Bewerben & Jobsuche als Transgender
Bewerben & Jobsuche als Transgender - # 2

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triona
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Re: Bewerben & Jobsuche als Transgender

Post 16 im Thema

Beitrag von triona »

Kerstin65 hat geschrieben:
Sa 5. Jan 2019, 18:02
Wieso diskrimiere ich Geburtshelfer ? Ist es nicht so, dass nur Frauen Hebammen werden dürfen ? Vielleicht hat sich das ja zwischenzeitlich geändert. Mir fiel nur kein anderer Beruf ein, der nur von Mann oder Frau ausgeübt werden darf. Jedenfals war es mal so.

Also wenn's so sein soll, dann war's Unkenntnis :-P :-D

Die Diskussion bringt aber nichts. Ich wollte damit nur sagen, dass im Rahmen von Diskriminierungsverbote manche Fragen auch unzulässig sind und der Bewerber falsch beantworten darf. Vielleicht hilft' s im Einzelfall

Entschuldige bitte die flapsige und scherzhafte Ausdrucksweise. Ein einfacher Hinweis, daß du dich geirrt hattest, hätte genügt. Eine Diskussion über dieses Nebenthema wollte ich eigentlich nicht anleiern.


liebe grüße
triona

ExuserIn-2019-12-22
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Diskriminierung im Beruf

Post 17 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

"Ich möchte bei einer Bewerbung nicht mit 'Sehr geehrter Herr' oder 'Sehr geehrte Frau' angesprochen werden"

Artikel aus der Zeit Online. Für mich kostenlos zu lesen. Ich denke es passt hier einigermaßen rein, daher eröffne ich keinen neuen Thread.

https://www.zeit.de/arbeit/2019-10/disk ... 2#comments

Michaela M.
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Re: Bewerben & Jobsuche als Transgender

Post 18 im Thema

Beitrag von Michaela M. »

Kerstin65 hat geschrieben:
Sa 5. Jan 2019, 09:45
Wenn jemand wegen seiner geschlechtlichen Identität abgelehnt wird, kann's für den Arbeitgeber teuer werden. Nach dem AGG (Allgemeine Gleichheitsgesetz) kann Schadensersatz verlangt werden.
Hallo!
Ich möchte hier auch mal an die Menschen mit Schwerbehinderungen hinweisen, die in vielen Firmen als Arbeitnehmer abgelehnt werden und sich die Arbeitgeber auch noch Freikaufen können. Bin selbst schwerbehindert mit zur Zeit 80 % und Trans, meine Chance am Arbeitsmarkt trotz Qualifizierung ist gleich null, wenn ich noch arbeiten könnte. Das weiss ich, da meine Frau in der Personalabteilung eines Werkes arbeitet, ich vor der jetzigen Krankheit Marktleiter, damals mit 50 % Schwerbehinderung, von einem großen Baumarkt und davor als Arbeitnehmer in einem anderen Unternehmen Betriebsratvorsitzender. Konnte immer mit Leistung überzeugen, doch beim letzten Arbeitgeber wurde ich aussortiert nach einem Arbeitsunfall und dem Outing bei der Geschäftsleitung. Der Chef rief mich damals Zuhause an und sagte eiskalt, dass man so jemanden wie mich nicht in der Unternehmensgruppe wolle. Da es ein befristeter Vertrag war, wurde ich bis zum Ende weiter bezahlt und wurde kurz vor Vertragsende krank geschrieben von meinem Psychiater. Arbeitsgericht, hatte ja keinen Beweis für das Gespräch, hatte ja nur einen befristeten Vertrag, wie es in dem Unternehmen für Führungskräfte üblich war.

Wenn man eine Begründung für die Ablehnung von der Firma möchte wo man abgelehnt wurde, hat man so gut wie keine Chance den wahren Grund zu erfahren.
Es gibt eine Auflistung mit Gründen die verwendet werden sollen bei Absagen, die alle nicht anfechtbar sind. Man hat dann z. B. einen besser qualifizierten Mitarbeiter gefunden, wie möchte man da das Gegenteil beweisen. Als Bewerber ist man in der Beweispflicht, wie es mal in einer Weiterbildung durch einen Anwalt hieß. Etwas besser sieht es aus, wenn der Betriebsrat aus dem Bewerberpool einen Bewerber zur Einstellung empfiehlt und zum Informationsgespräch einlädt, was auch per Telefon erfolgen kann. Wir konnten so zwei Schwerbehinderten helfen eine Stelle im Unternehmen zu bekommen. Beide waren besser qualifiziert wie alle anderen Bewerber, landeten aber beim Marktleiter auf dem abgelehnt Stapel, da sie im Lebenslauf eine große Lücke mit Krank, Arbeitslos hatten. Hätte der ML sich geweigert oder den Bewerbern abgesagt, wären wir zusammen mit den Bewerbern vors Arbeitsgericht gezogen-
Das es Fördergelder von der Agentur für Arbeit gab für die Wiedereingliederung, spielte für unseren Marktleiter keine Rolle. Nur waren wir kein Betriebsrat der sich nur die Wünsche der Geschäftsleitung vorlegen ließ und alles abnickte, sondern sich alle Unterlagen sichtete und selbst Kandidaten auswählte.
Falls die Möglichkeit besteht, fragt bei der Agentur für Arbeit nach ob ihr Eingliederungshilfe bekommen könnt. Man muss hier im Vorfeld oft selbst suchen und den Mitarbeitern dort dann alles vorlegen. Wenn es klappt, teilt ihr das dem Arbeitgeber mit, Kommt dann ein Absage mit dem Satz: " Trotz gleicher Qualifikation haben wir uns für einen anderen Bewerber entschieden", ist die Chance gut für eine Klage z. B. wegen Diskriminierung oder einer Einstellung. Das ist aber wieder ein anderes Thema, wo ich hier nicht in die Tiefe gehen möchte.
Ihr seht das Menschen mit Schwerbehinderung das gleiche Schicksal teilen. Vielleicht sollten sich beide Gruppen bei diesem Thema zusammen tun, um eine besser Lobby zu haben, damit mehr Menschen es leichter haben einen gutbezahlten Job zu finden, von dem man ohne Untersützung leben kann.

