Das erste Mal
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Tarja
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Das erste Mal

Post 1 im Thema

Beitrag von Tarja »

Nun war es soweit. Tarja stand prüfen vor dem Spiegel in ihrer Wohnung und betrachtete ihr Outfit. Sie war schlank und für eine Frau sehr groß mit langen Beinen, die in einer schwarzen dünnen Strumpfhose steckten. Dazu trug sie ein graues Kleid, das ihr knapp bis zu den Knien reichte.

Es war warm und somit waren ihre muskulösen Arme gut unter den kurzen Ärmeln des Kleids zu erkennen. Ein langärmeliges Kleid wäre besser gewesen, aber dazu war es draußen zu warm und außerdem war ihr Kleidervorrat nicht sehr groß. Die weiße dünne Jacke, eigentlich eine Herrenjacke, würde ihre Arme verdecken.

Die Arme, an denen sie leicht als Mann erkannt werden würde, waren auch nicht ihr Hauptproblem, dass sie aktuell mit ihrem Erscheinungsbild hatte. Unter den schwarzen halblangen Haaren, die nicht ihre eigenen waren, zuppelte sie die Maske zurecht, die ihr männliches Gesicht verdecken sollte. Ein Vorteil der Corona Zeit war das Masken inzwischen zum normalen Erscheinungsbild gehörten. Dadurch fühlte sie sich etwas sicherer. Schminken war nicht Ihre Stärke und so hatte sie es diesmal gar nicht erst versucht.

Sie sah an sich herunter und Ihr Blick blieb an ihren Brüsten hängen. Gefühlt waren diese riesig groß, obwohl ihr BH eher klein gewählt war. Mangels echter Brüste hatte sie zwei Gefrierbeutel mit Reis gefüllt, diese sorgsam verschlossen und zusätzlich noch in zwei alte Socken gesteckt. Den Reis hatte sie sorgfältig abgewogen so dass beide Füllungen gleich groß und schwer waren. Hätte sie vielleicht weniger Reis nehmen sollen, waren ihre falschen Brüste nun zu groß, oder waren die beiden Wölbungen, die sich unter ihrem Kleid abzeichneten, einfach nur ungewohnt? Nun war es aber zu spät, eine Brustverkleinerung hätte einfach zu lange gedauert. Die weiße Jacke würde auch diese ungewohnten Wölbungen verdecken.
Es fehlten noch die Schuhe. Sie schwankte zwischen schwarzen Ballerinas und High Heels mit 12 cm Absatz. Die High Heels würden sie noch deutlich größer machen, als sie sowieso schon war. Auto fahren traute sie sich damit auch nicht zu. Aber auf einen Versuch käme es ja vielleicht an und wenn es nach Plan lief, würde sie sowieso niemanden unterwegs begegnen. Und so schlüpfte sie in die Ballerinas und verstaute die High Heels in einen Leinenbeutel.

Nach einem weiteren prüfenden Blick in den Spiegel, wandte sie sich von diesem ab und ging zum Küchenfenster und blickte auf die Straße. Niemand war unterwegs. Es war noch nicht dunkel, aber die Sonne würde bald untergehen. Es war ein normaler Wochentag und somit waren hoffentlich nicht mehr viele Leute unterwegs.

Ihre MP3 Liste, die im Hintergrund die ganze Zeit lief, war gerade bei Nightwish – „wish i had an angel“ angekommen. „This night will hurt you like never before …“ hörte Tarja noch, dann stellte sie die Musik aus.
Jetzt konnte es eigentlich losgehen. Noch mal ein kurzer Blick in den Spiegel, wieder Zweifel ob sie wirklich so vor die Tür gehen sollte, noch mal ein Blick durch das Fenster. Die Straße war immer noch menschenleer. Ihr Auto stand nicht weit entfernt, auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Bis dorthin waren es nur wenige Schritte. Niemand war zu sehen. Ihre Wohnung lag im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses. Über ihr wohnten noch zwei Parteien, ihr Nachbar war offensichtlich nicht da, sonst wäre aus seiner Wohnung Musik zu hören. Nur wenige Schritte waren es von Ihrer Wohnungstür bis zu Haustür. Das sollte zu schaffen sein.

