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Der Brief
Die nächsten Tage vergehen im Flug. Das Lernen mit Vanessa klappt super. Nachdem wir und ausgesprochen haben ist meine kleine Besonderheit kein Thema mehr. Ich bin ihr sehr Dankbar dafür; ich muss eh viel zu oft daran denken und im Zweifelsfalle ist für dieses Thema Maren eindeutig die bessere Freundin. Am Freitag morgen schließlich schaue in die Post. "Universitätsklinik Marburg" lautet der Absender. Mein Herz beginnt zu klopfen. Der Brief ist recht dick. Sollten das die Papiere für die OP sein. Frau Kallweit hatte mir schon angedeutet, dass ich für die Teilnahme an dem Forschungsprojekt noch einen Berg Papier vor mir hätte. Mit zittrigen Fingern öffne ich den Brief.
Sehr geehrte Frau Klasen,
nach sorgfältiger Überprüfung ihres Werdegangs und ihrer medizinischen Daten, haben wir Sie zur Teilnahme an unsrem Projekt "Beschleunigung der Sozialisation transidenter Frauen durch Optimierung der medizinischen Begleitmaßnahmen" ausgewählt. Diese Zusage bedeutet keinerlei Verpflichtungen zur Teilnahme ihrerseits. Bis zum letzten Tag vor der Operation dürfen Sie ohne Angabe von Gründen und ohne das für Sie irgendwelche Kosten anfallen vom Projekt zurücktreten. Mit dem Tag der Operation verpflichten Sie sich allerdings eine psychologische Begleitung für die nächsten zwei Jahre durch im Rahmen des o.g. Forschungsprojekts zu akzeptieren und unseren Psychologen bei Bedarf für Fragen zur Verfügung zu stehen. Wir gehen davon aus, dass Sie sich der Tragweite ihres Entschlusses bewusst sind und sich auch die besonderen Risiken, die sich aus der Teilnahme am Forschungsprojekt ergeben, vergegenwärtigt haben. Wie uns ihre betreuende Ärztin, Frau Dr. Kallweit mitgeteilt hat benötigen Sie noch ca. 2 Wochen zum Abschluss ihrer Prüfungen.
Wir schlagen daher vor, dass Sie sich direkt im Anschluss an Ihre Prüfung, Am Mo, den 23.08 bei uns im Hause zur allgemeinen Voruntersuchung in der Gynäkologie Abteilung unseres Hauses bei Frau Prof. Dr. Dr. Simons einfinden. Die ersten operativen Eingriffe werden dann am Do. planmäßig statt- finden.
Mit Freundlichen Grüßen"¦
"Nur noch knapp zwei Wochen", denke ich. Dann gibt es definitiv kein Zurück mehr. Mit zitternden Händen lege ich den Brief beiseite. Ich mache mir einen grünen Tee und schaue aus dem Fenster. Jetzt wo sich die Aufregung etwas gelegt hat, werde ich natürlich nachdenklich. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich auf die OP und dass ich alles viel schneller hinter mir haben werde als die meisten meiner Leidensgenossinnen. Aber mir wird auch die Endgültigkeit meines Schrittes bewusst. Nach dem heutigen Stand der Medizin kann man nur einmal sein Geschlecht anpassen lassen. Und wenn ich eines Tages feststelle, dass ich doch lieber männlich geblieben wäre, dann gibt es kein Zurück mehr. Während ich aus dem Fenster schaue bemerke ich wie ich mich leicht im Fensterglas spiegele. Dann lächle ich in mich hinein. Ich gefalle mir als Frau einfach unendlich viel besser und ich habe mich trotz aller Probleme in meinem Leben noch nie so wohl gefühlt. Als ich gerade meine Teetasse wegstellen will, sehe ich wie uralter top gepflegter Porsche 911 vor der Tür hält. Dann sehe ich, wer aus dem Wagen steigt und ich kann es kaum glauben: Es ist Sören! Er scheint echt in mich verliebt zu sein. Sofort spüre ich wieder wie sich mein Bauch mit Schmetterlingen füllt. Hinter seinem Rücken bemerke ich einen Blumenstrauß. Ich bin hin und weg und kann es kaum erwarten, dass er klingelt. Schnell laufe ich noch zum Spiegel und schaue, ob ich auch ordentlich genug aussehe. Ich ziehe noch kurz meinen Lippenstift nach dann klingelt es auch schon. Als ich die Türe aufmache stahlt es mich mit einem Strauß gelber Rosen in der Hand an. Ich kann nicht anders und springe ihm fast entgegen. Der Begrüßungskuss will nicht enden. Schließlich nehme ich die Blumen und suche eine Vase. Dann bemerke ich den Umschlag und mache ihn auf. Backstage Musicalkarten für heute abend. Ich kann es kaum fassen. Er sieht wie ich strahle und ich merke er freut sich, dass ihm die Überraschung gelungen ist. "So kann ich aber nicht los", sage ich, "Ich muss noch etwas zurechtmachen, bevor wir los können". Dann verschwinde ich in mein Zimmer und diesmal ist sofort klar, was ich anziehen werde. Einen rotbraunen Strickpullover, der ein winziges bischen durchscheinend ist, sodass man ahnt das darunter ein ziemlich sexy BH ist. Dazu einen nicht zu kurzen schwarzen Rock und natürlich leicht glänzende schwarze Seidenstrümpfe. Und als Kontrast eine kurze Jeansjacke. Nach nur zwanzig Minuten, was mir unglaublich schnell vorkommt bin ich fertig. Sören schaut mich anerkennend an. Ich scheinen ihm zu gefallen. Ich drehe mich zum Spaß vor ihm sodass mein Rock sich leicht anhebt. "Möchtest du vorher noch einen Kaffee Trinken frage ich ihn? Er nickt und wir gehen gemeinsam in die Küche. Ich mache die zwei Tassen fertig und drehe mich zu ihm um. Ich sehe wie in diesem Moment sein Blick eher unabsichtlich aus den Brief auf dem Küchenschrank fällt. "Nein bitte nicht so! und bitte nicht jetzt, denke ich"
Die Zeit scheint still zu stehen. Ich habe ein wenig das Gefühl einen Film zu sehen. Aber es ist real. Ich sehe wie Sörens Blick den Brieftext quasi aufsaugt. Wie er kurz stutz. Dann schaut er mir in die Augen. Ich bin wie zur Salzsäule erstarrt. Mir wird auf einmal klar, wie sehr ich ihn liebe; Wie sehr ich gehofft hatte er wird meine erste ganz große Liebe, wie unglaublich glücklich ich in seiner Nähe gewesen bin. Und das nun alles vorbei ist. Ich habe das Gefühl, ich werde nie wieder jemanden treffen wie ihn. Ich will nicht, dass er geht. Ich versuche zu reden: "Ich, ich"¦"stammele ich, dann fließen mir einfach nur die Tränen die Backen herunter. Ich fange an leise zu schluchtzen; Sörens Gesicht verschwimmt in einem Meer aus Tränen. Ich kann nichts sagen, ich kann mich nicht bewegen. Wie durch einen Nebel nehme ich war, wie sein Blick vom Brief zu mir schwankt. Er scheint geschockt. Er ist bestimmt unglaublich verletzt. "Bitte geh nicht", versuche ich zu sagen, aber ich kann nur weinen. Ich weinend vergrabe mein Gesicht in den Händen. Ich möchte vom Erdboden verschwinden. Es war so unglaublich schön und es ist so ungerecht. Ja ich hätte es ihm irgendwann sagen müssen, aber nicht so. Warum so? Ich liebe dich. Ich habe jede Minute mit dir genossen. Es waren die schönsten Tage meines Lebens"¦.Ich fange an hemmungslos zu schluchsen. " Meine auch" höre ich ein Flüstern durch den Nebel meiner Tränen. Ich öffne meine Augen und Sören steht direkt vor mir. Er nimmt mich schweigend in den Arm.
