Autogynophilie
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Aria
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Autogynophilie

Post 1 im Thema

Beitrag von Aria » Di 20. Dez 2016, 21:28

Hat jemand schon mal was davon gehört?

Die Autogynäphilie drückt die Liebe zur eigenen Weiblichkeit aus...

Das Wort Autogynophilie entstammt wie die meisten Paraphilien aus dem Griechischen und bedeutet im Einzelnen „auto" selbst, „gyno" Frau und „philie" Liebe oder Freundschaft. Die Liebe zur eigenen Weiblichkeit ist in diesem Kontext auf den Mann bezogen und nicht wie man vielleicht annehmen könnte die Selbstliebe einer Frau.

Auch die Annahme, dass ein von Autogynophilie Betroffener ein Transvestit sei, ist nicht korrekt. Transgender oder Transsexuelle sind die Begriffe, die in dem Erklärungsmodell Autogynophilie verwendet werden. Diese Modell geht auf Ray Blanchard zurück, der allerdings mit seinen Thesen nicht bei allen Experten als Nonplusultra der Erklärungen und Klassifizierungen widerspruchslos angenommen wird.

Auch die Autogynophilie beinhaltet einen sexuellen Touch, doch zeigt sich diese Paraphilie bei einem Mann nicht unbedingt und ausschließlich auf einen sexuellen Reiz. Viel mehr liegt der Fokus darauf gerichtet sich als gut aussehende und damit attraktive Frau fühlen zu können. Zum besseren Verständnis ein kleines Beispiel: Es ist Sommer und eine attraktive Frau sitzt in ihrem Auto. Da es warm ist, hat sie ihren Rock höher geschoben. Zum Vorschein kommen lange, schlanke und gebräunte Bäume. Ein Junge sieht durch Zufall in diesem Moment nur die Beine, fixiert diese fast und wünscht sich ebenfalls solche wohlgeformten Frauenbeine zu haben.

Wie genau die Autogynophilie entsteht ist noch unklar, doch könnte solch ein Moment durchaus als Auslöser einer bereits vorhandenen latenten Veranlagung sein. Transgender fühlen sich im Inneren mehr als Frau und versuchen durch Hilfsmittel das Innere auch nach außen zu tragen. Kleider, Kosmetika, Perücken sind beispielsweise solche Hilfsmittel. Doch dieser Part ist nur ein Teil von zahlreichen Wünschen. So genügt es Autogynophile selten nur sich selbst als Frau zu fühlen, sondern wünschen sich auch von der Umwelt so wahrgenommen zu werden.

Je nach Ausprägung der Autogynophilie belassen es viele Männer an dieser Art von Umsetzung, doch leidet ein Betroffener unter diesem Phänomen, dann folgt zumeist im Laufe der Jahre auch die körperliche Wandlung durch Operationen und Medikamente. Dieser Schritt folgt in der Regel zumeist dann, wenn der Gedanke und Wunsch nach einer Vulva oder auch Schwangerschaft überhand nimmt.

In der Gesellschaft werden Autogynophilier eher als harmlos eingestuft und meist belächelt oder auch lächerlich gemacht. Ein Umstand der es für die Betroffenen nicht einfacher macht so leben zu können wie sie möchten. Ein Mann der sich als Frau fühlt oder so sein möchte wie eine Frau, ist in den Augen der meisten Menschen kein „richtiger" Mann und damit entweder krank, schwul oder einfach nur gestört. Vermutlich kann nur ein Mitbetroffener nachempfinden was in einem Autogynophilen vorgeht und wie schwer es für in selbst ist.

Auch Frauen sind von dieser Paraphilie betroffen, doch weitaus seltener und werden in dem Erklärungsmodell kaum genannt. Generell wird von einer Homosexualität ausgegangen und dem Wunsch anders zu sein. Anders sein im Sinne von attraktiv weiblich oder männlich. In den meisten Fällen leben Autogynophilie gänzlich unbemerkt und benötigen auch keine therapeutische Hilfe. Ausgenommen natürlich, wenn sich die Vorliebe so stark ausprägt, dass der Betroffene extrem seelisch darunter leidet und sich selbständig fachliche Hilfe sucht.

Quelle: http://www.miomedi.de/sexualitaet/sexua ... hilie.html
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JaquelineL
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Re: Autogynophilie

Post 2 im Thema

Beitrag von JaquelineL » Di 20. Dez 2016, 21:38

Liebe Aria,

ach ja, Blanchard und Anne Lawrence... ich durfte mich mal damit auseinandersetzen und was da in den Originaltexten zutage trat, ging mir massiv gegen den Strich.

