Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten
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VanessaL
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Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 1 im Thema

Beitrag von VanessaL » So 13. Okt 2019, 19:32

Die fesche Tina hat geschrieben:
So 13. Okt 2019, 12:45
... , da du hier wahrscheinlich etwas durcheinander bringst. Dieser Thread dreht sich um meine "Crossdressende" Tochter (und mich/Familie). Bisher habe weder ich, noch Jennifer, einen Vergleich zu Transsexuellen gezogen+++ Und aus deinen Kommentaren entnehme ich, dass du dich dazu zählst. Und wie ich es bisher erfahren habe, gibt es unter Crossdressern die "Bezeichnung" Vollzeitfrau und Teilzeitfrau, darauf habe ich mich bezogen. Und nicht wie Transsexuelle ihr Leben als Frau gestalten. Ich kann dazu (oder darüber nichts sagen oder gar beurteilen+++) da ich und Jennifer keinen Bezug dazu haben. Es ist wirklich schön deine Sicht dazu zu lesen, aber bitte bedenke, dass du dich nicht angegriffen fühlen sollst, mir/uns geht es nur darum über das Crossdressing zu schreiben.
Liebe Tina,

ich hoffe es ist OK, dass ich das Thema mal noch nicht sterben lassen, aber aus Eurem/Deinen Bereich herauslöse. Das war, glaube ich, Dein Wunsch und ich finde es auch völlig legitim diesen so auszusprechen. Und nein, ich fühle mich in keiner Weise von Euch angegriffen ... nur übersehen.
Doch zurück zum Thema:

Wer bitte definiert den Begriff Vollzeitfrau? Ich habe da tatsächlich einen Aufklärungsbedarf, denn ich bin als Transsexuelle auch eine Vollzeitfrau. Oder nicht? Und wenn nein, warum nicht? Ich lerne da gerne dazu, komme aber nicht umhin, festzustellen, dass es dann wohl doch nicht so unwichtig ist, Begriffe zu definieren und einheitlich zu verwenden, wie immer getan wird.

Klärt mich doch bitte auf. Vielen Dank und liebe Grüße

Vanessa

PS Ich möchte noch etwas ergänzen, weil ich verwundert über Deine Aussage bin. Eine so deutliche und feste Abgrenzung von Transvestit zu Transexueller_m habe ich noch nicht erlebt und ich persönlich finde es auch fragwürdig, dass Ihr keinen Bezug dazu haben sollt. Schließlich redet Jennifer ja auch öffentlich über Transidente Personen. Da wäre es fatal, wenn sie nicht wüsste über wen sie da gerade spricht. Und ehrlicherweise kann ich mir das bei Ihr auch nicht vorstellen. Möglicherweise habe ich da aber wieder etwas falsch verstanden.
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

Wir brauchen mehr Gelassenheit und weniger Binärität.

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 2 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene » Mo 14. Okt 2019, 09:51

Ich bin gerade erst auf das Thema gestoßen ...wohl auch, weil es jetzt erst in der Überschrift auftaucht. Danke dafür, liebe Vanessa.

Eigentlich sind für mich die Begriffe klar abgegrenzt, die hier diskutiert werden. Nur sind diese Grenzen in der Realität, im Leben, wirklich so wie sie scheinen?

Teilzeit- oder Vollzeitfrauen sind für mich Personen, egal mit welchem Körper geboren, die sich in der Öffentlichkeit eben teilweise oder nahezu vollständig in Kleidung, die von außen der weiblichen Rolle zugeschrieben werden zeigen. Wir denken hier aber fast nur an Menschen, die in die männliche Rolle hinein erzogen wurden, weil sie eben einen männlich gewerteten Körper hatten oder ein solcher für sie hergestellt wurde (Intersexuelle). Schon das ist ja eine Verkürzung.

Wenn ich jetzt mein Leben und seine Windungen betrachte fällt es mir auch schwer für mich klare Grenzen zu erkennen.
Mindestens 35 Jahre habe ich als Mann mit dem Begehren, was die meisten nur einer Frau zugestehen, gelebt. Äußerlich habe ich mich auf teilweise lächerliche Weise bemüht die Erwartung an einen Mann zu erfüllen um ja nicht als "Tunte" gelesen zu werden. Nur selten habe ich mir fröhliche Farben in den Hemden oder gar eine auffällig gemusterte Hose zugestanden und war stolz, wenn Leute mir gesagt haben: "Du, schwul? Das hätten wir nie gedacht!".