Ich weine weiter, ich kann einfach nicht aufhören. Trotzdem spüre ich seine Arme die mich festhalten und ganz sanft streicheln. "es tut mir so unglaublich leid", sage ich. "Ich habe dich angelogen. Weil ich so schreckliche Angst hatte, dich zu verlieren." Ich weine leise weiter, aber ich spüre die sanfte Umarmung. Als ich schließlich das Gefühl habe keine Tränen mehr in meinem Körper zu haben schaue ich zu ihm auf und versuche zu sprechen. Aber er drückt mir sanft seinen Zeigefinger auf die Lippen. "Ich verstehe zwar nicht, wie man sich in einem falschen Körper fühlt, aber ich verstehe dass du das, was du vorhast für dich sehr, sehr wichtig ist. Ja, ich hab mich auch in die Frau verliebt, die ich gerade vor mir sehe und ich habe dich bislang auch nur so wahrgenommen. Der Brief gerade war auch für mich ein ziemlicher Hammer. Ich weiß nicht, ob ich damit wirklich klarkommen kann." "Wieder fange ich an zu weinen. Mitleid ist das Letzte was ich will" Ich will ihn von mir stoßen. Aber er hält mich fest in seinen Armen dann fast er mich an den Schultern und schaut mir unglaublich tief in die Augen. Dann lächelt er ein sanftes ein wenig trauriges Lächeln. Wieder steigt die Angst in mir hoch. "Ich liebe deine Augen", sagt er, " aber noch viel mehr liebe ich dein Lächeln. Das ist es in das ich mich sofort verliebt habe. Und ich bin immer noch verliebt in dieses Lächeln." Wieder laufen mir Tränen die Wangen herab; aber ich lächle dabei. Dann folgt ein endlos langer Kuss. Dachdem ich mich wieder beruhigt habe frage ich etwas ängstlich: "Und nun?"
Er schaut mich an. "Vielleicht geht"™s du noch mal kurz ins Bad. So wie du aussiehst können wir nicht los." Völlig verdattert schaue ich ihn an. "Wie kannst du nach so etwas einfach so tun, als wäre nichts gewesen", rege ich mich auf. Er schaut mich etwas nachdenklich an. "Vielleicht ist es ja das, was wir beide wollen?".
Ich schaue etwas verwundert zurück. Dann laufe ich fast ins Bad und bringe mein Make Up wieder in Ordnung. Es wurde ein wunderschöner Abend und am Ende haben wir unsere erste Nacht zusammen verbracht.
Es wird ernst
Am Morgen in seinen Armen aufzuwachen war einfach ein unglaublich schönes Gefühl. Nun war völlig klar, dass ich auf dem richtigen Weg war. Nach der OP würde es nochmal so schön werden, wobei ich mir im Moment eigentlich kaum etwas Besseres vorstellen konnte. Er schlief noch sehr fest. Vorsichtig schob ich seinen Arm beiseite und ging ins Bad, um mich ein wenig herzurichten. Ich zog mir ein recht enges Top und sehr enge Shorts mit dunklen Seidenstrümpfen an. Sören holte nach dem Aufstehen Croissants und wir hatten ein sehr romantisches Frühstück miteinander. Am liebsten wäre sofort wieder mit ihm im Schlafzimmer verschwunden. Dann wurde er auf einmal etwas stiller. "Morgen geht mein Flieger nach Shanghai, Projektabschluss auf der alten Baustelle. Ich werde die nächsten Wochen nicht bei dir sein können. Danach bin ich in Stockholm für mindestens 9 Monate. Da können wir uns zumindest am Wochenende sehen."
"Ich freu mich schon wahnsinnig, wenn du wieder kommst. Und wenn wir uns dann wiedersehen, dann "¦ dann bin ich" "Du meinst, dann bist du eine richtige Frau. Stimmt nicht, du bist jetzt schon das süßeste Mädchen, was ich jemals kennen gelernt habe. Wegen mir brauchst du es nicht zu tun. Ich bleibe bei dir." Irgendwie bin ich total gerührt. "Aber ich will es für mich. Ich will eine ganz normale Frau werden und nichts soll mich an meine Vergangenheit erinnern"¦ außer du."
Es wurde dann ein sehr tränenreicher Abschied am Flughafen. Zwei Monate würde ich ihn nicht sehen, geschweige denn in seinen Armen liegen. Sehr nachdenklich machte ich mich auf den Rückweg. Am Montag würde meine große Reise in meinen neuen Körper beginnen. Aber davor war noch eine große Prüfung. Normalerweise hasse ich das Pauken, aber diesmal war es eine super Ablenkung. Ich musste weder allzu viel an Montag noch an Sören denken. Er schickte mir ab und zu eine SMS, aber das Skypen wollte irgendwie nicht klappen. Am Freitag direkt nach der Prüfung fing ich an meine Sachen zu packen. Maren half mir so gut es ging. Das Wochenende erschien mir endlos. All meine Gedanken kreisten um die nächste Woche. Natürlich hatte ich mich so gut es ging im Internet über die wahrscheinlich bevorstehenden Prozeduren informiert; und auch Maren hatte mir so detailliert wie ich es wollte über alle Einzelheiten berichtet. Ich hatte keine Sekunde mehr Zweifel daran, dass ich den Weg gehen wollte. Mir wurde aber auch klar, dass es eine ziemlich große OP-werden würde und bei anderen war das Ganze auf zwei Jahre verteilt. Mit einem sehr flauen Gefühl im Magen stieg ich am Sonntag nachmittag in den Zug. Nach drei Stunden erreichte ich Marburg. In der Klinik wollte ich nicht übernachten, obwohl das möglich gewesen wäre. Statt dessen nahm ich mir ein kleines Hotel in der Altstadt. Am Abend versuchte ich zu Lesen, aber ich glaube ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan. Am nächsten Tag fuhr ich mit der Straßenbahn zur Klinik. Der Empfang auf der Station war sehr freundlich. Und plötzlich ging es wahnsinnig schnell. Endlos viele Voruntersuchungen Gespräche über den Ablauf, Risiken und über die Endgültigkeit meiner Entscheidung. Ich versuchte mich auf das zu konzentrieren, was bedeutsam war. Bei einigen OPs gab es neuere Varianten oder spezielle anatomische Gegebenheiten, die bei mir berücksichtigt werden mussten. Die komplizierteste OP, die zwischen meinen Beinen würde ein Thailändischer Experte durchführen, der als weltweit führend galt. Dabei würde er die deutschen Kollegen in die neuesten Techniken einweisen. Mir war etwas unwohl, bei dem Gedanken als Anschauungsobjekt herhalten zu müssen, aber als er mir die Fortschritte erklärte, in deren Genuss ich kommen würde, da konnte ich über die Zuschauer hinwegsehen. Er erklärte mir, dass er diese Variante schon mehr als 20 mal erfolgreich praktiziert hätte und das alle Patientinnen sehr zufrieden wären. Insbesondere dass die erforderlichen Dehnungsübungen der Neovagina stark reduziert und verkürzt werden könnten. Leider seien sie aber immer noch erforderlich.
