Blutengel
Blutengel - # 5

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Dwt-Lilo-SL
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Re: Blutengel

Post 61 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL »

Na super mit geht es gesundheitlich nicht gut,
aber deine Geschichte bzw die Fortsetzung hat alles weggewischt.
Fühle mich nach dem Lesen und dem Genuss zweier Tassen Pfefferminztee wider
wie neu geboren.
DANKE Steffi
lg von kranken LILO
Seufzer gleiten die Seiten des Herbstes entlang,
Treffen mein Herz mit einem Schmerz dumpf und bang

Stephanie
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Re: Blutengel

Post 62 im Thema

Beitrag von Stephanie »

Ooch Menno, du krankes Huhn. Ich wünsche Dir eine gute Besserung. (cof)

Viele liebe Grüße
Stephanie
Wäre ich schlank, würde euch das nur unnötig geil machen...

Stephanie
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Re: Blutengel

Post 63 im Thema

Beitrag von Stephanie »

Die Kneipe im Vorharz Teil 9

„Ich brauch noch mal Nachschub, die letzte Runde hat echt hungrig gemacht“, sagt Alex. „Ich komme mit“, sage ich und gehe mit Alex zum Buffet. Wir laden uns einige Leckereien auf die Teller. „Das Carlos so reagiert ist echt cool,“ sagt Alex, „das ist eigentlich der genauste von uns allen.“ „OK, na dann lasse ich mich mal überraschen“, antworte ich. Wir gehen wieder zum Sitzplatz. Micha hat sich die Songliste, an die wir uns nun gar nicht mehr gehalten haben, und die Kladde mit den Wünschen der Zuschauer geholt. „Mal schauen, wie es weitergeht, was?“ fragt er in die Runde. Ich schaue zu Tom. Der fasst sich ab und zu auf die Schulter und verzieht leicht das Gesicht. „Brauchst auch mal eine Auszeit?“ fragt Alex. Tom nickt. „Komm ich massier Dich“, bietet Katja an, „hab ich mal gelernt.“ „Gerne“ sagt Tom. „Dann gehe ich ans Schlagzeug“, sagt Micha, „schauen wir mal was wir dann so spielen können.“ „Kannst Du auch noch ein anderes Instrument?“ fragt mich Micha. „Ich hatte als Kind Gitarren- und Klavierunterricht“, sage ich, „ein bisschen was geht bestimmt.“ „Also, eine Klampfe kannste halten?“ fragt Alex grinsend. „Ich glaub schon“, grinse ich zurück, „gib mal bitte die Liste und die Zuschauerwünsche, Micha. Ich studiere die Liste nach den Sachen, die ich gut kann. „Ach guck“, sage ich, „Sweet, Status Quo und Slade. Ha! Kann ich.“ Dann sehe ich auch noch andere Stücke, die ich evtl. noch kann. Ich hole mir eine Gitarre und setze mich wieder. Dann stöpsele ich wieder den Stick in die Buchse. „Geht das auch mit einem Headset? Also zusätzlich mit Mikro?“ frage ich Frank. „Aber sischer dat!“ antwortet er und gibt mir eins. Ich setze es auf und schiele nebenbei auf die Liste der Zuschauerwünsche. Die Jungs setzen sich ebenfalls Kopfhörer auf, außerdem sehe ich Katja und Bernie damit. Ich spiele einige Songs von Placebo an. „Boah, ich werd verrückt“, höre ich Bernie sagen. Dann gibt er seine Kopfhörer an Sandra weiter, die sich schon einige Zeit mit ihm unterhielt. „Steffi, das machen wir mit den Placebo Songs“, sagt Micha begeistert zu mir. „Wart noch mal kurz, ich will da noch mal was anderes probieren“, sage ich. Ich spiele die Anfangssequenz von „She sells Sanctuary“ von The Cult an. Dann „Just like Heaven“ von The Cure. „Alter Schwede, ich wird‘ weich“, sagt Alex grinsend. Fast schüchtern fragt Sandra: „Könnt ihr auch U2?“ „Gib mal die Klampfe rüber“, sagt Alex zu mir. Ich gebe sie ihm und er spielt die Anfangssequenz von „Bad“ von U2. Ich steige nach kurzer Zeit mit dem Gesang ein, was Sandra dazu veranlasst mit Tränen in den Augen aufzustehen und rauszulaufen. Alex hört auf zu spielen. „Hab ich was falsch gemacht?“ fragen Alex und ich gleichzeitig. „Nicht wirklich“, sagt Tom, „hört sich aber so schon wahnsinnig toll an.“

Wir legen dann die Reihenfolge der Songs fest, die wir als nächstes spielen wollen. Als wir damit fertig sind sage ich: „Nehmt es mir nicht übel, aber ich habe immer noch Hunger!“ „Macht ganz schon hungrig, was?“ fragt Micha. „Jetzt verstehe ich auch, warum die ganz „Großen“ vor Konzerten immer so ein Buffet haben“, bemerke ich. „Siehste!“ sagt Tom und geht mit mir zum Buffet. In der Zwischenzeit sind ein paar mutige Leute dabei Karaoke zu singen. Im Gegensatz zu uns singen sie viel Schlager und neuere Songs mit deutschen Texten. „Ist ein schöner Gegenpol zu unserer Musik“, sagt Tom. Ich stimme ihm zu. „Eine gute Mischung“, sage ich.
Als wir mit unserem Futter zu unseren Plätzen zurückgehen, sitzt neben Micha ein Herr, der mich beim Näherkommen anschaut. Micha stellt uns einander vor. „Das ist Achim, ein guter Bekannter von uns“, sagt Micha. „Angenehm, Stefanie“, sage ich. „Achim schreibt öfter Mal Artikel im Braunschweiger Stadtmagazin“, sagt Micha weiter. „Oho!“ sage ich etwas zurückhaltend, was Achim etwas auf Abstand hält. „Darf ich Dich etwas fragen?“ sagt er dann in meine Richtung. „Ja!“ antworte ich. „Ich kenne die Band schon länger“, sagt er, „seit wann bist Du dabei?“ „Seit gestern Abend“, antworte ich, „allerdings gehöre ich eigentlich nicht zur Band.“ Achim stutzt, während sich die Jungs einen grinsen. „Ich bin quasi als Aushilfe hereingerutscht“, sage ich weiter. „Wie jetzt?“ staunt Achim, „ihr kennt euch erst seit ein paar Stunden und zieht hier eine Show ab, wie die Großen?“ „So ist es!“ antwortet Tom. Dann klären wir Achim auf, wie es dazu gekommen ist. „Unglaublich“, bemerkt er, als wir fertig sind. Nach ein paar Minuten fragte er uns dann: „Ich würde gerne über diese Party hier einen Artikel schreiben. Von Bernd und Jens habe ich schon eine Erlaubnis. Darf ich auch über euch etwas schreiben?“ Die Frage bringt mich ins überlegen. „Was könnte da im Nachgang draus entstehen?“ denke ich mir. So plötzlich in einer Zeitung abgebildet, die nicht wenige lesen. „Ich würde da gerne noch eine Nacht drüber schlafen“, sage ich, „das muss ich gut überlegen.“ „Ja klar kein Problem“, sagt Achim, „die nächste Ausgabe ist erst in zwei Wochen dran.“ „OK, ich gebe dir bald eine Rückmeldung“, sage ich ihm, worauf er mir seine Visitenkarte gibt. Was ich dabei im Hinterkopf habe, ist dass ich vorher noch einige Leute über meinen Wandel informieren möchte.

Der letzte Karaoke Sänger ist durch. Wir machen uns wieder auf Richtung Bühne. Tom und Frank machen eine kurze Auszeit, so dass Micha, Alex und ich auf der Bühne stehen, bzw. Micha sitzt am Schlagzeug. Einige Zuschauer schauen etwas verdutzt. „Ein bisschen Blues?“ fragt Alex. Aus den Zuschauern kommt Zustimmung. „Texas Blues?“ fragt Alex wieder und stimmt La Grange von ZZ Top an. Trotz der Minimalbesetzung kriegen wir einen guten Sound hin. Den Zuschauern gefällt’s. Während wir noch weitere ZZ Top Stücke spielen fällt mir Rico auf, der etwas abseits mit einem anderen Herrn steht. Er hat nicht mehr sein etwas schmuddeliges T-Shirt an und auch seine Haare sind ordentlich gekämmt. Sein Begleiter sieht dagegen aus, wie aus dem Ei gepellt. Nachdem wir diese Runde durchhaben, gehe ich gleich zu Katja an die Karaokestation und erzähle ihr das grade gesehene. „Ja, habe ich auch schon gesehen“, sagt sie, „das ist Ricos Lebensgefährte!“ „Aha!“ entfährt es mir erstaunt. „Du wirst sehen, der ist wie ausgewechselt, wenn sein Begleiter dabei ist“, fährt Katja fort. Erstaunt schaue ich zu den beiden rüber.

Gerhard und Jürgen gehen an uns vorbei. „Wir geben jetzt auch mal was zum Besten“, sagt Gerhard flaxend, „is aber geheim“. „OK, ich hör weg“, sage ich grinsend. Zusammen mit Katja gehen sie die Liste durch. Ich höre dann Katja sagen: „Is‘ ja der Hammer!“ Vor den beiden singt eine Dame „Er gehört zu mir“ und der ganze Saal tobt. „Hier ist was los“, sage ich grinsend. Dann gehen Gerhard und Jürgen auf die Bühne. Gerhard geht ans Mikro und sagt nur: „Die Flut“ und dann startet Katja die Musik. Ich stehe immer noch neben ihr. Die beiden singen „Die Flut“ von Joachim Witt und Peter Heppner. „Boah!“, sage ich begeistert halblaut zu Katja. Die beiden haben aber auch die Stimmen dazu. Katja schaut auf meinen Arm und streicht drüber. „Gänsehaut!“ sagt sie grinsend. „Aber so was von“, antworte ich, „das ist ja stark.“ Tom stellt sich zu uns und staunt. „Super, oder?“ frage ich. „Unglaublich“, bringt Tom immer noch staunend heraus. Und das Publikum ist auch hier voll dabei. Nach dem Stück bekommen die Beiden dann auch einen riesen Applaus. Es gibt noch einen weiteren Karaoke Beitrag. Tom, Alex, Micha und ich stimmen uns kurz ab. Wir wollen ein paar Stücke von Status Quo spielen. „Kannst Du das auch auf Gitarre?“ fragt mich Alex. Ich schaue ihn lächelnd an und sage erstmal nichts. „Ich würde gerne Bass spielen“, sagt er dann. „Also ich kann bei Quo die Rhythmus Gitarre“, antworte ich schließlich, „allerdings nur eine auf DADGAD gestimmte Gittare mit 14er Satz!“ „Womöglich noch eine weiße Telecaster mit schwarzem Schlagbrett?“ fragt mich Micha feixend. „Genau!“ sage ich grinsend. „Sollst Du kriegen!“ sagt Micha und geht hinters Schlagzeug. Dort öffnet er einen Gitarrenkoffer und holt eben so eine Gitarre heraus. Ich staune nicht schlecht, als er sie mir in die Hand gibt. „Ist nur nicht so abgestoßen, wie die Vorbild Gitarre von Rick Parfitt“, sagt Micha grinsend. „Gibt es irgendwas, was ihr nicht habt?“ frage ich feixend. „Staubsauger!“ antwortet Micha lachend. Ich schüttele den Kopf. „Achtung Running Gag!“ sage ich grinsend.

Sandra ist mittlerweile wieder reingekommen und unterhält sich an der Theke mit Jens. Wir gehen derweil auf die Bühne. Los geht es mit Down down, was Micha singt. Die Zuschauer legen hier noch mal eine Schippe Begeisterung drauf. Danach spielen wir Whatever you want. Das Intro zu spielen macht einfach schon Spaß. Die Zuschauer hüpfen im Takt mit. Dann steige ich mit dem Gesang ein. Nach dem Stück frage ich die Jungs grinsend: „Wollen die nicht langsam mal müde werden?“ „Och wir haben hier schon bis fünf Uhr morgens gespielt“, antwortet Alex. Ich mache große Augen vor Staunen. Das nächste Stück leitet Micha folgendermaßen ein: „Steffi, hast Du Blaue Augen?“ Ich schüttele den Kopf. „Welche Augenfarbe hast Du denn?“ fragt er weiter. „Braun!“ antworte ich, „und grün, … … und etwas Grau auch, … … und… .“ Micha winkt ab. Dann starten wir mit Blue eyed Lady. Zum Schluss der Runde spielen wir Big fat Mama, welches ich wieder singe. Die Zuschauer toben wie gewohnt mit. Danach gehen wir in eine weitere Pause. „So langsam muss ich mal auf meine Stimme aufpassen“, sage ich, als wir an unserem Pausenplatz sind „so ein leichtes Kratzen merke ich grade.“ „Dann schone sie lieber“, sagt Alex. „Die nächsten Stücke würde ich auch gerne singen“, sagt Frank, „ich brauch mal ein bisschen Bewegung.“ „Gerne“, antworte ich.

Jens kommt auf mich zu. „Steffi, kann ich Dich mal kurz sprechen?“ „Ja“, antworte ich leicht verunsichert. Wir gehen in eine ruhigere Ecke. „Was ist denn?“ frage ich immer noch verunsichert. „Also, mit Dir nichts, jedenfalls nicht direkt“, antwortet Jens. Ich stutze. Bevor ich was sagen kann, sagt Jens: „Es geht um Sandra.“ „OK“, sage ich. „Sie hat sich eben bei mir ausgeheult“, sagt Jens weiter, „unteranderem ist sie wahnsinnig in Dich verliebt.“ „Oh je“, bemerke ich. „Sie wollte mich auch etwas über Dich aushorchen“, sagt Jens, „aber ich habe ihr nichts gesagt, weil wenn müsstest Du ja auch zustimmen.“ „Das stimmt, aber was wollte sie denn wissen?“ frage ich. „Na ja als erstes Deinen Beziehungsstatus“, antwortet Jens, „ und dann, ob Du eine „richtige“ Frau bist. Ich habe ihr beides nicht beantwortet.“ „Ist OK, aber das scheint die Sache nicht einfach zu machen“, sage ich, „wenn ich ihr jetzt sage, wer und was ich bin, dann schmeißt sie ich in diesem Zustand noch hinter einen Zug.“ „Das befürchte ich auch“, sagt Jens besorgt, „weißt Du was man da machen kann?“ „Ich weiß es nicht, aber ich versuch sie irgendwie runterzukriegen“, sage ich. Anscheinend hat Sandra uns von weitem beobachtet. Nachdenklich gehe ich zu meinen Leuten zurück, dabei komme ich auch an Sandra vorbei. Ich schaue sie kurz an, kann aber grade nicht lächeln. Erschrocken schaut sie mich an. Katja erkennt sofort, dass etwas mit mir nicht stimmt. „Was ist, Steffi?“ fragt sie. „Lass uns mal irgendwo hingehen, wo uns keiner sehen kann“, sage ich. „Was mit Sandra?“ fragt Katja. Ich nicke. Wir gehen in den Raum, wo ich mein Luftbett stehen habe. Die Tür schließen wir hinter uns ab. Katja legt sich auf das Luftbett. „Hui, hier liegt man ja schön“, sagt sie. Der Anblick lässt mich kurz von meinen Sorgen ablenken. Ich setze mich neben sie. Dann erzähle ich Katja von dem Gespräch mit Jens. „Das ist ja eine schwierige Sache“, sagt sie schließlich, „hast Du eine Idee?“ „Am besten so weitermachen, wie bisher“, antworte ich, „schließlich bin ich wegen Dir Jens und Bernie hier.“ Sie schaut mich lange an. Dann zieht sie mich zu sich ran und nimmt mich in die Arme. „Danke“, sagt sie leise. Eine Träne kullert über ihre Wange. Ein paar Minuten bleiben wir so liegen. „Du musst aber bestimmt gleich wieder raus“, sagt Katja. „Gleich, aber nicht sofort“, antworte ich lächelnd. „Steffi, ich weiß nicht warum, aber.. ,“ fängt Katja an. Im selben Moment berühren sich unsere Lippen ganz vorsichtig.
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Stephanie
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Re: Blutengel

Post 64 im Thema

Beitrag von Stephanie »

Die Kneipe im Vorharz Teil 10

“… irgendwie musste ich das auf einmal tun”, sagt Katja. „Fühlt sich gut an?“ frage ich lächelnd. Katja nickt lächelnd. „Ich könnte noch stundenlang hier liegen bleiben“, sagt sie. „Dann mach es doch“, sage ich, „ich gehe mal wieder zu den Jungs raus.“ „Nicht dass die sich Sorgen machen“, sagt Katja grinsend. „Genau“, antworte ich. „Du Steffi, ich bleibe noch ein paar Minuten hier“, sagt Katja, “dann schöpft die Sandra vielleicht keinen Verdacht, die hat uns doch bestimmt beobachtet.“ „Ist OK“, sage ich, „schließt Du dann wieder ab, wenn Du hier rausgehst?“ „Na klar“, antwortet sie und legt sich wieder hin. „Auf der anderen Seite ist es aber auch falsche Rücksichtnahme auf Sandra“, sage ich, geht die doch nichts an, was wir machen, wo wir hingehen. Egal, wie verknallt die in mich ist.“ „Oho, spüre ich da eine leichte Abneigung?“ fragt Katja grinsend. „So langsam geht sie mir auf den Geist, wie sie sich in mein Leben einmischen will“, antworte ich. Katja lächelt. „Ich komme in ein paar Minuten nach“, sagt sie dann. Ich zwinkere ihr zu.

Auf dem kurzen Weg zur Tür in den Gastraum denke ich noch mal kurz an den flüchtigen Kuss von eben. Dann öffne ich die Tür und gehe wieder zu meinen Leuten. Sandra hat mich natürlich gesehen und stellt sich so hin, dass ich an ihr vorbei muss. Sie will mich grade was fragen, ich weise sie mit einer Handbewegung ab und sage nichts. An ihr vorbei gehe ich zu den Jungs. „Du siehst etwas angefressen aus“, sagt Tom. „Ist wegen der da“, sage ich und nicke den Kopf leicht nach hinten in Richtung Sandra. „Und wo ist Katja?“ fragt Bernie, der neben uns steht. „Noch kurz in meinem Zimmer, sie genießt noch kurz die Schlafunterlage?“ sage ich grinsend, „sie kommt gleich nach.“ „OK“, antwortet Bernie. Wir haben uns mittlerweile abgestimmt und gehen Richtung Bühne. In dem Moment kommt Katja grade aus der Tür. Sie geht auch an Sandra vorbei. „Warst Du eben mit Steffi zusammen?“ fragt sie Katja. Die reagiert schlagfertig und sagt: „Es geht Dich eigentlich nichts an, aber ich war auf der Toilette.“ Dann geht sie forsch weiter und lässt Sandra links liegen. Ich schaue Sandra genervt an. Dann schaue ich zu den Jungs. „Eine Sekunde noch, bin gleich da“, sage ich und gehe dann zu Sandra. Sie sieht meinen Gesichtsausdruck und schaut mich etwas ängstlich an. Als ich vor ihr stehe sage ich bestimmend : „Du, ich habe da mal eine Bitte, misch Dich bitte nicht ein meine und auch Katjas Angelegenheiten ein.“ Dabei schaue ich sie ernst an. Geschockt nickt sie. Sie dreht sich weg und dabei sehe ich, wie sie anfängt zu weinen. Katja hat uns die ganze Zeit beobachtet. Sie schaut zu mir. Ich zucke nur ganz leicht die Schultern und gehe dann zu den Jungs auf die Bühne. „Alles gut?“ fragt mich Alex. „Ja alles gut“, antworte ich, „musste nur mal Prioritäten setzen. „Na dann lass uns loslegen“, sagt Micha.

Während wir die Runde durchspielen, schaue ich einmal nach hinten Richtung Theke. Sandra sitzt auf einem Barhocker und ist am Heulen. Jens versucht sie zu beruhigen. Katja sitzt etwas weiter weg und schaut besorgt in ihre Richtung. Als wir unsere Runde beendet haben, kommt Katja auf mich zu. „Die ist ja völlig fertig“, sagt sie, „was hast Du denn mit ihr gemacht?“ „Ich habe ihr gesagt, dass sie sich nicht in unsere Angelegenheiten einmischen soll“, antworte ich. „Ist eigentlich nichts schlimmes“ sagt Katja. Dann sehe ich, wie Jens telefoniert. „Er ruft jetzt ein Taxi für Sandra“, sagt Katja weiter. Dann kommt Sandra auf uns zu. Sie bleibt vor uns stehen und sagt zu uns: „Ich werde euch dann nicht weiter im Weg stehen, ich gehe jetzt!“ Ich schaue sie verdutzt an. „Ja, werde glücklich mit der Kleinen da“, sagt sie und zeigt auf Katja. „Äh, wie jetzt“, sage ich verdattert, „wir sind kein Paar.“ Sandra schaut erstaunt. Katja sagt: „Wir sind einfach nur gute Freundinnen. Man muss doch nicht gleich ein Liebespaar sein, wenn man sich gut versteht, oder?“ Bei Sandra öffnen sich wieder die Schleusen und sie rennt zurück zur Theke und legt ihren Kopf unsanft auf dem Tresen ab. „Ich brauche mal frische Luft“, sage ich, „das ist mir jetzt zuviel.“ „Ich komme mit“, sagt Katja. Zügig gehen wir an Sandra vorbei Richtung Hintereingang. Bernie und Jens stehen bei Sandra. Im Vorbeigehen schnappe ich mir meine Handtasche. Die drei schauen uns erstaunt hinterher.

Die Luft draußen ist frisch und ziemlich kalt. Am Himmel sieht man die Sterne funkeln. Katja geht zu ihrem Auto. „Verdammt, der Schneematsch ist gefroren“, flucht sie, „eigentlich wollte ich nachher noch nach Hause fahren. Wie soll ich denn das Zeug darunter kriegen. Der Kratzer liegt im Auto.“ „Wart mal“, sage ich und gehe zu meinem Auto. Das geht ohne Probleme auf. Ich hole zwei Eiskratzer heraus und gebe einen Katja. Vorsichtig legen wir die Fahrertür frei. Katja steigt ein und versucht das Auto zu starten. Aber der Wagen springt nicht an. Die Tür zur Kneipe geht auf und Bernie kommt raus. Erstaunt schaut er uns an. Katja versucht es nochmal. „Scheiße, will nicht anspringen“, sagt sie ärgerlich. „Was habt ihr denn vor?“ fragt uns Bernie vorsichtig. „Ich wollte nachher noch nach Hause“, sagt Katja stinksauer, „aber jetzt kann ich mir wohl ein Taxi rufen, wegen der Mistkarre hier!“ „Kannste knicken“, sagt Bernie, „die kommen heute nicht mehr nach hier raus. Wegen Straßenglätte.“ „Na Toll“, kommentiert Katja. „Ihr hattet doch noch eins der Gästezimmer frei, vorhin“, sage ich zu Bernie. „Hm nicht mehr“, sagt Bernie leicht verlegen, „das hat Jens eben grade an Sandra vergeben. Sie kommt hier auch nicht mehr weg.“ Katja und ich schauen Bernie entgeistert an. „Ich kriege grade Bauchschmerzen“, sage ich. „Die Party hat echt so gut angefangen“, sagt Katja. Bernie schaut verlegen auf den Boden. „Ist doch nicht Deine Schuld“, versuche ich ich zu trösten. Micha kommt durch die Tür. „Ach hier seid ihr“, sagt er und erkennt sofort die Missstimmung, die hier grade herrscht, „eigentlich wollten wir bald weitermachen.“ Ich schaue Katja an. „Gehen wir halt wieder rein“, sagt sie, „auf Dauer ist es eh zu kalt hier.“ Bevor wir wieder reingehen, sage ich leise zu Katja: „Wenn Du nichts dagegen hast, kannst Du bei mir mit ins Zimmer. Das Bett ist groß genug.“ Sie strahlt mich an. „Das wär aber lieb“, sagt sie.

Als wir wieder in der Kneipe sind, sehe ich die Jungs von der Band bei Sandra stehen. Sandra ist immer noch völlig verheult. „Ich brauch jetzt einen guten Whiskey und danach geht nur noch Heavy Metal“, sage ich leise zu Tom. Sandra hat es leider auch gehört und fängt wieder an zu heulen. Tom sagt: „Das haben sich tatsächlich ein paar Leute gewünscht.“ Er zeigt mir die Liste. Während ich sie studiere, bekomme ich den bestellten Whiskey. Frank und Micha haben ebenfalls einen bekommen. „Zum Wohl“, sagt Frank. Genüsslich trinken wir ihn. Dann machen wir uns auf zur Bühne. Sandra versucht mir noch irgendwas mitzuteilen, findet aber nicht die passenden Worte. Sie dreht sich wieder zum Tresen. „Ich bin so eine doofe Kuh“, höre ich sie noch sagen. Irgendwie tut sie mir ja leid.
„Die wollen wirklich eine harte Dröhnung?“ frage ich die Jungs in Bezug auf die Zuschauer. „Jepp!“ antwortet Micha knapp. „Na gut, soll mir nur recht sein“, antworte ich. Ich spiele wieder den Bass und flippe mit den Jungs über sie Bühne. Und tatsächlich drehen die Zuschauer auch hier voll auf. Nach vier Stücken von Motörhead, Metallica und Iron Maiden bin ich zwar ziemlich kaputt, aber etwas entstresst, von dem Ärger vorher. Auch Katja ist wieder am Lächeln. Sandra ist nicht mehr zu sehen. Frank steht an der Karaoke Station und Rico steht bei ihm. Etwas abseits steht Ricos Lebensgefährte und schaut angesäuert zu den Beiden. Ich gehe zu unserem Sitzplatz. Gerhard sitzt da und Heike und Jürgen sind auch noch da. „Was geht denn da?“ frage ich grinsend in Bezug auf Rico. „Der will unbedingt noch mal singen“, antwortet Gerhard, „aber seine bessere Hälfte hat was dagegen.“ „Auweia“, sage ich, „nach Mitternacht ist es eindeutig etwas stressiger geworden, was?“ Die drei lachen. Katja kommt zu uns. „Der macht ernst“, sagt sie grinsend. Tom, Alex und Micha kommen auch zu uns. „Was war denn vorhin mit euch und Sandra los?“ fragt mich Tom. Ich erkläre es in Kurzform. „Ich habe aber auch noch nie jemanden so verliebt gesehen“, sagt Alex. „Das ist schon Liebeskummer“, sage ich, dass sie sich ausgerechnet im mich verleiben muss.“ „Wieso, ist doch nicht schlimm“, sagt Jürgen. „Hm, nicht wirklich“, sage ich, „der nächste Kracher wäre doch, wenn ich ihr sagen müsste, wer oder was ich bin. Ihr in der Runde wisst es, aber sie nicht.“ Auf einmal schweigen alle. „Ich will es mir gar nicht vorstellen“, sage ich bedrückt. „Wo ist sie den eigentlich geblieben?“ fragt Katja. „Jens zeigt ihr grade das Zimmer“, antwortet Bernie.

