Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht
Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Antworten
Alex0708
Beiträge: 8
Registriert: So 2. Aug 2020, 07:51
Geschlecht: Transfrau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Bochum
Membersuche/Plz: 44807
Hat sich bedankt: 0
Danksagung oder Lob erhalten: 1 Mal
Gender:

Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 1 im Thema

Beitrag von Alex0708 »

Hallo,
ich hoffe hier hat jemand Erfahrung zu dem Thema oder kann mir spezielle Beratungsstellen nennen. Meine zukünftige Ex-Frau und ich haben einen Sohn im Alter von15 Monate. Es steht noch sehr viel mehr zwischen uns im Raum als meine Transidentität, aber genau darüber mache ich mir Sorgen. In einem gestrigen Gespräch meinte sie zu mir das ich ihr peinlich bin, niemals eine hübsche Frau sein werde, man es mir immer ansieht was ich mal war und sie nicht möchte das unser Sohn wegen mir später gemobbt wird. Ich habe für mich entschieden den Weg zu gehen und endlich das Leben zu führen welches ich schon immer führen wollte und als Frau zu leben. Ich habe Angst das sie ihre Meinung auf ihn überträgt und er am Ende nichte mehr mit mir zu tun haben möchte. Klar habe ich ein Recht auf Umgang mit ihm und das kann sie mir nicht verweigern, aber was bringt der Umgang wenn er ihn nicht möchte wegen ihr.
Lisa-Weber
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2471
Registriert: Fr 7. Jun 2019, 17:03
Geschlecht: weiblich
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): München
Membersuche/Plz: 81477
Hat sich bedankt: 3179 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 2117 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 2 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber »

Ich weiß nicht ob sich dies im Laufe der Zeit noch ändert - ich meine die Einstellung deiner Ex-Frau.
Ich habe meinen Sohn auf meinem Weg verloren (er ist 28).
Meine Ex-Frau ist streng gläubig (7 tage Adventistin) und so wurde mein Sohn erzogen.
Dort gelte ich als pervers und krank...
Das hat abgefärbt.
Der Kontakt wurde immer schlechter...
Als ich meine Op hatte (er wusste davon) rief er nicht an...
Als ich nach 12 Tagen bei ihm anrief - lapidare Antwort: Ich komme damit nicht klar...
Ich kann es nicht ändern - das muss von ihm kommen.
Ich kann nur versuchen ihm zu zeigen das ich ihn immer liebe, egal was kommt...
Wir verlieren auf unserem Weg auch geliebte Menschen, leider
Alles was du tun kannst ist immer für ihn da sein - zeigen das du sein Vater bist und bleibst.

Liebe Grüße

Lisa
Liebe geben und offen sein für neues..
Ulrike-Marisa
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3264
Registriert: Mo 21. Mai 2012, 13:58
Geschlecht: transsexuell
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: 248**
Hat sich bedankt: 993 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1142 Mal
Gender:

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 3 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Hallo Alex,

