Marlins Fortschritte
Marlins Fortschritte - # 2

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Jaddy
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Re: Marlins Fortschritte

Post 16 im Thema

Beitrag von Jaddy » So 30. Sep 2018, 00:27

Superklasse! Meine herzlichsten Glückwünsche. Das ist ja toll gelaufen. Wunderbares Ergebnis, aber auch toll, dass Du Dich da hin getraut hast. Und Kudos an die Leute da, die das so professionell gemacht haben.

Frieda
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Re: Marlins Fortschritte

Post 17 im Thema

Beitrag von Frieda » So 30. Sep 2018, 08:22

Marlin! Ich strahle soooooo sehr bei deinem erzählten Erlebnis vom ersten schminken. ))):s ))):s ))):s 👍
Ich weiß, wie schnell man einem Seelengift verfallen kann, aber manchmal, manchmal liebe Marlin (so finde jedenfalls ich!) manchmal darf man sich diesem auch hingeben, weil ich denke in eurem Fall, ist es schon eher eine Erlösung sich selbst, nach X- Jaaahren des langen Wartens, endlich glücklich fühlend im eigenen Spiegelbild so betrachten zu können!!!!

Zu dieser App möchte ich gern auch noch etwas sagen dürfen bitte! Mein bester Freund ein Transmann hat diese App auch und er ist auch sehr zufrieden damit, fast ähnlich erlebt wie du beschrieben hast. Oft genug gibt es Situationen, wo er sich selbst, seinen Ziel betrachtend, Kraft daraus schöpft....uuuuund außerdem sieht er auch wirklich gut aus darauf!👍

Ich werde dein Erzähltes hier auch zukünftig hoch interessiert lesen und ich wünsche dir von ganzen Herzen ganz ganz ganz viel Geduld (übe dich einfach immer wieder aufs neue darin und lass dich bitte dabei nicht entmutigen, der Lohn dafür wird dich in allen Bereichen deines Lebens bereichern!).

Namaste🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*

Marlin
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Re: Marlins Fortschritte

Post 18 im Thema

Beitrag von Marlin » Fr 12. Okt 2018, 16:31

Hallo liebe Gemeinde,
eigentlich gibt es seit meinem letzten Post keine Fortschritte zu berichten. Der Körper verändert sich nicht und die Termine für die ersten Besuche beim Psychodoc und bei der SHG wollen einfach nicht näher kommen. Aber ich muss mal meinen seelischen Ballast hier abwerfen.

Damit es zumindest gefühlt etwas voran geht, habe ich begonnen meinen psychosozialen/transident Lebenslauf zu schreiben. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Psychiater oder offizielle Stellen sowas manchmal verlangen. Ich sehe es eher als eine gute Möglichkeit der Selbstreflexion an, genau wie hier im Forum zu schreiben. Dabei fällt mir vor allen eins auf: Je mehr ich über mein Leben nachdenke, umso mehr Anzeichen für TS finde ich auch in früheren Jahren. Sachen, die ich bis heute gar nicht damit in Verbindung gebracht habe, oder die ich fast schon vergessen habe.

Die Hormone tun übrigens doch ihre Wirkung entfalten. Allerdings nicht so, wie ich es mir wünsche. Letzte Woche Samstag wurde ich mal wieder etwas schwermütig. Das kommt bei mir schon mal vor und war auch schon vor der HET so. Nach einem Tag heulen ist normalerweise alles wieder okay. Diesmal leider nicht. Am Sonntag rief mich meine beste Freundin an. Sie ist der Mensch, mit dem ich seit Jahren meine intimsten Gedanken und tiefsten Gefühle teilen kann. Wir haben eine wirklich enge Beziehung und sind uns auch physisch schon mal näher gekommen, ohne dass es danach komisch wurde. Sie bedeutet mir unheimlich viel. Es war mir bis dahin allerdings nicht klar wie viel.

