Mein Weg zur OP und zu mir ...
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VanessaB
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Mein Weg zur OP und zu mir ...

Post 1 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Nachdem ich mich (wieder)vorgestellt habe, möchte ich auch nicht versäumen, mein Vorhaben umzusetzen.
War ich früher mit meinem Tagebuch im geschlossenen Bereich unterwegs, möchte ich es nun mit „offenem Visier“ unter dieser Rubrik versuchen.

Dabei bitte ich zu beachten, dass ich meine Sicht teilen möchte. Kommentare und Anmerkungen werden von mir dabei sehr gerne gesehen. Grundsatzdiskussionen und Grabenkämpfe sind aber bitte in eigenen Beitragsstrecken auszufechten. Ich hoffe das ist OK, wenn ich das so schreibe .... vielen lieben Danke

Im nachfolgenden werde ich also immer wieder von mir berichten, meinem Weg und warum ich die eine oder andere Entscheidung für mein Leben getroffen habe. Ausgehen werde ich aber von meiner aktuellen Situation, aus der ich dann sicherlich den einen oder anderen Rückblick wagen werde ...

Alles Liebe
Vanessa
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Lisa-Weber
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Re: Mein Weg zur OP und zu mir ...

Post 2 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber »

Ich sage nur - seuuufz
Ich bin froh das du wieder hergefunden hast
Liebe Grüße
Lisa
Liebe geben und offen sein für neues..

VanessaB
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Warum ich diese OP für mich brauche

Post 3 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Sofern alles seinen Weg geht, werde ich in ca. 16 Tagen und 12 Stunden friedlich schlummern und in den Op gefahren.
Bis hierher war es für mich ein weiter Weg und noch immer bin ich im Zwiespalt zwischen rationalen Gründen und emotionalen Empfindungen. Menschen, die mich kennen, wissen um mein permanentes Jonglieren um Möglichkeiten und das ständige Abwägen von Äpfeln und Birnen.
Ich bin eine Frau - PUNKT. Da könnte ja eigentlich schon alles zu Ende sein. Ich könnte mich mit dieser Erkenntnis angekommen fühlen - so ist es aber nicht. Ich habe allerlei in der Zwischenzeit ausprobiert, um meinen Frieden mit mir und meinen Körper zu finden. Da dies ein öffentlicher Bereich ist, mag ich es aber gar nicht ausführlich erzählen. Natürlich hat es aber mit Sexualität zu tun und meine letzte Beziehung meinte zu mir (da stand übrigens schon fest, dass ich mich operieren lassen möchte): "Wir nutzen einfach das was da ist" ... Anfangs war ich darüber eher schockiert und es hat gedauert, bis ich diese Einstellung annehmen konnte. Das ging aber nur, weil ich jederzeit das Gefühl hatte, als Frau wahrgenommen zu werden. Letztlich hat mich aber genau das weitergebracht. Es war noch einmal die Erfahrung und Bestätigung, dass mein genitaler Körperbereich einfach nicht zu mir passt und mir wurde bewusst, dass es ein sehr tiefes Empfinden und Wissen darum ist, dass ich mich anpassen will und muss. Ich werde niemals den Gedanken loswerden oder unterdrücken können, diese Op machen zu wollen. Nur dieser Weg wird mir inneren Frieden bringen. Genau das ist der Grund, warum ich diese Op für mich brauche. Es ist ein inneres Wissen und mein tiefster Wunsch. Ich schreibe dies an dieser Stelle, weil ich immer wieder von Menschen lese, die anfangen PRO- und CONTRA-Listen zu machen und mir selbst ging es ja nicht anders. Doch letztlich sind es keine rationalen Argumente, die diese Entscheidung tragen können, sondern entweder eine tiefe Disphorie oder eben dieses tiefe Wissen. Noch heute kommen Bedenken auf, gerade wenn man von negativen Dingen ließt. Brauche ich das wirklich? Ist es notwendig, sich diesem Risiko auszusetzen? Immer wenn dieses Gedankenkarussell einsetzt, setze ich mich in Ruhe an einen Ort und lausche in mich. Es dauert dann meist nur wenige Sekunden, bis das Lächeln auf meinen Lippen die Sorgen vertreibt, denn das was ich als inneres Wissen bezeichnen möchte, ist weitaus stärker als die warnenden Ängste. Ich habe die Klinik gut gewählt, ich habe Sport gemacht und mich weitgehend gesund ernährt ... ich habe getan, was ich tun konnte ... alles wird gut sein, wie es kommt.

