Bericht "Blick": Heute würde ich es nicht mehr tun
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Anne-Mette
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Bericht "Blick": Heute würde ich es nicht mehr tun

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mo 23. Jun 2014, 08:19

Moin,

der Artikel ist ein typisches Beispiel für oberflächlichen Boulevard-Journalismus. Natürlich werden auch wieder die üblichen Textbausteine verwewendet. z.B. "...liess sich vor 16 Jahren zur Frau umoperieren".
Trotzdem zeigt der Artikel meiner Meinung nach, wie wichtiges ist, den Menschen frei zu lassen, ob sie OP und Hormonbehandlung über sich ergehen lassen wollen oder nicht.

http://www.blick.ch/people-tv/schweiz/n ... 33239.html

Gruß
Anne-Mette

Ulrike-Marisa
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Re: Bericht "Blick": Heute würde ich es nicht mehr tun

Post 2 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Mo 23. Jun 2014, 08:50

Moin,

...der alte Spruch: im nachhinein ist frau/man immer klüger, passt hier aber doch nicht lückenlos. Wenn jemand in seiner Entwicklung so weit gegangen und auch gekommen ist, dann ist es meiner Meinung nach natürlich, dass auch die eigene Veregangenheit nicht vergessbar ist, sondern immer in welch einer Form auch wieder präsent sein wird. Dass der Prozess der Geschlechtsangleichung mit OP ein tiefer Eingriff für den Körper ist, das ist allen Betroffenen denke ich klar. Immerhin gibt es bei uns mittlerweile auch die Variante, dass es ohne GA-OP geht; warum auch nicht; weniger belastend für den Körper ist es allemal. Die Aussage: heute würde ich es nicht mehr tun, ist und bleibt hier eine individuelle Meinungsäußerung einer Betroffenen ohne Botschaftscharakter denke ich. Das muss jeder Betroffenen selbst überlassen bleiben, Entscheidungen für oder gegen eine OP zu treffen und mit den konsequenzen zu leben. Alles hat immer seine verschiedenen Seiten.

Liebe Grüße, Ulrike-Marisa (moin)

...im Leben gibts nichts geschenkt...

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Re: Bericht "Blick": Heute würde ich es nicht mehr tun

Post 3 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne » Mo 23. Jun 2014, 12:34

Danke für den Hinweis, lieb Anne-Mette!

Ich habe schon vor Jahren Nadia Brönimanns Buch "Die weiße Feder" gelesen und war beeindruckt. Damals war ihr Weg für mich noch unvorstellbar. Nun, das hat sich geändert, deshalb berühren mich ihre Aussagen. Aber: Der Artikel ist natürlich wie üblich beim "Blick" zusammengeschustert und strotzt vor Merkwürdigkeiten. Und klar soll das Leserinteresse geweckt werden mit "der berühmtesten Transsexuellen der Schweiz". Ist eben ein kleines Land mit wenig Problemen (Ironie-Modus aus).

Eine gute Anregung zum weiteren Nachdenken über die "Radikalität" des Weges ist die Meldung allemal. Im Urlaub habe ich die Gedanken von Udo Rauchfleisch, Annette Güldenring und Jennifer Born dazu gelesen ("Transsexualität - Transidentität: Begutachtung, Begleitung, Therapie" - das dürfte ja bekannt sein). Und? Es hat mich nicht unbeeindruckt gelassen ...

Vivian

Anne-Mette
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Re: Bericht "Blick": Heute würde ich es nicht mehr tun

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mo 23. Jun 2014, 12:43

Moin,
"Transsexualität - Transidentität: Begutachtung, Begleitung, Therapie"
Das Buch habe ich auch (moin) - und gelesen. Sehr gut fand ich den Aufsatz von Annette Güldenring.

Inzwischen erlebe ich aber immer mehr, dass ich keinen Drang verspüre, mir mehr "Fachbücher" zu kaufen und sie zu lesen.
Ich lasse mich leben und wachsen und kann das ganz gut, ohne fachliche Erklärungen, Begleitung und Therapie (888)

Gruß
Anne-Mette

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Re: Bericht "Blick": Heute würde ich es nicht mehr tun

Post 5 im Thema

Beitrag von Ulli » Mo 23. Jun 2014, 18:01

Ich lese natürlich solche Aussagen und höre auch TS zu (war erst vor kurzem bei einem TG-Treffen der Fall und sie erzählte mir auch, wie sich alles verändert hatte - kein Job, keine Freunde/Freundin, unglücklich und allein). Es zeigt mir in grosser Deutlichkeit, dass mit einer OP sich die eigene "Welt" nicht so ändern lässt, wie viele sich das vielleicht vorstellen. Wie Nadja schreibt, ist die Gesellschaft heute toleranter geworden und akzeptiert auch Zwischenlösungen. Das dürfte oder könnte für viele schon genug sein. Wenn jemand eine OP aber unbedingt will, dann findet er/sie auch Wege es zu erreichen. Ob es das grosse Lebensglück ist, wage ich in den allermeisten Fällen zu bezweifeln. Es ist eben nicht nur das Organische, das Frau sein ausmacht (sagt mir meine Frau auch immer wieder - ich werde nie Frau sein, egal was ich tue!).
Das zu akzeptieren, fällt uns allen schwer.
Es ist halt so, dass die Natur uns mit einer Minderheiten-Eigenschaft versehen hat, die uns manchmal (ver)-zweifeln lässt und hohe Anforderungen an uns stellt und uns bis ans Lebensende begleiten wird. Jede/r muss sich damit auseinander setzen und seinen individuellen Weg finden.
Ich fühle mich in meiner jetzigen Rolle als CD und Teilzeitfrau sehr gut aufgehoben und möchte nichts daran ändern.

