Melissas Memoiren
Melissas Memoiren - # 2

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Anne-Mette
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Re: Melissas Memoiren

Post 16 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

eine weitere Unterteilung in Abschnitte und etwas weniger Textbreite insgesamt würde der Lesbarkeit gut tun.

Gruß
Anne-Mette
manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 17 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Anne-Mette hat geschrieben: Mi 24. Nov 2021, 10:38 Moin,

eine weitere Unterteilung in Abschnitte und etwas weniger Textbreite insgesamt würde der Lesbarkeit gut tun.

Gruß
Anne-Mette
Hallo Anne-Mette,

was meinst du denn mit Textbreite? Kann ich die irgendwo ändern? Ich nutze das Forum nur mit dem Smartphone, von daher weiß ich nicht, wie es am PC aussieht. Hier ist alles gut lesbar. (smili)

Liebe Grüße,
Melissa
Anne-Mette
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Re: Melissas Memoiren

Post 18 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

manchmal_melissa hat geschrieben: Mi 24. Nov 2021, 14:18 Ich nutze das Forum nur mit dem Smartphone,
OK, dann vergiss, was ich geschrieben habe.
Viele Grüße
Anne-Mette
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Re: Melissas Memoiren

Post 19 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Die Mottowoche - Teil 2

Ich war voller Vorfreude und konnte es nicht erwarten, professionell zur Frau gestylt zu werden. Gleichzeitig war ich wie immer darauf bedacht, mir das nicht zu sehr anmerken zu lassen. Und je näher das Ereignis rückte, desto zäher zog sich die Zeit.

Drei Tage vor meinem großen Auftritt besuchte ich Julia, um meine Klamotten abzuholen. Ich hatte mit ihr ausgemacht, dass sie mir drei Outfits herauslegt, von denen sie denkt, dass sie mir passen könnten. Als ich in ihr Zimmer kam, war ich verwirrt. Zwei Outfits enthielten Hosen. Das dritte einen Rock und eine Bluse. Dabei hatte ich mich so auf eines ihrer Kleider gefreut. Es geht ja bei so einer Mottowoche nicht darum, möglichst alltagstauglich gekleidet zu sein. Ich merkte also beiläufig an, dass ich eigentlich erwartet hatte, eines ihrer Kleider zu tragen. Sie fragte mich tatsächlich, ob mir das nicht zu peinlich sei. Sie habe mir extra kein Kleid herausgelegt, weil das ja schon gewagt wäre. Ich musste lachen. Irgendwie war die ganze Situation lustig. Da traute ich mich einmal, in so einem dankbaren Rahmen, meine Wünsche frei auszusprechen, schon bremsten mich andere. „Ach was!“, lachte ich weiter und winkte nur ab. „Wenn, dann richtig, oder?“ Julia musste daraufhin auch lachen und stimmte mir zu. Sie holte das weiße Cocktailkleid aus dem Schrank, das ich schon einmal getragen hatte. Dazu gab sie mir dann wieder drei Strumpfhosen, um meine Beinhaare zu verdecken und einen ihrer BHs, den ich mit Socken ausstopfen sollte. Julia meinte zwar, diese Sachen auch noch anzuziehen sei für eine Anprobe nicht notwendig, doch ich bestand darauf. Das Kleid könnte ja ohne BH passen und mit nicht mehr, und unrasierte Beine in einem Kleid sähen doch schrecklich aus. Ich zog also die Unterwäsche an und schlüpfte schnell in das Kleid, um zu schauen, ob es noch passte. Es fühlte sich nach so langer Zeit wieder schön an, obwohl es nichts neues war. Natürlich passte es noch.

Ich fragte Julia, welche Schuhe ich darauf anziehen könnte. Sie holte ein Paar Stiefeletten, die mir durchaus bekannt waren und von denen ich nicht begeistert war… Zu einem Cocktailkleid passten die nicht wirklich, außerdem waren sie ja damals schon etwas zu groß. Dennoch probierte ich sie an, aber ich musste schnell feststellen, dass ich darin nicht einen ganzen Tag herumlaufen konnte. Ich rutschte einfach zu sehr in den Schuhen herum. „Hast du noch andere?“, fragte ich sie, in der Hoffnung, doch noch etwas passendes zu finden, in jeder Hinsicht. Aber Julia schüttelte den Kopf. Ich hätte noch ihre Pumps oder Ballerinas tragen können, aber die waren beide relativ neu und noch größer. Ihre Winterstiefel hätten wirklich gar nicht mehr zum Kleid gepasst, und ansonsten hatte sie nur Sneaker.

Ich musste also irgendwo anders noch Frauenschuhe herbekommen. Natürlich wusste ich sofort, woher. Ich schrieb Anna eine Nachricht, auch wenn es sich schlecht anfühlte, weil wir schon zu dieser Zeit nur noch sehr sporadischen Kontakt hatten. Aber sie freute sich über mein Interesse an ihren Schuhen. Sie könne da bestimmt helfen, ich solle einfach vorbeikommen. Es müsse nur heute sein, weil sie übers Wochenende geplant habe, wegzufahren. Ich verabschiedete mich also zeitnah von Julia und fuhr direkt zu Anna. Sie begrüßte mich mit zwei Paar Schuhen in der Hand schon an der Wohnungstür. Es waren die grauen Stiefel, die ich ebenfalls schonmal getragen hatte, und ein Paar mintfarbene Pumps mit Keilabsatz. Anna drückte mir beide in die Hand und bestand darauf, dass ich ihr ein Bild schicke, wenn ich fertig gestylt bin. Ich versprach es ihr und verabschiedete mich. Die Schuhpaare durfte ich beide mitnehmen und mich spontan entscheiden, welche ich tragen möchte.