Am Telefon erzählte sie mir, dass sie mit einem Ex zusammengekommen ist und sich daraus eventuell eine Liebesbeziehung entwickeln könnte. Was ich nicht erwartet habe ist, dass diese Nachricht mich vollkommen aus der Bahn wirft. Ich bin regelrecht zusammengeklappt und konnte nicht mehr aufhören Tränen zu vergießen. Da sind wohl mehr Gefühle von meiner Seite im Spiel, als ich es bis dahin wahrhaben wollte. Nun kämpfe ich seit fast einer Woche um meine Gedanken zu ordnen und meine Gefühle zu verstehen. So viel habe ich schon lange nicht mehr geheult. Das ist auch kein Traurig sein, wie ich es von mir kenne, ich glaube dass ist eine echte Depression. Die Kombination aus Hormonen und Liebeskummer ist echt heftig.

Ich merke allerdings, dass ich das alles nicht alleine durchmachen muss. Ein Freund, bei dem ich mich vor nicht allzu langer Zeit geoutet habe, hat sich gemeldet um mir zu sagen, dass er zu mir steht und ich ihn jederzeit anrufen kann, wenn etwas ist. Die Leute aus meiner Familie, bei denen ich geoutet bin, haben mir wiederholt zu verstehen gegeben, dass sie voll hinter mir stehen. Und auch besagte Freundin hält noch immer absolut zu mir, obwohl ich ihr meine Gefühle gebeichtet habe. Das tut unheimlich gut zu wissen, dass ich nicht alleine bin.

So. Danke fürs Lesen. Ich melde mich das nächste Mal, wenn ich oben erwähnte Termine hinter mir habe und es hoffentlich echte und positive Fortschritte zu berichten gibt.
LG
Marlin

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Re: Marlins Fortschritte

Post 19 im Thema

Beitrag von Marlin » So 11. Nov 2018, 14:30

Hallo liebe Gemeinde,

hier mal wieder ein kleines Update.

Die Depressionen sind mittlerweile etwas zurückgegangen. Der Liebeskummer schmerzt aber noch unverändert. Und so heule ich noch immer sehr oft, auch wenn es langsam weniger wird.
Wie ich in meinem Post vom 19.08. geschrieben habe, habe ich Androcur langsam ausgeschlichen. Ich hatte gehofft, dass mein Testo nicht mehr so stark zurückkommt, da ich ja weiterhin Östradiol zuführe.
Als dann die Depressionen kamen, hatte ich die Änderung meiner Dosierungen im Verdacht. Also habe ich Mitte Oktober mal wieder die Werte untersuchen lassen und sah meinen Verdacht bestätigt:
  • Östradiol 122.0 pg/ml
  • Testosteron 342 ng/dl
  • FSH 2.79 mlU/ml
  • LH 4.46 mlU/ml
Damit liegt das Testosteron im normalen männlichen Bereich und das Östradiol ist für einen Mann nur etwas erhöht. :cry: Ich habe also wieder begonnen Androcur zu nehmen. 10mg/Tag werde ich die nächsten Monate einnehmen.
Mittlerweile bin ich auch wieder zurück zum Gynokadin Gel, da ich es leichter dosieren kann. Hier habe ich die Dosis nur leicht erhöht auf 1 ½ Hub morgens und 2 Hub abends. Seitdem geht es mit mir emotional wieder langsam bergauf.
Es nicht natürlich kein dauerhaft akzeptabler Zustand, dass ich so mit den Dosierungen und Blutwerten kämpfe. Wie schon in anderen Posts geschrieben, möchte ich meine Transition nun auf den offiziellen Weg bringen, damit mir in Zukunft auch Fachärzte (Endos), Kassenleistungen und eine Namensänderung offen stehen.
Daher möchte ich auch eine Therapie beginnen. Leider ist es fast unmöglich einen Platz zu bekommen. Einen Termin beim Psychiater hat mir meine Gynäkologin besorgt (die Frau ist echt Klasse (yes) ). Da war ich nun vergangene Woche. Leider kann ich bei ihm keine Begleittherapie machen, da auch er keine freien Plätze hat. Aber er kann eventuell bei der Diagnose helfen. Er hat mir Mut gemacht, dass eine Indikation zur Hormontherapie durch die neuen Leitlinien etwas schneller erstellt werden könnte.
Es gibt bei uns vor Ort einen Verein, bei dem junge Psychologen/Psychiater ausgebildet werden. Dieser Verein bietet auch Begleittherapien an. Mein Psychiater unterstützt den Verein als Supervisor und Ausbilder. Durch Zufall hatte ich es einen Tag zuvor geschafft, dass ich bei diesem Verein auf die Warteliste komme. Mit ein wenig Glück kann ich dann endlich die Therapie beginnen.

