Sorry Astrid,Astrid hat geschrieben: Fr 27. Apr 2018, 17:18 Mal so in die Runde: Gibt es Schätzungen, wieviele Menschen auf die Beantragung eines "Behindertenausweises" und damit auf benötigte Hilfe vezichtet haben, um bloß nicht mit dem Stigma "Behinderung" belegt zu werden?
aber solche substanzlosen Behauptungen bringen uns überhaupt nicht weiter, geschweige denn lösen sie irgendwelche Probleme.
Mal gegengefragt: Gibt es konkrete Erhebungen, die belegen, dass "weichgespülte" Begriffe tatsächlich zu einer Verbesserung beigetragen haben?
Ich würde ja eher sagen: "So wenig. Viel zu wenig!"
Wir sollten viel lieber gut hinhören, wenn sich Betroffene äußern, anstatt immer über deren Köpfe hinweg zu argumentieren, was wohl besser für sie sei.
Hier im Thread hat sich beispielsweise Jenny geäußert. Aber außer mir ist keine der Diskutantinnen auf Jennys Bedenken eingegangen.
Und auch ich kann als mittelbar Betroffener etwas dazu beisteuern:
Auf Anraten der behandelnden Ärztin hatte ich versucht, für mein Kind einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen, der im nach dem Gesetz zustehen würde. Was ich dabei erleben musste, bestätigt einige der gängigen Vorurteile, die so über Ämter und Behörden im Umlauf sind. Die Bearbeitung wurde nach allen Regeln der behördlichen Kunst verschleppt. Der Antrag wurde z.B. zur Seite gelegt, weil man der Meinung war, dass noch Unterlagen fehlen würden. Erst auf Nachfrage, wurde dann überhaupt mit der Bearbeitung begonnen. Der Sachbearbeiter war dann plötzlich krank oder wechselte, und natürlich gab es nie eine Vertretungsmöglichkeit, was zu weiteren Monaten(!) Verzögerung führte. Dann wechselte der Modus Operandi bei den Ausreden, und es waren angeblich keine Dokumentenboxen verfügbar, mit denen die Anträge zu den externen Sachverständigen (oder Gutachtern) transportiert werden könnten, und dass man da leider nichts machen könne. Weitere Interventionen meinerseits, führten dann dazu, dass der Antrag noch nicht wieder vom Sachverständigen zurück wäre. Als man mich weitere Monate(!) später auch mit dieser Ausrede nicht mehr hinhalten konnte, weil ich wiederum intervenierte, war innerhalb weniger einer Woche die Ablehnung des Antrags da. Ich ging in Widerspruch und die ganze Scheiße begann von vorne. Man fing an, über den Grad der Behinderung zu handeln wie auf einem orientalischen Basar und meinte schließlich kackfrech, wenn ich mit dem ganzen Ablauf unzufrieden sein, könne ich ja vor dem Sozialgericht klagen.
Nach gut 3 Jahren habe ich entnervt aufgegeben, da die Volljährigkeit meines Kindes vor der Tür stand, und damit eh das ganze Spiel von vorne losgegangen wäre, und mein Kind dann den Streit mit dem Amt hätte führen müssen. Auf Grund meiner Erfahrungen hat es das gleich ganz sein lassen.
So, und nun erkläre mir bitte jemand, wie ihm oder mir da ein weichgespülter Ersatzbegriff weitergeholfen hätte.
Ziemlich "verschnupft"
Michi