Einen kleinen Streit gab es um mein Bauchfett. Jeder wollte es haben. Die Gesichtschirurgen wollen etwas an der einen oder anderen Stelle in meinem Gesicht optimieren. Sie stellten sehr viele Fragen und zeigten mir am Computer, wie das Ergebnis wahrscheinlich aussehen würde. Bei der gewählten Vorgehensweise würde es hinterher kaum Veränderungen geben. Ein Teil des Bauchfetts würde abgebaut werden, auf der anderen Seite würde durch die weitere Hormonbehandlung sich der Fettanteil meines Körpers eh noch etwas erhöhen. Sie machten mir zwei Vorschläge, den einen in größtmöglicher Annäherung an mein jetziges Gesicht; den anderen eher in Richtung Supermodel. Beides gefiel mir sehr gut. Am Ende wählte ich einen Mittelweg, aber mir war klar, dass mich nicht jeder sofort wiedererkennen würde. Den paar Menschen, die ich meiner kurzen Zeit als Frau intensiver begegnet war, die würden sich auch an die neue nicht unattraktive Sandra gewöhnen.
Schwieriger war da eher die Frage, wohin mit meinen restlichen Fett. Für Busen und Po würde es nicht reichen. Auch hier stand am Ende wieder ein Kompromis. Den Busen würde man mit einem kleinen Silikonimplantat unterstützen während meine Hüften zunächst etwas schlanker sein würden als ideal. Durch gezielte Hormongaben in den Hüftbereich würde sich auch hier die Situation schnell wieder "normalisieren". Etwas Angst hatte ich vor der Verkürzung der Stimmbänder, aber auch hier hat es mittlerweile einige Fortschritte gegeben. Statt einer Altstimme würde ich hinterher eher ein Sophran sein. Logopädie würde ich trotz meines bisherigen Talents benötigen; allerdings versicherte man mir, dass ich keine winzige heisere Piepsstimme erhalten werde. Nur wie sich meine Stimme hinterher genau anhören würde, dass konnte niemand sagen. Am Abend schwirrten tausende Gedanken durch meinen Kopf. Man hatte mir kurz zuvor eröffnet, dass aufgrund meines guten Allgemeinzustands alle Prozeduren in einer relativ langen OP durchgeführt werden sollten. Es könnte aber sein, dass mein Kreislauf doch überfordert sein könnte oder das eines der Teams mehr Zeit bräuchte als geplant. In diesen Falle müssten die restlichen OPs dann ca. 14 Tage später nachgeholt werden. Trotz meiner Aufregung schlief ich in dieser Nacht gut.
Als ich am nächsten morgen aufwachte erschien sofort eine Schwester und begann mir den Vorbereitungen für die OP. 6.30 sah ich auf der Uhr. Ich bekam ein Beruhigungsmittel. Das Letzte, an dass ich mich erinnern konnte war wie ich auf den OP-Tisch gelegt wurde und meine Beine ähnlich wie beim Frauenarzt seitlich fixiert wurden"¦
Als ich am nächsten Morgen aufwachte erschien sofort eine Schwester und begann mir den Vorbereitungen für die OP. 6.30 sah ich auf der Uhr. Ich bekam ein Beruhigungsmittel. Das Letzte, an dass ich mich erinnern konnte war wie ich auf den OP-Tisch gelegt wurde und meine Beine ähnlich wie beim Frauenarzt seitlich fixiert wurden"¦
Als ich meine Augen wieder öffnete erschien mir die ganze Welt wie durch Watte und alles seltsam gedämpft. Obwohl sich alles etwas nebelhaft anfühlte spürte ich jedoch eines deutlich: Schmerzen; Irgendwie schien alles wenn auch gedämpft weh zu tun. Ich drehte den Kopf etwas zur Seite. Im Raum sitzt eine Schwester. "Sie haben es geschafft, Frau Wagner. Das Team hat alle OPs erfolgreich abgeschlossen so wie es zur Zeit aussieht." Ich versuche zu lächeln, aber in meinem Gesicht scheint jede Faser weh zu tun. Ich muss eine Menge Schmerzmittel in mir haben, daher das nebelige. Ich möchte ganz viel Fragen, aber die Schwester legt mir vorsichtig den Zeigfinger auf den Mund. "Sie dürfen wegen der Stimmband OP die nächsten 5 Tage nicht sprechen und dann ganz vorsichtig mit logopädischer Unterstützung. Aber die Ärzte werden Ihnen noch alles im Detail erklären. Erschöpft lege ich mich wieder zurück. Ich versuche ohne mich viel zu bewegen an mir herunter zu schauen. Da sind nun zwei sorgfältig in eine Art medizinischen BH verpackte recht imposante Hügel vor meinen Augen. Sie heben und senken sich mit jedem Atemzug. Neben den Schmerzen spüre ich, dass es sich deutlich anders anfühlt, aber beschreiben kann ich es nicht. Mein Unterleib scheint in einer Art Miederhose zu stecken und zwischen meinen Beinen,- genau kann ich das nicht sehen, gehen einige Schläuche ab. Die Beine sind hoch gelagert und Stecken in Trombosestrümpfen. Zusammen mit meinem stark bandgierten Kopf muss ich ein ziemlich schreckliches Bild abgeben. Ich versuche mich auf den Bereich zwischen den Beinen zu konzentrieren. Aber das einzige, was ich im Moment spüre ist ein heißer aber erträglicher Schmerz. Mir wird klar, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis ich mich wieder unter Menschenwagen kann. Hoffentlich ist wirklich nichts schief gegangen. Nicht dass ich ein verunstaltetes Comicgesicht habe oder dass ich kein richtiges Gefühl zwischen den Beinen haben werde. Und alles was ich im Moment tun kann, ist warten. Ich weiß nicht wie ich die Zeit bis alles verheilt ist und ich sicher weiß, dass alles in Ordnung ist überstehen soll. Ich habe auf einmal furchtbare Angst wie ein Freak auszusehen und ich fühle mich einfach nur völlig hilflos. Mit einer Mischung aus Angst und Erschöpfung gleite ich leise weinend in den Schlaf.