Ebenfalls im Oktober habe ich unsere örtliche SHG zum ersten Mal besucht. Ich bin sehr herzlich empfangen worden und habe da schon einige sehr interessante Sachen erfahren. Da werde ich auf jeden Fall auch in Zukunft hingehen.

Liebe Grüße
Marlin

Jaddy
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Re: Marlins Fortschritte

Post 20 im Thema

Beitrag von Jaddy » So 11. Nov 2018, 16:04

Hey Marlin,

schön dass es dir wieder etwas besser geht. Diese Sache mit den Blutwerten... Die Ärzte sind ja auch langsam weg von den Zahlen. Die kann man begucken, wenn Dinge nicht so passieren, wie man möchte. Aber als Zielmarke taugt mAn besser das Wohlbefinden und die Veränderung. Lass dich von den Zahlen nicht runterziehen.

Ich hab hier mal meine Zahlen vom Mai. Fünf Monate nach Beginn, damals mit 2mg Ö/Tag.
Andere.png
Testo "normal männlich", Östro "normal weiblich".
Entscheidend ist aber, wie viel Testo eigentlich verwendbar ist. Massgeblich sind SHBG und das daraus berechnete freie Testo bzw. "freier Androgenindex"
Testo.png
Übersetzt: Mein Körper produziert normal, merkt, dass zu viel da ist und macht das eigene Zeug unwirksam.

Mit den Zahlen war ich dann zufrieden, mit meinem Wohlbefinden größtenteils auch - bis auf mehr Träume und mehr nicht so angenehme Träume. Also habe ich experimentiert und nehme jetzt 2x2mg, um diese Pendeleffekte auszugleichen. Wohlbefinden prima, Träume okay. Keine Ahnung, ob das auch für dich funktionieren würde.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Marlin
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Re: Marlins Fortschritte

Post 21 im Thema

Beitrag von Marlin » So 23. Dez 2018, 16:32

Hallo liebe Gemeinde,

nach ein paar Wochen Abstand wird es Zeit für ein kleines Update. Zusammengefasst: Es ist ... zäh.
Zuerst die guten Punkte:
  • Körperlich tut sich wenig. Allerdings haben sich die Form und auch das Gefühl an meiner Brust doch etwas geändert. Der Umfang hat sich allerdings kaum. Ich betrachte das trotzdem als guten Fortschritt.
    Auch daher bleibe ich bei der jetzigen Dosierung der Hormone.
  • Die Depressionen sind (fast) weg. Ebenso komme ich mittlerweile mit meinem Liebeskummer besser klar. Es geht also aufwärts :-)
  • Die SHG habe ich nun schon drei Mal besucht und muss sagen, dass sie mir gut tut. Es hilft einfach, wenn man sich mit Menschen austauschen kann, die einen verstehen.
Leider zieht sich der Start meiner Begleittherapie weiter hin. Ich hoffe, dass es im neuen Jahr zeitnah endlich losgehen kann. Es ist wirklich ätzend, dass alle anderen Themen (Logopädie, Endo, Epilation,..) nur an diesem Punkt hängen.
Soweit es mir möglich ist, versuche diese Sachen auch ohne Indikation zu stemmen.

Outings:
Ich bin mittlerweile bei meinen Eltern (beide um die 90 Jahre alt) geoutet. Sie haben doch erhebliche Schwierigkeiten mit dem Thema. Das Gefühl, dass sie ihren Sohn verlieren, versuche ich mit regelmäßigen Besuchen zu bekämpfen. Nur so können sie sehen, dass ich derselbe Mensch bleibe. Gespräche zum Thema sind allerdings sehr schwer und gehen mit vielen Tränen einher. Das belastet mich natürlich auch.