Ich fuhr also nach Hause und hatte alles im Kofferraum, was ich brauchte und zu Hause wartete bereits die Perücke, die ich schon zuvor besorgt hatte. Zu meiner großen Freude war bei meiner Ankunft niemand daheim. In meinem Zimmer musste ich sofort die Schuhe anprobieren und warf mich dafür natürlich gleich in das ganze Outfit. Ich wollte unbedingt alles im Zusammenspiel sehen. BH an, Socken rein, Strumpfhosen hochfriemeln, Kleid überwerfen, zum Schluss die Perücke, fertig. Schon stand eine junge Frau in meinem Zimmer (natürlich nur, wenn man vom Gesicht und der leicht behaarten Brust absah). Ich betrachtete mich im Spiegel und war durchaus zufrieden. Wenn ich die Augen etwas zusammenkniff, konnte ich keine männlichen Züge mehr erkennen. Dabei hatte ich doch glatt die Schuhe vergessen! Ich zog erst die grauen Stiefel an, weil ich wusste, dass sie nicht zu dem Kleid passen würden. Aber ich liebte wie früher das Gefühl, den Reißverschluss hochzuziehen und auf den hohen Absätzen zu laufen. Zum Kleid allerdings sahen sie wie erwartet scheußlich aus. Also schlüpfte ich in die mintfarbenen Pumps und war auf Anhieb begeistert. Meine Beine sahen augenblicklich dünner und länger aus. Der Keilabsatz war angenehm zu tragen und etwa 6cm hoch. Auch diese Schuhe waren einen Tick zu groß, aber ich hatte noch einen stabilen Stand darin. Ich war glücklich. So würde ich wirklich hübsch gekleidet sein und mich wohlfühlen. Ich behielt die Sachen noch eine Weile an und übte mit den Schuhen, bis ich wusste, dass meine Eltern bald nach Hause kommen würden.

Das ganze wiederholte ich in den nächsten Tagen jedes Mal, wenn ich alleine war oder abends zum Schlafen in mein Zimmer ging. Jeden Tag trug ich die Strumpfhosen, das Kleid und die Schuhe. Ich konnte nicht genug davon bekommen nach meinem unfreiwilligen Entzug. Eine Nacht lang schlief ich sogar in den Strumpfhosen, weil sie sich so schön und meine Beine sich damit so glatt anfühlten (zumindest im Vergleich zur dort sonst anzutreffenden Haarpracht). Leider wusste ich ja auch, dass ich die Sachen schon bald wieder abgeben musste. Also genoss ich diese Tage, in denen ich plötzlich stolzer Besitzer einer minimalistischen, femininen Garderobe war, in vollen Zügen.
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Re: Melissas Memoiren

Post 20 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Die Mottowoche - Teil 3

Die finalen Vorbereitungen für das Großereignis begannen schon am Abend zuvor. Ich übernachtete bei meiner Freundin, die sich doch noch als hilfreich erwies. Sie erklärte sich bereit, mir die Nägel zu lackieren, um am nächsten Morgen Zeit zu sparen. Ich hätte am liebsten einen mintgrünen Nagellack gewählt, der besonders gut zu den Schuhen gepasst hätte. Ich war mir sicher, dass sie so einen selbst schonmal benutzt hatte. Aber er war leider partout nicht aufzufinden. Also entschied ich mich für ein zartes Rosa, um zumindest bei Pastelltönen zu bleiben. Meine Nägel hatte ich extra länger wachsen lassen als sonst, damit meine Hände ein bisschen femininer wirkten. Meine Freundin lackierte sie gekonnt und war wie schon Lara damals sehr begeistert von meinen schönen Fingern. Durch die langen Nägel sahen sie noch hübscher aus als beim letzten Mal, als sie lackiert wurden. Als Sahnehäubchen suchten wir noch passenden Modeschmuck aus, den ich am nächsten Tag tragen sollte. Es wurde eine weiße Perlenkette, zusammen mit passenden Armbändern. Danach legten wir uns schlafen und ich hatte ein Gefühl der Vorfreude, das ich nur von Urlauben oder Ausflügen kannte: Man ist aufgeregt und freut sich, gleichzeitig kommt einem die Vorstellung surreal vor, das Geplante am nächsten Tag wirklich zu erleben. Entsprechend schlecht schlief ich wieder, und jedes Mal wenn ich wach wurde, vergewisserte ich mich mithilfe des Nagellacks auf meinen Fingernägeln, dass das alles gerade wirklich passierte.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf. Wir hatten uns 1,5 Stunden vor Schulbeginn mit Julias Cousine verabredet, aber vorher musste ich natürlich noch gründlich die Brust und das Gesicht rasieren. Ich sollte bereits fertig angezogen dort ankommen, um Zeit zu sparen. Das Schminken selbst sollte dann eine knappe Stunde dauern.

Ich sagte also meiner Behaarung den Kampf an und zog danach, fast schon routinemäßig durch die Erfahrungen der letzten Tage, mein Outfit an. Zum Schluss setzte ich schonmal die Perücke auf, weil ich mich im Kleid damit wohler fühlte. Aus Sicherheitsgründen hatte ich allerdings noch meine Sneaker an, weil ich selbst zu Julias Cousine fuhr. Meine Freundin wollte bei dem Ereignis natürlich dabei sein, nahm aber lieber auf dem Beifahrersitz Platz. Vor dem Haus angekommen zog ich meine Sneaker aus und wechselte in die Pumps. „Willst du die jetzt schon anziehen? Du bist doch noch nicht mal geschminkt“, sagte meine Freundin etwas verwirrt. „Natürlich!“, grinste ich nur und öffnete die Autotür. An der Haustür wartete schon Julia, die ja nicht weit weg wohnte und sich ebenfalls unter die Schaulustigen mischte. Julias Cousine begrüßte uns herzlich und nahm dankbar eine kleine Aufmerksamkeit von mir in Empfang. Das war ich ihr wirklich schuldig, denn sie machte das alles umsonst. Ich hatte mehrfach bei Julia nachgefragt, ob ihre Cousine nicht dafür bezahlt werden wollte, wenigstens die Materialkosten. Aber diese Frau hatte so viel Spaß an der Sache, dass sie mich einfach als kostenloses Übungsmodel ansah.