Als ich wieder aufwache habe ich furchtbar wirre Träume. Dass ich bei einer Misswahl wegen einer operierten Nase disqualifiziert worden bin und Sören mir Vorwürfe macht, warum ich das nicht vorher gesagt habe. Wegen der Kinder antworte ich, dann werde ich wach und bemerke, dass ich von mindestens sechs Ärzten umgeben bin. "Keine Angst, Frau Wagner, Sie haben die letzten 24 h fast durchgehend geschlafen und nun müssen wir Sie für die erste Untersuchung leider kurz wecken. Ich weiß dass unsere große Zahl für Sie natürlich unangenehm ist, aber so muss nicht jeder Kollege einzeln erscheinen. Dann beginnt eine wissenschaftlich hochinteressante Diskussion der anwesenden Mediziner der ich aus Erschöpfung und Mangel an Fachwissen natürlich nicht folgen kann. Das Gerede der Ärzte erscheint mir, wie ein leichter Sommerregen. Etwas wacher werde ich erst, als mich der Chefarzt anspricht: "wir müssen jetzt mal den Verband zwischen ihren Beinen entfernen. Die Schwester wird ihnen dann einen neuen anlegen, aber es wird jetzt etwas weh tun." Mit etwas hatte er maßlos übertrieben; ich tröste mich damit, dass anscheinend noch sehr viele Nerven intakt sind. Wenn ich mit den gleichen Nerven genau so viel Lust empfinden werde, dann gibt es Grund zur Hoffnung. Aber im Moment überwiegen Schmerz und Scham eindeutig.
Nach der Visite schlafe ich zunächst erst mal wieder erschöpft ein. Als ich wieder aufwache ist es schon dunkel. Einige wenige Sekunden weiß ich nicht, wo ich bin. Dann spüre ich die vielen Verbände und die Schmerzen von den Wunden. Ich habe es tatsächlich getan. Ich werde den Rest meines Lebens eine Frau sein. Wird mein Gesicht wirklich so aussehen wie auf den Bildern von der OP-Planung? Hoffentlich! Aber es sah so anders aus; die Leute werden mich kaum wiedererkennen. Aber bislang hat mich auch niemand erkannt und meine Umgebung hat mich als Frau wahrgenommen. Warum habe ich mir das alles angetan? Ich habe doch sogar einen Freund, der mich liebt wie ich war. Ich versuche im Dunklen durch die Verbände hindurch die Veränderungen zu fühlen, aber außer den gedämpften Schmerzen spüre ich nicht viel außer dass sich alles sehr anders anfühlt.
Die nächsten Tage verlaufen erstaunlich ereignislos. An die überfallähnliche Visite habe ich mich langsam gewöhnt. Die starken Schmerzmittel sind abgesetzt und ich kann langsam klar denken. Der Schwarm —so nenne ich den Ärztepulk für mich- schein recht zu frieden. Die meisten Verbände im Gesicht wurden bereits entfernt, aber man hat mir gesagt, dass ich erst in zwei bis drei Wochen das erste Mal in den Spiegel schauen darf, wenn die Schwellungen weitgehend zurückgegangen sind. Das wäre psychologisch am besten; aber ich könnte mich schon mal freuen, bislang sei das Ergebnis sehr vielversprechend.
Was die Situation zwischen meinen Beinen betrifft, so scheinen die Ärzte meinen Fall als hochinteressante Fortbildung zu betrachten. Dem Fachchinesisch kann ich nicht folgen; das soll wohl so sein. Was ich verstanden habe, dass durch eine geänderte, in Asien schon recht oft erfolgreich angewandte OP-Methode, die mit einem Stück Dünndarm arbeitet, aber dies wesentlich besser einsetzt eine lange und schmerzhafte Zeit mit Dehnübungen erspart werden kann. Auch habe ich nun eine Vagina die kein bisschen kleiner oder enger als bei einer biologischen Frau ist. Allerdings stehen mit einige etwas schmerzhaft und komplizierte Verbandswechsel bevor. Am Anfang habe ich einfach die Augen zugemacht und gewartet bis der Schmerz vorbei ist. Mittlerweile ist es halbwegs erträglich und ich riskiere einen ersten neugierigen Blick. Etwas geschockt sehe ich wie Sie ein ziemlich riesiges langes Kunststoffteil zwischen meinen Beinen herausziehen.
Mir ist nun endgültig klar, dass dort zwischen meinen Beinen alles anders ist und hoffentlich werde ich in der Lage sein, den Sex als Frau zu genießen. Angstvoll denke ich an Horrorgeschichten von beschädigten Nerven wo nur ein gefühlloses Loch entstanden ist. Die Schmerzen beim Verbandswechsel beruhigen mich diesbezüglich. Auch meldet mein Hirn starke Reizungen von meinem "besten Stück", dass ich in Anbetracht des beeindruckenden Platzhalters ja gar nicht mehr besitze. Aber Die Nerven scheinen alle noch voll funktionsfähig zu sein. Aber was ist wenn ich anstatt Lust nur Schmerz empfinde. Ich finde das Warten unerträglich. Ein starker Schmerz holt mich wieder zurück aus meinen Gedanken. Man hat meinen Katheter entfernt!
Das nächste mal muss ich dann wohl wieder die Toilette benutzen. Man sagt mir, das dann in jedem Fall eine Schwester rufen soll. Zum einen sei mein Kreislauf nach dem langen Liegen sehr schwach und das eine oder andere Detail würde sie mir dann von Frau zu Frau erklären. Als ich nach einigen Stunden nach dem ersten Mal wieder im Bett liege noch völlig erschöpft von meiner 10 Meter langen "Wanderung" ist kann ich den einen oder anderen Anblick oder besser das, was ich nicht mehr gesehen habe kaum vergessen. Ein wenig geschwollen ist mir alles erschienen, aber im Großen und Ganzen hat alles geklappt. Einen Spiegel hat es nicht gegeben im Bad, aber ich habe meinen veränderten Körper mit den Händen ertastet. Da ist sehr viel Neues. Ich fühle mich recht unsicher, wie ein Baby, das aber direkt in einer neuen Welt funktionieren muss. Klar habe in den letzten Wochen als Frau gelebt und jeder hat mich auch so wahrgenommen und behandelt. Aber irgendwie ist jetzt trotzdem alles ganz anders. Ich verstehe es nicht; jetzt wo alles vorbei ist, habe ich auf einmal Angst vor meinem neuen Leben. Werde ich im Beruf zurecht kommen? Werde ich mich auch immer weiblich genug verhalten? Werde ich ganz normale "beste Freundinnen" haben. Wird Sören bei mir bleiben? Falls nein, werde ich jemals wieder einen Mann finden? Wie finde ich den richtigen Stil bei der Kleidung?...
Irgendwie scheint mich der Gedanke an das Alltagsleben als Frau unglaublich schwierig. Ob ich den Schritt bereue, hat mich die Psychologin gefragt, die mich jeden Tag besucht. Ich habe sie daraufhin lange fragend angesehen. "Stellen sie sich doch mal vor, Sie würden morgen früh aufwachen und sähen wieder aus, wie vor Ihrem Alltagstest".