Tarja nahm allen Mut zusammen, griff den Leinenbeutel mit den hohen Schuhen und ihren Rucksack, öffnete die Wohnungseingangstür und erstarrte. Vor der Haustür, die nun fast in Griffweite lag, hörte sie Geräusche. Wenig später drehte sich ein Schlüssel im Schloss. Schnell trat Tarja einen Schritt zurück und schloss leise Ihre Wohnungstür. Vor ihrer Tür hörte sie Stimmen und etwas später Schritte, die sich auf der Treppe nach oben von ihr entfernten.
Mit pochendem Herzen bliebt Tarja hinter der geschlossenen Wohnungseingangstür stehen. Das war knapp, um ein Haar wäre sie fast der Familie von oben über den Weg gelaufen. Was sollte sie nun machen? Aufgeben? Wieder warf sie einen Blick in den Spiegel, sah anschließend erneut auf die Straße durch das Küchenfenster. Niemand zu sehen. Jetzt oder nie.

Tarja öffnete die Tür und trat in den Flur. Hinter ihr viel die Wohnungseingangstür ins Schloss. Jetzt gab es kein zurück. Schnell öffnete Tarja die Haustür und ging schnellen Schrittes zu ihrem Auto. Ihr Herz pochte wie wild als sie einstieg und die Autotür hinter sich schloss. Gott sei dank gab es heute Fernentriegelungen. Nicht auszudenken, wenn sie noch den Autotürschlüssel hätte ins Schloss fummeln müssen. Vermutlich wäre er ihr aus den Händen gefallen, so wie man es in alten Filmen immer sieht.
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tabea80 (Sa 1. Aug 2020, 23:54) • Ilse-Rose (So 2. Aug 2020, 00:02) • MiriamR (So 2. Aug 2020, 00:36) • Carlotta91 (So 2. Aug 2020, 07:46) • lilly.fae (So 2. Aug 2020, 08:13) • Michi79 (So 2. Aug 2020, 09:30) • M&M (So 2. Aug 2020, 09:39) • Helga (Mo 3. Aug 2020, 10:14)
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Tarja
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Re: Das erste Mal

Post 2 im Thema

Beitrag von Tarja »

Tarja legte Rucksack und Leinenbeutel auf den Beifahrersitz und startete den Motor. Weit musste sie nicht fahren. Direkt am Waldrand der nächsten Ortschaft rollte Ihr Auto auf einen menschenleeren Parkplatz. Kurz überlegte Tarja ob sie die Schuhe wechseln sollte, entschied sich aber vorerst dagegen. Der Weg, den sie nehmen wollte, war einfach zu holprig. Sie kramte in Ihrem Rucksack herum und fand die kleine Sektflasche, die sie vorhin aus dem Kühlschrank genommen hatte. Tarja stieg aus, verschloss die Autotür und verstaute den Schlüssel in Ihrer Jackentasche.

Schnellen Schrittes verließ sie den Parkplatz und ging einen Feldweg am Waldrand entlang. Es war noch nicht dunkel, aber die Sonne musste bald untergehen. Je weiter sie sich von dem Parkplatz und der Straße entfernte, desto ruhiger wurde sie. Ihr Herzschlag reduzierte sich auf Normalmaß und sie begann den Spaziergang zu genießen.

Es war fast das erste Mal, das sie sich so gestylte nach draußen wagte. Fast, weil es schon ein paar Versuche gegeben hatte, die aber alle kläglich gescheitert waren. Immer war irgendwas dazwischengekommen oder der Mut hatte sie verlassen. Diesmal aber hatte sie es geschafft. Sie war im Kleid nach draußen gegangen. Das es nur ein Feldweg zu später Stunde war, störte sie nicht. Jeder fing mal klein an.