Mein Leben lang habe ich den Balanceakt versucht, nicht aktiv zu lügen was mein Begehren angeht. Aber ich habe es vermieden es schon in den ersten Begegnungen zum Thema werden zu lassen, damit nicht mein Begehren alle anderen Facetten meines Wesens überspiegelt. So war in zum Beispiel Arbeitszusammenhängen mein Mann eben die bessere Hälfte bis ein Kollege mich darauf ansprach, dass bessere Hälfte doch eher abwertend sei und ob ich nicht bitte "Frau" sagen könne... wenn ich dann antwortete, dass mein Mann damit nicht einverstanden sei, war mehrmals die Überraschung groß und mein Begehren für zwei bis drei Tage ein Thema. Danach war ich wieder sichtbar.

Jetzt zu dem anderen Aspekt, der hier zum Tragen kommt. Ab wann ist ein Mensch Trans? Reden wir von Transidentität? Ab wann hat ein Mensch das Recht, sich Transfrau oder Transmann zu nennen. Ist der Begriff Transfrau schon abwertend und muss es nicht Frau oder Mann heißen? Ich kann die Fragen nicht beantworten und nur für mich definieren.

Ich sehe bei mir und anderen oft fließende Übergänge und auch Veränderungen in der Selbstfestlegung zu verschiedenen Zeiten. Dabei sehe ich bei mir nur Tendenzen aber keine geradlienige Entwicklung.

Im Augenblick bewege ich mich immer in eher weiblich gewerteter Kleidung, finde die männlich gewertete als unerträglich steif und einengend. Meist ist diese auch schwerer und regelrecht niederdrückend.
Ich nehme pflanzliche Hormone, die meinen Körper sichtbar verändern. Die Körperbehaarung wird dünner, die Taille sichtbarer (trotz Übergewichts*seufz), die Gesichtszüge weicher. Ich lasse meine Hormon- und Körperwerte regelmäßig überprüfen, auch wenn ich mich keiner medizinischen Indikation unterwerfe.
Was ich für mich im Augenblick nach vielfältigen Informationen ausschließe ist eine geschlechtsangleichende Operation. Diese würde einen zwar nicht so gewünschten, voll funktionsfähigen Körper in meinen Augen nur in das Bild einer von der Gesellschaft gewünschten anderen Körpers verwandeln. Ich denke, ich kann keine voll empfindungsfähige und mit Sicherheit funktionsfähige Vulva und Vagina herstellen lassen. Es wird immer nur die äußere Form sein. So sehr ich mir an meinem Körper diese Form vorstellen kann so ist mir doch bei der Abwägung der Vorteile und Nachteile und der Risiken die Gefahr zu groß.

So bin ich mit allen Gegebenheiten die Frau, die ich mit sanften Mitteln und ohne Operationen sein kann.

Ich hoffe, dass ich mit diesem langen Text zum Nachdenken anrege, zu angeregter Diskussion, aber niemanden verletzt habe. Mir hat es gut getan, diese Gedanken klar zu formulieren und auch mir selber zu verdeutlichen.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 3 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 14. Okt 2019, 09:54

Zunächst einmal dazu:
VanessaL hat geschrieben:
So 13. Okt 2019, 19:32
Wer bitte definiert den Begriff Vollzeitfrau? Ich habe da tatsächlich einen Aufklärungsbedarf, denn ich bin als Transsexuelle auch eine Vollzeitfrau. Oder nicht?
Der Begriff "Vollzeitfrau" macht natürlich nur Sinn als Ergänzung zum Begriff "Teilzeitfrau" und bezeichnet jemanden, die gerade bemerkt hat das "Teilzeit" nicht (mehr) korrekt ist.
Daher bezeichnet der Begriff Vollzeitfrau in wirklichkeit garkein Geschlecht, sondern einen - wenn auch recht kurzen - Entwicklungsabschnitt.
Ähnlich dem Begriff "Lichtjahr", der keine Zeit bezeichnet, sondern eine Strecke.