… persönliche Beratung kann ich nicht geben und es steht mir auch nicht zu, deine Lage zu beurteilen und deine Frage zu allgemeingültig zu beantworten. Nein, das kann ich nicht. Einige Gedanken, die sich aus eigener Lebenserfahrung herleiten, kann ich schon nennen, um die Situation zu beschreiben und begreifbarer zu machen. Wer Fragen stellt, muss auch damit rechnen, Antworten, bzw. hier Beiträge dazu zu bekommen. Vom Grundsatz her gilt doch immer, wenn Entscheidungen wie auch immer getroffen wurden, gelten sie, sind verbindlich und wirken sich auf alle Beteiligten entsprechend aus.
So, wie du die Situation schilderst, ist der Zeitpunkt doch eher als schwierig zu beurteilen, wenn du gerade jetzt, wo euer kleiner gemeinsamer Sohn 15 Monate alt ist, die Entscheidung getroffen hast, deine Transidentität auszuleben und gegebenenfalls den Weg hin bis …(das kannst nur du selbst sagen) gehen möchtest. Das muss Folgen haben, den Worte kann man nicht zurücknehmen und ihr habt vermutlich schon die Entscheidung einer Trennung getroffen, du schreibst von deiner künftigen Ex-Frau. Auch das scheint nun gesetzt; bleibt also nur die Modalitäten der Trennung mit dem Scheidungsanwalt zu besprechen und Regelungen auf gesetzlicher Grundlage hinsichtlich des Erziehungsrechtes etc. zu treffen. So hart, wie das klingen mag, denke ich, wird es für dich keine zufriedenstellende Vereinbarung werden. Der Zeitpunkt für eine spezielle Beratung durch Fachleute privater, staatlicher oder kirchlicher Stellen scheint mir auf Grund der Lebenssituation und der schon getroffener Entscheidungen schon weitgehend verstrichen zu sein und Lösungen hinsichtlich deiner Fragestellung nur noch sehr begrenzt möglich zu sein. Für alle Beratungsstellen wird erst einmal das Kindeswohl im Vordergrund stehen und da ist die leibliche Mutter als erste gefragt, da sie die erste Lebensphase des Kindes maßgeblich tragen und gestalten wird. Alles andere ist dann eine Frage der Regelungen, die ihr mehr oder weniger gemeinsam dann treffen müsst oder die Anwälte. Nein , ich sehe da persönlich wenig Chance für dich. Vielleicht in der Zukunft kann es einen Zugang zu deinem Kind geben, wenn es deine Lebensentscheidungen, die du für dich getroffen hast respektieren und vielleicht auch verstehen kann. Wir müssen alle im Leben immer wieder mit den Konsequenzen unserer Entscheidungen und unseres Handelns leben und gegebenenfalls Kompromisse schließen, so schwer das auch ist.
(Das ist meine sehr persönliche Sichtweise und so möchte ich sie auch verstanden wissen; sie kann nicht allgemeingültig sein)

Grüße, Ulrike-Marisa
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 16097
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 1056 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 7973 Mal
Gender:

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Morgen,

ich denke, es wäre wichtig, Kontakt zu einer Beratungsstelle aufzunehmen, die sich mit Problematiken einer möglichen Transsexualität auskennt.
In dem für Dich erreichbaren Bereich gibt es bestimmt eine ehrenamtliche BeraterIn der dgti: https://www.dgti.org/beratungsstellen.html

Jugendämter und Erziehungsberatungsstellen haben oftmals keine Erfahrungen, was Trennungen und Scheidungen angeht, bei denen eine Transsexualität auch eine Rolle spielt.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
Frieda
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1162
Registriert: Mo 27. Aug 2018, 15:57
Geschlecht: Bio-Frau
Pronomen: Sie
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 2689 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1898 Mal

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 5 im Thema

Beitrag von Frieda »

Liebe Alex❣️

Als aller erstes möchte ich mein tiefes Mitgefühl zu dir aussprechen, wir alle können von dir lesen, in welcher verflixten Situation du dich momentan befindest.