Mein großes Problem bleibt meine Ungeduld. Ich will, dass es endlich voran geht. Aber ich weiß natürlich, dass das Zeit braucht.

Soweit mein letztes Update für dieses Jahr. Ich danke allen hier im Forum für die tollen Beiträge und wünsche schöne Feiertage und ein gutes, erfolgreiches und gesundes Jahr 2019
(NICOII)

LG
Marlin

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Re: Marlins Fortschritte

Post 22 im Thema

Beitrag von Marlin » Do 14. Feb 2019, 12:47

Hallo liebe Gemeinde,
es ist wieder einige Zeit seit meinem letzten Post vergangen und es gibt sogar Neuigkeiten!
Seit kurzem habe ich endlich einen Therapieplatz. Nach den ersten Sitzungen habe ich gutes Gefühl mit der Therapeutin und kann mich auch gut darauf einlassen. Es hilft mir auch sehr, dass die Gespräche sich nicht nur auf TS konzentrieren, sondern dass wir auch meine anderen Probleme besprechen. So wird es sich auch zeigen, ob bei mir eine Depression vorliegt, oder ob ich einfach noch immer an Liebeskummer leide. Mittlerweile kann ich nicht mehr verstehen, dass ich die Therapie am Anfang meiner Transition noch abgelehnt habe. Ich kann nach wenigen Sitzungen schon sagen, dass sie mir wirklich gut tut.

Meine Dosierung der Hormone habe ich nicht verändert. Ich fühle mich eigentlich ganz wohl, auch wenn mein Körper wohl eine Pause bei den Veränderungen eingelegt hat. Anfang März habe ich einen Termin beim Endo. Ich bin gespannt, was er zu meinen Werten zu sagen hat. Die Überweisung dahin habe ich von meiner Gynäkologin, die da tatsächlich F64.0G drauf geschrieben hat. Wenn ich sie das nächste Mal sehe, werde ich sie fragen, woher sie das „G“ genommen hat.
Mir soll es auf jeden Fall recht sein. (smili)

Letzte Woche war ich bei einer Logopädin, welche eine Therapie nach LaKru anbietet. (Bei Interesse einfach im Netz nach „LaKru Stimmtransition“ suchen). Nach meinen Recherchen kommen die Ziele dieser Therapie den meinen sehr nah. Sie hat erst mal meine Stimme vermessen und dabei ein paar Probleme gefunden, die eventuell zuerst mal eine Stimmsanierung nötig machen.
Da ich kurz darauf mir erst mal das Rezept für die Logopädie bei der HNO Ärztin holen musste, wurden dort auch meine Stimmlippen und der Rest untersucht. Die HNO hat keine Probleme gefunden.
Es wurde die Heilmittelverordnung auf den Schlüssen „ST2 – Dysphorie (R49.0+G) funktionelle Erkrankung der Stimme“ ausgestellt. Das war mein Wunsch, da ich schon des Öfteren gelesen habe, dass bei einem solchen Rezept die Erwähnung von „Trans*“ ein Problem mit der KK bringen kann.
Es wird nun also Ende des Monats losgehen und dann muss ich meine Stimme fleißig trainieren (smili)

Bei der Epilation geht es sehr langsam voran und gerade am Bart sind Forstschritte nur bei sehr genauem Hinsehen zu finden. Da ich Bart, Brust und Bauch machen lasse, sind immer 8 Wochen zwischen den Sitzungen. Wir haben jetzt aber ausgemacht, dass wir das jetzt trennen und die Abstände für den Bart auf 6 Wochen verkürzen werden. Nächste Sitzung ist auch Ende des Monats.

Mittlerweile bin ich praktisch in der gesamten Familie geoutet. Negative Reaktionen gab es bisher nicht. Meine Eltern müssen immer noch mit ihren Gefühlen kämpfen. Aber ich denke, sie brauchen einfach nur Zeit. Mittlerweile hat meine Mutter angefangen sich aktiv zu informieren. Das ist doch schon mal toll. Leider versucht mein Vater das Thema schlicht zu ignorieren. Ich hoffe die Zeit bringt bei ihm auch Fortschritte.