Meine Gedanken zu den Begriffen wie Crossdresser, Teilzeitfrau, Transvestit usw. bis hin zu Transfrau oder cis-Frau.
Es gibt keine absolute Definition, was männlich oder weiblich ist. Jeder definiert es für sich, viele sehr ähnlich, aber wohl nie absolut gleich.
Nicht nur das jeder, der/die sich als Mann oder Frau fühlt, sein Geschlecht nach seinem Gefühl definiert, auch diejenigen, die nicht zu den beiden etablierten Geschlechtern gehören, möchten sich identifizieren können.
Für mich bedeutet es da sind Milliarden von Geschlechtern, zusammengequetscht in zwei Begriffe.
Dass das nicht gut gehen kann scheint sich gerade in der Welt rumzusprechen.
Wieviele davon mögen sich mit dem Begriff "Mann" identifizieren?
Pi mal Daumen schätze ich mal ein Drittel.
Wenn ich jetzt mal so überlege...
Angefangen von irgendwelchen Gedanken beim Anblick einer Fsh oder eines hübschen Slips bis hin zur Dragqueen, welcher Mann fällt da wohl drunter?
Ich könnte wetten, mehr als die Hälfte. Aber selbst wenn es nur jeder zehnte ist bleiben da immer noch zig Millionen, von denen sich jeder etwas anders definiert.
Wenn sich davon nur jeder zehnte Gedanken darum macht wie er sich einsortieren soll bleiben da immer noch Millionen von Induvidien.

Wundert mich überhaupt nicht, das wir da mit einer Handvoll Begriffen nicht weit kommen.



Nachtrag:
Bei all dem hab ich die Entwicklung, die wir ja alle durchlaufen, garnicht bedacht.
Mag ja sein das da jemand, was den Anteil seiner eigenen weiblichkeit betrifft, unverändert bleibt.
Allerdings denke ich das ist eher die Ausnahme.
Womit zu den Millionen von Induvidien noch Millionen von Entwicklungsstadien hinzu kommen.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 4 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene » Mo 14. Okt 2019, 11:45

Joe95 hat geschrieben:
Mo 14. Okt 2019, 09:54
Nachtrag:
Bei all dem hab ich die Entwicklung, die wir ja alle durchlaufen, garnicht bedacht.
Mag ja sein das da jemand, was den Anteil seiner eigenen weiblichkeit betrifft, unverändert bleibt.
Allerdings denke ich das ist eher die Ausnahme.
Womit zu den Millionen von Induvidien noch Millionen von Entwicklungsstadien hinzu kommen.
...und selbst da ist der Begriff Entwicklung zu kurz. Es muss mindestens für jede*n von uns von Entwicklungen gesprochen werden, da viele Aspekte sich in viele Richtungen entwickeln...

Jede Persönlichkeit muss Ihren Weg finden.

Liebe Grüße
Marlene

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 5 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 14. Okt 2019, 12:01

Ralf-Marlene hat geschrieben:
Mo 14. Okt 2019, 11:45
Jede Persönlichkeit muss Ihren Weg finden.
Stimmt.
Und wenn ich jetzt mal so überlege wie viele es gibt...
Ob unsere Sprache jemals allen gerecht werden kann?
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 6 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene » Mo 14. Okt 2019, 13:19

Ich denke nein, wir können uns nur annähern. Aber auch das ist wichtig.
Marlene

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 7 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 14. Okt 2019, 14:03

Hallo Vanessa,

ich denke, das Thema Begrifflichkeiten ist schwierig und einfach zu handhaben. Schwierig deshalb, weil es keine absolute Definition gibt. So werden zwei Menschen Begriffe immer unterschiedlich verstehen. Es geht mMn gar nicht anders.