Ich weiß auch nicht ob meine Worte hier überhaupt eine Relevanz haben, weil ich halt nicht so kompetent reagieren kann wie andere Mitglieder des Forums, trotzdem "drängt" es mich dir meine Gedanken auch erzählen zu wollen.
Und ich will auch gleich zu Anfang dich um Entschuldigung bitten, weil meine Antwort höchstwahrscheinlich weniger den Fokus auf dich und das Thema Trans legen wird, als evtl im Vorfeld vermutet.
Warum?
Weil es in meiner Wahrnehmung nicht nur darum geht. Das was du bisher erzählt hast liebe Alex, ist schlimm, und ich verstehe auch deine Worte und dein Erzähltes über deine Frau, aber in meiner Wahrnehmung ist das nicht (nur) der eigentliche Kern.
Eure Beziehung (so habe ich es verstanden) steht ja nicht nur in der Herausforderung im um Ungang mit dem Thema Trans als Eltern, sondern es gibt da noch mehr. Und falls ihr beide euch (auf der Gefühlsebene) bereits in einem Trennungsprozess befindet und es womöglich kaum noch gegenseitigen Respekt füreinander gibt(?), dann gleicht eine Trennung nur noch einem Krieg, den man selbst unbedingt gewinnen will. Jede Verletzungsmöglichkeit die man beim anderen finden kann, könnte genutzt werden um egoistisch auf Gedeih oder Verderb sein eigenes Ziel erreichen zu können. Unter solchen Voraussetzungen gibt es nur Verlierer, niemals einen Gewinner, liebe Alex.
Alex.. sry, deine Fragestellung ist in Emotionen geschrieben und (für mich leider auch) egoistisch formuliert, verzeih mir bitte meine brutalen Worte. 😳 Du stehst nicht auf dem Schlachtfeld! Es geht hier nicht darum wer gewinnt. Wir reden hier über ein menschliches Wesen, euer Kind, dass niemanden auf der Welt jemals gehören wird, er ist niemals Besitz❣️
Ich vermute mal, dass deine Frau zutiefst verletzt ist, und dass momentan nur Wut, Frust, Angst und Verzweiflung aus ihr sprechen. Alex! Du kannst in so einem Moment mit niemandem klar reden, weil derjenige total in seinen Emotionen gefangen ist.
Für mich gibt es nur eine einzige Chance, und die heißt Ruhe und Geduld. Erst wenn bei ihr der Puls ruhig ist, und das wichtigste auch ihre Gedanken ruhiger geworden sind, eröffnet sich für dich eine annehmbare Chance, ihre Sichtweise über eure Trennung zu erweitern.
Alex! Du erreichst mit Druck nur Gegendruck und alle Beteiligten ernten nur Verletzungen.

Nun möchte ich zu deiner Frage kommen: "aber was bringt der Umgang wenn er ihn nicht möchte wegen ihr"
Gegenfrage: Was bringt es dir heute, über deine Frage so nachzudenken?
Keiner von uns kann in die Zukunft sehen, du nicht, ich nicht, und deine Frau auch nicht. Dass einzige was dir zeitnah passieren kann, wenn du dich deiner Frage ungeprüft hingibst, ohne deine eigen Gedanken dabei richtig zu lenken, ist ein Rattenschwanz von Negativigkeiten.
Weißt du Alex, mit einer Trennung darf man sich nicht nur noch auf seine Rechte als Elternteil besinnen, sondern auch auf seine Pflichten. Du stehst ebenfalls nach wie vor in der Verantwortung. Und wenn du vielleicht dein Verantwortungsbewusstsein als Elternteil sichtbar auch mit in den Vordergrund stellst, könnte es für dich selbst, deinen Sohn und auch deiner (Ex-) Frau gegenüber evtl Gutes nach sich ziehen. Das Gute soll nicht bedeuten es wird jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen. Ich finde halt alles ist Besser und Gut, sobald man sich nicht nur noch bekriegen will.
Es geht hier in eurer aktuellen Situation halt nicht nur um dich und deine Entwicklung als Transmensch, sondern auch um eure Entwicklung und euren Weg als gleichberechtigte Eltern, unabhängig davon wo wer wohnt.
Und genau das habe ich mir damals bei meiner Trennung von meinem Mann immer und immer wieder gesagt. Egal welche schlimmen Dinge Er uns angetan hatte, Er war/ist trotzdem immer noch das andere Elternteil. Niemals wollte ich, dass man mir meine Kinder wegnimmt, und deswegen wollte ich ihm auch nie unsere Kinder vorenthalten.
Eine Zwickmühle und nicht leicht, ich weiß, trotzdem bin ich nie von diesem Gedanken abgekommen❣️


Natürlich empfinde ich Anne-Mette's Rat hier sehr sehr wertvoll❣️👍
Trotzdem wäre meine Sichtweise nicht nur deine Kraft darin zu investieren. Mitgefühl, trotz aller Schwere auch für die Situation deiner Frau aufzubringen, versuchen ihr Denken zu verstehen, wäre für mich ebenso wichtig. Du brauchst Klarheit was gerade in ihr passiert. Um dies erreichen zu können ist Geduld erforderlich. Und Mut und Kraft ihre Worte dann auch aushalten zu wollen/zu können. Und ich vermute sie wird dich nicht gleich mit offenen Armen empfangen, wenn du ein Gespräch zu ihr suchst. Alex auch das braucht echt wieder deine Güte und dein Mitgefühl dafür❣️
Ich wünsche mir für euch drei aus tiefsten Herzen, dass ihr irgendwann respektvoll und gleichberechtigt euren Umgang miteinander pflegen könnt, denn schließlich haben sich einmal 2 Menschen ineinander verliebt, und daraus ist ein kleines Wunder (euer Sohn) entstanden. Erinnere dich bitte immer wieder an die guten Fasetten deiner Frau, die, in die du dich einst verliebt hattest. Diese Fasetten sind noch immer in ihr, sie strahlen gerade nur nicht so intensiv wie früher❣️

