Wie geht weinen
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Lebensplanung, Standorte
Conny-Andrea
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Wie geht weinen

Post 1 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea »

Hallo Ihr Lieben,

ich halte mich für einen nüchtern und logisch denkenden, emotionsarmen Menschen. Meiner Erinnerung nach habe ich 1983 bei der Beerdigung meines Stiefvaters und 1986 bei der Geburt meiner Tochter zum letzten Mal geweint. Seitdem gab es viele Gelegenheiten wie Beerdigungen von Freunden und Verwandten, Hiobsbotschaften wegen Krankheiten, o.ä.
Ich bin dann zwar betroffen, bleibe aber völlig ruhig und sachlich. :(

Aber andererseits kullern mir immer wieder Tränen über die Wangen, wenn ich traurige Filme anschaue.

Irgendetwas stimmt doch da nicht. Kommen die Gefühle nur raus wenn ich in einer Fantasiewelt unterwegs bin? Kann ich erst dann loslassen?
Oder hat das was mit m/w zu tun, so nach dem Motto "Ich muss meinen Mann stehen" und "Jungen weinen nicht"?

Hat jemand ähnliche Erfahrungen?

Liebe Grüße von Conny-Andrea
Céline
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Re: Wie geht weinen

Post 2 im Thema

Beitrag von Céline »

Guten Morgen,
Gute Frage die Du da stellst.Ich denke aber,ich gehe von meinem Fall aus das Jungen/Männer normalerweise ihr ganzes Leben lang auf die Rolle als Mann das heißt Wenig Gefühle zeigen und stark sein konditioniert werden.Ich war!!der einzige Junge in der Familie ,arbeitete lange Zeit als Monteur auf Baustellen und dann als Servicetechniker in einem reinen Männerberuf.Gefühle durfte man nie zeigen sonst wäre ich zum Gespött geworden.Gefühle nicht zeigen zu dürfen ist ein schrecklicher Zustand,ich suchte mir dann immer einen einsamen Platz um den Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Seit dem Beginn meiner Transition hat sich das komplett geändert,ich stehe zu meinen Gefühlen und weine lache und zeige es einfach.Ich geniere mich deswegen nicht mehr und mein leben ist auch in dieser Hinsicht viel lebenswerter geworden.
Natürlich muss ich mir ab und zu dann gerade in der Arbeit anhören "Typisch Frau",aber darüber muss ich dann lächeln.
Also, ich denke das hat nichts mit einer Fantasiewelt zu tun sondern einfach nur weil die Umwelt/Gesellschaft es so fordert oder man selbst es so denkt.
Liebe Grüße
Kelly
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
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Conny-Andrea
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Re: Wie geht weinen

Post 3 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea »

Hallo Kelly,

klingt eigentlich logisch was du sagst, aber auf einem Friedhof könnte man auch als Mann Gefühle zeigen. Mach ich aber nicht, weil da einfach bei mir nichts passiert. Ich brauche also nichts zu unterdrücken. Vielleicht hat es ja mit dem Unterbewusstsein zu tun. Aber das ist genau mein Problem, dass ich nicht verstehe, warum es bei mir so läuft.

Liebe Grüße von Conny-Andrea
cristelle
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Re: Wie geht weinen

Post 4 im Thema

Beitrag von cristelle »

Conny-Andrea hat geschrieben: Mo 2. Okt 2017, 05:41 Hallo Ihr Lieben,

ich halte mich für einen nüchtern und logisch denkenden, emotionsarmen Menschen. Meiner Erinnerung nach habe ich 1983 bei der Beerdigung meines Stiefvaters und 1986 bei der Geburt meiner Tochter zum letzten Mal geweint. Seitdem gab es viele Gelegenheiten wie Beerdigungen von Freunden und Verwandten, Hiobsbotschaften wegen Krankheiten, o.ä.
Ich bin dann zwar betroffen, bleibe aber völlig ruhig und sachlich. :(

Aber andererseits kullern mir immer wieder Tränen über die Wangen, wenn ich traurige Filme anschaue.

