Hallo Mädels,
Am kommenden Wochenende ist bei mir das Thema "Family" angesagt. Da ich dann voraussichtlich kaum Muße für Valeries Welt haben werde, dafür aber jetzt und heute Zeit und Muße ist, kriegt ihr das neue Kapitel 49 heute Abend schon mal vorab zu lesen. Dafür geht es mit dem übernächsten Kap. 50 erst am kommenden Montag oder Dienstag weiter (wie immer ca. 14.00 Uhr). Also, hier schon mal...
Kapitel 49: Männerbesuch.
Auf dem Rückweg zu ihrer Wohnung kamen sie am Café Kipp vorbei, einer angesagten Konditorei, die bekanntlich die leckersten Torten von Cannstatt bäckt, wer weiß das nicht. Valerie passierte spontan und mit energischem Schritt die Ladentüre der Konditorei, sah der Verkäuferin ins Auge, deutete ohne viel zu überlegen auf die Schwarzwälder Kirschtorte, die hinter der Verkaufstheke lag und prächtig anzusehen war, und ließ sich zwei Stück davon einpacken. Dabei sagte sie ganz locker und quasi nebenbei zu Gunnar:
"Du kommst doch nachher noch mit rauf zu mir für 'ne Kirschtorte und kleinen Kaffee oder?? "
So, die Frage war raus. Beide schauten erst mal, er stutzte. War das jetzt eine Frage oder eine Anweisung?
Die Idee war ihr ganz spontan gekommen. Gut, natürlich waren beide hungrig und auch ein wenig müde von ihrem langen Spaziergang durch den Zoo, also konnte schon vorausgesetzt werden, dass ein schönes Stück Schwarzwälder Kirsch auf allgemeine Zustimmung stoßen würde. Trotzdem, sie kannte ihn ja noch kaum und war sich sofort, nachdem die Frage heraus war, wieder ziemlich unsicher, wie er wohl reagieren würde. Würde er sie falsch verstehen? Wie hatte sie das überhaupt gemeint? War sie mal wieder zu frech gewesen mit ihrem "Vorstoß"? Wieder mal eine ihrer bekannten Überreaktionen? Eigentlich war ihr selbst völlig unklar, warum sie ihn zu sich eingeladen hatte und was sie damit wohl bezweckte. Aber gut, er kann ja immer noch nein sagen, wenn er nicht kann oder nicht will, dachte sie dann bei sich.
Ein breites Grinsen überzog sein Gesicht.
"Ja aber super, ja klar, mit Kirsch-Schokotorte kriegst du mich überall hin, keine Frage..."
Alles easy, alles paletti, alles gut. Ihr wurde leichter, keine quälenden inneren Fragen mehr, kein was er wohl denkt von mir, wie er es wohl auffasst, ob er es vielleicht falsch versteht? Alle ihre Selbstzweifel, die sie kurz gespürt hatte, schienen plötzlich vergessen. Er kommt mit 'rauf, er mag Torte, und er will noch nicht nach Hause, und ich bin ihm noch nicht langweilig geworden. Jetzt war sie es, die ihn an der Hand nahm, und so gingen sie die Passage zum Wilhelmsplatz runter, standen dann Hand in Hand wie ein Liebespaar an der Fußgängerampel, die Rot zeigte, etwa 2 Minuten lang, so kam es ihr vor, und es war ihr überhaupt nicht unangenehm, die ganze Zeit seine warme Hand in ihrer zu spüren, das Rot hätte ruhig noch länger andauern können, so Valeries Stimmung in diesem Moment.
Oben war ihre Wohnung natürlich wieder völlig unaufgeräumt, so schien es ihr, weil sie wieder ein wenig nervös war durch seine Anwesenheit, sie räumte das Sofa kurz frei von ein paar Klamotten, die dort rumlagen und warf alles schwungvoll ins angrenzende Schlafzimmer. Fand dann noch zwei Kuchenteller und platzierte die beiden Torten unfallfrei darauf, stellte sie auf den kleinen Couchtisch. Er hatte auf dem Sofa Platz genommen und schaute ihr zu, wie sie die Filtermaschine bediente, bald blubberte und röchelte diese, und der Kaffee rann in die Kanne hinein. Sie fand Milch, Zucker und sogar Kaffeesahne und stellte alles auf den Tisch vor Gunnar hin.