Ich versuche mir an die Zeit zu erinnern. Dann merke ich, wie weit weg mir das alles erscheint. Mir wird klar wie unwohl ich mich damals in meinem Körper gefühlt habe und dass ich auf gar keinen Fall wieder zurück möchte. Dann lächle ich. "Wir werden sie die nächste Zeit nach Kräften unterstützen, sich in Ihrem neuen Leben zurecht zu finden. Sie können mich absolut alles Fragen, was sie bedrückt oder wo sie sich unsicher fühlen." Im folgenden langen Gespräch wird klar, dass ich am meisten Angst davor habe, dass ich keine "Vergangenheit" habe. Die Psychologin macht daraufhin einen etwas ungewöhnlichen Vorschlag. "Ich schenke ihnen meine Vergangenheit", Schlägt sie vor.
Erstaunt schaue ich sie an. "Das ist zwar nicht ganz so, wie es in unseren Lehrbüchern steht, aber schließ heißt forschen ja auch, etwas Neues auszuprobieren. Ich werden Ihnen die nächsten Male einfach sehr viel von meiner Jugend erzählen. Und dann machen Sie Rollenspiele, in denen Sie meine beste Jugendfreundin sind. Wir wiederholen das Ganze sehr oft und füllen es mit Details. Wenn das menschliche Hirn etwas nur oft genug hört, dann fängt es alles an zu glauben. Mit etwas Glück können Sie dann hinterher genauso viele Geschichten aus Ihrer Kindheit als kleines Mädchen oder von Ihrem ersten Kuss erzählen wie ich." Sofort stimme ich begeistert zu. Endlich mal etwas anderes, als immer diese "Wie fühlen Sie sich?" Fragen.
Die Tage vergehen. Mit der Logopädin zusammen mache ich gute Fortschritte. Auch vorher war ich stimmlich nicht untalentiert gewesen. Aber nach der Stimmband OP bin ich nun definitiv keine Alt sondern eine Sophranstimme. Trotzdem ist meine neue Stimme nicht zu schwach oder zu piepsich.
Heute Morgen ist dieser große Platzhalter zwischen meinen Beinen endgültig entfernt worden. Man hat mir eine Art großen Dildo gegeben, den ich ähnlich wie andere Frauen nach der herkömmlichen OP-Methode für diverse Übungen verwenden soll. Aber Gott sei Dank keine scherzhaften Dehnübungen, wie ich von anderen transsexuellen Schicksalsgenossinnen gehört habe. Die Schwellungen im Gesicht und in der Brust sind stark zurückgegangen. Der zuständige Arzt meinte, morgen oder übermorgen könnte ich zum ersten Mal einen Blick in den Spiegel werfen. Ich kann es kaum erwarten. Endlich werde ich wissen, wie ich den Rest meines Lebens aussehen werde. Natürlich habe ich einen riesen Bammel, dass irgend etwas verpfuscht worden ist oder ich wie irgendeine übernatürlich Barbypuppe aussehe. Am nächsten Morgen ist es dann so weit. Der Arzt begutachtet noch einmal ob alles gut verheilt ist und wie viel Gefühl in einige etwas taube Bereiche schon zurückgekehrt ist. Insgesamt sei er sehr zufrieden eröffnet er mir. Dann fragt er wie ich mich meinem neuen Angesicht nähern möchte. So nackt wie möglich oder nach einem ausgiebigen Wellnesstag. Ich muss nicht lange überlegen und entscheide mich möglichst schick zu sein bevor ich meinem neuen Angesicht gegenübertrete.
Es folgen vier sehr entspannende Stunden. Nach ausgiebigen Massagen mit einem toll duftenden Öl; einer kompletten wenn auch etwas schmerzhaften Entfernung von einigen restlichen Körperhärchen, folgen Maniküre und Pediküre. Schließlich geht es noch zum Frisör. Ein letztes Mal werde ich gefragt, ob ich dabei in den Spiegel schauen möchte oder nicht. Von meinem neuen Gesicht habe ich nur eine vage Vorstellung durch die Computersimulation vor der OP. Die Frisörin rät mir zu einem schulterlangen dunkelblonden, lockigen Bob. Ich zögere etwas, das ich irgendwie noch an Blond und lang hänge, aber schließlich gebe ich nach. Nach weiteren 2 h schaut mich die Frisörin sehr zufrieden an. Hoffentlich ist das keine professionelle Freundlichkeit. Ich beschließe beim ersten Blick in den Spiegel allein sein zu wollen. Als ich mein Zimmer erreiche platze ich fast vor Aufregung. Man hat mir einen großen Spiegel verhangen mitten ins Zimmer gestellt. Vorsichtig gehe ich zu meinem Koffer. Maren hat mir einige sexy Dessous eingepackt, die ich nun nach der OP zu erstem mal ausprobieren werde. Dann wird es spannend. Ich gehe zum Spiegel schließe die Augen und nehme die Decke weg.
Dann öffne ich meine Augen. Zuerst bin ich geschockt. Wer ist die Frau im Spiegel? Kaum etwas erinnert an die eher sportliche langhaarige Sandra. Vor mir steht eine sehr zarte Person; die lange Zeit im Krankenhaus hat mich nochmal stark abnehmen lassen und durch die wenige Bewegung habe ich kaum noch Muskeln, aber sehr weibliche Rundungen. Meine Wäsche passt extrem gut zum neuen Körper. Aber mein Gesicht! Klar wollte ich so weiblich wie möglich aussehen und das Mädchen im Spiegel ist wirklich total hübsch, aber fast nichts erinnert noch an die alte Sandra. Zudem hat mich die Frisörin dezent aber perfekt geschminkt. Ich bin ziemlich verwirrt und etwas unsicher posiere ich vor dem Spiegel. Nach einigen Minuten legt sich die Unsicherheit und mich überkommt ein unglaubliches Glücksgefühl. Dieses total niedliche Geschöpf im Spiegel bin ich. Ich kann es kaum fassen. Slip und BH sitzen genauso, wie es sein soll nichts klemmt und alles spüre ich direkt auf der Haut. Ich gehe nochmal zum Schrank und suche mir einige Klamotten raus die ich für "danach" aufgehoben habe. Neben einer kurzen sehr engen Hose ziehe ich eine Strumpfhose an. Ein Top, dass einen kleinen Einblick in mein Dekolte gibt kommt hinzu, sowie ein kurzer Blazer. Dass frische ich meinen Lippenstift etwas auf und mache mich auf den Weg zu meiner ersten Shopping Tour nach der OP.
Auf dem Weg hinaus laufe ich an einem großen Spiegel vorbei. Kritisch betrachte ich mich nochmal im Spiegel. Insgesamt bin ich recht zufrieden mit dem Anblick, aber die kurze enge Hose sieht mir zu sehr nach Party und nicht nach Shopping aus. Ich habe Angst, dass mir zu oft hinterhergeschaut und gepfiffen wird. Ich gehe wieder zurück auf mein Zimmer und ziehe mir stattdessen eine knallenge Jeans an. Jetzt fühl ich mich wohler und genieße das Gefühl, dass nichts mehr zwischen den Beinen kneift oder ziept.