Allgemein muss ich bei mir feststellen, dass es mir zunehmend schwer fällt im MM rumzulaufen. Da ich im Beruf nicht geoutet bin, muss ich mich dort wirklich noch zurückhalten. Aber in meiner Freizeit trage ich schon zunehmend weibliche Kleidung, auch in der Öffentlichkeit. Ich will nicht als „Mann in Frauenkleidung“ erscheinen, denn das bin ich nicht. Aber es kommen einfach nach und nach kleine Sachen dazu, auf die ich einfach nicht verzichten will. Dadurch kann ich mich auch zurückhaltend weiblich kleiden. Schuhe, Pullover, Tuch, Jeans, Jacke: alles kommt aus der Damenabteilung und ich fühle mich sehr wohl, wenn ich damit raus gehe. Das ist für mich erst mal das Wichtigste.

Hui, was ein langer Text…sorry dafür und Danke fürs lesen.
LG
Marlin

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Re: Marlins Fortschritte

Post 23 im Thema

Beitrag von Marlin » Mi 27. Feb 2019, 20:40

Hallo liebe Gemeinde,
seit ein paar Tagen treibt mich ein Gedanke: Wie gestalte ich mein Outing in der Firma?

Die Ausgangssituation:
Ich bin in einem Konzern angestellt, wo es auch einen „Code of Conduct“ gibt, der Diskriminierung innerhalb der Firma untersagt. Er deckt dabei unter anderem Religionen, Herkunft und auch verschiedene Geschlechtsidentitäten ab. Er muss von allen Mitarbeitern anerkennt werden, was rechtsverbindlich ist. Ein ausgewiesenes Diversity Management gibt es nicht. Soweit die Theorie.
Ich Arbeite in einem Team, welches im Bereich Marketing tätig ist und aus 12 Leuten besteht. Auch habe ich die Führung bei verschiedenen fachlichen Themen. Ohne jetzt angeben zu wollen, aber ich habe ein gewisses Standing im Team.
Der Chef des Teams, sowie ein Teammitglied wissen bezüglich meiner TS bescheid. Beide haben mir absolute Unterstützung zugesagt, was ich ihnen auch wirklich glaube.

Ich arbeite an zwei verschiedenen Standorten. An einem (A) ist mein Team anwesend. Am zweiten (B) habe ich Kontakt mit Leuten außerhalb des Teams. Diese Leute sind eher vom Schlag Ingenieur oder Techniker.
Mein innerer Druck, endlich mich so zu kleiden, zu schminken und als Frau aufzutreten wird immer stärker. Mein Passing ist eher bescheiden, wird aber sehr langsam besser.

Mein Plan:
Im kommenden Monat möchte ich mit HR sprechen. Ich möchte sie in Kenntnis über meine TS setzen. Da ich weiß, dass sie langsam arbeiten, haben sie Zeit sich bis zu meiner geplanten VÄ/PÄ Ende des Jahres / Anfang kommenden Jahres vorzubereiten.
Ende Mai wird sich unser Team für eine Klausur für ein paar Tage in ein Hotel zurückziehen. Ich habe vor, mich bei dieser Gelegenheit dem Team gegenüber zu outen.
Ab diesem Zeitpunkt möchte ich mich auch im normalen Arbeitsalltag weiblicher kleiden und mich auch etwas „aufbrezeln“. Dabei ist mein Stil eher zurückhaltend. Ich trage keine Röcke oder Kleider. Aber gerne doch Mascara, Lippenstift, weibliche Oberbekleidung und Jeans, Schmuck,…
Am Standort A rechne ich dann mit keinen Problemen. Am Standort B bin ich mir nicht sicher.
Bis zur VÄ/PÄ werde ich wahrscheinlich an beiden Standorten als Mann geführt und angesprochen (Accounts, Mailadresse, …) und werde bis dahin auch die falsche Toilette benutzen müssen.