Gruss
Michaela M.
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Kerstin65
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Re: Bewerben & Jobsuche als Transgender

Post 19 im Thema

Beitrag von Kerstin65 »

Hallo Michaela,

zu Deinem langen Bericht möchte ich nur ganz kurz etwas anmerken. Du schreibst:
Michaela M. hat geschrieben:
Di 5. Nov 2019, 14:26
Als Bewerber ist man in der Beweispflicht, wie es mal in einer Weiterbildung durch einen Anwalt hieß.
Das ist so nicht ganz richtig. In § 22 AGG steht: "Wenn in einem Streitfall die eine Partei Indizien beweist, die eine Benachteiligung wegen eines in § 1 genannten Grundes vermuten lassen, trägt die andere Partei die Beweislast dafür, dass kein Verstoß gegen die Bestimmungen zum Schutz vor Benachteiligung vorgelegen haben. "

Hier muss die betroffene Person nur Indizien beweisen. Eine Diskriminierung muss sie nicht beweisen. Hier trägt dann die andere Seite Beweislast, dass keine Diskriminierung vorlag.
Liebe Grüße aus Franken
Kerstin

Michaela M.
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Re: Bewerben & Jobsuche als Transgender

Post 20 im Thema

Beitrag von Michaela M. »

Kerstin65 hat geschrieben:
Di 5. Nov 2019, 18:48
Hier muss die betroffene Person nur Indizien beweisen. Eine Diskriminierung muss sie nicht beweisen. Hier trägt dann die andere Seite Beweislast, dass keine Diskriminierung vorlag.
Hallo Kerstin!
Ich habe geschrieben das man eine gute Chance auf eine Klage z. B. wegen Diskriminierung hat, wenn die Absage entsprechend ablehnend formuliert ist.
Die Aussagen des Anwalts stammen aus der Praxis, Fälle die er im Auftrag der Gewerkschaft für Betriebsräte, Arbeitnehmer etc. vertreten hat. Deswegen ist man in der Beweispflicht, den Indizien lassen sich für Anwälte für Arbeitsrecht sehr leicht wiederlegen. Es liest sich immer so schön was in den Gesetzen steht, doch gibt es auch genug Hintertürchen wie man diese Paragraphen umgehen kann. Habe in der Praxis einiges vor Arbeitsgerichten, Landesarbeitsgericht erlebt, wo man laut Gesetz sicher war das der Arbeitnehmer gewinnt, die Anwälte der Arbeitgeberseite alles zerlegten und nur durch einen Verfahrensfehler es zu einem Vergleich kam.
Handelt es sich um eine korrekte Absage, die sich an die vorher oben im Text genannte Liste hält, helfen Indizien gar nichts. Wie will man beweisen das der eingestellte Mitarbeiter nicht besser qualifiziert, geeignet ist, wie man selbst.
Durch meine Frau bekomme ich noch so einiges mit und sehe es ja auch wenn sich Leute bei uns bewerben und erzählen was sie bei der Arbeitssuche so alles erlebt haben.
Wie heißt es doch immer so schön, Papier ist geduldig und Theorie und Praxis sind zwei paar Stiefel!
Gruß
Michaela M.
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Re: Bewerben & Jobsuche als Transgender

Post 21 im Thema

Beitrag von Rominalein »

Dieses Wochenende ist es bei mir so weit, dass ich Bewerbungen schreiben muss, da ich bald mit dem Studium fertig bin. Ich bin zwar schon in Therapie, aber meine Personenstandsänderung liegt noch in weiter Ferne. Als nächstes steht erstmal die Hormontherapie an. In ein paar Wochen starte ich hoffentlich schon damit. Jetzt bin ich mir unsicher wie ich meine Bewerbung schreiben soll... Meine Idee wäre, dass ich sowohl meinen männlichen Vornamen als auch meinen weiblichen Wunsch-Vornamen angebe und mich direkt mit einem weiblichen Bewerbungsbild bewerbe, weil ich ja auch so während der Arbeit aussehen werde.
Ich würde auch gerne direkt als Frau zum Bewerbungsgespräch gehen, also direkt mit offenen Karten spielen. Ich habe leider noch keine offiziellen Dokumente, deshalb bin ich mir unsicher wie ich das am besten anstelle. Im Lebenslauf habe ich bei meinem Namen eine Information beigefügt, dass ich Transfrau bin und um eine weibliche Anrede bitten würde.
Glaubt ihr, dass das gut so ist? Oder hättet ihr einen anderen Vorschlag bzw. Rat?
Zuletzt geändert von Rominalein am Sa 18. Jul 2020, 11:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Bewerben & Jobsuche als Transgender

