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29.11.2014
Heute nun ging in Chemnitz die Premiere von Rossinis Oper "La Cenerentola" (Aschenputtel) über die Bühne. Als Besonderheit hatte ich diesmal dazu in Chemnitz ein Hotelzimmer gebucht. So konnte ich erstmals in Chemnitz mein langes rotes Abendkleid anziehen und brauchte bei der anschließenden Premierenfeier nicht ständig auf die Uhr zu sehen, um den letzten Zug nach Hause nicht zu verpassen.
Nachdem ich mich im Laufe des Vormittags geschminkt hatte, wählte ich aber zunächst ein alltagstaugliches Outfit: beiges Strickkleid, anthrazitfarbene Strumpfhose, schwarze Stiefeletten und darüber meinen cremefarbenen Anorak.
Ich hatte noch einige Kleinigkeiten einzukaufen und ging dazu in einen Supermarkt am Rande des Stadtzentrums, dorthin, wo meine Exfrau normalerweise nicht hinkommt. Ja, da achte ich immer noch darauf, so eine Begegnung als Andrea in der Öffentlichkeit zu vermeiden.
Ich nutzte gleich die Gelegenheit, in dem kleinen Bistro des Supermarktes etwas zu essen. Zwei Bekannte hatten wohl die gleiche Idee, aber das sah ich ganz entspannt. Nichts deutete darauf hin, dass sie mich erkannt haben könnten.
Nachdem ich die gekauften Sachen nach Hause gebracht hatte, machte ich mich auf den Weg nach Chemnitz. Auf dem Bahnhof meiner Heimatstadt ungewöhnlich viele Leute, die das gleiche Ziel hatten. Wahrscheinlich wollten die meisten davon auf den Weihnachtsmarkt, der tags zuvor eröffnet worden war. Ich aber brachte meine Sachen zunächst ins Hotel.
Etwa eine Stunde hatte ich noch Zeit für einen Stadtbummel. Ich ging zuerst in eine Buchhandlung, für die mir meine Tochter einen "Wunschzettel" mitgegeben hatte. Schnell hatte ich alles gefunden, bezahlte an der Kasse und verließ den Laden. Vor dem Laden lief mir ein Kollege über den Weg, ohne mich zu grüßen. Gut so, meine "Tarnung" hat erneut funktioniert!
Ein kurzer Besuch des Weihnachtsmarktes wäre noch drin gewesen, aber dort herrschte ein Andrang, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Das war mir zu stressig und so nahm ich mir nur eine Tüte Gebäck mit aufs Hotelzimmer.
Jetzt galt es, mich für den Höhepunkt des Tages zurechtzumachen: Noch einmal Makeup nachbessern, mein langes rotes Abendkleid, hautfarbene Strumpfhosen und schwarze Sandaletten anziehen. Für die etwa 300 Meter Fußweg zum Opernhaus zog ich noch meinen cremefarbenen Anorak darüber.
Seit langem hatte ich mich wieder einmal mit meiner Freundin Emma verabredet. Als ich mich vor dem Betreten des Opernhauses kurz umdrehte, kam sie auch schon über den Theaterplatz gelaufen. Nach über einem Jahr sollte es wieder einen gemeinsamen Opernabend geben.
Zuerst gaben wir unsere Jacken an der Garderobe ab und schlenderten ein wenig durch das Haus. Wir hatte uns viel zu erzählen, da habe ich diesmal gar nicht so genau auf die Kleidung der anderen Besucher(innen) geachtet. Mir ist nur aufgefallen, dass schwarz und andere dunkle Farben deutlich dominierten, auch bei meiner Freundin Emma. Komplett in rot war ich offenbar wieder einmal die einzige.
Zur Handlung und Entstehungsgeschichte der Oper möchte ich hier nichts schreiben, da steht hier genug:
La Cenerentola
Die Chemnitzer Inszenierung selbst stach durch einige ungewöhnliche Einfälle hervor: Ein großer Teil des Bühnenbildes wurde durch Projektion auf eine Leinwand erzeugt. Dadurch waren schnelle Bildwechsel und die Einspielung kurzer Videosequenzen möglich. Auch die deutsche Textübersetzung konnte so auf originelle Art und Weise direkt am Ort des Geschehens eingeblendet werden, was besonders in textreichen Ensembleszenen die Verständlichkeit deutlich verbesserte.
Normalerweise stehe ich derartigem technischen Schnickschnack eher skeptisch gegenüber. Hier aber wurden die Möglichkeiten sehr dosiert nur in dem Maße eingesetzt, wie es der Dramaturgie dienlich war. Ähnlich wurde bei den teilweise skurrilen Kostümen nicht übertrieben, sodass das alles zusammen mit der faszinierenden Musik zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk verschmolz.
Zahlreiche Besucher(innen) sahen das wohl ähnlich und der Beifall am Schluss wollte nicht enden. Leider musste sich Emma danach von mir verabschieden. Schade, das nächste Mal nehmen wir uns etwas mehr Zeit!
Bei der anschließenden Premierenfeier musste ich feststellen, dass ich in der Chemnitzer Oper schon bestens bekannt bin: Zwei Mitarbeiterinnen grüßten mich freundlich und der Dirigent fragte sogar, wie es mir gefallen habe. "Sehr gut", konnte ich da nur antworten und wir sprachen noch kurz über die nächsten geplanten Vorstellungen.
Kurz nach Mitternacht löste sich die Veranstaltung allmählich auf. Ich holte meinen Anorak aus der Garderobe und ging zurück ins Hotel.