Irgendetwas stimmt doch da nicht. Kommen die Gefühle nur raus wenn ich in einer Fantasiewelt unterwegs bin? Kann ich erst dann loslassen?
Oder hat das was mit m/w zu tun, so nach dem Motto "Ich muss meinen Mann stehen" und "Jungen weinen nicht"?

Hat jemand ähnliche Erfahrungen?

Liebe Grüße von Conny-Andrea
weil wir nur über das weinen was uns im innersten bewegt. was ans fundament geht.....
greetings
cristelle
Brigitta
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Re: Wie geht weinen

Post 5 im Thema

Beitrag von Brigitta »

Hallo Conny-Andrea,

ich möchte mich Kelly anschließen. Auch ich bin von Eltern, Schule (Gymnasium nur für Jungen!) und dem Umfeld stets angehalten worden, mich als Mann zu verhalten, stark zu sein (oder zumindest zu scheinen) und keine Gefühle zu zeigen. Das hat sich bei mir bis heute gehalten, denn ich lebe ja nach außenhin weiter als Mann und zeige meine wirklichen Gefühle äußerst selten. )..)c
Dass mir eine Träne aus den Augen rollt, kommt nur vor, wenn ich an Eindrücke aus meiner Kindheit erinnert werde oder wenn es z.B. nahe Verwandte betrifft. Beim Anschauen von Filmen oder Ereignissen, die mich selbst nicht direkt berühren, kann ich nicht weinen; da fehlt mir einfach die emotionale Beziehung. 8)
Aber ich bin mit dieser offensichtlichen Gefühlskälte wohl nicht allein. Such mal im Internet eine Erklärung für den Begriff "Alexithymie" - dann kannst Du sehen, wie viele Menschen, zumeist Männer, dies betrifft.

Liebe Grüße
Brigitta ))):s
Nicht jede Frau kann eine Gazelle sein. (Elena Uhlig)
heike65

Re: Wie geht weinen

Post 6 im Thema

Beitrag von heike65 »

Hm, also bei mir ist das völlig anders.
Ich habe es weder als unmännlich angesehen, noch Angst gehabt das man mich deswegen verspotten könnte.
Ich bleibe vielfach auch anfangs sachlich, aber nur für einen kurzen Augenblick, dann muss es raus, somit kommt es häufiger vor das ich weine, manchmal täglich, und das auch öffentlich wenn mir danach ist.

Heike
Zuletzt geändert von heike65 am Mo 2. Okt 2017, 11:41, insgesamt 1-mal geändert.
Nicole Fritz
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Re: Wie geht weinen

Post 7 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Conny-Andrea,

mir geht es genauso wie Dir. Da ist eben diese Prägung, dass ein Mann nicht weint - zumindest nicht öffentlich. Zuhause vor der Glotze guckt aber keiner. Da rollen dann die Tränen bei einer traurigen Szene. Das Unterbewusstsein unterscheidet nicht zwischen Fantasie uns Realität.

Da ich keine Hormonbehandlung mache, bin ich wie Du körperlich noch vollständig Mann, obwohl ich mich geistig immer mehr davon entferne. Aber wieso sollen Hormone einen Einfluss auf diese rein mentale Prägung haben? Es kann doch nur damit zusammen hängen, dass man sich mit der Transition weiblicher fühlt. Durch ein Gymnasium für Jungen und meinen Beruf als Ingenieur ist wohl diese Prägung bei mir wie bei Brigitta sehr stark.

LG Nicole
Michi
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Re: Wie geht weinen

Post 8 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Conny-Andrea,

schon wieder ein spannendes Thema ... danke dafür. )))(:

Zwei Aspekte sehe ich da bei mir ...

