Michi2011 hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich glaube, dass ich meine persönlichen Grenzen erreicht - vielleicht schon überschitten - habe! Der Zwiespalt/die Differenzen zwischen meinem männlichen und weiblichen Ego wird/werden immer größer. Ich vermute, dass wohl mein weibliches Ego gewinnen wird. Bisher unbekanntes Terrain wird beschritten, wo ich am zweifeln bin, ob das, was da passiert überhaupt möglich ist. Was ist passiert?
Ich hab ja am letzten Wochenende Bilder von mir im Forum eingestellt. Irgendwie war das mit der Handy-Kamera umständlich, hat aber auch Spaß gemacht, lenkte es mich doch von meinen Alltagssorgen ab! Und dann Eure Kommentare dazu - vielen Dank! Zwischendurch war ich ja auch noch 'ne Runde um den Block gegangen um ein wenig frische Luft zu schnuppern. Diesmal ohne jedwedes Herzklopfen und die Nachbarn waren mir auch "Piep-Egal". Schnüffelte im I-Net und fand eine Berliner Gruppe, die sich regelmäßigt trifft und schickte eine Anfrage per Mail zwecks Kontaktaufnahme. - Bin ich das noch? - Es war insgesamt ein höchst zufriedenstellender Tag! Ich gehe irgendwann ins Bett (mit Negligee), leg noch eine CD mit wunderbarer Musik ein und gönne mir zum Abschluss noch ein Glas Wein. Die Stimmung ist irgendwo zwischen Wolke 7 und 13 - also richtig toll!! In dieser Stimmung fange ich an mich zu streicheln und es kommen unglaublich schöne Gefühle hoch! Wie weit das geht, möchte ich doch lieber für mich behalten. Jedenfalls befand ich mich irgendwo zwischen Himmel und Erde und schlief so überglückich ein (ist schon sehr, sehr lange nicht mehr vorgekommen). Von diesen Gefühlen zehre ich noch bis heute - aber es flaut ab und die Realität holt mich langsam ein.
Nun stelle ich mir die Frage: Wie geht's weiter? Ich liebäugle schon eine ganze Weile mit meinem Outing. Ich habe nur die Befürchtung, dass das Existenzbedrohend sein könnte, da ich selbständig bin und nur über einen begrenzten Kundenkreis verfüge. Ich bin in einer Branche tätig, wo ich als Mann sowieso schon eine Außenseiterrolle habe. Letzte Statistik des zuständigen Verbandes: Der Beruf wird zu 92% vom Frauen ausgeübt. - O.K. beruflich würde ich also als Frau dazu passen. - Aber Existenzängste waren mir bisher doch recht fremd. Und mit 50 nochmal neu Anfangen?
Ich denke, dass ich die Unterstützung eines Psychologen benötige! - Was meint Ihr dazu?
Und an die Berliner hier im Forum: Hat vielleicht eine(r) von Euch einen tip?
LG Michi
Hallo Michi,
es ist gut, dass du dich meldest und wenn du Hilfe brauchst, ist es auch gut, dass du Hilfe suchst.
Es ist durchaus möglich, dass ein Ps. dir helfen kann. Vielleicht kannst du die Vorarbeit machen - vielleicht auch dir selbst ein wesentliches Stück weiter helfen - indem du für dich selbst folgende Fragen beantwortest:
Was erwartest du, dass der Ps. für dich tut? Dir erzählen, genau wie es weiter geht kann er nicht. Das musst du letzteendlich selber raus finden. Sonst wäre das Leben übrigens auch langweilig.
Willst du, dass er dir erklärt, warum du bist?
Wird es dir helfen wenn er das kann - oder wenn er das könnte?
Oder soll er dir helfen, selber zu akzeptieren, dass du starke weibliche Anteile hast? Weibliche Charkterzüge, die sich vielleicht verstärkt haben, weil die lange unterdrückt wurden? Ich erkenne, dass manche Männer Probleme haben, das zu aktzeptieren. Hast du?
Oder hoffst du, dass er etwas tut, dass du nicht so sein musst?
Bei der letzten Frage, tippe ich, dass du klar NEIN sagst, denn nachdem was du beschreibst, war es ja wie eine kleine Befreiung, mal als Frau raus zu gehen. Ging mir mal genau so.
Aber vielleicht überdramatisierst du es alles ein bisschen. Irgendwie scheint es mir zu früh, sich Gedanken darüber zu machen, "was passiert mit meinem Geschäft, wenn ich die Rolle voll auf weiblich switche". Es existiert in dieser Welt alle Abstufungen zwischen Macho-Mann vom Fußballverein bis Hormontherapie und Geschlechtsangleichende OP. Bei mir - so als Beispiel - heißt das im beruflichen Alltag zwar offiziell Mann, obwohl ich offenkundig die Herren Kollegen damit irritiere, alle typischen Männeralluren abzulehnen. Und sonst wechsle ich zu W wann immer es gerade geht. Ich genieße es sogar, dass ich zwischen den Geschlechter-Welten wechseln kann. Wenn ich sonst als Frau leben würde, würde ich vermutlich gelegentlich zum M wechseln, wenn es gerade praktisch wäre. Aber gut, das war nur ein Beispiel. Ich bin ich - du bist du. Ich habe schon vor langer Zeit rausgefunden, was zu mir passt. Du fängst jetzt erst an.
Und selbst wenn, du dich entscheidest, ganz als Frau zu leben, dann hängt bestimmt eine Menge davon ab, wie du dich dabei anstellst. Mein Eindruck ist, dass es TS gibt, die nie wirklich gelernt haben, sich selbst zu akzeptieren und eigentlich auch in ihren ganzen Lebenshaltung sehr Männlich wirken. Die stoßen dann auch weiträumig auf Ablehnung. Dann gibt es andere, die voll und ganz entschieden haben, "ich bin so wie ich bin, und das ist gut so". Ein gutes Beispiel ist eine Freundin von mir - die vor ein paar Jahren immer noch amtlich und körperlich ein Mann war. Die ist Eigentümerin einer kleinen Firma in der grafischen Branche, hat einen alten Kundenstamm, den sie elegant und sachlich mit einer kleinen Werbebroschüre informiert hat, dass sie ab dann und dann nicht mehr Herr X sondern Frau X sein würde, aber dass alles Anders so bleiben würde wie gehabt. Das Foto in der Broschüre war super - zeigte eine elegante, kompetent aussehende Geschäftsfrau. Haben die Kunden es akzeptiert? - natürlich!