Nach einiger Zeit kommt Jens wieder. „Na? Wie geht es ihr?“ fragt Bernie. „Sie hat sich einigermaßen gefangen“, antwortet Jens. „Sie hatte sich da ganz schön reingesteigert“, sagt Gerhard, „ich habe es eine Zeitlang mitbekommen, weil ich in ihrer Nähe stand.“ „Na ja, sie hat ja so gesehen zwei Abfuhren bekommen“, sagt Bernie, „und sie ist eine, die so was nicht einfach wegsteckt.“ „Zwei Abfuhren?“ fragt Tom. „Ja, einmal von ihrer Begleiterin, mit der sie hierher kam“, antwortet Katja, „und dann ist Steffi nicht auf ihre Annäherungsversuche angesprungen.“ „Sie ist das halt nicht gewohnt“, sagt Bernie, „Sandra steht halt gerne im Mittelpunkt und möchte die Tonangebende sein.“ „Hm, das hätte ich doch vorher wissen sollen“, sage ich nachdenklich. „Man kann nicht immer auf alles vorbereitet sein“, sagt Gerhard zu mir, „mach Dir keine großen Gedanken.“
Nach einiger Zeit kommt Sandra wieder. Zögerlich steuert sie unsere Runde an. Dann geht sie zu Katja. „Entschuldigung“, sagt Sandra, „ich war vorhin so fies zu Dir. Das tut mir Leid.“ Katja ist total überrascht. Dann gibt sie Sandra die Hand und sagt lächelnd: „Entschuldigung angenommen.“ Sandra setzt sich neben Katja. Katja fragt Sandra vorsichtig nach ihrem Gemütszustand. Die beiden unterhalten sich dann angeregt. Katja lässt Sandra dann auch wissen, dass sie auf Jungs steht und somit keine Gefahr für sie ist. Mir ist das fast schon zu persönlich, was die beiden da reden. Es dauert auch nicht lange, da fragt Sandra Katja nach meiner Ausrichtung. Ich bekomme zwar nur Teile der Unterhaltung mit, kann es mir aber zusammen reimen. „Das frag sie lieber selber“, höre ich Katja sagen. Ich drehe meinen Kopf in die Richtung der beiden. Sandra schaut mich schüchtern an. „Darf ich Dich mal direkt was fragen?“ fragt sie vorsichtig. Ich nicke. „Ähm, hm, magst Du eher Frauen oder eher Männer?“ fragt sie weiter. Na ja, wenn ich wieder in der Lage bin in eine Beziehung zu gehen, dann bin ich Lesbisch“, antworte ich. Sandra schaut mich erstaunt an. „Ich habe in der letzten Beziehung ein paar unschöne Sachen erlebt“, fahre ich fort, „das ist auch ein Grund, warum ich auf Annäherung so abweisend reagiere.“ „Oh, das erklärt einiges“, sagt Sandra staunend. „Nimm es bitte nicht persönlich“, sage ich weiter, „und es ist auch nicht einfach eine so schöne Frau auf Abstand zu halten.“ In der Runde ist ein anerkennendes Raunen zu vernehmen. Sandra errötet im Gesicht und schaut mich mit offenen Mund an. „Danke Stefanie, das Du mir das sagst“, sagt Sandra sichtlich erleichtert. „Gerne“ antworte ich, „wenn Du magst könne wir uns mal in Ruhe austauschen, in den nächsten Tage.“ „Das wär toll“, freut sich Sandra. Ich kann mich nicht dagegen wehren, aber ich verliebe mich grade in Sandra. Das behalte ich aber erstmal für mich.

„Mein Gott, das wird gleich wieder richtig peinlich!“ höre ich jemanden hinter mir sagen. Ricos Lebensgefährte steht zwischen unserer Sitzgruppe und dem Tresen und unterhält sich mit einem anderen. Katja dreht sich um und fragt: „Wieso denn?“ Ricos Lebensgefährte zeigt zur Bühne und geht dann raus. Wir schauen zur Bühne. „Oje“, bemerkt Jürgen. Rico geht zur Bühne und hat schon ein Mikro in der Hand. Einige Zuschauer fangen schon an zu johlen. „Darf ich euch ein Spiel vorschlagen?“ frage ich in die Runde. „Wie heißt das Spiel?“ fragt Gerhard erwartungsvoll grinsend. „Try not to laugh“, antworte ich. „Wer zuletzt lacht, hat gewonnen?“ fragt Micha. Ich nicke. „Der kann doch nicht singen“, sagt Katja vorwurfsvoll. „Ja, aber es geht diesmal um nichts“, sagt Gerhard. „Na gut“, sagt Katja. Rico steht mittlerweile auf der Bühne. „Ich singe Heroes von David Bowie“, sagt er. „Auweia!“ höre ich Alex sagen. „Ich glaube, das halten meine Arterien nicht aus“, sage ich grinsend. „Steffi!“ rüffelt mich Katja gespielt. Sandra schaut uns an. „Sorry, wir sind so“, sage ich zu ihr. „OK!“ lacht Sandra. Rico fängt an zu singen. „Denkt an das Spiel!“ rufe ich noch in die Runde und muss mir schon das Lachen verkneifen. Rico liegt, wie auch schon bei dem Wettsingen bei jedem Ton daneben. Manchmal so, dass es mir im Ohr wehtut. Auch Tom, Frank, Micha und Alex verziehen ihre Gesichter. Ich schaue weiter in der Runde herum. Als erster lacht Jens los. Ich press meinen Mund zusammen, um nicht laut loszulachen, allerdings laufen mir dabei die Tränen über die Wangen. Jürgen und Gerhard fangen gleichzeitig an zu lachen. Gerhards Lacher sind dermaßen ansteckend, dass ich mich auch nicht mehr beherrschen kann. Irgendwann ist Rico dann auch fertig. Die Zuschauer toben und grölen und fordern… …eine Zugabe. „Wir haben zwei Sieger!“ sagt Micha, „Tom und Katja habe bis zum Schluss nicht losgelacht.“ „Nee, bei mir zählt das nicht“, sagt Katja, „ich fand das einfach nur peinlich.“ „Geht mir genauso“, sagt Tom, „ich versteh nicht, wie der sich mit Absicht so zum Trottel macht.“ „Stimmt auch wieder“, sagt Alex.

Rico kommt in unsere Richtung. „Wo ist Hendrik?“ fragt er. „Wer ist Hendrik?“ frage ich zurück. „Mein Freund“, antwortet Rico. Ich will grade antworten, da kommt Hendrik wieder rein. „Na bist Du fertig?“ zischelt er, „das hat man bis draußen gehört.“ „Und war ich gut?“ fragt Rico. Ich presse meine Lippen zusammen und springe schnell auf, damit ich nicht vor den Beiden laut loslache. Katja folgt mir und kurz danach Sandra. „Das ist zu viel, das halt ich nicht aus“, sage ich und pruste los. Auch Katja kann sich diesmal nicht zurückhalten. Sandra lacht Tränen. Von weitem beobachten wir die Szene. Hendrik putzt Rico richtig runter. „Ich möchte lieber nicht daneben stehen“, sagt Sandra, „ich habe das schon Mal hier erlebt, wie die beiden sich fetzen.“ „Und der lernt nichts dazu, der Rico?“ frage ich Sandra und schaue sie dabei an. Sie schüttelt den Kopf. „Ich glaube ich geh mal dazwischen und schlichte“, sagt Katja. „Dein Helfersyndrom meldet sich, was?“ frage ich lächelnd. „Genau“, sagt Katja. Dann sagt sie noch in Sandras Richtung: „Pass mal solange auf Steffi auf.“ „He Du“, rufe ich ihr gespielt entrüstet hinterher. Katja dreht sich noch mal kurz um und grinst. Sandra schaut erstaunt hinterher. Katja geht zwischen die Streithähne, deeskaliert den Streit sehr schnell und beruhigt die Beiden. Sandra schaut immer noch in die Richtung, während ich mir Sandra genauer anschaue. „Was ist?“ fragt sie etwas unsicher. „Ich habe dich schon einige Male gesehen, aber noch nie von so nah dran“, antworte ich. Sie lächelt verlegen. „Du bist eine wahnsinnig schöne Frau“, sage ich. Sandra wird wieder rot im Gesicht. „Och Steffi“, sagt sie verlegen. „Lass uns wieder zur Sitzecke gehen“, sage ich, „scheint ja wieder Ruhe eingekehrt sein.“ „OK“, antwortet Sandra. Da sie dicht neben mir geht, lege ich meine Hand um ihre Hüfte. Sie bleibt stehen und fragt mich: „ Meinst Du, dass könnte was mit uns werden?“ Ich schaue sie an. „Du bist verliebt?“ frage ich dagegen. Sie nickt. „Mit ein bisschen Zeit und Geduld, glaube ich schon“, beantworte ich ihre Frage, „ich brauche halt noch einige Zeit.“ „Das wird schwer, aber ich schaffe das“, sagt Sandra lächelnd. Als wir an der Sitzecke ankommen, bemerke ich eine Erleichterung bei Jens und Bernie. Ich zwinkere ihnen zu. Wir setzen uns nebeneinander hin. Kurz danach kommt Katja und setzt sich auf die andere Seite neben Sandra. „Hast Du sie beruhigen können?“ fragt Sandra. „Erstmal ja, aber da war dann auch von Trennung die Rede“, antwortet Katja. „Tja, immer das typische Paarproblem“, werfe ich ein, „wieweit toleriere und respektiere ich die Eigenarten meines Partners.“ „Wahre Worte“, sagt Tom.
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Stephanie
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Beitrag von Stephanie »

Die Kneipe im Vorharz Teil 11

„Was spielen wir als nächstes?“ fragt Micha in die Runde. „Meinst Du wir kommen da noch mal dazwischen?“ fragt Alex grinsend und deutet Zur Bühne. Im Moment haben die Zuschauer die musikalische Gestaltung übernommen und zwar an der Karaoke-Station. Ich habe die Kladde mit den Zuschauerwünschen in der Hand. „Ziemlich viele U2 Titel“, stelle ich fest, „oh und hier mit Herzchen.“ Is’ja süß“, sagt Tom, „guck mal, hier steht sogar Steffi in einem Herz.“ Ich schaue lächelnd zu Sandra. Und die wird prompt rot im Gesicht. Ich zwinkere ihr zu. „Dann lass uns U2 spielen“, sagt Alex. „Kannst Du die Gitarre dazu?“ fragt mich Micha“, „ich muss mal aussetzen.“ Ich verziehe leicht das Gesicht. „Das ist nicht so einfach“, sage ich, „kommt auf die Lieder an.“ Frank kommt dazu. „Oh U2 ist dran, würde ich gerne singen“, sagt er. „Wenn Steffi Gitarre spielt, dann geh ich an den Bass“, sagt Alex. „Hast Du irgendwo die Griffe? Zum vorher anzuschauen?“ frage ich Frank, „ich weiß nicht, ob ich das noch auswendig kann.“ „Also ich kann die einmal über den Prompter laufen lassen“, sagt er. Dann holt er ein Zweites Laptop ran. Tippt etwas drauf herum und gibt es mir dann. „Oh cool“, sage ich. Ich schaue mir die Griffe einiger Stücke an, bei denen ich mir nicht sicher bin. „Ja, ich glaube der Körper erinnert sich“, sage ich. „Na dann schauen wir mal“, sagt Tom. Und wie vorhin, bei den REM Stücken, haben sie Probleme damit, sich festzulegen. „Alex schaut mich an. „Ich halt mich diesmal raus!“ sage ich grinsend, „aber lasst doch Sandra entscheiden.“ Sie schaut mich an. Ich klimpere mit den Augen und sage mit samtiger Stimme: „Bitteeee… .“ „Da kann man ja gar nicht Nein sagen“, sagt sie lächelnd und setzt sich zu den Jungs.

Frank kommt wieder von der Karaoke-Station. „Nach dem Sänger kommt erstmal keiner mehr“, sagt er, „ihr müsstet euch etwas beeilen.“ Alex schaut genervt. Frank geht wieder zur Station. Ich folge ihm. „Hast du Psycho Killer von den Talking Heads?“ frage ich, „in der Live Version von Stop making Sense?“ Schnell findet Frank die Datei. „Ja hier“, antwortet er. „Kannst Du auch nur den Grundrhythmus abspielen?“ frage ich weiter, den Gitarren Part würde ich auch machen.“ „Klar Steffi, das geht“, antwortet Frank grinsend. Ich hole mir eine akustische Gitarre, dabei schaue ich zum Sitzplatz. Sandra und die Jungs schauen mich an. „Habt ihr schon was gefunden?“ frage ich feixend. „Ähm, nöö“, sagt Tom etwas ertappt. „Na dann husch, husch“, sage ich grinsend. „Hast schon wieder den Schalk im Nacken, was?“ fragt Micha. Ich zwinkere als Antwort mit dem linken Auge. Dann gehe ich zur Bühne. Als ich bei Frank vorbei komme, sagt er: „Wart mal Steffi, wenn Du magst, dann nimm das hier mit.“ Er hat einen alten Kassettenrecorder in der Hand. „Nee, ne?“ sage ich. „Da ist eine leere Kassette drin“, sagt er, „einfach die Playtaste drücken und mit der Gitarre so nah wie möglich ran, dann hört man das Klacken über das Gitarrenmikro.“ Ich schüttele lachend den Kopf, nehme den Rekorder und gehe weiter. Vor dem Gesangsmikro bleibe ich stehen. Die Zuschauer schauen gespannt. Einige haben schon erkannt um was es geht. Ich bleibe noch kurz stehen, stelle dann den Rekorder ab und gehe leicht in die Knie. Die Gitarre bringe ich nah an den Rekorder. Das Klacken der Playtaste ist laut zu hören. Dann warte ich auf dem Rhythmus von Frank. Als der beginnt, tappe ich mit dem rechten Fuß mit. Dann beginne ich mit dem Gitarrenspiel und kurz danach mit dem Gesang. Ich mache die ganze Zeit so gut wie möglich den Sänger der Talking Heads, David Byrne nach. Auch zum Ende des Stücks den sogenannten „Spastic Dance“. Bei den Zuschauern kommt das tatsächlich gut an. Sandra und die Jungs stehen vor der Bühne, staunen und lächeln, auch Jens sehe ich. Als ich fertig bin, bekomme ich einen ordentlichen Applaus, obwohl mittlerweile nicht mehr ganz so viele Leute da sind. Nach einiger Zeit versucht ein Zuschauer in der vorderen Reihe den Rest zu beruhigen. Verwundert schaue ich hin. Die Zuschauer werden tatsächlich ruhiger. „Ich würde dir gerne etwas sagen, Stefanie“, sagt der Herr in der ersten Reihe. Ich denke mir, was das jetzt wird. Dann sage ich lächelnd: „Soll ich mit dem Mikro runterkommen oder magst Du hochkommen?“ Damit hat er wohl nicht gerechnet und ist kurz verunsichert. „Ich komme zu Dir“, sagt er schließlich und kommt auf die Bühne. Ich gebe ihm das Mikro. „Also, ich stelle mich mal kurz vor, ich bin Bernhard und ich möchte im Namen vieler Zuschauer Danke sagen, für das was ihr hier macht“, sagt er. Das Publikum applaudiert. „Ich habe die Band schon oft gesehen und die sind ja richtig gut“, sagt Bernhard weiter, „aber mit Dir heute, das war eine Krönung.“ Ich werde total verlegen. „Wir haben eben grade spontan einen „Steffi-Fan-Club“ gegründet“, fährt Bernhard fort. „Ist nicht euer Ernst?“ sage ich. Irgendwie sehe ich das Ganze als Gag an. „Ein bisschen Spaß ist schon dabei“, sagt Bernhard, „aber wir würden gerne ein Foto vom Fanclub zusammen mit dir machen.“ Die Zuschauer johlen wieder los. „Hier komm her, das machen wir“, sage ich, und gehe mit ihm zu den anderen Leuten. Micha kommt von der Seite. „Absolut astreine Nummer“, sagt er, „soll ich fotografieren?“ „Gerne“, sagt Bernhard und gibt Micha sein Smartphone. Auch ein paar andere Leute schießen Fotos, auch Sandra. Ich bedanke mich artig bei Bernhard und seinen Freunden.

„Habt ihr was ausgesucht?“ frage ich Sandra und die Jungs, als wir zum Sitzplatz zurückgehen. „Stefanie, Mädchen, wie denn, wenn Du hier so eine spontane, geile Nummer abziehst“, sagt Tom. Ich ziehe leicht den Kopf ein und sage: „Okeee… .“ „Du bist eine Type“, sagt Katja anerkennend. „Ich weiß echt nicht, was mit mir los ist“, sage ich, „ich war doch früher nicht so. Hab ja fast Angst vor mir selber.“ „Genieße es, Du bist auf dem richtigen Weg“, sagt Katja lächelnd. „Ich geh noch mal frische Luft schnappen“, sage ich, „bin schon etwas Müde grade.“ „Ich komme mit“, sagt Sandra. Ich nehme ihre Hand. Draußen angekommen sage ich: „Das ist ein Wetter. Jetzt regnet es leicht.“ Wir gehen unter den Schauer, wo auch mein Auto steht. Ich hole tief Luft und schaue dann zu Sandra. Sie schaut mich auf eine ganz eigenartige Weise an. „Steffi…“ fängt Sandra an zu sagen. Ich stelle mich vor sie, lege die Hände auf ihre Schultern und sage: „Sandra… .“ Sie zögert. Ich ziehe sie langsam ran. Sie legt ihre Hand hinter meinen Kopf, schließt ihre Augen und zieht mich schnell an ihre Lippen. Es folgt ein langer, leidenschaftlicher Kuss. Nach einiger Zeit öffne ich meine Augen und Sandra ihre. Unsere Lippen lösen sich. „Boah, Sandra“, hauche ich. „Danke Stefanie“, sagt Sandra mit einer wunderschönen Stimme. Langsam gehen wir in Richtung Tür. Ich schaue sie noch mal an, dann öffnet sie die Tür und wir gehen hinein.

„Na, hast Du sie fit gemacht, Sandra?“ feixt Micha. „Und wie“, antwortet Sandra. Ich nicke. „Das kann sie“, sage ich dann. „Wollen wir dann?“ fragt Alex. Tom und Frank nicken. „Und welche Lieder?“ frage ich. Frank gibt mir einen Zettel. „Uah, Gänsehaut garantiert“, kommentiere ich den Zettel, „aber kriege ich hin.“ „Hast ja jetzt schon Gänsehaut“, sagt Katja grinsend. „Was meint ihr, wie das erst aussieht, wenn das Intro vom ersten Lied anfängt“, sage ich. Wir gehen auf die Bühne. Sandra und Katja stellen sich mit in die erste Reihe. Frank startet auf dem Keyboard die Anfangssequenz von „Where the stereets have no names“. Ich mag diese Lied unheimlich gerne, aber bei mir zieht sich wirklich jedes noch so kleines Hautstückchen zusammen, was den beiden Mädels nicht entgeht. Die beiden grinsen. Als ich mit dem Gitarrenintro anfange, löst sich zum Glück die Gänsehaut auf. Insgesamt spielen wir drei Stücke. Aber wie schon vorher lässt uns das Publikum nicht von der Bühne. Wir beraten kurz welches Stück wir noch spielen. „Who’s gonne ride your wild horses oder Bad?“ fragt Alex. Und wieder kriegen wir es nicht hin, uns auf eins zu einigen. „Dann spielen wir eben beide“, sage ich grinsend. Frank und Alex schauen leicht irritiert, während Tom bestimmt: „ Machen!“ Während wir das Intro des ersten Stücks spielen schaue ich zu Katja und Sandra. Katja schaut lächelnd zu uns, Sandra dagegen hat schon wieder feuchte Augen. Bei „Bad“ ist sie am Weinen. Kurz vorm Solo gehe ich runter von der Bühne und dann zu Sandra, um sie zum Tanzen auffordern. Erst schaut sie mich erstaunt an, dann legt sie eine Hand auf meine Schulter, mit der anderen hält sie sich am Gitarrenkopf fest. Langsam tanzen wir im Rhythmus, während ich das Solo weiterspiele. Verliebt schaut sie mich an. „Du bist eine verrückte Nudel“, sagt sie dann. Ich lächele sie an und zwinkere mit den Augen. Dann bringe ich das Solo zu Ende und wir lassen das Lied ausklingen. Während die Zuschauer applaudieren, frage Sandra: „Ist Deine Traurigkeit verflogen?“ Sandra nickt. „Du wirst auch nie wieder traurig, bei dem Lied?“ frage ich sie ganz lieb. Sie schaut mich lange an. „Weiß ich nicht“, sagt sie leise, „aber das war schön, mit Dir hier zu tanzen. Vielleicht hilft das.“ „Bestimmt“, sage ich. Dann gehe ich wieder auf die Bühne. „Komm Steffi wir spielen noch „Beautyful Day“ um die Sache rund zu machen“, sagt Alex grinsend. Ehe ich antworten kann, setzt Frank auch schon mit der Anfangssequenz ein. Während des Lieds schaue ich zu Sandra. Sie und Katja halten sich fest und tanzen. Der Anblick erfreut mich.

Als wir am Sitzplatz ankommen, sitzt Micha schon. Er fasst sich auf die Schulter. Besorgt frage ich ihn: „Ist was, hast Du Schmerzen?“ Er nickt. „Muss vorhin passiert sein, als ich Schlagzeug gespielt habe.“ Katja geht hinter ihn. Sie legt eine Hand auf die Schulter und tastet vorsichtig. „Machst Du beruflich irgend so etwas?“ fragt Sandra. Katja nickt. „Ich bin Chiropraktikerin“, antwortet sie, „im Moment bilde ich mich weiter zur Osteopathin. „Wow“, sage ich staunend. „Und Heilpraktikerin bin ich auch“, fügt Katja hinzu. Katja ist mittlerweile bei an Michas Wirbelsäule angekommen. „Ah hier ist der Übeltäter“, sagt Katja, „Achtung, gleich macht „Knacks“.“ Ein leichter Druck, ein Knacks, was wir alle hören können. „Mädel, ich staune“, sage ich. Katja grinst, dann sagt sie zu Micha: „Kann sein, dass es noch ein wenig zieht, weil die Muskeln dadurch noch verspannt sein können.“ „Danke Katja“, bedankt sich Micha sichtlich erleichtert. „Gerne“, lächelt Katja. „Na, da habt ihr dann noch ein Bandmitglied mehr heute“, sagt Bernie, der in der Zwischenzeit dazu gekommen ist. Katja grinst. „Und wieso „noch ein Bandmitglied“?“ frage ich. „Na Du“, sagt Tom feixend. „Aus der Nummer kommst Du jetzt nicht mehr raus“, fügt Alex grinsend hinzu. „Da müssen wir aber mal in Ruhe drüber reden“, sage ich leicht besorgt, „da muss doch bestimmt euer fünfter Mann auch noch sein OK geben.“ „Der kommt nachher zum Frühstück“, sagt Frank lachend, „der wird demokratisch überstimmt.“ „Apropos nachher, wie spät ist es denn?“ frage ich in die Runde. „Ist eher früh“, sagt Bernie, „kurz vor halb Vier.“ „Ach herrje, wo ist denn die Zeit geblieben?“ frage ich.

„Eine letzte Runde noch?“ fragt Alex. Ich schaue zu Bernie. „Wie lange dürfen wir denn?“ frage ich ihn, „nicht das hier die Dorfbewohner um ihre Nachtruhe gebracht werden.“ Bernie lacht. „Die meisten sind hier“, antwortet er“, wir liegen hier etwas abseits vom Dorf und der meiste Schall geht aufs freie Feld.“ „Na dann“, sage ich. „Ich schlage dass vor, was Steffi vorhin angespielt hat“, sagt Micha. „Placebo, The Cult und the Cure?“ fragt Alex. „Genau“, antwortet Micha, „ich würde dann singen, wegen der Schulter.“ „Ist OK? Oder?“, fragt Tom in die Runde. „Ja!“ antworten Frank, Alex und ich gleichzeitig. Wir gehen zur Bühne, Micha vorne weg. Er geht zum Mikro und sagt unteranderem, dass wir jetzt die letzte Runde spielen. „Kann das sein, dass es wieder etwas voller geworden ist?“ frage ich Frank. „Sieht so aus“, antwortet er, „vielleicht sind die Straßen wieder frei und es kommen noch ein paar Leute.“ Micha schaut zu mir. „It’s your turn, Steffi“, sagt er. Auf der farblich zu meinem Kleid passenden Halbakustischen spiele ich das Intro von „she sells sanctuary“, was beim Publikum richtig gut ankommt. Die Runde schließen wir mit zwei Stücken von Placebo. Brav verabschieden wir uns von den Zuschauern.
„Jetzt bin ich aber auch langsam fertig“, sage ich als ich die Gitarre in den Koffer lege. „Nicht nur Du“, sagt Tom. „Bleibt das alles hier stehen?“ frage ich, „oder räumen wir noch auf?“ „Gitarren und Verstärker räumen wir bei Jens ins Büro“, antwortet Micha, „die großen Sachen bleiben stehen, bis nach dem Frühstück.“ „Aber vorher noch eine kleine Pause zum Verschnaufen“, sagt Tom. Wir gehen zum Sitzplatz. Ich nehme mir was zu trinken. Langsam leert sich die Kneipe, ein paar Leute versammeln sich noch am Tresen. Jens sitzt bei uns. „Na, wie ist es gelaufen?“ frage ich ihn. „Super“, antwortet er, „habt ihr auch gemerkt, dass es kurzfristig noch mal voller wurde?“ „Das hat Steffi mich vorhin auch schon gefragt“, antwortet Frank. „Es ist anscheinend nicht mehr glatt draußen“, sagt Jens, „da haben sich noch mal ein paar Leute auf dem Nachhauseweg hier eingefunden.“ Wir trinken unsere Getränke aus und fangen dann an, die Sachen wegzuräumen. Danach finden wir uns wieder am Sitzplatz ein. „Wann macht es denn Sinn, mit dem Frühstück zu starten?“, fragt Bernie. „Vor Zehn bestimmt nicht“, sagt Alex lachend. „Dann wird es eher ein Spätstück“, sage ich feixend. „Du nun wieder“, kommentiert Jens grinsend. Wir unterhalten uns noch über alles Mögliche.