Weil die Zeit knapp war, redeten wir nicht lange um den heißen Brei herum, sondern ich setzte mich schnell auf den bereitgestellten Stuhl. Auf dem Schminktisch vor mir war alles ausgebreitet, was das Herz begehrt. Im Gegensatz zum Ergebnis hatte ich den Prozess ja schon immer gemocht, aber dieses Mal war es Wellness pur. Die tollen Produkte auf meiner Haut, die professionellen Schwämme und Pinsel, die geübte Hand von Julias Cousine - es fühlte sich an wie eine Stunde Haarewaschen beim Frisör. Die Visagistin gab sich richtig viel Mühe. Nachdem mein Augen-Make-up fast fertig war, fragte sie in die Runde nach der Uhrzeit. Es war erst eine gute halbe Stunde vergangen. „Perfekt!“, sagte Julias Cousine, „dann können wir sogar noch künstliche Wimpern kleben!“ Diese Frau nahm ihren Job wirklich ernst. Ich bekam also noch ein Paar künstliche Wimpern verpasst, und als ich schon dachte, ich würde gar keine Farbe auf die Lippen bekommen, schminkte sie die auch noch gekonnt. Zum Schluss kontourierte sie noch mein Dekolleté, setzte meine Perücke auf, nickte zufrieden und holte einen Spiegel. Es war wirklich nervenaufreibend. Ich freute mich so darauf, mich endlich mal als Frau zu sehen, gleichzeitig hatte ich auch ein bisschen Angst davor, wer mich da gleich im Spiegel anschaut. Immerhin sollte ich so heute noch in die Schule. Julias Cousine stellte den Spiegel auf den Tisch und drehte ihn langsam zu mir.

Im ersten Moment erkannte ich mich nicht wieder. Klar, auf den zweiten Blick konnte man meine Gesichtszüge gut erkennen, aber ich war schon erstaunt über den Grad der Verwandlung. Meine Haut sah sehr ebenmäßig aus, glatt und strahlend. Bartschatten war natürlich überhaupt keiner mehr zu sehen, doch damals wusste ich nicht, was für eine Herausforderung das war. Meine Lippen hatten einen matten, dunkelroten Anstrich bekommen und sahen sehr voluminös aus, dazu merkte ich die Farbe jedes mal, wenn ich den Mund auf und zumachte - ein herrliches Gefühl, weil es mich jedes Mal daran erinnerte, wie toll meine Lippen geschminkt waren. Bei den Augen hatte sich Julias Cousine aber die meiste Mühe gegeben. Der Lidschatten war kräftig, aber nicht zu auffällig geraten, und in die Farbe, ein dunkles rotbraun, hatte sie tatsächlich die Pastelltöne gemischt, die sich an meinen Schuhen und auf meinen Fingernägeln wiederfanden. Trotzdem sah ich nicht wie ein Paradiesvogel aus, denn es war alles nur ganz leicht angedeutet. So passte am Ende farblich alles zueinander. Das Highlight waren aber die künstlichen Wimpern. Eigentlich wären die nicht wirklich nötig gewesen, weil ich von Natur raus recht lange und kräftige Wimpern habe. Trotzdem waren die künstlichen nochmal was ganz anderes. Meine Augen wirkten riesig, die Wimpern waren sehr lang und dicht, aber so gut geklebt, dass sie nicht unnatürlich aussahen. Und auch hier war das schönste eigentlich das Gefühl; die schweren Lider, die mich bei jedem Zwinkern daran erinnerten, dass ich optisch gerade eine Frau war.

Wenn ich die Bilder heute sehe, war das Make-up schon ein bisschen übertrieben. Ich sah nicht aus wie eine Drag-Queen, aber ein unauffälliges Tages-Make-up sieht anders aus. Natürlich war das nicht das Ziel gewesen, und so freute ich mich damals über den dramatischen Look und auf den sicher unvergesslichen Auftritt. Heute schminke ich mich anders, auch wenn es mir immer noch schwerfällt, es nicht zu übertreiben und eine gute Balance zu finden zwischen dem kaschieren der maskulinen Gesichtszüge und einem natürlichen Look. Aber zurück zu meinem Festtag: meine Freundin und Julia waren von meinem Anblick begeistert, und auch ich war durchaus angetan. Ich freute mich richtig darauf, mich so zu präsentieren und zu zeigen, wie toll ich als Frau aussehen kann. Und weil es mittlerweile auch schon spät war, machten wir uns schnell auf in die Schule…
-=Tom=-
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Re: Melissas Memoiren

Post 21 im Thema

Beitrag von -=Tom=- »

Ok,
es bleibt spannend :wink:. Ich freue mich schon auf Teil 4 :D.
Liebe Grüße

Tom
kathrin84
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Re: Melissas Memoiren

Post 22 im Thema

Beitrag von kathrin84 »

Hallo Melissa,

vielen lieben Dank das du uns so detailiert an deiner Lebensgeschichte teilhaben lässt.
Für deine Zukunft wünsche ich dir das beste.

Viele Grüße
Kathrin
--make it shine--
manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 23 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Die Mottowoche - Teil 4

Wir fuhren auf direktem Weg in die Schule, natürlich wieder mit mir am Steuer und in Sneakers statt Pumps. Die erste Anekdote passierte noch auf dem Hinweg. Uns kam ein Verwandter von mir entgegen. Ich winkte, meine Freundin winkte, doch auf der Gegenspur waren nur verwirrte Blicke zu sehen. Eine Nachfrage am nächsten Tag ergab: Er hatte mich tatsächlich nicht erkannt.

An der Schule angekommen wechselte ich noch im Auto in die Pumps und stieg möglichst elegant aus. Ich hatte sofort die Aufmerksamkeit einer vorbeilaufenden Mitschülerin, die zwar amüsiert, aber anerkennend lachte und meine Aufmachung mit einem „Wow!“ quittierte. Generell bekam ich viel Lob an diesem Tag, für mein Make-up (zu dem ich ja nun wirklich nichts beigetragen hatte), meinen schönen Beinen, meinem sicheren Gang in den Pumps und meiner femininen Körperhaltung. Letzteres war vor allem darauf zurückzuführen, dass nicht wenige meiner Mitschüler zwar einen Rock trugen, aber an ihrer sehr raumnehmenden Sitzhaltung nichts änderten. Das Niveau lag also nicht sonderlich hoch.

