in einem anderen Thread ist (wiedermal) ein Thema aufgetaucht, dass mich immer wieder frustriert, mir aber auch sehr wichtig erscheint. Es scheint mir sinnvoll es in einen neuen Thread zu übernehmen, um es nicht als Teilaspekt des anderen Threads zu verwursten. Als Aufhänger möchte ich ein Zitat aus dem anderen Thread verwenden:
Die Aufforderung ist grundsätzlich richtig, denke ich, so sollte es sein. Ein Stück weit ist die Aufforderung, nach meinem Empfinden, aber auch sachlich leer (sorry).Vielleicht ist es an uns allen uns täglich in der Toleranz zu üben, die wir selbst uns gegenüber erwarten?
Mir stellen sich folgende Fragen: Wie macht man das mit der Übung in Toleranz, wenn es um die Bestimmung dessen geht, was Toleranz in diesem Kontext ausmacht bzw. auf welcher sachtheoretischen Basis sie stattfindet, wenn zwei sich gegenseitig ausschliessende Positionen bestehen, die von keiner der jeweiligen Vertreter_innen bewiesen werden können? Wie geht man in dieser Debatte damit um, dass von allen Seiten an individuelle Positionen oft Ansprüche geknüpft und daraus Deutungshoheiten abgeleitet werden, die auf andere Menschen normativ und damit in gewisser Weise systematisch intolerant wirken? Und auch das noch: Wie verhindert man, dass aus dieser Debatte Beschädigungen von Menschen entstehen? Sind diese überhaupt vermeidbar oder vielleicht unvermeidlich oder sind sie gar selbstverschuldet?
Tatsächlich ist mein Beitrag (auf den mit obigem Zitat Bezug genommen wurde), in dem ich meine dekonstruktivistische Sicht der Dinge darstelle, nicht wirklich nett. Er ist vielleicht auch eine Art von "Schelte", wie in einer Antwort stand, aber er sollte auch ein Anstoss zu einer, meiner Meinung nach dringend zu führenden, Diskussion sein, in der es darum gehen muss, ob wir den substanziellen Riss durch die Community, der zwischen den Positionen 'Dekonstruktion von Geschlecht' und 'Neu-Konstruktion von Geschlecht' verläuft, dauerhaft mit rosa Buttercreme überdecken oder uns ernsthaft mit diesem Riss beschäftigen.
Ob man diesen Riss schliessen kann, ob man darüber eine Brücke bauen kann oder ob man ihn einfach bestehen lassen muss und fortan frohen Mutes getrennter Wege geht, weiss ich nicht. Eine Antwort würde hoffentlich / vielleicht als Ergebnis einer Diskussion rauskommen, wenn man sie führen würde. Ich persönlich glaube, dass diese Diskussion notwendig ist und das sie uns alle weiterbringt.
Wir müssen darüber reden, dass 'Community' mit einem T geschrieben wird, 'getrennt' aber zwei Ts enthält und wir sollten darüber reden, welcher der richtige Weg ist, um für uns alle die beste Position zu entwickeln.
Meine These: Die Dekonstruktion von Normen, die nicht für ein friedliches Miteinander notwendig sind, führt zur größtmöglichen Individuellen Freiheit. Sie führt auch zu einem Maximum an notwendiger Selbstbestimmung(-sarbeit), welche aber der angemessene Preis der individuellen Freiheit ist.
Habt es gut
Marielle