Tarja genoss das Gefühl des leichten Windes, der ihre Beine umspielte. Sie war schon oft mit kurzer Hose draußen unterwegs gewesen. Aber im Kleid und mit den Beinen in der Strumpfhose, fühlte sich alles etwas intensiver an. Sie folgte weiter den Weg, immer am Waldrand entlang, und erreichte einige Minuten später eine Bank am Wegrand. Die Bank war der perfekte Ort, um den Sonnenuntergang zu bewundern. Bald müsste es so weit sein. Tarja setzte sich auf die Bank, fischte ihren Piccolo aus der Jackentasche und betrachtete die Sonne, wie sie sich langsam dem Horizont näherte.

Sie öffnete die Flasche, streckte den Arm Richtung Sonne und murmelte „Prost Tarja, auf Dich und die besseren Zeiten, die noch kommen mögen“. Sie nahm einen tiefen Schluck und spürte wie der kalte Sekt ihre Kehle herunterlief. Während sich der Himmel blutrot färbte begann sie zu grübeln. Eine Träne bahnte sich langsam einen Weg aus ihrem rechten Auge und schickte sich an, die Wange herunterzulaufen. Nein, es war keine Zeit zu trauern. Es war ein lauer Sommerabend, sie hatte einen kalten Sekt in der Hand, hatte sich im Kleid auf die Straße getraut, der blutrote Himmel und die Stille um sie herum, verliehen der Szenerie einen romantischen Touch. Aber die romantische Stimmung wollte sich bei Ihr einfach nicht einstellen.

So hatte sie sich Ihren Geburtstag nicht vorgestellt. Ein Partymensch war sie nie gewesen, war an ihrem Geburtstag immer lieber unterwegs gewesen, anstatt ihn zu feiern. Aber sie war nie allein gewesen. Das abrupte Ende Ihrer letzten Beziehung lag gerade ein paar Wochen zurück. Sie war sich so sicher gewesen, dass diese Beziehung alles überdauern würde. Anfangs hatte sie den Gedanken an eine Hochzeit noch weit von sich geschoben. Zu tief saß die Befürchtung das auch diese Beziehung irgendwann scheitern würde. Aber die letzten Jahre liefen einfach sehr gut. Tarja konnte sich ein Leben ohne ihre Frau, korrekt würde es vermutlich Lebensabschnittsgefährtin heißen, gar nicht mehr vorstellen. Alles war geplant. Mehrere Häuser hatten sie sich angesehen um eins davon zu kaufen, ihre Testamente waren gemacht und dann war es doch passiert. Ganz plötzlich. Jedenfalls für Tarja kam es plötzlich. Ein neuer Mann bewarb sich um die Stelle als Lebensabschnittsgefährte Ihrer Nina. Unbemerkt hinter Tarjas Rücken warb er mehrere Monate um die Gunst von Nina.

Als Nina vor ein paar Wochen zu früh nach Hause kam und Tarja im Rock erwischte, war es geschehen. Das Tarja ein Faible für weibliche Kleidungsstücke hatte, wusste Nina. Sie fand es auch eigentlich nicht so schlimm, aber sehen wollte sie Tarja darin nicht.

So beschloss Ihre große Liebe einen neuen Abschnitt Ihres Lebens zu beginnen, in dem Tarja keine Rolle mehr spielen sollte. Es folgte ein Kleinkrieg um die Wohnungsgegenstände und um die Wohnung an sich. Nun wohnte Tarja in einer viel zu großen Wohnung mit zwei komplett leeren Zimmern. Für das Kinderzimmer hatte sie überhaupt keine Verwendung. Sie konnte nicht einmal hinein gehen. Die Wände waren noch mit tuffigen blauen Wolken bemalt. Diese zu überstreichen konnte Tarja im Moment nicht. Es war zwar nicht ihr Kind gewesen, aber der Kleine lebte schon seit seinem ersten Lebensjahr in ihrer gemeinsamen Wohnung. Nun war die Wohnung kalt und leer. Überhaupt fühlte sich die ganze Stadt so an. Tarja kannte in der Stadt niemanden. Sie war zu oft beruflich unterwegs gewesen und nur der Liebe wegen in diese Stadt gezogen.

