nichts Gedanken außer ihre liebsten... Obwohl wir doch alle irgendwie zusammengehören. Der moderne Mensch hat meiner Meinung nach vieles verlernt und mutiert zu einem Roboter.
Ich habe halt öfter solche Gedanken und konfrontiere Menschen damit, die dann teilweise völlig entrüstet oder auch empört reagieren ... gerade auch unsere Verschwörungsfans empfehlen mir ja immer "mal über den Tellerrand zu schauen" und wenn man es denn wirklich tut, können sie dir nicht folgen - sind dann wieder in ihrer kleinen Gedankenwelt gefangen aus bösen Pharma-Konzernen, Chemtrails und im Glauben, dass die Regierung im dunklen Kämmerlein die Apokalypse plant.
Und dann gibts auch tatsächlich die "Roboter", die jede Fähigkeit das eigene Handeln zu hinterfragen gegen einen bequemen, konsumorientierten Lebensstil eingetauscht haben. Die haben drei Haustiere und einen kleinen Garten am Reihenhaus und sind dann "naturverbunden" und finden ja die Chemie aus der Apotheke ganz schrecklich, denn die Natur hat doch so viele Heilkräuter. Und Impfen geht ja sowieso gar nicht ... das habe ich auf meinem iPhone 8 recherchiert.
Vielleicht spricht da wirklich schon der Zynismus aus mir und eine gewisse "Basic-Angepissheit" ...
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conny
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Kann man das wirklich nur so negativ sehen? Wo machst Du konkret in Deinem Umfeld so pauschal diese Erfahrung?Delfinium hat geschrieben: Fr 29. Jun 2018, 10:23
Meiner Meinung nach ist die Gesellschaft krank und verdorben, hören nichtmehr auf Ihre innersten Gefühle, lästern über andere, brauchen Statussymbole, denken sie müssen unbedingt Leistung erzielen und hinterfragen wenig. Sie sind egoistisch und machen sich um nichts Gedanken außer ihre liebsten... Obwohl wir doch alle irgendwie zusammengehören. Der moderne Mensch hat meiner Meinung nach vieles verlernt und mutiert zu einem Roboter.
Ich mache in meiner speziellen Situation ganz andere Erfahrungen. Ich erfahre täglich in unterschiedlichsten Situationen eine große Hilfsbereitschaft und: Wo gibt es z.B. sonst noch soviel Empathie für die Flüchlinge?
Und in unserem Land sind massenhaft Ehrenamtliche tätig:
https://www.morgenpost.de/wirtschaft/ar ... hland.html
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conny
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Mehr fällt Dir zu meinem Post nicht ein? Und ich bleibe dabei, für Flüchtlinge gibt es in unserem Land mehrheitlich eine große Empathie, auch wenn es nicht in Dein Gesellschaftsbild passt.
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conny
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Exuser-2019-01-04
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Re: Platz in der Gesellschaft?
Wer einen Hund prügeln will, der findet immer einen Stock...conny hat geschrieben: Sa 30. Jun 2018, 21:45 Mehr fällt Dir zu meinem Post nicht ein? Und ich bleibe dabei, für Flüchtlinge gibt es in unserem Land mehrheitlich eine große Empathie, auch wenn es nicht in Dein Gesellschaftsbild passt.