Dass auch bei mir noch ganz viel Luft nach oben war, merkte ich vor allem im Nachgang, als ich ein Video von mir sah. In der großen Pause war nämlich ein Catwalk vorbereitet worden, auf dem sich alle Kurzzeitfrauen präsentieren sollten. Es machte mir großen Spaß, auch weil ich mit Kleid und professioneller Schminke zu den optischen Highlights gehörte. So im Mittelpunkt zu stehen, Szenenapplaus zu bekommen, das war schon ungewohnt und gleichzeitig schön. Das ganze Event wurde natürlich gefilmt und am nächsten Tag an die gesamte Stufe verteilt. Auf besagtem Video sah ich mich dann auch zum ersten Mal in Bewegung und war etwas erschrocken: Der Gang war gewohnt sicher, die Schritte waren behutsam und sanft gesetzt, die Knie durchgestreckt aber trotzdem beweglich. Spätestens ab der Hüfte war es aber eine Katastrophe. Ich war so bedacht darauf, alles richtig zu machen, dass ich viel zu steif war. Mein Oberkörper wirkte wie einbetoniert, die Hüfte bewegte sich kein bisschen, ebenso wie die Schultern, lediglich die Arme schwangen halbherzig mit. Durch dieses Video lernte ich zwei Dinge. Erstens: Es gehörte mehr als gute Technik in hohen Schuhen zum weiblichen Gang. Und zweitens: Ich hatte noch sehr viel zu lernen.

Der Tag bot aber auch weiterhin positive Erlebnisse. In einer Freistunde und der anschließenden Mittagspause gingen wir mit ein paar Leuten zum Italiener, um den Tag gebührend zu feiern. Es muss ein wirklich merkwürdiger Anblick gewesen sein, denn es hatten sich nicht alle viel Mühe mit ihrem Outfit gegeben. Wir hatten dennoch großen Spaß und spielten ein wenig mit den Geschlechterklischees. Das Mittagessen war auch der erste längere Zeitabschnitt, bei dem meine Freundin dabei war, weil wir in der Schule nicht einen Kurs gemeinsam belegten. Ihr schien meine Verkleidung auch Spaß zu machen. Sie schaute immer wieder zu mir rüber, schüttelte ungläubig den Kopf und lächelte mich an. Als ein paar Jahre später alles rauskam, sagte sie, in diesem Moment, in der Mottowoche beim Italiener, habe sie zum ersten Mal etwas geahnt.
Auf dem Weg zurück zur Schule waren wir dann zu zweit unterwegs, weil die meisten schon frei hatten. Ich dagegen freute mich, an dem Tag über die volle Distanz gehen zu müssen, oder besser zu dürfen. Meine Freundin war immer noch belustigt und fragte mich, ob wir das nicht öfter machen wollten, weil es so cool war. „Wenn du das möchtest - na klar!“, war meine etwas unbeholfene Antwort. Eigentlich war das eine klasse Vorlage gewesen, aber sie hatte mich damit überrascht und ich habe instinktiv davon ablenken wollen, dass es auch mir sehr gefällt. Leider war ihr Vorschlag nicht ganz ernst gemeint, wie sich in Zukunft noch zeigen sollte. Es gab dann doch einen beträchtlichen Unterschied zwischen „aus Spaß als Frau verkleiden“ und dem (für mich) Grundbedürfnis Crossdressing.

Während viele meiner Mitschüler:innen also schon auf dem Heimweg waren, stand für mich die Verlängerung an. Nach der Mittagspause hatte ich noch Unterricht im Rechnerraum. Ich hatte meinen Ranzen schon vor dem Mittagessen neben dem Raum abgestellt, damit ich ihn nicht die ganze Zeit herumschleppen musste. Ich war als Erste meines Kurses da und kramte mit dem Rücken zur Treppe in meinem Ranzen herum, um Handy und Geldbeutel zu verstauen. Dazu bückte ich mich - ganz ladylike - mit geraden, eng zusammenstehenden Beinen. Ich hörte zwar jemanden die Treppe heraufkommen, dachte mir aber nichts dabei. Jemand blieb hinter mir stehen, räusperte sich und sagte: „Entschuldigung, aber den Computerraum habe ich heute für meinen Kurs gemietet.“ Ich erkannte die Stimme sofort, denn es war meine Lehrerin. Als ich mich umdrehte, fixierte sie schon meinen Ranzen, der mein einziges männliches Accessoire an diesem Tag war. Ihr schien es zu dämmern, noch bevor ihr Blick in mein Gesicht wanderte. „Ach ne, du bist das? Das glaub ich jetzt nicht!“ Wir mussten beide herzhaft lachen, bevor sie den Raum aufsperrte. Und weil wir bei dieser Lehrerin nicht etwa Informatik hatten und das Schuljahr so gut wie beendet war, hieß Computerraum, dass wir einen Film schauten. Einen Film, währenddessen ich mich voll und ganz an meiner neu gewonnenen, aber leider auch flüchtigen Weiblichkeit erfreuen konnte. Ich genoss es einfach, da zu sitzen, von Zeit zu Zeit die bestrumpften Beine übereinander zu schlagen, ihr feminines Aussehen in den Pumps zu bewundern und die Hände mit den lackierten Fingernägeln sanft in den Schoß zu legen. Hier lohnte sich dann auch nochmal das tolle Make-up, das ich immer noch im Gesicht spüren konnte. Ich fühlte mich weiblich, entspannt und schön und genoss einfach jeden kleinen Aspekt meiner Verwandlung. Zum ersten Mal badete ich so richtig in meiner eigenen Weiblichkeit und fühlte mich auch innerlich als Frau. Es war einer der schönsten Momente des Tages, entsprechend wenig interessierte mich der Film.

Zum Abschluss des Schultages bat mich eine Freundin noch um ein persönliches Erinnerungsfoto. Das müsse sie einfach festhalten, sagte sie. Ich tat ihr gerne den gefallen und posierte ein wenig mit ihr. Danach fuhr ich etwas wehmütig nach Hause, weil mein großer Auftritt schon vorbei war. Dort angekommen stattete ich en femme noch meinen Großeltern einen Besuch ab, weil auch sie unbedingt noch wissen wollten, wie ich „als Frau aussehe“. Auch diesem Wunsch kam ich gern nach, wobei mir die Verkleidung bei ihnen schon unangenehmer war als zuvor. In der Schule war es an diesem Tag normal gewesen, als Frau verkleidet zu sein und es gab durchaus auch Anerkennung, gerade von den Frauen. Bei meinen Großeltern dagegen war ich schon wieder so etwas wie eine Zirkusnummer, über die man lachte. Klar, auch in der Schule trugen wir zur Belustigung des Publikums bei und die Übergänge sind da auch fließend, aber ich fühlte mich plötzlich nicht mehr so wohl und Gefühle wie Scham überwogen wieder. Ich merkte, wie mir der geschützte Rahmen fehlte, weil ich so offen als Frau vor ihnen stand und plötzlich das Gefühl hatte: Dieser intime Teil von mir geht euch nichts an. Letztendlich fühlte ich mich aber vor allem schlecht, weil ich eines realisierte: Der Tag, die Verkleidung, das alles hatte mir viel zu gut gefallen.