Inzwischen liefen die Tränen ungehemmt die Wangen herunter. Der Sekt stand neben Tarja auf der Bank und sie hatte ihren Kopf in ihren Händen begraben und schluchzte leise vor sich hin. Wie oft konnte man sich eigentlich richtig verlieben? Zweimal war es ihr schon passiert. Beim ersten Mal kam die Trennung fast ebenso plötzlich. Damals wollte sie sich noch das Leben nehmen, als es vorbei war. Nur eine glückliche Fügung hatte sie daran gehindert. Es folgten mehrere, mehr oder wenig bedeutende Beziehungen, die alle nach zwei bis drei Jahren an irgendwelchen Gründen scheiterten. Dann kam Nina und die Welt hörte sich auf zu drehen. Tarja erlebte die nächsten Jahre wie in einem Rausch. Natürlich gab es immer mal Probleme, hauptsächlich mit dem Kind, auch wenn es Tarja mochte. Aber keine ernsthaften Probleme, die die Beziehung gefährdet hätten. So stürmisch die Beziehung begann, so dramatisch plötzlich endete sie.

Tarja konnte die tröstenden Worte ihrer Bekannten und Verwandten nicht mehr hören. „Für jeden Topf gibt es einen Deckel.“, „da draußen gibt es auch für dich einen Menschen, der genau zu dir passt.“. So ein Blödsinn. Töpfe mit Menschen zu vergleichen. Töpfe sind Massenware, der Mensch an sich ist einzigartig. Und was soll das überhaupt heißen? „einen Menschen der zu dir passt.“ Was ist, wenn der passende Mensch schon längst gestorben ist und wenn nicht, wie soll man diese Person überhaupt finden? Zu Adams Zeiten war es einfach. Da war die Auswahl nicht so groß. Aber heute?

Noch schlimmer aber waren die Sätze der Art „ihr habt so gut zueinander gepasst.“, oder „ihr wart das Traumpaar. Das ihr Euch trennt, wie konnte das geschehen?“ Darauf hatte Tarja auch keine Antwort. Sie konnte nur mit den Schultern zucken.

Ihr Geheimnis verraten, kam für Tarja nicht in Frage. Sie sah an sich herunter. Ihr Blick wanderte über ihren Atombusen, dem Kleid, entlang der Strumpfhose bis zu den schwarzen Ballerinas. Sie erschauderte. Wer konnte sie so schon mögen? Sie mochte sich selbst so nicht sehen. Es war klar das „Tarja“ bei jeder Trennung eine große Rolle gespielt hatte. Warum nur, war sie so wie sie ist? Hätte sie nicht einfach ein normaler Mann sein können? Mit normalen Bedürfnissen? Tarja fühlte sich wohl in ihrem männlichen Körper. Sie wollte keinen anderen haben. Sie wollte nicht dauerhaft in die Frauenrolle schlüpfen. Nur mal ab und zu. Umgekehrt konnte sie ihre Partnerinnen verstehen. Diese hatten sich in einen starken Mann verliebt und das Bild, was Tarja im Moment abgab, passte einfach nicht in Ihre Vorstellungen.

Tarja war klar das sie eine weitere Beziehung und eine weitere Trennung nicht mehr verkraften würde, auch wenn das bedeuten würde das sie ihre restliche Lebenszeit allein verbringen würde.

Die Tränen liefen als wollten sie vor Tarja flüchten. Nein, so hatte sie den Abend nicht geplant. So hatte sie ihr Leben nicht geplant. Die Sonne verschwand unbemerkt hinter dem Horizon, der Sekt wurde wärmer und schmeckte auch nicht mehr.

Tarja kramte ein Taschentuch hervor und ein weiteres als das erste nicht mehr genug Saugkraft bot. Es folgten noch weiter Taschentücher, bis die Packung leer war. Langsam beruhigte sich Tarja. Es war fast schon dunkel. Sie musste sich langsam auf dem Heimweg machen. Den Sekt mochte sie nicht mehr. Sie reichte den Sekt an den Busch neben der Bank weiter, packte die Flasche ein und machte sich auf den Rückweg zum Auto.
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Michi79 (So 2. Aug 2020, 09:30) • M&M (So 2. Aug 2020, 09:46) • Diana.65 (So 2. Aug 2020, 14:43) • lilly.fae (So 2. Aug 2020, 14:51) • Helga (Mo 3. Aug 2020, 10:18)
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