Ich habe viele der CD/TS-Bücher die es gibt, gekauft und gelesen und wie Anne-Mette auch schreibt, bringen mir weitere "Erlebnisberichte" von TS nichts wirklich Wesentliches mehr. Das Wissen das für mich wichtig ist, habe ich mir mittlerweile, Internet sei Dank, angelesen.
Wenn Nadja sagt, dass sie es heute nicht mehr tun würde, bestätigt das auch meine starken Vorbehalte. Ich vermute mal (kann es aber mangels Quantität nicht beweisen), dass es nur sehr wenige TS geben wird, die nach der OP wirklich glücklich und zufrieden leben. Viele hätten möglicherweise auch ohne OP glücklich werden können.

Solche Artikel und Aussagen von "erfahrenen" Transsexuellen finde ich aber immer spannend und interessant, auch wie die Boulevard-Zeitungen darüber schreiben. Es müssen eben gewisse, nicht immer korrekte Ausdrücke und teilweise unsauber recherchierte Aspekte vorkommen, die es für das allgemeine Publikum interessant und lesenswert machen.
Gut finde ich, dass immer wieder darüber geschrieben wird. Das kann uns für die Akzeptanz in der Gesellschaft nur recht sein.

Gruss
Ulrike
Du wirst in deinem Leben nur wenig bereuen, von dem was du getan hast, aber ALLES was du nicht getan hast.

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Re: Bericht "Blick": Heute würde ich es nicht mehr tun

Post 6 im Thema

Beitrag von Anni » Mo 23. Jun 2014, 19:53

Hallo Mädels )))(:
Anne-Mette hat geschrieben:
Ich lasse mich leben und wachsen und kann das ganz gut, ohne fachliche Erklärungen, Begleitung und Therapie (888)


... na da brauchen wir nur noch Eine , die ebenfalls auf diese Weise " klar " kommt und dann kann ich sagen : Willkommen im Club (ap)

Denn so sehe ich das - wer der Hilfe ( fachliche Erklärungen, Begleitung und Therapie ) bedarf , dem soll sie zur Verfügung stehen und die / der
soll sie dann auch nutzen . Alle anderen möge man mit gesetzlichen Vorschriften in Ruhe lassen :((a
Ulli hat geschrieben:sagt mir meine Frau auch immer wieder - ich werde nie Frau sein, egal was ich tue!).
Was aber spricht dagegen , als Solche gesehen und behandelt zu werden ??? :wink:
Ulli hat geschrieben:Es zeigt mir in großer Deutlichkeit, dass mit einer OP sich die eigene "Welt" nicht so ändern lässt, wie viele sich das vielleicht vorstellen. Wie Nadja schreibt, ist die Gesellschaft heute toleranter geworden und akzeptiert auch Zwischenlösungen.
Und da sind wir auf einem ( zu langsamen ) guten Weg (smili)

LG von frecher Anni
Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch. George Bernard Shaw

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Re: Bericht "Blick": Heute würde ich es nicht mehr tun

Post 7 im Thema

Beitrag von ab08 » Mo 23. Jun 2014, 20:33

Ulli hat geschrieben:Es ist eben nicht nur das Organische, das Frau sein ausmacht (sagt mir meine Frau auch immer wieder - ich werde nie Frau sein, egal was ich tue!).
Hallo Ulrike,

das stimmt! Dem rot markierten Teil stimm ich völlig zu... bei der Folgerung in der Klammer gibt es jedoch einen Denkfehler: Transsexuelle Menschen werden z.B. bereits im korrekten Geschlecht geboren. Sie sind es also. Geschlecht hängt nicht vom Passing oder von Handlungen ab. Oft dauert es aber lange, bis der Person die Tatsache bewußt wird. Manche teilen es der Umgebung mit, manche nicht. Ob jemand eine Frau ist oder nicht, hängt nicht vom Urteil anderer ab. Gutachten machen so kaum Sinn. Auch Chromosomen und ähnliches sind wenig aussagefähig. Am ehesten geben Untersuchungen des Gehirns nach dem Tod Auskunft. vgl. Prof. Dr. Dick Frans Swaab http://www.amazon.de/Wir-sind-unser-Geh ... 3426275686

Wie immer Aussenstehende auch urteilen mögen: Die Person selber weiß in der Regel früher oder später genau Bescheid! :wink:
Transsexuelle Frauen sind Frauen und transsexuelle Männer sind Männer. *)
Wenn wir es schaffen, uns nicht um die Äußerungen von Ignoranten zu kümmern, geht es uns gut.
Frei nach Rosa von Praunheim „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“

Liebe Grüße
ab

*) Das Spektrum ist natürlich viel größer. Natürlich gibt es z.B. Menschen, deren Geschlecht nicht so eindeutig ist. Aber auch darüber weiß die Person selber meist genau Bescheid!
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

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