Bis zur Fußgängerzone sind es nur wenige Minuten. Ich lass mich treiben. Schließlich find ich mich in der Bademodenabteilung einer großen Kaufhauskette wieder. Genußvoll stöbere ich; schließlich nehme ich mir einen Badeanzug und zwei Bikinis mit in die Umkleide. Ich entkleide mich bis auf meinen Stringtanga. Dann ziehe ich den Einteiler an. Er ist dunkelrot und sehr hoch geschnitten, aber er sitzt ausgezeichnet. Endlich kann ich einfach schwimmen gehen freue ich mich und brauche nicht Angst zu haben, dass irgendetwas peinlich verrutscht. Beim Ausziehen schaue ich in den Spiegel.
Mir wird klar, was passiert ist. Ich sehe nicht aus wie eine Frau"¦Ich bin nun eine Frau! Endgültig und für den Rest meines Lebens. Mir gefällt der Anblick meines Spiegelbildes, bis auf die eine oder andere Kleinigkeit, aber die Unumkehrbarkeit dessen was passiert ist wird mir nun sehr, sehr klar. Ich kann mich nicht einfach abschminken und als Mann zur Uni gehen. Das süße Mädchen im Spiegel, das ist nicht irgend jemand..das bin ich "Sandra Wagner". Nein, ich bereue überhaupt nicht, was ich getan habe. Aber die junge Frau im Spiegel, die die gleichen Bewegungen wie ich macht, dieses hübsche Geschöpf, dem ich als Mann wie in Trance hinterher geschaut hätte, das kann doch nicht ich sein. Das Ergebnis der OP ist viel toller, als ich es jemals erwartet hätte! Aber ich komme mir fremd im eigenen Körper vor. Verwirrt schließe ich die Augen und streiche vorsichtig an meinem Körper entlang. Ich fühle den Körper einen jungen Frau; meinen Körper. Aber das Gefühl einer Gewissen Fremdheit bleibt.
Ich probiere noch die beiden Bikinis an, aber ich kann mich nicht entscheiden. Irgendwie bin ich nicht bei der Sache. Dann hänge ich die Bikinis zurück und gehe mit dem Badeanzug zur Kasse. Niemand nimmt besondere Notiz von mir. Es ist völlig normal was ich hier tue. Beim Hinausgehen kaufe ich noch einige Strumpfhosen und Probiere den einen oder anderen Duft aus. Die schleimige etwas überdrehte Art der Verkäuferin nervt mich etwas. Außerdem kann ich nach dem dritten Duft den ersten nicht mehr richtig riechen. Ich schlendere weiter durch die Fußgängerzone. Dabei nehme ich meinen Körper wahr. Da ist meine Kleidung, die sich angenehm an meinen Körper schmiegt, ohne das dort irgendwelche Silikonprothesen oder ein Klemmen zwischen den Beinen wäre. Das war auch die letzten Wochen im Krankenhaus zu gewesen, aber vor lauter Therapie und Untersuchungen ist kaum aufgefallen. Ich streiche mir meine Haare aus dem Gesicht —wie selbstverständlich- fällt mir auf. Ich bleibe bei einem Straßenmusiker stehen, der mit Gitarre alte Lieder aus den 70er spielt. Verträumt höre ich zu; dann habe ich auf einmal das Gefühl er schaut mich an und scheint nur für mich zu singen. Ich lächle und er zwinkert mir zu. Ich habe das Gefühl, ich werde ein ganz klein wenig rot, aber irgendwie freut es mich. Schnell schnappe ich mein Portemonnaie und gebe einige Münzen. Dann gehe ich weiter. Mit einem kleinen Lächeln die Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu können ist schon toll.
In einem kleinen Bistro bestelle ich mir einen Kaffee und lasse meine Gedanken ein wenig kreisen. "Darf ich mich ein wenig zu Ihnen setzen?" spricht mich plötzlich ein Typ an. Ich scheine ihn recht genervt anzuschauen, denn er wird leicht rot. "Sorry", sagt er. "Wahrscheinlich haben Sie mich gar nicht erkannt. Ich bin einer von den Ärzten, die Sie jeden morgen besucht haben. Genauer gesagt bin noch in der Ausbildung. Aber ich wollte eigentlich gar nicht so aufdringlich sein. Ich war nur extrem neugierig." Jetzt erkenne ich ihn wieder und schaue ihn deutlich freundlicher an. Er stand meistens freundlich lächelnd etwas im Hintergrund. "Martin Sander," stellt er sich vor und ich nicke ihm zu sich zu setzten. "Eigentlich wollte ich Sie in der Klinik besuchen und fragen, ob Sie mir bei meiner Doktorarbeit helfen könnten?"
"Wie könnte ich ihnen helfen? Ich habe zwar einige sehr ereignisreiche Wochen hinter mir, aber von dem Medizinischen haben Sie bestimmt viel mehr Ahnung." antworte ich. Es ginge auch gar nicht so sehr um den medizinischen Teil, sondern er würde gerne einige Fragen stellen, wie ich mich in meinem Körper nun fühle. Die Antworten werde er natürlich anonymisieren und er wisse auch wie persönlich das Ganze für mich sei. Bislang seien alle Patientinnen, bei denen diese neue Methode angewandt worden war, bereit gewesen seine Fragen zu beantworten. Aber ich solle mich dadurch nicht unter Druck gesetzt fühlen. So wie er lächelt, kann ich kaum widerstehen, aber trotzdem ist mir das Ganze etwas unangenehm. "Natürlich müssen die Fragen nicht hier in aller Öffentlichkeit beantworten. Wir können uns in der Klinik treffen und dann ganz in Ruhe alles besprechen. Wann hätten Sie denn Zeit?" "Im Moment habe ich gerade nichts zu tun erwidere ich."
"Super" erwidert er, "Wenn Sie fünf Minuten Geduld gaben, dann hole ich meine Unterlagen aus meiner Wohnung und wir fahren zur Klinik. Natürlich können wir die Befragung auch in meiner Wohnung machen, wenn ihnen das nicht zu privat ist und Sie etwas Unordnung ertragen können?"
Ich weiß nicht, ob es Bequemlichkeit oder Neugierde ist; aber nach einigen Minuten sitzte ich an seinem Küchentisch. Er scheint allein zu wohnen und entgegen der Ankündigung ist es sehr ordentlich. An der Wand hängen einige Fotos, die Ihn mit einem Fallschirm zeigen. Er erklärt mich das er am Wochenende oft Gleitschirmfliegen geht. Wir plaudern schließlich über alles Mögliche und sind schnell beim "du", schließlich sei er ja auch noch Student.