Ich bin in Gedanken bei dir/euch. 🙏
Gib nicht auf liebe Alex❣️
Verliere nicht den Mut❣️
Und achte bitte auf dich und deine Gedanken❣️

Namaste 🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
rika
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 603
Registriert: Do 4. Sep 2014, 16:51
Geschlecht: unten Mann
Pronomen:
Membersuche/Plz: Braunfels
Hat sich bedankt: 0
Danksagung oder Lob erhalten: 422 Mal

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 6 im Thema

Beitrag von rika »

Hallo Alex,

auch wenn es hart ist, aber es schon sehr tragisch, dass euer Kind gerade mal 15 Monate alt ist und eure Beziehung zerbricht. Vor der Geburt eines Kindes ist ja auch ein Vorleben und mit Sicherheit auch eine glückliche Zeit gewesen.

Meine Erfahrung ist überhaupt nicht vergleichbar, trotzdem will ich schreiben. Als meine Tochter, zu der ich bis heute eine ganz tiefe Beziehung habe, 8 Jahre alt war, kam die Trennung und sie zog mit ihrer Mutter nur ca. 500 m weg. In dem Scheidungsverfahren forderte der Anwalt meiner Frau, dass ich nicht "therapiewillig" sei und meine Tochter nur in Obhut des Jugendamtes und nur tagsüber bei mir sein dürfte. Ich sehe in ab und an und er schaut herunter.

Meine Tochter war an jedem zweiten Wochenende von Donnerstag bis Dienstag bei mir und als sie 12 war, entschied sie auf 50/50. Das kann kein Jugendamt verbieten solange die Verhältnisse es zulassen.

Ich glaube, dass Du ihn nicht verlieren wirst, auch wenn die Situation eine andere ist als bei mir. Aber es ist unglaublich wichtig, dass du für ihn da und nicht nur der Stundenpapa am Wochenende bist. Da ich nicht transident, sondern "nur" Chrossdresser bin, kann ich Deine Gefühle letztendes nicht nachvollziehen.

Aber das Glück eines Kindes und die Liebe, die man gibt und bekommt, ist davon unabhängig. Der Mutter Deines Kindes kann ich nur aus tiefstem Herzen raten, ihrem Kind den Vater nicht zu nehmen - ganz gleich wie er ist. Kinder sind oft viel stärker als man glaubt und vor allem: viel ehrlicher als wir Erwachsenen.

Dir alles Gute

rika
Sahara65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 252
Registriert: Di 19. Feb 2019, 08:03
Geschlecht: trans feminin
Pronomen: sie *jmd mit ding
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 72 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 106 Mal

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 7 im Thema

Beitrag von Sahara65 »

In getrennten Verhältnissen stelle ich mir das schwierig vor.
Dein dein Kind benötigt deine Nähe.


Mein Sohn ist 12 und es ist für ihn schwer.
Ich muss mich bemühen (und darum geht es) meinem Sohn der Vaterrolle gerchet zu werden.
Da hilft kein Makeup oder ein Kleidchen, sogerne wir es auch tragen würden.

Wir sind die biologioschen Väter, also auch um unsrere Pflicht angehalten.
Da gibts kein wenn und kein aber.

Unsere Kinder brauchen uns als Bezugsperson.
Denen kann man icht einfach mal erzählen das man was anderes ist als man sieht.
Die verstehen das in keinem Kindesalter.

