Zunächst einmal herzlichen Dank für die Links

. Ich gebe zu, dass ich den Bericht ansonsten vermutlich später oder gar nicht entdeckt hätte.
Da ich selbst seit einigen Wochen im regen Schriftverkehr mit der ADS stehe (wegen einer rein privatrechtlichen Sache, die ich hier nicht auswalzen mag; kein Arbeitsrecht, Sozialrecht usw.), sind meine Emotionen alleine beim auf Trans*fokussiertem Durchschauen des Lesestoffs ziemlich hochgekocht, sodass ich mir ein paar Zeilen ungeachtet anderslautenden Vorsatzes nicht verkneifen kann.
Es ist zweifellos eine Errungenschaft, dass immerhin eine Bundesbehörde, die sich mit dem Thema auseinandersetzt, und Beratungen für Diskriminierte existieren.
Der Bericht ist ebenso wie der gesamte ADS-Internetauftritt barrierefrei, hat eine ansprechende, sachliche Titelseite in mahnendem Rot (wie gewagt!), ein übersichtliches Abkürzungsverzeichnis, Glossar und vor allem viele bunte Balkendiagramme. Doch Letztere spiegeln, ebenso wie die Masse des Textes, das blanke Elend wider. In Zitaten von Betroffenen wird die gesamte Bandbreite der Diskriminierung in all ihrer unendlichen Vielfalt und Raffinesse eindrucksvoll illustriert. Es gibt offenbar bis auf die ADS selbst anscheinend keine Behörde, Einrichtung oder Bevölkerungsschicht, von denen keine Diskrimierungen ausgehen. Als besonders schlimm empfinde ich das dort genannte Verhalten von PolizistInnen

gegenüber einer Trans-Person, das ich noch nicht einmal zitieren mag, weil mir davon schlecht wird

.
Aber auch Folgendes gibt mir zu denken:
Dritter Gemeinsamer Bericht der ADS ... hat geschrieben:
Die Betroffenenbefragung zeigt, dass Trans*Personen überdurchschnittlich häufig im Teilbereich Arzt- und Psychotherapiepraxen Diskriminierung erleben: Hier berichten Trans*-Personen mehr als doppelt so häufig von Diskriminierungen, als zu erwarten wäre.
Demnach können sich wohl alle sehr glücklich schätzen, die hier von ihren diskriminierungsfreien Behandlungen beim Psychiater / Psychologen berichten. Es ist besonders tragisch, dass gerade dort, wohin sich Hilfesuchende wenden, oftmals erstmal kräftig draufgeschlagen wird. Obendrein ist das Aufsuchen dieser Spezialisten wohl unumgänglich für jene, die den steinigen Weg der VÄ /PÄ einschlagen. Im Hinblick auf die überdurchschnittliche Diskrimierung in diesem sensiblen Bereich kann ich nicht oft genug das Hütchen vor allen ziehen, die unbeirrt den 'offiziellen' Weg gehen. Ich besitze dazu nicht die Leidensfähigkeit. Meine Ablehnung gegenüber des TSGs ist zu groß, als dass ich mich dessen Regelungen beugen könnte. Der ADS-Bericht hat mich in meinem Entschluss nur noch bestärkt,
keinen 'offiziellen' Weg einzuschlagen, so lange unwürdige Gesetzlichkeiten bestehen.
Zum Thema
Gesetz hab ich mir diesen Auszug auf der Zunge zergehen lassen:
Dritter Gemeinsamer Bericht der ADS ... hat geschrieben:
Das Merkmal Geschlechtsidentität, konkret Trans* und Inter*, ist noch stärker von Diskriminierungen durch Regeln und Gesetze betroffen. Jeweils mehr als die Hälfte der geschilderten Fälle von Benachteiligungen aufgrund von Trans* (51,5%) bzw. Intergeschlechtlichkeit (52,9%) sind durch Regeln und Gesetze verursacht.
Im Klartext: Derselbe Staat, der sich einen Artikel 3 GG auf die Fahne geschrieben hat, wird in seiner Funktion als Gesetzgeber selbst zum Diskriminerenden - in mehr als der Hälfte der Fälle! Das ist nichts Neues, zeigt nur einmal mehr überdeutlich, wie ernst das Problem der Diskrimierung tatsächlich auf höchster Ebene genommen wird. Was wird diese nüchterne Feststellung aus einem 543-seitigen Bericht ändern?
Im Anschluss an die Zitierung und statistische Aufbereitung des Diskrimierungs-Elends folgen die
Empfehlungen. Was
Empfehlungen sind und ob / wie diese von den EmpfängerInnen wahrgenommen / gewertet werden bzw. tatsächlich zu konkreten Auswirkungen führen, ist jedem aus eigener Erfahrung hinreichend bekannt. Für mich stellt sich die ADS als ein gewaltiger Papier-Tiger

dar, der die Missstände hervorragend benennen, aber anscheinend selbst kaum etwas bewirken kann. Allein in meinem privaten - im Vergleich mit den meisten Fällen harmlosen - Fall erfahre ich aktuell genau
das. Noch nicht einmal in einem recht eindeutig gelagerten Sachverhalt hält es die ADS - entgegen des musterhaft vorgegebenen Beispiel-Procederes - für notwendig, die Diskrimierenden zur Stellungnahme aufzufordern. Darum soll ich mich selbst kümmern und dem Beschwerten in Eigenregie das papierkätzchenhafte Schreiben der ADS zuleiten, um die Behörde davor zu bewahren, selbst in Erscheinung zu treten. Würde ich das tun, könnte sich die Gegenseite totlachen über die große Unsicherheit und mangelnde Positionierung der ADS.
Aber ehrlich: Ich hatte absolut nichts anderes erwartet. Papier-Tigern

mangelt es nicht nur an der Beißfähigkeit, sie müssen sich auch peinlichst in Acht nehmen, nicht in einen noch so schwachen Wind zu geraten ...
LG
Tara