Es wird in den Augenblick einfach, wenn ich versuche zu verstehen, was der Andere meint. Wenn ich z.B. also den Begriff "Teilzeitfrau" als sehr unglücklich betrachte (ich bin ja die ganze Zeit ich selber, egal, wie ich mich präsentiere) und mich spricht jemand als Teilzeitfrau an, liegt es an mir, diese Aussage zu verstehen. Ob ich beleidigt bin oder nicht, liegt nur an mir. Ich kann auch versuchen zu verstehen, was der Andere meint. Er könnte der Ansicht sein, dass ich mich nur teilweise als Frau zu erkennen gebe.

Für mich bedeutet gute Kommunikation, Verständis zu entwickeln, was der Andere ausdrücken will. Dazu muss ich mich ein Stück weit von meinen eigenen Sichtweisen lösen. Die Bewertung von Begriffen kann eine Kommunikation erheblich stören. Aber dafür muss man immer wieder klären, ob man noch über das gleiche redet. Die fehlende Definition wird durch einen höheren Aufwand im Gespräch kompensiert. Je genauer das gemeinsame Verständnis ist, um so einfacher ist der Austausch. So gibt es im Sprechfunkverkehr definierte Sprachabläufe (teilweise automatisiert), damit der Aufwand klein gehalten wird. Bei einem SOS ist sofort klar, dass ein Menschenleben in Gefahr ist und Hilfe benötigt. Auf der Ebene kann man aber keine komplexen Gespräche führen. Grün kennt jeder, Blau auch. Aber die Zwischenstufen sind unklar: Was ist noch grün und was ist schon blau ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 8 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie » Mo 14. Okt 2019, 14:37

Huhu!

Entschuldigt bitte aber das sind doch alles träumerein und Mumpitz!

Natürlich gibt es definierte Begriffe.
Das Problem sind doch unsere persönlichen Befindlichkeiten. Der/die eine mag den Begriff Crossdresser nicht und definiert sich deshalb über Teilzeitfrau. Der nächste legt die Begriffe wieder für sich selbst anders aus.

Ich tippe einfach mal dass es Vanessa im wesentlichen hier rum geht:
Schließlich redet Jennifer ja auch öffentlich über Transidente Personen. Da wäre es fatal, wenn sie nicht wüsste über wen sie da gerade spricht. Und ehrlicherweise kann ich mir das bei Ihr auch nicht vorstellen. Möglicherweise habe ich da aber wieder etwas falsch verstanden.
Und da Stimme ich ihr voll und ganz zu!
Geht es darum Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, braucht es definierte Begriffe. Ein Oberbegriff deckt ja auch immer eine ganze Bandbreite an unterschiedlichen Facetten ab. So wie eine Vogelspinne keine schwarze Witwe Ist, aber beides Arachnoiden.
Wenn ich mich also für meine Minderheit bei der breiten Masse einsetzen möchte, muss ich es auch verständlich machen können.
Das geht nicht wenn ich von einer Million Geschlechtern rede.
So sieht nun mal die Realität aus.

Und ich denke darum sollte es auch in diesem Thread gehen. Nach dem Motto "müsste ich mich einer Kategorie unterordnen , dann wäre ich, weil"

Über individuelles empfinden kann man keine Diskussion führen. Wozu auch? Warum sollte man jemanden davon überzeugen wollen dass er in seinem selbst falsch liegt?!

LG Rabea

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 9 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 14. Okt 2019, 15:27

Rabea-Marie hat geschrieben:
Mo 14. Okt 2019, 14:37
Natürlich gibt es definierte Begriffe.
Ich denke, es gibt eher Erklärungen als Definitionen. Definitionen haben die Eigenart, eindeutig und allgemein anerkannt zu sein. Das dürfte in der Sprache eher selten der Fall sein ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 10 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie » Mo 14. Okt 2019, 15:53

Es gibt 4 Begriffe.

Transvestismus, Transsexualität, Intersexualität und Queer.
Ich würde Crossdresser als sich erstarkenden Begriff gelten lassen weil Transvestit im allgemein als zu negativ behaftet gesehen wird.

Diese vier finden Anwendung in Forschung und Statistik. Somit würde ich sie als definiert bezeichnen.