„Ach Du Scheiße“, hören wir Pascal vom Tresen her sagen. Er schaut zur Eingangstür. Automatisch schauen wir auch dort hin. Drei Typen sind grade reingekommen, ziemlich besoffen. Ich will grade fragen, wer das ist, da reißt einer die rechte Hand zum Nazigruß hoch und brüllt „Heil H…..“. Dann beleidigt er alle Anwesenden als Abschaum durch. „Wer ist denn das Arschloch?“ frage ich in die Runde. „Unser Dorf Nazi“, antwortet Jens, „der Sohn vom Bürgermeister.“ „Ach ist das der Bürgermeister, der sich in das Amt eingeklagt hat?“ frage ich, „habe da was in der Zeitung gelesen.“ „Genau der“, antwortet Jens. „Ich kriege jetzt gefälligst was zu saufen“, brüllt der Typ. Pascal geht ihm ein Stück entgegen und sagt laut: „Nein, ihr kriegt nichts, außerdem habt ihr hier immer noch Hausverbot.“ Dann pöbelt der Nazi wieder los. „Boah mir schwillt der Kamm, wenn ich solche Typen sehe“, sage ich genervt. Irgendwie scheint der Typ was gemerkt zu haben und brüllt in meine Richtung: „Was willst Du dämliche F….?“ „Das war jetzt eine Herausforderung“, sage ich in die Runde und stehe auf. Ich gehe langsam auf den Typen zu. Irgendwie scheint ihn das zu irritieren. Zwei Meter vor ihm bleibe ich stehen. „Also F…. ist jetzt nicht so ein tolles Wort, aber das dämlich nimmste gefälligst zurück“, sage ich laut. In der Kneipe wird’s ruhig. „Wer bist du denn?“ fragt der Nazi schnippisch. „Ich bin Gräfin Zeppelin und wollte grade mit meinem Luftschiff nach Hause fahren“, antworte ich zickig. Unter den Gästen hört man ein leises Gekicher, was den Idioten verunsichert. „Hä?“ fragt er, „wo hast Du den denn geparkt?“ „Bevor ich antworten kann, sagt einer seiner Begleiter: „Ey pass auf die verarscht dich doch.“ „Wie, Du willst mich verarschen?“ fragt er, kommt ein Stück auf mich zu und schubst mich an der Schulter. „Ey Alter, machst Du das nochmal, dann schubse ich mit.“ Er grinst und schubst mich noch mal. „Gleich geht’s Licht aus“, sage ich noch. „Wieso?“ fragt er doof und versucht es noch mal. Dieses Mal gehe ich leicht zur Seite und schlage ihn voller Wucht mit der Faust ins Gesicht. Er sinkt zusammen und bleibt benommen am Boden liegen. „Alter Schwede!“ höre ich Pascal halb hinter mir sagen. Einige Gäste im Lokal spenden leise Beifall. Die beiden Begleiter von dem Typen schauen mich entsetzt an und wollen dann Richtung Tür flüchten. Allerdings hat sich Bernie dort schon postiert. Und Pascal kommt von hinten. Der Nazi kommt langsam wieder zur Besinnung. Er fasst sich ins Gesicht und merkt dass er blutet. „Das passiert meistens, wenn die Nase gebrochen ist“, sage ich lapidar. Irgendwie kommt er nicht mehr richtig auf die Beine, kein Wunder so besoffen wie der ist. „So ihr beiden“, sagt Bernie zu den Begleitern, „ihr nehmt das Wrack zwischen euch und verpisst euch hier. Und wenn ihr hier nochmal auftaucht, passiert euch das Gleiche.“ Wortlos schnappen sie sich ihren Kumpel und schleifen ihn raus. Als sie draußen sind kommen Bernie und Pascal auf mich zu. „Den Schlag musst Du mir aber mal bei Gelegenheit beibringen“, sagt Pascal. „Wo hast Du denn das gelernt?“ fragt mich Jens, als ich wieder in der Runde sitze. „Kampfsport, seit dem ich 12 bin, mit Unterbrechung“, antworte ich, „und dann hatten wir bei der Bundeswehr einen Feldwebel mit Einzelkämpferausbildung, der hat uns nach Dienstschluss auf freiwilliger Basis ein paar Sachen beigebracht.“ „Hut ab, Stefanie“, sagt Tom anerkennend. „Na, Dir möchte ich aber nicht im Dunklen begegnen“, sagt Gerhard lachend. „Im Gegenteil“, sagt Sandra lächelnd, „mit Steffi kannst Du beruhigt durchs Dunkele gehen.“ „Oder so“, sagt Bernie. „Och Menno, lobt mich doch nicht immer so“, sage ich leicht verlegen, „kann doch auch nichts dazu, dass ich so bin.“ „Schön, dass Du so bist!“ sagt Katja und nimmt mich in den Arm.

„Jetzt aber in die Heia“, sagt Micha und steht auf. So langsam löst sich unsere Runde auf. Ich stehe auch auf. Sandra steht neben mir. „Ich würde ja gerne mit Dir in einem Zimmer sein“, sagt sie. „Das glaube ich Dir“, antworte ich lächelnd, „aber ich habe schon Katja bei mir aufgenommen.“ „Schade“, sagt Sandra. „Lass uns mal in Ruhe aneinander gewöhnen“, sage ich während wir langsam in Richtung der Gästezimmer gehen. Sandra nickt verständnisvoll, aber ich merke, dass sie mich am liebsten an Ort und Stelle vernaschen will. Würde ich zwar auch gerne, aber will sie vorsichtig drauf vorbereiten, was ich für eine bin. Wir gehen durch die Tür zum Büro. Weiter hinten ist ein Treppenaufgang der zu Sandras Zimmer führt. Katja kommt von hinten und stellt etwas vor der Tür zu unserem Zimmer ab. „Komm, wir begleiten Dich noch zu Deinem Zimmer“, sagt Katja. Zu dritt gehen wir los. Vor dem Zimmer noch eine Umarmung, ein Küsschen. „Schlaf schön, Du wunderschöne Frau“, sage ich zu Sandra. „Danke Steffi, danke Katja“, sagt Sandra, dafür, dass der Abend dann doch noch schön geworden ist.“ Ich küsse Sandra noch mal richtig. Dann verabschieden wir uns und gehen wieder runter. Vor unserem Zimmer hat Katja eine Flasche Sekt und zwei Gläser hingestellt, die sie jetzt mit ins Zimmer nimmt. „Du bist aber auch ganz schön in Sandra verleibt, was?“ fragt mich Katja grinsend. „Das kannst Du so sagen“, antworte ich, „aber ich habe einen riesen Klemmer damit, dass sie in mir jemanden sieht, der ich vielleicht gar nicht bin.“ „Das wird nicht einfach“, sagt Katja. Dann öffnet sie die Flasche und gießt uns den Sekt ein. „Auf uns beide“, sagt sie, „da sind wir irgendwie gar nicht zu gekommen.“ „Stimmt“, sage ich, „Prost.“ „Auf uns“, sagt Katja. Wir bleiben noch lange liegen und reden. Irgendwann überrollt uns dann aber doch der Schlaf.
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Dwt-Lilo-SL
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Re: Blutengel

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Beitrag von Dwt-Lilo-SL »

Hallo Steffie, (drink) (fwe3)
so schön geschrieben, da kann ich richtig mitfühlen. (he) (he) (he)
DANKE (ki) (ki) (ki)
lg LILO-GINA ))):s ))):s ))):s
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Stephanie (Fr 23. Aug 2019, 14:10)
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Seufzer gleiten die Seiten des Herbstes entlang,
Treffen mein Herz mit einem Schmerz dumpf und bang

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Post 67 im Thema

Beitrag von Stephanie »

Frühstück in der Kneipe im Vorharz

Lautes Geschepper weckt uns auf. Verschlafen schaue ich Katja an. „Was is’n das?“ fragt sie völlig schläfrig. Dann ruft draussen auf dem Flur einer: „Frühstück! In einer halben Stunde beginnt das Frühstück!“ „Hört sich an wie Bernie“, stellt Katja fest. Dann verschwindet das Gescheppere Richtung Treppe. „Okee…“ sage ich immer noch verschlafen. „Ist schon 10.00 Uhr“ sagt Katja. „So früh am Morgen?“ frage ich, „nur gut, dass ich gestern nicht so tief ins Glas geschaut habe.“ Katja grinst. „Gehst Du zuerst ins Bad?“ frage ich sie. Katja lacht leise. „Steffi! Wir sind Mädchen, wir gehen zusammen ins Bad“, sagt sie dann. „Ups, da sollte ich mich langsam mal dran gewöhnen“, sage ich leicht verlegen. Ich nehme meine Sachen und folge Katja ins Bad. Na ja, Bad ist übertrieben, ist eher eine Toilette, immerhin mit einer Dusche. „Weißt Du was? Ich nehme gleich eine Dusche“, sagt Katja und zieht sich aus, „kommste mit? Ich brauch jemand zum Rücken einseifen.“ Sie grinst mich dabei an. „Klar, warum denn nicht“, antworte ich, „wir sind ja schließlich Mädchen.“ „Hey, Du lernst schnell“, sagt Katja lachend. Ich zieh mich ebenfalls aus und folge ihr. Unauffällig versucht sie zu schauen, wie es zwischen meinen Beinen aussieht. Ich grinse sie an und sage dann: „Frag‘ mich ruhig, wenn Du was wissen möchtest.“ Sie errötet leicht und sagt grinsend: „Verdammt, sie hat mich ertappt.“ Aber erstmal seife ich ihr ordentlich den Rücken ein. Dabei komme ich an einige Stellen, an denen sie kitzelig ist. Gackernd versucht sie sich weg zu drehen. Dann seift sie mich ein und fragt: „Bist Du auch kitzelig?“ „Ich?“ Nein!“ antworte ich. Im selben Moment muss ich auch schon loslachen, weil sie meine kitzeligen Stellen gefunden hat. „Herrlich“, sage ich, „so ungezwungen rumalbern.“ „Macht Spaß, ne?“ sagt Katja. Ich nicke.

Beim Abtrocknen fragt sie mich dann: „Was hat denn das Kinesiologie-Tape da im Schritt für eine Funktion?“ „Es hält das Gebaumel fest, was hier sonst so rumhängt“, antworte ich, was bei Katja zu einem Lachanfall führt. „Ich nehme es eigentlich vorm Schlafengehen ab“, sage ich weiter, „aber es ging auch so ganz gut.“ „Darf ich mal genauer gucken?“ fragt Katja vorsichtig. „Na klar“, sage ich, „wir sind ja Mädchen.“ „Das wird unser neuer Running-Gag“, sagt Katja lachend. Ich lehne mich gegen die Tür und lege ein Bein aufs Waschbecken. „Das sieht ja echt aus“, staunt Katja, „wo is’n der Pullermann.“ „Hier!“ sage ich und zeige hin. Katja macht große Augen. „Wie geht denn das?“ fragt sie, „ich hab das für eine Klitoris gehalten.“ „Ein wenig andere Anatomie“, antworte ich, „die Peniswurzel läuft nicht so flach wie bei herkömmlichen Jungs.“ „Ich schmeiß mich weg“, gackert Katja, „herkömmliche Jungs, wie geil ist das denn?“ Es klopft an der Tür. „Besetzt!“ rufen Katja und ich gleichzeitig. Wir hören Bernies Stimme. „Es gibt gleich Frühstück“, sagt er, seid ihr soweit?“ „Ich mach mal die Tür auf“, sage ich leise zu Katja. „Au ja, mach mal“, sagt sie. Wir halten unsere Handtücher vor die Becken, dann mache ich die Tür einen Spalt auf. „Ihr habt euren Spaß, was?“ fragt er. Katja und ich grinsen. Dann sieht Katja Sandra hinter Bernie stehen. „Huhu Sandra“, sagt Katja. Sandra schaut etwas verdattert. „Kommste mit rein?“ frage ich. „Würde ich gerne“, sagt sie. „Nee, nee“, sagt Bernie, dann werdet ihr ja nie fertig. „Dann holen wir das ein anderes Mal nach“, sagt Katja gespielt trotzig. Bernie schüttelt grinsend den Kopf.

Katja zieht sich schon mal an, während ich das Tape wechsele. Wobei sie mir genau zu schaut. Dann ziehe auch ich mich an. „Abgesprochen haben wir uns aber nicht“, sage ich lächelnd, als mir auffällt, das wir ähnlich angezogen sind. Wir tragen jeder eine blaue Röhrenjeans und ein dunkelblaues Langarmshirt. „Hihi, ist ja cool“, kommentiert es Katja, „und wenn Du deine roten Ballerinas von gestern Abend anziehst, dann kann ich mit roten Sneakers mithalten.“ Ich zeige ihr den „gut gemacht Daumen“. Ich lege noch ein dezentes Makeup an, dann verlassen wir das Bad und gehen noch mal kurz ins Zimmer, um unsere Waschsachen wegzubringen. Wir ziehen dann jeder seine roten Schuhe an und gehen dann in den Gastraum zum Frühstück. „Sind ja noch gar nicht alle da“, sage ich gespielt enttäuscht. „Echt, da hätten wir noch mit Sandra duschen können“, sagt Katja, was bei Sandra ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. „Mädels, es sind auch noch einige Heten anwesend“, sagt Pascal grinsend und kneift die Beine zusammen. Führt bei uns natürlich gleich zu einem Lachanfall. „Ist ja noch keiner von der Band da“, sage ich. „Nicht ganz“, höre ich eine Stimme von der aufblasbaren Sitzecke. Ich schaue hin. Ein sehr sympathisch aussehender Mann mit gepflegtem Rundbart und leicht gebräunter Haut sitzt dort. Ich gehe hin und setze mich schwungvoll auf das Sofa, dass es nur so wuppt. „Hey vorsichtig, ich bin auch Hete“, sagt er grinsend. „Oh, Entschuldigung“, sage ich lächelnd, „Du bist Carlos?“ „Ja, bin ich“, sagt er lächelnd. „Wow!“ sage ich und schaue ihn von oben bis unten und wieder zurück an. Ein bisschen unangenehm scheint ihm das schon zu sein. Um ihn nicht weiter zu verunsichern, frage ich ihn: „Du hast so ein südländischen Einschlag und auch der Name Carlos, hast Du spanische Vorfahren?“ „Nöö“, sagt er grinsend, „ich bin gebürtiger Ostfriese.“ Ich schaue ihn erstaunt an. Neben mir lacht Katja: „Steffi, dein Gesichtsausdruck, unbezahlbar.“ Carlos grinst. „So so, Du bist dann also Steffi“, sagt er dann, „ich habe ja gestern schon ein paar Fotos und Vids von Dir gesehen, umso schöner ist es, dich hier live zu sehen.“ Und ich werde natürlich wieder leicht verlegen. „Danke schön“, sage ich lieb.

Mittlerweile sind fast alle Freunde von Bernie und Jens, die hier übernachtet haben da und auch die Jungs von der Band kommen grade dazu. „Oh mein Gott, sie hat schon Carlos gefunden“, sagt Alex und die Jungs stürzen sich auf ihn. „Bist Du OK?“ fragt ihn Tom. Carlos ist völlig erstaunt. „Wie jetzt“, fragt er. Ich erkenne, dass die Jungs sich einen Spaß mit ihm machen. „Sieht aber so aus, als wäre noch nichts passiert“, bemerkt Alex. Dann schaut Frank zu mir. „Steffi, also so geht das nicht“, sagt er belehrend, „Du kannst Dich doch nicht einfach so an Carlos ranschmeißen.“ Ich spiele den Gag mit und sage mit unschuldiger Miene: „Warum denn nicht?“ „Ey, was stimmt denn mit euch nicht?“ fragt Carlos seine Kollegen, „sie hat mich doch nur nach meinem Namen gefragt.“ „Mehr nicht?“ fragt Tom. Carlos schüttelt den Kopf. Dann schaut Tom zu mir. „Wirklich?“ fragt er mich. „Ich schüttele auch den Kopf. „Na dann herzlich Willkommen, Kollege“, sagt Micha lachend. „Oh Mann, ihr nun wieder“, sagt Carlos grinsend, „da lässt man euch nur mal einen Auftritt alleine machen… .“

Wir gehen dann zu einer großen Tafel, aus vielen zusammengeschobenen Tischen. „Wann habt ihr denn das hier umgebaut?“ frage ich Bernie erstaunt. „Eben grade, bevor ich euch geweckt habe“, antwortet er. „Ja aber, die ganzen Luftis die hier als Deko und Sitzgelegenheiten, die brauchen doch ihre Zeit, bis sie entlüftet sind“, sage ich. „Das haben wir gemacht, als ihr alle zum Schlafen gegangen seid“, sagt Jens grinsend. „Habt ihr dann überhaupt geschlafen?“ frage ich Bernie und den Rest der Crew. „Eine halbe Stunde wird es gewesen sein“, antwortet Martina grinsend.
Gerhard schaut abwechselnd zu Katja, Sandra und mir. Dann fällt mir auf, das Sandra farblich ähnlich angezogen ist, wie Katja und ich, nur hat Sandra eine dunkelblaue Bluse an statt eines Langarmshirt. „Ihr habt euch aber nicht abgesprochen?“ fragt Gerhard grinsend. „Nee, nee,“ sagt Katja beschwichtigend, „ das muss schon eine Bestimmung gewesen sein, auch weil wir drei uns hier getroffen haben.“ „Poah, was für eine Aussage“, sage ich und kriege leicht feuchte Augen. Ich schaue zu Sandra, die hat auch eine Träne im Auge. Sie lächelt Katja an. „Oh, habe ich was falsches gesagt?“ fragt Katja. Ich schüttele den Kopf. Sandra sagt: „Ist alles OK.“ „Ich würde ja gerne ein Foto von euch dreien machen“, sagt Jens. „OK“, sagen wir drei fast gleichzeitig. Als wir uns postieren, haben wir schon wieder unseren Schalk im Nacken. Was mir auffällt, ist, dass Sandra mich die ganze Zeit beobachtet, sobald ich mal ein paar Meter von ihr weg bin. Sie mustert mich regelrecht von oben bis unten ab. Wenn ich sie dann anschaue, fühlt sie sich irgendwie ertappt. Ich kann mir schon denken, was sie bewegt. Da ich heute eine Röhrenjeans trage, kann ich natürlich nicht die fehlenden Hüften und den relativ kleinen Hintern kaschieren, so wie gestern mit dem Petticoat Kleid. Aber sagen tut sie nichts.

„Jetzt aber an die Tafel mit euch“, sagt Bernie lachend. Dann trägt er mit Pascal und Martina Speis und Trank auf. Ich staune nicht schlecht, als ich das Frühstücksbuffet sehe. „Hier gibt es nichts, was es nicht gibt“, sage ich erstaunt. „Das kannste so sagen“, bestätigt mich Heike. Ich sitze zwischen Katja und Sandra. „Ihr tretet wohl nur noch im Dreierpack auf“, fragt Gerhard mit seinem ansteckenden Lachen. Ich lächele freundlich. Während Katja richtig locker drauf ist, wirkt Sandra verspannt. Nach einiger Zeit spreche ich sie auch leise drauf an. „He, was ist mit Dir, Du bist so still?“ sage ich. Sie zuckt leicht mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht so richtig“, sagt sie dann. Egal, ich lasse es mir jedenfalls schmecken. Irgendwann sagt Micha zu Carlos: „Hey Kalle, kannst Du mir mal ein Ei rüber werfen?“ Ich stutze. „Kalle?“ frage ich. Carlos grinst mich an. „Eigentlich heißt er Karl-Heinz“, sagt Tom grinsend. „Ey, verrat doch nicht immer alles“, rüffelt Carlos. Dann schaut er grinsend zu mir. „Carlos ist ein Spitzname“, sagt er. „Eher Künstlername“, sagt Micha. „Karl-Heinz passt irgendwie nicht zu meinem Äußeren“, sagt Carlos. „OK, danke für die freundliche Info“, sage ich lachend. „Dann musst Du uns aber auch mal erklären, wer Du so bist“, sagt Carlos. „Vor allem wenn Du zu uns in die Band kommst“, sagt Micha feixend. „Wie jetzt?“ frage ich erstaunt, da müssen wir aber nochmal genauer drüber sprechen.“ „Wieso?“ fragt Alex grinsend. „Ich habe das bisher als Running-Gag gesehen“, sage ich erstaunt. „Ich würde gerne etwas über die Musikerin Steffi wissen“, sagt Carlos, „das was ich per Video gesehen habe, war ja schon sehr professionell.“ „Danke schön“, sage ich lieb, „was möchtest Du wissen?“ „Hey, nicht nur Carlos, wir auch“, sagt Frank, „so viel Zeit hatten wir gestern ja auch nicht.“ Alle am Tisch schauen mich gespannt an.

„Also gut“, sage ich, „für Musik interessiere ich mich, seit ich denken kann. Wenn ich als Kind eine Band gesehen habe, dann fand ich immer die Schlagzeuger gut. Und dementsprechend wollte ich auch so ein Ding haben. Fanden meine Eltern nicht so gut, weil wir damals zu viert in einer 3-Zimmer-Mietwohnung wohnten. Stattdessen haben sie mich zum Klavierunterricht angemeldet. War auch OK. Als meine Eltern dann ein Haus bauten, kam ich wieder mit dem Wunsch nach einem Schlagzeug um die Ecke. Das fanden die da immer noch nicht gut. Und zu dem Klavierunterricht bekam ich dann auch noch Gitarrenunterricht.“ „Eltern können manchmal komisch sein“, sagt Gerhard grinsend. Ich nicke und fahre fort: „Als ich mit 12 in die Realschule wechselte, hatte wir eine ziemlich coole Musiklehrerin. Und weil da in der Instrumentensammlung auch ein Schlagzeug stand, habe ich gefragt, ob mir jemand etwas beibringen kann.“ Tom schaut mich mit ganz großen Augen an. „Das sagst Du jetzt, dass Du Schlagzeug spielen kannst?“ sagt er fragend. „Ich habe nicht gesagt, dass ich es kann“, antworte ich grinsend. „Wie gings dann weiter?“ fragt Katja neugierig. „Wir haben zu dritt eine Schülerband gegründet“, sage ich, „ich saß dann tatsächlich am Schlagzeug. Unsere Lehrerin brachte mir einige Sachen bei und einiges brachte ich mir selber bei.“ „Steffiiii!?“ sagt Tom. Ich grinse. „Locker bleiben“, sage ich, „ich habe grade mal ein Jahr gespielt, da kam einer in unsere Klasse, der wollte auch ans Schlagzeug, der konnte auch schon was. Und da ich zu der Zeit besser Gitarre spielte, habe ich das dann auch getan.“ „Und wann war das, zu welcher Zeit?“ fragt Heike. „Anfang bis Mitte der `80er Jahre“, antworte ich, „nach dem Schulabschluss haben wir uns dann immer mal wieder sporadisch getroffen.“ „Cool, die 80er, die geilste Dekade des 20ten Jahrhunderts“, sagt Heike. „Das unterschreibe ich Dir glatt“, sage ich erfreut. Tom scheint noch nicht ganz zufrieden zu sein. „Kannst Du noch ein bisschen was auf den Drums?“ fragt er. „Der lässt nicht locker“, plappert Alex dazwischen. „Nee, er braucht wohl noch einen Ablöser“, sagt Micha grinsend, „ich reiche ihm anscheinend nicht.“ Tom versucht zu beschwichtigen: „Nee, auf keinen Fall“, sagt er, „ich bin halt nur neugierig.“ Ich lache, dann sage ich: „Um auf deine Frage zurückzukommen, ein paar Grundrhythmen und vielleicht ein paar Fill-Ins werde ich schon noch hinbekommen.“ Das stimmt Tom zufrieden, aber Jürgen fragt: „Kannst Du uns was zeigen? Die Schießbude steht da ja noch.“ „Aber nicht jetzt, während des Frühstücks“, sage ich gespielt schüchtern. „Warum nicht?“ fragt Sandra, plötzlich aus ihrer Verträumtheit aufgewacht. „Von mir aus gerne“, sagt Jens, und auch alle anderen stimmen zu.

Also gehe ich zum Schlagzeug. Nacheinander spiele ich die Trommeln an. Ich habe mir den ganzen Abend schon gedacht, dass Tom einen bekannten Drummer als Vorbild hat. Das sieht man an der Anordnung der Trommeln und an deren Stimmung, insbesondere am Snare Drum. Ich glaube, ich könnte Tom überraschen. Aber erst spiele ich ein paar verschiedene Takte. „Ist nicht einfach mit anderer Leute Werkzeug zu arbeiten“, sage ich grinsend und schaue zu den anderen. „Ist aber nicht schlecht, Steffi, sehr taktsicher“, sagt Carlos. Was ich die ganze Zeit verschweige, ich hatte bis vor Kurzem ein digitales Drum Kit, auf dem ich viel gespielt und geübt habe. Das habe ich nach der Trennung von meiner Frau zurückgelassen, weil die Kinder beide sehr gut darauf spielen können.
Ich spiele grade einen 2/4 Takt, mit einigen Fill-Ins und kurzen Trommelwirbeln. Und Bingo, Tom steht erstaunt auf und kommt auf mich zu. „Nur die ganzen Solos kann ich nicht so richtig“, sage ich zu Tom, der völlig erstaunt neben mir steht. „Das war gut“, sagt Tom, „ich könnte es Dir beibringen, wenn Du magst.“ „Gerne und … … Topper Headon von the Clash ist Dein Lieblings Drummer, gelle?“ frage ich lächelnd. „Ja“ sagt er verdattert, „woher weißt Du das?“ „Hier dran“, antworte ich und spiele einen kurzen Wirbel auf dem Snare. „Boah, Steffi“, sagt er verträumt. Zusammen gehen wir zum Tisch zurück. „Sehr geil“, sagt Micha, „das war drumming man von Topper Headon, richtig?“ „Ja, Toms Lieblingsdrummer, wie ich grade erfahren habe“, sage ich grinsend. „Wenn ich mich nicht gestern schon in sie verliebt hätte, dann würde ich es spätestens jetzt tun“, sagt Tom. „Uii“, merk ich kurz an und merke, wie mir ein Kribbeln durch den Körper läuft. „Hey Tom, so kennt man Dich ja gar nicht“, sagt Alex grinsend, was Tom etwas unangenehm ist. Und Micha sagt: „Aber denk an unsere einen Grundsatz in der Band: No fuck in the Band.“ „Ich gehöre aber nicht zur Band“, sage ich grinsend, „jedenfalls nicht offiziell.“ Dann lege ich meine Hand auf Toms Schulter und sage: „Zu mir oder zu Dir?“ Tom lacht und die anderen auch. Nur Sandra schaut etwas verzweifelt. Tom sieht das und sagt dann: „Nee, war ein Scherz.“ „Und ich würde jetzt gerne weiterfrühstücken“, sage ich lachend. Wir setzen uns wieder. Ich schaue zu Sandra. Sie schaut mich mit ihren braunen Augen an. „Ich weiß echt nicht wo ich bei Dir dran bin“, sagt sie zaghaft lächelnd. Heike, die Sandra gegenüber sitzt, hat das gehört und sagt: „Vielleicht kannst Du uns ja auch noch ein bisschen über Dich erzählen, Steffi.“ „Das würde ich auch gerne wissen“, sagt Sandra, „obwohl ich da ein wenig Angst vor habe.“ „Du ahnst schon was, oder?“ Sie nickt vorsichtig.
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Wäre ich schlank, würde euch das nur unnötig geil machen...