Und genau da lag auch der Knackpunkt. Schon als ich mich zu Hause abschminkte, wusste ich, dass das nicht das letzte Mal gewesen sein konnte. Ich hatte zuvor so viele, verzweifelte Hoffnungen in diesen Tag gesetzt, weil ich dachte, er könnte mich befrieden. Einmal Frau sein, dann würde ich wissen wie das ist, und könnte mir den Gedanken aus dem Kopf schlagen. Das Gegenteil war der Fall. Ich hatte mich so fantastisch gefühlt. Ein Teil von mir, der die ganze Zeit über in mir geschlummert hatte, war plötzlich aufgeblüht. Ich fühlte mich so ausgeglichen wie selten zuvor und entfernte nur widerwillig das Make-up aus meinem Gesicht und legte mein Outfit ab. An diesem Abend stand fest: ich will das wieder. Und wieder. Und wieder. Ich bin Crossdresser. Meine weibliche Seite ist ein Teil von mir und sie wird nie wieder weggehen. So wurde der Tag doch noch zu einem großen Wendepunkt meiner Geschichte, aber in eine ganz andere Richtung, als ich vermutet und gehofft hatte. Er war ein Meilenstein auf meinem weg zu einem Teil von mir selbst, zu meiner weiblichen Seite, zu Melissa. Was im Nachhinein schön klingt und im Rückblick auch enorm wichtig war, stellte mich leider vor ein riesiges Problem, was meine Beziehung betraf.

Um ein Outing machte ich mir an diesem Tag und auch noch weit später aber keine Gedanken. Das lag zum einen daran, dass ich mich unvermindert dafür schämte, dass ich gerne eine Frau war, weniger vor mir selbst als vor anderen, gerade vor meiner Freundin. Zum anderen hätte ich schlicht nicht gewusst, wie ich das anstellen soll und sah außerdem noch keine Notwendigkeit. Mein Bedürfnis, von Zeit zu Zeit eine Frau zu sein, war erst einmal sehr sättigend gestillt und ich wollte abwarten, wie sich das entwickelt und wann das Bedürfnis wieder größer wurde. Außerdem stand in wenigen Monaten schon wieder meine Ferienfreizeit an und wenn ich mich nicht täuschte, sollte ich dort schon meinen nächsten Abend als Frau erleben…
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Re: Melissas Memoiren

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Beitrag von manchmal_melissa »

Marie wird erwachsen

In den Tagen nach der Mottowoche war ich immer noch sehr glücklich. Der Tag war einfach prägend gewesen und obwohl er mir andere Dinge prophezeit hatte als zunächst erhofft, hatte ich doch viel über mich selbst gelernt und im Nachhinein kann ich froh sein, dass alles so gelaufen ist. Als kleines Extra hatte ich mein Outfit noch für ein paar Tage in meinem Zimmer liegen und schlüpfte entsprechend oft wieder herein. Es war zwar nicht dasselbe wie outdoor mit dem fantastischen Make-up, aber es weckte tolle Erinnerungen.

Dabei sollte es zumindest mittelfristig glücklicherweise nicht bleiben, denn nachdem ich die Klamotten und die Schuhe wieder abgegeben hatte, freute ich mich schon auf das nächste Ereignis. Es war wieder alljährliche Ferienfreizeit, und ich war tatsächlich immer noch der jüngste Betreuer. Es war eine absolute Seltenheit, dass das zweimal in Folge die gleiche Person war und es bedeutete, dass Marie am Abschlussabend einen weiteren Auftritt haben würde. Im Vorfeld hatte ich bereits mit meiner Freundin darüber gesprochen und sie vorgewarnt, dass ich wohl mit glattrasierten Beinen nach Hause kommen würde. Das gefiel ihr leider überhaupt nicht. „Du kannst doch Strumpfhosen drüberziehen, so wie in der Mottowoche“, schlug sie vor. Ihre eigenen wollte sie mir aber nicht mitgeben, weil ich sie ja kaputt machen könnte. Ich versprach ihr trotzdem, mich darum zu kümmern, wollte mir aber nicht selbst welche kaufen, auch weil mir das schon wieder zu viel Eigeninitiative war und ich immer noch alles verbergen wollte. Das war total irrational, im Rückblick hätte es so viele bessere Möglichkeiten gegeben: der Tradition nachkommen, die Beine einfach rasieren und das tolle Gefühl nochmal genießen zum Beispiel, oder aber einfach selbst ein paar Strumpfhosen kaufen und sie für mich behalten. Aber ich war viel zu verkopft, machte es mir unnötig kompliziert und reiste unvorbereitet an.

Nun ist es ja so, dass kein normaler Mensch auf eine Ferienfreizeit eine Feinstrumpfhose mitnimmt. Aber ich (oder besser meine Freundin) hatte Glück: Eine Betreuerin reiste verspätet an und konnte mich theoretisch versorgen. Dabei handelte es sich um die Kollegin, die mir schon beim letzten Abschlussabend ihr Stretchkleid und ihre Ballerinas geliehen hatte, die Konfektionsgröße passte also ungefähr. Ich schrieb ihr spontan und sagte ihr, dass ich für den bevorstehenden Abschlussabend meine Beine nicht rasieren und stattdessen Strumpfhosen tragen wollte. Von wirklich wollen kann zwar keine Rede sein, weil ich das Gefühl der glatten Beine ja beim letzten Mal geliebt hatte, aber ich wollte meine Freundin auch nicht vor den Kopf stoßen. Die Betreuerin willigte ganz unkompliziert ein. Das war einfacher als gedacht.