Der erste ist die frühe Erkenntnis, dass ich irgendwie anders bin als andere Jungs. Das hat mich dazu gebracht, meine wirklichen Gefühle immer sehr zu verstecken, und zu versuchen, den Erwartungen an das Modell Junge/Mann doch irgendwie gerecht zu werden. Auch wenn meine Eltern Geschlechterstereotypen nicht so sehr in den Vordergrund gestellt haben, habe ich mich dennoch bemüht, diese zu erfüllen, weil sie im Alltag sie sehr präsent waren/sind, und das Leben "da draußen" sonst ein einziger Spießrutenlauf war (und teils immer noch ist). - Als Kind versucht man ja, irgendwie zu überleben.

Der zweite ist die Tatsache, dass ich mir im Laufe der Zeit über bestimmte Dinge klar geworden bin, wie eben die Tatsache, dass das jedes Leben nun mal zu Ende geht. Und anstatt hilflos und verzweifelt in Trauer zu verfallen, und verzweifelt vor Schmerz laut zu weinen und zu kreischen, fand und finde ich die Vorstellung sehr tröstlich, dass dieser Mensch sein Leben gelebt hat, und mich mit ihm wundervolle Erinnerungen verbinden, die mir niemand wegnehmen kann. Es ist eher diese Vorstellung, die mir mit einer Mischung aus Freude und Dankbarkeit die Tränen in die Augen treibt, so wie auch gerade in diesem Moment.

Ich besuche die geliebten Menschen nicht auf dem Friedhof, sondern trage sie in meinem Herzen immer bei mir.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Conny-Andrea
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Re: Wie geht weinen

Post 9 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea »

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank an alle, die sich hier in so kurzer Zeit beteiligt haben.

Brigitta hat geschrieben: Mo 2. Okt 2017, 10:28 Beim Anschauen von Filmen oder Ereignissen, die mich selbst nicht direkt berühren, kann ich nicht weinen; da fehlt mir einfach die emotionale Beziehung. 8)
Bei mir ist es aber genau andersherum. Und genau das verstehe ich nicht. Dein Verhalten ist da eher logisch und normal.

Nicole Doll hat geschrieben: Mo 2. Okt 2017, 11:50 mir geht es genauso wie Dir. Da ist eben diese Prägung, dass ein Mann nicht weint - zumindest nicht öffentlich. Zuhause vor der Glotze guckt aber keiner. Da rollen dann die Tränen bei einer traurigen Szene. Das Unterbewusstsein unterscheidet nicht zwischen Fantasie uns Realität.
Den Satz mit dem Unterbewustsein finde ich sehr interessant, da muss ich mich mal näher mit befassen. (ap)

MichiWell hat geschrieben: Mo 2. Okt 2017, 11:52 Der zweite ist die Tatsache, dass ich mir im Laufe der Zeit über bestimmte Dinge klar geworden bin, wie eben die Tatsache, dass das jedes Leben nun mal zu Ende geht. Und anstatt hilflos und verzweifelt in Trauer zu verfallen, und verzweifelt vor Schmerz laut zu weinen und zu kreischen, fand und finde ich die Vorstellung sehr tröstlich, dass dieser Mensch sein Leben gelebt hat, und mich mit ihm wundervolle Erinnerungen verbinden, die mir niemand wegnehmen kann. Es ist eher diese Vorstellung, die mir mit einer Mischung aus Freude und Dankbarkeit die Tränen in die Augen treibt, so wie auch gerade in diesem Moment.

Ich besuche die geliebten Menschen nicht auf dem Friedhof, sondern trage sie in meinem Herzen immer bei mir.
Das ist auch genau mein Denkansatz. Aber die Vorstellung dass du im Moment weinst, ist echt rührend. ---)))

Liebe Grüße von Conny-Andrea
Céline
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Re: Wie geht weinen

Post 10 im Thema

Beitrag von Céline »