Nach einiger Zeit gehen wir schließlich seine Fragen durch. Es ist nichts wirklich Kompliziertes. Hauptsächlich wie der Heilungsprozess abgelaufen ist und wie ich mich in meinem neuen Körper fühle. Er stellt die Fragen sehr sachlich und es fällt mir recht leicht zu antworten. Plötzlich stockt er ein wenig. "Wir hätten die Befragung doch lieber in der Klinik machen sollen", meint er plötzlich. "Wieso frage ich, so ist es doch viel entspannter?" "Na, ja das ist irgendwie auch das Problem. In dem Fragebogen kommen jetzt einige Fragen zu deinem sexuellen Empfinden. Du musst sie nicht beantworten, aber dann ist es natürlich nicht vollständig. Ich könnte dich morgen noch mal in der Klinik weiter befragen..". "Komm, schieß schon los", sage ich, "So schlimm kann es nicht sein. Du willst ja schließlich Arzt werden, da musst du doch dauernd schwierige Fragen stellen."
"O.K. dann lass es uns versuchen". Es folgen nun einige sehr intime Fragen über meine Empfindlich- keit und Erregbarkeit. Er stellt sie sehr behutsam und sachlich. Ich bemühe mich so genau wie möglich zu antworten; aber irgendwie kippt die Stimmung etwas. Ich betrachte ihn auf einmal mit anderen Augen. Nicht als Studenten oder Arzt sondern als Mann. Es gefällt mir was ich wahrnehme und ich überrasche mich dabei, dass ich die Fragen zwar sachlich in der Wortwahl beantworte aber meine Mimik legt doch die eine oder andere Anspielung mit bei. Er scheint es zu bemerken; aber es scheint ihn nicht zu stören. Im Gegenteil die Befragung wird zu unser beider Belustigung ironisch und etwas doppeldeutig.
Als er mich schließlich fragt, was ich nun beim Sex mit Männern empfinde werden wir beide ganz still. Wir schauen uns an und spüren beide eine unglaubliche Spannung. Mir wird klar dass ich die Frage noch nicht beantworten kann. Aber jederzeit könnte; ich spüre auf einmal das unglaubliche Verlangen nach einem männlichen Körper"¦.
" Wichtig ist, dass du ganz entspannt bist. Du muss dich einfach fallen lassen und genießen". Dabei steht er auf und kommt zu mir und beginnt meinen Nacken zu massieren. Er macht das richtig gut und einen Moment lang kann ich die knisternde Situation sogar vergessen. Als er jedoch wie zufällig meine Brustwarzen leicht berührt, bin ich wie elektrisiert. Ich stehe auf und wende mich ihm zu. Er fasst mich um die Hüften und drückt mich fest an sich. Ich spüre den festen Druck seiner Hände und noch einiges mehr; schließe die Augen und lege meinen Kopf in den Nacken. Ganz sanft fasst er mein Gesicht und es folgt ein unglaublich zärtlicher und langer Kuss, den ich wie in Trance erwidere. Während wir immer intensiver Zärtlichkeiten austauschen, merke ich kaum, dass wir in seinem Schlafzimmer sind. Ein aufgeregter wohliger Schauder erfasst mich. Gleich werde ich zum ersten mal richtigen Sex mit einem Mann haben! Gleichzeitig bin ich ein wenig unsicher, ob ich nichts falsch machen werde. Er scheint es zu merken und flüstert mir ins Ohr: "Einfach geniessen" Dann zieht er mir mein Top aus und streichelt sanft über meinen BH, während ich langsam sein Hemd aufknöpfe. Wenig später stehen wir nackt voreinander. Er ist sehr sportlich und das weiß er auch. Dann hebt er mich vorsichtig hoch und meine Beine umschlingen ihn als mich plötzlich ein unglaubliches Gefühl überwältigt. Er ist in mir. Es folgt eine unglaubliche Nacht und ich bin nun zweifelfrei in meinem Körper angekommen. Als ich zwischendurch in seinen Armen aufwache und seine Hand auf meinem Busen spüre, da fühle ich mich nur wohl und geborgen. Lautlos fließen ein paar Glückstränen. Am nächsten Morgen werde ich etwas nachdenklich vom ersten Sonnenstrahl geweckt. So schön diese Nacht war, mir ist irgendwie klar, dass sich daraus nichts entwickeln wird. Lautlos stehe ich auf sammle meine Kleidung ein und schleiche ins Bad. Er scheint sehr fest zu schlafen. Ich ziehe mich leise an und mache mich notdürftig zurecht. Etwas zerzaust schaue ich schon aus, aber ein inneres Strahlen ist auch zu sehen. Diese Nacht hat sich mir eine neue Welt eröffnet und es waren fantastische überwältigende Gefühle. Ich nehme den Lippenstift und etwas kitschig male ich ein Herz auf den Spiegel. Dann ergänze ich einen Kuss aber mir wird auch die Vergänglichkeit der Nacht klar. Am Ende ergänze ich noch ein Adieu und verlasse leise die Wohnung.
Entlassung
Am nächsten Morgen ist meine Abschlussuntersuchung in der Klinik. Ein großes Aufgebot an Weißkitteln begutachtet mich äußerst intensiv. Insgesamt scheinen sie recht zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein, aber ich fühle mich recht unwohl so als Studienobjekt. Dann entdecke ich ihn in der Gruppe der Weißkittel. Ich möchte am liebsten im Boden versinken. Erst verbringt er die Nacht mit mir und heute begutachtet er mich wie ein Gegenstand. Zu allem Überfluss grinst er mich auch noch an. Als die Visite endlich vorüber ist, fange ich an hemmunglos zu heulen. Ich fühle mich einfach nur betrogen und ausgenutzt. Dabei habe ich im Grunde Sören betrogen. Ich kann es kaum erwarten ihn wieder zu sehen, aber gleichzeitig habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich ihn ja betrogen habe.
Im Zug zurück nach Hause fange ich dann langsam an meinen neuen Alltag zu planen. Maren hat mit versprochen, dass ich noch einige Zeit bei ihr wohnen kann, das hilft. Aber mir wird auch klar, dass ich nicht einfach meine Vergangenheit komplett hinter mir lassen kann. Meine Ex fragt dauernd, was aus unserer gemeinsamen Wohnung werden soll und sie müsse mich dringend sprechen. Ich habe furchtbare Angst vor der Begegnung, dann gebe ich mir einen Ruck und schlage vor, dass wir uns am Abend in unserer ehemaligen Lieblingspizzeria treffen und schicke ihr eine SMS. Die Zusage kommt prompt —netterweise per SMS- . Ich versuche mich irgendwie gedanklich auf den Abend vorzubereiten, aber es gelingt mir nicht. Frau Klasen hat zwar einige Male mit ihr gesprochen und versucht ihr meinen Fall so gut wie möglich zu erklären, aber es wird trotzdem für uns beide nicht leicht werden. Wo ich schon mal dabei bin schreibe ich auch noch eine SMS an meine Eltern und meine Schwester. Ich hatte ihnen geschrieben dass ich mich in stationäre psychiatrische Behandlung begeben hätte und mich für einige Monate nicht melden würde. Nun schreibe ich zunächst dass ich als geheilt entlassen bin, aber noch einige Zeit Ruhe brauche. Weihnachten würde ich sie besuchen und alles erzählen, aber es gehe mich enorm viel besser als vorher.