Dann kam der Punkt, an dem ich zu viel wollte. Wenn ich mich in der langen Zeit mal irgendwo verraten haben sollte, dann war es in dieser Situation. Als „Ausgleich“, weil auf das Rasieren der Beine aus Traditionsgründen sehr viel Wert gelegt wurde, könne ich die Verkleidung doch noch ein bisschen optimieren. „Ich kann zum Beispiel ganz gut in hohen Schuhen laufen, falls du in die Richtung was mitbringen kannst.“ Auch kein Problem für sie, sie wollte nur nicht ihre guten Pumps zur Verfügung stellen, sondern ihre älteren Keil-Peeptoes. Ich versuchte zwar, sie zu den Pumps zu überreden, weil Strumpfhosen in offenen Schuhen meistens ein No-Go sind, aber da war nichts zu machen. Als nächstes fragte ich dann noch, ob sie plane, Nagellack mitzubringen, weil ich meine Fingernägel extra eine Weile nicht geschnitten hatte, falls jemand auf die Idee käme, sie zu lackieren. Und, zu guter Letzt, würde doch eine Perücke nicht schaden, bei meiner Kurzhaarfrisur, natürlich nur, falls sie eine besitzt. Ihr war das alles gleichgültig, sie stellte keine Gegenfragen oder ließ irgendwelche komischen Kommentare fallen. Sie brachte tatsächlich ein paar Tage später alles mit, was ich vorgeschlagen hatte. Auch als sie mir später mit den anderen beim Zurechtmachen half, fragte sich niemand, wo die ganzen Sachen herkamen und wessen Idee das war. Trotzdem glaube ich heute, dass das zu viel war. Ich stand noch so sehr unter dem Eindruck der Mottowoche, dass ich mich mit einer billigen Verkleidung einfach nicht zufrieden geben wollte. Vielleicht waren sich die anderen hinter meinem Rücken schon einig, dass mit mir etwas nicht stimmte. Ich weiß es nicht. Ich wurde auch nie darauf angesprochen. Heute ist es mir egal, weil ich die Leute sowieso kaum sehe, und selbst wenn sie von meiner weiblichen Seite wüssten, würde mich das nicht weiter stören. Trotzdem beschäftigte mich diese Entgleisung noch lange Zeit und ich machte mir Vorwürfe, weil ich so gierig und unvorsichtig gewesen war.

Aber zurück zum schönen Teil dieser Geschichte: meinem bisher letzten Auftritt als Marie. Die Beine musste ich mir zwar nicht rasieren, aber natürlich die Brust und das Gesicht. Das tat ich besonders gründlich, genoss im Anschluss eine ausgiebige Dusche und freute mich dabei auf den bevorstehenden Abend. Danach sammelte ich alles ein, was ich für meine Verwandlung benötigte und begab mich in das Vorbereitungszimmer. Das eigentliche Outfit ist immer eine Überraschung, aber ich bekam das gleiche Stretchkleid wie schon im vergangenen Jahr. Darunter sollte ich einen BH mit recht großer Körbchengröße tragen, der dieses Mal mit Socken ausgestopft wurde. Ich zog wieder gekonnt die drei Strumpfhosen an und schlüpfte in das enge Kleid. Die Keil-Peeptoes waren schwarz, der Absatz war aus einem Korkmaterial und maß sieben oder acht Zentimeter. Gar nicht mal so einfach, denn an der Ferse gab nur ein dünnes Riemchen Halt, die Schuhe waren eine Nummer zu groß und das Terrain hauptsächlich Schotter. Gut, dass ich an diesem Abend nur wenige Schritte darin laufen musste.

Auch den Rest der Vorbereitung verbrachte ich sitzend, denn ich wurde von den Betreuerinnen geschminkt. Das war wieder mal ein herrliches Gefühl, weil zwar nur eine von ihnen mich tatsächlich schminkte, aber drei Frauen gespannt um mich herum saßen, mein Make-up diskutierten und, mal wieder, meine Wimpern komplimentierten. Ich fühlte mich fast wie eine von ihnen. Als eine der drei dann das Flächschen Nagellack hervorholte, das ich zwar bestellt, aber vor lauter Aufregung vergessen hatte, ging mir das Herz auf. Während die eine Betreuerin mich fertig schminkte, streckte ich meine Hände auf dem Tisch vor mir aus und bekam zeitgleich die Nägel in einem zarten rot lackiert. Von gleich zwei Frauen auf diese Art gestylt zu werden war ein tolles Gefühl. In diesem Moment fühlte ich mich sehr weiblich, ein bisschen wie eine Prinzessin, die von ihren Helferinnen zurechtgemacht wird und sich dabei schön entspannen kann. Mein Make-up wurde zwar lange nicht so gut wie bei der Visagistin, aber es konnte sich sehen lassen. Ich bekam einen kräftigen, schwarzen Lidstrich, der meine Augen ganz gut betonte, und gleich zwei Schichten Wimperntusche. Meine Lippen zierte ein rubinroter Lippenstift. Zum Abchluss bekam ich noch die Perücke aufgesetzt, die leider nur eine sehr billige Faschingsperücke war, aber davon ließ ich mir den Abend nicht verderben. Da stand ich also wieder, kein halbes Jahr nach der wegweisenden Mottowoche, geschminkt, in Kleid und hohen Schuhen.

Als Marie auf die Bühne gerufen wurde, fühlte ich mich großartig. Ich konnte mit viel mehr Selbstbewusstsein rausgehen als noch vor einem Jahr, weil ich mich mit meinem Aussehen wohler fühlte. Es machte wieder eine Menge Spaß, wir spielten die gleichen Spielchen wie immer und ich genoss einfach nur das Rampenlicht. Auch die Kinder hatten sichtlich Spaß an meiner vergleichsweise aufwändigen Verkleidung. Einige sagten mir später, sie hätten mich gar nicht erkannt, andere meinten, es wäre die beste Verkleidung, die sie in diesem Rahmen bisher gesehen hatten. Ein schönes Kompliment, aber leider auch keine besondere Leistung, weil das Niveau wie schon erwähnt nicht so hoch war.

Im Vergleich zu einem ganzen Schultag verging der Abend wie im Flug. Das war alles fast zu viel Aufwand gewesen für diese kurze Zeit. Nach nicht mal drei Stunden hieß es leider wieder: abschminken, Nagellack runter, Klamotten aus. Es war ein schönes Intermezzo gewesen, in kleinerem Rahmen und nicht so emotional überladen wie in der Mottowoche. Ich sah zwar nicht so gut aus wie damals, aber genoss dennoch meine Zeit.