Nach dem heutigen Tag muss ich nur noch 5,5 Tage arbeiten. Diese Zeit wird kaum reichen, alle Dinge zu erledigen, die ich mir vorgenommen habe. Dennoch werde ich ein geordnetes Chaos hinterlassen und meine Mitarbeiter sind selbstständig und erfahren genug, eigenständig zu arbeiten. Ich habe meinen Führungsjob gut gemacht, meine ich.

Ich selbst spüre aber, dass ich immer unkonzentrierter werde. Meine Gedanken wandern immer öfter zu den bevorstehenden Ereignissen und tatsächlich ist meine Hauptsorge, dass irgendetwas sich zwischen mir und diesem OP-Termin schieben könnte. Eine eigene Krankheit oder Corona, wie vor dem 08.03. An diesem Tag wäre eigentlich meine OP gewesen.
Es wird merkwürdig sein, ohne Freunde und Familie im Krankenhaus zu verbringen. Nicht, dass ich darauf besonderen Wert legen würde, aber dann doch so mit einem Besuchsverbot isoliert zu sein, ist mir bislang fremd und ich bin gespannt, wie ich damit umgehen werde. Was das mit mir mach?
Ich werde am 31.07. operiert. Am 03.08. hat mein zauberhafter Sohn seinen 20. Geburtstag. Jetzt kann man sagen, dass ich einen späteren Termin hätte nehmen sollen, um bei ihm zu sein. Andererseits glaube ich nicht, dass er dies als Zurückweisung versteht, sondern eher als Konsequenz meines Weges sieht. Nachdem anfänglich das Verhältnis schwierig war, da er mich als Frau im Grunde nicht sehen wollte, haben wir heute ein ausgeglichenes Miteinander. Es gibt kein Versteckspiel mehr und als ich ihn fragte, ob er mich aus München mit dem Auto abholen würde, gab es keine Sekunde des Zögerns oder des Zweifelns. Wie schön. Das macht mich sehr glücklich - Ihr werdet es verstehen, insbesondere diejenigen, die von den schweren Zeiten wissen.

Das soll für heute reichen ... alles Liebe
Vanessa
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Jasmine
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Re: Mein Weg zur OP und zu mir ...

Post 4 im Thema

Beitrag von Jasmine »

VanessaB hat geschrieben:
Di 14. Jul 2020, 12:09
..........
Im nachfolgenden werde ich also immer wieder von mir berichten, ..................
Erstmal danke im voraus. Ich werde auf jeden Fall deine Berichte lesen.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Mein Weg zur OP und zu mir ...

Post 5 im Thema

Beitrag von JuLa67 »

Hallo Vanessa,
du schreibst vom tiefen Wissen.
Ja, ich würde es als Erkenntnis oder Gewissheit bezeichnen.
Angst vor möglichen Zwischenfällen hatte ich sowohl vor der ersten (vielleicht ein Unfall auf dem Weg nach Erding, oder noch schlimmer auf dem Weg nach Hause zurück) als auch vor der Korrektur OP im März (Hoffentlich lassen die mich noch rein wegen Corona). Aber letztlich gewann immer wieder die Zuversicht (von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarte ich getrost was kommen mag!) und die Vorfreude. Und ja, alles ist gut gegangen.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Gelassenheit und Vorfreude bis zur OP!

Larissa
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Re: Mein Weg zur OP und zu mir ...

