Moin,
zum Thema Leidensdruck kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen. Denn durch mein Doppelleben, privat (größtenteils) als Frau, ansonsten (und beruflich) als Mann, bekam ich Drehschwindel der in mehreren heftigen Anfällen gipfelte. Ich litt damals nicht allzu sehr unter meinem Körper, eher unter dem
Lügengebilde, das wir aufrechterhalten mussten, das Ausreden erfinden... Die Outings und das damit verbundene
Nicht-mehr-Verstecken-müssen verschafften mir bzw. uns enorme Erleichterung. Der Leidensdruck entstand also nicht aus der Diskrepanz im falschen Körper zu leben. Genauso kann ein Crossdresser darunter leiden, seine Leidenschaft verstecken zu müssen.
Dafür muss man nicht trans sein... Wie schon geschrieben wurde, auch zwischen den Stühlen kann Leidensdruck entstehen.
Hallo Nicki,
Nicki hat geschrieben: Do 28. Sep 2017, 19:48
Mache ich mich komplett als Frau zurecht, fühlt sich das zwar gut an, aber spätestens wenn ich das Gesamtergebnis bewerte, ist die gesamte Illusion wieder dahin. Die Hüfte, die Schultern, der Nacken, der Kiefer, die Frisur, der Bartschatten.... Das ist alles einfach nur

Genau das meinte ich mit Kopfkino. Das du überwiegend Damensachen trägst und dich auch gern komplett als Frau zurechtmachst, klingt doch schon mal so, als könntest du so dein Wohlbefinden steigern. Zumindest, bis du vor dem Spiegel stehst. Aber wie gesagt, ist das nicht aussagekräftig für das, was in dir steckt. Meine ersten Versuche waren auch gruselig anzusehen. Da hilft nur Übung! Und was die körperlichen Gegebenheiten anbelangt, die sind halt wie sie sind. Da kann man sich nun drüber ärgern, oder versuchen etwas zu ändern oder akzeptieren, was man nicht ändern kann... Aber mit etwas Übung kriegt man irgendwann ein gutes Ergebnis hin. Wirst schon sehen
Ich kann mich nur wiederholen... Der Bauch ist in solchen Fällen schlauer als der Kopf. Aber es ist garnicht so einfach auf den Bauch zu hören, wenn der Kopf immer dazwischenquatscht.
Als ich damals das erste Mal komplett zurecht gemacht war und endlich die Frau in mir gesehen habe, habe ich dann versucht, solche Gelegenheiten häufiger wahrzunehmen. Außerdem habe ich geguckt, was ich besser machen könnte. Z.b. hab ich ne Faschingsperücke getragen, die hab ich dann durch eine ersetzt, die doch etwas realistischer aussah. Hab mit Camouflage und Fixierpuder geübt und geübt...
Nicki hat geschrieben: Do 28. Sep 2017, 19:48
Wenn du sagst, dass du dich auch mal in der Bigender Schublade gesehen hast, heißt das, dass du auch hin und hergerissen warst? Hat sich das denn bei dir dann mit der Zeit gelegt, wenn du sagst, dass du dich nicht mehr in der Schublade siehst
Ja, natürlich hat sich was geändert. Ich habe mich als Bigender bzw. Two-Spirit empfunden, da ich auch als
Mann oder vielleicht besser an
Männertagen glücklich war Gleichzeitig war es aber an
Frauentagen so, dass ich mich als Frau empfunden habe und dann schon unter meinem (männlichen) Körper litt bzw. mir einen weiblichen gewünscht habe. Mit der Zeit fiel mir auf, das dieses
Frau-sein-Gefühl eigentlich auch manchmal präsent war, wenn ich keinen Frauentag hatte, also nicht zurecht gemacht war. Ich lernte mit der Zeit immer besser auf meinen Bauch zu hören. So fiel mir dann immer häufiger auf, das eigentlich sehr häufig eine weibliche Identität präsent ist, was ich vorher wohl einfach verdrängt habe. Da ist man ja geübt drin, das habe ich schließlich 25 Jahre lang getan... Ende 2014 war ich dann an einem Punkt angekommen, an dem ich mir eingestehen musste, das eigentlich immer eine weibliche Identität präsent ist. Also den
Mann gabs eigentlich garnicht (mehr)...
Ich kann nun nicht behaupten das es den Mann nie gegeben hat, das ich schon immer eine Frau war. So war es nicht. Es war ein langer Weg, ein Prozess des Verstehens, der Selbsterkenntnis.
Nun bin ich eine Frau. Es ist wie es ist.
Grüße
die Anja