Ich versuche zu lesen, um auf andere Gedanken zu kommen. Eine Liebesgeschichte über eine Frau die nach dem Krieg als Krankenschwester nach Australien gegangen ist. Früher hätte ich so etwas nie gelesen, jetzt kann ich es genießen. Sind das die Hormone oder traue ich mich einfach das zu tun, was ich immer gewollt habe. Im Grunde ist es egal, beschließe ich. Mir gefällt mein neues Leben.
Schneller als ich gedacht habe bin ich wieder zu Hause und das Treffen in der Pizzeria rückt immer näher. Verzweifelt schaue ich in meinen Kleiderschrank. Ich habe keine Ahnung, was ich anziehen soll. Partymäßig aufbrezeln geht gar nicht und ich bin alles andere als in der Stimmung dafür. Jeans und T-Shirt geht auch nicht; Aber die engen Jeans mit schicken Stiefeletten, dass wär schon mal was.
Aber welches Top passt dazu. Ich will nicht aussehen wie eine überdrehte Dragqueen, aber sie soll schon sehen, dass ich nun eine Frau bin und mich in meinem Körper sehr wohl fühle. Am Ende entscheide ich mich für ein weinrotes Top mit langen Ärmeln und einem Ausschnitt der ein ganz klein wenig Dekoltee zeigt. Eine Kette mit den passenden Ohrringen und eine Leinenjacke runden das Bild ab. Am Ende bin ich halbwegs zufrieden und mache mich auf den Weg. Je näher ich meinem Ziel komme, desto aufgeregter werde ich. Mit klopfenden Herzen trete ich ein. Schon sehe ich Sie in der Ecke an unserem Lieblingstisch sitzen. Sie scheint in die Karte vertieft; ich gehe die letzten Schritte auf den Tisch zu und bleibe stehen. Sie schaut kurz auf und sagt: "Es tut mir leid, aber der Tisch ist besetzt. Ich erwarte noch jemanden". "Ja, mich" erwidere ich. Sprachlos schaut sie mich an.
Dann steht sie auf und wir begrüßen uns mit einem Kuss auf die Wange, wie gute Freundinnen. "Lass dich mal anschauen! Einfach unglaublich! Ein klein bisschen ähnelst du deiner Schwester. Aber du bist eindeutig hübscher." "Und ich hatte fast vergessen, wie gut du aussiehst".
Wir setzen uns und sie schaut mich nun etwas ernster an. "Deine Therapeutin, hat versucht mir alles so gut wie möglich zu erklären. Im falschen Körper gefangen; plötzliches Hervorbrechen der eigentlichen Identität; die Möglichkeit das Ganze operativ zu behandeln. Aber ehrlich gesagt mich mir fällt es recht schwer, das Alles zu verstehen. Zuerst war ich einfach furchtbar verletzt, dass du mich allein gelassen hast und dass ich etwas sehr wichtiges von dir nicht gekannt habe. Jetzt sitzt du mir gegenüber; irgendwie total fremd und doch sehr vertraut und ich bin einfach furchtbar verwirrt und weiß nicht was ich denken soll. Ein Gedanke beschäftigt mich aber immer wieder: Hast du mich geliebt, oder war unsere Beziehung nur eine große Lüge, damit du an meinen Kleiderschrank rankonntest?"
Sehr nachdenklich schaue ich Sie an. Ich bin mir selber nicht klar, wie das mit uns gewesen ist. Als ich ihren traurigen Blick sehe fange ich einfach an zu reden und halte dabei vorsichtig ihre Hand. Sie zieht sie nicht weg. "Als wir uns kennenlernten, fand ich dich nur unglaublich hübsch und dein Lächeln war einfach hinreißend. Ich wollte dich unbedingt. Das Ganze habe ich überhaupt nicht mit meinem kleinen "Verkleidungshobby" zusammengebracht. Im Netz hatte ich gelesen, dass es sehr viele Crossdresser gibt, die in einer ganz "normalen" Beziehung mit einer Frau zusammen leben. Manchmal weiß sie davon manchmal nicht, aber es ist ein ganz normales Verhältnis. Ich habe mich aber nie getraut dir von meinem "Hobby" zu erzählen. Es war mir einfach unheimlich peinlich und natürlich hatte ich Angst, dich zu verlieren. Dein Kleiderschrank war einfach nur eine zu große Versuchung, der ich ab und an einfach nicht widerstehen konnte. So dachte ich zumindest. Am Anfang war es auch beim Sex zwischen uns ganz normal. Ich habe nur an dich gedacht. Später schlichen sich dann schon Gedankenspiele ein" "Was waren das für Gedankenspiele?", fragt sie mich direkt ins Gesicht. "Nun ja, einmal stellte ich mir vor du wärst transsexuell und als Junge geboren. Das hat mich unglaublich angemacht. Später hatte ich dann manchmal den Gedanken, ich wechsle mit dem Höhepunkt in deinen Körper. Irgendwie habe ich mich hinterher für meine Gedanken etwas geschämt."
"Nicht so schlimm" erwidert sie. "Ich hab mir auch manchmal vorgestellt, ich verbringe die Nacht mit George Clooney. Aber etwas jünger und knackiger." Sieh schaut mir lange in die Augen. "Ich kann es trotzdem irgendwie nicht begreifen, aber ich sehe du wirkst sehr entspannt und zufrieden. Es scheint das Richtige zu sein; zumindest für dich. Ich schau dir in die Augen und sehe den Menschen den ich liebe oder geliebt habe. Du bist ein neuer Mensch, aber du natürlich auch immer noch du. Du bist der Mann mit dem ich eine wundervolle Zeit verbracht habe; mit dem ich gerne mein Leben verbracht hätte und gleichzeitig sitzt mir eine sehr hübsche Frau gegenüber mit der ich mich wie mit einer besten Freundin unterhalte. Es macht mich einfach fertig. Und da sind dann noch die ganz alltäglichen Fragen: was mache ich mit der viel zu großen Wohnung? Willst du wieder einziehen? Will ich überhaupt, dass du wiederkommst? Soll ich lesbisch werden? Kann man das einfach so beschließen?"
Ich fasse ihre Hände fester. "Es tut mir einfach leid. Ich habe die letzten Monate einfach nur an ich gedacht und mir überhaupt keine Gedanken über die Menschen gemacht, die mir etwas bedeutet haben. Es muss furchtbar für dich gewesen sein. Aber das Schlimmste ist; ich hab keine richtigen Antworten auf deine Fragen. Es sind auch für mich offene Fragen; Ich habe auch überhaupt noch nicht darüber nachgedacht, wie es mit uns weitergehen soll."
"Lass uns was zu essen bestellen", sagt sie einfach. Wir müssen beide lachen und für die nächste halbe Stunde plaudern wir beim Essen über tausend Belanglosigkeiten und freuen und beide einfach zusammen zu sein.