Post 6 im Thema

Beitrag von Aria »

Ja wow, in 16 Tagen hast du echt schon deinen V-Day! Das ging jetzt aber doch recht schnell...:shock: Dafür wünsche ich dir jetzt schon mal nur das Beste! Ich weiss noch gut, dass wir uns darüber ausgetauscht haben, du damals noch sehr am überlegen und abwägen warst. Bist du in gewisser Weise immer noch :P aber das ist eben deine Natur. Jedoch weisst du heute mehr als damals, dass der Antrieb dazu ein tiefes inneres Gefühl ist. Etwas, was ich dir zu erklären versuchte, es aber irgendwie nicht näher bringen konnte. Man weiss eben irgendwann, was das richtige für einen ist. Für mich stand das von Anfang an fest und umso mehr geht es mir auf den Zeiger, dass es noch eine gefühlte Ewigkeit dauern wird, bis ich die Tage zum V-Day an 2 Händen abzählen kann. Wenn du magst, können wir uns ja mal in FFM treffen, wenn du wieder fit bist und bisschen Luft hast.
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Post 7 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Seit längerem bin ich nicht mehr nach Haus gelaufen. heute war es mal wieder so weit. Von Bad Homburg geht es durch den Hardtwald nach Friedrichsdorf, abwechslungsreich mit schönen Blicken und oft mache ich an einem kleinen jüdischen Friedhof halt, lege mich auf die Bank, schließe die Augen und lasse meine Seele treiben. Hier habe ich schon oft Schmerz empfunden, losgelassen und Freude empfangen. Es ist eine Seelenort für mich. Schon oft bin ich hierher Barfuß gelaufen, um den Boden und das Leben zu spüren … meinen Boden und mein Leben. Waren es Anfangs eher Themen aus der Transition, die ich bei jedem Schritt hin- und hergewälzt hatte, ging es mit der Zeit immer mehr um das Sein und den Sinn darin. Dieser Weg hat mich begleitet und meine Entwicklung verfolgt. Er hat Tränen gesehen und Freude, Lachen und Weinen gehört.
Als ich ihn heute seit längerer zeit gegangen bin, konnte ich zwei Gedanken nicht loswerden:

1. Eine Frau besteht nicht aus Make-UP und Stöckelschuhen, und
IMG_8288.jpg

2. Ich brauche keine Schwere mehr in meinem Leben
IMG_8461.jpg

Dies sind meine Basisgedanken, 15 1/2 Tage vor meiner OP. Spannend.

Beide Gedanken haben mich zu der Überschrift gebracht und ich möchte gerne davon Berichten. Aber keine Angst der Titel ist eher plakativ gewählt, als inhaltlich durchdacht.

Ich habe mich im Juli 2018 von meiner Familie nach einem Nervenzusammenbruch getrennt. Ich habe es einfach nicht mehr zwischen den Stühlen ausgehalten und bin „kollabiert“. Ob der strikte Schlussstrich die Richtige Entscheidung war, mag ich aus heutiger Sich sogar bezweifeln, aber damals gab es keinen anderen Weg mich zu „befreien“. Ich war zu wenig selbstbewusst und zu uneins mit mir selbst. Hätte es nicht diese Situation gegeben, wer weiß, ob ich heute noch leben würde. Dieser Schritt schien so unmöglich, dass es tatsächlich körperlicher und seelischer Schmerzen bedurfte, meine Grenze zu überwinden und den Schritt in die „Freiheit“ zu gehen. Mein Psychologe hatte mir gesagt: „Keine Veränderung ohne Schmerz“ und so habe ich mit meiner Veränderung vielen Schmerzen bereitet. Ich persönlich kann das bis heute nicht aufrechnen. Da stellt sich die Frage: „War es das wert?“. „Natürlich nicht!", möchte ich gerne sagen und doch war es notwendig. Und was ich heute an Lebensqualität habe, wäre ohne diese Entscheidung nicht möglich gewesen. Aber nicht alles was glänzt ist Gold. Heute habe ich keine „Familie“ mehr und die Scheidung läuft. Sicher verstehen wir uns noch immer gut und können vieles miteinander besprechen und regeln, aber die Geborgenheit und Nähe ist nicht mehr da. Auf der anderen Seite habe ich gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, Interesse an meiner Person und meinem Weg kennengelernt und konnte meine Persönlichkeit weiterentwickeln. Ich kann und mag das nicht aufwiegen, aber ich mag heute auch nichts mehr daran ändern. Alles ist gut, wie es ist.

Alles Liebe
Vanessa
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VanessaB
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Re: Mein Weg zur OP und zu mir ...