Bemühe dich so gut es geht der Papa zu sein.
Insofern du das nicht tust wird sich die Lage nur zuspitzen.
Kathi87
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 258
Registriert: Fr 13. Dez 2019, 06:43
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: 24 SH
Hat sich bedankt: 22 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 344 Mal
Gender:

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 8 im Thema

Beitrag von Kathi87 »

Sahara65 hat geschrieben: Mi 18. Nov 2020, 19:59 Unsere Kinder brauchen uns als Bezugsperson.
Denen kann man icht einfach mal erzählen das man was anderes ist als man sieht.
Die verstehen das in keinem Kindesalter.
Liebe Sarah,

da muss ich dir einfach Wiedersprechen.

Ich habe 3 Kinder und die beiden großen Verstehen das schon sehr gut was mit mir los ist und für sie ist es normal das Papa eine Frau ist.
Selbst im Kindergarten und in der Schule ist es normal das wir zwei Frauen sind und dennoch eine Frau Papa genannt wird.

Wir haben das so gelassen, weil ich schon immer Papa war. Vielleicht entscheiden die Kinder irgendwann zu mir Mama zusagen, aber zwingen werde ich sie nicht und ich fühle mich da nicht als Frau zurück gestellt.

Wir sind biologische Eltern, aber es ist egal welches Geschlecht wir haben. In gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gibt es auch nicht immer einen Vater oder eine Mutter, es sind zwei Elternteile und so sollten wir uns verstehen.

Das wichtigste das wir den Kindern zeigen, das wir sie lieben und wir immer für sie da sind, das sie sich auf uns verlassen auch wenn man räumlich getrennt ist und das kann man als Frau, Mann, Mama, Papa oder wie auch immer man sich einsortiert, denn auch Liebe kennt kein Geschlecht.

Liebe Grüße
Katharina
Es ist besser, für das was man ist, gehasst,
Als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.
MichiWell
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4211
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: Leipzig - Chemnitz - Gera
Hat sich bedankt: 3174 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 3177 Mal

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 9 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Hallo Alex,

ich kann mich nur den Worten meiner liebsten Frieda anschließen. (ki) (he)

Zu den Erfahrungen anderer Trennungseltern möchte ich noch meine hinzufügen. Mein Kind war 9 Jahre alt, als ich mich von meiner damaligen Frau getrennt habe. Der Grund war jahrelanger Psychoterror, der über versteckte schließlich in offene körperliche Gewalt mündete. Mein Kind wollte bei mir leben, wozu ich auch die Unterstützung des Jugendamtes hatte. Emotionale Erpressung seitens der Mutter und ihrer Schwester führten dazu, dass sich das Kind auf das Wechselmodell als Ausweg zurückzog, weil es dem Druck von Mutter und deren Schwester nicht gewachsen war. Ich habe mich damals bewusst nicht auf die Hinterbeine gestellt, und im Interesse des Kindes ein gutes Verhältnis zu ihr geflegt. Das habe ich auch meinem Kind so signalisiert. Dies führte dazu, dass es bei Problemen lieber zu mir kam, und etwas später dann die Entscheidung traf, der Mutter die Stirn zu bieten und ganz bei mir zu leben. (Dennoch achte ich bis heute darauf, dass die Mutter nicht vergessen wird.)

Bei dir ist die Ausgangslage natürlich auf Grund des Alters, aber auch wegen deiner anstehenden Transition eine andere, und du musst selbst den für eure Situation geeigneten Weg finden. Da lassen sich aus der Ferne schwer Tipps geben. Nur ein Gedanke: Vielleicht findet sich ein Zugang, wenn du ihr in irgendeiner Weise "nützlich" bist, sie dadurch, dass du dich um euer Kind kümmerst, gewisse Freiräume bekommt. (Bonus-Tipp: Führe Tagebuch, über deine Aktivitäten und Hilfe, für den Fall, dass sie dich später loswerden will, und sich angeblich an nichts mehr erinnern kann.)