Die transportierten Nebentöne und auch die Hintergründe, die bei einer Recherche zu den Personen zutage treten, lassen die Theorie irgendwie in den Hintergrund treten. Dabei ist der Grundgedanke, der dahinter liegt, durchaus etwas Nachdenken wert. Nur eben nicht in dem Kontext, wie ihn die Protagonisten dieser Theorie geschaffen haben.

Liebe Grüße
Jackie
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Re: Autogynophilie

Post 3 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2018-08-04 » Di 20. Dez 2016, 21:49

Hallo Aria,

dass ich mich beim Anschauen meines eigenen Spiegelbilds sexy gefühlt habe, ist durchaus schon vorgekommen. (smili)

Ansonsten kenne ich Autogynophilie aus den Schriften von Ray Blanchard, einem amerikanischen Sexologen: https://en.wikipedia.org/wiki/Ray_Blanchard

Wenn ich mich richtig erinnere, hat Blanchard TS in zwei Kategorien eingeteilt hat: 1. Die extrem femininen Homosexuellen und 2. Die Autogynophilen, die angetrieben werden von der erotischen Vorstellung eines Mannes von sich selbst als Frau. Die Theorie ist meines Wissens aber ziemlich umstritten. Es gibt ein Buch von Michael Bailey "The Man who would be Queen", das diesen Ansatz aufgreift.

Liebe Grüße, Daenerys

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Re: Autogynophilie

Post 4 im Thema

Beitrag von JaquelineL » Di 20. Dez 2016, 22:14

Ihr Lieben,

von Anne Lawrence gibt es dann noch die zugehörige Verteidigungsschrift "Becoming what we love" (http://annelawrence.com/becoming_what_we_love.pdf), in der sie Blanchards Theorie aus der (von ihm so dargestellten) rein sexuellen Ecke hervorholen möchte.

Wer sich mit diesem Theoriegebilde beschäftigen will tut meines Erachtens gut daran, sich über die Beziehungen dieser Personen untereinander und über die Kritik an Lawrence' Umgang mit ihren Patienten. Die meisten Quellen sind stark gefärbt, in der einen oder anderen Richtung, aber in der Summe ergeben sie durchaus ein stimmiges Bild.

Liebe Grüße
Jackie
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Re: Autogynophilie

Post 5 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 21. Dez 2016, 06:05

https://de.wikipedia.org/wiki/Autogynophilie

Das ist wohl wieder der Versuch, TGs in eine Schublade zu stecken, um sie abzustempeln und irgendwie als "nicht normal" zu bezeichnen.
bezeichnet die „paraphile Neigung eines Mannes
Allen die Beschränkung auf Männer wiederspricht der Beobachtung, dass in den letzten Jahren in verstärkter Weise Mädchen auffallen, die von sich behaupten Jungs zu sein (Bericht der Zeit).

Lassen wir uns nicht von solchen "Erkentnissen", die in der Fachwelt auf deutlichen Widerstand stoßen, verunsichern. Menschen wie Blanchard haben ein eigenes Interesse, andere in eine Ecke zu stellen, in denen sie vermeintlich behandlungswürdig sind. Ziemlich unmenschlich mMn.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.

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Re: Autogynophilie

Post 6 im Thema

Beitrag von Aria » Mi 21. Dez 2016, 20:23

Vielen Dank schon mal für die Beiträge. Bin über diesen Begriff rein zufällig gestolpert und habe mich bisher mit ihm und seinen Urhebern noch gar nicht beschäftigt.
Gleichwohl muss ich sagen, dass ich mich in der Beschreibung dieses Artikels wiederfand. Heute zwar nicht mehr aber wenn ich meine pubertären Jahre so reflektiere, dann schon.
Ich fühle mich dadurch aber nicht in eine Ecke gedrängt sondern eher in meinen damaligen Empfindungen bestätigt. Ich muss mich wahrscheinlich ein wenig intensiver damit
beschäftigen, um zu verstehen was an dieser Theorie hakt.
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Re: Autogynophilie