"Für mich nur Kaffee und drei Stück Zucker. Keine Milch, keine Sahne" sagte er.
Seltsam, dachte sie. Das mit den drei Stück Zucker kam ihr irgendwie bekannt vor. Ja das war doch ein Buchtitel. Irgendeine deutschtürkische Autorin, Namen hatte sie fast vergessen (war es nicht Renan Demirkan?) Und von dem Buch wußte sich auch nichts außer dem Titel. Aber sie, Valerie wollte ihren Kaffee ganz anders, mit viel Milch, viel Zucker, und wenn Sahne im Kühlschrank war, dann auch mit Sahne.
Sie machten sich beide über ihre Torten her, die sehr lecker schmeckte, also verflog Valeries Nervosität bald und machte einer gelösten Stimmung Platz. Nach der Torte unterhielten sie sich noch eine Weile ganz locker, nichts Tiefsinniges, eigentlich nur allgemeinen Smalltalk, nur so, was sie so mache beim XXXXler, ja sie sei dort Marketingassistentin und das würde ihr sehr gut gefallen und sie hätte sehr nette Kollegen. Sie erzähle von Erica, von Dr. Schmidt, ihrem Chef, und von Alice, ihrer Bürokollegin. Er saß im Hemd auf dem Sofa, hatte das Jackett abgelegt und die Hemdärmel etwas hochgeschoben und sie sah, dass er kräftige Handgelenke hatte und schöne Hände. Sie saß ihm gegenüber in ihrem Lieblingssessel, es war ihr einziger und ganz aus Leder, ein altes Stück, das sie mal auf dem Trödel erstanden hatte und das nun ihr Lieblingsmöbel war, sie saß abends oft darin, ein Buch in der Hand. Er stellte fest, dass sie keinen Fernseher im Zimmer hatte, und sie sagte Nein, dafür ist das Zimmer zu klein, aber ich habe die Tagesschau im Internet auf meinem Laptop, und zeigt auf einen kleinen Schreibtisch in der Ecke des Raumes.
"Es ist bald acht" sagte er und schaute dabei auf seine Uhr.
"Bald Zeit für die Tagesschau".
Sie nickte, stand vom Sessel auf um den Laptop einzuschalten, er erhob sich ebenfalls von seinem Sofa.
"Ich werde dann besser auch mal auch gehen" sagte er dann, kam hinter dem kleinen Couchtisch hervor und als er vor ihr stand, bemerkte sie, dass er doch wesentlich größer war als sie, obwohl sie noch die Stiefel anhatte.
Als er sie dann in den Arm nahm zum Abschied, ließ sie es recht passiv mit sich geschehen, erwiderte auch seinen Kuss nicht sehr stark, obwohl sie den Geschmack seiner Lippen auf ihrem Mund mochte, aber trotzdem küsste sie nicht sehr aktiv zurück, behielt ihre Zunge bei sich, züngelte nicht. Nur ihre Hände lagen plötzlich an seinen beiden Körperseiten in Höhe seiner Hüften, umfassten diese, spürten seinen Körper, fuhren, nachdem sie ein wenig dort verweilt hatten, beidseitig an seinem Leib nach oben, erforschten dabei seinen Body, der ihr kräftig und muskulös schien, blieben dann auf seinen Schultern liegen, dann umfassten beide Hände seinen Hals und sie platzierte noch einen Abschiedskuß direkt auf seinen Mund.
"Es war heute ein schöner Nachmittag mit dir, Gunnar" sagte sie und ließ beide Arme fallen. Das war das Zeichen für ihn, zu gehen.
Soviel für heute. demnächst mehr. Wie gesagt, voraussichtlich Montag oder Dienstag nächste Woche.
Liebe Grüße
Eure Valerie
(jetzt wieder im Stuttgarter Raum)