LG Rabea

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 11 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 14. Okt 2019, 16:00

Rabea-Marie hat geschrieben:
Mo 14. Okt 2019, 15:53
Diese vier finden Anwendung in Forschung und Statistik. Somit würde ich sie als definiert bezeichnen.
Ok, das möchte ich dir gerne glauben, aber wie sind die Definitionen?
Männlich und weiblich, Mann und Frau sind ebenfalls Begriffe, die in Forschung und Statistik vorkommen.
Wie werden die definiert?
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 12 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie » Mo 14. Okt 2019, 16:34

Falls du dich jemals nochmal fragst wieso es für uns so schwer ist in der Gesellschaft Fuß zu fassen und anerkannt zu werden...

Lies nochmal deinen letzten Post.

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 13 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene » Mo 14. Okt 2019, 17:22

Rabea-Marie hat geschrieben:
Mo 14. Okt 2019, 15:53
Es gibt 4 Begriffe.

Transvestismus, Transsexualität, Intersexualität und Queer.
Ich würde Crossdresser als sich erstarkenden Begriff gelten lassen weil Transvestit im allgemein als zu negativ behaftet gesehen wird.

Diese vier finden Anwendung in Forschung und Statistik. Somit würde ich sie als definiert bezeichnen.

LG Rabea
Liebe Rabea,
ich finde mich im Begriff Queer wieder, aber in keinem der anderen Begriffe und bin trotzdem Trans*... auch in der Wissenschaft sind diese Begriffe nicht ganz eindeutig besetzt. Ein Soziologe definiert Transsexuell sicher in weiterem Rahmen als ein Arzt.
Ich finde es wichtig, auch dies bei unserer Außendarstellung mitzuteilen.
Marlene

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 14 im Thema

Beitrag von VanessaL » Mo 14. Okt 2019, 19:57

Ralf-Marlene hat geschrieben:
Mo 14. Okt 2019, 09:51
Teilzeit- oder Vollzeitfrauen sind für mich Personen, egal mit welchem Körper geboren, die sich in der Öffentlichkeit eben teilweise oder nahezu vollständig in Kleidung, die von außen der weiblichen Rolle zugeschrieben werden zeigen.
Guten Abend!

Ich habe fleißig mitgelesen und möchte keinem wirklich widersprechen.

Als ich mich vor etwa sieben Jahren in den "Sumpf" der Foren gewagt hatte, war mit schnell klar, dass nichts klar ist. Bei dem einen Forum sind Transsexuelle (TS) wilde Sexmonster und in dem anderen Menschen, die das Geschlecht wechseln. Variationen bis ins unendliche denkbar.
Ich habe sehr lange gebraucht, um zu verstehen, dass es da gar nichts zu verstehen gibt, denn jeder hat so sein eigenes Süppchen gekocht und gegen andere Köche geschossen. Wie froh war ich, als rational geprägter Mensch, auf den ICD zu stoßen. Endlich mal eine Definition, der ich logisch folgen konnte. Und doch musste ich schnell feststellen, dass dies eben nur aus binärer Sicht so wirklich passt. Auch wollten sich Menschen auf einmal nicht mit Transvestiten vergleichen lassen, den die waren ja "bäh" und eigentlich "alles" Fetischisten.
Aus meiner heutigen Sicht sind die Definitionen des ICD die Orietierungsgrößen oder besser -bezeichnungen, weil der sie auch "staatlich" verwendet werden. Alles andere ist nicht eingeführt und wir gebogen und gebrochen was das Zeug hält. Ich selbst finde den ICD zum Teil gruselig, aber, was will man da machen. Solange der Duden die Begriffe nicht aufgenommen und definiert hat, werden wir uns wohl immer (zumindest in Teilen) uneinig sein und, was ich persönlich aber als viel schlimmer erachte, jeder der sich neu mit dem Thema beschäftigen muss, wird gezwungen, sich erst einmal eine eigene Definition zu suchen. Nicht dass dies grundsätzlich schlimm wäre, aber soweit ich mich erinnere, habe ich Orientierung gesucht und "Chaos" gefunden. Was das mit einem Menschen macht, der selbst gerade ein wenig Gaga ist, kann sich jeder ausmalen. Hilfreich ist das sicher nicht.
Um es mal ganz klar zu sagen: Die Begriffe Teilzeit- und Vollzeitfrau sind Kunstwörter, mit deren Hilfe man versucht sich abzugrenzen. Eine Teilzeitfrau ist ein Transvestit oder wer den Begriff nicht mag, eben auch Crossdresser. Aber vielleicht auch eine Frau, die nur in Teilen als Frau leben und auf der anderen Seite eben Mann sein möchte. Ich finde die Definition von Ralf-Marlene da gar nicht schlecht. Durchbricht sie doch die einseitige Sichtweise des Forums - nämlich aus reiner (verzeiht mir diese Worte) Männerperspektive. Demnach ist eine Biologische Frau eine Vollzeitfrau, oder eben auch eine Transfrau. Persönlich hakt es da aber wiederum an anderer Stelle. Ich bin eine (Trans)Frau. Wenn ich männliche Sachen tragen, bin ich das noch immer. Trotzdem bin ich eine VollzeitFrau. Es kann also nicht nur an den Klamotten liegen, wie Transvestiten/Crossdresser eben glauben wollen.
Die Krucks bei dem Ganzen ist eben auch, dass ich immer Frau bin. Ich kann mich anziehen wie ich möchte. Einen Penis haben oder Post-OP sein. Einen Bart haben oder nicht. Ich bin eine Frau. Das steht in meiner Geburtsurkunde und in meinem Reisepass, auf meiner Krankenkassenkarte und im Aufforderungsschreiben, die Mammographie zu besuchen. Das nenne ich mal Vollzeitfrau. Was ist Vollzeit bei einem Transvestiten oder einem Crossdresser?