Wieder zu Hause freute sich meine Freundin über meine noch behaarten Beine und lobte meinen Look auf den Fotos, die ich ihr geschickt hatte. Ich versuchte sogar, ein paar Andeutungen zu machen, sagte, dass mir das echt wieder Spaß gemacht hatte, ich mich daran gewöhnen könnte, aber bekam nicht die gehoffte Reaktion. Statt das Gespräch zu suchen resignierte ich und beschloss, meine Neigung erst einmal geheim zu halten. Ich wusste einfach nicht, wie ich sonst damit umgehen sollte. Ich brachte es nicht übers Herz, mit meiner Freundin ehrlich darüber zu reden. Stattdessen klammerte ich mich an mögliche zukünftige Auftritte an Fasching, auf Mottopartys oder erneut während der Ferienfreizeit. Aber das war naiv und wurde mir selbst nicht gerecht. Es begann sich etwas aufzustauen, und das Ganze konnte eigentlich nur schiefgehen.
kathrin84
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Re: Melissas Memoiren

Post 25 im Thema

Beitrag von kathrin84 »

Hallöchen Melissa,

dein Thread liest sich einfach schön. An der Stelle meinen riesen Respekt das du uns so detailiert an deinem Leben teilhaben lässt.

Beim lesen erkenne ich mich an der einen oder anderen Stelle selbst immer wieder. Ich wünsche dir nur das Beste für die Zukunft und hoffe noch oft von dir lesen zu können.

Ganz liebe Grüße
Kathrin
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Re: Melissas Memoiren

Post 26 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Hallo Kathrin (und auch alle anderen)

ganz lieben Dank für dein erneutes Lob, es freut mich riesig wenn es euch gefällt und sich sogar jemand darin wiederfinden kann! (he)
Zum Nachdenken hat mich gebracht, dass du zum zweiten Mal schreibst, wie detailliert ich euch an meinem Leben teilhaben lasse. Klar, ich versuche so genau wie möglich zu beschreiben, wie die vielen kleinen Schritte auf meinem Weg abgelaufen sind. Aber im Grunde sind das ja nur kurze Spotlights auf einen sehr, sehr kleinen Teil meines bisherigen Lebens. Und trotzdem hat das Thema deutlich mehr Raum eingenommen, weil es in meinem Kopf irgendwann dauerpräsent war und wohl auch zeitlich unterrepräsentiert. :lol:
Wie auch immer, obwohl die super aufregende Jugend schon vorbei ist, gibt es noch einiges zu berichten. Und auch Stand jetzt bin ich noch nicht da, wo ich hinmöchte. Der Schreibstoff geht mir also erst mal nicht aus. Hoffentlich finde ich über die Feiertage ein wenig Zeit dafür.

Liebe Grüße,
Melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 27 im Thema

Beitrag von kathrin84 »

Hallöchen Melissa,
Ich bin schon voll neugierig wie es für dich weiter gegangen ist und wünsche mir daher sehr dass du die Tage etwas Zeit findest deine Lebensgeschichte weiter niederzuschreiben.

Liebe Grüße
Kathrin
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manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 28 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Hallo Kathrin,

keine Sorge, der nächste Abschnitt ist schon fast fertig. (smili)
Sieh die Stille hier als eine Art Sinnbild für meine Entwicklung damals: nach den großen und aufregenden Auftritten wurde es sehr still um meine weibliche Seite. Alles, was sich diesbezüglich in den folgenden Monaten abspielte, fand ausschließlich in meinem Kopf statt. Die Frage nach mir selbst, die Frage nach dem Outing, ob, wann, wie… Es fällt mir schwer, dafür die richtigen Worte zu finden, gleichzeitig möchte ich diesem Thema viel Raum geben, weil scheinbar viele lange in der gleichen Phase festhängen. Aber ich kann mich wohl zu dem Versprechen hinreißen lassen, dass ich es dieses Jahr noch schaffe. :wink:

Liebe Grüße,
Melissa
Andrea75
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Re: Melissas Memoiren

Post 29 im Thema

Beitrag von Andrea75 »

Hallo Melissa,
ich finde Deinen Werdegang auch recht interessant und bin schon ganz gespannt, wie aus Marie Melissa wird...

Liebe Grüße
Andrea
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Re: Melissas Memoiren

Post 30 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Innere Zerrissenheit

Die Zeit, die nach meinem letzten Auftritt im Ferienlager anbrach, war aus Sicht meiner weiblichen Seite die schwerste, die ich bisher erlebt habe. Während ich vor der Mottowoche „nur“ ein paar Monate auf sie verzichten musste, ging es jetzt eher um Jahre. Ich kann froh sein, dass der Rest meines Lebens in dieser Zeit sehr gut verlief, denn so hatte ich immer wieder auch positive Erlebnisse und fiel nicht in eine Depression. Gleichzeitig wurde ich dadurch regelmäßig daran erinnert, dass da noch was ist, ein ungelöstes Problem, der letzte Schlüssel zu relativ vorbehaltlosem Glück.

Dieses Gefühl war in der Lage einen enormen Druck aufzubauen, der mich mehrmals fast dazu drängte, mit meiner Freundin darüber zu reden. Aber eben nur fast. In diesen Phasen fiel es mir schwer, mich auf andere Dinge zu konzentrieren, schöne Erlebnisse zu genießen oder mich am Ende eines erfüllten Tages zu freuen. Es war immer dieses Problem im Hinterkopf, das gelöst werden wollte. Gleichzeitig habe ich es anfangs gar nicht hinbekommen, das Gespräch mit meiner Partnerin zu suchen. Ich habe teilweise wochenlang - und das ist keine Übertreibung - auf den perfekten Moment gewartet, nur um Luft zu holen und es dann doch nicht über die Lippen zu bringen. So blieb der Druck oft über längere Zeit konstant hoch und machte mir das Leben unnötig schwer. Rückblickend wirkt das völlig irrational, aber Schamgefühle und Verlustängste hatten mich fest im Griff und vereitelten immer im letzten Moment ein klärendes Gespräch. Alles andere war so perfekt, dass ich die Beziehung auf keinen Fall riskieren wollte. Heute weiß ich, dass ich sie durch mein Schweigen erst recht gefährdete. Aber ich war wie gelähmt, konnte das Thema nicht ansprechen und machte meine ganzen Sehnsüchte und Bedürfnisse mit mir selbst aus.