Noch eine positive Geschichte zum Abschluss:

Hier im Haus wohnte ein junges Paar mit kleinem Kind, dessen Papa sich kurz nach dem Wegzug ins Haus seiner Eltern als Trans outete. (Ach ist die Welt klein, und wir sind viel mehr, als wir oft glauben.) Die Mutter machte in ihrer Verletztheit ihren "Sohn" so sehr zum Stadtgespräch und zum Gespött, dass nur noch die Flucht in eine andere Stadt blieb. Wie ich durch Zufall auf einer Trans-Webseite erfuhr, trennte sich die Frau auch noch in dieser Situation, und entzog Papa das Kind. Es gab ein Riesen-Theater, doch sie hielt weiter den Kontakt zur Mutter ihres Kindes, und nach dem sich die Wogen etwas geglättet hatten, entwickelte sich ein gutes Verhältnis, und sie konnte sich wieder mit um ihr Kind sorgen, und an der Entwicklung teilhaben.

Ich hoffe, ich konnte dir ein ganz klein wenig helfen.


Liebe Grüße
Michi
Brauchst Du Hilfe und hast niemanden zum quatschen? Dann schick mir ´ne PN!
Lisa-Weber
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2471
Registriert: Fr 7. Jun 2019, 17:03
Geschlecht: weiblich
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): München
Membersuche/Plz: 81477
Hat sich bedankt: 3179 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 2117 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 10 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber »

Sahara65 hat geschrieben: Mi 18. Nov 2020, 19:59 Unsere Kinder brauchen uns als Bezugsperson.
Denen kann man icht einfach mal erzählen das man was anderes ist als man sieht.
Die verstehen das in keinem Kindesalter.
Entschuldige das ist völliger Quatsch.
In einem gebe ich dir Recht - ich bin eine Bezugsperson -in welcher Form ist völlig egal.
Kinder verstehen mehr als du glaubst und sind wesentlich offener als Erwachsene.
Erlebe es gerade mit meinem Enkelkind das mich mit 3 noch als Opa kannte und nun mit 5 Oma zu mir sagt.
Es ist eine Frage des Kindergerechten Umgangs mit dem Thema.
Liebe Grüße
Lisa

PS: Natürlich werde ich immer der "Vater" meiner Kinder bleiben.
Liebe geben und offen sein für neues..
Alex0708
Beiträge: 8
Registriert: So 2. Aug 2020, 07:51
Geschlecht: Transfrau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Bochum
Membersuche/Plz: 44807
Hat sich bedankt: 0
Danksagung oder Lob erhalten: 1 Mal
Gender:

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 11 im Thema

Beitrag von Alex0708 »

Als erste möchte ich euch für eure Kommentare danken und das ihr euch die Zeit genommen habt was zu schreiben.
Ich nehme einiges hieraus für mich mit und kann mich darauf einstellen was noch weiter kommen wird. Ich hatte zwar gehofft das ein oder andere Beispiel mehr zu bekommen das es ein positives Ende haben wird, wie es gerne in Filme dargestellt wird. Ich werde weiterhin alles geben damit er Kontakt zu mir hat, so lange er es wünscht. Bisher ist nur das Sorgerecht gerichtlich entschieden worden und das bleibt geteilt, wobei der Antrag auf alleiniges Sorgerecht nicht von mir kam, nur um zu zeigen werden den Krieg stiftet.
Elizabeth
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 518
Registriert: Mo 1. Mai 2017, 14:12
Geschlecht: div
Pronomen:
Wohnort (Name): Stuttgart
Membersuche/Plz: 70xxx
Hat sich bedankt: 1046 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 184 Mal

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 12 im Thema

Beitrag von Elizabeth »

Gemeinsames Sorgerecht trotz Anträgen Deiner Ex: Das ist schon mal ein Riesen-Erfolg!
Bei meiner 1. Scheidung hat uns (nachdem genug Porzellan kaputt war-nicht physisch) das Jugendamt geholfen: Das mit dem Umgang hatte auch nicht immer geklappt!
Vielleicht kannst Du die ins Boot holen?
Nach Diskussionen konnte ich damals zumindest verhindern daß meinem Großen der Gymnasiumsbesuch vorenthalten wurde - jetzt ist er ü40 und promovierter Chemiker.
Gruß an Deine Ex: Für Kinder sind beide Elternteile verantwortlich, auch wenn die als Paar nicht mehr funktionieren!
Sonst: versuchen am Ball zu bleiben!
LG Elly
Vicky_Rose
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2407
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Geschlecht: m und f
Pronomen:
Membersuche/Plz: Raum Karlsruhe
Hat sich bedankt: 364 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1948 Mal