Hi,
Hier mal ein Erlebnis aus meinem Leben.Ich wuchs ja als einziger Sohn mit mehreren Schwestern auf und das Verhältnis zu meinem Vater war immer sehr sachlich,kühl ja eigentlich typisch männlich.Ich entsprach nie dergewünschten Männerrolle und war in "Männerrunden" gefühlt immer fehl am Platz.Ich hatte also bis zu meinem Outing nie ein besonders inniges Verhältnis zu meinem Vater.Als ich dann nach längerer Pause aus privaten Gründen wieder Kontakt zu meinem Vater aufnahm weil ich nicht wollte das er von meiner Transition von jemand anderen erfährt suchte ich ihn wieder auf und es wahr das erste mal das ich bei meinem Vater Gefühle erlebte.Ich hatte zu meinem Vater über 40 Jahre kein so enges Verhältnis in dem ich mit ihm über alles reden kann wie jetzt.Vieleicht liegt es daran das er nicht mehr den "typischen Mann" vor mir verkörpern muss.Er wuchs ja in einer sehr schwierigen Zeit auf.
Und in meinem Arbeitsplatz....ich habe Arbeitskolegen die hatten Feuchte Augen bei meinem Outing und mir sehr viel Zuspruch und Unterstützung gaben,aber wohlgemerkt "richtige Mannsbilder" wie man bei uns sagt.
Ich denke aber das nicht soviele Gefühle im Spiel gewesen wären wenn ich mein Outing nicht immer im 4 Augen Gespräch durchgeführt hätte.
Liebe Grüße
Kelly
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Mina
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Re: Wie geht weinen

Post 11 im Thema

Beitrag von Mina »

Nur ein Satz von mir zu diesem Thema.

"Weinen können bedeutet loslassen zu lernen"
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!
Conny-Andrea
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Re: Wie geht weinen

Post 12 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea »

Hallo ChrisTina,

whow, was für ein starker Bericht. Ich habe ihn gelesen und war wirklich ergriffen. Einfach, klar und verständlich.
Deine Analyse meiner Texte scheint mir zum größten Teil auch richtig zu sein.

Natürlich habe ich auch Gefühle, die ich nur meistens nicht zeigen kann. Ich verstehe nicht, warum ich bei wichtigen Ereignissen stumm bleibe, und bei Nebensächlichkeiten, wie Filme gucken, losheule. Aber Nicole hat vorhin einen interessanten Satz gesagt: "Das Unterbewusstsein unterscheidet nicht zwischen Fantasie und Realität". Und zuhause kann ich vielleicht loslassen und deshalb fließen dort die Tränen.

Aber ich freue mich, wenn dieses Thema auch andere Mädels anspricht. Vielleicht kommen ja noch ein paar Weisheiten ans Tageslicht.

Liebe Grüße von Conny-Andrea
Ulrike-Marisa
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Re: Wie geht weinen

Post 13 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Hallo zusammen,

...weinen ist ein menschliches Grundbedürfnis und auch eine grundsätzliche Fähigkeit. Ich denke, dass es aber viele Einflussfaktoren gibt, die die Häufigkeit individuell gestalten.
Erziehung ist natürlich ein wichtiger Faktor - Heulsuse und schmerzfreier Indianer seien da mal beispielhaft genannt. Die Gründe oder Anlässe für weinen, sind sehr persönlich zu sehen und jeder Mensch hat da unterschiedliche Schwellen sozusagen, wo die Tränen kommen und nicht mehr zurückzuhalten sind auch bei Beherrschung. Bei mir ist das bei Beerdigungen sogar in Feuerwehruniform so, dass ich die Tränen nicht zurückhalten kann, wenn wir den Sarg tragen oder dann am Grab bei der persönlichen Abschiednahme von einer/nem Kameradin/en; also nicht nur bei Verwandten oder guten Freunden. Auch wenn es mir emotional nicht so gut geht, dann fließen auch schon mal die Tränen - das gehört dazu und ist menschlich.

