Frau sein oder nicht sein
Frau sein oder nicht sein - # 3

Lebensplanung, Standorte
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 31 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich möchte auch in das gleiche Horn blasen. Was bedeutet denn Leidensdruck ? Es ist eine individuelle Empfindung, bei der man nicht sagen kann, gleiche Ursache, gleiche Wirkung. Für mich schwingt dabei immer eine Haltung mit, das nur der richtig leidet, der ein objektiv "richtiges" Problem hat. Aber das gibt es nicht. Es gibt nur individuelle Empfindungen. Sensible Menschen reagieren stärker als weniger sensible. Das liegt nicht daran, dass sie per se weniger aushalten, sondern, dass sie mehr Reize verarbeiten müssen. Deshalb ist der Leidensdruck eines Menschen von außen nicht möglich.

Beispiel: Manche Menschen leiden, wenn sie die Bilder im Fernsehen sehen, die mit Elend zu tun haben. Andere können dabei problemlos zusehen. Will man so etwas wirklich werten ? Deshalb ist ein Satz wie z.B.
Das mag villeicht hart klingen aber wenn du dir ao unsicher bist mit dir selbst und du nicht weißt ob nun männlein und weiblein dann scheinst du bis jetzt keinen allzu großen Leidensdruck zu haben wie die meisten TS es erleben.
zumindest missverständlich. Es besteht immer die Gefahr, dass man von sich auf andere schließt. Für jemand der TS ist, mag eine "schwächere" Form von Trans leichter erträglich zu sein. Aber wie gesagt, andere Menschen empfinden die Situation anders. Vielleicht wäre es sogar einfacher zu ertragen, wenn man eindeutig weiß, dass man TS ist. Ich weiß es nicht und ich kann es auch nicht wissen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es hilfreich ist, einmal die Situation aus einer anderen Warte zu betrachten.

P.S.
Allerdings sind die Auswirkungen einer Hormoneinnahme in vielen Fällen rückgängig zu machen.
(Das soll nun keine Empfehlung sein)
Ist das so ? Das wäre mir neu. Ich könnte mir vorstellen, dass das nur in einer Anfangsphase möglich ist. Gibt es hierüber mehr Infos ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Michelle_Engelhardt
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 32 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Im Allgemeinen spricht man von ca. 3 - 6 Monaten, nach denen erste irreversible Veränderungen auftreten (Schrumpfen der Hoden, Erektionsstörungen, verringerte Spermienproduktion).

LG
Michelle
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Anja
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 33 im Thema

Beitrag von Anja »

Moin,

zum Thema Leidensdruck kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen. Denn durch mein Doppelleben, privat (größtenteils) als Frau, ansonsten (und beruflich) als Mann, bekam ich Drehschwindel der in mehreren heftigen Anfällen gipfelte. Ich litt damals nicht allzu sehr unter meinem Körper, eher unter dem Lügengebilde, das wir aufrechterhalten mussten, das Ausreden erfinden... Die Outings und das damit verbundene Nicht-mehr-Verstecken-müssen verschafften mir bzw. uns enorme Erleichterung. Der Leidensdruck entstand also nicht aus der Diskrepanz im falschen Körper zu leben. Genauso kann ein Crossdresser darunter leiden, seine Leidenschaft verstecken zu müssen.
Dafür muss man nicht trans sein... Wie schon geschrieben wurde, auch zwischen den Stühlen kann Leidensdruck entstehen.