Bislang habe ich dazu noch keine mir schlüssige Antwort gefunden, außer, dass die Begriffe eigentlich unsinnig sind oder zumindest so verwendet werden.
Ich warte ja noch auf die Antwort von Tina und Ihrer Tochter. Vielleicht bringt das dann mehr Helligkeit ins Dunkle.
Und vielleicht sollten wir dann eine Arbeitsgruppe gründen, um diese Begriffe für alle User intern mal festzuschreiben. Und - das meine ich nicht ironisch

Alles Liebe
Vanessa
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 15 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » Mo 14. Okt 2019, 20:22

VanessaL hat geschrieben:
Mo 14. Okt 2019, 19:57
Demnach ist eine Biologische Frau eine Vollzeitfrau, oder eben auch eine Transfrau. Persönlich hakt es da aber wiederum an anderer Stelle. Ich bin eine (Trans)Frau. Wenn ich männliche Sachen tragen, bin ich das noch immer. Trotzdem bin ich eine VollzeitFrau. Es kann also nicht nur an den Klamotten liegen, wie Transvestiten/Crossdresser eben glauben wollen.
Die Krucks bei dem Ganzen ist eben auch, dass ich immer Frau bin. Ich kann mich anziehen wie ich möchte. Einen Penis haben oder Post-OP sein. Einen Bart haben oder nicht. Ich bin eine Frau. Das steht in meiner Geburtsurkunde und in meinem Reisepass, auf meiner Krankenkassenkarte und im Aufforderungsschreiben, die Mammographie zu besuchen. Das nenne ich mal Vollzeitfrau. Was ist Vollzeit bei einem Transvestiten oder einem Crossdresser?
Hi..

hmm ich befürchte darauf wird es keine Antwort geben, weil sie nämlich keine haben oder geben möchten.

Ich habe auch schon mehrfach aufgelegt, das es nicht am Styling, an den Klamotten oder sonstigen Äusserlichkeiten hängt
und was war? Abgeblitzt..
Frau ist Frau...
da fällt mir ein Zitat von Udo Rauchfleisch ein.."vor mir sassen Bären mit Vollbärten die eindeutig trans*sexuell waren".
Frau ist Frau...

was Crossdresser sind weiss ich theoretisch, aber es muss mir wer genauer erklären, da ich es nicht fühlen kann.
Ich kann es nicht, weil ich es nie war..

Alles Liebe Marie (flo)
I´ve known the wind so cold, i´ve seen the darkest days, but now the winds i feel are only winds of change

Always be yourself, unless you can be a unicorn, then always be a unicorn

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