Post 8 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Aria hat geschrieben:
Mi 15. Jul 2020, 19:32
Wenn du magst, können wir uns ja mal in FFM treffen, wenn du wieder fit bist und bisschen Luft hast.
Natürlich ... sehr gerne ... zwei Frauen vom Fach haben bestimmt genug Themen zum Plaudern ....
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Lisa-Weber (Mi 15. Jul 2020, 21:21) • Aria (Do 16. Jul 2020, 19:59)
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Re: Mein Weg zur OP und zu mir ...

Post 9 im Thema

Beitrag von Hexemelina »

VanessaB hat geschrieben:
Di 14. Jul 2020, 20:01
Ich bin eine Frau - PUNKT. Da könnte ja eigentlich schon alles zu Ende sein. Ich könnte mich mit dieser Erkenntnis angekommen fühlen - so ist es aber nicht. Ich habe allerlei in der Zwischenzeit ausprobiert, um meinen Frieden mit mir und meinen Körper zu finden.
hallo vanessa das haben viele von uns auch das kannste mir glauben mich mit eingeschlossen
VanessaB hat geschrieben:
Di 14. Jul 2020, 20:01
Es war noch einmal die Erfahrung und Bestätigung, dass mein genitaler Körperbereich einfach nicht zu mir passt und mir wurde bewusst, dass es ein sehr tiefes Empfinden und Wissen darum ist, dass ich mich anpassen will und muss. Ich werde niemals den Gedanken loswerden oder unterdrücken können, diese Op machen zu wollen. Nur dieser Weg wird mir inneren Frieden bringen. Genau das ist der Grund, warum ich diese Op für mich brauche. Es ist ein inneres Wissen und mein tiefster Wunsch.
vor diesem erkentnis ziehe ich respektvoll meinen Hexenhut
VanessaB hat geschrieben:
Di 14. Jul 2020, 20:01
Immer wenn dieses Gedankenkarussell einsetzt, setze ich mich in Ruhe an einen Ort und lausche in mich. Es dauert dann meist nur wenige Sekunden, bis das Lächeln auf meinen Lippen die Sorgen vertreibt, denn das was ich als inneres Wissen bezeichnen möchte, ist weitaus stärker als die warnenden Ängste. Ich habe die Klinik gut gewählt, ich habe Sport gemacht und mich weitgehend gesund ernährt ... ich habe getan, was ich tun konnte ... alles wird gut sein, wie es kommt.
und mehr kannst du nicht tun auch wenn man sich wünschen würde es würde mehr sein

liebe vanessa ich wünsche dir sehr viel erfolg für die op und wenn du aus dem op saal kommst und so war es bei mir
wirst du sicherlich denken "nun bin ich am ziel angekommen nun bin ich da wo ich immer hinwollte"

mit Hexischen gruss Die Hexemelina
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VanessaB (Do 16. Jul 2020, 05:20)
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Re: Mein Weg zur OP und zu mir ...

Post 10 im Thema

Beitrag von Aria »

VanessaB hat geschrieben:
Mi 15. Jul 2020, 20:16
Natürlich ... sehr gerne ... zwei Frauen vom Fach haben bestimmt genug Themen zum Plaudern ....
Aber ganz bestimmt! :mrgreen:

Sag Bescheid, wenn du soweit bist ;-)

Ach übrigens, wo hast du denn die langen Haare her? Ist ja unverschämt.... :o
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Ralf-Marlene (Fr 17. Jul 2020, 09:12) • Frieda (Fr 17. Jul 2020, 10:15)
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Der Countdown läuft und eine spannende Frage