Dann gab es wieder Phasen, in denen ich z.B. durch beruflichen Stress in eine Verdrängung rutschte, meine weibliche Seite sogar phasenweise vergaß. In diesen ging es mir sogar besser, die innere Zerrissenheit trat weit in den Hintergrund, und weil alles andere in meinem Leben ja prima lief, war ich auch glücklich. Aber, und ich denke das kennen die meisten hier, diese Phasen wurden mit der Zeit immer kürzer. Das Bedürfnis, nochmal eine Frau zu sein, kam jedes Mal zurück und wurde stetig stärker. Die Trigger, die es auslösten, immer banaler. Natürlich musste ich an meine weibliche Seite denken, wenn ich mir ein Faschingskostüm überlegte und mit einer Verkleidung zur Frau kokettierte. Natürlich waren die Gedanken wieder da, wenn das Thema in Film und Fernsehen behandelt wurde. Natürlich konnte ich nicht an die nächste Ferienfreizeit denken, ohne verzweifelt auf einen erneuten Auftritt zu hoffen. Aber irgendwann konnte ich kaum eine hübsch zurechtgemachte Frau mehr ansehen, ohne zu denken: Toll gepflegte Nägel, ich wünschte, meine würden mal wieder so aussehen. Schöne Stiefel, so welche hätte ich auch gerne. Was wäre das wohl für ein Gefühl, auf diesen Absätzen durch die Fußgängerzone zu laufen? Was für ein perfektes Make-up, das würde ich auch gern können. Ob ich es je schaffen würde, mich überzeugend zu schminken und damit als Frau gelesen zu werden? Wenn es mal wieder soweit war, erinnerte einen alles, einfach alles daran, dass da noch etwas war, dass da noch etwas fehlte.

Diese beiden Phasen wechselten sich munter ab und die Kunjunkturkurve meines Gemütszustands schlängelte sich langsam, aber sicher nach unten. Etliche Male hatte ich mir vorgenommen, mit meiner Freundin zu reden, zwei Jahre lang ist nichts passiert. Absolut gar nichts. Es kommt mir rückblickend so absurd vor, wie lang dieser Zeitraum war. Zwei Jahre, in denen ich nicht den Mut hatte, mich ihr auch nur ansatzweise zu öffnen. Aber mit jedem missglückten „Versuch“, bei dem ich schließlich doch schwieg, wurde es schlimmer. Ich traute mich immer weniger, weil ja auch die Zeit des Verschweigens und damit des Vertrauensverlustes immer länger wurde. Allein die Vorstellung einer positiven Reaktion ließ mich von Zeit zu Zeit wieder Mut schöpfen: Vielleicht fände sie das alles ja gar nicht so schlimm? Sie ist so ein toleranter Mensch, warum sollte sie mich dafür verurteilen oder gar verlassen? Auch das Forum hier half mir dabei, die möglichen positiven Auswirkungen zu sehen. Und so bröckelte in den guten Phasen mein innerer Widerstand gegen ein Outing, während die schlechten Phasen immer mehr an mir nagten.

Was mich über diese, für die Frau in mir sehr karge Zeit trug, war meine Fantasie. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, die Klamotten meiner Freundin anzuziehen oder mir gar selbst welche zu kaufen. Ich war für fast alle ihrer Kleidungsstücke einfach zu breit gebaut, konnte der Versuchung also auch ganz gut widerstehen. Außerdem war die Angst, erwischt zu werden oder ihre Klamotten kaputt zu machen viel zu groß. Ich konnte mich nicht in der Realität ausleben, also musste ich es in Gedanken tun. Ich flüchtete mich regelmäßig in meine Fantasie, um meiner weiblichen Seite wenigstens ein bisschen Raum zu geben. Ich schwelgte in Erinnerungen an vergangene Zeiten, in denen ich noch oft die Gelegenheit gehabt hatte, mich als Frau zu verkleiden. Unzählige Male habe ich den Geschlechtertausch während der Mottowoche durchlebt, mich an den tollen Momenten festgeklammert und mir vorgestellt, all das nochmal tun zu können. Wieder und wieder malte ich mir in den buntesten Farben aus, wie es wohl wäre an Fasching als Frau zu gehen, überlegte mir Möglichkeiten, wie ich zu so einer Verkleidung kommen könnte, ohne mich zu verraten, konzipierte in meinem Kopf ganze Outfits für verschiedene Themen und verwarf sie wieder. Ähnlich verhielt es sich mit der kommenden Ferienfreizeit. Ich träumte regelmäßig von vergangenen und zukünftigen Auftritten und hoffte so sehr, die Kunstfigur Marie perfektionieren zu können. Auch eine jährliche Mottoparty an der Uni meiner Freundin hatte es mir angetan. Wie gerne hätte ich dort mal eine Nacht als Frau durchgetanzt. Auch das spielte ich viele Male durch, malte mir aus, welche Schuhe ich tragen würde, welches Kleid, wie ich geschminkt wäre.

In dieser Zeit verschlang ich auch alle Webseiten, die mit Crossdressing zu tun hatten, darunter auch dieses Forum. Ich las haufenweise Erfahrungsberichte wie diesen, was mich enorm aufbaute. Anderen ging es also genauso wie mir. Ich liebte die Geschichten, ob wahr oder erfunden, und stellte mir jedes Mal vor, dass das Erzählte mir passierte. Aber auch über Tipps und Tricks konnte ich hier und auf anderen Seiten sehr viel erfahren. Ich wollte alles lernen, wollte perfekt vorbereitet sein, falls mein nächster großer Moment kommen würde.

Doch es nützte alles nichts. Es kam kein großer Moment. Egal was ich mir vorstellte, all das passierte nie. Ich traute mich einfach nicht, meine Fantasie in die Tat umzusetzen. Dabei wäre es so einfach gewesen. Meine Freundin hätte mich für so einen Vorschlag niemals verurteilt, und es wäre ein super Gesprächseinstieg gewesen. Aber ich war einfach blockiert. Immerhin konnte ich mir einen reichen Erfahrungsschatz anlesen, von dem ich heute noch profitiere. Trotzdem: Es musste sich etwas ändern. So konnte es einfach nicht weitergehen. Als diese Erkenntnis endgültig zu mir durchgedrungen war und ich akzeptierte, dass ich die Unterdrückung eines Teils meiner Persönlichkeit nicht mein Leben lang aushalten kann, reichte mein Mut eines Abends im Jahr 2017 aus…
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