Post 7 im Thema

Beitrag von ab08 » Mi 21. Dez 2016, 20:59

Vicky_Rose hat geschrieben:Lassen wir uns nicht von solchen "Erkentnissen", die in der Fachwelt auf deutlichen Widerstand stoßen, verunsichern. Menschen wie Blanchard haben ein eigenes Interesse, andere in eine Ecke zu stellen, in denen sie vermeintlich behandlungswürdig sind. Ziemlich unmenschlich mMn.
Danke, liebe Vicky! )))(:
Liebe Grüße
Andrea,

die sich allerdings darüber aufregt, dass immer wieder Theorien über Transsexuelle aufgestellt werden.
-> Manches stimmt teilweise, so findet jede Sekte auch ihre Anhänger, aber das macht es für alle schwieriger...
Es wäre schlimm, TS als normale menschliche Variation zu betrachten, denn das würde den Verdienst schmälern.
:evil:
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Re: Autogynophilie

Post 8 im Thema

Beitrag von Aria » Mi 21. Dez 2016, 21:36

Mir geht es auch gar nicht um ein Erklärungsmodell für TS. Ich klammere TS hiervon auch bewusst aus, da sich ja bereits andere Erklärungsmodelle etabliert haben.
Mir geht es vielmehr um den Gehalt der Behauptung, CD, TV, vielleicht auch DWT, seien von der Liebe zu sich als Frau in ihrer Neigung getrieben. Mir kommt da spontan
der Buchtitel "Ich bin meine eigene Frau" von Charlotte von Mahlsdorf in den Sinn...
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Re: Autogynophilie

Post 9 im Thema

Beitrag von ab08 » Mi 21. Dez 2016, 21:44

Hallo Aria,

Zitat "Mir geht es vielmehr um den Gehalt der Behauptung, CD, TV, vielleicht auch DWT, seien von der Liebe zu sich als Frau in ihrer Neigung getrieben. Mir kommt da spontan der Buchtitel "Ich bin meine eigene Frau" von Charlotte von Mahlsdorf in den Sinn..."
Ich versteh ja wenig bzw. nix davon, und der Bereich CD, TV, DWT... ist, meinem Eindruck nach, kaum erforscht.
Aber das klingt interessant und könnte stimmen.

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Charlotte von Mahlsdorf verehr ich sehr (gitli)
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Re: Autogynophilie

Post 10 im Thema

Beitrag von Aria » Mi 21. Dez 2016, 22:00

Ja, finde ich auch. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen, als ich das gelesen habe. Zumal es sich 1:1 mit dem deckt, was ich in meiner Pubertät und auch später noch an mir beobachtet habe:
Mein frauliches Ich zu bewundern ohne wirklich einen Fetisch daran zu sehen
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Re: Autogynophilie

Post 11 im Thema

Beitrag von Toni Smith » Mi 29. Mai 2019, 10:26

Hatte gerade mal über das Thema hier gesucht, da ich vorhatte einen Thread Namens "Offenes Ohr für Autogynophilie" auf zu machen.

Ich selbst sehe mich als autogynophil und wollte mit so einem Thread möglichen Leuten eine Plattform geben, sich darüber zu informieren und auszutausche, ganz ohne Vorverurteilung. Autogynophilie als Fetisch hat es schwer, weil er sowohl vom heteronormativen Mainstream als auch von der Trans-Community nicht anerkannt wird oder sogar verleugnet wird.

Die Trans-Community befürchtet halt das durch sie das Thema Trans in ein perverses Licht gerückt wird. "Es handle sich bei trans doch eben nur um Männer". Das dies eben nicht ganz der Wahrheit entspricht ist dem Fakt geschuldet, dass Autogynophilie als Fetisch nunmal bei allen Formen von Trans* vor kommen kann. So zum Beispiel bei den "Zimmertransen", bei den Halbzeit-Frauen, bei Crossdressern aber eben auch bei Transitionierenden.

Genauso ist Autogynophilie nicht nur auf "Männer" beschränkt, auch "Frauen" können autogynophil sein, bei denen fällt es nur nicht so auf.
Auch vom Narzismus sollte man Autogynophilie trennen.

Ergo, kann ich ein autogynophiler Mann, eine autogynophile Frau oder ein autogynophiler narzistischer Mann/Frau sein.

Einen autogynophilen Fetisch zu haben bedeutet sehr viel Selbstakzeptanz zu besitzen, denn den braucht man um dieses Bedürfnis überhaupt leben zu können ohne Schuld und Scham Gefühle zu verspüren.