Stephanie
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Beitrag von Stephanie »

Frühstück in der Kneipe im Vorharz Teil 2

„Also, ich mache es kurz“, sage ich, „ich werde immer leicht verlegen und möchte eigentlich nicht so gerne im Mittelpunkt stehen.“ „Nöö, nöö Steffi, so leicht kommst du uns nicht davon“, sagt Heike lachend. „OK, aber ich bin im Moment die einzige, die die Aufmerksamkeit auf sich zieht“, sage ich. „Ist nicht schlimm“, grinst Bernie. „Hm, na gut ich fange mal ganz vorne an“, sage ich, „ich bin so ein klassischer ‘60er Jahre Verkehrsunfall.“ Einige der Anwesenden stutzen. „Verkehrsunfall?“ fragt Martina. Ich nicke. „Ja, Geschlechtsverkehr“, antworte ich, „ungeplante Schwangerschaft bei meinen Eltern.“ Katja kringelt sich schon wieder vor Lachen. „Die hat einen Humor, unglaublich“, gackert sie. „Na gut, bei meinen Eltern machte sich eine kleine Panik breit, sie waren noch nicht verheiratet“, sage ich, „das war in der ‘60ern noch ein kleiner Skandal. Also fix Hochzeit geplant. Als das durch war konzentrierten sie sich voll und ganz auf mich.“ Am Tisch ist es still, gespannt hören sie zu. „Zu der Zeit bekam ich auch meinen Namen Stefanie“, fahre ich fort, „sie wünschten sich nämlich ein Mädchen. Und damals gab es noch kaum Ultraschall Untersuchungen. Also konnten sie nur hoffen. Es kann aber auch eine Strategie gewesen sein, wenn es kein Mädchen wird, haben sie einen Stammhalter. Das haben sie mir allerdings nie gesagt, ist eine Vermutung von mir.“ Ich mache eine kurze Pause. Katja schaut gespannt. „Na ja und dann kam der Tag der Geburt“, sage ich, Klapps auf den Po und dann der Blick zwischen die Beine. Alles klar, Zipfel zwischen den Beinen, d.h. blaue Klamotten, Matchboxautos, Carrerabahn und Modelleisenbahn, draußen Cowboy und Indianer spielen, und mit Taschenmesser an Stöckern rumschnitzen.“ Ich versuche das Ganze, was ja eher traurig, ist absichtlich lustig zu verpacken. Meine Zuhörer verstehen das auch so. Sandra hat mittlerweile eine meiner Hand unterm Tisch genommen und hält sie fest. Sie scheint auch die Einzige zu sein, die die Geschichte stark berührt. „Das schlimmste war aber im Nachhinein gesehen, dass sie mir die beiden letzten Buchstaben meines Namens weggenommen haben“, führe ich weiter aus, was zu Bedauern führt. Dann sage ich: „Nun muss ich mal einen Sprung ins „Jetzt“ machen. Seit knapp zwei Wochen weiß ich, dass ich „beides“ bin. Ich trage beide Geschlechtsmerkmale und das seit Anfang an. Nur hat sich der weibliche Teil erst in den letzten Jahren bemerkbar gemacht und ich erst seit kurzem sichtbar.“ Erstaunen in der Runde. „Wenn ich jetzt wieder zur Geburt zurückgehe, dann bin ich eigentlich froh, dass die damals einen Jungen klassifiziert haben“, sage ich. „Wieso?“ fragt Micha. „Na ja, wenn ich damals schon ein sichtbares weibliches Geschlechtsmerkmal gehabt hätte, dann hätten sie sofort eine OP eingeleitet“, antworte ich, „dann wär eins von beiden wegoperiert worden und ich hätte das ganze Leben Tabletten schlucken dürfen.“ „Ist das wirklich so?“ fragt Micha. „Ja leider“, antwortet Katja, „heute wendet sich das zum Glück langsam.“ „Und was hätte dann weg gemusst?“ fragt Micha. „Es ist einfacher eine Grube zu graben, als einen Turm zu bauen“, sagt Jürgen grinsend. Ich zwinkere ihm zu. Der Spruch sorgt zum Glück für eine Erleichterung. „Also wär der Zipfel weggewesen“, stellt Katja fest. „Genau“, sage ich, und dann überlegt euch mal, wie das bis dahin funktionierende Hormongleichgewicht aus dem Ruder geraten wäre.“ Zustimmendes Nicken in der Runde.

„Meine Kindheit lief diesbezüglich ruhig“, fahre ich weiter fort, „wir wohnten damals in einer Mietskaserne und da ich zu den geburtenstarken Jahrgängen gehöre, gabs es auch viele Kinder. Wenn ich rausgegangen bin war immer jemand da mit dem man spielen konnte. Egal ob die Mädchen mit den Jungs „Cowboy und Indianer“ spielten oder die Jungs mit den Mädchen „Mutter, Vater, Kind“ spielten. War völlig egal, wir sahen sowieso alle gleich aus. Anfang der ‘70er Jahre war das so.“ „Stimmt“, sagt Gerhard lächelnd“, allesamt lange Haare und wenn die Hosen zu kurz wurden, dann wurde unten ein Stück Stoff drangenäht. Wir sahen aus.“ „Stimmt, war eine schöne Zeit“, sagt Bernie. „Doof wurde es, als ich so 10, 11 Jahre alt war“, erzähle ich weiter, „plötzlich waren meine Eltern der Meinung, ich sollte doch mal wie ein richtiger Junge aussehen. Kurze Haare, Pottschnitt, üääh. Das ging, bis ich 14 war, Anfang der ‚‘80er, Haare wieder lang, dann irgendwann knalle-enge Jeans, Stichwort Live Aid und Freddie Mercury, und eine Frisur wie Rod Steward.“ „Oh ja eine sehr geile Zeit“, wirft Gerhard ein. „Ich sah damals schon mal fast so aus wie jetzt“, sage ich, nur mit braunen Haaren.“ Ich fühle, wie Sandra meine Hand fester drückt. Sie schmiegt sich auch unmerklich für die anderen an mich ran.

„Dann kam ich in die Lehre bei dem große Autobauer hier, ausgelernt und bis heute dabei geblieben“, sage ich. Sandra schaut mich auf einmal von der Seite an. „Daher kenne ich Dich“, sagt sie erstaunt, „ein paarmal habe ich dich in der Kantine gesehen.“ „Ja“, antworte ich nickend, „und vorgestern beim Arzt.“ „Das warst Du?“ fragt sie erstaunt, „da sahen die Haare ganz anders aus.“ „Na ja, sie waren Kupferrot und kürzer“, sage ich. „Äh, wie jetzt?“ fragt Jürgen irritiert. „Meine derzeitige natürliche Haarpracht taugt überhaupt nicht, so eine Frisur zu tragen“, antworte ich, „deshalb muss ich auf Haarteile zurückgreifen.“ Sandra kommt aus dem Staunen nicht heraus. „Das glaube ich nicht, das sieht so echt aus“, sagt sie, „und die sitzt perfekt, wie machst Du das?“ „Mit Haarklemmen hinten und Klebestreifen vorne“, antworte ich. „Unglaublich perfekt“, sagt Sandra. „Anfang der ‘90er Jahre musste ich zum Bund“, erzähle ich weiter, „war jetzt nicht so schlimm, weil ich die ganze Zeit in der Instandhaltung war. Und danach hat sich Stefanie in mir immer breiter gemacht. Nach und nach kam sie dann auch mal zum Vorschein, vorsichtig, heimlich. Bis zum heutigen Tag, wo es nur noch Steffi gibt.“ „Danke für den Lebenslauf“, sagt Heike. „Gerne“, sage ich, „hat hungrig gemacht.“ „Langt noch mal ordentlich zu“, sagt Jens, „es ist noch so viel da.“ Ich streich mir grade ein Brötchen und schaue zu Sandra. Sie schaut mich an. „Hast du deswegen so gezögert bei mir?“ fragt sie leise. „Genau“, antworte ich, „ich bin der Meinung, dass Du das unbedingt wissen solltest.“ „OK, das habe ich verstanden, danke dafür“, sagt sie und schaut mich verliebt an. „Hat dich das nicht abgeschreckt?“ frage ich sie. „Es macht mich zwar nachdenklich“, antwortet sie, „aber ich bin immer noch total in dich verliebt.“ „Huh“, sage ich leise. „Was denn?“ fragt Sandra. „Das Gefühl, was grade in meinem Körper hoch und runterläuft“, antworte ich. Sandra lächelt.

„Wir haben ja ab und zu mal gesagt, dass Du in die Band kommen kannst, Steffi“, sagt Micha nach einiger Zeit, „Du passt auf Anhieb hier rein.“ Die anderen nicken. „Hm ja, das macht mich die ganze Zeit nachdenklich“, antworte ich, „das war schon erstaunlich, wie gut das klappte gestern.“ „Aber…?“ bohrt Alex nach, „wenig Zeit?“ „Nee, hat eher mit dem zu tun, was ich eben erzählte“, antworte ich, „hier bei Bernie und Jens ist das kein Problem, so aufzutreten. Aber ich weiß ja nicht wo ihr sonst so auftretet. Ob die Leute da genauso tolerant sind, wie hier.“ „Ach so, das meinst Du“, sagt Alex, „Du meinst es könnte ein Problem geben?“ „Ja, es spricht sich ja doch rum“, antworte ich, „und dann lass mal bei so einer Location ein paar Typen rumlaufen, die den IQ einer Billardkugel haben. Sowas z.B. „Ey da steht ne Transe auf der Bühne, die boxen wir da mal runter“. Verstehste?“ Na gut, ich erzähl das natürlich lustig verpackt, was am Tisch zu einiger Heiterkeit führt. „Is‘ schon klar, aber da bist Du bei uns in bester Gesellschaft“, sagt Micha. „Wieso?“ frage ich erstaunt. Micha grinst. „Naja, Du bist zwischen zwei Heten, zwei Schwulen und einer Bi gut aufgehoben. „Äh, wie Biddde?“ frage ich und bin erstmal völlig platt. „Das hat sich auch schon rumgesprochen“, sagt Tom, „und von solchen Billardkugeln werden wir erst gar nicht gebucht.“ „Ich würde gerne mit euch noch mehr machen“, sage ich schließlich, „aber ich möchte aber gerne noch mal eine Zeit drüber nachdenken.“ „Klar, kein Problem“, sagt Micha lächelnd.
In meinem Kopf rattern die Gedanken. Wer ist jetzt was? Von Carlos weiß ich es, das hat er vorhin gesagt. Aber wer von den vieren ist die zweite Hete und was ist mit den anderen. Ich will sie andererseits aber auch nicht direkt fragen, obwohl sie ja anscheinend offen dazu stehen. Tom sieht mir an, wie ich am Rätseln bin und schmunzelt. „Na Steffi, das ist ‘ne harte Nuss, was? „sagt Tom schließlich. Ups, da hat er mich erwischt. „Also ich bin der, die Bi“, sagt Tom weiter. Die anderen drei grinsen mich. „Jetzt musst Du raten“, sagt Micha. „Och Menno“, sage ich, „also gut, die zweite Hete ist Micha?“ „Bingo“, sagt Alex. „OK, dann habe ich es ja“, grinse ich und sage dann zu Alex und Frank: „Ihr seid aber kein Paar, oder?“ „Nee, denk an unseren einen Grundsatz: No fuck in the Band!“, sagt Frank grinsend. „Na ja, ist eher eine Richtlinie“ wirft Alex lachend ein. „Ihr macht mich weich“, sage ich ebenfalls lachend. „Na dann habt ihr ja die ersten drei Buchstaben von LGBTI zusammen“, sagt Bernie, „wenn ich Steffi richtig einschätze.“ „Steffi ist L?“ fragt Gerhard. Ehe ich antworten kann, dreht Sandra meinen Kopf zärtlich zu ihr hin und gibt mir einen sowas von einem geilen Kuss, dass mir beinahe hören und sehen vergeht. Als sie fertig ist und ich mich einigermaßen gerappelt habe, sage ich feixend: „Beantwortet das deine Frage?“ Gerhard lacht. „Ja hat mich überzeugt“, sagt er, „war eindeutig. Erheiterung macht sich am Tisch breit.

Es klingelt an der Tür. Jens geht hin und lässt Achim herein. „Na hast Du Sehnsucht nach uns?“ fragt Bernie. Achim grinst und winkt ab. „Nee, ich muss für eine Reportage nach Braunlage im Harz und habe noch ein wenig Zeit“, antwortet Achim, „und da schaue ich doch mal hier vorbei, liegt ja fast auf dem Weg.“ „Komm, setz Dich dazu, wenn Du magst , dann lang zu, ist genug da“, sagt Jens. Ich unterhalte mich eine Weile mit Achim. Bernie kommt dazu. „Steffi ist Nachbarin von einem guten Bekannten von Dir und mir“, sagt er zu Achim. Der stutzt, während ich mir schon was denke. Bernie zwinkert mir zu. „Ich kenne so viel Leute“, sagt Achim, „das können viele sein.“ Achim überlegt eine Weile, dann sagt er: „Ich komme nicht drauf.“ Ich schaue zu Bernie. „Das kann ja dann nur Ebi sein“, sage ich. Achim schaut mich an. „Das ist ja ein Ding“, sagt er dann, „da musst Du mir aber mal die Adresse geben. Auf alle Fälle grüß mal schön.“ „Klar, mache ich“, antworte ich.

Ich schaue auf die Uhr. Es ist schon 12:00 Uhr mittags durch. „Wie lange hat denn der Möbelladen in Goslar auf, wo Du die Lufti-Sofas her hast?“ frage ich Bernie. „Bis Eins“, antwortet Bernie. „Hm, doof, hier jetzt aufzuspringen und da hinfahren wäre aber auch blöd“, sage ich leicht enttäuscht. „Du bleibst schön hier!“ sagt Katja grinsend. Beiläufig steht Bernie auf. Ich nehme das kaum zur Notiz. „Egal ich bestell mir so ’n Ding halt im Netz“, sage ich schließlich. „Ich find die auch toll, die Sofas“, bemerkt Sandra. Nach einiger Zeit kommt Bernie wieder, er war im Büro und hat jetzt einen Karton in der Hand. Er kommt zu mir und stellt den Karton auf den Tisch. Es ist so ein Sofa im Originalverpackung. „Das ist für Dich“, sagt Bernie, „ursprünglich wollte ich da hinten alle Vier hinstellen, aber Drei sahen gefälliger aus.“ „Wie jetzt, für mich?“ frage ich erstaunt, „was bekommst Du denn dafür?“ „Naja, so gesehen gar nichts“, sagt Bernie, „wir müssen uns sowieso nochmal zusammen setzen, wie wir deinen Einsatz gestern entlohnen.“ Ich schaue ihn erstaunt an. „Äh, ich habe das eigentlich aus Spaß an der Freude gemacht“, sage ich verlegen. „Nee nee, Frollein, so kommste uns nicht davon“, sagt Jens grinsend. „Aber ich hatte doch Trink- und Futter-Flatrate, sowie kostenlose Übernachtung“, sage ich. „Hatten die Jungs auch“, sagt Bernie. „Du solltest schon etwas mehr, als Kost und Logis und dem Lufti-Sofa bekommen“, fügt Jens hinzu, „sei doch nicht so bescheiden.“ Ein bisschen unangenehm ist mir das schon. Aber die beiden bestehen drauf.

Wieder klingelts an der Tür. „Wer kommt denn jetzt noch?“ fragt Jens verwundert. Pascal macht die Tür auf und drei Männer treten unaufgefordert herein. „Ah, der Herr Bürgermeister“, sagt Bernie mit leicht abfälligen Ton. Ich schaue mir die drei genau an. Der Bürgermeister ist kleiner, als seine beiden Begleiter und außerdem etwas untersetzt. Die anderen Beiden sehen ziemlich fit aus. „Hier gab es gestern eine Schlägerei“, sagt der Bürgermeister unverhohlen, „eine rothaarige Frau soll das ausgelöst haben. Dabei schaut er die ganze Zeit zu mir. Ich schaue ihn eine Weile abwertend an und sage nichts, dann sage ich: „Um es richtig zu stellen, das war eine Schubserei und ausgelöst hat so ein rechtsradikales Weichei.“ Da war er wohl nicht drauf vorbereitet. „Das ist mein Sohn“, sagt der Bürgermeister entrüstet. „Aha, was haben Sie dann in der Erziehung falsch gemacht?“ frage ich ihn mit abfälligen Tonfall, „oder hat er das von Ihnen?“ Der Herr wird bleich im Gesicht. „Was fällt Ihnen ein?“ empört er sich. „Wieso?“ frage ich, „habe doch nur eine Frage gestellt.“ Jetzt wird er vor Ärger Puterrot. „Sie haben ihm die Nase gebrochen“, empört er sich weiter. „Das haben sie gesehen? Sie waren doch garnicht dabei“, sage ich schnippisch, „ich glaube eher, dass er sich das Ding gebrochen hat, als er mit dem Zinken auf dem Boden bremsen wollte.“ Gerhard kann sich nicht mehr halten und fängt mit seiner ansteckenden Lache loszulachen. Auch die anderen am Tisch fangen an zu lachen, wenn auch zurückhaltender. Den Herrn Bürgermeister bringt das natürlich total auf. „Ich fordere Sie auf, sich bei meinem Sohn zu entschuldigen“, befiehlt er mir, „Sie kommen jetzt mit raus.“ „Ein Scheißdreck mache ich“, sage ich trotzig, „erstmal muss sich ihr Kleiner bei den Leuten hier entschuldigen, die er als Abschaum durchbeleidigt hat.“ „Sie gehen jetzt besser wieder“, fordert Bernie die Herrschaften barsch auf. „Es reicht mir jetzt!“ brüllt der Bürgermeister.

Aus den Augenwinkeln sehe ich Achim, wie er heimlich Fotos schießt. Dann sagt der Bürgermeister: „Wenn Sie nicht freiwillig mitkommen, dann helfen wir gerne nach.“ „Irgendwie hatten wir doch gestern Abend auch schon mal so was“, sage ich lapidar. Der Bürgermeister sagt etwas zu seinen Leuten, die sich langsam in meine Richtung bewegen. Gerhard holt sein Handy raus. „Ich glaube so langsam wird es Zeit die Polizei zu rufen“, sagt er. Worauf einer der beiden Begleiter vom Bürgermeister zu ihm geht. „Eine Warnung an euch“, sage ich und stehe auf, „wenn ihr hier einen der Anwesenden und/oder mich anfasst, dann ist hier Achterbahn.“ Kurz darauf steht der eine schon neben mir und versucht meinen rechten Arm zu fassen. Ich schlage seinen Arm weg und knalle ihm mit links voll eine ins Gesicht, ehe er das so richtig realisiert hat, kriegt er mit meiner rechten Faust mit voller Wucht eine in die Magenkuhle. Er krümmt sich nach vorne, was mich dazu veranlasst, das rechte Knie hochzuziehen und ihm ins Gesicht haue. Der Typ fällt nach hinten um und windet sich auf dem Boden. Der andere stand schon fast bei Gerhard auf der andern Seite vom Tisch. Schnell versucht er um den Tisch zu kommen und geht schnell auf mich zu. Kurz vor mir hebt er seinen rechten Arm, um mir wahrscheinlich eine zu knallen. Blitzschnell gehe ich einen kleinen Schritt zur Seite, packe seinen Arm und reiße ihn runter. Mit seiner eigenen Kraft bringe ich ihn so auf den Boden. Er kommt auf dem Rücken zum liegen. Als er grade wieder hochkommen will, bekommt er meine Rechte mit voller Wucht ins Gesicht. Benommen fällt er wieder nach hinten. „Soso, Aikido kann sie also auch“, höre ich Jürgen ganz trocken sagen. Ich zwinkere ihm zu. Ich gehe zum Bürgermeister. Der ist kreidebleich im Gesicht. „Wie kann man nur so bescheuert sein?“ frage ich ihn, „Sie klagen sich in das Amt ein, wissen Sie was ich jetzt mache?“ Er schaut mich entsetzt an und schüttelt panisch den Kopf. „Wissen Sie was Edeka heißt?“ frage ich weiter. Er sagt nichts. „Ende der Karriere“, sage ich laut, „ich klage Sie aus dem Amt!“ Er stammelt irgendwas unverständliches.
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Polizeieinsatz

Aus der Ferne hört man eine Polizeisirene oder vielleicht auch mehrere. Der Herr Bürgermeister wird unruhig. „Steht auf! Wir gehen“, ruft er seinen Leuten zu. Nur die kommen gar nicht in die Gänge. Ehe man sich versieht, stehen mehrere Polizisten in der Kneipe. Der Bürgermeister zeigt auf mich und sagt: „ Nehmen sie die Frau da fest, die hat die Schlägerei angefangen!“ Zwei Polizisten nehmen den Bürgermeister in die Mitte und führen ihn wortlos nach draußen. Kurz danach kommen mehrere Sanitäter rein und versorgen die beiden am Boden liegenden Begleiter des Bürgermeister. Als sie halbwegs versorgt sind werden sie auch nach draußen geführt. Ich schaue der ganzen Szene irritiert zu. Auch einige andere der Gäste schauen so. Katja und Sandra ebenfalls. Dann fällt mein Blick auf Gerhard, der grinst. Ehe ich etwas sagen kann, sagt er: „Du musst nur am Telefon das Richtige sagen.“ Zwei Polizisten in Zivil weisen sich uns gegenüber aus. „Ist bei Ihnen alles OK?“ fragt er mich. Ich nicke, immer noch gefesselt von dem eben erlebten. Der Polizist dreht sich zu den anderen. „Bei Ihnen auch alles OK?“ fragt er in die Runde. Zum Teil sind die Leute etwas geschockt, aber dann nicken sie erleichtert. Der andere Polizist geht zu Gerhard. „Ich habe mir gleich gedacht, das Du das warst mit dem Anruf“, sagt er lächelnd, „so detailliert wie das rüberkam.“ Ich stehe immer noch staunend mitten im Raum. Ein Sanitäter kommt auf mich zu. „Haben Sie irgendwo Schmerzen, wurden Sie irgendwo getroffen?“ fragt er mich. „Nöö, die hatten keine Zeit mehr, zurückzuschlagen“, sage ich bedröppelt. Der Sani grinst. Dann zeige ich ihm meine rechte Hand. „Die tut ein wenig weh“, sage ich. Er schaut sich das an. „Auf die Schnelle sieht man nichts“, sagt er, „aber ich würde es dem Notarzt noch mal zeigen, wenn der mit den Herrschaften draußen fertig ist.“ „Notarzt?“ frage ich erstaunt mit aufgerissenen Augen. „Ist Standard bei Handgreiflichkeiten“, sagt der Sani lächelnd, „und Sie müssen ja einen heftigen Schlag drauf haben.“
Ich weiß grade gar nicht was ich von der Aktion halten soll und gehe zum Tisch zurück. „Zeig mal deine Hand“, sagt Katja. Während sie sich die Hand anschaut, frage ich Gerhard: „Was hast Du denn der Polizei gesagt?“ Gerhard grinst. „Ich habe denen nur ganz genau die Situation geschildert“, sagt Gerhard lächelnd. „Und woher kennt ihr euch?“ frage ich Gerhard. Der Polizist, der bei Gerhard steht antwortet: „Gerhard arbeiten bei uns als Psychologe.“ Erstaunen macht sich in der Runde breit. „Aha, na sowas“, sage ich.
„Könnte sein, das Du leichte Prellungen an der Hand hast“, sagt Katja, nachdem sie sich die Hand angeschaut hat, „lass den Arzt da trotzdem noch mal draufschauen.“ Der eine Polizist lächelt Katja an. „Ach jetzt erkenne ich Dich, die kleine Heilpraktikerin aus Altenau“, sagt er. Katja lächelt zurück. „Na ihr scheint euch ja hier alle zu kennen“, sagt Sandra erstaunt. „Kann man so sagen“, sagt der andere Polizist lachend, „wir leben hier alle gemütlich auf einem Haufen.“ „Aber nichtsdestotrotz müssen wir euch auch zu dem Vorgang befragen“, sagt der erste Polizist wieder. Ich werde mit als Erste befragt und gebe meine Personalien an. Bei meinem Personalausweis stutzt der Polizist. Unaufgefordert gebe ich ihm meinen Ergänzungsausweis. „Oh, das ist ja eine Veränderung, Hut ab, junge Frau“, sagt er lächelnd. Ich werde natürlich wieder leicht verlegen und zucke leicht mit den Schultern. Zwei andere Polizisten kommen dazu und unterstützen ihre Kollegen. Dann kommt noch ein Einsatzleiter herein und erkundigt sich nach unserem Befinden. „Meine Güte, mit wieviel Kräften seid ihr den hier?“ frage ich erstaunt. „Mit vier Streifenwagen, davon ein Bus“, antwortet der Einsatzleiter. Dann geht sein Funkgerät. „Kannst Du mal rauskommen.“ Wir haben hier in einem PKW eine Person gefunden, die sich offensichtlich versteckt hat“, sagt die Stimme im Funkgerät. Der Einsatzleiter geht raus. Ich bin mit meiner Aussage fertig und schaue in die Runde. In dem Moment kommt der Notarzt herein, schaut sich kurz um, sieht mich und steuert gradewegs auf mich zu. „Nach der Beschreibung, können das nur Sie sein“, sagt er freundlich. Ich nicke und zeige ihm daraufhin die Hand. Ich muss ein paar Bewegungen machen, zu denen ich sagen muss ob es weh tut. „Sind ein paar leichte Prellungen drin“, sagt er, „schonen Sie die Hand. Wenn es schlimmer wird gehen sie bitte zum Arzt.“ „OK“, sage ich. Dann geht er wieder.

Der Einsatzleiter kommt wieder herein. „Wir haben da draußen jemanden in einem Auto gefunden, der auf die Beschreibung passt, die Sie vorhin abgegeben haben, Frau Boe“, sagt er, „er weigert sich hier rein zu gehen. Würden Sie kurz mit rauskommen?“ Ich stimme zu und folge ihm. „Ist auch kein Wunder warum er nicht reinkommen will, der hat Hausverbot“, sagt Bernie grinsend. Als ich durch die Tür nach draußen gehen traue ich meinen Augen nicht. Zu den vier Streifenwagen stehen da noch zwei Krankenwagen und der Notarztwagen. Und natürlich ist das halbe Dorf zusammengelaufen. An einem Streifenwagen steht der Sohn vom Bürgermeister. Die halbe Gesichtshälfte ist rot und blau. „Ja, das ist er, der heute Morgen um kurz vor Fünf den Streit angezettelt hat“, sage ich. „Vielen Dank, Frau Boe, sie können gerne wieder reingehen“, sagt der Einsatzleiter. Ich schaue den Sohn noch mit einem grimmigen Blick an, dann gehe ich wieder rein. Die anderen haben ihre Aussagen auch gemacht. Wir werden noch gefragt, ob jemand von uns noch eine Betreuung braucht. Aber alle verneinen die Frage, worauf der Polizist lächelnd sagt: „Ihr habt ja auch noch den Gerhard.“ „Stimmt“, sage ich. Dann verabschieden sich die Polizisten.