Post 11 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Noch zwei Wochen bis zum OP-Tag. Ich schlafe nicht so besonders und wache auf mit dem Gedanken an die OP. Das Gefühl ist - "nein". Ich spüre nach und kann nicht erkunden warum das so ist, also lasse ich den Gedanken wieder los und warte bis er sich mir klarer zeigt. Schon immer habe ich gesagt, dass ich mir ein "Nein" bis zum letzten Moment erlauben werde und ich habe Respekt vor Menschen, die im letzten Moment die Notbremse ziehen und "wieder gehen". Aber dann ist dieses Wissen wieder da: Ja, die Op muss und soll sein - für mich. Schon heute spüre ich im Grunde keinen Penis mehr an mir. Das ist sicherlich ein Ergebnis der Hormonbehandlung, aber eben auch ein großes Thema des Kopfes. Nur Sehen und Anfassen passt da einfach nicht - (auch) das soll sich ja in 14 Tagen ändern.
Und plötzlich fällt mir ein, warum ich mit einem NEIN aufgewacht bin. Es ist ein Wortwechsel auf FB gewesen, meine ich ... auch dort hatte ich den Satz: Sorry, aber eine Frau besteht nicht nur aus Make-UP und Stöckelschuhen mit Bild gepostet und bin auf Kritik gestoßen. Nach einigen Worten des Hin und Her, wurde mir dann sinngemäß um die Ohren gehauen: Dein Passing ist verbesserungswürdig ....
Als ich das laß musste ich kurz überlegen, denn ich fühlte mich irgendwie nicht angesprochen .... welches Passing und warum brauche ich überhaupt eines. Dieser Begriff ist für eine Frau die eine Frau ist völlig unangebracht, außer die Frau möchte ein Mann sein. Der Kern war dann wohl die Aussage, dass ich nicht weiblich genug aussehe. Aber wer bestimmt das? Und was ist denn das Maß für Weiblichkeit ... dann doch wieder Make-Up und Stöckelschuhe? Definitives NEIN von meiner Seite. Ich wiederhole es gerne noch einmal an dieser Stelle: Ich bin die Frau, die ich bin ... nicht mehr aber auch keine Stück weniger. Ich brauche kein Passung (mehr), weil ich bei mir angekommen bin. Dies bedeutet bitte nicht, dass ich mich nicht zurecht mache oder nicht auch weibliche Sachen trage. Doch wenn ich mich nachts ins Bett lege, abgeschminkt, ohne Stöckelschuhe, macht nicht das Neglig'e die Frau aus mir, sondern mein Wesen. Das dies nur wenige Menschen erkennen und auch so sehen, ist ja nicht mein Problem, sonder das der anderen und solange ich auf meinem Weg Akzeptanz, Toleranz und auch Liebe für mich finde, warum sollte ich einer Mehrheit genügen wollen und mich "verstellen"? Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich mir erlauben könnte auch Herrenkleidung wieder zu tragen ... sicher ist das nicht mein besonderer Wunsch, aber es würde mich jetzt auch nicht mehr in tiefe Konflikte stoßen. Denn im Alltag denke ich mittlerweile gar nicht mehr groß nach, welches Geschlecht ich habe und tatsächlich ist mir auch (fast) egal, ob mich mein Gegenüber nun als Frau sieht oder nicht, wenn er mir zum Beispiel eine Eintrittskarte verkauft, oder meinen Fahrschein kontrolliert. Das ist eine spannende Erkenntnis ... nein, ich brauche kein Passing, um ich zu sein. Und mit diesem Nein bin ich heute aufgewacht. Aber tatsächlich ist es an dieser Stelle etwas anderes. Es ist keine Verbiegen um Frau zu sein - ich fahre als Frau in den Op und komme als Frau wieder heraus ... unten herum deutlich hübscher hoffentlich und mit einer Anpassung, die für meine eigene Wahrnehmung und auch Sexualität so immens wichtig ist. Letztlich aber auch, um innerlich vor meinen Zweiflern die Hose runterziehen zu können, um nicht meinen Arsch aber meine "Mumm" zeigen zu können und dann die Zunge rauszustrecken und mit breitem Grinsen frotzeln zu können: siehst, ich bin doch eine Frau .... Das werde ich so wohl nie machen, aber schon heute empfinde ich so viel Stolz und Verbundenheit für meine Neovagina, wie ich es für meine Geburtsorgan wohl nie empfunden habe ...
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Re: Der Countdown läuft und eine spannende Frage

Post 12 im Thema

Beitrag von Jasmine »