Re: Ich bin der Mutter unseres Kindes peinlich - wie verliere ich unseren Sohn nicht

Post 13 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose »

Hi Alex,

es gibt kein Ende, sondern nur einen Fluss, in dem alles immer weiter geht. Eine Scheidung ist auch individuell. Es gibt keine Blaupausen. Du hast ebenso das Sorgerecht wie Deine Frau. Wie Deine Frau Euer Kind beeinflussen wird, kannst Du nicht steuern und ich warne davor, Einfluss darauf zu nehmen oder es zu kommentieren. Lebe Dein Leben und wenn Dein Kind zu Dir kommt, wird es sich irgendwann selber eine Meinung bilden. Es wird auch merken, ob Du es beeinflussen willst. Lebe Dein Leben, wie es für Dich richtig ist. Das gibt dem Kind die Chance, sich selber dazu zu positionieren. Das ist dann zu respektieren. Aus meiner Sicht ist es die einzige Chance, ein gutes Verhältnis zum Kind aufzubauen, auch wenn es zwischendurch Probleme gibt.

Meine Kinder waren bei der Trennung 9 und 11 Jahre alt und es gab schwierige Zeiten. Aber ich habe niemals schlecht über meine Frau geredet oder ihr Schuld zugeschoben. Das braucht Geduld, besonders wenn zu Problemen mit der Ex-Frau kommt. Wichtig war auch meine Phase der Selbstreflexion. An welchen Stellen habe ich mit meinem Verhalten die Situation verschärft ? Was wäre besser gewesen. Es geht dabei nicht um die Schuldfrage, sondern um die eigene Verantwortung. Und genau darauf kommt es mMn jetzt bei Dir an. Du trägst die Verantwortung für Dein Verhalten. Was willst Du Deinem Kind mit auf den Weg geben ? Und wie ? Ist das, was Du Deinem Kind mitgeben willst, das beste für Dich oder für das Kind ?

Wir glauben häufig, dass unsere Belange auch wichtig wären für unsere Kinder. Ich denke, das ist nicht so. Sie haben ihr eigenes Leben. Wir können ihnen die Wahl lassen. Wir können nicht wissen, was für sie wichtig ist oder sein wird. Deshalb ist es so wichtig, dass wir unser Leben leben und dass sie lernen, dass sie es auch können. Im Augenblick ist Dein Kind viel zu jung dafür, aber das ist eine Chance für Dich. Es wird in die Situation hinein wachsen. Es ist wichtig, dass Du weißt, was Du für Dich willst. Kinder sehen das und auch wenn es ihnen nicht gefällt, sie lernen, es zu respektieren. Und wenn sie es nicht tun, ist es ihre Entscheidung.

Jeder hat ein Ich als Individuum und ein Ich in der sozialen Beziehung. Lebe ich mein Ich als Individuum nicht wirklich, kann ich mein Ich in der sozialen Beziehung nicht wirken lassen. Aber ich muss mein individuelles Ich nicht rechtfertigen, auch nicht vor meinen Kindern oder meiner Frau. Wenn also Deine Frau Peinlichkeitsgefühle hat, ist das ihr Problem. Und wenn sie es auf das Kind übertragen will, wirst Du daran nicht viel ändern können. Aber Du kannst Deinen Lebensentwurf gestalten und leben. Dann hat Dein Kind mit der Zeit die Wahl. Du kannst ihm aber nichts aufzwingen.

Der Kampf, vor dem Du stehst heißt nicht, wie Du Dich gegenüber Deiner Frau durchsetzt oder Dein Kind eroberst, sondern wie Du Dein Kind überzeugst. Und wie soll das besser gehen als sein Leben selbstbestimmt zu gestalten ? Das macht dem Kind Mut, es genau so zu tun.

Das ist meine Sicht auf die Dinge. Übrigens, heute habe ich zu meinen beiden Kindern ein gutes Verhältnis.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Antworten

Zurück zu „Familie und Kinder / Eltern / Geschwister“