Hallo Nicki,
Nicki hat geschrieben: Do 28. Sep 2017, 19:48 Mache ich mich komplett als Frau zurecht, fühlt sich das zwar gut an, aber spätestens wenn ich das Gesamtergebnis bewerte, ist die gesamte Illusion wieder dahin. Die Hüfte, die Schultern, der Nacken, der Kiefer, die Frisur, der Bartschatten.... Das ist alles einfach nur (ag)
Genau das meinte ich mit Kopfkino. Das du überwiegend Damensachen trägst und dich auch gern komplett als Frau zurechtmachst, klingt doch schon mal so, als könntest du so dein Wohlbefinden steigern. Zumindest, bis du vor dem Spiegel stehst. Aber wie gesagt, ist das nicht aussagekräftig für das, was in dir steckt. Meine ersten Versuche waren auch gruselig anzusehen. Da hilft nur Übung! Und was die körperlichen Gegebenheiten anbelangt, die sind halt wie sie sind. Da kann man sich nun drüber ärgern, oder versuchen etwas zu ändern oder akzeptieren, was man nicht ändern kann... Aber mit etwas Übung kriegt man irgendwann ein gutes Ergebnis hin. Wirst schon sehen (888)
Ich kann mich nur wiederholen... Der Bauch ist in solchen Fällen schlauer als der Kopf. Aber es ist garnicht so einfach auf den Bauch zu hören, wenn der Kopf immer dazwischenquatscht.
Als ich damals das erste Mal komplett zurecht gemacht war und endlich die Frau in mir gesehen habe, habe ich dann versucht, solche Gelegenheiten häufiger wahrzunehmen. Außerdem habe ich geguckt, was ich besser machen könnte. Z.b. hab ich ne Faschingsperücke getragen, die hab ich dann durch eine ersetzt, die doch etwas realistischer aussah. Hab mit Camouflage und Fixierpuder geübt und geübt...
Nicki hat geschrieben: Do 28. Sep 2017, 19:48 Wenn du sagst, dass du dich auch mal in der Bigender Schublade gesehen hast, heißt das, dass du auch hin und hergerissen warst? Hat sich das denn bei dir dann mit der Zeit gelegt, wenn du sagst, dass du dich nicht mehr in der Schublade siehst
Ja, natürlich hat sich was geändert. Ich habe mich als Bigender bzw. Two-Spirit empfunden, da ich auch als Mann oder vielleicht besser an Männertagen glücklich war Gleichzeitig war es aber an Frauentagen so, dass ich mich als Frau empfunden habe und dann schon unter meinem (männlichen) Körper litt bzw. mir einen weiblichen gewünscht habe. Mit der Zeit fiel mir auf, das dieses Frau-sein-Gefühl eigentlich auch manchmal präsent war, wenn ich keinen Frauentag hatte, also nicht zurecht gemacht war. Ich lernte mit der Zeit immer besser auf meinen Bauch zu hören. So fiel mir dann immer häufiger auf, das eigentlich sehr häufig eine weibliche Identität präsent ist, was ich vorher wohl einfach verdrängt habe. Da ist man ja geübt drin, das habe ich schließlich 25 Jahre lang getan... Ende 2014 war ich dann an einem Punkt angekommen, an dem ich mir eingestehen musste, das eigentlich immer eine weibliche Identität präsent ist. Also den Mann gabs eigentlich garnicht (mehr)...
Ich kann nun nicht behaupten das es den Mann nie gegeben hat, das ich schon immer eine Frau war. So war es nicht. Es war ein langer Weg, ein Prozess des Verstehens, der Selbsterkenntnis. Nun bin ich eine Frau. Es ist wie es ist.

Grüße
die Anja
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 34 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen,

hier mal ein paar Fotos meiner Evolution, vielleicht macht es dem einen oder anderen ja etwas Mut. Alle Fotos sind vor HT und Bart-Epilation...
2010.JPG
2011.JPG
2015.JPG
Wie ich heutzutage ausschaue, seht ihr ja an meinem Avatar...
Ich persönlich bin schon ziemlich stolz auf meine Entwicklung. Vor allem wenn ich daran denke, wie der allererste Versuch aussah :((a

Also Nicki, nur Mut!

Grüße
die Anja
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 35 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Anja,

Respekt für deine persönliche Evolution. Wenn ich mich nicht täusche, hast du auch einige Kilos abgenommen. Alles in allem eine positive Entwicklung. (yes)

Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 36 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Anja hat geschrieben: Fr 29. Sep 2017, 12:31
Ja, natürlich hat sich was geändert. Ich habe mich als Bigender bzw. Two-Spirit empfunden, da ich auch als Mann oder vielleicht besser an Männertagen glücklich war Gleichzeitig war es aber an Frauentagen so, dass ich mich als Frau empfunden habe und dann schon unter meinem (männlichen) Körper litt bzw. mir einen weiblichen gewünscht habe. Mit der Zeit fiel mir auf, das dieses Frau-sein-Gefühl eigentlich auch manchmal präsent war, wenn ich keinen Frauentag hatte, also nicht zurecht gemacht war. Ich lernte mit der Zeit immer besser auf meinen Bauch zu hören. So fiel mir dann immer häufiger auf, das eigentlich sehr häufig eine weibliche Identität präsent ist, was ich vorher wohl einfach verdrängt habe. Da ist man ja geübt drin, das habe ich schließlich 25 Jahre lang getan... Ende 2014 war ich dann an einem Punkt angekommen, an dem ich mir eingestehen musste, das eigentlich immer eine weibliche Identität präsent ist. Also den Mann gabs eigentlich garnicht (mehr)...
Ich kann nun nicht behaupten das es den Mann nie gegeben hat, das ich schon immer eine Frau war. So war es nicht. Es war ein langer Weg, ein Prozess des Verstehens, der Selbsterkenntnis. Nun bin ich eine Frau. Es ist wie es ist.