Als langsam wieder Ruhe einkehrt, wundere ich mich: „Liegt das an mir, drei Rangeleien in 12 Stunden.“ Oder war das Zufall?“ „In Kneipen ist das durchaus normal, dass es mal eine heftige Auseinandersetzung gibt“, sagt Bernie, „na gut drei Mal ist schon selten. Aber ich glaube nicht, dass das an Dir liegt.“ „Da musst Du Dich als Frau dran gewöhnen, dass Du öfter die Zielscheibe bist“, sagt Heike. „Ja schon, aber gleich so heftig?“ frage ich. „Obendrein bist Du ja auch wunderschön, wie ein Engel“, sagt Gerhard, „das ist auch nicht zu vernachlässigen.“ Ich bin total sprachlos, nach dem Kompliment. „Engel hat nun noch keiner zu mir gesagt“, sage ich richtig verlegen und setze mich langsam auf einen Stuhl. Mit zitternder Hand schenke ich mir einen Kaffee ein und trinke ihn. Eine Zeitlang schweigen wir alle am Tisch.
Irgendwann fange ich mich. „Was wollte der jetzt mit dieser Aktion bewirken“ sage ich in Bezug auf den Bürgermeister, „nur dass ich mich für eine Sache bei seinem Sohn entschuldige, die ich gar nicht ausgelöst habe. Ist der so bescheuert?“ „Ja!“, antwortet Bernie knapp, „der ist so. Erst alles einreißen und dann fragen warum.“ „Und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass er uns hier loswerden will“, sagt Jens, „wir passen nicht in seine Ideologie.“ „Wie jetzt? Der Laden bringt doch einiges an Umsatzsteuer in die Gemeinde Kasse“, sage ich. „Ja das tut er, aber wie Du schon sagtest, Steffi, der ist so bescheuert“, bemerkt Bernie. „Unglaublich“, sage ich und schüttele den Kopf. Ich schaue zu Achim. „Die Story lesen wir morgen in der Zeitung?“ frage ich ihn. Er nickt zurückhaltend. „Ich halte das euch gegenüber neutral, aber man sollte schon wissen was hier los war und wer das ausgelöst“, sagt Achim. Ich nicke zustimmend. „Bei der Gelegenheit, den Bericht im Stadtmagazin kannste meinetwegen auch machen“, sage ich, hab’s mir überlegt.“ „Das freut mich“, sagt Achim erleichtert.
„Wo Du grade so entscheidungsfreundlich bist, Steffi, magst Du dann auch in die Band kommen“, fragt Frank. „Die lassen nicht locker“, sage ich lachend. „Ja nun“, sagt Micha, „bevor irgendwer anderes kommt.“ „Ich komme mal zum Üben vorbei, OK?“ sage ich, „habt ihr einen Übungsraum oder so?“ „Hm, nee“, druckst Tom herum, „aus dem letzten mussten wir raus und jetzt suchen wir einen neuen.“ „Und wie übt ihr dann?“ frage ich. „Bei mir oder bei Micha im Keller“, antwortet Carlos. „Ist aber blöd, weil man immer das ganze Equipment mitschleppen muss“, fügt Tom hinzu. „Ich hätte eventuell eine Möglichkeit in Braunschweig“, sage ich und denke dabei an die Spedition meines Onkels. „Das wär ja cool“, sagt Carlos. „Ich melde mich in der nächsten Woche bei euch“, sage ich, „wenn das mit der Fahrerei OK ist.“ „Klar, wenn die Instrumente da stehen bleiben können und sicher sind, dann macht mir das Fahren nichts aus“, sagt Carlos. „Wo kommt ihr eigentlich her, bei der Gelegenheit?“, frage ich. „Ich habe den weitesten Weg und komme aus Hildesheim“, sagt Carlos. „Aus der Nähe von Peine“, sagt Tom. „Micha und ich kommen aus Gifhorn“, sagt Frank. „Und ich kurz hinter Wolfsburg, Richtung Magdeburg“, sagt Alex, „von daher passt Braunschweig ideal, ist in der Mitte.“ „Ist ja stark“, sagt Katja. „Das wär toll, wenn ihr das hinkriegt“, sagt Martina, „ihr passt so gut zusammen.“ „Ich buch euch schon mal für die Sommerparty“, sagt Jens grinsend. „Klar, wenn wir Zeit haben“, sagt Micha.
„Jetzt komm Steffi, Butter bei die Fische, wirst Du das sechste Bandmitglied?“, fragt mich Tom mit strahlenden Augen. „Nicht rumdrucksen“, sagt Carlos, „es gilt nur Ja oder Nein.“ Ich schaue alle am Tisch einen nach dem anderen an. Nach einer gefühlten Ewigkeit für die Anderen sage ich: „Ja, OK, mach ich!“ Am Tisch bricht Gejohle los. Martina und Pascal holen Sektgläser und Sektflaschen. Als Ruhe am Tisch einkehrt sagt Katja: „Nun ratet mal wer grade wieder etwas verlegen geworden ist?“ „Ach Menno, Du nun wieder“, rüffele ich sie gespielt an. Bernie stellt sich hin, hat sein Sektglas in der Hand und sagt: „ Leute, vielen Dank, dass ihr hier seid, vielen Dank für den schönen Abend, auch wenn es ab und zu mal turbulent war, es hat Spaß gemacht und vor allem unsere Haus-Band ist gewachsen, PROST!“ „Prost“, rufen wir alle lachend zurück.
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Wäre ich schlank, würde euch das nur unnötig geil machen...

Stephanie
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Beitrag von Stephanie »

Heimfahrt

„So langsam müssen wir wohl mal die Kneipe räumen“, sagt Micha, „es geht doch bestimmt bald der reguläre Betrieb los.“ „Ein wenig Zeit ist noch“, sagt Jens, „es würde mir leidtun euch so Holterdiepolter rauszuwerfen.“ Bernie steht hinter dem Tresen und sagt: „Nichtsdestotrotz brauche ich mal die Band hier.“ Die Jungs stehen auf. Weil ich sitzen geblieben bin schaut mich Alex an und sagt grinsend: „Steffi, die Band hat er gesagt.“ „Sorry ich hab es noch nicht ganz realisiert“, sage ich etwas überrascht. Also gehe ich mit hin. „Mit den Jungs habe ich im Vorfeld schon geredet und die Gage verhandelt“, sagt Bernie, „jetzt geht es darum, was Du bekommen sollst, Steffi.“ Mir ist das leicht peinlich, was Tom mir anmerkt. „Nee, nee, Steffi, keine falsche Bescheidenheit bitte“, sagt er grinsend. „Grundsätzlich nehmen wir pro anwesendes Mitglied 500,-€“, sagt Frank, „jetzt war das gestern schwierig weil Carlos kurzfristig ausgefallen ist.“ „Genau und weil Du so spontan ausgeholfen hast würden wir den Jungs auch den vollen Betrag geben“, sagt Jens. „Und Dir geben wir ebenfalls 500,-€ für Deinen Einsatz“, sagt Bernie und gibt mir einen Briefumschlag. Etwas schüchtern nehme ich den Umschlag an. „Vielen Dank, ist jetzt etwas ungewohnt“, bemerke ich. „Bleib locker, Steffi, das war schon ein Wahnsinns-Einsatz, den wir von Dir gesehen haben“, sagt Bernie, „und das meine ich nicht nur in Bezug auf die Musik.“ Ich schaue Bernie und Jens an und nicke still. Den Umschlag stecke ich in meine Handtasche. Zusammen gehen wir zum Tisch zurück. Alle setzen sich wieder hin, nur ich bleibe stehen. „Ich möchte die Gelegenheit nutzen mich bei euch zu bedanken“, sage ich, „dass ich euch kennenlernen durfte und ihr mich so aufgenommen habt.“ Es gibt einen kleinen Beifall.
Nach einiger Zeit sagt Micha: „Lasst uns mal die Anlage abbauen und verstauen.“ „Aber nicht danach abhauen, ich habe noch einen leckeren Kuchen im Ofen“, sagt Martina. „Na, ihr verwöhnt uns aber“, sage ich. Zusammen bringen wir alles raus zu den Autos. Die Gesangsanlage und die Drums verstauen wir in einem Transporter. Danach gehen wir wieder rein. Martina und Sabrina, die zweite Dame von der Theke habe leckeren, noch dampfenden Zucker- und Apfelkuchen vom Blech auf den Tisch gestellt, dazu gibt’s frischen Kaffee. Katja schaut auf die Uhr. „Unglaublich, schon wieder halb vier“, sagt sie. „Allerbeste Kaffeezeit“, sagt Gerhard grinsend. Ich schaue Sandra an. „Nächste Woche gibt’s nur Salat, oder?“ sage ich und kneife mir in den Bauch. „Stimmt“, sagt Sandra lachend. Den Kuchen lassen wir und dennoch schmecken. Nach einiger Zeit fragt Sandra in die Runde: „Fährt jemand in Richtung Bad Harzburg oder Goslar? Und dann am Bahnhof vorbei?“ „Wär kein Problem“, sagt Katja, „wo musst Du denn dann hin?“ „Nach Braunschweig“, antwortet Sandra. Ich schaue Sandra von der Seite grinsend an. Irritiert schaut sie mich an. „Ich könnt Dich ein Stück mitnehmen“, sage ich grinsend. „Wie jetzt?“ fragt Sandra. „Na ich fahr da auch hin“, sage ich, „ich wohne auch in Braunschweig.“ Sandra lacht. „Und ich habe gedacht, Du kommst auch hier aus der Ecke“, sagt sie grinsend, „weiß auch nicht, wie ich darauf komme. Vielleicht weil viele meiner Kollegen auch aus dieser Ecke hier kommen.“ „Wo Musst Du denn genau hin?“ frage ich lächelnd. „In den Süden von Braunschweig, nach Stöckheim“, antwortet Sandra, „mein Auto steht da bei meinen Eltern, Carina hatte mich da gestern abgeholt.“ „Na sowas“, sage ich feixend, „da komme ich dran vorbei. Soll ich Dich mitnehmen?“ Sandra lächelt mich ganz lieb an und sagt dann. „Sowas von gerne, Steffi!“ „Nur werden die Beiden Stunden für die eigentlich kurze Strecke brauchen“, feixt Katja, „so verliebt wie die Beiden sind.“ Sandra schaut Katja staunend an, während ich gespielt entrüstet tue und sage: „Also Katja, so was sagt man doch nicht.“ Am Tisch bricht Gekichere aus. „Ihr seid so zwei“, sagt Sandra dann grinsend. Wir genießen dann weiter den leckeren Kuchen.

Irgendwann ist es dann leider Zeit für den Aufbruch. Wir tauschen noch alle möglichen Telefonnummern aus. Ich bringe meine Sachen ins Auto. Bernie trägt mir noch dieses eine Luftsofa hinterher. Dann gehe ich nochmal rein. Drinnen gibt es eine große Verabschiedungsrunde. Ich stehe noch mit Katja, Jens und Bernie zusammen. „Wir bleiben weiter im Kontakt“, sage ich, wegen Torben?“ „Ja natürlich“, sagt Jens. „Wenn ich so bedenke, dass er für mich der Auslöser für das Ganze hier war“, sage ich grinsend. Katja lacht und sagt: „Mal sehen wie es weitergeht.“ Ich winke noch mal in die Runde und rufe: „Tschüss ihr lieben.“ „Tschüss Steffi“, tönt es zurück. Ich stelle mich neben Sandra und biete ihr meinen Arm an. „So meine Liebe, darf ich Dich nach draußen begleiten?“ Sandra schaut mich erstaunt an. Ich grinse sie an. „Ich bin die erste anerkannte Gentlewoman“, sage ich lächelnd. Sandra lacht. „Oje, das kann ja noch was mit Dir werden, wenn es was wird“, sagt sie. Zusammen mit Katja gehen wir raus. Die Jungs folgen kurz danach. Pascal ist draußen und hat Katjas Auto wieder fit gemacht. „Da war ein Unterdruckschlauch ab“, sagt er, ist wieder dran und die Kiste summt wieder wie ein Bienchen.“ „Oh danke schön,“, freut sich Katja. Ich geleite Sandra zu meinem Auto, ich öffne die Tür und halte sie auf. „Bitte schön Mylady“, sage ich. Sandra schüttelt grinsend den Kopf und steigt ein. Vorsichtig schließe ich die Tür. Ich gehe ums Auto zur Fahrertür und öffne sie. Dann sage ich noch zu den Jungs: „Ich melde mich wegen des Übungsraum dann nächste Woche bei euch.“ Die Jungs zeigen den „gut gemacht Daumen“. „Bis dann Steffi“, sagt Tom. Ich zwinkere ihm zu. Katja kommt noch mal zu uns. „Hey Schwestern, macht‘s gut, „sagt sie „und wenn ihr Lust habt, besucht mich doch mal.“ „Auf alle Fälle machen wir das“, sagt Sandra und ich nicke.
Dann starte ich das Auto und fahre los. Wir winken nochmal, als wir vom Hof fahren. „Ich wäre am liebsten noch da geblieben“, sage ich, „ist so schön gemütlich da.“ „Stimmt“, sagt Sandra, „auch das Zimmer was ich hatte war Top. Da könnte man mal ein paar Tage Urlaub machen.“ „Das ist die Idee“, sage ich und schaue sie lieb an. Sie schaut mich auf eine ganz verträumte Weise an. Nach einer Weile sagt sie: „Das ich mich in Dich verliebt habe weißt Du?“ fragt sie. Ich schaue sie wieder an und sage mit ganz samtiger Stimme: „Ja!“ Sie schaut mich eine Weile von der Seite her an. Dann fragt sie: „Und Du?“ Ich lächele. „Eine Weile hat es ja gedauert“, antworte ich, „als Du Dich bei Katja entschuldigt hast, da hat es bei mir gefunkt.“ Sandra kriegt feuchte Augen. „Oh , wie schön Steffi“, sagt sie mit sanfter Stimme.

„Was bedeutet Dir denn „verliebt“ sein?“ frage ich Sandra. Sie schaut mich an. „Wie meinst Du das genau?“ fragt sie zurück, „gibt es mehrere Arten von verlieben?“ „Bei mir schon“, antworte ich. „Hm“, sagt Sandra und ist etwas ratlos. Ich lächele sie an. „Also ein „verlieben“ ist, wenn ich total glücklich bin mit jemanden zusammen sein dürfen den ich total gerne hab“, sage ich, „so wie jetzt, mit Dir hier.“ Sandra schaut mich an. „Und vor allem, weil Du obendrein auch noch richtig hübsch bist“, füge ich noch hinzu, „das kribbelt richtig.“ „Och Steffi, jetzt wird ich aber gleich richtig verlegen“, sagt Sandra. Eine kurze Zeit sagen wir gar nichts, dann fragt Sandra wieder: „Und ein anderes „verlieben“, wie sieht das aus?“ Ich lächele sie an. „Das geht so, wie ich es bei Dir vermute“, antworte ich. Sandra rutscht ganz leicht, fast unmerklich aufgeregt auf dem Sitz hin und her. „Da vorne kommt ein Rastplatz, da halt ich mal an“, sage ich, „und dann sage ich es Dir, OK?“ Sandra nickt ganz aufgeregt. Auf dem Platz ist nicht viel los, ich steuere eine Ecke an, die man nicht so gleich sieht und halte.
„Also das andere „verlieben“ ist, wenn man den anderen am liebsten nicht mehr loslassen will, ihn fest drückt, am liebsten vernaschen will“, sage ich. Sandra ist richtig wuschig. „Ich werde gleich verrückt“, sagt sie aufgeregt. „… wenn man den anderen nur noch küssen will und…“, sage ich noch. In einem Bruchteil einer Sekunde hat Sandra sich abgeschnallt und kommt zu mir rüber. „Genau das!“ sagt sie noch und berührt meine Lippen. Im nächsten Moment knutschen wir, was das Zeug hält. So leidenschaftlich wie sie hat mich noch niemand geküsst. Irgendwann spüre ich ihre Hand an meiner Brust. Sie löst sich von meinen Lippen und stellt etwas erstaunt fest: „Die sind ja echt!“ Ich nicke. „Das ist Original“, sage ich, „gestern hatte ich noch ein bisschen beim Volumen nachgeholfen.“ „Das ist ja unglaublich“, staunt Sandra weiter, „die fühlen sich toll an, so schön fest.“ „Danke“, sage ich leise. Und wieder verfallen wir in einen wunderschönen, leidenschaftlichen Kuss. Und was sie darf, darf ich auch, meine Hand verschwindet unter ihrer Bluse und ich streichele ihre Brust. Was Sandra mit einem „Mh!“ quittiert. Dann fängt sie leise an zu schnaufen. „Bist ein wenig empfindlich, das?“ frage ich leise. „Ja Steffi, das fühlt sich schön an“, sagt Sandra. Eine Weile bleibt sie mit ihrem Kopf auf meinen Beinen liegen, während ich sie leise weiterstreichele. „Steffi, genau das ist mein “verlieben““, sagt Sandra, „und Du bist so wunderbar zärtlich. Ich kann es kaum erwarten, mit Dir mehr zu erleben.“ „Geht mir genauso“, sage ich leise. Sandra richtet sich langsam wieder auf. „Nur doof, dass die Zeit so drängt“, sagt sie dann, „ich muss heute Abend bei so einem doofen Event dabei sein, auf das ich keine Lust habe, Pflichtveranstaltung.“ Ich nicke und sage: „Geht mir genauso“, sage ich, „hab auch noch einiges abzuarbeiten dieses Wochenende.“

Neben uns hält auf einmal ein Auto mit zwei Kerlen drin. Der Beifahrer hat das Fenster unten und versucht mich dazu zu animieren, das gleiche zu tun. „Was wollen die denn?“ fragt Sandra leicht verunsichert. „Die?“ sage ich grinsend, „die wollen stehen gelassen werden.“ Ich starte das Auto, lege den Rückwärtsgang ein, schaue die beiden nebenan mitleidsvoll an und fahre dann schnell rückwärts. Dann lege ich den 1. Gang ein und fahre zügig vom Rastplatz auf die Autobahn. „Du bist aber auch kein Kind von Traurigkeit“, sagt Sandra lachend, „immer den Schalk im Nacken oder sonst irgendwelchen Unfug im Kopf.“ „Tja nun…“, sage ich zucke leicht mit den Schultern und lächele sie an. Mittlerweile fahren wir an Wolfenbüttel vorbei. Ich schaue in den Spiegel, weil hinter uns ein Auto Lichthupe macht. „Na hab ich es mir doch gedacht, dass die das nicht auf sich sitzen lassen“, sage ich. „Die beiden von eben?“ fragt Sandra wieder etwas besorgt. „Jepp!“ antworte ich. „Oh nee, solche Idioten“, meckert Sandra.
Jetzt zieht das Auto auf die Überholspur und fährt neben uns her. Ich bin nun nicht grade langsam unterwegs, der Tacho zeigt 160 km/h. Eine Zeitlang fahren die neben uns und lassen sich auch nicht davon abbringen, als hinter ihnen ein anderes Auto auftaucht. „Dann wundert man sich, wenn es durch solche Idioten Unfälle gibt“, sage ich, „wir sollten uns das Nummernschild merken.“ „Sehe ich auch so“, sagt Sandra und holt ihr Smartphone raus. Mittlerweile hupt das Auto hinter den Idioten. Vor mir taucht in einiger Entfernung ein Lastwagen auf und ich bremse langsam ab. Das Auto der Idioten zieht erwartungsgemäß vorbei und Sandra fotografiert es von hinten. „Hab ich im Kasten“, sagt sie grinsend. Die Nummer von dem anderen Auto hat sie auch. „Super“, sage ich, „mal schauen, vielleicht schaffe ich es heute noch zur Polizei.“ „Solche Typen muss man einfach anzeigen“, sagt Sandra.
Ich ziehe hinter dem LKW zum Überholen raus. Kurze Zeit danach fahren die Idioten vor uns. Ich bleibe dahinter. „An welcher Ausfahrt muss ich denn raus“, frage ich Sandra. „An der übernächsten“, antwortet sie. „OK“, sage ich grinsend. Sandra schaut mich von der Seite an. „Du hast doch schon wieder was vor“, sagt sie. „Na klar, ich will doch nicht, dass die sehen, wo wir hinfahren“, antworte ich. Vor der nächsten Ausfahrt blinke ich. Erwartungsgemäß machen die vor mir das auch und fahren dann in die Abfahrt rein. Die Autobahn ist ziemlich leer. Hinter mir kommt keiner. Die Idioten fahren schon in die Kurve der Abfahrt, während ich den Blinker links setze und wieder auf die Autobahn ziehe. „OK, war jetzt auch nicht ganz vorschriftsmäßig“, sage ich grinsend, „aber vielleicht sind wir diese Einzeller ja los.“ Sandra lacht leise.

An der nächsten Abfahrt fahre ich dann raus und Sandra dirigiert mich zum Haus ihrer Eltern. Ich staune nicht schlecht, als wir in die Einfahrt des Grundstücks hineinfahren. „Donnerschlag, das hat ja Gutshof-Charakter“, sage ich überwältigt. Gehakter Kiesweg, vor dem Haus ein Springbrunnen, um den der Weg herumführt. Sandra genießt mein Staunen und lächelt mich an. „Wo soll ich denn parken?“ frage ich, „direkt vor der Tür?“ „Wenn Du magst“, sagt Sandra grinsend, „sonst geht es auch da vorne unter der Eiche.“ „OK“, sage ich und halte da. „So, meine Liebe“, sage ich, „warte kurz ich komme herum.“ „Ach Steffi…“, sagt Sandra, während ich aussteige und ums Auto gehe. Ich öffne ihre Türe. „Madame, darf ich bitten“, sage ich und reiche ihr meine Hand. Lächelnd steigt Sandra aus. „Da haben meine Eltern aber was zu gucken“, sagt sie grinsend und schaut in Richtung Haustür. Ich schaue auch hin und sehe da Sandras Eltern. Nach einiger Zeit kommen sie die Treppe runter. Da Sandra eigentlich nicht auf übernachten eingestellt war, hat sie auch kein großes Gepäck dabei. Sie geht auf ihre Eltern zu, während ich höflicherweise am Auto stehen bleibe. Sandra und ihre Eltern begrüßen sich. Dann wendet sich ihr Vater zu mir. Er lächelt und sagt: „Also, gestern war eine Dame mit braunen Haaren da, jetzt eine Dame mit roten Haaren. Was hat die Sandra denn jetzt wieder angestellt?“ „Also eigentlich hatten wir nur den gleich Weg“, sage ich lächelnd, „ich habe ihrer Tochter eine Mitfahrgelegenheit angeboten.“ Sandra und ihre Mutter kommen zu uns. „Soso“, sagt ihr Vater. „Hm naja“, druckst Sandra, „mit Carina hat es ja schon länger gekriselt und gestern auf der Party hat es dann zwischen uns gekracht.“ „Aha und Sie sind gleich die Nachfolgerin geworden?“ fragt ihr Vater grinsend. Sandra wird rot im Gesicht, während ich ihren Vater feixend frage: „Darf ich?“ Der eben noch schlagfertige Vater schaut mich erstaunt an. Dann schaut er zu Sandra. Die hat sich mittlerweile wieder gefangen und auch wieder eine normale Gesichtsfarbe. „Wenn sie die Nachfolgerin sein darf, dann musst Du Dich auf solche Antworten von Stefanie gefasst machen“, sagt Sandra grinsend. Jetzt ist er völlig sprachlos, während sich Sandras Mutter die Szene amüsiert anschaut.

„Stefanie heißen Sie?“ fragt er noch etwas verdattert. „Ja, Stefani Boe“, antworte ich. „Angenehm“, sagt Sandras Vater und stellt seine Frau und sich auch vor. „Möchten sie kurz mit reinkommen?“ fragt mich Sandras Mutter. „Würde ich gerne“, sage ich, „ich habe es allerdings etwas eilig, weil wir in der Lokalität einiges an Zeit verloren haben und ich noch einiges zu erledigen habe. Ich nehme aber gerne eine Gutschein für ein anderes Mal.“ „Sandras Mutter lächelt und sagt: „Gerne.“ „Wir haben heute auch noch einen strammen Zeitplan“, sagt Sandras Vater. „Wir gehen schon mal rein“, sagt Sandras Mutter, „dann könnt ihr euch nochmal in Ruhe voneinander verabschieden.“ „Das machen wir doch gerne“, sagt Sandra lächelnd. Sandras Eltern gehen ins Haus. „Steffi, ich bin erstaunt, wie meine Eltern Dich angenommen haben“, sagt Sandra, „das habe ich noch nie erlebt.“ „Ist es denn für deine Eltern OK, dass Du Frauen liebst?“ frage ich. „Ja, das finden sie nicht schlimm“, antwortet Sandra, „aber das ist wie ganz früher, als ich noch nicht so richtig wusste, dass ich auf Frauen stehe und mal einen Jungen mit nach Hause brachte. Immer hatten sie was auszusetzen. Bei Mädels war es bis eben genauso. Und jetzt kommst Du und schlägst ein wie eine Bombe.“ „Na ja, sie werden Dich doch gleich richtig ausfragen?“ frage ich. „Sicher, aber der erste Eindruck zählt bei Ihnen und Du hast sie von Anfang an überzeugt“, antwortet Sandra. „Dann ist das eben so“, sage ich lächelnd. Sandra steht vor mir und lächelt mich an. „Ich würde Dich gerne noch mal richtig küssen“, sage ich leise. „Ich auch“, haucht Sandra und im nächsten Moment küssen wir uns innig. „Ich habe noch nie so schöne Küsse erlebt in meinen Leben, wie ich in dieser kurzen Zeit von Dir bekommen habe“, sage ich, als wir unsere Lippen voneinander lösen. „Das find ich schön, Steffi“, sagt Sandra lieb lächelnd. Wir halten uns noch kurz an den Händen, dann sagt Sandra: „Mach gut meine süßer Engel.“ „Du auch, blonder Engel“, sage ich. Sandra schaut verträumt. „Wir sehen uns am Montag?“ fragt sie noch. „Mit Sicherheit“, sage ich. Dann geht sie zur Haustür und winkt. Als sie in der Haustür stehen bleibt, steige ich ein und fahre langsam los, während wir immer noch winken. Dann fahre ich vom Hof und mache mich auf den Weg nach Hause. Unterwegs halte ich noch bei dem großen Supermarkt an und kaufe für das Wochenende ein.
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Stephanie
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Wochenende

Als ich das Haus betrete ist es sehr ruhig. Ich gehe hoch zu meiner Wohnung, schließe die Tür auf und gehe rein. Als erstes verstaue ich meine ganzen Sachen. Dann mache ich mir eine Kanne grünen Tee. Als der fertig ist, gehe ich ins Wohnzimmer und setze mich aufs Sofa. Nach einiger Zeit überfällt mich eine leichte Traurigkeit, als ich an den vergangenen Tag zurück denke. Das passiert mir öfter mal, wenn ich nach einem aufregenden Tag zur Ruhe komme. Gedankenversunken schlürfe ich meinen Tee. Aus den Augenwinkeln sehe ich den Anrufbeantworter blinken. Nach einiger Zeit höre ich dann die Nachrichten ab.
Die erste ist von meinem Onkel: „Hallo Neffin, ich habe die vertraglichen Regelungen soweit fertig. Ruf einfach mal zurück, wenn es Dir zeitlich passt.“ Ich rufe zurück und mein Onkel geht auch gleich ran. „Hallo Neffin“, begrüßt er mich. „Hallo Onkelchen“, grüße ich zurück. „Steffi, passt es Dir gleich am Montagnachmittag?“ fragt er. „Ja, ab 16: 00 Uhr, nach Feierabend habe ich Zeit“, antworte ich. „Super, dann könne wir auch gleich noch zu den Moped- und Autoschraubern gehen, „sagt mein Onkel, da waren wir beim letzten Mal nicht.“ Das sind die, die die alte Werkstatt gemietet haben?“ frage ich. „Genau,“, antwortet mein Onkel, „die haben auch gleich eine Anfrage an uns, wegen eines Raumes, den sie gemietet haben.“ „Alles klar“, sage ich, dann bis Montag.“ „Tschüss Steffi“, sagt er noch.
Ich höre die nächste Nachricht ab. Ein guter alter Freund von mir, den ich schon länger nicht mehr gesehen habe. „Hallo Stefan oder soll ich lieber Steffi sagen?“ höre ich, „ich habe die Telefonnummer von Deinen Eltern. Die haben mich dann auch gleich etwas eingeweiht.“ Ich muss grinsen. Die Nachricht geht weiter: „Es geht um das Grundstück mit dem Teich, was Du, Olaf und ich gepachtet haben. In letzter Zeit hat Olaf immer mal nach den rechten geschaut. Jetzt muss er beruflich ins Ausland. Können wir uns mal treffen, vielleicht vor Ort und überlegen, was wir da machen können?“
Das Teich Grundstück haben wir drei vor vielen Jahren mal gepachtet. Da steht auch noch ein Haus drauf. Wir haben dort viel Zeit verbracht und so manche Party gefeiert. Und wenn ich so drüber nachdenke, das ist nicht mal weit weg von mir. Ich rufe gleich bei ihm an. Er meldet sich auch gleich. „Hallo Martin, hier ist Stefanie“, sage ich. „Äh, ja“, höre ich von der anderen Seite. „Rückruf“, sage ich wieder. „Ach jetzt fällt der Groschen“, hör ich ihm am anderen Ende lachend sagen, „hast Du vielleicht morgen Zeit? Das wir uns direkt am Teich mal treffen?“ „Klar, morgen, früher Nachmittag?“ frage ich. „Super, das passt mir“, sagt Martin, „auf was muss ich mich den bei Dir gefasst machen?“ So rein vom äußeren?“ „Mauerblümchen“, antworte ich feixend, „so Typ graue Maus, nichts wildes.“ „Na dann lasse ich mich mal überraschen“, sagt er lachend.