Zu mir:
Autogynophile Fantasien hatte ich seit ich 9 war. Mit trans Frauen konnte ich mich nur bedingt Identifizieren und schließlich merkte ich als ich selber transitionierte, dass das nicht komplett mein Weg war. Da ich diesen Fetisch nicht loswerde und damit leben lernen muss, möchte ich mir alternative Wege suchen damit umzugehen und diesen Fetisch auch in einer Partnerschaft einzubinden.

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Re: Autogynophilie

Post 12 im Thema

Beitrag von Wally » Mi 29. Mai 2019, 20:08

Liebe(r) Toni,

Den Begriff "Autogynophilie" habe ich schon vor ungefähr 30 Jahren mal mit dem Satz kommentiert: "Wenn Psychologen etwas nicht verstehen, dannn erfinden sie erst mal ein Fremdwort dafür." :-)

Nur: was ist daran eigentlich so schwer zu verstehen? Wir Transgender sind nun mal weder Männer noch Frauen, sondern eine sehr individuelle Mischung aus beidem. Und die Grenze dazwischen verläuft bei uns auch nicht so fein ordentlich und exakt zwischen Körper und Psyche, wie manche Seelenklempner das der Einfachhalt halber gerne hätten, sondern mitten durch die Psyche. Die meisten von uns sind eben auch seelisch NICHT voll im anderen Geschlecht verankert, sondern haben - in individuell unterschiedlicher Verteilung - psychisch Männliches und Weibliches GLEICHZEITIG in sich. Das bringt zwangsläufig mit sich, dass beide Teile dann auch innerhalb derselben Person - sozusagen im Kurzschluss - sexuell miteinander interagieren.

Konkret: wenn ich mich als Frau sexy aufbrezle, dann haben meine erotischen Empfindungen dabei zwei gleichermaßen euphorische, aber trotzdem in ihrer Qualität höchst unterschiedliche Komponenten: auf der einen Seite ist da die Frau in mir, die es erotisch genießt, sich weiblich schön zu zeigen, sich darzustellen, Blicke auf sich zu ziehen, potenzielle Partner zu locken, mit den weiblichen Reizen und ihrer Wirkung auf potenzielle Partner zu spielen... Aber auf der anderen Seite ist da schon auch noch ein Stück weit (wenn auch im Vergleich zu den meisten Männern unterentwickelt) der Kerl in mir da, der dieses Weibliche eben nicht als sich darstellendes Selbst, sondern als geiles, äußeres OBJEKT wahrnimmt und mit MÄNNLICHER Sexualität darauf reagiert - um so mehr, je perfekter die weibliche Selbstdarstellung gelingt. Da haben wir ihn schon, den sexuellen Kurzschluss innerhalb der eigenen Person - die "Autogynophilie".

Das ist einfach nur logisch bei einem Menschen, der sexuell beide Komponenten in sich hat; verwunderlich wär's eher, wenn es NICHT so wäre... Dass sich so viele von uns mit diesem Gedanken schwer tun, liegt an einer unter (MzF-)Transsexuellen sehr verbreiteten Lebenslüge: "Ich bin Frau". Das hätten wir gerne so, es stimmt aber in den meisten Fällen nicht: bis zu einem gewissen Grad (freilich viel weniger als "normale" Männer) sind und bleiben wir eben AUCH Mann. Auch psychisch - jedenfalls weit mehr, als das bei cis-Frauen üblicherweise der Fall ist. Um unsere "Autogynophilie" zu verstehen und positiv zu integrieren, müssen wir dieses restliche Stück Mann in uns akzeptieren: Autogynophilie ist kein Fetisch, kein Objektersatz, keine Perversion - sondern einfach nur das Stück stinknormale, männlich-heterosexuelle Sexualität, das in sehr vielen von uns eben auch noch da ist, trotz allem "trans". Die reagiert nun mal auf alles Weibliche, auch wenn es sich an uns selber manifestiert.

Herzlichen Gruß
Wally

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Re: Autogynophilie

Post 13 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mi 29. Mai 2019, 20:31

Hallo Wally,

danke, besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Es gibt einen fließenden Übergang von cis über non-binär nach trans. Wir sollten uns endlich von den ganzen "Schubladen" verabschieden. Dann muss auch keiner mehr neue Fremdwörter erfinden. Ich wüsste jedenfalls nicht, was aus Nicole werden sollte, wenn es den Mann in mir nicht gäbe, der sie (körperlich) liebt.