VanessaB hat geschrieben:
Fr 17. Jul 2020, 04:58
.............. Ich bin die Frau, die ich bin ...
Liebe Vanessa, danke für die schönen Zeilen. Und auch die oben genannten Worte sind so wichtig. Betreffend Facebook, habe ich für mich entschieden das ich es nicht brauche. Nach schlechten Erfahrungen hatte ich meinen Account dort gelöscht.
Liebe Grüße Jasmine
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Ralf-Marlene
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Re: Warum ich diese OP für mich brauche

Post 13 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene »

VanessaB hat geschrieben:
Di 14. Jul 2020, 20:01
...
Es gibt kein Versteckspiel mehr und als ich ihn fragte, ob er mich aus München mit dem Auto abholen würde, gab es keine Sekunde des Zögerns oder des Zweifelns. Wie schön. Das macht mich sehr glücklich - Ihr werdet es verstehen, insbesondere diejenigen, die von den schweren Zeiten wissen.
...
Liebe VGanessa,
Schön, dass Du wieder da bist ...und mir und allen anderen neue Einblicke erlaubst.

Bei dem zitierten Satz hatte ich Tränen in den Augen. Danke, dass Du auch Dein Glück mit uns teilst.

Auch die Geschichte mit der gelebten Sexualität, für deren geschmackvollen und trotzdem offenen Worte ich Dir sehr danke, hat mir für meinen eigenen Weg, der so ganz anders als Deiner ist (vermutlich... bisher... nichts ist in Stein gemeißelt...) sehr geholfen.

Ich freue mich jetzt schon auf die Berichte von Deiner gelungenen OP...

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Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.

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Re: Der Countdown läuft und eine spannende Frage

Post 14 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene »

VanessaB hat geschrieben:
Fr 17. Jul 2020, 04:58
...
Als ich das laß musste ich kurz überlegen, denn ich fühlte mich irgendwie nicht angesprochen .... welches Passing und warum brauche ich überhaupt eines. Dieser Begriff ist für eine Frau die eine Frau ist völlig unangebracht, außer die Frau möchte ein Mann sein. Der Kern war dann wohl die Aussage, dass ich nicht weiblich genug aussehe. Aber wer bestimmt das? Und was ist denn das Maß für Weiblichkeit ... dann doch wieder Make-Up und Stöckelschuhe? Definitives NEIN von meiner Seite.
...
Noch ein Danke, liebe Vanessa,
für diese einfache Wahrheit, die wir uns als von der Mehrheit abweichende Menschen, egal in welcher Hinsicht, auch und gerade vor uns selber hart erarbeiten müssen.

Bleib Du selbst, bleib kämpferisch...
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Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.

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Re: Der Countdown läuft und eine spannende Frage

Post 15 im Thema

Beitrag von Michi2011 »

Liebe Vanessa,

zunächst: Welcome back ---)))

Jaja, die "neuen Medien" - gibt Mensch ein klein wenig zu viel von sich Preis tauchen gleich unzählige Besserwisser auf.
VanessaB hat geschrieben:
Fr 17. Jul 2020, 04:58
... Das dies nur wenige Menschen erkennen und auch so sehen, ist ja nicht mein Problem, sonder das der anderen und solange ich auf meinem Weg Akzeptanz, Toleranz und auch Liebe für mich finde, warum sollte ich einer Mehrheit genügen wollen und mich "verstellen"? ...
Das ist es: Verstellen - Niemals! Du bist Du und niemand anderes hat das Recht dich zu Kritisieren. Es wir immer Individuen geben, die die Individualität des anderen Menschen nicht Erkennen, Tolerieren, geschweige denn Akzeptieren. Diese Menschen haben in meiner Welt keinen Platz und wundern sich, dass ich diese Ignoriere. Ich denke, Du machst das ähnlich.

Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute für die OP.

LG, Michi
Folgende Benutzer bedankten sich bei AutorIn Michi2011 für den Beitrag:
Lisa-Weber (Fr 17. Jul 2020, 10:19) • VanessaB (Fr 17. Jul 2020, 12:17)
Bewertung: 3.23%
Zunächst kümmere ich mich um meine Probleme - danach kann ich auch das Welthungerproblem angehen.
Erfolg kommt mit "Ich kann" und nicht durch "Ich kann nicht" (Henry Brooks-Adams) - Stimmt in jeder Hinsicht

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