Meine Fragen an Euch:
  • Was haltet Ihr von meinem Plan?
  • Sollte ich mich bei dem erweiterten Kollegenkreis auch aktiv outen? Also bei denen außerhalb meines Teams? Das würde eventuell eine Rundmail, nicht nur für Standort B bedeuten. Ist das nicht zu früh?
  • Trete ich am Standort B vielleicht weiter als Mann auf, bis zu VÄ/PÄ?
  • Und überhaupt: Soll ich wirklich mein mangelhaftes Passing ignorieren? Klar, ich fühle mich in weiblicher Kleidung und „Bemalung“ viel wohler. Und Sachen wie HRT, Epilation und Logopädie tragen schon leichte Früchte. Auch die Haare auf dem Kopf wachsen. Aber ich würde als „Mann in Frauenklamotten“ wahrgenommen werden, was ich nicht bin. Und ich will mein Standing im Team und der Firma nicht riskieren.
Lieben Dank schon mal für eure Antworten und Grüße
Marlin

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Re: Marlins Fortschritte

Post 24 im Thema

Beitrag von tatjana » Mi 27. Feb 2019, 21:16

Hi Marlin,
Marlin hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 20:40
Was haltet Ihr von meinem Plan?
Hört sich soweit ganz gut durchdacht an
Marlin hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 20:40
Sollte ich mich bei dem erweiterten Kollegenkreis auch aktiv outen
Schwer zu sagen. Im Prinzip wird es ja sowieso jeder irgendwann wissen. Eine Rundmail ist Geschmacksache, ich persönlich finde es besser, wichtige Dinge Leuten direkt mitzuteilen. Ist wirklich deine ganz persönliche Entscheidung. Letzten Endes wird es wahrscheinlich kein (oder kaum) einen Unterschied machen, in welcher Form es mitgeteilt wurde.
Marlin hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 20:40
Soll ich wirklich mein mangelhaftes Passing ignorieren?
Es gibt ja keine Alternativen, ausser kein Outing, oder? :) Die anderen werden dich ja in irgendeiner Form wahrnehmen. Irgendwas werden sie denken. Es ist schwer zu sagen. Werden sie dich nicht mehr ernst nehmen? Mag sein. Welchen Eindruck hast du vom Chef des Teams? Hat sich seitdem etwas verändert? Wie verhält sich das andere Teammitglied dir gegenüber?

LG Jana

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Re: Marlins Fortschritte

Post 25 im Thema

Beitrag von Steffi-BLN » Mi 27. Feb 2019, 22:11

Hallo Marlin

Mir ist dein Tagebuch leider erst jetzt aufgefallen, aber habe nun alles gelesen und muss dir mal eins sagen.
Toll dass du deinen Weg gefunden hast, auch dein Bericht über deinen Douglas Besuch hat mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert.😁
Ich überlege ja auch schon ganz lang, ob dass auch mal was für mich wäre. Nach deinem tollen Bericht werde ich es wohl bald mal in Angriff nehmen😊

Anja
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Re: Marlins Fortschritte

Post 26 im Thema

Beitrag von Anja » Do 28. Feb 2019, 10:57

Moinsen (moin)
Marlin hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 20:40
und werde bis dahin auch die falsche Toilette benutzen müssen.
Das habe ich bereits vor der VÄ/PÄ mit den Kolleginnen besprochen / geklärt. Ich bin ab meinem ersten Tag als Frau im Büro natürlich auf die Damentoilette gegangen.
Bis zur VÄ / PÄ wars da noch ein halbes Jahr...
Per eMail Rundschreiben habe ich jedem Kollegen angeboten, die weibliche Anrede zu nutzen, was von Anfang an gut angenommen wurde. Nur bei externen Mails, Schriftverkehr, Unterschriften kam der alte Name noch mal durch. Aber da war ja ein Ende abzusehen.