LG Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

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Re: Autogynophilie

Post 14 im Thema

Beitrag von Toni Smith » Mi 29. Mai 2019, 23:44

Wally hat geschrieben:
Mi 29. Mai 2019, 20:08



Konkret: wenn ich mich als Frau sexy aufbrezle, dann haben meine erotischen Empfindungen dabei zwei gleichermaßen euphorische, aber trotzdem in ihrer Qualität höchst unterschiedliche Komponenten: auf der einen Seite ist da die Frau in mir, die es erotisch genießt, sich weiblich schön zu zeigen, sich darzustellen, Blicke auf sich zu ziehen, potenzielle Partner zu locken, mit den weiblichen Reizen und ihrer Wirkung auf potenzielle Partner zu spielen... Aber auf der anderen Seite ist da schon auch noch ein Stück weit (wenn auch im Vergleich zu den meisten Männern unterentwickelt) der Kerl in mir da, der dieses Weibliche eben nicht als sich darstellendes Selbst, sondern als geiles, äußeres OBJEKT wahrnimmt und mit MÄNNLICHER Sexualität darauf reagiert - um so mehr, je perfekter die weibliche Selbstdarstellung gelingt. Da haben wir ihn schon, den sexuellen Kurzschluss innerhalb der eigenen Person - die "Autogynophilie".

Das ist einfach nur logisch bei einem Menschen, der sexuell beide Komponenten in sich hat; verwunderlich wär's eher, wenn es NICHT so wäre... Dass sich so viele von uns mit diesem Gedanken schwer tun, liegt an einer unter (MzF-)Transsexuellen sehr verbreiteten Lebenslüge: "Ich bin Frau". Das hätten wir gerne so, es stimmt aber in den meisten Fällen nicht: bis zu einem gewissen Grad (freilich viel weniger als "normale" Männer) sind und bleiben wir eben AUCH Mann. Auch psychisch - jedenfalls weit mehr, als das bei cis-Frauen üblicherweise der Fall ist. Um unsere "Autogynophilie" zu verstehen und positiv zu integrieren, müssen wir dieses restliche Stück Mann in uns akzeptieren: Autogynophilie ist kein Fetisch, kein Objektersatz, keine Perversion - sondern einfach nur das Stück stinknormale, männlich-heterosexuelle Sexualität, das in sehr vielen von uns eben auch noch da ist, trotz allem "trans". Die reagiert nun mal auf alles Weibliche, auch wenn es sich an uns selber manifestiert.

Ah, interessant. So erlebe ich es bei mir nicht ganz. Als ich noch transitionierte habe ich mich oft im Spiegel betrachtet und fand mich schön. Geil auf mich war ich etwas. Aber was mich viel mehr Anspricht ist der empfundene Unterschied der Geschlechter. Da kommt für mich der meiste Reiz her. Gibt es keine Unterschiede verschwindet der Reiz auch, das habe ich auch schon gemerkt. Mmh, vielleicht verwechsel ich auch transvestitischen Fetischismus mit Autogynophilie. Denn in meiner Transition habe ich ja germerkt, dass ich gar nicht Frau sein will (nach jedem Outing gings mir schlechter), mir gings bloß um den Körper. Und erst mit dem weiblichen Körper konnte ich sexuell überhaupt mich auf andere Menschen einlassen. Außerdem konnte ich erst als ich mich als Frau sah, zugestehen auf Männer zu stehen.

Vielleicht muss ich es auch nicht als ein starres Label sehen, sondern als sich stätig entwickelnden Prozess. Bei dem sich Phasen der Autogynophilie sich mit Phasen des transvestitischen Fetischismus ablöst und anderen noch nicht weiter definierten Sachen.

melanie.gap

Re: Autogynophilie

Post 15 im Thema

Beitrag von melanie.gap » Do 30. Mai 2019, 01:06

Hallo ihr Lieben,

es mag ja ein sehr interessantes Thema sein, aber ich fühle mich mit meinen Alltagsproblemen hier intellektuel überfordert. Die Frage ob ich Mann mit Frauen-Anteil bin, oder Frau mit Männeranteil bin erinnert mich etwas an die Frage: Ist die Flasche halbvoll oder halbleer? - Letztlich stimmt beides.

Im Moment muss ich eine für mich wichtige Entscheidung treffen, da ist das Thema net so hilfreich.

Liebe Grüße
Mel

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