Ich überlege, ob ich heute Abend noch irgendwas unternehme, entschließe mich aber bald den Abend ruhig anzugehen. Irgendwas leckeres zu Essen könnte ich mir machen, aber richtig Hunger habe ich nicht. Ich entschließe mich eine Runde spazieren zu gehen und ziehe mich dementsprechend an. Dann gehe ich raus. Ich wundere mich wieder, dass es so ruhig im Haus ist. Wahrscheinlich sind alle ausgeflogen. Draußen sehe ich dann, dass nur bei den Krankenschwestern Licht an ist. Dann sind die anderen wohl unterwegs. Ich gehe ein langes Stück durch die Felder und biege dann in Richtung Kanal ab. „Och, eigentlich könnte ich mal zum Hafen gehen“, denke ich mir, „soweit ist das auch nicht weg.“ Also gehe ich unten am Kanal zum Hafen. Für Samstagabend ist da noch einiges los. Nach einiger Zeit drehe ich um und gehe am Kanal zurück. Nach gut zwei Stunden bin ich wieder zurück. Jetzt habe ich auch einen ordentlichen Hunger. Als ich auf das Haus zugehe, sehe ich das das bei Ebi Licht brennt. Ich schließe die Haustür auf und gehe rein. Bei Ebi ist die Wohnungstür offen und er steht in seinem Flur. Er sieht mich grinst und sagt: „Ah, der Blutengel von Dingensrode ist zurück!“ Ich schaue ihn erstaunt an. „Wie kommst Du denn da drauf?“ frage ich. „Hm“, sagt Ebi grinsend und zieht eine Schulter hoch, „ich habe einen guten Geheimdienst.“ „Soso“, sage ich zurückhaltend, „bei der Gelegenheit schönen Gruß von Bernie zurück.“ „Danke“, sagt Ebi weiter grinsend, „und von Achim sollst Du mich bestimmt auch grüßen.“ „Aha, da weht der Wind her“, sage ich lächelnd. „Ja, Achim hatte noch eine E-Mail von mir und hat sich heute Morgen gemeldet“, sagt Ebi. „Na dann biste ja im Bilde“, sage ich grinsend, „aber Blutengel finde ich jetzt aber ganz schön heftig.“ „Der Spitzname kommt von Bernie“, sagt Ebi, „der war ja sehr stark von Dir begeistert.“ „OK“, sage ich, „ich gehe dann mal hoch. Habe einen ordentlichen Hunger nach dem Spaziergang eben.“ „Schönen Abend noch, schöne Steffi“, sagt Ebi zum Abschied. „Danke“, sage ich lächelnd.
Blutengel als Spitzname find ich jetzt nicht so schön, erinnert er mich doch an den einen heftigen Traum vor gut einer Woche. Besser nicht weiter drüber nachdenken. In meiner Wohnung angekommen, mache ich mir dann mein Abendessen. Einen großen Salat mit Hähnchenfleisch und leckerem selbstgemachtem Dressing. Dazu einen trockenen Weißwein. Das Essen genieße ich und lasse mir ordentlich Zeit. Einfach mal sich selbst verwöhnen, habe ich in der Vergangenheit viel zu selten gemacht. Immer bin ich für andere gerannt. Damit muss ich endlich mal abschließen. Für mich zählt erstmal, dass ich jetzt endlich der Mensch bin, der ich eigentlich immer sein sollte.
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Stephanie
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Wochenende Teil 2

Den Rest des Abends verbringe ich damit Emails und WhatsApps durchzuschauen. Eine Mail von Susanne ist dabei. Einfach nur eine Anfrage, wie es mir geht und wie die Party war. Spontan rufe ich sie an. Ich bin einigermaßen überrascht, dass sie auch gleich rangeht, weil sie sonst Samstagabend gerne auf die Piste geht. „Huhu Steffi“, begrüßt sie mich freudig, „schön dass Du anrufst. Im weiteren Gespräch erzähle ich ihr vom erlebten des Tages vorher. Sie sagt mir, dass Sie eine Freundin zu Besuch hat, mit der sie gleich noch um die Häuser ziehen will. „Bevor wir auflegen“, sagt sie weiter, „magst Du mich vielleicht am nächsten Wochenende besuchen?“ „Gute Idee, gerne“, antworte ich, „und wann passt es Dir?“ „Meinetwegen ab Freitag, kannst auch gerne hier übernachten“, sagt sie, „dann können wir mal ein bisschen den Kanal unsicher machen.“ „Alles klar, dann ab Freitagnachmittag“, sage ich, „tschüssi, bis dann.“ „Ciao Steffi“, sagt Susanne noch.
Als nächstes überlege ich, wann ich beim Segelflugverein mal vorbeischauen will, in Bezug auf meiner Fluglizenz. Ich bin ja die letzten Jahre gar nicht mehr geflogen. Ob meine Lizenz noch gültig ist und ob ich sie reaktivieren kann. Ich suche mir die Telefonnummer raus und speichere sie ab. Irgendwann um Mitternacht gehe ich dann ins Bett.

Sonntagmorgen wache ich für meine Verhältnisse recht früh um 8:00 Uhr auf. Im Bad schnell aufgehübscht. Ich überlege kurz, ob ich die Perücke wechsele, weil es immer noch die lange ist. Okay, ich finde je länger die Haare, desto besser, aber der Pflegeaufwand ist doch sehr hoch. Zu meiner Überraschung lasst sich die Perücke recht schnell wieder in Form bringen. Also lasse ich sie drauf. Dann bereite ich mir mein Frühstück und nehme es im Wohnzimmer ein. Über die Balkon Tür schaue ich nach draußen. Das Wetter scheint heute recht angenehm zu werden, das Außenthermometer zeigt jetzt schon 12°C. „Das ist ein Wetter“, sinniere ich vor mich hin, „vorgestern Schnee und plötzlich Frühling.“ Nach dem Frühstück beschließe ich einen Kuchen zu backen, die Zutaten dafür hatte ich gestern eingekauft. Es soll ein Kirschboden werden, mein Lieblingskuchen. Also mache ich mich ans Werk. Als ich mit allem fertig bin, ist es schon Mittag. Schnell nochmal bei Martin angerufen, wann genau wir uns den treffen wollen. Wir einigen uns auf 14:00 Uhr. Ich gehe in den Keller und hole meine quietschgelben Gummistiefel. Auf die bin ich besonders Stolz, weil sie vorne nicht so klobig rund sind. Außerdem haben sie ein Schafthöhe, die mit der Schnürmanschette knapp unter das Knie reicht.

Ich schließe meinen Keller ab und gehe wieder hoch. In der Wohnung angekommen mache ich mir noch einen kleinen Snack zum Mittag. Die Temperatur draußen ist nicht wesentlich gestiegen, aber die Sonne kommt heraus. Ich lasse die blaue Skinny-Jeans, die grade trage, an. Über den blauen Rolli ziehe ich eine dunkelblaue Steppweste. An den Füßen trage ich meine blauen Lieblingsstieffeletten. Um Viertel nach eins mache ich mich auf zum Treffpunkt mit Martin am Teich. Ich hole mein Fahrrad aus der Garage, stelle die Gummistiefel in den Fahrradkorb und radele los. Eine Viertelstunde später komme ich auch schon am Gelände an. „Ging ja schneller als ich dachte“, sage ich leise vor mich hin. Ich rolle noch bis zum Tor, dann steige ich ab. Schlüssel rausgeholt und versucht ob der noch passt. Das Schloss lässt sich einwandfrei öffnen. Dann fällt mir auf, dass an der Kette an der das Schloss hängt, zwischen zwei Kettengliedern ein Karabinerhaken ist. Ich wundere mich kurz öffne das Tor und gehe rein. Das Tor lasse ich gleich für Martin offen, dann kann er gleich mit dem Auto reinfahren. Es geht zwischen ein paar dichten Büschen durch, dann stehe ich vor dem Teich.

Ich staune nicht schlecht, als ich auf dem Steg einen älteren, ziemlich dicken Herrn sitzen sehe, der da einfach so angelt. Mit einem bösen Blick schaut er mich an. Ich schaue ebenso böse zurück, was ihn dazu veranlasst, wieder wegzuschauen. Ich gehe zum Haus und lasse ihn nicht aus den Augen. Er dreht sich um und sagt barsch: „Verschwinden Sie hier!“ „Ich denke nicht dran“, erwidere ich frech, „wer sind Sie eigentlich und was machen Sie hier?“ „Ich bin der Besitzer“, sagt er, „also verschwinden Sie!“ Ich lache laut los. „Der Besitzer?“ sage ich lachend, „na dann müssten Sie ja wissen, dass ich eine von den drei Pächtern bin.“ Er schaut mich etwas verwirrt an. „Der Witz ist gut“, sage ich immer noch lachend. Er brummelt noch irgendwas und badet seinen Wurm weiter. Ich schließe derweil das Haus auf und schaue drinnen, ob noch alles in Ordnung ist. Sieht soweit gut aus, alles trocken und eingebrochen wurde auch nicht. Dann wechsele ich die Chelseas gegen die Gummistiefel und beginne einen Rundgang um den Teich. Der Angler schaut mir dabei argwöhnisch zu. „Das ist ja eine Frohnatur“, denke ich, „bleibt einfach sitzen.“

Am Zulauf zum Teich bleibe ich stehen. Ein kleiner Bach fließt hier in den Teich und speist ihn. Normalerweise wird der Zufluss durch ein kleines Wehr geregelt, aber das scheint kaputt zu sein oder kaputt gemacht worden sein. Ein Stück weiter vor diesem Wehr ist ein weiteres, wo man das Wasser um den Teich herumleiten kann. Dann gibt es auf der gegenüberliegenden Seite noch einen Abfluss, den man ebenfalls regeln kann. Durch die Regenfälle der letzten Tage führt der Bach einiges an Wasser. Das kaputte Wehr beunruhigt mich umso mehr, weil die Umgebung sehr sandig ist und so befürchte ich, das einiges an Sand in den Teich gespült wurde. In der Nähe des kaputten Wehres liegt ein Stapel schwere, getränkte Kanthölzer. Die kann man in dem Mauerwerk vor dem Wehr in Aussparungen einfädeln und so das Wehr für Reparaturen trocken legen. Das mache ich dann auch gleich. Zwischendrin kommt ein Auto auf das Grundstück gefahren. Ich schaue hin und sehe einen Doppelkabiner mit Pritsche, aus der Martin aussteigt. Der schaut erstmal irritiert zu dem Angler und geht hin. „Wer sind Sie und was machen Sie hier?“ fragt Martin den Angler. „Das habe ich der Dame da drüben auch schon gesagt“, antwortet er frech, „ich bin hier der Besitzer.“ „Hä? Wie Besitzer“, höre ich Martin sagen, dann schaut er zu mir rüber. „Alter Schwede“, sagt er, „was für eine Erscheinung.“ Er geht zum Auto zurück und zieht sich seine Gummistiefel an. Dann kommt er zu mir rüber. „Mein lieber Herr Gesangsverein“, sag Martin als er vor mir steht, „von wegen graue Maus.“ „Hast mich gleich erkannt?“ frage ich grinsend. „Na klar die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen“, sagt Martin immer noch staunend, „meine Fresse, bist Du hübsch, als Mädchen.“ „Nicht als Mädchen, ich bin Mädchen“, sage ich lächelnd. „Das musst Du mir aber mal genauer erklären“, sagt Martin. „Gerne, nachher bei Kaffee und Kuchen, bei mir zu Hause?“ frage ich. „Aber sowas von gerne“, sagt Martin. Er und ich haben uns früher (im Spaß) um den Titel „größter Kuchenesser nördlich des Mittellandkanals“ gestritten.

Martin schaut dann auf das kleine Wehr. „Au Mist, wie lange mag das schon kaputt sein?“ fragt er. Ich zucke mit den Schulter, dann hilft er mit, die Kanthölzer einzufädeln. „Der Riegel am Ablauf ist ziemlich hoch eingestellt“, sage ich, „und trotzdem Läuft es noch rüber.“ „Da muss mal einer, der keine Ahnung hat dran rumgespielt haben“, sagt Martin. „Wann war Olaf das letzte Mal hier?“ frage ich. „Letztes Jahr, kurz vor Weihnachten“, antwortet Martin, „danach fing das dann an mit seinen Auslandsaufenthalten.“ Wir gehen zum Wehr, dass das Wasser am Teich vorbeileitet und kurbeln den Riegel etwas runter, damit kein Wasser mehr in den Teich läuft. Dann gehen wir wieder zum Teich. „Ich habe das Scheißgefühl, dass da jede Menge Sand reingespült worden ist und der Teich verlandet ist“, sage ich besorgt. Das Wasser im Teich hat sich halbwegs beruhigt. „Du könntest Recht haben“, sagt Martin und zeigt auf das Wasser, „schau mal da vorne siehst Du es sogar.“ „Mist“, schimpfe ich leise. „Wir hatten doch hier früher ein Boot, so ein Metzeler Schlauchboot, oder?“ fragt Martin. „Jepp, das liegt im Haus“, antworte ich, das sah im ersten Anschein auch noch ganz OK aus.“ „Dann lade ich Dich zu einer Bootsfahrt ein, Steffi“, sagt Martin grinsend. „OK,“ sage ich auch grinsend. Wir gehen zum Haus zurück. „Ich habe die Idee, dass wir mal vom Boot aus peilen, wie tief der Teich überhaupt ist“, sagt Martin erklärend. „Puh, Gott sei Dank, ich dachte Du hattest was anderes vor“, sage ich feixend und schaue ihn keck von der Seite an. Er lacht. „Na wer weiß…“, sagt er dann noch. Als wir am Steg vorbei kommen, motzt uns der Angler an: „Wollt ihr jetzt endlich mal abhauen?“ „Nein“, antworte ich mit einem süffisanten, ironischen Unterton. Dann gehen wir zum Haus. „Sieht wirklich noch dicht aus das Boot“, sagt Martin, könnte nur etwas Luft gebrauchen.“

Nachdem er die Kammern wieder prall aufgeblasen hat, tragen wir das Boot zum Wasser. Ich nehme noch ein Dachlatte als Messstab mit. Am Ufer legen wir das Boot ab. Der Angler schaut uns wieder böse an. „Na Großvater? Beißen sie, die Fische?“ frage ich. Der schaut mich erstaunt an. „Schon was gefangen?“ frage ich weiter, mit einem bissigen Ton in der Stimme. „Was habt ihr denn vor?“ fragt er, nachdem er sich einigermaßen gefangen hat. „Ich werde die Lady jetzt auf dem Wasser nach Strich und Faden vernaschen“, sagt Martin und ich nicke dazu. Großvater schaut uns völlig entgeistert an, während wir das Boot ins Wasser schieben und einsteigen. Martin sitz hinten und paddelt und liege vorne auf dem Bug und stecke alle paar Meter die Messlatte in den Teich. „Der war mal zweieinhalb Meter tief, an der tiefsten Stelle“, sagt Martin, „irgendwo in der Mitte. „Das tiefste war bis jetzt ca. einen Meter, vor dem Ablauf“, sage ich, seitdem wird es immer flacher.“ Plötzlich knirscht es leise unter dem Boot. „Aufgesetzt“, sage ich. „Wie jetzt?“ fragt Martin und kommt nach vorne. „Keine 20 Zentimeter“, sage ich. „Gibt es doch nicht“, sagt Martin, „das kommt aber nicht vom defekten Einlauf, das muss noch woanders herkommen.“ Wir bleiben ganz still liegen und schauen, ob wir was sehen. „Kann das sein, dass da vorne was aufwallt?“ frage ich und zeige vorsichtig hin. „Ja, da kommt was von unten“, sagt Martin. „Wie ist der Teich denn abgedichtet?“ frage ich. „Wurde mal nachträglich mit Ton abgedichtet“, antwortet Martin, „und wahrscheinlich ist der irgendwo unter uns beschädigt.“ „Dann wissen wir ja, was wir zu tun haben“, sage ich grinsend, „abpumpen und ausbaggern.“ Martin schaut mich erstaunt an. „Willst Du den Teich behalten?“ „Klar, die Zeit dazu habe ich“, antworte ich, „und Du kennst mich doch noch von früher, wenn ich nicht aufs Wasser durfte, wurde ich pissig.“ Martin lacht. „Ja stimmt“, sagt er, „na dann versuche ich Dich zu unterstützen.“ „Super“, freue ich mich.

Mit dem Paddel schiebt Martin uns von der Sandbank weg. „Eine Sandbank im Teich, das ich das nochmal erleben darf“, sagt er. Ich schaue zum Angler. „Seid ihr jetzt endlich fertig?“ fragt er böse, „ich will hier in Ruhe weiterangeln.“ „Vergiss es, Großvater, hier gibt es keine Fische“, sage ich mit gespielter mitleidsvoller Miene, „dazu ist der Teich zu flach. Die letzten Fische dürfte der starke Frost im Winter dahin gerafft haben.“ Großvater schaut mich ungläubig an. Martin paddelt uns zum Ufer zurück und wir holen das Boot aus dem Wasser. „Und noch was, Großvater“, sagt Martin, „wenn Du wirklich der Besitzer von diesem Teich bist, dann hast Du ihn aber sträflich vernachlässigt.“ Großvater schaut und entgeistert an. Wir nehmen das Boot und bringen es zurück ins Haus. Im Haus schauen wir uns noch mal genauer um. Nach einiger Zeit sehe ich von drinnen, wie Großvater seine Sachen packt und geht. „Na, die letzten Argumente haben wohl gesessen“, sagt Martin grinsend. „Jepp“, sage ich und wir schauen ihm hinterher. Umständlich holt er ein Fahrrad aus dem Gebüsch vorne und noch umständlicher verstaut er sein Angelkram. Dann radelt er schwankend davon. „Komischer Vogel“, sagt Martin. Ich nicke grinsend.

Ich wechsele noch schnell die Schuhe, dann schließe ich das Haus ab. „Dann lass uns mal bei lecker Kuchen überlegen, was wir mit der Sache hier machen können“, sage ich. „OK“, sagt Martin, wie bist Du hier?“ „Mit dem Fahrrad“, antworte ich. „Willste fahren oder soll ich Dich mitnehmen?“ fragt Martin. „Och, wenn Du so fragst, komme ich bei Dir mit“, antworte ich und lege mein Rad auf die Ladefläche. Martin fährt vom Gelände, ich schließe das Tor ab und steige zu ihm ins Auto. „Ist das der alte Transporter von unserer freiwilligen Feuerwehr?“ frage ich. „Ja, ist er, ich habe ihn noch ein wenig auf Vordermann gebracht.“ „Ja, ist Dir gelungen“, sage ich. „Danke“, sagt Martin lächelnd. Nach wenigen Minuten stehen wir schon bei mir auf dem Garagenhof. Ich lade mein Rad ab und bringe es in die Garage, während Martin sein Wagen abstellt. Ich warte bis er zu mir kommt, dabei fällt mir auf, dass Jochen oben „gaaaanz unauffällig“ aus seinem Küchenfenster schaut. Martin kommt zu mir nimmt meine Hand und sagt: „So meine Süße, dann zeig mal deine Wohnung.“ Ich muss grinsen. „Jetzt haste was angerichtet“, sage ich. „Wieso?“ fragt Martin. „Siehst Du den Typen da oben aus dem Fenster schauen?“ frage ich. Martin schaut unauffällig hin. „Ja sehe ich“, sagt er. „Ist mein Nachbar über mir und allen Anschein ist er schwer in mich verliebt“, sage ich. „Ups, hoffentlich bricht für den jetzt die Welt nicht zusammen“, sagt Martin feixend. „Er wird’s überleben“, sage ich grinsend und kläre Martin schnell über Jochens wechselnden Beziehungen auf. Martin schüttelt grinsend den Kopf.
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Stephanie
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Wochenende Teil 3


In der Wohnung angekommen, mache ich mich gleich daran, Kaffee zu kochen und Sahne für den Kuchen zu schlagen. „Darf ich mich mal ein bisschen umschauen?“ fragt Martin. „Na klar“, antworte ich. Im Flur macht er einen Schrank auf. „OK, ja, Du bist wirklich ein Mädchen, bei den vielen Schuhen, die hier drin sind“, sagt er. Ich stehe in der Küchentür und schüttele grinsend den Kopf. Martin geht ins Wohnzimmer. „Na, Deinen Tick für Aufblasbares bist Du aber auch nicht losgeworden“, sagt er lachend, als er die Lufti-Sessel und Sofas sieht“. „Im Gegenteil, es ist noch schlimmer geworden“, feixe ich. Grinsend kommt er aus dem Wohnzimmer und wendet sich dem Hobbyraum zu, da wo die Eisenbahn steht. Nach einiger Zeit höre ich ein: „Alter Schwede, das ist ja ein Ding!“ Er schaut staunend aus dem Zimmer zu mir rüber. Dann schaut er wieder auf die Eisenbahn. „Wo geht die denn an?“ fragt er mich. Ich gehe hin und zeige es ihm. „Wenn die ganzen LEDs mit der Blinkerei aufgehört haben kannste losfahren“, sage ich, „und hier auf dem Zettel stehe die Adressen für die Loks.“ „Alles klar“, sagt Martin. Ich gehe derweil in die Küche und schneide den Kuchen auf. Dann stelle ich alles auf ein Tablett und bringe es ins Wohnzimmer. Nach einiger Zeit kommt Martin dazu. „Die Anlage ist ja ein Hammer“, sagt er immer noch staunend.

Dann setzen wir uns an den Tisch, er am Wohnzimmerfenster steht und genießen Kaffee und Kuchen. Nebenbei möchte Martin natürlich alles über meine „Verwandlung“ wissen. Brav beantworte ich alle Fragen. Er schaut mich die ganze Zeit mit einem Funkeln in den Augen an. Als ich ihm auf die Frage antworte, wie es zwischen meinen Beinen aussieht, bemerke ich eine kleine Aufgeregtheit bei ihm. „Hey was ist denn mit Dir los?“, frage ich keck. „Alles gut“, antwortet er, „ist irgendwie komisch, dass der beste Kumpel von früher schon immer ein Mädel in sich trägt, und jetzt eins ist.“ Wir kennen und schon seit über 40 Jahren, deswegen ist der Umgang zwischen uns auch sehr locker und offen. Dann fragt er: „Das heißt, man könnte mit Dir , ääh… .“ „Poppen?“ ergänze ich. „Genau“, sag Martin. „Würde gehen, wenn ich auf Männer stehen würde“, sage ich grinsend. „Boah, nee, ist sie auch noch lesbisch“, sagt er feixend. „War ich schon immer“, sage ich lachend. „Oh je“, bemerkt er, „aber Dein Humor ist wenigstens der Gleiche.“ Ich erkundige mich dann, wie es bei ihm privat aussieht. „Alles OK, Steffi“, sagt Martin. „Na das ist doch schön“, bemerke ich.

„Hast Du schon eine Idee, wie der Teich wieder auf Vordermann gebracht werden kann?“ fragt Martin, „Du sagtest vorhin Auspumpen und Ausbaggern.“ „Genau, beim Auspumpen, habe ich an die freiwillige Feuerwehr gedacht“, antworte ich. „Das ist eine Idee, vielleicht hat die Jugendwehr ja Lust eine Naßübung zu machen“, sagt Martin. „Was wir nur bedenken müssen, dass wir hier auf Braunschweiger Gebiet sind und nicht mehr im Landkreis Gifhorn“, sage ich, „nicht das die örtlichen Wehren sich angepieselt fühlen.“ „Hast Du schon mal Kontakt zu der Wehr in denem Ort aufgenommen?“ fragt mich Martin. „Ja, allerdings noch als mein Zwillingsbruder“, antworte ich grinsend, „na ja, sie müssten es ja eh erfahren, wenn ich dann wechseln sollte.“ „Erkundigst Du Dich einfach mal bei Deiner Ortsfeuerwehr, ich frage bei mir“, sagt Martin, „vielelicht können wir ja was gemeinsames machen.“ „Gute Idee machen wir so“, sage ich, „und wenn wir dann auch noch ein Grillen anbieten dürfte es kein Problem werden.“ „Und wie sieht es mit dem Ausbaggern aus?“ fragt Martin, „kennst Du jemanden?“ „Im Nachbarhaus wohnt ein ehemaliger Bauunternehmer, dessen Sohn führt das Unternehmen weiter“, sage ich, „die Beiden habe ich letztes Jahr auf einem Stadtteilfest kennengelernt. Da werde ich mal nachfragen, ob die so einen kleinen Radlader haben.“ Unglaublich, wie lange wohnst Du jetzt hier?“ fragt Martin lachend. „Sechs Monate“, antworte ich. „Und schon ein Netzwerk aufgebaut“, sagt Martin weiter lachend. „Tja nun“, sage ich grinsend.

„Ich muss dann langsam mal wieder los“, sagt Martin, „war schön bei Dir, danke für den lecker Kuchen.“ „Gerne“, sage ich lächelnd. „Ich werde dann versuchen Olaf am anderen Ende der Welt zu informieren“, sagt Martin weiter, „kannst Du villeicht unseren Verpächter kontaktieren?“ „Den von vorhin am Teich?“ frage ich feixend. Martin und ich lachen gleichzeitig. „Na klar ich informieren ihn, ich meine den richtigen“, sage ich, „der Großvater von vorhin wird eh bescheiden gucken, wenn wir „seinen“ Teich auspumpen.“ „Stimmt“, sagt Martin, „auf das Gesicht bin ich gespannt.“ Ich begleite Martin zur Tür. „Lass dich mal drücken“, sagt er. „Aber gerne“, sage ich und nehme ihn in den Arm. „Fühlt sich echte „echt“ an“, sagt Martin grinsend. „Ich tue was ich kann“, sage ich ebenfalls grinsend. Martin öffnet die Tür. „Mach es gut, süße Steffi“, sagt er dann. „Tschüss“, sage ich, „wir hören demnächst voneinander?“ „Aber so was von…“, sagt Martin und geht winkend die Treppe hinunter. Ich warte noch, bis ich die Haustür ins Schloss fallen höre.