Post 22 im Thema

Beitrag von Helga »

Hallo Romina,
du brauchst keine HET oder sonstige medizinische Maßnahmen um eine Personenstandsänderung zu beantragen. Wer etwas anderes erzählt ist fast zehn Jahre hinter der Zeit. Für die Zwischenzeit kannst du relativ kurzfristig den DGTI Ausweis beantragen https://dgti.org/ergaenzungsausweis.html
Wenn du zum Bewerbungsgespräche oder irgendwann im Laufe der Probezeit als Frau erscheinen willst, ist es auf jeden Fall das Beste mit offenen Karten zu spielen. Eigentlich sollte das Geschlecht bei der Auswahl der Bewerber keine Rolle spielen, faktisch ist dies noch lange nicht so. Es wird sicherlich niemand so dumm sein dies offen zu zugeben, Gründe für eine Ablehnung lassen sich schon irgendwie konstruieren. Du ersparst dir Vorstellungsgespräche bei homophoben Arbeitgebern, die innerlich aus allen Wolken fallen, dich kurz und knapp abarbeiten und unter vorgeschobenen Gründen ablehnen.
Mach es so!
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.

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Re: Bewerben & Jobsuche als Transgender

Post 23 im Thema

Beitrag von Rominalein »

Hallo Helga,
danke für die Info. Da muss ich nochmal mit meinen Therapeuten reden...
Den dgti Ausweis habe ich tatsächlich schon beantragt und der ist vor kurzem auch schon angekommen!
Dann werde ich einfach alles ganz offen beschreiben - auch in der Bewerbung schon. Und wer mich dann ablehnt, der wäre sowieso kein guter Arbeitgeber für mich, ja.

Andrea aus Sachsen
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Re: Bewerben & Jobsuche als Transgender

Post 24 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Hallo Romina,
wenn du über kurz oder lang komplett als Frau leben wirst, wäre es kontraproduktiv, deinem künftigen Arbeitgeber etwas anderes vorzuspielen. Also bewirb dich als Frau mit entsprechendem Foto und gehe als solche auch zum Vorstellungsgespräch!
Vor vier Jahren war ich in einer ähnlichen Situation wie du heute: Auf Arbeitssuche, aber noch mit „falschen Papieren“. Wie ich dabei vorgegangen bin, hatte ich bereits an anderer Stelle geschrieben:
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:
Fr 4. Jan 2019, 01:19
Zum Zeitpunkt der Bewerbung bereits in der neuen Rolle lebend, aber noch mit dem alten Namen in einigen Dokumenten. Als ich unter diesem Gesichtspunkt meine Bewerbungsunterlagen noch einmal durchsah, überkam mich ein ungutes Gefühl. Wenn ein Personalverantwortlicher verschiedene Namen liest, aber zu der Erklärung dafür irgendwo im „Kleingedruckten“ noch nicht vorgedrungen ist, dürfte sein erster Gedanke sein: „Hier stimmt doch etwas nicht.“ Ein denkbar schlechter Einstieg in den Bewerbungsprozess, der in vielerlei Hinsicht von ersten Eindrücken bestimmt wird.
Ich ließ daraufhin mein letztes Arbeitszeugnis ändern. Mit dem dgti-Ergänzungsausweis ging das ganz unbürokratisch. In meinem Diplomzeugnis bzw. der elektronischen Kopie davon, habe ich den Namen selbst geändert. Andere Dokumente brauchte ich nicht. Das mag zwar nicht ganz „astrein“ sein, doch sollte sich jemand daran stören, wäre ich in dieser Firma wohl eher fehl am Platz.
Jetzt hatte ich komplett „weibliche“ Bewerbungsunterlagen. Diese Vorgehensweise hat meines Erachtens den großen Vorteil, dass die Personalverantwortlichen sich zunächst auf die fachlichen Belange konzentrieren können und sich nicht mit der ihnen möglicherweise wenig bekannten Trans*-Problematik beschäftigen müssen. Zum Ende des Vorstellungsgespräches (falls es dazu kam) hatte ich aber dann „die Karten auf den Tisch“ gelegt.
Über diese Vorgehensweise mag man geteilter Meinung sein, aber ich war damit letztendlich erfolgreich und würde es jederzeit wieder so machen.
Folgende Benutzer bedankten sich bei AutorIn Andrea aus Sachsen für den Beitrag:
Rominalein (So 19. Jul 2020, 08:15)
Bewertung: 1.61%
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

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