LG, Ulrike-Marisa
heike65

Re: Wie geht weinen

Post 14 im Thema

Beitrag von heike65 »

Jetzt bin ich wahrscheinlich in manchen Teil zu übertrieben rational oder emotional.

wenn ich das Posting von ChrisTina lese, gibt es manche Paralellen, was tiefgründige Musik und Filme anbelangt die mich berühren. Allerdings nicht aus Freude zumindest zu meist nicht.
Was mich zutiefst erschüttert ist das es in meiner Generation das: "Jungen weinen nicht" scheinbar durchaus ein Erziehungsmodell/Anschauung gewesen ist, ich bin Baujahr 1965
Zuletzt geändert von heike65 am Mo 2. Okt 2017, 23:50, insgesamt 2-mal geändert.
Theresa
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Re: Wie geht weinen

Post 15 im Thema

Beitrag von Theresa »

Aus eigener Erfahrung als Heulsuse glaube ich das es verschiedene Arten von Emotionen und Ebenen gibt, die Weinen auslösen.

Weinen unterdrücken? Wie soll den das gehen? Ich kann das nicht. Absolut nicht. Habe es nicht im Griff. Und dann geht es los. Der Klos steigt aus der Magengegend nach oben. Unaufhaltsam. Durch den Hals direkt aufs Heulzentrum und Tränendrüsen. In Situationen, in denen es nicht angemessen und unpassend ist.

Zuletzt bei einer Prüfung am Arbeitsplatz. Vor ca. 5 jahren. Da war ich 51!!! Ich hatte sie versemmelt. Und irgendwas drückte innerlich nach oben. Ich wusste, gleich gehts los. Wollte das nicht. Und weil ich das nicht schaffte, fühlte ich mich, wie häufig, als Versager. Da stand nun ein großer dicker und weißhaariger Mann da und heulte wie ein Kind!!! ----- Wegen fast Nichts!!! Gott war das peinlich!!!!!!!!!!! :(

Besonders krass fand ich es als meine Mutter starb. Habe nur wenig Kontakte zu anderen Menschen. Daher war die Bindung eigentlich ganz gut und wichtig. Und doch erschreckte mich die Tatsache, dass ich um meinen Hund wesentlich mehr weinte als um meine Mutter. Vielleicht lag es daran,dass sie krank war, auch das Alter hatte, in dem man damit rechnen musste. Oberflächlich funktionierte Verdrängung. Auf einer Ebene tiefer hatte man das vielleicht schon akzeptiert.
Der Hund war in der damaligen Ehe Kindersatz. Etwas, womit wir den Alltag füllen wollten. Womit wir was Gemeinsames hatten. Als er starb war die Ehe in Auflösung und mit seinem Tot endgültig (symbolisch ) in Scherben zerbrochen.

Ich bekomme häufig kurzfristige Heulanfälle, jeh nach dem welche Gedanken gerade in den Sinn kommen. Es ist meistens Trauer um Vergangenes (vergebliche Hoffnungen), das ich nicht halten konnte. Pläne, die ich, besonders in Bezug auf die Partnerin, nicht umsetzen konnte. Das Gefühl, versagt zu haben, scheint eine entscheidende Rolle zu spielen.
Auch der Plüschbär, der nun statt ihrer auf dem Beifahrersitz mit mir fährt, kann diesen Reflex auslösen....

Heute schiebe ich das Unvermögen meine Emotionen nicht im Griff zu haben einfach auf meine weibliche Seite. Dann ist es für mich erträglicher. Nur die kennt lange nicht jeder.

Zum Schluss noch was Positives, damit es nicht in Depressionen ausartet: Nächste Woche fahre ich für 7 Tage nach Holland. Mit meiner Exfrau! Ca 6 Jahre nach der Scheidung! Irgendwie macht mich das ein wenig stolz. Wir sind jetzt Freunde und sie akzeptiert sogar meine weibliche Erscheinungsform und war mit Theresa schon mal beim Chinesen essen....

Das war mal wieder was Verworrenes von mir. Ich bekomme es leider nicht besser formuliert.

Gruß

Theresa

Teilzeitfrau
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-Hä?-
Vielen dank für ihre Aufmerksamkeit
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