Als ich grade wieder in die Wohnung gehen will, höre ich leise Geräusche von oben. Ich gehe zum Treppenabsatz nach oben und sehe Jochen um die Ecke peilen. Als er mich sieht, fühlt er sich ertappt. „Alles gut bei Dir?“, frage ich lächelnd. „Äh ja , öhm…“, stammelt er. „Wenn Du eine Frage hast, frag‘ einfach“, sage ich. Jochen lächelt nur hysterisch und verschwindet in seiner Wohnung. „Tse“, sage ich und gehe zurück zur Wohnungstür. Die Wohnungstür von Lisa geht auf und Lisa kommt mit ihrem Mülleimer heraus. „Na Steffi?“ fragt sie grinsend, „hast Du Herrenbesuch gehabt?“ „Oh ja, ich bin immer noch ganz fertig“, sage ich mit einem schelmischen Blick. „Ach du, du willst mich doch wieder hochnehmen“, sagt sie lächelnd. „Ja OK, das war mein bester Freund“, antworte ich, „wir kennen uns seit über 40 Jahren.“ „Aha, schön und er war überrascht?“ fragt Lisa. „Ziemlich“, antworte ich ihr und erzähle ihr noch ein wenig über die Begegnung am Teich. „Ist doch schön, wenn Du so aufgenommen wirst“, sagt Lisa und geht langsam die Treppe herunter. „Schönen Abend euch beiden“, wünsche ich dann noch.“ „Danke Dir auch“, antwortet Lisa.

Den Rest des Abends verbringe ich, den nächsten Tag zu planen. Mein kurzer Urlaub geht zu Ende und ich habe ja morgen einen Termin bei meinem Chef. Dann treffe ich mich Nachmittags mit meinem Onkel an der Spedition. Da ich mir in Bezug auf die Jungs von der Band überlegt habe, dass dort in der Spedition eventuell ein Raum zum üben zu nutzen wäre, lege ich schon mal meine Bass- und E-Gitarre, sowie die jeweiligen Verstärker in den Flur. „Wieder etwas Platz im Eisenbahnzimmer gewonnen“, denke ich mir. Dann fällt mir das Aufblas-Sofa, welches Bernie mir mitgegeben hat auf. „Hey OK, ich wechsel mal eben fix die Sitzgelegenheit im Wohnzimmer aus“, denke ich mir. Ich packe das Sofa aus und entfalte es vorsichtig. Dann hole ich die E-Pumpe und blase das Sofa auf. Die bisherigen Sessel und Sofas entlüfte ich nebenbei und verstaue sie. Das neue Sofa lasse ich erstmal stehen, dass sich alle Falten noch glätten können. Später werde ich nochmal etwas Luft nachblasen. Jetzt mache ich mir erstmal was zum Abendbrot. Nach dem Abendbrot überlege ich, was ich mit meinen Haaren mache. Ich entscheide mich wieder für die schulterlange gelockte Variante und suche mir eine kürzere Perücke, als die jetzige heraus. Allerdings behalte ich den Farbton bei.

Nachdem ich die Prozedur des Ablösens der alten Perücke durch habe, (der Kleber hält aber auch bombenfest), setze ich die neue auf, bringe sie in Form und fixiere auch diese mit Klebestreifen. Mit dem Ergebnis zufrieden gehe ich zurück ins Wohnzimmer und blase das Luftsofa nochmal nach. Die erste Sitzprobe fällt sehr gut aus. Begeistert probiere ich alle Möglichkeiten aus, drauf zu sitzen. „Ist ja fast zu groß, für eine alleine“, denke ich mir. Aber es fügt sich gut ins Wohnzimmer ein. Trotzdem ist es keine Dauerlösung, demnächst muss ich wohl mal einen Möbelladen besuchen. Mit einem Glas Rotwein auf dem neuen Sofa lasse ich den Abend ausklingen. Bald danach begebe ich mich zu Bett.
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Termin beim Chef

Ich bin früh auf den Beinen heute, weil ich ja einen Termin bei meinem Chef habe. Als Outfit habe ich eine schwarze Tunikablusse mit Blumenaufdruck und einen knieumspielenden schwarzen Rock rausgesucht. Dazu trage ich eine schwarze blickdichte Strumpfhose und schwarze Chelsea Boots. Für später im Büro habe ich mir dann noch schwarze Pumps mit mittelhohen Abbsätzen eingepackt. Schnell noch ein kleines Frühstück, dann schleppe ich meine Gitarren und Verstärker ins Auto, weil ich gleich nach der Arbeit zur Spedition fahre.
Um viertel vor sieben treffe ich im Vorzimmer vom Büro meines Chefs ein. Anja, die Sekretärin ist kurz vor mir angekommen und ist noch dabei, ihre Jacke auszuziehen. „Hallo Anja, mein Name ist Stefanie“, sage ich, „und ich habe gleich einen Termin beim Chef.“ Anja schaut mich mit großen Augen an. „Mein Gott, so perfekt habe ich mir das echt nicht vorgestellt“, sagt sie staunend. „Oh danke“, sage ich. Wir unterhalten uns noch eine Weile. Kurz vor Sieben kommt mein Chef herein, schaut kurz in sein Büro und geht dann zu Anja. „Ist Stefan noch nicht da?“ fragt er sie. „Doch, aber nicht als Stefan“, sagt Anja, „da fehlen noch zwei Buchstaben.“ „Äh, wie jetzt?“ fragt mein Chef und dreht sich um. Dann sieht er mich und kommt auf mich zu. „Entschuldigung, dass ich sie nicht begrüßt habe“, sagt er und Anja muss lachen. Dann dämmerts bei ihm. Erstaunt schaut er mich an. „Gestatten, Stefanie Boe“, sage ich und reiche ihm die Hand. „Das ist mir jetzt aber echt unangenehm“, sagt er, „dass mir das nicht gleich aufgefallen ist.“ Er bittet mich dann in sein Büro. „Möchtet ihr beiden einen Kaffee?“ fragt Anja. „Ja gerne“, antworten wir gleichzeitig. Kurz danach kommt Anja mit dem Kaffee. „Spricht etwas dagegen, wenn Anja mit dabei ist?“ fragt mein Chef. „Ist OK“, sage ich lächelnd. „Danke“, sagt Anja. „Erstmal eins vorweg, Stefan…ie, da muss ich mich erst dran gewöhnen, das sieht wirklich gut aus“, sagt mein Chef. „Danke schön“, sage ich lächelnd. „Na dann schieß mal los“, sagt er.
Im folgenden Gespräch erläutere ich meinen Werdegang bis hierher und auf das was noch vor mir liegt, z.B. die Namensänderung, die ich vor einiger Zeit schon beantragt habe. Ich bin in der Vergangenheit sehr oft schon im Steffi-Modus zur Arbeit gefahren und wenn ich nicht groß unter die Leute musste, auch so auf der Arbeit gewesen. Ausnahmen gab es oft, z.B. wenn ich Workshops oder Seminare geleitet habe oder wenn ich Präsentationen vorm Management gehalten habe. Vor einiger Zeit habe ich dauerhaft in das jetzige Büro gewechselt. Hier war habe ich mich so wie jetzt noch gar nicht gezeigt. Und genau darauf zielt die nächste Frage vom Chef: „Das bedeutet, dass Du ab sofort 24/7 Steffi bist?“ „Genau“, sage ich. „Das ist in unserem Unternehmen auch kein Problem“, sagt mein Chef, „aber es gibt ja immer solche Kollegen, die das noch nicht so ganz realisiert haben. Du traust Dir das zu? Ich meine ich habe bedenken, dass Du da unter die Räder kommen könntest und ein Zurück gibt es ja wahrscheinlich nicht.“ „Ich kann Deine Bedenken verstehen“, antworte ich, „diese Frage habe ich mir auch schon öfter gestellt. Aber ich traue mir das durchaus zu. Für mich geht es nicht mehr zurück.“ „OK“, sagt mein Chef lächelnd, „ich glaube Du machst Deinen Weg.“ „Und auf den Mund gefallen ist sie ja auch nicht“, sagt Anja grinsend. „Soso“, sagt mein Chef feixend und schaut Anja an, „und Du freust Dich, das Du eine Kollegin dazu bekommen hast.“ Anja lacht. „Oh, ihr habt das aber schnell realisiert“, bemerke ich grinsend. Ich beantworte den beiden noch ein paar Detailfragen. Dann sagt mein Chef: „Dann lass uns mal zur ersten Feuertaufe gehen, Steffi. In ein paar Minuten ist eine Runde mit allen Führungskräften unseres Bereiches. Da kannst Du Dich gleich mal vorstellen.“ „Ok, mach ich“, sage ich grinsend.

Als wir den Besprechungsraum betreten schauen mich auf einmal alle an. „Soso“, sagt mein Chef feixend, „kommste mal mit ‘nem Mädel in den Raum, biste selber abgemeldet.“ Ich grinse leicht. Zwei Kollegen stecken ihre Köpfe zusammen. „Ist das etwa..?“ sagt der eine leise, ich höre es aber trotzdem, was die beiden merken und geniert zur Seite gucken. Wir setzen uns, und warten, weil noch nicht alle da sind. Als der letzte den Raum betreten hat, sagt mein Chef: „Bevor wir anfangen, eine neue/alte Personalie. Bitte, Steffi, deine Bühne.“ „Danke“, sage ich, stehe auf und schaue zu den beiden Kollegen, „also, um Eure Frage gleich aufzugreifen, Ja, bin ich.“ Im weiteren Verlauf teile ich den Anwesenden den Hintergrund mit, warum ich jetzt so bin. Die meisten nehmen das auch so hin. Einer fragt mich dann auch direkt: „Glaubst Du, Du wirst überall auch so aufgenommen?“ „Nein, glaube ich nicht“, antworte ich lächelnd, „ich seh das durchaus realistisch, das es durchaus kritische Stimmen gibt. Aber es ist meine Entscheidung.“ „OK, Steffi, vielen Dank“, sagt mein Chef abschließend. Er wendet sich den anderen zu und sagt: „Ihr könnt eure Mitarbeiter gerne drauf vorbereiten.“ „Bis wir aus der Runde hier raus sind, weiß es eh die ganze Abteilung“, sagt einer der Anwesenden grinsend. „Der Flurfunk eben“, sage ich ebenfalls grinsend. Ich verabschiede mich aus der Runde und gehe zurück ins Sekretariat, um meine Jacke zu hole. Mittlerweile sind noch einige Kolleginnen und Kollegen dazu gekommen, die mich erstaunt bis erfreut anschauen. „Ich habe extra nichts gesagt“, sagt Anja grinsend. Narürlich prasseln sofort einige Frage auf mich ein, die ich in Kurzform beantworte. Dann mache ich mich auf den Weg zu meinem Arbeitsplatz. Dazu muss ich wieder ein Stück zurückfahren. Das ist die Besonderheit von dem Werk in dem ich arbeite, es ist in drei voneinander abgegrenzten Standorten aufgeteilt, und nicht zusammenhängend, wie normal üblich.

Ich komme auf dem Parkplatz vor der Halle an und stelle das Auto ab. Dann gehe ich durch den Eingang auf das Werksgelände. Kurz überlegt durch welches Treppenhaus ich ins Büro gehe. Ich entscheide mich für den Weg über das hintere Treppenhaus. Das bedeutet, dass ich den längeren Weg durch das Großraumbüro zurücklege, um zu meinem Platz zu kommen. Und irgendwie will ich bei der Gelegenheit meine Kollegen ein wenig hochnehmen. Ich gehe durch die Tür zum Büro. In der Tee- und Kaffeeküche gleich dahinter sitzen ein paar Kollegen. Ich gehe hin und frage: „ Guten Morgen, ich suche den Schreibtisch von Stefan Boe, könnt ihr mir sagen, wo der ist?“ „Na klar“, antwortet einer. Hinten links, der letzte vor dem Besprechungszimmer.“ Die anderen schauen mich erstaunt an. „Danke“, sage ich und zwinkere kurz in die Runde. Beim weitergehen höre ich einen Kollegen zum anderen sagen: „Ey Alter, hast Du das eben nicht gepeilt, wer das war?“ „Nöö, wieso?“ fragt der andere etwas treudoof, was die anderen zum Lachen bringt. Ich gehe durch den Mittelgang zu meinem Platz und begrüße meine Kollegen. Auch wenn ich sie hinter mir nicht sehen kann, merke ich , wie sie mir hinterher schauen. Das bewahrheitet sich dann auch, als ich an meinem Platz ankomme und mich umdrehe. Einer fasst sich und fragt: „Äh, was ist denn mit Dir los?“ „Ganz einfach, ich bleib jetzt so“, antworte ich lächelnd, „also, für immer.“ „Ah ja“, sagt der Kollege und gibt sich damit zufrieden. Ich setze mich und fahre meinen Rechner hoch. Nebenbei beobachte ich die Kollegen. Einige nehmen das so hin, ein paar andere stecken ihre Köpfe zusammen und tuscheln.

Nach einiger Zeit gehe ich Richtung Tee-und Kaffeeküche, um mir einen Kaffee zu holen. Bei denen die eben getuschelt haben halte ich kurz und sage: „Wenn ihr was wissen wollt, dann fragt einfach, es gibt auf alles eine Antwort.“ Dann ziehe ich mir mein Kaffee. Ein anderer Kollege kommt dazu zieht sich auch einen Kaffee und fragt mich erstmal aus. Nach und nach füllt sich der Raum. Irgendwann kommt eine der Beiden Kolleginnen ins Büro, bemerkt den Auflauf in der Teeküche und fragt: „Was ist den hier los?“ „Steffi ist los“, antwortet einer im Raum. „Wie, Steffi?“ fragt die Kollegin. „Stefan hat die Stefanie rausgelassen!“ antwortet ein anderer Kollege. „Hä?“ fragt die Kollegin wieder. Sie glaubt anscheinend, dass die anderen sie wiedermal hochnehmen wollen. „Komm einfach rein und schau nach“, sage ich lachend. Ich sitze hinten in der einen Ecke, so dass sie mich nicht gleich gesehen hat. Sie kommt dann rein, sieht mich und sagt lächelnd: „Cool, sind wir wieder ein Mädel mehr.“ Dann geht sie zu ihrem Schreibtisch. Nach einiger Zeit löst sich dann unsere Gruppe auch auf. „Dann bin ich mal gespannt, was das mit dir so wird“, sagt einer. „Oh ja“, sage ich lachend, „ich bin nach der Verwandelung noch krasser drauf, als vorher.“ Die Kollegen lachen. Beim zurückgehen zu meinem Schreibtisch komme ich bei meiner Kollegin vorbei. „Warte mal kurz, Steffi“, sagt sie. Ich halte an. „Das sieht ja absolut echt aus“, sagt sie dann. Ich bedanke mich freundlich bei ihr und gehe weiter zu meinem Platz.

Ich checke erstmal mein Postfach und dann, was ich noch an Terminen vor mir habe. Ziemlich vertieft in meine Arbeit bekomme ich gar nicht mit, wie ein Kollege an meinen Platz kommt. „Huch, Torsten, hast mich etwas erschreckt“, sage ich, als ich ihn bemerke. „Endlich darf ich Dich auch mal in echt sehen“, sagt er grinsend, „sieht echt stimmig aus.“ Ich lächele zum Dank. „Unten in der Halle ist es jetzt auch rundgegangen“, sagt ein weiterer Kollege grinsend, der grade an uns vorbei geht, „Mädel, Mädel, Du schlägst ja ganz schöne Wellen.“ „Na dann kann ich ja beruhigt runtergehen“, sage ich lächelnd, weil ich gleich ein Treffen mit einigen Kollegen Vorort habe. Ein kleiner Spießrutenlauf wird das trotzem werden. Ich kenne das aus der Vergangenheit, wenn eine Frau durch die Anlagen geht, wie dann die Augen der Kerle hinterher gehen. „Mal sehen, wie das jetzt bei mir abgeht“, denke ich mir, als ich die Halle betrete. Bei den ersten beiden, an dem ich vorgbeigehe, sehe ich aus den Augenwinkeln, wie sich die beiden den Kopf verdrehen. Ich grinse nur. Am vereinbarten Treffpunkt stehen mittlerweile alle. „Nanu? Ihr seid doch sonst nicht so überpünktlich“, feixe ich leicht verwundert. „Na ja nun“, sagt einer grinsend, „die Meldung ging ja schnell rum. Da muss man doch mal nachschauen, ob es stimmt.“ „Soso, aha“, sage ich darauf. Das Treffen verläuft ohne nennenswerte Auffäligkeiten. Nur das ich von einigen von oben bis unten abgescannt werde. Da werde ich mich wohl dran gewöhnen müssen. Ich gehe zurück an meinen Platz, wo ich bis zur Mittagspause zu tun habe. „Steffi, kommst Du mit in die Kantine?“, höre ich nach einiger Zeit einen Kollegen fragen. „Ja sicher“, antworte ich und schließe mich den Kollegen an.

Die Kantine liegt zwischen den Fertigungshallen und den Gebäuden der unternehmenseigenen Bank. Dementsprechend treffen in der Kantine Mitarbeiter aus beiden Fakultäten zusammen. Daher kenne ich auch Sandra vom Sehen. Der Weg von unserer Halle zur Kantine geht überwiegend draussen entlang. Ziemlich am Ende des Weges geht man direkt auf ein Gebäude der Bank zu. Und eben in diesem Gebäude geht grade in der dritten und obersten Etage ein Fenster auf. „Huhu Steffi“, ruft eine Frau, die ich dann auch gleich erkenne, es ist Sandra, „hälst Du uns noch drei Plätze frei? Wir gehen auch gleich los.“ „Hey Sandra, mach ich gerne“, antworte ich. Die Augen meiner Kollegen kleben an mir. Einer fasst sich. „Woher kennst Du die Dame denn?“ fragt er. „Tja“, sage ich geheimnisvoll und zucke mit den Schultern. „Boah, kaum bist Du eine Frau, schon kennst Du die beste Partie aus Braunschweig“, sagt ein anderer. Jetzt staune ich nicht schlecht und frage: „Beste Partie? Das musst du mir aber erklären.“ „Na ja, ihr Vater ist ein ganz hoher hier im Bankenwesen“, antwortet mein Kolleg Ulrich, „und ihre Mutter die Koryphäe im Immobilienwesen in der ganzen Umgebung.“ „Na, dann passt ja das Anwesen ganz gut, wo ich Sandra am Samstag hingebracht habe“, antworte ich trocken. „Und wo hast Du sie kennengelernt?“ fragt Torsten. „Erzähl ich euch nachher bei einer Tasse Kaffee im Büro“, sage ich lächelnd, „das ist eine längere Geschichte.“ „OK“, sagt Ulrich. Wir betreten die Kantine. Ich erhalte von meinen Kollegen den Vortritt und als ob ich es erahnt habe, gefühlt tausend Augenpaare glotzen mich an. Es wird auch gleich etwas leiser. Meine Kollegen grinsen. Ich halte kurz an, während meine Kollegen schon mit Tabletts und Besteck bewaffnen. „Guten Tag meine Damen und Herren lassen Sie sich nicht durch meine Anwesenheit stören“, sage ich. Einige der Anwesenden schauen ertappt weg. Dann gehe ich weiter und hole auch mir Tablett und Besteck. „Du bist ja eine Granate“, lacht Ulrich, als in der Essenausgabe wieder auf meine Kollegen treffe. „Die ist ganz schön frech“, sagt mein Kollege Andreas grinsend. „Musst Du auch sein, als Mädel“, sage ich lächelnd. Das Kantinenpersonal hat mich schon erkannt. Eine der Damen lobt mich auch gleich. Es folgt eine Reihe von Sprüchen, womit wir uns gegenseitig hochnehmen. Das ist aber normal hier, das war auch schon so, als mein Zwillingsbruder hier noch unterwegs war.

Nach dem bezahlen der Speisen suchen wir uns freie Plätze. Wir setzen uns an einen Tisch, wo schon ein paar Bankerinnen sitzen. „Die drei Plätze hier sind schon belegt“, sagt eine der Damen resolut. Da ich weiß, dass die Damen öfter mit Sandra hier zusammen sitzen, sage ich: „Ist für Sandra und zwei Kolleginnen, gelle?“ Sie schaut mich erstaunt an und sagt dann: „Ja, woher wissen sie das?“ „Sandra kommt dann gleich“, sage ich grinsend, „da brauchen wir ja keine Plätze mehr freihalten.“ Ich sitze grade, da erscheint auch schon Sandra in der Eingangstür. Sie lässt ihren Blick schweifen. Ich winke ihr zu. Ein Lächeln läuft über ihr Gesicht. Nach ein paar Minuten kommt sie dann mit ihren beiden Kolleginnen an unseren Tisch und setzt sich genau mir gegenüber hin. Sie ist die ganze Zeit am lächeln. „Na Steffi, bist Du gut über das restliche Wochenende gekommen?“ fragt sie. „Joa, ich hatte gut zu tun“, antworte ich, „und Du?“ „Ich hatte auch einiges vor, aber musste dauernd an Dich denken“, antwortet sie. Aus den Augenwinkeln sehe ich die resolute Platzverteidigerin von eben, wie sie die Augen verdreht. Ulrich sieht es ebenfalls. „Sagen Sie mal, junge Frau“, spricht Ulrich Sandra feixend an, „woher kennen sie unsere Steffi eigentlich?“ „Öh, darf ich das sagen?“ fragt mich Sandra. Ich lache und sage: „Wenn Du es nicht sagst, dann bohren die nachher solange nach, bis ich es sage.“ „Also gut“, sagt Sandra lachend und erzählt von dem, was wir am vergangenen Freutag erlebt haben. „Interessant, wo ihr euch so rumtreibt“, sagt Ulrich feixend.

Die Mittagspause neigt sich dem Ende zu. Wir stehen auf und bringen unsere Tabletts weg. „Ich brauche die Steffi noch mal kurz“,, sagt Sandra grinsend zu meinen Kollegen. „OK, wir gehen dann schon mal vor“, sagt Torsten. Langsam gehen Sandra und ich aus der Kantine heraus und bleiben draussen noch kurz stehen. „Hast Du heute noch Zeit?“ fragt Sandra, „das wir uns nochmal treffen und unterhalten können?“ „Hm, ich habe nachher noch ein Treffen mit meinem Onkel in der Spedition“, sage ich, wie sieht es mit morgen aus?“ „Ich habe morgen und übermorgen ein Seminar auswärts“, sagt Sandra. „Hm, dann Donnerstag?“ frage ich. „Ja gerne“, sagt Sandra strahlend, „irgendwo in einem Cafe´?“ „Gerne, vielleicht das Eis Cafe in der Siedlung nebenan?“ frage ich. „Au ja, das ist eines der Besten in Braunschweig“, sagt Sandra erfeut, „kennst Du das schon länger?“ „Ja, seit dem sechsten Lebensjahr“, antworte ich brav. Sandra schaut erstaunt. „Ich habe meine Kindheit in der Siedlung verbracht“, sage weiter. „Aha“, sagt Sandra lächelnd. „Also am Donnerstag dann?“ frage ich. „Ja machen wir ich kann ab 16:00Uhr.“ „OK machen wir so“, sage ich und gebe ihr ein leichtes Küsschen auf die Wange. „Och , danke, Du süßes Ding“, sagt Sandra verträumt. Dann geht sie zögerlich in das Gebäude, in dem ihr Büro ist. Ich mache mich derweil auf den Weg zurück in mein Büro. Ich staune immer noch, wie verliebt Sandra in mich ist. Im Büro angekommen, arbeite ich die letzten Sachen auf, die in der letzten Woche aufgelaufen sind. Um Viertel nach Drei mache ich Feierabend, verabschiede mich von meinen Kollegen und mache mich auf den Weg zu meinem Auto.

Ich fahre direkt zur Spedition und komme noch vor 16:00 Uhr an. Auf dem Platz vor der großen Halle ist einiges los. Ich parke dann einfach vor der Werkstatt. Von da aus gehe ich rüber zum Speditionbüro, wo meine Tante und mein Onkel schon waren. „Hallo Steffi“, begrüßt mich meine Tante freudig. „Na ihr beiden“, grüße ich lieb zurück. Wir gehen noch mal den Vertrag durch. „Sieht gut aus, können wir so machen“, sage ich und unterschreibe. „Super“, sagt mein Onkel, „ich werde dann die jeweiligen Mieter informieren. Einige sind auch grade da, da können wir den ein oder anderen gleich vorab informieren.“ „Dann machen wir das am besten, wenn wir zur Werkstatt rübergehen“, sagt mein Onkel. „OK,machen wir so,“ sage ich. Dann machen wir uns auf den Weg rüber.
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Wäre ich schlank, würde euch das nur unnötig geil machen...

Stephanie
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In der Werkstatt


Draußen auf dem Platz vor der Spedition ist grade Stimmung. Ein paar Lieferwagen stehen kreuz und quer, obendrein will ein LKW durch und nach hinten an die Laderampe. Ich staune über das Chaos, während meine Tante und Onkel dem Treiben gelassen zuschauen. Mein Onkel sieht mein Staunen und sagt: „Das ist normal, wenn Giovanni mit seinem Anhänger hinter dem Lieferwagen hier auftaucht. Er tut sich unheimlich schwer damit, mit dem Anhänger rückwärts einzuparken.“ „OK“, sage ich grinsend. „Und wenn dann noch jemand durchmöchte, ist es bei Giovanni ganz vorbei.“ Ich beobachte die anderen Fahrer, die machen sich zum Teil einen Spaß daraus machen, Giovanni hoch zu nehmen. Nach einiger Zeit reicht es Giovanni und er kommt zu uns herüber und sagt zu meinen Onkel: „Cheffe, das geht so nicht, die machen mich verrückt.“ Mein Onkel lächelt und zeigt auf mich. „Sie ist ab heute Cheffe auf dem Platz.“ Giovanni schaut mich staunend an. Ich reiche ihm die Hand und sage: „Buongiorno! Ich bin Stefanie Boe.“ Giovanni staunt immer noch. „Du machst hier für Ordnung?“ fragt er mich, nachdem er sich etwas gefasst hat. Ich nicke. „Dann sage die Idioten, dass Sie aufhören zu hupen“, sagt er, „auf mich die nicht hören.“ Ich lache und sage: „Ich kanns ja mal versuchen.“ Mein Onkel grinst. Ich gehe ein paar Meter auf das Knäuel der hupenden Lieferwagen und LKW zu. Dann pfeife ich laut auf den Fingern. Tatsächlich ebbt das Gehupe ab. Ich lege den Zeigefinger an die Lippen. Das ich „Pst“ sage hört zwar keiner, aber die Geste kommt an. Ich drehe mich zu Giovanni um. Der staunt mit offenen Mund. „So jetzt kannste einparken“, sage ich lächelnd. Giovanni steigt zögernd in seinen Lieferwagen. Er versucht dann Rückwärts in seine Box zu fahren. Bereits nach ein paar Metern steht sein Gespann fast rechtwinklig. „Oje“, sage ich und gehe zu ihm hin. „Rutsch mal rüber“, sage ich und Giovanni rutscht auf den Beifahrersitz. Ich setze mich ans Lenkrad und fahre rückwärts in seine Box. „Bella Donna! Woher kannst Du das?“ fragt mich Giovanni staunend. „Habe ich bei der Armee gelernt“, sage ich grinsend. „Musst Du mir unbedingt mal zeigen, wie geht“, sagt er dann. „Gerne, ich bin ja jetzt öfter hier“, antworte ich.