Genauso wie im Privatleben ist auch jedes Arbeitsleben von anderen Umständen geprägt. Da musst du für deine Situation den passenden Weg finden.
Bei unserem Standort arbeitet eine überschaubare Anzahl von Kollegen (weniger als 25).
Ich habe mit jedem Einzelgespräche geführt und mich geoutet. Das fand ich besser als "vor versammelter Mannschaft". Da konnte ich immer au den entsprechenden Kollegen und seine Fragen eingehen.

Wie auch immer dein Weg aussieht, ich wünsch dir viel Erfolg!

Grüße
die Anja
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Re: Marlins Fortschritte

Post 27 im Thema

Beitrag von Joe95 » Do 28. Feb 2019, 11:27

Marlin hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 20:40
Im kommenden Monat möchte ich mit HR sprechen.
Wer ist HR?
Marlin hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 20:40
Meine Fragen an Euch:

Was haltet Ihr von meinem Plan?
Ich habe mich auf der Arbeit nie allgemein geoutet, aber wenn ich sowas vor hätte würde ich es am vorletzten Tag vor dem Urlaub machen und am letzten Tag in der Kleidung aufschlagen, die ich fortan zu tragen gedenke. Dann haben die Leute Zeit das anzunehmen.
Sollte ich mich bei dem erweiterten Kollegenkreis auch aktiv outen? Also bei denen außerhalb meines Teams? Das würde eventuell eine Rundmail, nicht nur für Standort B bedeuten. Ist das nicht zu früh?
Wenn, dann überall gleichzeitig.
Trete ich am Standort B vielleicht weiter als Mann auf, bis zu VÄ/PÄ?
Siehe oben, wechseln halte ich für schlecht. Entweder oder.
Und überhaupt: Soll ich wirklich mein mangelhaftes Passing ignorieren? Klar, ich fühle mich in weiblicher Kleidung und „Bemalung“ viel wohler. Und Sachen wie HRT, Epilation und Logopädie tragen schon leichte Früchte. Auch die Haare auf dem Kopf wachsen. Aber ich würde als „Mann in Frauenklamotten“ wahrgenommen werden, was ich nicht bin. Und ich will mein Standing im Team und der Firma nicht riskieren.
Ich werde wohl zeitlebens als "Mann in Frauenklamotten" wahrgenommen werden. Ich weiß das ich das nicht bin, damit muss ich klar kommen. Das Outing ist nun mal ein Risiko, du kannst es eingehen oder dich verstecken und weiter als Mann dort aufschlagen.
Ich vermute mal letzteres wird dir nicht ewig gelingen.

Das ist nun meine Meinung, aber ob das für dich brauchbar ist kann ich nicht sagen. Hängt alles von dir und deinen Kollegen ab.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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Re: Marlins Fortschritte

Post 28 im Thema

Beitrag von ChristinaF » Do 28. Feb 2019, 11:54

Was HR bedeutet ist mir auch unklar. Aber im Grunde ist dein Plan doch gut. Versuch, möglichst viele positive Mitarbeiter/innen auf deine Seite zu ziehen. Einzelgespräche mit ihnen helfen hier m.M. nach besser als pauschale Erklärungen über e-mails.
Und wenn du dann geoutet bist ist für mich eigentlich klar, dass du dann auch als Frau zur Arbeit gehst. So oder so, es wird immer die eine oder andere Situation geben, die dir nicht gefällt. Aber mit der Zeit und deinem gesteigerten Selbstbewusstsein geht auch das vorbei.
OT
Fehlende Haare lassen sich leicht mit schicken Perücken kaschieren.
LG Christina

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Re: Marlins Fortschritte

Post 29 im Thema

Beitrag von Anja » Do 28. Feb 2019, 12:14

Moinsen (moin)

vermutlich meint HR = Human Resources. Oder Personalabteilung, wie der Engländer sagt :lol:
Zumindest ist mir eine andere Bedeutung dieser Abkürzung unbekannt.

Grüße
die Anja
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Re: Marlins Fortschritte

Post 30 im Thema

Beitrag von Joe95 » Do 28. Feb 2019, 13:50

Anja hat geschrieben:
Do 28. Feb 2019, 12:14
HR = Human Resources
Ah, danke...
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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