Grüße
die Anja
Hallo Anja,

genauso in etwa könnte ich mich beschreiben.
Nach meinem CD Outing Ende 2011 wusste ich bei weiten nicht was mit mir los ist. Der Leidensdruck hat sich erstmal "nur" auf vermeintliches CD bezogen.
Alles andere kam Schritt für Schritt.
Auch bei mir steckte vermutlich immer die Frau die ich bin, ohne es halt zu wissen.
Dann kam der Weg der Selbsterkenntnis, das Bild wurde im Laufe der Jahre klarer. Ich bin Frau, obwohl ich Jahrzehnte der Mann war, oder den Mann spielte, ohne zu wissen was los ist, wie auch immer.
Natürlich war ich als Mann auch meist zufrieden mit mir. Zumindest bis Ende 2011.
Die Unzufriedenheit wuchs nach meinem Outing, der erste Druck des versteckens war weg.
Die Frau in mir drängte nach vorne mit Gewalt, verdrängen konnte ich das sehr schnell nicht mehr.
Da spürte ich dann noch eine gewaltige Schippe Leidensdruck mehr.
Dank meiner Frau musste ich den Druck aber nicht allzulange standhalten.
Durch sie gab es praktisch für mich kein halten mehr.
Meinen Weg kennen die meisten hier.
Auf der Zielgeraden zur Frau fehlt nur noch der Termin zur Gaop.

LG Tatjana
Der Kopf denkt und gibt Rat.
Das Bauchgefühl gibt Rat.
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 37 im Thema

Beitrag von Nicki »

Danke für die vielen Antworten. Ich denke, ich muss das alles mal ein wenig verarbeiten.
Michelle_Engelhardt
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 38 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Hallo Anja,

gerade stockte mir der Atem. Das obere Bild (in männlicher Erscheinung) hat frappierende Ähnlichkeit mit einem meiner Großcousins in jungen Jahren...echt irre :o
Ansonsten auch von mir ein (yes) für Deine tolle Entwicklung (he)

Liebe Grüße
Michelle
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 39 im Thema

Beitrag von Martina K. »

Guten Abend Anja, danke auch für deine aufbauende Worte.
Respekt !! Das sieht ja richtig toll aus. Vielleicht schaffe ich das auch. Wie reagieren denn die Männer auf dich ?
Viel Grüße Martina
Anja
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 40 im Thema

Beitrag von Anja »

Hallo Martina,

Wie ist denn deine Frage gemeint? Willst du auf etwas bestimmtes hinaus?
Habe bisher nicht bemerkt, das Männer irgendwie reagieren. Eigentlich, wenn ich Reaktionen wahrnehme, sind es eher Frauen. Wenn sie erkennen, das ich keine geborene Frau bin, aber mich davon nicht abhalten lasse, so zu leben, bekomme ich meistens ein anerkennendes Lächeln, welches ich auch gern erwidere.
Sonst ist mir nichts weiter aufgefallen.

Grüße
die Anja
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 41 im Thema

Beitrag von Martina K. »

Hallo Anja, ich hoffe, ich bin nicht zu nahe getreten. Das wäre nicht meine Absicht gewesen. Erst einmal nochmal mein Kompliment für dein Aussehen. Nun was meinte ich mit meine Frage ? Bei deinen Aussehen baggern dich nun die Männer an ? Wie ist denn sonst so die Reaktion? Wie du ja gelesen hast, bin ich noch sehr unsicher und vielleicht auch ein wenig überfordert. In zwei Wochen werde ich mich mit einer gleichgesinnten treffen. Davon erhoffe ich Mut.
Also liebe Anja, alle gut !!
Liebe Grüße Martina
Anja
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Re: Frau sein oder nicht sein

Post 42 im Thema

Beitrag von Anja »

Hallo Martina,

alles gut, du bist mir nicht zu nahe getreten. Danke für das Kompliment. Da werd ich aber gleich rot! Ich denke das auch die Männer mich durchschauen, spätestens wenn ich den Mund aufmache :lol:
Bisher wurde ich noch nicht angemacht.
Das Einzige, was mir dazu einfällt:
Ich bin mal (alleine) an einer Gruppe Jugendlicher vorbei gegangen (dunkel, Unterführung). Da meinte einer von denen sich über mich äußern zu müssen und sagte ziemlich laut "Boah, ist die hässlich". Vermutlich wollte er mich mit dieser Aussage verletzen, aber ich freute mich in mich hinein, das er die gesagt hat (und nicht der) :lol:
Im Nachhinein ärgerte ich mich, das ich die Abkürzung unten durch genommen hatte. Eine geborene Frau hätte das sicher vermieden, noch dazu, weil ich alleine unterwegs war. Tja, man lernt nie aus, besonders wenn man als Frau neu anfängt :lol:
Da ich dazu noch ziemlich groß und übergewichtig bin, falle ich nicht unbedingt in das Beuteschema der meisten Männer denke ich )))(:

Grüße
die Anja
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