Ich gehe wieder zu Onkel und Tante. Die grinsen beide. „Du bist so eine Granate“, sagt mein Onkel lachend. Wir wollen grade weiter zur Werkstatt, da kommt einer der LKW-Fahrer auf uns zu. Er nimmt meine Hand und schüttelt sie kräftig und sagt lachend mit russischem Dialekt: „Danke, schöne Frau. War sehr lustig. Wer bist Du?“ „Ich mache ab heute hier die Verwaltung“, antworte ich lächelnd, „wenn irgendwas sein sollte, frag mich einfach.“ Er nickt mir anerkennend zu. „Warte kurz“, sagt er und geht zu seinem LKW. „Na, Du schlägst ja hier gleich richtig ein“, sagt meine Tante lächelnd. Der LKW-Fahrer holt etwas aus dem Fahrerhaus und kommt wieder. „Für Dich“, sagt er und drückt mir eine Flasche mit einer klaren Flüssigkeit in die Hand, „für gute Zusammenarbeit.“ „Danke“, sage ich lächelnd, schaue die Flasche an und frage: „Wodka?“ Seine Augen leuchten. „Ja, allerbeste russische Qualität“, antwortet er, „nicht wie Zeug aus Supermarkt.“ „OK“, bemerke ich. „Und nix mischen, nur pur trinken“, sagt er dann noch. „Mach ich“, sage ich lächelnd. Dann geht er zu seinem LKW zurück. Und wir machen uns auf in Richtung Werkstatt.

Vor der Tür stehen ein paar Leute, die sich das Spektakel angeschaut haben. „Guten Abend“, sagt mein Onkel. „‘Nabend Chef“, antwortet einer. Wir begrüßen einander. Dann fragt mich einer: „Dann bist Du die neue, von der Dein Onkel schon gesprochen hat?“ „Genau das bin ich“, sage ich, „und wer bist Du?“ „Ich bin Quasi der Chef von dem ganzen Haufen hier in der Werkstatt“, antwortet er. „Also, der Präsi?“ stelle ich fest. Er grinst. „Genau das“, sagt er erfreut, „du hast es erfasst.“ Dann bittet er uns herein. Ich staune nicht schlecht, als wir die Werkstatt betreten. Recht viele Leute sind da und schrauben an Motorrädern und Autos herum. Es ist hell und sehr sauber hier. „Guten Abend“, grüße ich freundlich in die Runde. Die Leute grüßen zurück. „Mal herhören, Leute“, ruft der Präsi, „die nette Lady hier neben mir ist Stefanie und sie übernimmt von Cheffe die Verwaltung auf dem Gelände hier.“ „OK, herzlich willkommen“, tönt es aus der Runde. Ich bedanke mich für die freundliche Annahme. "Schraubt ihr hier nur an euren eigenen Fahrzeugen rum oder nehmt ihr auch Aufträge anderer an?“ frage ich. „Sowohl, als auch“, antwortet der Präsi, „warum fragst Du?“ „Ich habe bei meinen Eltern noch eine Yamaha TT250 rumstehen, die mal wieder zum Leben erweckt werden könnte“, antworte ich. „Du hast die immer noch?“ fragt mein Onkel staunend. Ich nicke. „Bring her das Ding“, sagt der Präsi, „hier gibt’s zwei Leute die da drauf Spezialisten sind.“ „Top, mache ich“, antworte ich.

Der Präsi führt uns noch durch den Rest der Werkstatt. Ich staune nicht schlecht, als wir durch eine doppelte Stahltür in einen anderen großen Raum gehen. „Boah, da schlägt das Schlosserherz aber gleich höher“, sage ich, als ich die Maschinen sehe. „Bist Du Schlosserin?“ fragt der Präsi. „Ich habe Maschinenschlosser gelernt und später dann als Stahlformenbauer gearbeitet“, antworte ich. „Dann kannst Du mit solchen Maschinen sicher umgehen?“ fragt der Präsi. Ich schaue mir die Dreh- und Fräsmaschine an. „Jepp!“ antworte ich knapp. „Cool, dann können wir uns bei Bedarf bei Dir melden?“ fragt der Präsi. „Klar, Einarbeitung vorausgesetzt“, antworte ich. Die Tür geht auf. „Ah, das ist Mark, mein Stellvertreter“, sagt der Präsi. „Hi“, grüße ich freundlich. Ich schaue mich weiter um und sehe in einer Ecke einen Amboss stehen. Da gehe ich neugierig hin. Ich drehe mich zu den anderen um. „Wie jetzt? Eine komplette Schmiedeeinrichtung?“ frage ich erfreut. „Ja, das ist noch von Deinem Großonkel“, sagt mein Onkel,“ die haben hier früher alles selber gemacht. Erst mit der Kiesbaggerei und später dann in der Spedition. War halt so, nach dem Krieg“ „Und hinter der Tür ist noch eine kleine Tischlerei und auch eine ganz kleine Sattlerei“, fügt meine Tante hinzu. „Ich fasse es nicht“, sage ich staunend, was die anderen zum Lächeln bringt. „Wie gesagt, hier wurde früher alles selber repariert an den alten LKW“, sagt mein Onkel. „Und funktioniert auch alles noch?“ frage ich. „Ja, kannst Dich gerne hier austoben“, sagt mein Onkel. „Unglaublich, das alles“, sage ich immer noch staunend.

„Du sagtest, dass Du noch eine Frage zu den Räumlichkeiten im Obergeschoss hast?“, fragt mein Onkel den Präsi. „Ja, wollen wir mal hochgehen?“ sagt der Präsi. „Gerne“, sagt mein Onkel. Hinter der Tischlerei geht eine Treppe nach oben. „Vorne, wo wir reingegangen sind ist noch eine Treppe“, sagt meine Tante. Oben angekommen, gehen wir durch eine Tür und kommen in einen Flur. „Hier sind Toiletten und auch ein paar Duschen“, erklärt mein Onkel, „vor ein paar Jahren haben wir das mal modernisiert.“ Dann gehen wir durch eine weitere Tür. „Früher waren hier die Geschäftsleitung und die Verwaltung der Spedition“, erklärt meine Tante. „Eine kleine Kaffee- und Teeküche ist hier“, erklärt mein Onkel. „Und hier ein großer Raum, der früher das Büro war“, sagt meine Tante. „Das ist nicht grade klein hier und die Dachschrägen stören auch nicht“, bemerke ich. „Das sind über 200 m² hier oben“, sagt mein Onkel, „die Dachschrägen schon abgezogen.“ „Und ihr habt das gemietet?“ frage ich den Präsi. Er und Mark nicken. „Als Partyraum haben wir das ein paar Mal genutzt, aber, wenn wir feiern, dann meistens doch unten in der Werkstatt“, sagt Mark. „Was ist die Miete?“ frage ich in die Runde. „200 Euronen im Monat!“ antwortet Mark. „Is‘ ja nüscht“, sage ich, „aber jetzt wollt ihr den Raum dann doch loswerden?“ „Genau“, sagt der Präsi, „aber die Kündigungsfrist ist ziemlich lange.“ „Ah, OK“, sage ich, „und ein Nachmieter ist nicht in Sicht.“ „Nee, leider nicht“, sagt Mark. „Ich hätte eine Idee“, sage ich und lächele in die Runde. Ich denke dabei an die Jungs von der Band, die auch noch einen Raum suchen. Erst dachte ich ja an den einen Raum in der LKW-Halle drüben, aber der hier wäre noch viel besser. „Na dann schieß los Steffi“, sagt meine Tante. „Ich habe am Freitag eine Band kennengelernt, die noch einen Übungsraum sucht“, antworte ich. „Oh, das hört sich gut an“, sagt der Präsi. „Wie ist denn die Akustik hier und die Schalldämmung?“ frage ich. „Also schallgedämmt ist es gut“, sagt mein Onkel, „noch von früher, damit man hier im Büro ungestört arbeiten kann, wenn in der Werkstatt ordentlich gedengelt wurde.“ „Und was meinst Du mit Akustik?“ fragt Mark. „Na ja, wenn hier eventuell eine Band probt, dann sollte es auch einigermaßen klingen“, sage ich, nicht das sich durch die Dachschrägen die Töne überlagern.“ „Ach so, Ok“, sagt der Präsi. Ich klatsche ein paar Mal in die Hände und lausche. „Gar nicht schlecht“, sage ich, klatsche im Takt in die Hände und singe kurz „Feel“ von Robbie Williams an: „I just wanna feel real love feel the home that I live in.” Ich drehe mich um und sehe die vier nur staunen. Als erste fasst sich meine Tante: „Also Steffi, das klingt ja toll.“ Die anderen stimmen ihr zu.

„Also, die Akustik ist OK“, sage ich, „ich tickere mal die Jungs von der Band an.“ Ich schreibe die Nachricht an die Jungs mit kurzer Beschreibung des Raumes, Bilder davon und die Adresse des Geländes. „Woher kennst Du die Band?“ fragt mein Onkel. „Die habe ich am Freitag kennengelernt, auf der Party in der Kneipe am Harz, von der ich euch neulich erzählte“, antworte ich. „Moment mal“, sagt Mark, „war das die Kneipe, mit dem Polizeieinsatz am Samstagmorgen?“ „Genau, das was in der Zeitung stand?“ fragt meine Tante. Ich grinse und sage: „Ja, das war das.“ „Und Du warst die Dame, die durch ihr beherztes Eingreifen Schlimmeres verhindert hat?“ fragt Mark weiter. „Stand das da so?“ frage ich, „ich habe den Artikel nicht gelesen.“ „Ja, das stand da so“, sagt mein Onkel grinsend. „Na, dann war ich das wohl“, sage ich lächelnd. Vier Augenpaare schauen mich erstaunt an. „Manoman, Mädel, Du warst doch nicht früher so“, sagt mein Onkel feixend. „Ich hätte da mal eine Frage“, fragt der Präsi vorsichtig, „warst Du schon immer eine Frau?“ „Im Prinzip schon, aber ich habe mich lange selber verleugnet“, antworte ich und erkläre kurz mein Werdegang. „OK, is ja cool“, sagt der Präsi, „das wird bestimmt spannend mit Dir. „Glaub ich auch“, sagt mein Onkel, „wir sind gespannt.

„Bing“, macht mein Smartphone. Carlos hat sich als erster gemeldet. „Hey Cool, Steffi, ich bin in der Nähe und bin in 10 Minuten da“, steht in seiner Nachricht. Ich teile das den anderen mit. „Vielleicht können wir ja heute noch ein Deal machen“, sage ich. „Das wäre schon Klasse“, sagt Mark. „Bing“, die nächste Nachricht: „Bin mit Micha in Braunschweig, wir kommen sofort hin. Grüße Alex.“ Ich glaube ich hole mal was, um die Akustik weiter zu testen“, sage ich und gehe zum Auto. Grade, als ich den Kofferraum aufmache, parkt Carlos neben mir ein. „Hey Steffi, schön Dich zu sehen“, sagt er. Carlos trägt einen schicken Anzug. „Holla Du siehst ja schick aus“, sage ich staunend. „Muss schon sein, wenn ich Außendienst mache“, antwortet er. „Was arbeitest Du?“ frage ich. „Ich bin bei einer großen IT-Firma in Hannover“, antwortet Carlos. „Aha, cool“, sage ich. „Wo ist jetzt der Raum?“ fragt Carlos. Ich zeige auf den Eingang. „Da rein und gleich links die Treppe hoch“, antworte ich, „wo Du grade da bist, kannst Du mir mal tragen helfen.“ „Gerne, was hast Du denn damit vor?“, sagt Carlos, als er die Verstärker und die Gitarrenkoffer sieht. „Die Akustik da oben testen“, antworte ich, „Gesang alleine war schon mal gut.“ Carlos Augen leuchten vor Freude. Wir gehen die Treppe hoch und betreten den Raum. Ich stelle Carlos kurz vor. Carlos schaut sich um. „Das ist ja riesig hier“, sagt er staunend.

„Warum hast Du denn das ganze Equipment mit?“ fragt mein Onkel grinsend. „Ich hatte ursprünglich an den kleineren von den beiden Räumen drüben im Kopf“, sage ich, „aber das hier passt um Längen besser.“ Dann kläre ich Carlos noch über meinen „Job“ hier auf. „Cool, Steffi“, sagt Carlos. Ich mache einen Gitarrenkoffer auf und hole die Gitarre raus. „Aha, Du spielst auf Ibanez“, bemerkt Carlos. „Ja, in dem anderen Koffer ist ein Bass drin, auch Ibanez“, sage ich. „Stark“, sagt Carlos und holt den Bass raus. Ich habe derweil die Gitarre umgehängt und am Verstärker angeschlossen. Zwischendrin macht mein Handy wieder „Bing“. „Bin gleich da. Grüße Frank“ steht auf dem Display. Und gleich wieder „Bing“. „Hier ist Tom, starke Nummer, bin in ein paar Minuten da“. Ich muss lachen, als ich die Nachrichten vorlese. „Mein lieber Scholli, ihr seid ja wirklich ausgehungert, was einen Übungsraum angeht“, sage ich. Carlos lacht auch. „Kannst Du so sagen“, sagt er. „Aber cool, dass ihr alle die Zeit habt herzukommen“, sage ich. „Ist ja auch eine wichtige Sache“, sagt Carlos und hängt sich den Bass um. „Nun redet nicht so viel“, sagt mein Onkel feixend, „wir wollen mal hören, ob die Akustik was taugt hier.“ Carlos und ich grinsen. Kurz die Gitarren gestimmt, dann fragt Carlos leise: „Limbo von Fisher Z?“ „Au ja“, antworte ich lächelnd. Carlos zählt an und auf drei dreschen wir in die Saiten. Ich setze mit dem Gesang ein. Carlos grinst mich von der Seite an, während Onkel und Tante sowie der Präsi und Mark mit offenen Mund staunen. In diesem Moment betritt Frank den Raum, sieht uns und schüttelt lachend den Kopf. „Unglaublich“, sagt Frank, als wir mit dem Stück durch sind. „Also, das war richtig gut“, sagt der Präsi. „Danke“, sagt Carlos, „und der nette Herr, der grade reingekommen ist, ist Frank, hauptamtlich Keyboardspieler.“ „OK, angenehm“, sagt mein Onkel und stellt die anderen vor.

„Klingt recht gut hier“, sagt Frank, „die Akustik finde ich OK.“ „Finde ich auch“, sagt meine Tante. „Und eine erste Einschätzung? Wäre das ein Raum für uns?“ frage ich. „Moment!“, sagt mein Onkel staunend, wie jetzt „uns“, Steffi? Gehörst Du dazu?“ Carlos, Frank und ich nicken, „seit letztem Freitag.“ „Die Stimme alleine schon von Steffi, die darf der Konkurrenz nicht in die Hände fallen“, sagt Frank lachend. „Ey Du, bring mich nicht schon wieder in Verlegenheit“, sage ich lächelnd. „Ihr hört euch echt gut an“, sagt Mark, „geht da noch eins?“ „Klar“, sage ich, „das muss ausgiebig getestet werden.“ „Frank, machste mit?“ fragt Carlos. „Gerne, ich würde ja gerne das eine Stück was Steffi am Freitag gesungen hat, machen“, antwortet Frank, „das mit dem Kassettenrekorder.“ „Au ja“, sagt Carlos. Ich zeige den „gut gemacht Daumen“ und zähle an. Auf drei setzt Carlos mit dem Bass ein, kurz danach ich mit der Gitarre. Frank setzt mit dem Gesang ein. Während wir Psycho Killer von den Talking Head spielen, steht plötzlich Tom staunend im Raum. „Sehr geil“, sagt er erfreut, als wir fertig sind, „der Raum ist OK, wo soll ich unterschreiben?“ Der Präsi zeigt sich erfreut. „Ey Leute, das wäre echt cool, wenn das klappt“, sagt er. „Jetzt fehlen nur noch Alex und Micha, dann könnten wir das rund machen“, sagt Tom. Kaum hat er es ausgesprochen, stehen die beiden auch schon in der Tür. „Guten Abend, die Damen und Herren“, sagt Micha lächelnd, „gemütlich habt ihr es hier.“ „Kommt rein und sagt einfach “Ja““, sagt Tom. „Hä? Wozu, „Ja“ sagen?“ fragt Alex. „Steffi meinte, das hier könnte ein Übungsraum sein“, sagt Frank. „OK, und wem gehört der?“ fragt Micha. „Gehören tut er Steffis Onkel, aber wir haben ihn bisher gemietet und brauchen ihn aber eigentlich nicht mehr“, sagt der Präsi. „Okeee“, sagt Micha, „und wie ist es mit dem Klang?“ „Probiers aus“, sage ich und drücke ihm die Gitarre in die Hand, „Du bist hauptamtlicher Gitarrist.“ Micha lacht und sagt: „Aber nur, wenn Du Bass spielst.“ Ich verdrehe gespielt die Augen und hänge mir den Bass um. „Jetzt aber mal was mit „Bums“, schließlich sind wir hier bei die Motorradfahrers“, sage ich. Der Präsi und Mark lachen und zeigen mir den „gut gemacht Daumen“. „Na, dann fang mal an, Steffi“, sagt Micha. Ich entscheide mich spontan für Motörhead mit dem gleichnamigen Titel. Ich fange an den Bass zu sielen. Micha grinst und steigt mit der Gitarre ein. Frank übernimmt den Gesang und kriegt auch gut die Stimme von Lemmy hin.

Ein paar Leute aus der Werkstatt sind anscheinend neugierig von unserem Krawall geworden und kommen zögerlich in den Raum. „Alter, sehr geil“, sagt Mark, „oder?“ Er dreht sich zu den neu dazu gekommenen Leuten zu. Die nicken zustimmend. „Hört man das laut unten?“ frage ich in die Runde. „Wenn die Türen offen sind, so wie eben, dann schon“, sagt einer grinsend, „sonst eher nicht.“ „Na dann warts mal ab, wenn die Jungs ihr ganzes Equipment hier haben“, sage ich feixend. „Egal, bei Rock und härter könnt ihr die Tür ruhig auflassen“, sagt er wieder, „ich heiße übrigens Jürgen und bin hier in der Werkstatt der Hausmeister.“ Ich stelle daraufhin dann die Jungs vor. „Also, Jungs und Steffi, könnt ihr euch das vorstellen, das hier als Übungsraum zu nutzen?“ fragt mein Onkel. Der Präsi und die anderen schauen uns hoffnungsvoll an. Ich schaue von einem zum anderen. „Joa“, sagt Alex etwas zurückhaltend. „Was heißt hier „Joa“?“ fragt Tom, „na klar kann ich mir das vorstellen.“ „Na ja, was denn sonst?“ fragt Micha. Erleichterung macht sich bei allen im Raum breit. „Na dann, lasst uns zum schriftlichen kommen“, sage ich in die Runde. „Passt auf, wir machen folgendes“, sagt mein Onkel, „ich hole von drüben den Papierkram und ihr zeigt den Jungs die Räumlichkeiten.“ „OK, machen wir so“, sage ich. Wir machen dann noch mal oben einen Rundgang, schauen uns die Räumlichkeiten noch mal genauer an. Dann kommt mein Onkel auch schon wieder. „Also, erstmal brauche ich von euch die Kündigung“, sagt mein Onkel zum Präsi, „dann machen wir einen neuen Mietvertrag mit euch. Ihr müsst euch nur drauf einigen, wer unterschreibt.“ Automatisch schauen sie mich an. Ich schüttele mit dem Kopf. „Würde ich ungern machen, lieber einer der neutral ist. Ich bin ja quasi bei meinem Onkel angestellt“, sage ich. Die Jungs einigen sich schnell auf Tom und Micha. „Und zum Schluss machen wir einen Aufhebungsvertrag zwischen euch und mir“, sagt mein Onkel und schaut zum Präsi und Mark.

Nachdem alle Formulare ausgefüllt sind und alle Schlüssel übergeben sind, stelle ich die Wodka Flasche, die ich vom LKW-Fahrer bekommen habe auf den Tisch. „Dann lasst und mal anstoßen“, sage ich. Jürgen holt aus der Werkstatt ein paar Gläser und schenkt ein. „Prost!“ sage ich. „Boah! Der schmeckt ja lecker!“, sagt Tom, „wo haste den denn her?“ „Von einem netten russischen LKW-Fahrer“, antworte ich. Dann erkläre ich noch kurz die Aktion mit Giovanni vorhin. Die Jungs lachen. „Du bist so eine Type“, sagt Carlos lachend, „immer irgendwelche Flausen im Kopf.“ „Hatte sie schon immer“, sagt meine Tante grinsend. „Ihr seid euch auch ganz sicher, dass ich die Richtige für euch bin?“ frage ich feixend die Jungs. „Wird schon gutgehen“, sagt Alex lachend. Carlos schaut in die Runde. „Dann richten wir uns demnächst hier ein und geben mal einen ordentlichen Einstand, oder?“ fragt er. „Ja klar“, sagt Alex, „ist doch bestimmt so üblich hier.“ Onkel und Tante, sowie die Jungs aus der Werkstatt bejahen das stark.

„Ich entführ euch noch mal kurz die Steffi“, sagt mein Onkel, „ein paar Kleinigkeiten muss ich ihr noch zeigen.“ „Lauft nicht weg“, sage ich grinsend, „bin gleich wieder da.“ Der Präsi und seine Leute gehen auch gleich mit raus. Mein Onkel zeigt mir noch verschiedene Sachen, z.B. wie man das große Haupttor schließt. Hinter der Werkstatt ist noch ein Schuppen, in dem ein kleiner Bagger und ein kleiner Radlader steht. „Is‘ ja cool“, staune ich. „Die Schlüssel dafür hat Jürgen“, sagt mein Onkel, „und bei uns drüben im Büro liegen auch welche. Ab und zu braucht man diese Fahrzeuge mal.“ Ein paar Sachen zeigt er mir noch. Dann habe ich noch eine Frage: „Wo läuft denn genau die Grenze des Naturschutzgebietes?“ „Gut das Du fragst“, sagt meine Tante, „lass uns mal hinter die große Halle gehen.“ Dort angekommen sagt sie: „Also das fängt dahinten kurz hinter den letzten Häusern an und läuft gradewegs hier durch.“ „Du siehst da links einen Betonpfosten und rechts auch einen“, sagt mein Onkel und zeigt dort jeweils hin, „dann steht da rechts noch das Schild „Naturschutzgebiet“ und genau auf dieser Linie ist die Grenze, bis hoch zum Wald.“ „Also, alles was zur Spedition gehört, liegt nicht in diesem Gebiet“, sagt meine Tante, „mit Ausnahme des Kies Sees.“ „Aha OK, alles klar“, sage ich.

Wir gehen zurück zur Halle. „So Steffi, viel Erfolg in deinem neuen Job“, sagt meine Tante. „Und viel Spaß mit der Band“, sagt mein Onkel. „Und wenn Du irgendwo nicht weiterkommst, meldest Du Dich einfach bei uns“, sagt meine Tante. „Mach ich“, sage ich lächelnd. Die beiden steigen dann in ihr Auto und fahren vom Platz. Ich winke hinterher, dann mache ich mich auf den Weg zum Übungsraum. Im Treppenhaus höre ich die Jungs schon. Carlos und Alex improvisieren grade einen Blues. Als ich in den Raum trete hören sie auf zu spielen und strahlen mich an. „Na Du Glücksgriff?“ sagt Tom. „Wie jetzt frage ich. „Na ja, dass wir dich getroffen haben“, sagt Tom weiter. „Ah, das war ein Glücksgriff?“ frage ich grinsend. „Aber sowas von“, sagt Alex, „erst bei Bernie und Jens und jetzt haben wir durch Dich diesen Raum. Das ist doch hammergeil.“ „Na dann, alles richtig gemacht“, sage ich lächelnd. „Lass Dich mal drücken“, sagt Tom. „Gute Idee“, sagen die anderen und knuddeln mich ordentlich durch. „Ihr seid so welche“, sage ich lächelnd. „Ja, dann ziehen wir die Tage hier mal mit unseren Geräten ein“, sagt Frank. Eine Weile erzählen wir noch, dann sagt Carlos: „Ich muss dann langsam mal weiter.“ Auch Frank verabschiedet sich. „Ach, eine Frage habe ich noch“, sage ich, „gibt es in Braunschweig irgendwo Röhren für Gitarrenverstärker zu kaufen?“ Alex und Micha schauen mich mit großen Augen an. „Ups, aufpassen, Steffi“, denke ich mir, „tiefstapeln ist angesagt. Und schon fragt auch Micha schon: „Für welchen Verstärker denn?“ „Selbstbau“, sage ich, was auch stimmt, aber benötigen tue ich die Röhren für einen anderen Verstärker, den ich seit einiger Zeit renoviere. „OK, wie ist der Selbstbau-Verstärker denn aufgebaut?“ fragt Alex schon fast bohrend nach. „Nach dem Vorbild vom Vox AC30“, antworte ich brav. Dass ich einen in die Jahre gekommenen AC30 habe verschweige ich jetzt erst recht. Wenn ich den wieder in Gang kriege, überrasche ich die Jungs damit. Sie scheinen da wohl recht wild drauf zu sein. „So ein echter AC30 wär schon geil“, sagt Alex. „Die gibt es doch wieder zu kaufen“, sage ich. „Ja ist aber nicht das gleiche, wie einer aus den 60er Jahren“, sagt Micha. „Um auf deine Frage zurückzukommen“, sagt Alex, „es gibt da so einen kleinen Musikalienladen in der Nähe der Altstadt.“ „Ist leicht zu finden“, sagt Tom grinsend, „in der Nähe ist ein Erotikshop.“ „Ach, dann weiß ich wo das ist“, sage ich grinsend, „da bin ich Stammkundin.“ „Wo?“ fragt Tom. „Im Erotikshop“, sage ich mit dunkler samtiger Stimme. „Steffi, hör auf“, sagt Tom, „meine Hormone schlagen Blasen im Blut.“ Micha, Alex und ich lachen. Micha schaut auf die Uhr. „Kann sein, dass der Musikladen schon zu hat“, sagt er, „aber der Besitzer ist meisten noch lange im Laden, einfach an die Tür klopfen.“ „Aber nicht wundern, der Typ ist etwas kauzig“, sagt Alex. „OK, danke für die Tipps“, sage ich. Wir verlassen den Raum, schließen ab und gehen zu unseren Autos. „Also, dann sehen wir uns die nächsten Tage?“ fragt Tom. „Na klar“, sagen Micha und ich. „Bis dann“, sagt Tom, steigt ins Auto und fährt los. „Das war aber etwas gemein von Dir eben mit der Stammkundin im Erotikgeschäft“, sagt Alex zu mir. „Wieso?“ frage ich. „Na der gute Tom scheint sich irgendwie in dich verguckt zu haben“, antwortet Alex. „Hm, na ja“, sage ich mal wieder leicht verlegen, „das ist mir schon bei Jens und Bernie aufgefallen. Muss ich wohl etwas zurückhaltender sein.“ „Ach was bleib wie Du bist“, sagt Micha, „ein wenig Erotik tut uns allen gut.“ „Soso“, sage ich lachend. Dann verabschieden wir uns auch und fahren vom Hof.
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Lisa-Weber (Mo 25. Nov 2019, 15:58) • Marion (Mo 25. Nov 2019, 17:49) • Kim (Mo 25. Nov 2019, 18:43) • Sigarni (Di 26. Nov 2019, 00:51) • Drachenwind (Di 26. Nov 2019, 11:53) • Diana.65 (Mi 27. Nov 2019, 10:07) • Michi_S (Sa 30. Nov 2019, 20:08) • Kristin_Engel (So 1. Dez 2019, 19:42) • SteffiCD (Di 3. Dez 2019, 04:35) • Jenny17 (Di 10. Dez 2019, 17:09) • Ralf-Marlene (Mo 16. Dez 2019, 18:22) • SusiS (Sa 15. Feb 2020, 19:57)
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Wäre ich schlank, würde euch das nur unnötig geil machen...

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